Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Eternal-Hope:

"Haus, ich verkaufe dich"

Alleinruhelage von Eva Menasse

Es strahlt Idylle aus, das Cover des neuen Buches der österreichischen, in Deutschland lebenden, Autorin Eva Menasse. Ein See mitten im Wald, die tiefstehende Sonne, die rosa Schrift "Alleinruhelage". Damit stimmt das Buch schon darauf ein, mit welchen, vielleicht zum Teil naiven, Erwartungen, die Ich-Erzählerin und ihr Partner, gemeinsam mit den drei Kindern, ihrem, seinem und dem gemeinsamen, in einer Patchworkfamilie lebend, an den Kauf eines Hauses am See im ehemaligen Ostdeutschland herangegangen sind:

„Wir waren stolz auf den Preis, weil alle weiter weg lebenden Freunde uns gratuliert hatten.

Für Menschen im Süden und Westen des Landes, auch für die südöstlichen Österreicher klang der Preis fast unglaublich, ein massives, unterkellertes Haus an einem See und mit einem großen Garten, dazu in Alleinruhelage – wie man in Österreich sagt, wo es auch sprachlich immer ein bisschen mehr sein darf.“ (S. 33)

Also nichts wie ran an das Wochenendhaus! Doch dieses ist renovierungsbedürftiger als gedacht, die Widmungssituation rechtlich ungeklärt, die Nachbarn näher und weniger unkompliziert als erhofft und auch mit dem so idyllisch wirkenden See gibt es so einige Probleme, etwa die "Unterwassertannenbäume", die entspanntes Schwimmen schwierig machen bis verunmöglichen oder die steigenden Temperaturen, die den See zum Veralgen und Kippen bringen.

Humorvoll, selbstreflektiert und mit einem Augenzwinkern erzählt die etablierte Autorin Eva Menasse also von ihren Freuden, Hoffnungen, Erlebnissen und Enttäuschungen rund um ihr Wochenendhaus am See über einen längeren Zeitraum. Dabei zeigt sie sich auch als feine Beobachterin gesellschaftlicher Verhältnisse, was immer wieder durchblitzt:

„Zehn Jahre nach der Wende schien diese Internetseite mit dem umständlichen Namen eine der Resterampen der DDR zu sein. Für den Osten war es eine finstere, gewalttätige Zeit, in der man zuließ, dass bergeweise Hoffnungen zertrümmert wurden, Weltvertrauen, Lebensläufe.“ (S. 26)

„Jeder Zeitgeist hat seine Scheuklappen, seine blinden Flecken und total verhärteten Ränder.“ (S. 50)

Sehr sympathisch fand ich auch, wie ihr Selbstironie und -kritik nicht fremd sind und sie offen zugibt, wo sie nicht näher hingeschaut hat oder nicht näher hinschauen wollte:

„Nun, da ich mein geliebtes Haus verkaufen und verlassen werde, muss ich mir eingestehen, dass ich mehr nie wissen wollte, niemals tiefer bohren. Ich war ein fauler Specht. Wir waren hierhergekommen auf der Suche nach einem ortlosen, überzeitlichen Paradies, einem, das sogar wir uns leisten konnten.“ (S. 86)

Was bleibt von diesem Buch? Ein gutes, warmes Gefühl im Bauch. Der Eindruck, sich nun besser vorstellen zu können, was alles dranhängen könnte, so ein Haus zu kaufen und dass es empfehlenswert ist, sich nicht zu sehr in allzu idyllische Illusionen zu verrennen, denn es steckt viel mehr Arbeit dahinter, als man am Anfang vermuten könnte. Und das Gefühl, Frau Menasse oder zumindest die Ich-Erzählerin, die ihr vielliecht in diesem vermutlich autofiktionalen Werk ein bisschen ähneln könnte, etwas näher kennen gelernt zu haben.

Neben dem Haus selbst geht es im Buch auch ein bisschen "um dies und das". Da gibt es einen Onkel Walter und eine Tante Hupfi, so eine Art kinderlose Paten und Freunde der Eltern aus der Kindheit der Ich-Erzählerin, und Schwänke, die um diese herum erzählt werden. Das trägt dazu bei, die Ich-Erzählerin noch ein bisschen besser kennen zu lernen, könnte aber für kritische Leserinnen und Leser ein bisschen vom Kern der Geschichte abweichen.

Ebenso wie so manche andere Randfiguren, etwa der Liebhaber "Habibi" (wir erfahren nicht, wie es zu diesem arabisch klingenden Spitznamen gekommen ist), der die Ich-Erzählerin in den letzten Jahren, nach der Trennung von ihrem Patchworkfamilienpartner und Vater des jüngsten gemeinsamen Kindes, am Rande ihres Lebens begleitet, als Figur sehr blass bleibt und nicht so wirklich viel zur Handlung beiträgt.

Es ist kein Buch mit einer sonderlich fokussierten Handlung, wobei wir uns schon immer im Rahmen des Hauses am See bewegen, das gekauft wird, mit dem viel erlebt und das am Ende wieder verkauft wird. Eva Menasse muss sich nichts mehr beweisen, das hat sie mit ihren vorigen Werken schon genug getan. Dieses ist für mich ein nettes Wohlfühlbuch, das ich gerne gelesen und mir ein angenehmes Gefühl dabei vermittelt hat. Auch das darf sein.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Was für ein großartiger Lehrer! Was für ein Vorbild!

Der Stärkere hört zu von Herr Reff

Gerade habe ich das Hörbuch "Der Stärkere hört zu" von Herrn Reff, einem Lehrer an einer deutschen Brennpunktschule mit hunderttausenden Followern auf Instagram, beendet und ich bin tief bewegt von der Liebe zu seinen Schülerinnen und Schülern, die bei diesem außergewöhnlichen Lehrer in jedem Wort spürbar ist, von seiner Haltung, seinem tiefen Respekt den Menschen gegenüber und seinem Mut.

Was für ein besonderer Lehrer, der so viele Leben von Kindern, die von so vielen anderen unterschätzt, diskriminiert und aufgegeben wurden, positiv beeinflusst: in seinen Schulklassen und als Multiplikator auf Social Media.

Das Hörbuch ist vom Autor selbst eingesprochen, das macht es besonders sympathisch und authentisch, man bekommt dabei das Gefühl, diesem Menschen ganz nahe zu sein. Herr Reff erzählt uns von ganz vielen kleinen Alltagssituationen mit Schülerinnen und Schülern, die in äußerst schwierigen Situationen leben, deren Familien von Traumata und Fluchtgeschichten geprägt sind und manchmal nicht einmal genug Geld haben, ihnen ein normales Pausenbrot mitzugeben. Er zeigt auf, wie er es schafft, diesen jungen Menschen auf Augenhöhe und liebevoll zu begegnen, aber gleichzeitig und vielleicht auch genau dadurch und durch seine klare Haltung, zu der er immer steht, auch ihren Respekt zu behalten.

Dabei erzählt er auch offen von seiner eigenen Lebensgeschichte, mit Eltern, die selbst von schlimmen Traumata geprägt waren, früh verstarben und nicht an ihn glauben konnten, von vielfacher Diskriminierung als Junge mit Migrationshintergrund und von einzelnen positiven Momenten, die für ihn den Unterschied gemacht haben, sodass er heute selbst so ein inspirierender Lehrer sein kann.

Aus diesem Hörbuch können sich alle Menschen sehr viel mitnehmen. Es zeigt anhand vieler konkreter Situationen auf, wie wir anderen Menschen begegnen, sie tief berühren und ihre Leben positiv beeinflussen können, weit über den Lehrerberuf hinaus. Jede und jeder, der auf irgendeine Weise mit Menschen zu tun hat, privat oder beruflich - also im Grunde alle - kann sich daraus etwas mitnehmen. Vielen Dank, lieber Herr Reff, für diese authentische Vorbildwirkung! Mögen Sie noch viele Menschen damit erreichen, auf dass sich der gute Funke weitertrage!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Für alle, die eine persönliche Beziehung zu ihrem Darm aufbauen wollen

Darm-Intelligenz von Gregor Hasler

Mit "Darm-Intelligenz" bringt der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Prof. Dr. Gregor Hasler nach "Die Darm-Hirn-Connection" schon das zweite Buch zu diesem Thema heraus. Ich habe sein voriges Buch zu diesem Thema nicht gelesen und das ist auch nicht nötig, um dieses humorvolle, praxisorientierte und persönliche Buch gut verstehen und damit arbeiten zu können.

In nahbaren, gut verständlichen Worten unterstützt uns der Autor dabei, eine persönliche Beziehung zu unserem Darm aufzubauen, um uns selbst ganzheitlicher zu erleben und unsere psychische und körperliche Gesundheit zu unterstützen. Besonders gut gefällt mir, wie zugänglich das Buch ist: es braucht kein medizinisches Fachwissen, um es gewinnbringend lesen zu können, es richtet sich an ein breites Publikum und ist gleichzeitig sehr interessant und informativ sowohl für Laien als auch für Menschen mit Vorwissen in den Bereichen Medizin, Psychologie, Psychiatrie oder Psychotherapie.

In kurzen, gut gegliederten Kapiteln geht es beispielsweise darum, wie der Darm uns bei unserer Körperwahrnehmung unterstützt, wie er auf verschiedene Nahrungsmittel reagiert, wie sich das Mikrobiom wiederum auf unsere Psyche und unseren Schlaf auswirkt, wie ein verändertes Milieu im Darm auch unsere Persönlichkeit beeinflussen kann und vieles mehr.

Am Ende jedes Kapitels gibt es Übungen, die zum Ausprobieren, Spüren und Reflektieren einladen: dazu, wie unser Darm auf verschiedene Situationen reagiert, wie wir uns mit unterschiedlicher Nahrung fühlen, welche Unterschiede bewusstes Atmen macht und vieles mehr. Auch auf die vielfältigen Verbindungen zwischen psychischen Themen und körperlichen Symptomen wird eingegangen. Sehr interessant ist auch, wie der Autor bekannte Märchen, z.B. Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen und der Wolf tiefenpsychologisch analysiert und mit der Darmthematik verbindet.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr lehrreiches und gleichzeitig unterhaltsames Buch, das ich allen, die sich für die Verbindung zwischen Intuition, Körpergefühl und Medizin, zwischen Körper, Geist und Seele und für einen ganzheitlichen Blick sowie für persönliche Weiterentwicklung und bewusste Körperwahrnehmung interessieren, sehr empfehlen kann.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Unglaublich packend erzählt, mit kleinen Schwächen in Bezug auf die historische Authentizität

Eine einfache Wahrheit von Corinna Krenzer

"Eine einfache Wahrheit" ist das Romandebüt der 1989 in Frankfurt am Main, also in der damaligen BRD, geborenen Autorin Corinna Krenzer. Von dieser Autorin werden wir hoffentlich noch viel hören, denn die Geschichte ist von einer außergewöhnlich starken, besonderen Stimme erzählt, die die Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht und in Atem hält.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, einerseits um das Jahr 2019, als die 44-jährige Schriftstellerin Janna See nach vielen Jahren und lange nach dem Tod beider Eltern für kurze Zeit wieder in ihren alten Heimatort im mecklenburgischen Kohltal zurückkehrt. Sie ist auf der Flucht vor sich selbst, mitten in der Midlife-Crisis, entfremdet von ihrem Ehemann, der gleichzeitig ihr Literaturagent ist, außerdem in einer Beziehungskrise mit ihrer lesbischen Affäre Marie sowie enttäuscht von ihrem Verlag, der ihre letzte Romanidee zurückgewiesen hat. Gleichzeitig quält sie sich seit 30 Jahren damit, dass sie sich die Schuld am Suizid ihres Vaters gibt.

Ihr Vater Ulli See war ursprünglich als junger Mann mit hohen Idealen und verliebt in eine junge Frau aus der DDR, die er bei einem Besuch dort kennen gelernt hatte, aus der BRD in die DDR gezogen, aber schnell von der realen Umsetzung des Sozialismus desillusioniert worden, hatte zu viele kritische Gedanken geäußert, wurde in Folge degradiert und gedemütigt und schließlich hatte die Familie sehr plötzlich kurz vor der Wende aus der DDR fliehen müssen und in der BRD von ganz unten noch einmal anfangen müssen. Daran und an der Entfremdung in der Familie war er verzweifelt und hatte sich kurz nach der Flucht das Leben genommen.

Auf der zweiten Zeitebene erleben wir also die Familie See in der DDR. Hier gibt es durchaus idyllische Kindheitsmomente mit einer berührenden Kinderfreundschaft zwischen Janna und Oskar, dessen Mutter gestorben ist und der von seinem Vater, Arzt und eine mächtige Figur in der lokalen SED, nicht viel Liebe erfährt, und in Jannas Familie warmherzig aufgenommen wird und hier viele Nachmittage verbringt. Doch ist wirklich alles so gewesen, wie es damals schien?

Dramaturgisch ist die Geschichte sehr gut aufgebaut und äußerst packend und einfühlsam erzählt. Wichtige zwischenmenschliche Themen insbesondere zu Eltern-Kind-Beziehungen und was das Leben in einem unterdrückerischen Regime mit diesen machen kann, welche Distanz und welches Misstrauen auch aus einer ursprünglich guten familiären Verbindung entstehen können, werden in dem Buch nachdrücklich und einprägsam verhandelt.

Auch sprachlich finden sich viele sehr prägnante Stellen insbesondere zu den Themen Anpassung vs. Rebellion, Unterdrückung vs. Freiheit, Individualität vs. Kollektiv:

""Janna wusste es. Ihre Mutter sagte es ihr oft. Dass sie sich benehmen musste. Keinen Blödsinn machen. Tun, was die Erwachsenen ihr sagten, so wie Oskar, schneller noch als Oskar. Weil alles, was Janna tat, und alles, was Janna nicht tat, auf ihren Vater zurückfiel und ihr Vater schon genug daran zu tragen hatte, dass alles, was er selbst tat und nicht tat, auf ihn zurückfiel." (S. 59 im E-Book)

"Stattdessen Schweigen. Wirf die Tagebücher weg. Alles ins Feuer beim Hexenbrennen, worüber besser nie wieder zu sprechen war. Gut möglich, dass sie es immer so machten. Dass die Kohltaler es deshalb so viele Jahrzehnte miteinander aushielten, ohne dass sich je etwas zu ändern schien. Und ohne das Bedürfnis, davonzulaufen." (S. 147 im E-Book)

Somit handelt es sich insbesondere für ein Debüt um ein außergewöhnlich starkes Werk, das von einem besonderen schriftstellerischen Talent zeugt.

Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich und der betrifft die historische Authentizität. Klarerweise kann eine 1989 in der BRD geborene Autorin rein aus ihrer eigenen Lebens- und Familiengeschichte kein tiefgründiges Erfahrungswissen über die DDR oder die heutigen neuen Bundesländer Deutschlands haben.

Ein authentischer Roman aus dieser Perspektive braucht also eine umso tiefer gehende Recherche, die die Autorin zum Teil sicher auch gemacht hat. Dennoch sind mir ein paar kleine Unstimmigkeiten aufgefallen, wenn ich das Buch mit vielen anderen Werken von Menschen, die die DDR erlebt haben, vergleiche: beispielsweise ist es mehrmals Thema, dass Menschen in Kohltal der Familie auch nach 30 Jahren noch nachtragen würden, dass sie ohne Abschied gegangen wären. Das war aber meines Wissens damals üblich: wer wirklich aus der DDR flüchten musste und so einen Außenseiterstatus hatte, wie diese Familie zu diesem Zeitpunkt, der konnte sich nicht unbedingt noch von allen im Ort ausgiebig verabschieden und kaum jemand hätte mit dieser Familie öffentlich in Verbindung gebracht werden wollen.

Weiters wirken die ostdeutschen Figuren in der heutigen Zeitebene so, als ob seit 1989 keine Zeit vergangen wäre und es keine Entwicklung gegeben hätte: sie werden so dargestellt, als ob sie die direkten Nachfolger ihrer 30 Jahre jüngeren Ichs oder sogar ihrer Eltern aus der DDR-Zeit wären: ohne irgendeine Reue oder Reflexion. Da ist die damalige überzeugte Parteigenossin und Lehrerin auch als alte Frau 30 Jahre später noch genauso wie damals, und alle anderen eigentlich auch. Dass wir uns 30 Jahre nach der Wende befinden sollen, habe ich den Figuren also nicht wirklich angemerkt.

Ich glaube, dass der Roman damit den heute in den neuen Bundesländern lebenden Menschen nichts Gutes tut, weil dadurch eher verbreitete Klischees noch verstärkt werden (was vermutlich nicht die Absicht der Autorin war).

Ich rate also dazu, dieses wirklich sehr spannend und auch zum Nachdenken anregende Werk eher als sehr fiktive Geschichte in einer fiktiven DDR und einem fiktiven wiedervereinigten Deutschland zu lesen und nicht als eine zwar erfundene Geschichte, die aber stark in historischen Tatsachen wurzeln würde, denn in dieser Hinsicht gibt es noch Luft nach oben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Schnelle, alltagstaugliche Rezepte für Kochanfänger

Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber

Das Kochbuch des erfolgreichen Social-Media-Kochs Leon Schreiber präsentiert sich genau passend zur Zielgruppe: am Cover sehen wir eine junge Frau, die gerade Toast mit Eierspeise zubereitet, dazu gibt es den treffenden Titel "Koch! Mich! Jetzt!" und die Ankündigung einfacher, schneller, richtig guter Gerichte.

Genau das findet sich in diesem Buch: simple, schnelle, vielen Menschen gut schmeckende Rezepte für alle, die noch nicht so viel Erfahrung mit dem Kochen haben oder auch für Menschen, die im Alltagsstress schnell und einfach mit wenigen Zutaten etwas Schmackhaftes auf dem Tisch stehen haben wollen. Hier geht es um Alltagstauglichkeit und Zugänglichkeit, nicht um Schnick-Schnack oder Gesundheitsoptimierungstrends. Wer besondere Ernährungsformen verfolgt oder Unverträglichkeiten hat, ist hier eher falsch.

Wer hingegen Pasta liebt, so wie ich, der wird mit diesem Kochbuch seine Freude haben, denn dafür gibt es viele Rezepte, ergänzt um schnelle Ofengerichte, One-Pot-Speisen, Bowls, Snacks und Ideen für Meal Prep, um auch in die Arbeit etwas Gutes mitnehmen zu können, das sich mit wenig Aufwand zubereiten lässt.

Präsentiert sind die Gerichte äußerst ansprechend, es gibt zu jedem Gericht ein großformatiges Bild, was ich sehr mag, denn so kann ich meiner visuell orientierten Familie einfach die Bilder zeigen und sie fragen, worauf sie gerade Lust haben. Die Fotos sind alle so Appetit machend, dass sie richtig Lust darauf machen, die Rezepte auszuprobieren.

Zusätzlich finden sich auch noch viele praktische Tipps für Kocheinsteiger, etwa dazu, welche Töpfe, Pfannen und Kochwerkzeuge man wirklich braucht, wie man vielseitig anwendbare Gewürzmischungen herstellen kann, mit denen sich viele Gerichte schnell aufpeppen lassen, oder auch, was in Küche und Vorratsschrank gehört, um eine Basis zu haben, aus der sich spontan alles Mögliche kochen lässt.

Ich habe viel Erfahrung auch mit dem Kochen aufwendigerer Gerichte und bin so sicher nicht die Kernzielgruppe dieses Kochbuches. Dennoch kann auch ich mir einige neue Inspirationen daraus mitnehmen, z.B. für ein schnelles Pfannen-Bananenbrot, Tomaten-Mascarpone-Pasta oder Falafel mit Zitronenreis und Hummus, und finde es perfekt für stressige Tage, an denen einfach schnell etwas Gutes auf dem Tisch stehen soll.

Insgesamt ist es ein schön gestaltetes, sehr ansprechendes und praxistaugliches Kochbuch, das ich allen, die sich für schnelle, einfache Rezepte interessieren, sehr empfehlen kann und das ich insbesondere für junge Menschen, die von zu Hause ausziehen und sich zum ersten Mal alleine kulinarisch versorgen müssen, ohne über größere Vorkenntnisse im Bereich Kochen zu verfügen, als Geschenk sehr gut passend finde.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Ein Buch für fortgeschrittene Leserinnen und Leser

Erde von Sven Hillenkamp

Wer in Betracht zieht, "Erde", das neueste Buch des deutschen, nach Schweden ausgewanderten Autors, Soziologen und Philosophen Sven Hillenkamp, lesen zu wollen, dem empfehle ich, zuerst einmal innezuhalten und sich die Frage zu stellen: warum lese ich Bücher und was erwarte ich mir von der Lektüre?

Denn wer sich angenehme Unterhaltung, spannungsgetrieben oder mit schönen Gefühlen, wünscht, der ist hier definitiv falsch.

Dieses Buch ist unbequem, es ist schwierig, es ist fordernd und am Ende werden die meisten Menschen froh sein, wenn sie es wieder zuklappen können. Und doch lässt sich rückblickend viel Erkenntnisgewinn aus dieser unbequemen, aber lohnenden Lektüre ziehen.

Wir befinden uns direkt im Kopf eines Menschen, der es gar nicht leicht hat mit sich und der Welt, und erleben die ganze Geschichte konsequent aus seiner Perspektive: Jan ist so einiges nicht klar in der Welt, das ist schon in seiner Kindheit der Fall und zieht sich auch später durch sein Leben. Die Mutter ist psychisch krank und nimmt sich das Leben, als der Junge 11 Jahre alt ist. Sie wird monatelang verschwunden sein, bis man endlich ihre Leiche findet.

Auch davor war die Beziehung zu ihrem Sohn nicht von viel Liebe geprägt. Der Vater hat sich zu diesem Zeitpunkt längst schon von der Mutter getrennt, er ist eine schwache Persönlichkeit, bemüht sich zwar immer wieder ein bisschen, kann seinem Sohn aber nicht den Halt geben und die Grenzen aufzeigen, die dieser brauchen würde. Eine Ambivalenz, die kaum aushaltbar ist für den heranwachsenden Jungen:

"Ich weiß: Mein Vater ist jämmerlich, ein Kind, ein Idiot, feige, dumm und lächerlich, weniger als ein Nichts. Er hat mich verlassen. Er ist nicht mehr mein Vater. Ich habe keinen Vater.
Ich weiß: Mein Vater ist verständnisvoll und großzügig und immer lustig. Er hat das reinste Herz von uns dreien. Keiner hat einen Vater, wie ich ihn habe. Ich liebe meinen Vater." (S. 80)

Dazu kommt noch Jans sehr spezielle Persönlichkeit, die möglicherweise ein bisschen in Richtung Neurodivergenz/autistisches Spektrum geht (das wird nie explizit so benannt und es ist gar nicht leicht, hier zu differenzieren, was eine Folge der traumatischen Kindheit war und was andere Ursachen haben könnte).

Jedenfalls sucht er zwar die Nähe zu anderen Menschen, kann als junger Mann auch immer wieder Frauen zumindest kurzfristig für sich begeistern, scheint sich aber immer wieder, ihm selbst unbewusst, so zu verhalten, dass sich die Menschen von ihm distanzieren und auch die Eltern seiner Schulkameraden ihren Kindern den Kontakt zu ihm verbieten wollen.

So ist sein Leben in allen Bereichen von abrupten Beziehungsabbrüchen geprägt, die ihm selbst oft unverständlich bleiben (der beobachtende Leser hat hingegen oft durchaus eine Idee, wie es dazu gekommen sein könnte):

"Mein Chef sagt: "Paul und Viktor wollen nicht in der gleichen Schicht wie du arbeiten. Sie wollen eher kündigen, als mit dir zu arbeiten." Ich gehe zu Paul. "Warum kannst du mich nicht leiden?", "Ich kann dich nicht leiden, das ist alles." (S. 97)

Dabei hat Jan durchaus eine sehr sensible Seele, fühlt sich der Natur und ihren Geschöpfen verbunden und kann es kaum ertragen, wenn diesen von den Menschen Leid zugefügt wird:

"Ich gehe in Richtung des Wassers. Fort von den verhassten Menschen. Die Menschen zerstören alles. Jedes Paradies." (S. 8)

Wir haben hier also das Psychogramm eines in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Menschen, der vom Schicksal schwer gezeichnet ist, von vielen missverstanden wird und auch selbst die Welt und die Menschen nicht wirklich versteht.

Selbst aus dieser Innensicht ist Jans Persönlichkeit und Motivation oft nicht eindeutig: wir haben in einer Leserunde ausführlich über seinen Charakter diskutiert, der an vielen Stellen ganz unterschiedlich gelesen und interpretiert werden kann, je nachdem, mit welcher Linse man darauf schaut.

Es erfordert große Meisterschaft in den Bereichen Empathie und schriftstellerischer Ausdruck, ein Buch so konsequent aus dem Innenleben eines so stark von den Normen und dem Durchschnitt der Gesellschaft abweichenden Charakters zu schreiben. Und es braucht Mut, so ein Buch, das bewusst unbequem und störrisch ist und sehr wahrscheinlich nicht den Geschmack der großen Masse treffen wird, zu veröffentlichen. Dafür hat der Autor meinen tiefsten Respekt.

Empfehlen kann ich das Buch all jenen, die auch vor sehr anspruchsvollen Werken nicht zurückschrecken, die offen sind, sich auf einen sehr schwierigen Charakter, dunkle Themen und eine insgesamt depressive Stimmung einzulassen, die sich für die Tiefen der menschlichen Seele interessieren und diese ergründen wollen und die gerne über das Innenleben eines Menschen, der sich vielleicht stark von einem selbst und von den meisten Menschen, die man kennt, unterscheidet, nicht nur abstrakt lesen, sondern dieses von innen heraus erleben wollen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Einzigartige Stimme, harte Geschichte

Waisenkind von Galit Dahan Carlibach

Das Waisenkind Avital lebt in Israel und ist die Tochter einer verstorbenen "Hure", so wird sie jedenfalls von ihren eigenen Eltern, Avitals Großeltern, despektierlich bezeichnet, und eines unbekannten Vaters, vermutlich kein Jude, so meinen Großeltern abfällig, denn Avital hat rote Haare, wie sonst niemand in der Familie.

Die Großeltern sind üblen Charakters, Avital wächst mit wenig Liebe auf, wird ausgebeutet, muss Alkohol für die Großeltern besorgen und wird von deren Bekannten missbraucht. Sie sehnt sich nach ihrem unbekannten Vater, würde ihn so gerne finden. Auch die Pflegeeltern, bei denen sie kurzfristig landet, behandeln sie nicht gut, auch wenn sie nach außen den schönen Schein waren wollen und so reißt Avital wieder aus.

Ja, dieses Buch ist harter Tobak. Erzählt wird die Geschichte von Avital selbst, einer jugendlichen, rotzfrechen Stimme, die sich gegenüber dem Richter und Anklägern erklären will und so aus ihrer eigenen, unverwechselbaren Perspektive die Geschichte einer jungen Frau an der Grenze zum Erwachsenenleben erzählt, die in keinster Weise auf die Butterseite des Lebens gefallen ist, die sich mutig und stark durchkämpfen will, die genau beobachtet und messerscharf kommentiert und der man doch auch ihre Verletzlichkeit anmerkt: "Doch hier muss ich kurz innehalten und euch was sagen: Ich habe mich nie vor der Hölle gefürchtet und auch nie für diesen Quatsch mit dem Paradies interessiert - alle wollten dahin, einschließlich Opa und Oma, was sollte ich dann wohl dort? Hatte ich im Diesseits nicht genug mit ihnen durchgemacht, um sie auch noch im Jenseits wiederzutreffen? (...) Und was die Hölle angeht - die war doch schon da." (S. 29 im E-Book)

Entstanden ist dabei ein außergewöhnliches Buch mit einer Stimme, die ich so noch nicht gelesen habe und die besonders und einzigartig ist. Allerdings muss man in der passenden Stimmung für dieses Buch sein und all die Gewalt, die Avital erfährt und die sie manchmal so kaltschnäuzig zu kommentieren scheint, während man gleichzeitig spürt, was für ein Leid dahinter liegt, aushalten können. Ist man dafür in der Stimmung, dann wird man mit einem einzigartigen Buch belohnt, das Einblick in das Israel der Menschen am Rande der Gesellschaft gibt und dabei in frech-rasantem Tempo eine spannende Geschichte erzählt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Einfühlsames Coming-of-Age

Mit dem ersten Licht von Florian Knöppler

"Mit dem ersten Licht" ist ein Buch, das eine spezielle Stimmung braucht beim Lesen. Es ist ein ruhiges, einfühlsames Buch, wir kommen nah an einen Jugendlichen ran, beobachten und erleben die Welt aus seinen Augen, die Treffen mit Freunden, die herausfordernde Situation in seiner Familie, die Annäherung an das Mädchen Laura.

Es ist kein Buch, das von Spannung oder schnellen Handlungen lebt, sondern eines, das dazu einlädt, innerlich ruhig zu werden und sich mit dem jungen Mann zu verbinden, tief mitzufühlen und sich dabei verbunden zu fühlen.... oder auch etwas Neues zu lernen über die Gefühle von Entfremdung, Anders-Sein, Sich-Unverstanden-Fühlen und dann doch wieder Momenten der zarten Verbindung, die so vielen Heranwachsenden vertraut sind.

Ich empfehle das Buch jenen, die gerade in sich die Ruhe und Tiefe spüren, sich darauf einzulassen und dafür mit einem zarten, einfühlsamen Leseerlebnis belohnt zu werden.

Wer hingegen gerade Spannung, schnelle Unterhaltung und Tempo sucht, ist mit anderen Werken besser beraten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Humorvolle Vermittlung zwischen den Welten

Mis(s)understood von Nina Niedereder

Nina Niedereder hat, wie viele autistische Frauen, erst im Erwachsenenalter ihre Autismus-Diagnose erhalten. Viel zu verbreitet ist nach wie vor das stereotype Bild des männlichen Autisten wie Rain Man oder eines kleinen Professors, doch an Mädchen und Frauen wird bei dem Thema nach wie vor von vielen Menschen kaum gedacht, sodass viele weibliche Autistinnen und ihre Potenziale, Herausforderungen und Bedürfnisse unsichtbar bleiben.

Lange dachte man auch in der Fachwelt, dass Autismus hauptsächlich das männliche Geschlecht beträfe. Doch auch aufgrund von Bewusstseinsbildung, die aus der engagierten und auch durch das Internet weltweit immer besser vernetzten autistischen Community (die für sich das Recht einfordert, selbst für sich zu sprechen) selbst kommt, wächst langsam ein Verständnis dafür, dass auch viele Mädchen und Frauen betroffen sind. Diese werden nur von den an kleinen Buben ausgerichteten Diagnosekriterien oft nicht erfasst und maskieren außerdem aufgrund der geschlechtsspezifischen weiblichen Rollensozialisation noch einmal anders und oft stärker als Männer, spielen also erfolgreich, aber unter hohen Kosten, eine Rolle, um sich an die Erwartungen einer nicht-autismusfreundlichen Welt anzupassen, oft bis zum Zusammenbruch.

Auch die Autorin musste erst einmal viele Fehldiagnosen wie etwa Borderline ertragen, bis die korrekte Diagnose gestellt werden konnte. Nun hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, über autistische Menschen und ihre Bedürfnisse aufzuklären und zwischen den Welten zu vermitteln. Dabei ist ein humorvolles, interessantes, zugängliches und zugleich sehr informatives Buch entstanden. Aufbauend auf ihrer eigenen persönlichen Erfahrung sowie einer fundierten Recherche zum Thema Autismus geht die Autorin auf verschiedene autismusspezifische Besonderheiten des Erlebens in der Welt ein.

Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass es sich bei ihrer Sicht - im Gegensatz zu den meisten immer noch verbreiteten Diagnoseinstrumenten - nicht um eine Außenperspektive, sondern um die Innensicht der Betroffenen handelt: es geht nicht darum, auf welche Art und Weise autistische Menschen allistischen (sogenannten "normalen"/neurotypischen Menschen) sonderbar erscheinen und wie sich das zeigt, sondern wie sich das Leben eines autistischen Menschen konkret im Alltag anfühlt: wie reizüberflutend und überfordernd diese Welt sein kann, wie unverständlich menschliche Kommunikation, die voll von Sarkasmus, Ironie, Lügen und Ungesagtem ist, wie nicht einfach nur autistische Menschen ein Problem mit der Einfühlung in andere haben, sondern das ein wechselseitiges Thema ist (Double-Empathy-Problem) und auch sie von neurotypischen Menschen oft genauso wenig verstanden werden wie umgekehrt, aber sich mit anderen Autistinnen und Autisten gut verstehen, und vieles mehr.

Sehr betroffen hat mich, wie die Autorin aufzeigt, wie sehr viele nach wie vor gängige Diagnose- und Therapiemethoden nur einen Blick von außen darstellen, die Perspektive der Betroffenen nicht berücksichtigen und diese nur einseitig an die Erwartungen der allistischen Welt anpassen wollen, oft zum Schaden der autistischen Menschen. Dazu bringt die Autorin etwa ein Beispiel von jugendlichen, nicht sprechenden Autisten mit normalen oder sogar überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten, mit denen manchmal immer noch gesprochen und umgegangen werde, als ob sie kleine Kinder seien, nur weil sie sich nicht mündlich äußern würden.

Geschickt spielt die Autorin im Titel und auch in den Kapiteln mit jeweils zwei Perspektiven auf ein Thema: einerseits geht es darum, zu wie vielen Missdiagnosen, Missverständnissen usw. es kommen kann und wie man autistische Menschen mit ihren Herausforderungen besser verstehen kann.

Andererseits zeigt sie auch auf, welche spezifischen Qualitäten und einzigartigen Perspektiven auf die Welt autistische Menschen haben können und stellt darauf aufbauend viele Ideen vor, wie man eine Welt gestalten könnte, die vielleicht nicht nur für Autistinnen und Autisten, sondern auch für viele andere eine lebenswertere wäre, etwa mit Ruhezonen, mehr Toleranz bezüglich individueller Kleiderwahl, mehr Wahlmöglichkeiten in Bezug auf die Kommunikation, stärkere Verbreitung von Homeoffice für alle, die es sich wünschen und brauchen, Reduktion von Großraumbüros und vieles mehr. Dabei zeigt sich, dass vieles, was autistischen Menschen gut tun würde, auch anderen, die zum Beispiel hochsensibel oder auch einfach nur überlastet von ihrem Alltag sind, sehr entgegen kommen könnte.

Insgesamt ist es ein Buch, das aufzeigt, mit welchen Herausforderungen und welchem Nicht-Verstanden-Werden viele autistische Menschen im Alltag zu kämpfen haben und dass die meisten davon tatsächlich gar nicht mit ihrer Neurodivergenz an sich zu tun haben, sondern daraus resultieren, dass sie in einer Welt leben müssen, die überhaupt nicht an ihre Bedürfnisse angepasst ist. Damit sensibilisiert es auf äußerst wertvolle Art und Weise dafür, was wir alle - autistisch oder nicht - konkret machen könnten, um eine freundlichere Umgebung zu gestalten, in der möglichst viele Menschen ihr Leben genießen und ihre Potenziale entfalten können.

Allen, die sich für einen modernen, innovativen und speziell weiblichen, inklusiven Blick auf Autismus, aber auch weit darüber hinaus auf das Thema Individualität und Ideen für eine bessere Welt, interessieren - ob Betroffene, Angehörige, Freundinnen und Freunde, Fachkräfte im psychosozialen, therapeutischen und medizinischen Bereich, aber besonders auch Politikerinnen und Politiker sowie Entscheidungsträger in Unternehmen - möchte ich dieses wertvolle, leicht zugängliche und humorvolle geschriebene und dabei äußerst informative Buch wärmstens ans Herz legen und eine Leseempfehlung dafür aussprechen!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope

Einblick in Sorgen und Ängste der Gen Z

Sorry, ich hab heute Angst von Hannah Lübbert

Das Hörbuch "Sorry, ich hab heute Angst", verfasst von der jungen Klimaaktivistin Hannah Lübbert und sehr einfühlsam eingesprochen von Susanna Cuda gibt einen authentischen und berührenden Einblick in die Perspektiven und Ängste, aber auch in die Hoffnungen und Sehnsüchte, die viele junge Menschen aus der Generation Z teilen.

Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung mit einer Angsterkrankung, die insbesondere durch die gefühlte Hilflosigkeit angesichts der Klimakrise, aber auch durch weitere Faktoren wie das exzessive Hören von True Crime Podcasts ausgelöst und aufrechterhalten wurde, hat sich die 2001 geborene Autorin intensiv damit auseinandergesetzt, was Ängste und Angsterkrankungen auslöst, warum diese gerade in ihrer Generation so omnipräsent sind, wie wir sie besser verstehen können, wer davon profitiert, aber auch wie wir sie überwinden oder sogar als Antrieb für positive gesellschaftliche Veränderung nutzen können.

Mir als eineinhalb Jahrzehnte früher geborener Angehöriger der Generation Millenials hat dieses Buch noch einmal ganz anders die Augen geöffnet in Bezug auf das Erleben der nächstjüngeren Generation, das auch schon in früher Kindheit und Jugend von viel mehr Krisen und Unsicherheiten geprägt war als mein eigenes, sowie von dem Gefühl, gegen eine Übermacht, die die Welt unterdrückt und zerstört, kämpfen zu müssen: Generation Katniss, wie es im Hörbuch so treffend heißt, nach der fiktiven Heldin der später verfilmten, enorm erfolgreichen und offenbar stark das Lebensgefühl dieser Jugendlichen spiegelnden Romantrilogie von Suzanne Collins.

Ganz viel Gesellschaftskritik findet sich in dem Buch: gegenüber einer Gesellschaft, die selbst angesichts des sich immer mehr verschärfenden Klimawandels nicht vom Fortschritts- und Wachstumsparadigma ablassen will und gegenüber einem unbarmherzigen Kapitalismus, der das Geld-Verdienen über alles andere stellen will, während Familien, Freundschaften, politisches Engagement, aber auch die eigene psychische und körperliche Gesundheit zu kurz kommen. Am Ende finden sich hoffnungsvolle Ausblicke und Hannah Lübbert zeigt uns eine engagierte junge Generation, der nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern das anderer Lebewesen und des Planeten am Herzen liegt und die bereit ist, entschlossen dafür zu kämpfen. Eine Generation, die nicht mehr alles opfern und dabei die Welt weiter zerstören will.

Ich kann das Hörbuch allen, die sich für das Lebensgefühl und die Perspektiven speziell der in den letzten Jahren erwachsen gewordenen jungen Menschen interessieren, sehr empfehlen: es ist äußerst erhellend, sympathisch und gleichzeitig nachdenklich machend, denn es zeigt auf, was wir dazu beitragen können, gemeinsam mit dieser jungen Generation zu einem langfristig nachhaltigen Leben für alle auf dieser Erde beizutragen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope