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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Eternal-Hope:

Wunderschön gestaltet, aber nicht sehr packend

Kleopatra von Saara El-Arifi

Im Vorwort geht die Autorin darauf ein, dass über die mysteriöse Kleopatra als historische Figur leider nur sehr wenig überliefert ist, weshalb fast alles in diesem historischen Roman der Fantasie der Autorin entspringen musste. Das ist ihr also nicht anzulasten.

Die Autorin hat sich auch Mühe gegeben, eine Atmosphäre des alten Ägyptens entstehen zu lassen: mit dem Nil, dem Meer, Pyramiden, dem Sonnengott Re und dem Glauben an übernatürliche Fähigkeiten, die einem von den Göttern gegeben wurden.

Die Geschichte ist in der Ich-Form erzählt, wir erleben sie durch die Augen von Kleopatra: zuerst Tochter des Königs und dann, nach dessen Tod, sehr bald Pharaonin. Nicht leicht hatte sie es, und schon bald nach ihrer Thronbesteigung werden Gerüchte über sie verbreitet und ihr nach dem Leben getrachtet. Es kommen einige Grausamkeiten, Morde und Intrigen vor, genauso wie Romantik.

Positiv kann ich anmerken, dass es sich um ein wunderschön gestaltetes Buch handelt, noch einmal mehr in der Farbschnitt-Ausgabe, und es viel Freude macht, dieses Buch in die Hand zu nehmen oder auf dem Schreibtisch liegen zu sehen.

Dennoch hat mich insgesamt das Buch vom Schreibstil her eher kalt gelassen. Die Figuren waren mir zu flach gestaltet, als dass ich wirklich mit ihnen mitgefühlt und mitgefiebert hätte. Sprachlich empfand ich es als sehr simpel, auch für einen historischen Roman, von dem man meist genregemäß nicht die Tiefgründigkeit gehobener Literatur erwarten kann, wie mir schon klar ist.

Insgesamt eignet es sich wohl für eine eher jüngere und tendenziell weibliche Leserschaft, die gerne leichtfüßig unterhalten werden möchte, historische Romane ohne viel Wirklichkeitsbezug, dafür mit romantischen Aspekten, schätzt, und insbesondere auf die optisch sehr schöne Gestaltung Wert legt. Mich hat das Buch leider nicht gepackt.

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Alltagstaugliche, gesunde Rezepte mit Appetit machenden Fotos

Keine Zeit? Kein Problem! von Matthias Riedl; Bettina Matthaei

Dieses Buch ist wie alle Bücher aus dem GU-Verlag optisch sehr ansprechend und liebevoll gestaltet. Es richtet sich an eine Zielgruppe von Menschen, die sich gerne gesünder ernähren möchten und bereit sind, dafür zumindest ein bisschen zu kochen, aber im Alltag wenig Zeit für aufwendige Gerichte finden.

Zuerst gibt es eine kurze Einführung in die Basics einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung in der heutigen Zeit. Darauf folgt ein umfangreicher Rezeptteil.

Es finden sich sowohl Suppen, Salate als auch vegetarische Hauptspeisen, Fleisch- und Fischgerichte darin. Am Ende gibt es noch ein paar Frühstücks- und Snacksideen. Jedes Rezept ist ansprechend und mit einem eigenen Foto dargestellt, sodass man schon beim Durchblättern Lust darauf bekommt, die Rezepte bald auszuprobieren. Inhaltlich handelt es sich gemäß dem Konzept des Buches um relativ einfache, schnell zu kochende Rezepte mit Zutaten, die es in jedem Supermarkt gibt.

Mir gefällt an dem Buch besonders gut, dass die Rezepte sowohl gesund wirken als auch wirklich appetitanregend präsentiert sind und so gezeigt wird, dass gesunde Ernährung und Genuss keine Gegensätze sein müssen. Dazu finden sich an vielen Stellen noch viele kleine Tipps, um den Umstieg zu erleichtern, z.B. wird Pastaliebhabern empfohlen, mal zur Abwechslung und um die Speisen etwas gesünder zu machen zu Vollkorn- oder Dinkelpasta oder auch zu solcher aus Hülsenfrüchten zu greifen.

Für Menschen, die sich einfach für einen schnellen, unkomplizierten Einstieg in eine alltagstaugliche, gesündere Ernährungsweise interessieren, ist es auf jeden Fall ein empfehlenswertes Werk.

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Eine ganz normale außergewöhnliche junge Frau

Finding My Way. Ein Memoir von Malala Yousafzai

Malala Yousafzai ist mittlerweile 28 Jahre alt, fast doppelt so alt als damals, als ihr die Taliban in den Kopf schossen, weil sie sich schon als Kind und Jugendliche, unterstützt von ihrem Vater, mutig für das Recht pakistanischer und afghanischer Mädchen auf Bildung einsetzte.

In diesem Memoir spricht sie in ihren eigenen Worten über die Zeit danach.

Mit dem Mordanschlag auf sie änderte sich ihr Leben komplett: sie überlebte nur knapp, wurde mit ihrer Familie nach Birmingham in Großbritannien ausgeflogen und musste über die Jahre viele Operationen über sich ergehen lassen, um ihre Gesichtsfunktionen einigermaßen wiederherzustellen. Bis heute kann sie kaum einen Schritt machen, ohne Leibwächter hinter sich zu haben, denn die Taliban haben die Drohung, sie zu ermorden, schon mehrmals wiederholt. Gleichzeitig öffneten sich ein neues Leben und neue Perspektiven für sie als Botschafterin für Mädchenbildung und Friedensnobelpreisträgerin.

Offen und persönlich erzählt Malala in diesem Buch von ihren Hoffnungen und Träumen, von ihren Erfolgen und Rückschlägen, und von dem großen Spagat, den es erfordert, einerseits eine weltberühmte Bildungsbotschafterin und Friedensnobelpreisträgerin zu sein, ständig in dieser Mission um die Welt zu fliegen, dabei Geld für ihre Familie und Verwandtschaft zu verdienen und gleichzeitig zu versuchen, eine ganz normale junge Frau zu sein, zur High School zu gehen und dann in Oxford zu studieren, Freundschaften zu knüpfen, tanzen zu gehen, und sich vor einem nach wie vor kulturell sehr konservativen Hintergrund zu verlieben, mit einer tiefgehenden Skepsis gegenüber der Institution Ehe und allem, was damit einhergehen kann.

Wir begleiten Malala durch eine einsame Zeit im britischen Schulsystem, erst einmal ohne Freundinnen. Wir erleben ihre Schwierigkeiten damit, in diesem neuen Schulsystem und auch auf der Uni, wo Verständnis viel wichtiger ist als in Pakistan, wo es nur um Auswendiglernen, ging, zurechtzukommen, selbständig ihre Defizite zu beheben und überhaupt neben all ihren anderen Aufgaben genug Zeit für akademische Belange zu finden.

In Malalas Herkunftskultur ist das Konzept, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten, ein noch nicht sehr verbreitetes und so dauert es einige Zeit, bis ihr bewusst wird, dass sie unter Panikattacken und einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, doch dann nimmt sie mutig Psychotherapie in Anspruch. Eine von ihr gegründete Mädchenschule im ländlichen Pakistan wird auch eine der ersten sein, in der es zusätzlich das Angebot einer psychosozialen Beratung gibt, die von den Mädchen begeistert angenommen wird.

Doch es gibt auch herbe Rückschläge: wie bekannt ist, haben die Taliban Afghanistan nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen wieder für sich eingenommen und seitdem werden Mädchen und Frauen dort wieder stark unterdrückt und aus dem Berufsleben, der Öffentlichkeit und von Bildung ausgeschlossen. Sehr traurig für die Welt und auch für Malala und ihren Einsatz für Mädchenbildung!

Sie erzählt auch, wie sehr diese Entwicklungen sie getroffen haben und wie desillusionierend es für sie war, wie wenig es auf der Welt um Information und wie viel es um Macht zu gehen scheint und wie viel Online-Hass sie immer wieder für ihre Auftritte erntet, doch ist sie entschlossen, ihren tapferen Kampf für eine bessere Welt weiterzuführen.

Das Buch ist in eher einfacher Sprache verfasst, doch gerade das macht es sehr authentisch und für viele Menschen überall auf der Welt zugänglich. Es braucht keine akademische Bildung, um Malalas Geschichte zu verstehen und sich von ihr berührt zu fühlen. Besonders berührt hat mich, wie diese mutige junge Frau gleichzeitig in so vielen anderen Bereichen einfach ein ganz normales Mädchen und eine ganz normale heranwachsende Frau ist: eine, die Freude am Leben hat, mit Freundinnen lacht, gerne tanzt und sich verliebt. Auch ihre Familie lernen wir ein bisschen kennen, genauso wie ihre tiefe Liebe zur Heimat, die sie nach einigen Jahren unter strengen Auflagen und gut geschützt kurz wieder besuchen kann.

Insgesamt ist es ein sehr berührendes Werk, das ich einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen kann.

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Wohin Populismus und Schwarz-Weiß-Denken führen können

Some People Need Killing von Patricia Evangelista

Rodrigo Duterte war von 2016 bis 2022 Präsident der Philippinen. Davor war er viele Jahrzehnte - offiziell mit Unterbrechungen - Bürgermeister der Millionenstadt Davao City. In diesem Buch widmet sich die engagierte und mutige philippinische Journalistin Patricia Evangelista der Aufarbeitung dieser Zeit, in der der Präsident einen erbarmungslosen Kampf gegen Drogen, Drogendealer und Drogensüchtige anordnete, im Rahmen dessen viele Menschen, denen zu Recht oder zu Unrecht unterstellt wurde, damit etwas zu tun zu haben, von Polizisten auf der Straße oder in ihrem Zuhause ermordet wurden, ohne jegliches Gerichtsverfahren.

In dem Buch erzählt die Journalistin ein bisschen von ihrem persönlichen Werdegang, doch den Hauptteil nehmen naturgemäß die Geschichten der Ermordeten und ihrer Familien ein. Oft war sie schon kurz nach den Morden am Tatort, um mit den Hinterbliebenen zu sprechen. In einem Fall gibt es auch ein Video von der Ermordung.

Dargestellt wird auch, wie es überhaupt dazu kam, dass Duterte so lange Bürgermeister und schließlich Präsident werden konnte, auf demokratischem Wege. Es gab einen regelrechten Hype um ihn und er hatten Massen an Unterstützerinnen und Unterstützern, die stolz auf diese Tatsache waren und versuchten, möglichst viele andere zu überzeugen, ebenfalls für ihn zu stimmen, sodass er schließlich die Präsidentschaftswahl mit überwältigender Mehrheit gewann. Denn die Versprechen des Populisten waren verführerisch: er würde wieder für Recht und Ordnung auf den Straßen sorgen, er werde die Kriminalität und die Kriminellen vernichten und dafür sorgen, dass alle Frauen und Mädchen auch nachts wieder unbesorgt auf den Straßen der Großstadt spazieren könnten. Die Drogensüchtigen warne er, von ihrem Übel abzuschwören, dann würde ihnen nichts geschehen, ansonsten werde er sie erbarmungslos verfolgen. Er setze sich für ein friedliches Land ein, frei von Kriminalität.

Mit diesem Narrativ konnte er viele Bürger und Bürgerinnen überzeugen, dass er sich für das Gute einsetzen und die Bösen bekämpfen würde. Sie selbst würde es schon nicht treffen, sie würden ja zu den Guten gehören.

Schlussendlich kam es aber zu einer erbarmungslosen Verfolgung von Menschen. Es reichte, dass Nachbarn jemanden als mit dem Drogenmilieu verbunden meldeten, um auf eine der Todeslisten zu kommen. Polizisten nutzten ihre Macht schamlos aus, da Duterte ihnen in jedem Fall Straffreiheit zugesichert hatte: beispielsweise entführten sie Menschen, um hohe Lösegelder zu erpressen, andernfalls würden diese ermordet werden. Menschen wurden vor den Augen ihrer Kinder ermordet, und gelegentlich wurden sogar Kinder und öfters auch Jugendliche erschossen. Alles ohne Beweise, ohne Gerichtsverfahren, einfach so, weil es sich angeblich um Menschen aus dem Drogenmilieu handeln würde.

Dabei zeigt die Journalistin auch die perfide Logik auf, mit der Duterte die angeordneten Ermordungen meist unbewaffneter Menschen, die oft in einem verletzlichen Moment zwischen Frau und Kindern in ihrem Zuhause überrascht wurden, gerechtfertigt wurde: er ordnete an, die Polizeiberichte alle nach dem folgenden Muster zu schreiben: die Polizisten hätten versucht, den Täter festzunehmen, dieser habe sie als Polizisten erkannt und eine Waffe gezückt, daraufhin wäre ihnen nichts anderes übrig geblieben, als ihn in Notwehr zu erschießen. Auffällig ist, dass es bei all diesen Berichten so gut wie keine verletzten Polizisten gibt, was die Unglaubwürdigkeit dieser Argumentation unterstreicht.

In der Denk- und Sprechlogik von Duterte würde es aber dabei keine Unschuldigen treffen, denn in dem von ihm vermittelten Schwarz-Weiß-Denken kommen keine solchen vor:

"Deine Pflicht ist es, den Süchtigen festzunehmen, und wenn er sich widersetzt, ist es deine Pflicht, ihn zu überwältigen. Wenn er die Hand in die Tasche steckt, musst du zur Waffe greifen. Wenn der Süchtige eine tödliche Waffe hat - und natürlich hat er die, denn der Kriminelle ist ein Süchtiger, und alle Süchtigen sind bewaffnet - dann ist es deine Pflicht, ihn zu erschießen.
Ist es Mord?
Ist es Totschlag?
Trägst du Verantwortung für die Tötung?" (S. 153)

Erschreckend, dass jemand mit solchen Argumenten so lange weite Teile der Bevölkerung hinter sich hatte. Doch wie Beispiele aus vielen anderen Regionen der Welt zeigen, ist das keine Besonderheit der Philippinen.

In einem späteren Teil des Buches beschäftigt sich die Journalistin mit dem Gesinnungswandel einiger ehemaliger Duterte-Anhängerinnen und -anhänger: nach einigen Jahren der Ermordungen waren einiger von diesen desillusioniert: hatte es doch auch Menschen in ihrem Umfeld getroffen, von denen sie es nicht gedacht hatten, an denen ihnen etwas lag oder die sie für unschuldig hielten. Der Hype um den angeblichen Kämpfer gegen das Böse ist abgeflaut. Seit 2025 muss sich Duterte vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Das verhinderte aber nicht, dass er trotz der Abwesenheit von den Philippinen im Mai wieder zum Bürgermeister von Davao City gewählt wurde.

Im Anhang legt die mutige Journalistin offen, dass sie alles dafür getan hat, alle Seiten miteinzubeziehen und auch Duterte selbst zu einer Stellungnahme aufgefordert hatte. Die Beantwortung ihrer Fragen wurde von seinem Büro aber abgelehnt.

Danke an die Journalistin Patricia Evangelista für ihren mutigen Einsatz für die Wahrheit, unter Risiko ihres Lebens, da schon einige kritische Journalistinnen und Journalisten auf den Philippinen ermordet wurden und auch sie immer wieder Drohungen erhält.

Es ist ein empfehlenswertes, umfangreiches und gut recherchiertes Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, das aber sehr empfehlenswert ist - nicht nur für alle, die sich für die Philippinen interessieren, sondern auch als Warnung für alle Menschen, was passieren kann, wenn radikale Populisten in Machtpositionen gewählt werden.

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Eine MeToo-Geschichte aus mehreren Perspektiven der betroffenen Familie

Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross

Hazel ist gerade 18 geworden und für ihr letztes Highschool-Jahr gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Wolf aus New York ins fiktive Riverburg im ländlichen Maine gezogen. Schon am ersten Tag an der neuen Schule lässt der Direktor, der wohl schon während des Sommers im Schwimmbad ein Auge auf sie geworfen hatte, sie ausrufen und zu sich bestellen, um sie darüber zu informieren, dass er sich jedes Schuljahr eine Schülerin für Sex aussuche, und dieses Jahr die Wahl auf sie falle.

Im Gegenzug könne sie sich Fürsprache bei der Aufnahme in ihre Wunsch-Colleges erhoffen.

Doch nun passiert etwas, mit dem der Direktor nicht gerechnet hat und das ihm offenbar in den Jahren davor noch nie passiert ist: Hazel sagt nein. Mutig und selbstbewusst gibt sie sich für so etwas nicht her, und aufgewühlt stürmt sie aus seinem Büro und erzählt später auch ihrer Familie davon. Das setzt, erst einmal gegen Hazels Willen, eine Kaskade an weiteren Aktionen in Gang, die Sache wird öffentlich, manche glauben Hazel, viele stehen aber auch auf Seiten des beliebten und bekannten Direktors und zweifeln die Schilderung der jungen Frau aus der unbekannten, neu zugezogenen Familie an, es kommt zu einer Untersuchung, aber auch zu anonymen Drohungen gegen Hazel und ihre Familie. So zeigen sich Auswirkungen dieses Vorfalls auf Hazels ganze Familie und auch auf viele andere Bewohner und Bewohnerinnen des Ortes. Und was ist eigentlich mit den bisher schweigenden jungen Frauen, mit denen der Direktor das die Jahre davor gemacht hat?

Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden Perspektiven von Hazels Familienmitgliedern: abwechselnd begleiten wir Hazel selbst, den etwa 11-jährigen neurodivergenten, sehr sensiblen und schlauen Wolf, den Vater Gus, der seine Position als neuer College-Dozent sichern will, und die Mutter Claire, die nun endlich als Künstlerin erfolgreich werden möchte. Dahinter steht auch die Frage nach städtischer vs. ländlicher Umgebung und ob es ein Fehler war, aus dem liberalen, städtischen New York nur wegen der beruflichen Chancen des Vaters ins ländliche Maine zu ziehen, insbesondere als jüdische Familie, die dort stärker auffällt und auch in diese Richtung Anfeindungen ertragen muss.

Auch die Auswirkungen auf die Familie des Täters werden thematisiert, wobei wir hier die Perspektive von dessen Frau und Tochter kennen lernen, aber, abgesehen von kurzen Erwähnungen von Opfer-Täter-Umkehr-Versuchen in diversen Medien, nicht die des Täters (diese fehlt dem Buch auch nicht, meiner Meinung nach). So wird noch einmal deutlicher, wie viele Leben von sexuellen Übergriffen solcher Männer, die ihre Machtpositionen derart schamlos ausnutzen möchten, beeinträchtigt werden können.

Insgesamt ist es ein unterhaltsam geschriebenes und interessantes Buch, das sich schnell und leicht liest und insbesondere durch die verschiedenen Perspektiven an Vielfalt und Tiefe gewinnt. Ab der Mitte gibt es aber einen Handlungsstrang, der auf mich aus europäischer Perspektive etwas übertrieben wirkt und stark vom eigentlichen Thema ablenkt. Auch werden nicht alle Handlungsstränge zu einem befriedigenden Abschluss gebracht und einiges blieb für mich am Ende offen bzw. wurde in einem zu sanften und damit unrealistischen Licht gezeichnet. Dafür ein Punkt Abzug für ein ansonsten sehr lesenswertes und empfehlenswertes Buch.

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Etwas schwächerer Abschluss einer interessanten Familiengeschichte

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder

Dieses Buch schließt als dritter Teil die Familiengeschichte ab, die mit "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" begonnen hat und mit "Bei euch ist es immer so unheimlich still" fortgeführt wurde. Im ersten Buch standen die Geschichten der Enkelin Hannah in der Gegenwart und die ihrer Großmutter Evelyn als junges Mädchen zur Zeit des zweiten Weltkrieges im Vordergrund, während es im zweiten Teil stärker um die Mutter Silvia und ihr Leben ging.

Hier im dritten Teil geht es nun wieder um Hannah, die damit zurecht kommen muss, erst einmal ohne Familie in der Welt zu sein, nachdem sowohl Mutter als auch Großmutter gestorben sind. Hannah ist nun 34 Jahre alt und auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, als sich auf einmal ihr bis dahin unbekannter Vater bei ihr meldet. Von den weiteren Geschehnissen in Hannahs Leben handelt hier also ein Erzählstrang.

Auch dieses Buch hat einen zweiten Erzählstrang, und wieder werden beide abwechselnd erzählt. Für diesen werden einige neue Figuren eingeführt: im Zentrum steht das Waisenmädchen Marlen, das ihre Familie durch die Suizide in Demmin nach Kriegsende verloren hat, bei einer Künstlerin unterkommt, von und mit ihr lernt. Mit Marlen erleben wir die Nachkriegsjahre und den Beginn der DDR mit, samt allen Hoffnungen in den jungen, neuen Staat, aber auch die Repressionen werden sichtbar.

Insgesamt liest sich das Buch durchaus interessant, auch wenn es mich etwas weniger gefesselt hatte als die beiden Vorgängerteile. Insbesondere die Hannah-Teile hatten für mich so einige Längen. Ich empfehle jedenfalls, die beiden Vorgängerteile für der Lektüre dieses Buches zu lesen, da man vieles sicherlich dann besser einordnen kann. Es ist ein unterhaltsames und gut geschriebenes Buch, das einen stimmigen Abschluss einer interessanten Familiengeschichte darstellt und das ich gerne gelesen habe.

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Wissenschaftlich fundiert, gut verständlich und ermutigend

Die neue Wissenschaft vom Sattsein von Pia Roser

Die Ärztin Pia Rosner arbeitet als Endokrinologin in einem Adipositaszentrum einer norddeutschen Klinik. Wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig freundlich und verständnisvoll, ohne Schuldzuweisungen, erklärt sie in diesem übersichtlichen und liebevoll gestalteten Buch den derzeitigen Stand der Wissenschaft zum Thema Übergewicht, Adipositas und Abnehmen.

Dabei geht sie auf hormonelle Zusammenhänge genauso ein wie auf Genetik, Ernährung, Bewegung und moderne Behandlungsmethoden wie bariatrische Chirurgie oder die Abnehmspritze, erklärt jeweils genau die Abläufe im Körper und die Vorzüge, aber auch Schwierigkeiten, die mit den verschiedenen Methoden verbunden sind.

Sehr sympathisch ist, dass die Ärztin einen freundlichen und offenen Zugang gegenüber übergewichtigen Menschen hat und nichts von Schuldzuweisungen hält: sie erklärt anschaulich, wie schwierig der Kampf gegen das Übergewicht sein kann, solange in Gehirn und Darm Hormone, Neutrotransmitter und Darmbakterien sich einer Veränderung entgegen stellen... aber auch, was funktionieren kann und welche Schritte man selbst erwägen und setzen kann auf dem Weg zu einem schlankeren und gesünderen Leben.

Vom Niveau her ist es ein medizinisches Sachbuch, das sich an interessierte Laien widmet und sich bemüht, die biologischen Zusammenhänge so verständlich wie möglich zu erklären. Ein Basiswissen in Biologie ist aber trotzdem förderlich für das Verständnis.

Ich kann das Buch allen, die selbst von Übergewicht oder Adipositas betroffen sind oder die einfach nur mehr darüber lernen möchten, nur wärmstens empfehlen: hier wird man als Gegenüber ernst genommen, fundiert aufgeklärt und kann dann selbst die passenden Entscheidungen treffen oder andere Menschen in diesem Bereich unterstützen.

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Eine bunte Mischung an Gedanken zum Weiterleben nach dem Tod

Die Entdeckung der Ewigkeit von Peter Seewald

Peter Seewald beschäftigt sich schon sein ganzes Leben lang mit Glaube und Kirche, war als Jugendlicher Ministrant, ist später aus der Kirche aus- und wieder eingetreten und hat schon einige religiöse Bücher verfasst. Vor diesem Hintergrund nimmt er sich nun im reifen Alter von über 70 Jahren dem Thema Tod und Hoffnung auf ein Weiterleben bei Gott an.

In diesem persönlichen und unterhaltsamen Werk umkreist er das Thema von verschiedenen Perspektiven, blickt auf sein eigenes Leben zurück, betrachtet Jugendwahn und die Anti-Aging-Industrie sehr kritisch, blickt auf die Coronazeit als Zäsur zurück, beschäftigt sich mit jenen, die auf der Suche nach der Abschaffung des biologischen Todes sind, setzt sich mit Schilderungen von Nahtoderlebnissen und anderen Religionen auseinander und kommt immer wieder zur christlichen Perspektive zurück, die insgesamt einen großen Teil des Buches einnimmt.

Vielleicht ist es auch diese christliche Perspektive, die insgesamt das so facettenreiche und vielfältige Buch abzurunden versucht, sodass es sich nicht in der Beliebigkeit verliert. Wer für diese Sichtweise offen oder selbst christlich gläubig ist, kann viele aufmunternde Gedanken und wertvolle Impulse aus diesem Buch mitnehmen. Wer solchen Perspektiven aber sehr kritisch entgegen steht und nicht wiederholt davon lesen will, was für ein Übel zum Beispiel die Abtreibung mit all den damit verbundenen verlorenen Leben darstellt, dem sei von diesem Buch eher abgeraten.

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Spannende Ahnengeschichten und Zahlenmystik, aber unreife Hauptfigur

Mara und Aram von Ursula Arn

"Mara und Aram" ist das zweite Buch von Ursula Arn. Auch ihr Debüt "So nah und fern zugänglich" scheint laut Beschreibung Mara als Figur zu behandeln, es könnte sein, dass es sich also bei diesem Buch hier um eine Fortsetzung davon handelt. Ich habe das erste Buch nicht gelesen, kann also nur dieses hier beurteilen.

Es ist problemlos als eigenständiges Werk lesbar. Nach Angaben der Autorin scheint es sich um ein Werk mit autofiktionalen Anteilen zu handeln, wobei unklar bleibt, wie viel von den jeweiligen Ahnengeschichten und von Maras Liebesgeschichte auf Tatsachen zurückzuführen sind.

Für mich gliedert sich das Buch in drei miteinander verwobene Elemente. Da ist zum einen Maras Lebens- und Liebesgeschichte. Mara ist eine Frau im reiferen Alter, mit erwachsenen Söhnen und Enkeln, die viele Jahre in einer toxischen Beziehung mit einem narzisstischen Mann lebte, der sie beleidigte und herabsetzte, und das bis heute, lange nach der Trennung, immer wieder versucht, bis zur körperlichen Bedrohung. Verliebt hat sie sich danach in den temperamentvollen, starken, ehemaligen Militärangehörigen Aram, der albanische Wurzeln hat, im kroatischen Dubrovnik lebt, in den Balkankriegen gekämpft hat und den sie in der Schweiz kennen und lieben gelernt hat. Mit Aram verbindet sie eine turbulente Liebesgeschichte im On-Off-Modus, und auch, wenn die beiden sich mittlerweile auch schon seit Jahrzehnten kennnen, kommen sie nicht so recht dauerhaft zusammen, hauptsächlich aufgrund von Maras psychischen Befindlichkeiten.

Um den transgenerationalen Wurzeln dieser auf die Spur zu kommen, legt sich Mara immer wieder bei einer Freundin auf die Couch und lässt dort in hypnotischen Rückführungs- oder Familienerinnerungssitzungen die Schicksale ihrer Ahnen wieder lebendig werden. Offensichtlich hat sie Vorfahren aus allen möglichen Teilen des Habsburgerreiches, aus dem ungarischen Adel, aus Italien und aus vielen anderen Gegenden, die Kriege, Bedrohungen, unglückliche Ehen, frühe Verluste und vieles mehr erlebt haben. Auch die reale historische Figur der "Rose von Tirana", der ungarischen Adeligen Geraldine Apponyi, die den albanischen König geheiratet hat, doch mit diesem und dem neugeborenen Sohn aus dem Lande fliehen und es erst im hohen Alter wieder betreten konnte, kommt als eine der entfernten Verwandten Maras mit ihrer Geschichte vor.

Eingebettet sind die einzelnen Kapitel außerdem in numerologische Zahlenmystik, beginnend bei der Eins und endend mit der Zehn. Dazu gibt es jeweils eine kleine Einführung in die numerologische Bedeutung der jeweiligen Zahl, verbunden mit Charaktereigenschaften, die denen zugeschrieben werden, deren Geburtsdaten diese Zahl ergeben. Das ist jeweils die Einleitung für eine der Ahnengeschichten.

Wie hat mir das Buch nun insgesamt gefallen? Dafür lohnt es sich, diese drei Teile differenziert zu betrachten: die Ahnengeschichten habe ich sehr spannend erzählt gefunden und sie waren für mich der interessanteste Teil in diesem Buch. Auch die numerologische Zahlenmystik war als ungewöhnlicher Rahmen durchaus interessant. Was mich aber etwas genervt hat, war die Figur der Mara. Dafür, dass es sich bei ihr um eine Person im reiferen Lebensalter handeln soll, habe ich sie erstaunlich unreflektiert und teenagerhaft wahrgenommen: sehr unreif in ihrem flatterhaften und reflektierten Verhalten gegenüber Aram und auch den angeblich narzisstischen Ex einseitig beschuldigend, ohne die eigenen Anteile an dieser Beziehung zu reflektieren. Fast alle Frauen im Alter einer Großmutter, die ich kenne, sind um vieles reifer und reflektierter als diese Mara. In manchen Kapiteln geht es nur kurz um sie, bis wieder eine spannende Ahnengeschichte erzählt wird, in anderen nimmt ihre teenagerhafte Schwärmerei, aber auch schnelle Eifersucht und Verwundbarkeit in der On-Off-Beziehung mit Aram großen Raum ein, bei dem ich beim Lesen durchaus genervt die Augen verdreht habe.

Abgesehen von diesem Teil war es aber ein durchaus spannend, abwechslungsreiches und ungewöhnliches Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und von dem ich einiges über Zahlenmystik und europäische Geschichte gelernt und mich gut unterhalten habe.

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Zugänglich, interessant und Gräben überwindend

Anders von Bertolt Meyer

Bertolt Meyer ist selbst mit einer körperlichen Behinderung geboren worden: mit nur einem Unterarm. So hat er schon seit frühester Kindheit Erfahrungen damit gemacht, was es bedeutet, von der Gesellschaft als "anders" wahrgenommen zu werden. In diesem Buch widmet sich der Psychologieprofessor nun den Unterschieden zwischen Menschen, wie sie unsere Wahrnehmung einschränken und wie wir lernen können, diskriminierungsfrei und somit besser damit umzugehen.

Es ist ein kluges und persönliches Buch, das zum einen auf vielen persönlichen Erfahrungen aufgebaut ist und damit zugänglich ist, zum anderen aber auch den aktuellen Wissensstand aus der Psychologie zu den jeweiligen Themen gut verständlich und interessant erklärt und insgesamt sehr zum Nachdenken anregt.

Nach einer Einführung in das Thema Behinderung geht es erst einmal allgemein um Stereotype, um besser zu verstehen, wie diese die menschliche Wahrnehmung und Beurteilung anderer verkürzen, aber damit gleichzeitig viele Menschen zu Unrecht in eine Kategorie werfen, die, wenn überhaupt, nur einen winzigen Teil ihrer Persönlichkeit beschreibt. Danach geht es um spezielle Themen, die aktuell sehr viel diskutiert werden, wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Transidentität, Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus und ehemaliges Ost- vs. Westdeutschland und die Menschen aus diesen Regionen.

Besonders sympathisch habe ich gefunden, wie sich der Autor persönlich und nahbar auf diese Themen einlässt: so erzählt er etwa auch von seiner Homosexualität, dem Umgang damit und wie viele Lebensbereiche diese betrifft, sodass es eben nicht möglich sei, über dieses Thema zu schweigen, ohne ständig bei Fragen nach Partnerschaft, Urlaub oder Kindern lügen zu müssen. Dem Thema Fremdenfeindlichkeit nähert er sich anhand eigener Erfahrungen als Deutscher in der Schweiz an, ist sich aber seiner dabei insgesamt privilegierten Position bewusst und reflektiert diese. Zum Thema Diskriminierung Ostdeutscher bringt er keine eigenen Erfahrungen mit, hat allerdings einige Zeit dort beruflich verbracht, und nähert sich dem Thema mit der gebotenen Zurückhaltung an.

Wenn es schließlich um das Erstarken des Rechtspopulismus in der Gegenwart geht, bietet der Autor auch dafür schlüssige Erklärungen an und legt seine, wie in seinem Umfeld sehr verbreitet, eigene eher linke Position dar, zeigt dabei aber gleichzeitig Respekt für andere politische Positionen und setzt sich insgesamt für Dialog und Verständigung ein.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Werk somit um ein interessantes und zugängliches Buch zu vielen aktuellen Themen, das ich Menschen verschiedenster politischer Einstellungen ans Herz legen will, um Neues zu lernen, die eigenen Positionen zu hinterfragen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

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