Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Sehnsüchte
Hello Baby von Kim Eui-kyung
Unerfüllter Kinderwunsch ist ein sensibles und sehr emotionales Thema, das in der Öffentlichkeit kaum stattfindet.
Mich hat es gefreut, dass die Autorin sich an diese Thematik herangetraut hat.
Es geht um sechs unterschiedliche Frauen, die eine Gemeinsamkeit haben. Sie wünschen sich ein Kind und sind in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul in Behandlung.
Über den Baby-Gruppenchat tauschen sie sich aus und versuchen sich gegenseitig zu unterstützen. Dabei wird schnell deutlich, dass es sind nicht nur physische und psychische Belastungen sind, die eine gescheiterte Kinderwunschbehandlung mit sich bringt, sondern auch der gesellschaftliche Druck und die familiären Erwartungen, die den Frauen das Leben schwer macht.
Der Schreibstil von Kim Eui-kyung ist für ein so emotionales Thema sehr nüchtern und sachlich, was ich als angenehm empfunden habe, um die schwierige Situation der Frauen besser greifen zu könne.
Der Roman zeigt deutlich wie viel Frauen für ihre Wünsche und Sehnsüchte auf sich nehmen und wie schwer es ihnen von der Gesellschaft gemacht wird. Es ist ein gelungener Einblick in einen sehr privaten Themenbereich, der für mehr Verständnis und Zurückhaltung in der Öffentlichkeit sorgen sollte.
Eine Frau - zwei Leben
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Der Prolog ist alles andere als leicht verdaulich. Eine Frau erleidet auf der Bürotoilette eine Fehlgeburt in der elften Woche .
Nach diesem kurzen Schockmoment nimmt Anne Sauer ihre Leser mit in das Leben der Protagonistin Antonia bzw. Toni. Eine Frau, die gerade ihr Leben in zwei Varianten erlebt.
Zunächst wird Toni eingeführt. Sie ist kinderlos und lebt mit ihrem Freund Jakob in einer hellhörigen kleinen Altbauwohnung.
Als nächstes wacht sie als Antonia auf und befindet sich mit ihrer ersten großen Liebe Adam und dem gemeinsamen Kind in einer schicken Wohnung. Sie kann die Situation nicht einordnen.
Wer soll das was ihr gerade passiert glauben?
Es gibt 19 Kapitel aus Antonias und 15 aus Tonis Perspektive.
Die beiden Leben der Protagonistin sind sehr unterschiedlich, zeigen Möglichkeiten, Freiheiten, Verpflichtungen, Vor- und Nachteile verschiedener Lebensstile, wie es mit und wie es ohne Kind sein könnte.
Das Leben bietet viele Wege und wir können immer nur einen Wählen. Welchen wir nehmen, müssen wir entscheiden und steht uns frei. Ob wir uns dabei falsch oder richtig entscheiden, hängt von unseren Wünschen ab.
Letztendlich ist jeder Weg richtig, mit dem wir glücklich werden.
Spurensuche in der Toskana
Zypressensommer von Teresa Simon
1998 reist die Hamburger Goldschmiedin Julia nach Italien in die Toskana, um sich dort auf Spurensuche ihres kürzlich verstorbenen Großvaters zu begeben. Vor Ort bekommt sie von dem Italiener Matteo Conti Hilfe. Die Suche führt sie weit in die Vergangenheit und der Roman wird im Wechsel in der Gegenwart und der Vergangenheit zur Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählt.
Der Roman ist nicht immer ganz einfach zu lesen, da es viele Charaktere gibt und auch immer wieder italienische Sätze einfließen. Sicherlich hätte ich die Handlung auch verstanden, wenn ich mir diese nicht übersetzt hätte, aber der Gedanke, dass ich etwas verpassen könnte, hat mir keine Ruhe gelassen.
Die Ereignisse in der Vergangenheit sind grausam und geben ein Stück Deutsch-Italienische-Geschichte wieder, die für mich neu war. Die atmosphärischen Beschreibungen der Landschaft und die Kulinarik der Toskana sind ein wohltuender Kontrast dazu.
Ich kann diese emotionale Familiengeschichte nur empfehlen und habe sie innerhalb kürzester Zeit verschlungen.
Wren und Lewis
Shark Heart von Emily Habeck
Dieser Roman ist einfach unglaublich. Ich habe bisher noch kein vergleichbares Buch gelesen.
Wren und Lewis sind frisch verheiratet, das Leben liegt vor ihnen. Sie sind sehr unterschiedlich. Während Wren es ruhig und strukturiert mag, schlägt Lewis gerne über die Stränge. Das Paar bietet in sich einen tollen Kontrast.
Aber noch bevor sie anfangen können ihr gemeinsames Leben zu genießen, erhält Lewis eine niederschmetternde Diagnose. Er wird zum Weißen Hai.
Obwohl das zunächst ein wenig fantastisch, absurd uns sehr gewagt klingt, könnte das Buch kaum menschlicher sein. Es entpuppt sich auf eine sehr originelle Art zu einer Liebesgeschichte, die alles beinhaltet, was das Leben zu bieten hat. So geht es um Krankheit, Verlust, Abschied, Liebe, Trauma und Verwandlung.
Mir hat es fast das Herz zerrissen, dass Wren mitansehen muss, wie sich Lewis verwandelt und von ihr entfernt. Aber es ist kein durch und durch trauriges Buch, es gibt auch humorvolle Momente und Überraschungen, wenn man am wenigsten damit rechnet.
Für mich war das Buch ein richtiges Highlight und etwas vollkommen Neues.
London in den 1920er Jahren
Nacht über Soho von Kate Atkinson
„Wird jemand gehängt?“ lautet die neugierige Frage eines 13-jährigen Zeitungsjungen zum Einstieg in die Handlung. Damit wird das Milieu und die Atmosphäre in dem sich der Roman bewegt direkt deutlich.
Der Erste Weltkrieg ist vorbei und das Nachtleben in London pulsiert wieder.
Nellie Coker wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen, ist die Königin des Nachtlebens und will, dass ihre Nachtclubs von ihren Kindern weitergeführt werden.
Diese haben jedoch andere Pläne. Abgesehen davon ist Nellies Leben nicht ganz ungefährlich, so ein Nachtclub bringt Feinde mit sich.
Neben Nellie gibt es einen weiteren Protagonisten: Inspektors John Frobisher. Sein Anliegen ist es die Morde an jungen Mädchen, die im Londoner Nachtleben verschwunden sind, aufzuklären. Dazu schleust er eine junge Frau in Nellies Club.
Kate Atkinson nimmt sich Zeit ihre Charaktere und das London der 1920er Jahre zu beschreiben. Dadurch dauert es ein wenig bis sich Spannung aufbaut, aber genau davon lebt das Buch, von den Beschreibungen schillernder Charaktere, der Gesellschaft und dem Nachtleben.
Es ist ein Blick in die Vergangenheit, ziemlich genau hundert Jahre zurück und spiegelt ein tolles Porträt der Zeit.
Ein faszinierender Blick ins All und in die Zukunft
Astro-Tims Sternstunden von Tim Ruster
Tim Ruster war mir bisher unbekannt, erst mit der Lektüre seines Buches habe ich mir auch die Videos des YouTube-Moderators angeschaut.
In diesen erklärt er ebenso wie in seinem Buch das Universum.
In einem leicht verständlichem Schreibstil gibt er einen Aus- und Einblick in das All in 50, 100, 200, 400, 800 und 1000 Jahren.
Bevor es in die Zukunft geht, schaut er noch die entsprechenden Jahre zurück.
Das Buch bietet einen interessanten Einblick auf die kommenden Entwicklungen in der Raumfahrt. Die Sprache von Tim Ruster ist einfach und die Kombination aus Text und Bild passt, so wird das Ganze anschaulich.
Die hier dargelegten astronomischen Grundlagen bieten eine gute Basis für Einsteiger bzw. Leser ohne Vorwissen.
Dabei spürt man auf jeder Seite die Begeisterung des Autors für die Astronomie, so dass das Lesen einfach Spaß macht.
Sehr fesselnd!
Vorsehung von Liane Moriarty
Während eines Fluges geht eine alte Dame durch die Reihen und sagt den Passagieren wann, wo und woran sie sterben werden. Einige reagieren geschockt, andere belächeln die Vorkommnisse. Dennoch verändern sie alle ihr Leben und bekommen diesen Moment mit den Prophezeiungen nicht mehr aus dem Kopf.
Es ist eine große Anzahl an Personen über deren Leben die Handlung geht und jeder geht ein wenig anders mit der denkwürdigen Vorsehung um.
Es geht aber nicht nur um ihr Leben, sondern auch um das der alten Damen, so dass es zahlreiche Handlungsstränge gibt. Jeder davon ist spannend und die Wechsel fesseln.
Werden sich die Worte der alten Dame bewahrheiten?
Wie kommt sie überhaupt dazu das Schicksal anderer Menschen vorauszusagen?
Die Situation ist alles andere als angenehm und verändert das Verhalten der Charaktere.
Können sie dadurch ihr Schicksal beeinflussen?
Mich hat das Buch total vereinnahmt und ich war froh, dass ich nur stiller Beobachter der Geschehnisse war.
Das Buch ist durchweg fesselnd geschrieben und es regt zum Nachdenken an.
Zwischen Grusel und Wissenschaft
Glückwunsch zum Geburtstag, Zombie von Will Hofmann
Walter liegt in seinem Grab, aber tot ist er nicht. Er erinnert sich an alles, was er zu Lebzeiten schon längst vergessen hatte.
Auf eine äußerst unheimliche Weise nimmt der Autor seine Leser mit auf eine Reise zu den Gedanken eines Untoten mit äußerst klaren Gedanken.
Walter liegt in seinem Grab und weiß, obwohl er zu Lebzeiten unter Demenz litt, genau was mit ihm passiert ist.
Sein zuletzt behandelnder Arzt hat ihn mit Phosphaten experimentiert und dadurch seinen Zerfall aufgehalten.
Neben ihm treffen wir auf einige weitere Personen auf dem Weg zur Zombifizierung.
Bereits im Prolog wird eine unheimliche Atmosphäre erzeugt. Diese setzt sich fort, wird aber auch von sachlichen, wissenschaftlichen Erklärungen unterbrochen, die der Autor gekonnt mit seiner Handlung verbunden hat.
Ich habe bisher noch keinen so gelungen Gruselroman gelesen, der so viele, gut erklärte medizinische und wissenschaftliche Details enthält. Sollte mir morgen ein Zombie begegnen, wundern würde es mich nicht.
Agnetas Leben in Frankreich
Merci Agneta von Emma Hamberg
Ich habe mich schon sehr auf das Wiedersehen mit Agneta gefreut.
Nachdem sie und ihr Mann Magnus auseinandergelebt hatten, ist Agneta von Schweden nach Frankreich gezogen, wo sie ihr Leben, weit ab von ihrer Familie, neu beginnt.
Inzwischen hat sie sich in Frankreich richtig gut eingelebt und genießt ihr neues Leben.
Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht.
Agnetas Entwicklung aus dem ersten Band setzt sich hier gelungen fort. Sie ist eine mutige Protagonistin, die ihr Leben anpackt, sich ausprobiert und sich nicht so leicht entmutigen lässt. Als sie zurück nach Schweden muss, merkt sie wie weit sie sich bereits von ihrem alten Leben entfernt hat.
Mit Witz, Ironie und Sarkasmus begleiten wir Agneta durch ihr Leben und können dabei die Atmosphäre Frankreichs genießen.
Es ist ein richtig schöner, sommerlicher Roman aus dem Leben, mit Licht- und Schattenseiten, gelungenen Schauplätze und sympathischen Charakteren.
Eine fremde Welt
Das Echo der Sommer von Elin Anna Labba
Das Buch gibt einen interessanten Einblick in das Leben der Samen. Für mich war das bisher eine völlig fremde Welt und ich habe ein wenig gebraucht, um mich auf die Geschichte einzulassen.
Die dreizehnjährige Iŋgá lebt mit ihrer Mutter Rávdná und ihrer Tante Anne in „Sommerland“ an einem See im Nordwesten von Schweden.
Als sie nach dem Winter in ihr Dorf zurückkehren wollen, ist es durch den Bau eines Staudamms für ein Wasserkraftwerk überschwemmt. Überall ist nur noch Wasser. Damit verlieren die drei Frauen ihre Heimat, ihre Erinnerungen und auch ihre Existenzgrundlage.
Ihre Kultur wird untergraben und gleichzeitig wird ihnen keine Möglichkeit gegeben sesshaft zu werden.
Das Volk der Sami lebt im Einklang mit der Natur, die durch politische Entscheidungen rücksichtslos verändert und zerstört wird. Mich hat das Vorgehen geschockt und ich hatte tiefstes Mitgefühl mit den Protagonistinnen, deren Leben vollkommen unverschuldet zugunsten des Profits des Staates zerstört wird.
In dem Buch bin ich immer wieder auf Ausdrücke der Sami gestoßen, für die ich eine Übersetzung vermisst habe. Abgesehen davon ist es ein lesenswertes Buch, das mich berührt hat, in eine fremde Welt blicken lässt und dem Volk der Samen eine Stimme gibt, die viel lauter sein sollte.











