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Rezensionen von Eternal-Hope:

Sehr unterhaltsam und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert

Resilienz - Zwischen Coach und Couch von Henrik Walter

Dieses unterhaltsame und gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Sachbuch beginnt gleich mit einem persönlichen Bekenntnis des Autors: er möge keine Ratgeber. Denn diese würden einem immer nur das gleiche über ein gesundes Leben erzählen: Allgemeinplätze, die jeder kenne, aber an die sich dann doch kaum jemand halten würde.

Und so ist es sein Bestreben, ein unterhaltsames Buch zu verfassen, in dem man gleichzeitig wissenschaftlich fundiert und praxisnah viel Neues über Resilienz erfährt. Es ist ihm gelungen!

Als Klinische Psychologin kenne ich so einiges an Literatur in diesem Bereich. Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen, denn es ist die perfekte Mischung aus interessanter Lektüre, bei der auch Fachpersonen noch so einiges Neues lernen können, Praxisnähe und Zugänglichkeit.

Zum Einstieg geht der Autor darauf ein, welche psychischen Erkrankungen es überhaupt gibt, wie diese diagnostiziert und eingeteilt werden, aber auch, wie stark diese jeweils durch Genetik, Epigenetik und Umweltfaktoren beeinflusst werden. Es wird deutlich, wie verbreitet psychische Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung sind und dass die allermeisten Menschen irgendwann in ihrem Leben selbst oder in ihrem nahen Umfeld mit diesem Thema konfrontiert werden. Aber auch, dass selbst eine Neigung zu einer psychischen Krankheit nicht ausschließt, dennoch insgesamt in vielen Bereichen ein glückliches Leben führen zu können, hierzu stellt der Autor ein sehr interessantes mehrdimensionales Modell vor.

Im Hauptteil des Buches geht es schließlich um die Faktoren der Resilienz, beginnend mit dem Ansatz der Positiven Psychologie (einschließlich der Kritik daran) über resilienzstärkende individuelle Charakter- und Signaturstärken (z.B. Fairness, Liebe, Humor,... hier gibt es auch einen Link zu einem kostenlosen Selbsttest im Internet) bis zum Sinnerleben, etwa dadurch, nicht nur ein glückliches Leben leben zu wollen, sondern etwa auch das Ziel zu haben, etwas beizutragen oder viele unterschiedliche Erfahrungen zu machen, um Weisheit zu erlangen. Auch das Leib-Seele-Problem und moderne Ansichten dazu, Stichwort Neurobiologie der Resilienz, sind Thema. Das Buch schließt mit vielen praktischen Tipps zum Thema psychisch gesund bleiben bzw. psychisch gesünder werden ab.

Es ist ein bestärkendes und positives Buch, das dabei unterstützt, sich selbst besser kennen zu lernen und zu überlegen, welche Faktoren man in sich trägt oder entwickeln möchte, um ein individuell gutes und möglichst gesundes Leben zu haben - aber auch voll mit Anregungen, andere Menschen dabei zu unterstützen. Eines der Bücher, die ich gerne dauerhaft in meinem Bücherregal als Begleiter haben möchte, um immer wieder mal nachzuschlagen.

Ich kann das Buch allen interessierten Fachkräften aus den Bereichen Psychologie, Psychotherapie, Medizin und Pflege wärmstens empfehlen. Aber auch gebildete Laien können mit diesem zugänglichen und interessant geschriebenen Buch sicher viel anfangen. Leseempfehlung!

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Vom schwierigen Ankommen im Exil

Immergrün von Ruth Olshan

"Immergrün" ist das Romandebüt von Ruth Olshan. Die Familie der Mutter der Ich-Erzählerin hat versteckt jüdische Wurzeln. Vor mehreren Generationen sei man zum Katholizismus konvertiert, um sich zu schützen. Im sowjetischen Litauen der 70er Jahre praktiziert man auch sowieso keinen Glauben.

Doch die jüdischen Wurzeln stellen sich als Ticket in den "Westen" dar, Vida, die Mutter, darf gemeinsam mit ihrem jüdischen Mann und der vor kurzem auf die Welt gekommenen Tochter Ruth nach Israel auswandern. Die in Litauen zurückgelassene Oma tauft den Säugling heimlich noch schnell bei einem katholischen Pfarrer, sicher ist sicher. Dann lässt die Familie alles hinter sich und zieht nach Israel.

Doch so richtig kommt insbesondere die Mutter dort nicht an, das Geld ist immer knapp, für Gesangsunterricht wird sie meist nur in Naturalien bezahlt und überhaupt ist das Leben ganz anders als in Litauen: "Für meine nordische Mutter bedeutete Israel einen immensen Kulturschock. Die hohen Temperaturen, die hitzigen Gemüter der Menschen, die karge Wüstenlandschaft machten ihr zu schaffen. Wie sollte sie hier als Sängerin einen Job finden? Offensichtlich hatte niemand auf sie gewartet. Offensichtlich hatten auch alle anderen Zugereisten Goldgräberstimmung, Bratpfannen und Träume im Gepäck." (S. 41)

Dann wird es der Familie zu viel mit der Geldknappheit, in der sengenden Hitze und dem ständigen latenten Kriegszustand in Israel: "Als in der Nähe unseres Wohnhauses ein Bus explodierte, entschlossen sich meine Eltern, erneut die Koffer zu packen, ihre Hoffnungen in den heißen Wind zu schießen und in das andere gelobte Land zu fahren: nach Deutschland." (S. 47)

Die Familie zieht nach Westberlin, das fühlt sich zumindest klimatisch als auch geografisch viel näher an Litauen an, auch wenn man noch lange nicht in die alte Heimat reisen wird können. Leicht wird es auch dort nicht werden, denn auch in Europa hat niemand auf eine leidenschaftliche Sängerin mit Hang zum Luxus gewartet. Das Arbeitsamt macht Druck, die Mutter zur Altenpflegerin umzuschulen, was sie zuerst als unter ihrer künstlerischen Würde sieht und vehement ablehnt. Auch die Ehe der Eltern leidet unter den Belastungen. An die jüdische Community Berlins findet die Familie kaum Anschluss, zu wenig ist man in dieser religiösen und kulturellen Tradition verwurzelt, zu sehr unterscheiden sich die sozialen Hintergründe.

Und so wird es schließlich weitgehend eine Geschichte des Aufwachsens im Exil unter Armut und Entbehrungen, in einer immer mehr verwahrlosenden Wohnung, bei streitenden und schließlich sich trennenden Eltern und dann bei einer psychisch kranken, oft wochenlang apathisch im Bett liegenden Mutter (inklusive Suizidversuch und Psychiatrieaufenthalt), während regelmäßig das Jugendamt vor der Tür steht und die 14-jährige Tochter allein beim Sozialamt vorstellig wird und um Geld bettelt, damit in der Wohnung der Strom wieder eingeschaltet werden kann.

Dazu ein zweiter Erzählstrang, später in der Zukunft, nach dem Fall der Sowjetunion, als die Mutter gestorben ist und Ruth ihre Asche in einer Urne, gemeinsam mit der von deren Mutter, die am gleichen Tag drei Jahre davor verstorben ist, auf einem litauischen Friedhof vergraben will und sich dafür auf eine Reise durchs postsowjetische Litauen begibt.

Es handelt sich hier um einen autofiktionalen Roman, der auf der wahren Familiengeschichte der Autorin beruht. Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Es liest sich leicht und flüssig und es ist interessant, zu erfahren, mit welchen Herausforderungen die Familie in ihren beiden gewählten Exilen zu kämpfen hat. Speziell die Figur der kleinen Ruth, die mit all diesen Herausforderungen aufwachsen muss, aber auch die der künstlerisch so begabten, feinsinnigen Mutter, die einen enormen sozialen Abstieg hinnehmen und ertragen muss, haben mich sehr berührt.

Interessant waren auch die Ausflüge ins Litauen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wo die Ich-Erzählerin versucht, sich mit ihrem wenigen Litauisch zurechtzufinden, da zwar nach wie vor zumindest die älteren Menschen im Land Russisch, ihre Muttersprache, sprechen, aber nicht mehr unbedingt alle die Sprache der ehemaligen Besatzungsmacht verwenden wollen. Auch sonst haben diese Ausschnitte mich neugierig auf das Land gemacht.

Am Ende bleibt eine berührende Familiengeschichte und der Eindruck einer Mutter-Tochter-Beziehung, in der die Mutter ihrer Tochter zwar so einiges, was diese sich gewünscht hätte, leider nicht geben konnte, aber zumindest deren Kreativität gefördert hat: "Nie hatte sie mir vorgeschlagen, etwas "Vernünftiges" zu studieren. Überhaupt hatte sie sich selten um meine Ausbildung gekümmert, es sei denn, es ging ujm Kreativität. Mit der Musiklehrerin in der Grundschule und meiner Deutschlehrerin im Gymnasium tauschte sie sich aus. Tatsächlich haben diese beiden Lehrerinnen mich stark beeinflusst und immer unterstützt." (S. 217)

Diesen Weg ist die Autorin auch gegangen, heute arbeitet Ruth Olshan als erfolgreiche Regisseurin und Autorin in Deutschland. Hier hätte es mich interessiert, noch ein bisschen etwas darüber zu erfahren, wie die Ich-Erzählerin nach dieser herausfordernden Kindheit diesen Weg geschafft hat.

Insgesamt ist es ein lesenswertes Debüt, das ich insbesondere jenen, die sich für autofiktionale Romane und Memoirs interessieren, empfehlen kann.

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Großartiges, wertschätzendes, praxisbezogenes Buch mit vielen Übungen

Abnehmen durch Annehmen. Unbewusste Gefühle verstehen - körperlichen Ballast loswerden von Andreas Winter

Bücher über das Abnehmen gibt es viele am Markt. Was macht dieses Buch besonders? Angezogen hat mich schon einmal der Titel "Abnehmen durch Annehmen" und dass es dabei nicht um Diät, Zwang oder Verzicht gehen würde. Denn wie viele Menschen mit Herausforderungen im Bereich Gewicht habe ich schon vieles ausprobiert und auch die Erfahrung gemacht, dass rigide Diätregime für einen nachhaltigen Erfolg oft kontraproduktiv sind.

Umso mehr angesprochen hat mich der psychologische Ansatz, der in diesem Buch vertreten wird.

Zuerst wird ausführlich, aber in gut verständlicher Sprache, erklärt, warum Stress - auch jener, der oft mit Abnehmversuchen verbunden ist - beim Abnehmen kontraproduktiv ist und es eine körperlich und psychisch entspannte Haltung braucht, um dem Körper zu signalisieren, nicht in Lebensgefahr zu sein und alles einbunkern zu müssen. Darauf aufbauend geht es viel um die psychologischen Faktoren emotionalen Essens. Es gibt wertvolle Hinweise und Checklisten, um beispielsweise zu üben, emotionalen Appetit von echtem Hunger unterscheiden zu lernen, und Übungen, um zu verstehen, welche Funktionen das eigene Übergewicht erfüllt, z.B. Schutz oder Unterdrückung von Gefühlen.

Im letzten Drittel des Buches gibt es ein praxisorientiertes 10-Tage-Programm mit vielen Übungen, um die eigenen Glaubenssätze und Muster zum Thema Übergewicht zu entdecken, zu transformieren und in eine entspanntere Haltung zum Thema Essen zu kommen, die hoffentlich auch das Abnehmen erleichtern kann. In diesem Teil gibt es zum Beispiel eine Einladung, einen Brief an sich selbst zu schreiben zum Thema, wie man sich fühlen möchte, wenn man abgenommen hat, was man nicht mehr erleben möchte und wovon man gerne mehr hätte, Achtsamkeitsübungen zum bewussten Beobachten, was man wirklich will, wenn man den Impuls zu essen verspürt, Körperübungen mit dem Ziel einer liebevolleren Betrachtungsweise des eigenen Körpers und vieles mehr. Die Übungen sind gut erklärt, sodass Menschen mit Erfahrung in Persönlichkeitsentwicklung diese auch selbst ohne professionelle Unterstützung gut durchführen können.

Am Ende des Buches geht es dann noch um den Umgang mit Saboteuren und Rückschlägen.

Zurück zu dem Thema, was dieses Buch besonders macht: die enorm liebevolle und wertschätzende Haltung, mit denen der Autor den Leserinnen und Lesern begegnet und die für sich gesehen schon ein schönes Rollenmodell für einen positiveren Umgang mit sich selbst ist. Das Buch fühlt sich wie eine herzliche Einladung dafür an, Frieden mit sich selbst und dem eigenen Körper zu machen, auf dieser Basis in die Entspannung zu finden, emotionales Essen loslassen zu können und dadurch abzunehmen. Ich kann es allen, die nach einem wertschätzenden psychologischen Ansatz zum Thema Abnehmen suchen, sehr ans Herz legen.

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Spannende internationale Erfahrungen einer mutigen Journalistin

Erzählen, was ist von Katrin Eigendorf

Katrin Eigendorf arbeitet seit Jahrzehnten als Fernsehjournalistin und Kriegsberichterstatterin und reist dazu regelmäßig in die Krisengebiete dieser Welt. In diesem Buch erzählt sie von den Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat. Schwerpunktmäßig geht es dabei um Afghanistan vor 20 Jahren und heute, um die Entwicklung und Vorgeschichte des Ukrainekrieges und um den Israel-Gaza-Konflikt.

Nahbar und authentisch nimmt uns die Autorin dabei mit auf ihre Reise: wir erleben beispielsweise mit, wie sie mit ihrem Fahrer durch das immer stärker von den Taliban kontrollierte Afghanistan fährt und unter Risiko des eigenen Lebens Kontakt zu Frauen aufnimmt, die versuchen, sich für ihre Rechte einzusetzen oder als Schuldirektorin weiter auch Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen.

In vielen kleinen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, von denen sie erzählt, macht die Autorin spürbar, was die jeweiligen Konflikte für die betroffenen Menschen bedeuten. Dabei zeigt sie auch langjährige Entwicklungen auf und sensibilisiert damit für die Wurzeln der aktuellen Konflikte, die oft Jahrzehnte zurück liegen und komplex sind.

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von der Autorin selbst. Mir hat diese Art, mich mit dem Inhalt zu befassen, sehr gut gefallen, weil es der Autorin gelingt, auf neutrale und dennoch persönliche Art und Weise so zu erzählen, dass man sich ihr und dem von ihr Erlebten und Berichteten nahe fühlt, gleichzeitig unglaublich viel lernt und Empathie für die betroffenen Menschen sowie Hochachtung vor dieser mutigen Journalistin entwickelt.

Ich habe viel gelernt: über den Beruf der Kriegsberichterstatterin, über die Regionen, von denen Frau Eigendorf erzählt, aber vor allem auch darüber, was es bedeutet, auch unter schwierigen Bedingungen Haltung zu bewahren und zu den eigenen Werten zu stehen. Großartig ist auch, wie die Autorin aufzeigt, wie wichtig es ist, alle Seiten zu hören und zu versuchen, sie zu verstehen, was aber nicht heißt, dass jede Meinung gleich gewichtet werden muss. Leider hat sie im anonymen Internet immer wieder viel Hass für ihr Engagement geerntet, auch davon berichtet sie gegen Ende des Buches.

Zurück bleibt auch ein Gefühl der Betroffenheit und der Wunsch, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten alles zu tun, um sich wieder für eine freundlichere Gesprächskultur unter den Menschen, als wichtigen Baustein für langfristigen Frieden, einzusetzen.

Insgesamt ist es ein tolles Buch, das ich auch in der Hörbuchversion allen, die sich für diesen Beruf oder für die tieferen Hintergründe diverser aktueller geopolitischer Konflikte interessieren, nur wärmstens empfehlen kann!

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Anspruchsvolle rechtsphilosophische Gedanken zum Thema Gerechtigkeit

Gerechtigkeit von Bernhard Schlink

Bernhard Schlink ist vielen vorrangig als Romanautor bekannt, sein bekanntestes Werk ist "Der Vorleser". Außerdem ist er vom Grundberuf her Jurist und, mittlerweile emeritierter, Hochschullehrer. In "Gerechtigkeit" kehrt er zu diesen Wurzeln zurück, es ist kein literarisches Werk, sondern eine rechtsphilosophische Abhandlung zum Titelthema.

Dabei ist dem Autor Verständlichkeit sehr wichtig und er betont gleich zu Beginn, dass er versucht hat, einen Mittelweg zwischen rechtsphilosophischer Korrektheit und allgemeiner Verständlichkeit zu finden.

Das ist ihm insgesamt gut gelungen. Es handelt sich um einen interessanten Essay, der auf verschiedene rechtsphilosophische Themen und Quellen Bezug nimmt und dabei sehr zum Denken anregt. Es geht darum, was Gerechtigkeit überhaupt sein könnte, beginnend mit der Grundannahme, dass die meisten Menschen erwarten, gleich behandelt zu werden, es sei denn, es gibt gute, sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung. Was diese sein könnten, ist je nach historischer Epoche und kultureller Verortung unterschiedlich, aber jedenfalls ein Aushandlungsprozess. Auch auf verschiedene Formen der Gerechtigkeit und dahinter liegende philosophische und politische Strömungen wird eingegangen: ist es etwa am gerechtesten, Güter nach Leistung zu verteilen (und was ist Leistung)? Oder nach Bedarf (und wie wird dieser ermittelt)? Oder jedem genau das gleiche?

Welches Rechtssystem könnten wir als Menschen uns wünschen, wenn wir nicht wüssten, welche Position in der Gesellschaft wir einnehmen werden, also unter dem Schleier des Nichtwissens? Hier bezieht sich der Autor auf das berühmte Gedankenexperiment von John Rawls.

Wie gestalten wir praktisch eine als möglichst fair empfundene und tragbare Gesellschaftsordnung, basierend auf rechtsphilosophischen Prinzipien? Und was ist der Preis der zunehmenden Gerechtigkeit, mit der aber auch eine immer stärker eingehende Normierung der Gesellschaft einhergeht?

Es sind viele kluge Fragen, die in diesem Buch diskutiert werden, und die zum weiteren Recherchieren und eigenen Nachdenken anregen. Insgesamt richtet sich das Buch mit seinem Anspruch klar an philosophisch vorgebildete oder zumindest sehr daran interessierte, bildungsaffine Menschen. Beispiele finden sich nur vereinzelt in dem Text, mehrheitlich ist es eine theoretische Abhandlung und anspruchsvolle Lektüre, die konzentriertes Mitdenken erfordert.

Kann und will man sich darauf einlassen, dann ist es aber eine sehr gewinnbringende Abhandlung, die den eigenen Horizont erweitert und gleichzeitig aufzeigt, was für ein enormes philosophisches Untergebäude unter einem als einigermaßen gerecht empfundenen Rechtssystem besteht, aber auch, wie eng Philosophie und Rechtswissenschaften miteinander verbunden sind.

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Ein wertvolles Modell für Selbsterkenntnis, Coaching und therapeutische Arbeit:

Selbstwirksamkeit in Beruf und Alltag von Marianne Glaeser

In diesem Buch geht es um das von der Autorin entwickelte Modell des Hauses mit vielen Zimmern, das sie seit langem erfolgreich in ihrer Arbeit sowohl in verschiedenen interkulturellen Kontexten, als auch in Unternehmen, in der Paarberatung, im Einzelsetting und auch mit Kindern einsetzt.

Es ist ein leicht verständliches und gleichzeitig wirkungsvolles Modell: die Idee, dass unsere Persönlichkeit einem Haus mit vielen Zimmern entsprechen würde, die wir erkunden und gestalten können.

Es ist eine Arbeit, die die Selbstwirksamkeit stärkt, weil sie uns bewusst macht, Herr oder Herrin im eigenen Haus zu sein und selbst wählen zu können, wie wir die Zimmer einrichten und positionieren, welche wir jeweils betreten und verlassen und auch, von welchem Dachsymbol als Vertreter unserer wichtigsten Werte wir unser gesamtes Haus leiten lassen wollen. Mit dieser Metapher kann es gelingen, über bisher verbal schwer zugängliche psychische Zustände zu sprechen und lösungsorientiert erste Veränderungen einzuleiten.

In diesem Buch wird das Modell zuerst einmal vorgestellt und erklärt, auf welchen Grundsätzen und welchem Menschenbild es beruht. Danach folgen ausführliche Anwendungsbeispiele aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Arbeit mit dem gut verständlichen Modell ist grundsätzlich auf der Basis dieses Buches gut ausprobier- und erlernbar. Wer weitere Unterstützung dabei möchte, für den bietet die Autorin entsprechende Seminare an.

Ich bin selbst im therapeutischen Kontext tätig und kenne ähnliche Modelle, doch dieses Modell in seiner Prägnanz und gleichzeitig Ausführlichkeit war mir neu. Dieses Buch hat mich sehr neugierig darauf gemacht, mich nun auch aktiv damit auseinanderzusetzen, mich selbst damit besser kennen zu lernen und es später auch mit Klienten anzuwenden. Ich kann das Buch allen, die sich für Persönlichkeitsentwicklung, Coaching oder Therapie interessieren und eine vielseitig anwendbare, innovative und flexible neue Methode in diesem Bereich kennen lernen möchten, sehr empfehlen.

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Ein unkonventionelles Leben auf der Suche nach dem Licht

Tage des Lichts von Megan Hunter

Dieses Buch ist speziell. Ich empfehle, mit nicht zu speziellen Erwartungen an die Lektüre heranzugehen und sich insbesondere dabei nicht zu sehr auf den Klappen- und Umschlagtext zu verlassen, denn diese könnten eine Erwartung auslösen, die dieses Buch dann nicht erfüllen kann.

Kernthema dieses Buches ist für mich das Innenleben einer Frau, die auf der Suche nach Orientierung ist und dabei tief in sich hineinfühlt, im Außen immer wieder ein Licht wahrnimmt und diesem folgen will.

Aus dieser Beschreibung zeigt sich vielleicht schon: es ist von großem Vorteil, wenn man selbst eine Verbindung zu Spiritualität und Mystik hat, wenn man an diesem Buch Gefallen finden möchte. Vorangestellt ist dem Buch folgendes Bibelzitat aus dem Johannesevangelium: "Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können". Für mich bezieht sich dieses Licht stark auf Ivy und ihren Weg, und es kommt auch im Buch immer wieder vor als etwas, das ihr eine neue Richtung weist. Überhaupt findet sich so einiges an interessanter Symbolik in dem Buch, auch speziell bezogen auf die Ostermythologie.

Erzählt werden exemplarisch einige Tage aus dem Leben Ivys, jeweils um die Osterzeit, und in ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten, von der jungen Frau bis ins hohe Alter.

Wer an das eigene Leben ausschließlich rational-planerisch herangeht, Kontinuität sehr schätzt, das für die einzig richtige Herangehensweise ans Leben hält und mit intuitiven Eingebungen und plötzlichen Richtungswechseln im Leben nichts anfangen kann, der wird sich mit der Hauptfigur Ivy möglicherweise schwer tun.

Denn Ivy ist keine, die sich im Leben auf eine Rolle beschränkt und sie wird, jeweils ihren momentanen Intuitionen und ihrem gefühlten inneren Kompass folgend, ganz unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben machen wollen: das reicht von der konventionellen Rolle als Mutter und Partnerin, allerdings eines 25 Jahre älteren Mannes, über eine Verliebtheit, Schwärmerei und schließlich Affäre und Partnerschaft mit einer anderen Frau bis zu einem Ausflug in ein ganz anderes Leben als Nonne in einem Kloster.

Es gibt solche Menschen, die das Gefühl haben, dass das Leben sie in ganz verschiedene Richtungen zieht und dass es für sie dran ist, ganz unterschiedliche Erfahrungen zu machen, um sich in Summe vollständig zu fühlen und das Gefühl zu haben, den eigenen inneren Lebensplan zu erfüllen. Da sind wir wieder bei der spirituellen Komponente: Ivy, schon in eine unkonventionelle Künstlerfamilie geboren, aber bei sich selbst keine besonderen Talente in dieser Hinsicht entdeckend, fühlt sich nicht in ein standardisiertes Schablonenleben passend. Zwar gibt es die Zeit mit Töchtern und Mann, doch sie ist immer eine Persönlichkeit, die viel Raum für Rückzug und ihr Innenleben braucht.

So erleben wir auch den Roman: aus Ivys sehr spezieller Perspektive, die schon als Jugendliche fernab von den traditionellen Geschlechterrollen ihrer Zeit ist: "Vielleicht, so überlegte sie, lag das daran, dass sie keine Frau wie andere war. Schon als Kind hatte Ivy das Gefühl gehabt, ihre Seele sei nicht ganz weiblich." (S. 37)

Zeitlich umspannt der Roman ein ganzes Leben: von der Jugend Ivys zur Zeit des 2. Weltkrieges in Großbritannien und danach, über die Jahrzehnte danach, bis in die Gegenwart. Das dient allerdings nur als eher schwach ausgearbeiteter Rahmen für Ivys Persönlichkeit: zwar werden etwa der Krieg, Bombardierungen und Rationierungen erwähnt, aber insgesamt bleibt das Zeitgeschehen blass gestaltet und die Figuren und insbesondere Hauptfigur Ivy wirken kaum in der jeweiligen Zeitperiode verankert. So ist zum Beispiel in der Reaktion der Umwelt auf Ivys durchaus exzentrische Handlungsweisen wenig Unterschied zwischen den 1940ern und späteren Zeitperioden spürbar.

Am spannendsten wird das Buch, wenn man den Lesefokus tatsächlich auf die Persönlichkeitsstudie Ivys legt und weniger um das Geschehen drumherum: dann kann das Bild einer unkonventionellen Frau entstehen, die es dahin zieht, viel zu erleben und zu erfahren in ihrem Leben, und ganz unterschiedliche, scheinbar für die meisten Menschen ganz unvereinbare Dinge zu erleben, immer geführt von ihrem inneren Kompass und dem im Außen wahrgenommenen Licht. Ich finde es spannend, darüber nachzudenken, was für eine interessante Persönlichkeit das am Ende ihres Lebens sein muss, die so ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht und in ihrem Leben vereint hat. Wer offen dafür ist, sich mit so einer durchaus nicht so häufig vorkommenden Persönlichkeit tiefer zu beschäftigen und sich auch für Lebensentwürfe und Einstellungen zu öffnen, die möglicherweise sehr stark von den eigenen abweichen, kann aus diesem Buch einiges an Inspiration mitnehmen.

Wer sich hingegen ein eher lineares, gut in der jeweiligen Zeitepoche verankertes Buch mit vielfältigen interessanten Interaktionen zwischen tiefgründigen Figuren statt der ausführlichen Innenschau einer Figur erwartet, ist mit anderen Büchern besser beraten.

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Von Tauben und der verlorenen Freiheit

Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

Noah ist 14 Jahre alt, an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen. Er lebt mit seiner Familie in einem nicht näher benannten Land, das unschwer als der Irak zu identifizieren ist. Noah liebt es, gemeinsam mit Onkel Ali, der in der zweiten Hälfte des geerbten und in der Mitte geteilten Großelternhauses lebt, auf dem Dach des Hauses Tauben zu züchten, ihren Flug zu beobachten, einen Lockvogel zu bestimmen oder Vogelpärchen für eine lebenslange, treue Beziehung zusammenzuführen.

Kindlich-naiv bildet er gemeinsam mit zwei Freunden eine Bande, die Streiche aushecken möchte.

Doch nun bricht Schritt für Schritt, jeden Tag ein bisschen mehr, ein totalitäres islamistisches Regime in Noahs jugendliche Welt ein. In beklemmender Weise wird das Leben der Menschen - ganz besonders der Frauen, die nur mehr in Begleitung das Haus verlassen dürfen, die meisten Berufe nicht mehr ausüben dürfen und sich verhüllen müssen - aber auch der Männer immer mehr eingeschränkt. Die neuen Tugendwächter verbieten alles, was als sündig angesehen wird: Zigaretten, Handys, sogar Musik. Verbotene Gegenstände werden demonstrativ einkassiert und auf den Straßen kommt es zu den ersten drakonischen Bestrafungen nach der Scharia: öffentliche Auspeitschungen und Steinigungen.

Das alles beobachtet der junge Noah. Besonders sympathisch ist, dass diese Perspektive eines männlichen Jugendlichen auch die Frauen und ihr Schicksal mitfühlend im Blick hat, wie sich zum Beispiel an dieser Stelle zeigt, als es um die erwachsene Schwester Suad geht, die schwanger ist, um ihren inhaftierten Mann bangt und wieder bei den Eltern einziehen musste: "Doch Suad hat jede Leichtigkeit längst verloren. Hinter ihrem Niqab verbirgt sich derzeit ein blasses Gesicht mit Augenringen. Damals war sie wie eine Taube - frei und unbeschwert und mit sicherem Rückweg nach Hause. In ihren farbenfrohen Kleidern bewegte sie sich voller Anmut, und ihre langen schwarzen Haare tanzten dabei im Wind." (S. 43)

Auch die Faszination, die die neuen islamistischen Herrscher speziell auf so manche orientierungslose männliche Jugendliche und junge Erwachsene haben, ist Thema dieses Buches. Davon bleibt auch Noahs Familie nicht verschont, es gibt noch den älteren Sohn Bakir, ursprünglich ein sehr begabter Junge, mit dem große Zukunftshoffnungen verbunden waren, der sich nach einem Schicksalsschlag von der Familie entfremdet und den Islamisten zugewandt hat: "Im Gegensatz zu meinen Tauben, die immer über mir schweben, ist Bakir ein Flüchtender, verloren zwischen den Himmelsrichtungen. Wird er jemals zu uns zurückfinden?" (S. 55)

Thematisiert wird auch das Phänomen westlicher islamistischer Kämpfer, auch dies basiert auf Tatsachen. Hier ist es Ralf Becker aus Mülheim an der Ruhr, der unter seinem neuen Namen "Abu Islam", Vater des Islam, eine bedeutende Rolle bei den islamistischen Kämpfern eingenommen hat, demnächst Noahs 15-jährige Cousine heiraten wird und mit dem abtrünnigen Bakir befreundet ist: "Die ganze Heimfahrt über denke ich an Ralf Abu Islam. Wie kann jemand gleichzeitig ein freundlicher Taubenliebhaber und ein Gotteskrieger sein? Kurz bevor wir ankommen, beugt sich Suad zu mir. Wir flüstern. "Und? Wie ist er?", "Nett und bewaffnet." (S. 137)

Auch hier zeigt sich wieder die besondere Qualität dieses Buches: trotz all des Schreckens sind die Charaktere realistisch und mit Graubereichen gezeichnet, eben nicht schwarz-weiß, sodass sogar die Anziehungskraft, die das islamistische Regime auf manche speziell junge Menschen ausübt, zwar nicht legitimiert, aber erklärt wird. Das macht es zu einem sehr weisen Werk über die Tiefen menschlicher Psyche in den beklemmenden Zeiten totalitärer Machtergreifung.

Bei all dem Schrecken immer präsent sind die Tauben: als Aufheiterung genauso wie als Metapher. Sie zeigen sich in Kapitelüberschriften wie z.B. "Das Fliegen nicht verlernen" (S. 70), "Flügel der Einsamkeit" (S. 97), "Ein Ort voller Flügel" (S. 110) und auch in religiösen Bezügen vermischt mit tatsächlichem naturwissenschaftlichem Wissen über Tauben: "Tauben kehren immer zu ihrem Partner zurück. Es liegt in ihrer Natur. Nach all der Zeit auf der Arche war die Taube dort längst zu Hause. Es kann nicht sein, dass sie nicht zurückkam. Nur der Tod oder eine Naturkatastrophe können eine Taube davon abhalten, zu ihrem Partner zurückzukehren." (S. 155)

Es ist eine große Kunst, auf nur etwa 200 Seiten, eingeteilt in kurze Kapitel, und aus einer kindlichen Perspektive, noch dazu nicht in der eigenen Muttersprache, so treffsicher, poetisch und anschaulich anhand vieler kleiner Alltagserlebnisse der Menschen spürbar zu machen, was es bedeutet, wenn totalitäre Herrschaft immer mehr in den Alltag der Menschen eindringt, und diese aber dennoch an der Hoffnung auf Freiheit und an ihrem Humor festhalten.

Hier handelt es sich um ein ganz besonderes Buch, das schnell gelesen ist - auch wenn es sich oft lohnt, innerhalb der kurzen Kapitel kurz innezuhalten und die Worte wirken zu lassen - und lange nachhallt, weil es gerade dadurch, dass es kein überschüssiges Wort enthält, treffsicher die Beklemmung autoritärer Herrschaft im Leben der Menschen spürbar macht. Es wird mir sicher noch lange speziell emotional nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen bleiben, und aus diesem spreche ich eine Leseempfehlung für alle mitfühlenden und an den Geschehnissen in der Welt interessierten Menschen aus.

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Sehr einfache Rezepte für die Familie

Cooking for Family von Julia Lanzke

Der Bloggerin und selbst Mutter zweier Kinder Julia Lanzke ist es ein Anliegen, zu zeigen, mit wie wenig Aufwand man sich mit der eigenen Familie abwechslungsreich und einigermaßen gesund ernähren kann, auch inmitten eines vollen Alltagslebens. Das Buch beginnt mit ein paar Tipps zum Thema Sicherheit beim Kochen mit Kindern, zum Beispiel zur Verwendung schnittfester Handschuhe, von Scheren statt Messern, Wellenschneider und Kindermesser.

Wie alltagstauglich das tatsächlich ist, bin ich mir nicht sicher - mein Kind lernt schon im Kindergarten, mit ganz normalen, auch scharfen Messern umzugehen und zurechtzukommen, und ich habe die Befürchtung, dass Kochen mit Handschuhen den ganzen Prozess viel mühsamer gestalten würde. Andere Tipps wie die Verwendung eines Eierschneiders auch zum Zerkleinern von Pilzen, Erdbeeren, Kiwi oder Mozzarella klingen zumindest interessant, mal ausprobiert zu werden.

Dann wird für Menschen, die Struktur mögen, ein Wochenplan empfohlen, mit wiederkehrenden Gerichten pro Wochentag z.B. Suppen-Samstag und das 3-2-1-Prinzip vorgestellt: drei Klassiker-Tage, 2 Restetage, 1 Vorratsgericht und 1 Wünsch-dir-was-Tag. Mich persönlich haben diese sehr strukturierten Ideen nicht so abgeholt, sind aber vielleicht für andere Familien passend.

Gut gefallen hat mir das Prinzip, von einem Gericht, z.B. Pfannkuchen, gekochte Eier, Kartoffeln oder Tomatensauce, gleich mehr zu kochen, um es in abgewandelter Form an weiteren Tagen zu neuen Speisen ergänzen zu können. Und dann gibt es noch Tipps für den Vorratsschrank.

Diese Ausführungen zeigen vielleicht schon: jemand wie ich mit langer Kocherfahrung ist vielleicht nicht ganz die richtige Zielgruppe für dieses Buch. Vieles ist wirklich auf sehr basalem Niveau, für Menschen, die sich noch nicht viel mit Kochen oder Vorratshaltung auseinandergesetzt haben.

Diesem Prinzip folgt auch der umfangreiche und schön bebilderte Rezeptteil. Es gibt Frühstücksideen, Snacks, Hauptgerichte und Desserts, alles mit Fokus auf leichte, schnelle Herstellung und Familientauglichkeit. Dieser Teil wird insbesondere Menschen gefallen, die gerne auch Konserven oder Fertigprodukte in ihre Gerichte integrieren, z.B. gibt es Nudelsalat mit fertig gekauftem Pesto und noch ein paar weiteren Zutaten dazu. Einige der Rezepte sind so simpel, dass ich dafür kein eigenes Rezept gebraucht hätte, aber es gibt durchaus auch Inspiration für neue Kochideen, auf die ich so noch nicht gekommen wäre z.B. Joghurt-Pfannkuchen-Lasagne, Heidelbeerwaffeln aus Toastbrot, eine Honig-Senf-Sauce, mit der sich gleich drei verschiedene Rezepte zubereiten lassen, Pizza auf Ofenkartoffelbasis oder Ofenmilchreis mit Apfel.

Insgesamt ist es ein sehr schön und liebevoll gestaltetes Kochbuch, das ich insbesondere jenen, die noch nicht viel Kocherfahrung haben, auf jeden Fall empfehlen kann.

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Atmosphärisch und besonders

Moosland von Katrin Zipse

Es ist das Jahr 1949, der Zweite Weltkrieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei und Elsa ist schwer traumatisiert. Zu viel Not und Elend hat sie erlebt, zu viele Tote gesehen. Innerlich mehr tot als lebendig folgt sie doch dem Ruf des Isländischen Bauernverbandes an junge deutsche Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung, gegen gute Bezahlung ein Jahr lang auf isländischen Bauernhöfen auszuhelfen.

Island erhofft sich davon nicht nur Unterstützung in der Landwirtschaft, sondern auch Heiratskandidatinnen für die vielen isländischen Single-Männer: zu viele isländische Frauen wurden von den im Krieg auf der Insel stationierten amerikanischen GIs abgeworben, sodass es nun einen deutlichen Männerüberschuss im Land gibt.

So kommt Elsa bei einer Bauernfamilie unter. In einem abgeschiedenen Bauernhaus wohnen und arbeiten fünf Personen: Bauer und Bäuerin, deren zwei erwachsene Söhne und der Knecht. Eine verlorene Tochter gibt es auch noch, wie Elsa irgendwann erfährt. Es ist ein hartes Leben im ständigen Kampf gegen die Elemente, das die Menschen in der Landwirtschaft dort führen, doch grundsätzlich tritt die Familie Elsa offen entgegen und auch, als auffliegt, dass sie offensichtlich über keinerlei landwirtschaftliche Vorkenntnisse verfügt, nicht reiten kann und sich vor Hühnern fürchtet, wird sie dennoch nicht zurückgeschickt, sondern die Familie versucht, sie schrittweise an diese Arbeit heranzuführen. Schwierig ist dabei die Kommunikation, denn die traumatisierte Elsa möchte nicht sprechen, antwortet lange nicht einmal auf die deutschen Briefe ihrer Freundin Gerda, die auf einem anderen isländischen Bauernhof untergekommen ist, gibt vor, kein Englisch zu verstehen und lernt lange auch kein Isländisch.

Dadurch sind es nicht Worte und Dialoge, die dieses Buch tragen, denn von diesen gibt es nur sehr wenige. Gerade das macht aber die besondere Atmosphäre der Erzählweise aus: hier wird psychologisch feinsinnig und detailliert vom langsamen Ankommen und Vertraut-Werden miteinander und in einer fremden Umgebung erzählt, vom Heilen oder zumindest Vernarben tiefer körperlicher und seelischer Wunden, von feinen Beziehungsbanden zwischen sich fremden Menschen, die zu festigen beginnen und dabei ohne viele Worte auskommen: "Sie wirft den Mantel über den Haken an der Tür und springt ins Bett, verbirgt sich unter der Decke und schließt die Augen, als schliefe sie. Die Schritte verharren auf der Schwelle. Erst nach einer Weile tritt die Frau leise ins Zimmer und hantiert an der Kommode. Vorsichtig blinzelt sie unter der Decke hervor." (S. 22).

Einen ganz besonderen Stellenwert haben auch die vielen Landschaftsbeschreibungen, so atmosphärisch und bewegend, dass man das Gefühl hat, in dieser ländlichen Gegend Islands live mit dabei zu sein:

"Dass die Berge nie enden, sagt sie sich vor und glaubt es in diesem Augenblick. Keine Ebenen mit Häusern und Ställen, die hinter der nächsten Bergkette liegen, keine Steilhänge, die ins Meer fallen. Nur Berge, die sich an Berge reihen. Himmel und Wolken. Die Vogelfreien leben so." (S. 159)

"Im letzten Tageslicht erreicht sie die Talsohle und folgt dem Bach. Die Wolkendecke ist aufgerissen, hinter dem bleiernen Grau zeigt sich ein nachtdunkles Blau, über das die Abendsonne noch letzte rote Strahlen schickt. Stunden dauern die Sonnenuntergänge, aber dann fällt die Nacht, fällt wie ein Beil, und mit ihr kommt die bittere Kälte, die durch ihre nassen Kleider zieht." (S. 176)

Es ist ein stilles Buch, ein poetisches Buch, ein besonderes Buch. Ein Buch, das Ruhe, Stille und Tiefe braucht, um sich darauf einzulassen. Werden alle offenen Fragen am Ende beantwortet sein? Nein. Darum geht es hier nicht. Das meiste von dem, was Elsa in Deutschland erlebt hat und was sie so traumatisiert hat, schimmert nur hin und wieder und am Rande ein bisschen durch. Information und Aufarbeitung der Vergangenheit mit Worten stehen nicht im Zentrum dieses Buches. Stattdessen geht es um ein langsames Ankommen, im fremden Land, in einer ganz neuen Lebenssituation und wieder bei sich selbst.

Dieses Buch bekommt von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung für ein besonderes Werk, das nicht nur berührend und auf eine ganz einzigartige Art und Weise geschrieben ist, sondern für das die Autorin auch sorgfältig recherchiert hat: die Einladung an die jungen deutschen Frauen zu dieser Zeit gab es wirklich und auch die Lebensbedingungen auf einer Landwirtschaft in Island wirken sehr authentisch dargestellt.

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