Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Eternal-Hope:
Schön gestaltetes, spirituelles Mitmachbuch
Wechseljahre - Befreiungsjahre von Silja Mahlow
Das Buch "Wechseljahre - Befreiungsjahre" von Sinja Mahlow trägt den Untertitel "Ein spiritueller Leitfaden für die Mitte des Lebens" und dieser Untertitel wird dem Buch auch sehr gerecht: es geht weniger um einen medizinischen-biologischen Zugang zu dem Thema - dazu gibt es schon einige andere Bücher am Markt - als um einen spirituell-esoterischen.
Äußerlich ist das Buch wunderschön gestaltet, in ansprechenden Farben und mit inspirierenden Fotos und Gedichten, Checklisten (z.B. zur momentanen Zufriedenheit mit den verschiedenen Bereichen des eigenen Lebens) und Übungen (z.B. Bodyscan zur achtsameren Wahrnehmung des eigenen Körpers). Es macht Freude, sich damit zu beschäftigen.
Auch die Botschaft, die das Buch vermitteln möchte, ist eine wunderschöne: dass die Wechseljahre eine wertvolle Transformationszeit sind, die uns zu tieferer Weisheit und neuer Kraft verhelfen können, zu einer Kraft, die jetzt nicht nur nach außen geht, sondern auch tief im Innen und aus dem Innen heraus wirkt.
Besonders geeignet ist das Buch für alle Frauen, die sich schon jetzt sehr für den Bereich Spiritualität und Esoterik interessieren und mit Themen wie Chakren, TCM, Yoga, Astrologie und ätherischen Ölen etwas anfangen können. Die ursprünglich aus Indien stammenden Chakren sind eines der Kernthemen, nach denen auch die einzelnen Kapitel gegliedert sind. Wer hingegen nach einem medizinisch-naturwissenschaftlich orientierten Begleiter durch die Wechseljahre sucht, ist mit diesem Buch nicht gut beraten.
Vom Unglück der Nachgeborenen
Die glücklichste Familie der Welt von Anna Brynhildsen
Die glücklichste Familie der Welt ist ganz sicher nicht die von Sara im Schweden der Gegenwart. Sara ist 28 Jahre alt, lebt seit fünf Jahren mit ihrem Partner in einer mittelmäßigen Beziehung, weiß seit kurzem, dass sie von ihm schwanger ist und will das Kind abtreiben, hat dafür auch schon einen Termin für kommenden Dienstag.
Doch davor geht es erst einmal für ein Wochenende mit der 16-jährigen Cousine Evi und deren Vater Mats, Saras Onkel, nach Berlin. Dort will die Familie den Stolperstein besichtigen, der vor dem Haus liegt, aus dem ihre vor kurzem verstorbene Großmutter Irma als Jugendliche mit einem Kindertransport nach Schweden fliehen musste, während andere Familienmitglieder bald darauf vom NS-Regime ermordet wurden. Außerdem gibt es alte Briefe von Oma Irma, die sie damals mit ihren Eltern ausgetauscht hat, solange das noch möglich war. Diese sind auf Deutsch und von der schwedischen Nachkommenschaft konnte sie bisher keiner entziffern, nun möchte vor allem Mats die Briefe dem Jüdischen Museum in Berlin als Geschenk übergeben.
Auch Evi hat es nicht leicht im Leben. Eine Außenseiterin war sie in der Schule schon, bevor ihre jüdische Identität bekannt wurde, doch diese hat es nicht besser gemacht. Einsam und allein hat sie kaum Freunde, die Beziehung der Eltern ist dabei, in die Brüche zu gehen, Evi verletzt sich immer wieder selbst und hat einen Suizidversuch hinter sich, ihre engste Vertraute ist die 12 Jahre ältere Cousine Sara. Evi ist still und verschlossen, und wenn sie mal einen Wunsch äußert, etwa den, die Briefe vielleicht doch zu behalten, wird dieser von der Familie ignoriert bis überhört.
Es ist ein stilles, ruhiges Buch, das sich ausführlich Zeit für Details nimmt. Überwiegend geht es um das Wochenende der drei Menschen in Berlin, um Spaziergänge, Begegnungen und Verwicklungen dort. Eingeflochten ist das Thema der jüdischen Identität und was es bedeutet, in mittlerweile zweiter bis dritter Generation von Vertriebenen und Ermordeten abzustammen.
Immer wieder wird die Handlung in der Gegenwart durch einen Rückblick in die Vergangenheit der 1930er Jahre unterbrochen, als es kurzfristig "die glücklichste Familie der Welt" in Berlin gab, denn Irma und ihre jüngere Schwester Nina fühlten sich von den Eltern, einem jüdischen Ärztepaar, überaus geliebt, ernst genommen und auf Augenhöhe behandelt.
Alle Entscheidungen wurden gemeinsam im Familienrat besprochen und getroffen, die Kinder hatten viel mitzureden... bis auf die letzte Entscheidung, als die Eltern schweren Herzens und gegen den Widerstand der Kinder diese mit dem Kindertransport ins rettende Skandinavien schickten, in der Hoffnung, später nachkommen zu können. Wie man so eine Entscheidung treffen könnte und sich von den eigenen Kindern dafür trennen würde, statt als Familie zusammenzubleiben, das würde Irma erst viel später, als sie selbst schon Mutter war, verstehen.
Insgesamt ist es ein Buch, in dem zumindest auf der Gegenwartsebene nicht sehr viel passiert und das sich dafür Zeit nimmt, uns die Personen in ihren inneren Konflikten, ihrer Zerrissenheit, Isolation und Suche nach Verbundenheit und Verstehen durch viele kleine Alltagsdetails vorzustellen. Nicht alle offenen Fragen werden am Ende beantwortet sein, das lässt uns Leserinnen und Leser vielleicht nachdenklich und fragend zurück, ist aber vielleicht auch ein adäquater Spiegel für das Befinden der Charaktere. Ich kann das Buch allen empfehlen, die nachdenkliche, ruhige Bücher zu tiefgründigen Themen mögen.
Sehr theoretische philosophische Abhandlung
Am Volk vorbei von Jörg Baberowski
Die liberalen Demokratien vieler Länder sind in der Krise: populistische Parteien sind im Aufschwung und man hört immer wieder den Vorwurf, es werde "am Volk vorbei" regiert, was auch immer das heißen soll. Von einem Buch mit diesem Titel, verfasst von einem Historiker, hätte ich mir auch eine soziologische oder politikwissenschaftliche Aufarbeitung dieses sehr aktuellen Phänomens erwartet.
Mit dieser Erwartung ist man aber bei diesem Werk falsch: es handelt sich stattdessen um eine sehr philosophische, theoretische, ideengeschichtliche Abhandlung dazu, was mit verschiedenen Begriffen, zum Beispiel Demokratie, Macht, Herrschaft oder Staat gemeint sein könnte. Die Sprache ist sehr anspruchsvoll und erfordert konzentriertes Lesen und am besten ideengeschichtliche Vorkenntnisse in vielen Bereichen, z.B. "Macht ist ein produktives soziales Geschehen, in dem sich Fügsamkeit mit Erwartungen verbindet. Es gibt also ein Interesse am Gehorsam, das gar nicht von Überzeugungen, sondern von pragmatischen Erwägungen motiviert wird."
Insgesamt handelt es sich um ein interessantes Werk mit vielen diskussionswürdigen Ideen, das sich nach meiner Einschätzung aber jedenfalls mehr an ein akademisches Fachpublikum mit großem Interesse an Philosophie und Theoriegeschichte richtet als an interessierte Laien.
Die magische Welt mit den Augen eines Kindes sehen
Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi
"Unser Haus mit Rutsche" erzählt von einer unkonventionellen binationalen Familie, überwiegend betrachtet durch die Augen der 11-jährigen Layla, ab und zu ergänzt durch Reflexionen der erwachsenen Layla, die bei einer Therapeutin nach Antworten zu ihrer Familiengeschichte sucht.
Beschrieben ist das Buch als "Roman", es finden sich aber auffallend viele biografische Parallelen zwischen der Autorin und der fiktiven Layla, sodass es vermutlich autofiktionale Anteile enthält.
Layla und ihr kleiner Bruder Nouri, "der Seestern", wachsen bei einer französischen Mutter und einem irakischen Vater in der deutsch-französischen Grenzregion auf. Die Mutter stammt aus einer sehr wohlhabenden und sich für fein haltenden französischen Familie, insbesondere ihre Mutter lässt den irakischen Schwiegersohn immer wieder spüren, dass sie ihn nicht für gut genug für ihre Tochter hält.
Der Vater, arabisch "Babe", ist als junger Student aus dem Irak zum Studieren nach Deutschland gekommen und geblieben. Er organisiert verschiedene Geschäfte zwischen Europa und den arabischen Ländern, was auch recht erfolgreich ist, bis der Golfkrieg ausbricht, über den Irak ein Wirtschaftsembargo verhängt wird und seine Verwandten dort bittere Not leiden müssen und ihn um Hilfe anflehen.
Außerdem war der Vater immer schon - zumindest so weit die Kinder ihn erlebt haben - Atheist und hatte mit Religion nichts am Hut, oder? Doch bei einer gemeinsamen Reise in den Irak ist er auf einmal sehr bedacht darauf, diverse religiöse Kultstätten zu besuchen, obwohl ihm das Hintergrundwissen dazu fehlt. Und was passiert, wenn er später durch einen tragischen Vorfall in eine tiefe Sinnkrise gerät?
Über weite Teile ist es ein leichtes, unbeschwertes Buch und durch die Augen eines Kindes erscheint so einiges märchenhaft, idyllisch und wunderschön. Insbesondere "Babe" ist ein begabter Geschichtenerzähler und schwärmt den Kindern immer wieder von einer wunderbaren Zukunft vor: irgendwann, da würden sie nach Bagdad ziehen und dort gemeinsam mit den vielen Cousins in einem riesigen Haus direkt am Tigris leben. Um das Haus würde sich eine lange Wasserrutsche winden, direkt in den Fluss hinein, wo es Krokodile gebe, vor denen sie aber ein Wächter beschützen würde. Alternativ könne man auch in den Big Apple, nach New York, ziehen, wo der Vater bei der UNO arbeiten und die Familie in einem Penthouse mit Aussicht über die Stadt wohnen würde.
Diese Perspektive macht den besonderen Zauber dieses Buches aus, während im Hintergrund durchaus viele ernste Themen verhandelt werden: die Schwierigkeiten einer binationalen Ehe, Umgang mit Arbeitslosigkeit, Diskriminierungen und Desinteresse an anderen Kulturen, und all das verschärft sich noch einmal sehr mit Kriegsausbruch im Irak.
Safia al Bagdadi gelingt also hier ein bemerkenswerter Spagat, nachdenkenswerte Themen in ein scheinbar so unterhaltsames und leichtfüßiges aus Kinderperspektive erzähltes Buch einzuweben. Damit entsteht insgesamt ein Werk, das sich zwar leicht und schnell liest, aber sehr zum Nachdenken anregt und emotional tief nachhallt. Leseempfehlung!
Was ist der Preis für das vermeintlich gute Leben?
Das gute Leben von Nadine Schneider
Die 22-jährige Anni lebt in den 1960er Jahren bei ihrer Mutter im Westen Rumäniens. Die Familie gehört der deutschsprachigen Minderheit an, der Vater hat sich im Krieg freiwillig der Wehrmacht angeschlossen und ist danach in Deutschland geblieben, der Bruder ebenfalls schon dorthin geflüchtet. Nun ist Anni auch noch schwanger und in Rumänien möchte sie nicht bleiben - "Ich will hier nicht sein!", denkt sie immer wieder - hier will sie ihr Kind nicht aufziehen, und so nützt sie das, was sie als letzte Gelegenheit ansieht, um ebenfalls nach Deutschland zu flüchten.
Doch auch dort wird ihr Leben ein hartes sein: der Bruder hat selbst nicht viel und nimmt sie nur unwillig auf und sie muss sich als alleinerziehende Mutter durchschlagen, findet Arbeit am Fließband beim Quelle-Konzern und zieht daneben ihre Tochter Helene groß und später auch noch ihre Enkelin Christina, nachdem Helene sich in die USA davongemacht hat. In manchen Bereichen hat Anni auch Glück, so erbt sie vom Onkel ein Haus, doch insgesamt ist ihr Leben ein schwieriges.
Nicht unwesentlich trägt dazu neben den herausfordernden Umständen wohl auch ihre schwierige, verschlossene, harte, unerbittliche Persönlichkeit bei - ein Wesenszug, den sie vermutlich mit Tochter Helene teilt und der die Mutter-Tochter-Beziehung zusätzlich erschwert. Anni kümmert sich um das physische Wohlergehen ihrer Tochter, doch schafft sie es nicht, ihr ihre Liebe sonst so zu zeigen, dass es bei der Tochter ankommt. Die Tochter wächst also einsam bei ihrer viel arbeitenden, überforderten und kühlen Mutter in einer eher lieblosen Umgebung mit physischer Gewalt auf, wird später auf einen anderen Kontinent flüchten und ihrer Mutter Vorwürfe machen, sie hätte keine schöne Kindheit gehabt.
Auch Helene wird jung schwanger und schafft es vor diesem Hintergrund auch nicht gut, ihre Mutterrolle zu erfüllen, lässt wiederum ihre halbwüchsige Tochter Christina bei Oma Anni zurück. Zumindest zwischen der gereiften Anni und ihrer Enkelin entsteht eine liebevollere Beziehung und die beiden besuchen auch öfters miteinander die noch recht lange lebende Urgroßmutter Christinas, Annis Mutter, in Rumänien. So ist Christina schwer getroffen, als Oma Anni unerwartet mit 75 nach einer als unproblematisch angesehenen Operation verstirbt. Christina hätte gedacht, noch so viel Zeit mit ihr zu haben...
Es geht in diesem Buch also um vier Frauen einer Familie mit rumäniendeutschen Wurzeln. Männer spielen in diesem Buch nur sehr am Rande eine Rolle, es stehen klar die schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen vor dem Hintergrund der Suche nach einem besseren Leben im Vordergrund. Christina hat das Haus der Oma geerbt und nimmt sich Zeit für den Trauerprozess und um die Verlassenschaft zu ordnen, schaut Unterlagen durch, spricht mit dem noch lebenden Bruder der Oma und blickt auf ihre Zeit mit Anni zurück.
Mit Abstand am meisten erfahren wir über Anni und ihr Leben, wobei mir nicht vollständig klar wurde, wie sich Christina aus den wenigen Unterlagen und der doch recht verschlossenen Oma ein so umfangreiches Bild über deren Leben machen konnte. Jedenfalls war es aber eine interessante Geschichte.
Gerne hätte ich auch mehr über Helene erfahren, die nur sehr am Rande vorkommt: als Kind, für das Anni nicht viel sichtbare Liebe übrig hat, und später als bald in den USA lebende Mutter von Christina, mit der Christina gelegentlich in Kontakt ist, die sich aber sonst sehr der Verantwortung erzieht. Insgesamt ist Helene für mich als Persönlichkeit nicht sehr greifbar geworden. Auch Christina selbst erleben wir hauptsächlich in der Trauersituation und auf das Leben ihrer Oma zurückblickend, doch als Person ist sie mir nicht so wirklich nahe gekommen. Von der Urgroßmutter wiederum kann ich mich nicht einmal daran erinnern, dass überhaupt ihr Name erwähnt wurde, auch wenn sie im Kontakt mit Anni immer wieder vorkommt und dabei deutlich wird, von wem Anni diese Härte gelernt hat.
Im Zentrum steht also insgesamt klar das Psychogramm der als junge Frau ausgewanderten Anni, bei der es sich - wie schon angedeutet - um keine sehr sympathische Persönlichkeit handelt. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit ihrer Tochter, sondern auch darin, wie sie dem Vater des Kindes (obwohl dieser durchaus bemüht wirkt), nicht einmal die Chance gibt, gemeinsam eine Familie zu sein und regelmäßig Kontakt zu seiner Tochter zu haben, in Gewaltszenen gegenüber der Tochter und auch in reiferen Jahren noch im plötzlichen Fallenlassen einer jahrzehntelangen Freundin und treuen Weggefährtin wegen einer persönlichen Verletzung, für die diese nichts konnte.
Es handelt sich bei Anni also um eine sehr selbstbezogene, unreflektierte und unreife Persönlichkeit, die mit ihrem Verhalten viele andere Menschen verletzt, dafür kaum Einsicht zeigt und keine Verantwortung für die emotionalen Auswirkungen ihres Handelns auf andere Menschen übernimmt - was sicher auch ihrer Sozialschicht und der Zeit geschuldet ist, in der Fleiß, harte physische Arbeit und materieller Aufstieg im Vordergrund stehen, und es noch wenig Bewusstsein für emotionale Bedürfnisse gab. Dass Anni keine große Sympathieträgerin ist (jedenfalls für mich), macht aber natürlich das Buch nicht schlecht, denn solche Menschen gibt es und psychologisch ist Anni stimmig und tiefgründig gezeichnet.
Was die Hintergrundkulisse der Auswanderung aus Rumänien betrifft, so gibt es genug historischen und geographischen Kontext, um das Buch stimmig in diesem Zusammenhang zu verorten, auch wenn klar Annis Psychogramm und die Beziehungen zwischen den Frauen im Vordergrund stehen und nicht eine umfangreiche Vermittlung der Atmosphäre dieser Region. Wer sich aber tiefgründig für diese Region und die Situation der Deutschsprachigen dort interessiert, dem seien eher andere Bücher (z.B. von Iris Wolff) angeraten.
Es handelt sich insgesamt um ein solides und diskussionswertes Buch. Noch etwas gewonnen hätte es vielleicht dadurch, wenn wir neben Anni auch über Helene und Christina noch mehr erfahren hätten. Sprachlich hat es mir sehr gut gefallen, es hat eine charakteristische, unverwechselbare Sprache und eindringliche Metaphern. Insgesamt kann ich es jenen, die gerne Bücher über schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen lesen und mit unsympathischen Charakteren kein Problem haben, durchaus empfehlen.
Eindringliche Worte für ein Aufwachsen im Elend
Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien
Wieder ein autofiktionaler Roman, in dem es um das Aufwachsen eines Kindes unter Bedingungen der Verwahrlosung geht. Ich muss mir Mühe geben, dieses Buch objektiv zu beurteilen, weil ich merke, dass ich dieser Thematik in den letzten Jahren schon ein bisschen müde geworden bin. Sind doch unglaublich viele autofiktionale Bücher zu diesem Thema in den letzten Jahren erschienen.
Diesmal ist es eine links-alternative Männer-WG, in der die kleine Lale in den 80er Jahren aufwächst: einer davon ihr leiblicher Vater, die anderen seine Sauf- und Drogenkumpanen, dazu deren wechselnde Bettgenossinnen. Die leibliche Mutter Anne ist drogensüchtig und pendelt zwischen Gefängnis und Notunterkünften hin und her, kann ihre Mutterrolle kaum erfüllen und wird früh sterben. Lale selbst wird in der Männer-WG hauptsächlich sich selbst überlassen, zwischendurch aber auch mal verprügelt und ein anderes Mal von einem der Männer sexuell missbraucht. Für die halbjährlichen Besuche des Jugendamtes wird vorher geputzt, aufgeräumt und das Mädchen instruiert, eine heile Welt vorzuspielen. So ist es kein Wunder, dass auch Lale früh abstürzt, mit Drogen in Kontakt kommt, schwanger wird, abtreibt und dann doch jung Mutter wird. Was sie vielleicht ein bisschen rettet, sind ihre Intelligenz - überraschenderweise schafft sie das Abitur - und ihr Schreibtalent. Dieses zeigt sich, für den Fall, dass die Autorin zumindest zum Teil mit ihrer Ich-Erzählerin gleichzusetzen ist (wie sie schreibt, beruht das Buch ja zum Teil auf wahren Begebenheiten), schon auch in diesem Buch und es finden sich immer wieder eindringliche Sprachbilder für das, was Lale erlebt hat, z.B.
"Ich werde stolpernde Schritte in die feindliche Außenwelt tun, werde versuchen, mich freizuschwimmen und die üblichen Fragen stellen, beim Wachsen und Erwachsenwerden, warum habt ihr, wieso hier und weshalb so anders als die anderen." (S. 62)
"Wenn ich am Abend nicht ruhig liegen kann, endlich schlafen will, komme ich mir vor wie ein Tier ohne Fell. Meine Beine müssen sich bewegen, die Füße unaufhörlich zappeln." (S. 71)
"Nach dem Urlaub trennt er sich von mir, und ich kann es ihm nicht verübeln, habe ich mich doch selbst längst von mir getrennt." (S. 153)
Was mir persönlich etwas zu kurz gekommen ist in diesem Buch, sind weitergehende Erkenntnisse über die umfangreiche Schilderung all des Elends von Lales Aufwachsen unter diesen Umständen hinaus. Ich hätte nämlich gern noch mehr darüber erfahren, wie sie schließlich vielleicht doch den Weg hin zu einer funktionierenden Erwachsenen findet. Stattdessen hätte es nach meinem Geschmack die Hälfte der Vernachlässigungsszenen auch getan, um ein vollständiges Bild davon zu vermitteln. Für mich war es also zu viel Elend und zu wenig Weiterentwicklung in diesem Buch, und dadurch - neben der Sprache - nicht so viel, das es von anderen Werken mit einer ähnlichen Thematik unterscheidet.
Dennoch bewundere ich den Mut, sich aus so einem Hintergrund herauszuarbeiten und die Sprache zu entwickeln, so ein Werk darüber zu verfassen. Für Leserinnen und Leser, die noch nichts zu dieser Thematik gelesen haben, wird es auch sicherlich interessant zu lesen sein.
Über die Kraft, die aus der Herkunft kommt
Halber Stein von Iris Wolff
"Halber Stein" ist das Romandebüt der vielfach ausgezeichneten deutschen Autorin Iris Wolff. Die Wurzeln der Autorin liegen selbst in Siebenbürgen, sie stammt aus einer deutschsprachigen "sächsischen" Familie in Rumänien und ist als Kind gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert.
In diesem Roman erzählt sie von Friedesine, genannt "Sine", eine fiktive junge Frau, die ein ganz ähnliches Schicksal teilt, als Kind Siebenbürgen für Deutschland verlassen hat, dort nun ihr Studium beendet hat und anlässlich des Todes der geliebten Großmutter Agneta zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder für eine kurze Zeit die alte Heimat besucht. Sine selbst steht an einer Weiche in ihrem Leben, weiß nicht so recht, wohin mit sich beruflich und auch sonst.
Sine kommt in Siebenbürgen an und streift erst einmal herum. Sie begegnet Julian, einem alten Freund aus der Kindheit. Die beiden haben damals miteinander gespielt, nun sind sie in unterschiedlichen Ländern und Welten erwachsen geworden, begegnen einander wieder, nähern sich an, erkunden gemeinsam Sines alte Heimat, dabei entwickelt sich eine zarte, nur angedeutete Romanze zwischen ihnen.
Dieses Buch lebt nicht von großen, dramatischen Ereignissen. Es ist ein stilles, poetisches Buch mit eindringlicher, wunderschöner Sprache, das mich emotional tief mit der mir bisher unbekannten ländlichen Gegend Siebenbürgens verbunden hat, denn es ist voll von detaillierten Landschaftsbeschreibungen und Hintergrundinformationen über die Region:
"Ich blieb stehen. Das undurchdringliche Blaugrün eines Gletschersees lag vor uns. Die Berge umrundeten ihn im Halbkreis, eine einzelne Wolke hob sich fast senkrecht über der spiegelglatten Oberfläche in die Luft. Büschelweise lila Enzian und Silberdisteln, so weit das Auge reichte. Vereinzeltes Geröll lag übers Gras verstreut, das nicht wie in Michelsberg verdorrt und ausgebleicht die Erde bedeckte, sondern hellgrün leuchtete. Ich hatte mehr noch als unten in der transsilvanischen Ebene das Gefühl, der Herbst habe sich zwischen den Jahreszeiten verloren." (S. 181/182)
Dazu kommen die Erinnerungen an die verstorbene Großmutter und an die Zeit als Kind in der siebenbürgischen Heimat... so viele Erinnerungen sind mit dem alten Haus verknüpft, doch nun wohnt keiner mehr darin, Sines Vater und Onkel haben es geerbt, der eine möchte es behalten, der andere verkaufen.
Immer wieder eingewoben in das Buch sind auch historische Bezüge, wenn der passionierte Hobbyhistoriker Julian, der von einem Geschichtestudium träumt, von der Vergangenheit erzählt und dabei lebendig wird, welchen Herausforderungen die Vorfahren der Siebenbürger Sachsen ausgesetzt waren: "Mit welchem Gefühl baut man ein Dorf wieder auf, nachdem es niedergebrannt wurde? Wie schafft man es, sich wieder am selben Ort anzusiedeln, wenn eine ganze Dorfgeneration versklavt wurde? Nicht aufzugeben, obwohl man in diesem Gebiet so vielen Gefahren und Unwägbarkeiten ausgesetzt war?" (S. 45)
Dann geht es wieder um die etwas jüngere Vergangenheit, um die schwierigen Zeiten unter den Kommunisten, Verschleppung von Deutschsprachigen, aber auch Diskriminierung von ethnischen Rumänen durch diese. Später dann die vielen Deutschsprachigen, die gegangen sind, sobald sie konnten. Zurück bleiben verlassene Felder und geräumige Höfe, Spuren der einst so lebendigen Gemeinschaft in dieser Gegend, und die wenigen, die noch geblieben sind. Es gibt Begegnungen mit Menschen, die Agneta kannten, und oft auch Sine als Kind. Blicke zurück in die Vergangenheit, auf die Großmutter, auf die eigene Herkunft, das eigene Erbe.
Am Ende des Buches ist die Oma begraben und sonst im Außen nicht so viel passiert. Doch zurück bleibt das Gefühl, dass es vielleicht für Sine nun ein bisschen leichter werden kann, sich zu orientieren im Leben. Denn in diesen wenigen, aber tiefgründigen und bedeutungsvollen Tagen in Siebenbürgen hat sie sich wieder tiefer mit ihren Wurzeln und ihrer Herkunft verbunden und wird daraus vielleicht Kraft schöpfen können für den weiteren Weg, den sie nun geht.
Mich hat dieses Buch sehr berührt und mir viel Wissen, aber vor allem auch Gefühl für Siebenbürgen und die deutschsprachigen Bewohnerinnen und Bewohner dieser Gegend vermittelt, ja, sogar Lust darauf gemacht, diese interessante Gegend zu besuchen und selbst zu erkunden. Es eignet sich insbesondere für Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich auf ein ruhiges, poetisches und dafür umso tiefgründigeres Buch einzulassen, ohne besonders viel Spannung oder ein schnelles Voranschreiten der Handlung zu erwarten.
Herkunft, Identität und Klasse im modernen Amerika
Real Americans von Rachel Khong
"Real Americans" wird schon am Cover als herausragendes Werk angepriesen, auch auf der Rückseite und auf den Innenklappen finden sich viele Lobpreisungen, der Verlag vermarktet es unter dem Slogan "Deutschland liest ein Buch". Das wunderschöne Cover mit der Auster macht neugierig, genauso wie der Titel.
Insgesamt weckt das alles hohe Erwartungen an ein außergewöhnliches Werk.
Tatsächlich handelt es sich auch um ein sehr lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen, die insbesondere die USA, aber im weiteren Sinn auch die Welt beschäftigen, behandelt. Es geht um Migration, Herkunft, Identität, Familiengeschichte, soziale Klassen, Macht, Geld und die damit verbundenen Privilegien, um Liebe zwischen Familienmitgliedern, Enttäuschungen, Entfremdung und Verrat, darum, was uns prägt und wer wir sind, wie wir uns innerlich fühlen und was uns von außen zugeschrieben wird. Auch Genetik, Epigenetik und aktuelle ethische Fragen der Biomedizin insbesondere im Bereich Kinderwunsch spielen eine Rolle, ebenso wie das kommunistische China und kulturelle Unterschiede und Normen.
All diesen Themen nähert sich das Buch aus drei Perspektiven an, die nicht chronologisch erzählt sind und jeweils eines der Mitglieder einer chinesisch-amerikanischen Familie ins Zentrum rücken. Die Geschichte beginnt mit Lily Chen, die in den USA geboren und aufgewachsen ist, als Tochter aus China eingewanderter Eltern, die als Forscher in der Biomedizin-Branche arbeiten und sich erhofft hätten, auch die Tochter würde sich für die Naturwissenschaften begeistern. Doch diese hat sich den eher brotlosen Geisteswissenschaften zugewandt und bis jetzt nach ihrem Studienabschluss nur ein unbezahltes Praktikum in einem Medienkonzern gefundet, sodass sie nach wie vor auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen ist.
Insgesamt ist die Beziehung zwischen Tochter und Eltern, und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung, eine schwierige, hat die Mutter doch im kommunistischen China nicht gelernt, Gefühle offen zu zeigen. Zwar sagt sie der Tochter immer wieder, dass sie diese liebe, denn sie hat gelernt, dass man das in Amerika so macht, doch emotional kommt es bei Lily nicht so ganz an. Auch sonst hat es Lily nicht so leicht: mit ihren asiatischen Gesichtszügen wird sie, obwohl in den USa geboren, perfekt Englisch sprechend und hochgebildet, immer wieder von anderen nicht als ganz vollwertige Amerikanerin, "real American" angesehen und muss so einiges an Diskriminierungen ertragen. In dieser Situation lernt Lily auf einer Firmenveranstaltung Matthew kennen, unendlich reicher Erbe eines Pharmaimperiums, und die zwei verlieben sich ineinander, doch Lily leidet darunter, das Gefühl zu haben, in Bezug auf ihre Klasse und gesellschaftliche Position so weit unter ihrem Partner zu stehen, und unter dem Machtgefälle, das das mit sich bringt.
So ist es auch nicht ganz verwunderlich, dass wir im zweiten Teil Lily als alleinerziehende Mutter ihres Sohnes Nick kennen lernen und diesen Teil vor allem aus Nicks Perspektive erleben. Lily hat Nick von allen technologischen Errungenschaften unserer Zeit ferngehalten, er wächst ohne Handy, Computer und E-Mail auf, hat nur einen einzigen Freund, fühlt sich als Außenseiter und versucht verzweifelt, herauszufinden, wer sein Vater sein könnte. Auch Nick hat mit den Zuschreibungen anderer Menschen zu kämpfen, aber ganz anders als Lily: er kommt äußerlich sehr nach seinem kaukasisch-weißen Vater, in seinen Gesichtszügen ist trotz chinesischstämmiger Mutter nichts Asiatisches zu entdecken und insbesondere später am College, in einer Zeit, in der es so wichtig wird, sich über die eigene Ethnizität zu identifizieren, wird ihm sein asiatisches Erbe immer wieder von anderen abgesprochen, was seine Orientierungslosigkeit und sein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit verstärkt.
Im dritten Teil lernen wir schließlich noch die Perspektive von Mai, Lilys Mutter, kennen, die im kommunistischen China aufgewachsen ist, einiges an Entbehrungen unter Mao miterleben musste, in China Naturwissenschaften studiert hat und schließlich auf dramatische Art und Weise das Land verlassen und in die USA auswandern konnte. Insbesondere dieser Teil war für mich sehr interessant zu lesen, weil ich so einiges Neue über Chinas Vergangenheit lernen konnte und auch einen erweiterten Blick darauf bekommen habe, was für eine Herausforderung es für Auswanderer aus dieser Kultur bedeuten kann, in den USA neu Fuß zu fassen und wie bemerkenswert gut das viele von ihnen trotzdem hinbekommen haben.
Insgesamt war das Buch für mich sehr interessant zu lesen. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen bzw. hat sie für mich umso mehr Tiefe entfaltet, je weiter die Erzählung vorangeschritten ist und die Charaktere aus den verschiedenen Generationen der Familie vorgestellt wurden. Auch die Familienbeziehungen haben durch die verschiedenen Perspektiven für mich an Reichhaltigkeit dazu gewonnen. Es war ein spannendes und unterhaltsames Leseerlebnis, mit einigen überraschenden Wendungen und tiefgreifenden Fragen zu vielfältigen Themen, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Streckenweise gab es Abschnitte, die mich etwas weniger interessiert haben als die anderen, das war insbesondere am Anfang beim langen Kennenlernen von Lily und Matthew der Fall und später während Nicks ausführlich geschilderten Collegeerfahrungen. Bei manchen Details im Bereich Biogenetik war ich mir auch nicht ganz sicher, wie realistisch die im Buch beschriebenen Szenarien sind. Sprachlich empfand ich das Buch als solide, aber nicht außergewöhnlich.
Ausgeglichen wurden diese kleinen Mängel aber durch die gelungene Verflechtung vieler spannender, zeitgenössischer Themen und ein insgesamt unterhaltsames und vielseitiges Buch, das bestens zum aktuellen Zeitgeist passt und interessante Debatten dazu inspirieren kann.
Humorvoll, tragisch, voller Weisheit und zu Tränen rührend - lesen!
Zugwind von Iryna Fingerova
Auf dem Buchumschlag steht "Roman" und es geht im Buch um die fiktive jüdisch-ukrainische Ärztin Mira Zehmann, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt und praktiziert. Doch unschwer lassen sich viele Parallelen zwischen der Autorin und ihrer Romanheldin erkennen: auch die Autorin ist jüdisch-ukrainischer Abstammung, hat in der Ukraine Medizin studiert, in Deutschland Prüfungen abgelegt, um ihre Qualifikation anerkennen zu lassen und arbeitet nun als Hausärztin in Dresden.
Somit ist anzunehmen, dass so manches aus dem Buch autobiographisch inspiriert sein könnte oder das Buch zumindest einen autofiktionalen Einschlag hat. Verfasst hat Iryna Fingerova das Buch im Original zum Teil auf Ukrainisch und zum Teil auf Deutsch, diese Ausgabe hier ist natürlich ausschließlich Deutsch.
In vielen kleinen Episoden berichtet Mira Zehmann aus ihrem Leben in Deutschland, aus ihrer Arbeit als Hausärztin, Zeit mit ihrer Familie und einer gefährlichen Reise in ihre Heimatstadt Odesa. Sie ist eine unglaublich toughe, ehrgeizige und hart arbeitende junge Frau, hat es mit Ende 20 schon zur Hausärztin geschafft, und das in einem fremden Land und einer fremden Sprache, und eine kleine Tochter hat sie auch noch.
Mira ist noch vor dem Ukrainekrieg nach Deutschland ausgewandert, doch natürlich lässt sie der in der alten Heimat tobende Krieg ganz und gar nicht kalt und sie wird auch jeden Tag durch die Medien, durch ihre vielen russischen und ukrainischen Patientinnen und Patienten und durch zurück gebliebene Verwandte und Bekannte damit konfrontiert. Später kommt auch noch der Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Krieg als weitere Belastung hinzu.
Das Buch lebt davon, dass wir Mira durch ihren Alltag als Ärztin begleiten: es ist voll von Begegnungen mit Menschen in ihrer Arztpraxis, alles vor dem Hintergrund der Kriege. Ich habe mich Mira durch diese Alltagsbegegnungen sehr nahe gefühlt und war tief berührt von ihrer Resilienz, aber auch von ihren Emotionen: durch das Buch zieht sich die titelgebende Metapher des Zugwindes, der sich bei Mira eingenistet habe, seit der Krieg begonnen hat. Ein Frösteln, ein Wind, den sie in sich spürt, selbst wenn alle Fenster eigentlich dicht geschlossen sind und es eigentlich keinen Zugwind geben sollte:
"Es kam vor, dass sich mein Leben abrupt änderte, als würde ein Pflaster von der Wunde gerissen. Kurz und schmerzlos. Aber nie zuvor hatte sich ein Zugwind in mir eingenistet."
Die junge Autorin besitzt ein großes Talent für Sprache und ein Gefühl dafür, prägnant, treffend und berührend zu formulieren:
"Im Winter 2022 zogen Idealisten in den Tod. Schriftsteller, Ärzte, Journalisten, Ingenieure. Junge, leidenschaftliche, hingebungsvolle Menschen, die mit Geschichten darüber aufgewachsen sind, dass jeder Voldemort am Ende in Flammen aufgeht."
Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Lisa Hrdina. Mir hat die Modulation und Interpretation der Sprecherin sehr gut gefallen, sie wirkte auf mich sehr authentisch für dieses Buch und ich hatte den Eindruck, dass auch die ukrainischen, russischen und hebräischen Begriffe richtig ausgesprochen wurden. Ich kann es also auch in dieser Variante sehr empfehlen.
Insgesamt ist es ein sehr berührendes Buch, das einem die Kriege der letzten Jahre und die davon betroffenen Menschen noch einmal auf eine ganz neue, eindringliche Art und Weise näher bringt und dem ich viele Leserinnen und Leser wünsche!
Humorvolle, warmherzige Unterhaltung für entspannte Stunden
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene ist das Klischee einer kalten Karrierefrau, wie sie im Buche steht: ambitioniert, hart arbeitend und unempathisch hat sie es fast bis an die Spitze des Unternehmens geschafft. Ihre Erfolge werden respektiert, ihre scharfen Bemerkungen sind gefürchtet, für Sensibilitäten hat sie kein Verständnis.
Doch genau das steht ihr nun im Wege: den angestrebten Höhepunkt ihrer Karriere, Vorstandsvorsitzende zu werden, kann sie nur erreichen, wenn sie sich auf Wunsch ihres scheidenden Chefs auf ein zweiwöchiges Achtsamkeitstraining einlässt und sich danach zeigt, dass sie bereit ist, an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten. Denn wenn sich weiter ständig alle Mitarbeiter über sie beschweren, ist sie in der heutigen Zeit in so einer Position nicht tragbar.
Und so landet Marlene auf einem Schloss, das ein nach außen hin strahlender, aber innerlich ebenfalls mit seinen Herausforderungen kämpfender Coach gemietet hat und lässt sich erst einmal nur sehr unwillig auf die Coaching- und Gruppenangebote ein. Doch im Laufe der zwei Wochen wird es zu allen möglichen amüsanten Fügungen und Wandlungen kommen, die nicht nur bei Marlene einen tiefgehenden Wandlungsprozess auslösen werden.
Es handelt sich hier klar um ein Werk der humorvollen Unterhaltung. Als solches ist es aber bestens gelungen. Das Buch liest sich mit Leichtigkeit und Freude, ich bin nur über die Seiten hinweggeflogen beim Lesen und es hat mir ein paar sehr vergnügliche Lesestunden bereitet.
Die Geschichte ist voll von eigenwilligen, aber doch auf ihre Weise sympathischen Charakteren, die beim näheren Hinblicken alle das Herz an der rechten Stelle tragen: neben den beiden schon erwähnten gibt es etwa einen studierten Hausmeister, der sich in diese Position zurückgezogen hat und sich um seine sterbende Mutter kümmert, ein Teenager-Mädchen, das von zu Hause weggelaufen ist und nach liebevollen Erwachsenen sucht, ein Protestcamp gegen die Rodung eines Waldstücks und so einige wild gewordene Waldtiere.
Dabei regt das Buch bei aller Leichtigkeit aber auch zum Nachdenken darüber an, was im Leben wirklich wichtig ist, wie wir Sinn finden können und wie sich ein Ausgleich zwischen Verstand und Gefühlen finden lässt, nimmt dabei liebevoll die Achtsamkeits- und Coachingsszene auch etwas aufs Korn, ohne sie komplett zu verreißen.
Insgesamt hat mir das Buch nicht nur schöne Lesestunden beschert, sondern auch ein warmes Gefühl im Bauch beschert und ich habe es mit einem Lächeln zugeschlagen. Ich kann es allen empfehlen, die ein leichtfüßiges und dabei aber nicht banales, sehr unterhaltsames Buch für eine angenehme Zeit suchen.











