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Rezensionen von Ruth:

Nicht die Zielgruppe

Tage des Lichts von Megan Hunter

Beim Rückblick auf das Leben ihrer Protagonistin greift die Autorin sechs Tage heraus, die immer um die Osterzeit herum spielen..
Die Geschichte nimmt ihren Ausgang am Ostersonntag 1938. Die neunzehnjährige Ivy verbringt den Tag mit ihrer Großfamilie auf deren Landsitz Cressingdon, „ dem unchristlichsten Haus in ganz England“.

Man feiert gemeinsam Ostern und erwartet den Besuch von Frances, der Verlobten von Joseph, dem Sohn des Hauses. Doch am Ende des Tages wird nichts mehr sein wie zuvor. Ein tragisches Unglück wird alles verändern.
Der Roman verfolgt nun das Leben von Ivy chronologisch über sechs Jahrzehnte, immer anhand einzelner Schlüsselmomente.
So erleben wir Ivy zunächst als eine junge Frau, die noch nicht weiß, wohin sie die Zukunft führen wird. Schon in ihrer Kindheit haben alle erwartet, dass sie so außergewöhnlich sei wie die anderen Familienmitglieder, allesamt erfolgreiche und berühmte Maler und Schriftsteller. Doch leider erweist Ivy sich als völlig talentlos. Auch steht sie immer im Schatten ihres zwei Jahre älteren Bruders John, dem „Goldjungen“.
Aber dessen Ertrinken nach einem gemeinsamen Bad im Fluss macht aus Ivy eine ewig Suchende. Jenes Licht, das ihr dabei erschien und das sie blind machte für Josephs Verschwinden, steht dafür sinnbildlich. Der Titel des Romans weist schon explizit darauf hin. Ebenso das vorangestellte Zitat aus dem Johannesevangelium: „ Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.“
Obwohl Ivy auf einer spirituellen Suche ist, lässt sie sich erst einmal treiben. Sie heiratet Bear, einen 25 Jahre älteren Freund der Familie, bekommt zwei Töchter mit ihm. Als sie sechs Jahre später, im April 1944 Frances wieder trifft, beginnen die beiden Frauen eine Liebesbeziehung. Frances ist für Ivy die Antwort auf alle Fragen. Die glückliche Zeit endet, weil Frances sich für ihren Mann entscheidet. Auch dann noch, als sich die beiden Frauen Jahre später wieder begegnen, Ivy ist mittlerweile Witwe. Daraufhin sucht Ivy ihr Seelenheil im Kloster und es sollen weitere Jahre vergehen, bis die beiden Frauen zusammenfinden.
Das ist die äußere Handlung und das hört sich zunächst vielversprechend an. Doch leider hat mich der Roman bereits nach dem Auftaktkapitel verloren. Obwohl wir alles aus Ivys Perspektive sehen, blieb mir die Figur völlig fremd, ihr Denken und Handeln nicht nachvollziehbar. Es dreht sich alles um Ivys inneres Befinden, ihr Suchen nach dem Göttlichen. Dabei geht sie völlig egozentrisch durch die Welt. Mit gelebtem Christentum hat das wenig zu tun. Ihr Mann, ihre Kinder, Randfiguren in ihrem Universum. „ Eine Frau mit ihren Sprösslingen zu sein, war keine Kategorie, die für Ivy gemacht zu sein schien.“
Die historischen Umstände werden nur am Rande gestreift, die Zumutungen des Krieges, die gesellschaftlichen Veränderungen in den 1960er Jahren, alles nur Staffage, Kulisse. Dabei hätte gerade das mich interessiert, ein Frauenleben durch ein Jahrhundert hin zu begleiten. Aber dazu hätte ich ein anderes Buch lesen müssen.
Der Autorin geht es um spirituelle Erfahrungen, der Suche nach Transzendenz. Dazu bemüht sie eine Unmenge an Symbolen, wie das schon erwähnte Licht, das beständig beschworen wird, spielt mit dem Mythos von Ostern und manchem mehr.
Auch die sprachliche Umsetzung machte mir zu schaffen. So finden sich im Roman wunderschöne poetische Passagen, voller Atmosphäre und Gefühl. Dem gegenüber stehen völlig verunglückte Bilder und kryptische Aussagen.
Die Struktur des Romans ist wohldurchdacht, die Beschränkung auf einzelne Tage vielversprechend. Trotzdem müssen die Leerstellen dazwischen verständlich gefüllt, Brüche und unerwartete Wendungen plausibel werden. So wird z.B. der Lesende völlig überrascht von Ivys Entschluss ins Kloster zu gehen.
Wie die Autorin in ihrer Nachbemerkung schreibt, ließ sie sich von der legendären Bloomsbury Group um Virginia Woolf und ihre Schwester Vanessa Bell inspirieren. Die Gruppe war bekannt für ihre Ablehnung viktorianischer Moralbegriffe, ihre pazifistische Gesinnung und ihren offenen Umgang mit Sexualität. Diese Gruppe ist Vorbild für Ivys Großfamilie. Und Ivy selbst basiert lose auf Vanessa Bells Tochter Angelica, die einen wesentlich älteren Freund der Familie und ehemaligen Liebhaber ihres Vaters heiratete. Das aber nur am Rande.
Fazit: Für Leser, die sich im Esoterischen zuhause fühlen, mag die Lektüre von „Tage des Lichts“ ein Gewinn sein. Ich bin nicht die richtige Zielgruppe.

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Unterhaltsam und informativ zugleich

Guinness World Records Fußball Edition von Guinness World Records Ltd.

Dieses Buch, das jeden Fußballfan, ob jung oder alt, begeistern dürfte, wurde von von einem „ fußballverrückten“ Expertenteam zusammengestellt und ist nicht nur hochaktuell, sondern auch vollgepackt mit einer Unmenge an Fakten, Statistiken und Geschichten, illustriert durch eine Vielzahl ausdrucksstarker Photos.

Aufgelistet und genau beschrieben sind die 100 größten Fußballrekorde: Da erfährt man nicht nur, wie alt der jüngste Torschütze war ( vierzehn Jahre) oder wann das früheste Tor bei einem Champions League Spiel fiel ( nach 10,12 Sekunden) und bei welchem FIFA WM- Turnier die meisten Eigentore geschossen wurde ( Weltmeisterschaft 2018). Sondern z.B. auch, wie viel der teuerste Transfer gekostet hat ( 222 Millionen) oder welches Nationalteam in Serie am längsten ungeschlagen blieb ( Italien war 37 Spiele drei Jahre in Folge ungeschlagen). Dass Harry Kane nur 43 Spiele brauchte, um 50 Bundesligatore zu erzielen, erfährt man ebenso wie dass Juventus 36-mal italienischer Meister wurde. Wer der Rekordmeister in Deutschland ist, wissen sogar Leute, die von Fußball wenig Ahnung haben dürften. Den Platz 1 nimmt Pelé ein, der drei WM-Titel gewonnen hat
Sehr lesenswert sind die zwischengeschalteten Features, in denen man z.B. eine Reise unternimmt zu den größten und berühmtesten Fußballstadien, oder die berühmtesten Trainer und Schiedsrichter kennenlernt.
Mehrere Seiten nimmt die FIFA WM- Geschichte ein, die im Jahr 1930 ihren Anfang nahm.
Der Frauenfußball gehört selbstverständlich auch dazu. Frauen werden bei den Rekorden genauso aufgelistet wie die Männer.
In der „Verlängerung“ erfährt man einiges über den Freestyle-Fußballspaß und lustige Fun-Fats aus dem Fußballbereich. Ein Quiz zum Abschluss darf auch nicht fehlen.
So ist dieses Buch eine riesige Fundgrube für alle Freunde des Fußballs, unterhaltsam und informativ zugleich.

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Uneingeschränkt zu empfehlen!

Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser von Andrea Erne

Auch der neueste und 60. Band der bewährten „Wieso Weshalb Warum“ - Reihe für die Altersstufe der 4- bis 7Jährigen kann wieder voll überzeugen. Dieser Band widmet sich dem komplexen Thema Wasser. Dabei geht es um die besonderen Eigenschaften dieses Elementes und seine Bedeutung für Mensch, Tier und Pflanze.

Es fragt genauer nach, wozu wir das Wasser brauchen, nicht nur der Einzelne, sondern auch die Wirtschaft usw. Anschaulich wird gezeigt, wie das Trinkwasser in die Haushalte kommt und wohin unser Abwasser fließt.
Je eine Doppelseite wird dem Lebensbereich Fluss und dem des Meeres gewidmet. Der Klimawandel muss hier selbstverständlich auch angesprochen werden. Zeigt er sich doch zu oft in zu viel oder zu wenig Wasser. Überschwemmungen und Dürren sind sichtbare Zeichen dafür. Dass auch Kinder etwas für Klima tun können bleibt nicht unerwähnt. Das ist wichtig, nimmt es ihnen doch das Gefühl von Ohnmacht und fördert stattdessen ein nachhaltiges Verantwortungsgefühl..
Die Texte sind leicht verständlich, ohne oberflächlich zu sein. Die bewährten Klappen vermitteln auf spielerische Art zusätzliches Wissen und erleichtern das Verständnis für Zusammenhänge. Genau wie die detaillierten Bilder, die den Text illustrieren und ergänzen.
So ist auch dieser Band wieder uneingeschränkt zu empfehlen und sollte in keinem Kinderzimmer fehlen. Auch Kindergärten und Schulen profitieren, wenn „ Alles über Wasser“ in die Bibliothek übernommen wird.

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Rundum gelungen!

Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 81 - Der Kran von Andrea Erne

Meine Enkelkinder lieben die „Wieso Weshalb Warum?“-Reihe und haben auch schon eine große Anzahl dieser Bücher in ihren Bücherregalen.
Der vorliegende Band aus der Junior- Reihe über den „Kran“ ist ideal für den 3jährigen Enkel, der schon immer an jeder Baustelle fasziniert stehen blieb.

Aber auch Größere werden noch Neues erfahren. So z.B. wie ein solches Riesengerät überhaupt zu einer Baustelle kommt. Oder welche Einsatzmöglichkeiten es für Kräne aller Art gibt, wie die Spezialkräne heißen und wie sie aufgebaut sind.
Eine Doppelseite wird dem aufregenden Beruf des Kranführers gewidmet . Besonders spannend ist es, wenn die Feuerwehr bei einer Rettungsaktion einen Kran benötigt.
Das alles und noch manches mehr wird anhand verschiedener lebensechter Szenen vermittelt. Die Texte sind wie immer leicht verständlich und liefern trotzdem die wichtigsten Informationen. Natürlich dürfen die gewohnten Klappen nicht fehlen, die die Vorgänge nachvollziehbar machen. Ein kleine Suchaufgabe am Ende rundet das Ganze ab.
So ist auch dieser Band wieder rundum gelungen und allen kleinen Entdeckern zu empfehlen.

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Lädt zum Gespräch

Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte von Werner Holzwarth

„Wie alle Spatzen, wenn sie noch ganz jung sind, träumte auch der kleine Spatz davon, einmal eine große Amsel zu werden.“ So beginnt das neue Bilderbuch von Werner Holzwarth und Margarita Sada. Aber der kleine Spatz ist nicht allein mit seinem großen Traum. So wie er möchten auch die Amsel, die Taube , die Möwe und noch einige mehr ein anderer und größerer Vogel sein.

Doch die deprimierende, gleichwohl realistische Antwort der Eltern fällt immer gleich aus: Du bleibst, was Du bist. Einzig größer wirst Du werden. Doch davon lassen sich die Vogelkinder nicht desillusionieren. Mal trotzig, mal selbstbewusst, mal siegessicher reagieren sie auf die Reaktion der Eltern.
Dieses Bilderbuch will Mut machen, an seinen Träumen und Wünschen festzuhalten , mögen sie auch noch so hoch gegriffen sein. Auch wenn die Wirklichkeit und die Erfahrung dagegen sprechen, so ist im Spiel, in der Phantasie vieles möglich.
Gleichzeitig lädt das Buch dazu ein über die Wünsche und Vorstellungen der Kinder ins Gespräch zu kommen. Und auch die Frage aufzugreifen, warum hier jeder Vogel ein anderer sein möchte.
Der Text arbeitet mit vielen Wiederholungen, etwas, das kleinere Kinder lieben. Auffallend ist, dass die Antwort der Eltern jeweils beinahe identisch ist, während die Reaktionen der Vogelkinder variieren.
Besonders gelungen sind die in kräftigen warmen Farben gehaltenen Illustrationen, die viele liebenswerte Details aufweisen . So liest z.B. die Graugans das vorliegende Bilderbuch. Viele Szenen spiegeln auch den kindlichen Alltag wieder. Es lohnt sich auch die Vorsatz- und Nachsatzseite genauer anzuschauen, die einen Überblick über die Vogelinsel bieten, mal am Tag, mal zur Nacht.
Dass das Ende etwas abrupt kommt und relativ kurz abgehandelt wird, ist mein einziger Kritikpunkt.
So ist „ Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte“ ein liebenswertes Bilderbuch, das zum gemeinsamen genauen Betrachten und zum Gespräch einlädt.
Auch wenn es nicht die Klasse und Originalität von Holzwarths erfolgreichstem Bilderbuch , dem „ kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ aufweist

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Persiflage auf den klassischen Spionageroman

Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson

Die Neunziger Jahre - eine Zeit der Euphorie: der Eiserne Vorhang war gefallen, die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten war weg, der Kalte Krieg endlich Vergangenheit. Voller Optimismus konnte man in die Zukunft schauen, ohne Angst. Die Welt war im Begriff, eine bessere zu werden. „ Das ist das Ende der Geschichte,“ davon ist der fünfundzwanzigjährige Dichter Jakob Dreiser überzeugt.

Doch nicht jeder mag in die allgemeine Glückseligkeit mit einstimmen, wie z. B. Dieter Germeshausen. Wo bleiben denn dann Leute wie er, die zuvor in dieser Geschichte eine Rolle gespielt haben? Seit 27 Jahren arbeitet er brav für den BND, hat sich jahrelang um Überläufer aus dem Warschauer Pakt gekümmert. Aber da in Pullach niemand so richtig seine Leistung gewürdigt hat, bot er irgendwann der gegnerischen Seite seine Dienste an. Und nun kommt Gorbatschow und aus und vorbei ist es mit seinen beiden Jobs. Aber schon immer ist es so bei ihm gelaufen. Erst hat er sich vergeblich bei der AOK beworben, dann zeigte ihm der BND die kalte Schulter . „ Und als Krönung des Ganzen fing er an, für die Sowjetunion zu spionieren, und kurze Zeit später war die Sowjetunion weg. Sein Leben war ein einziger Rohrkrepierer.“
Aber damit sollte nun Schluss sein. Germeshausen plant den letzten großen Coup, der ihm seinen Ruhestand vergolden soll.
Dafür braucht er Jakob Dreiser. Denn anders als Germeshausen versteht dieser es, die Leute in Gespräche zu verwickeln und für sich einzunehmen. Und im Grunde genommen sind Schriftsteller doch die idealen Spione. Sie sitzen stundenlang in Cafés oder auf Parkbänken, beobachten die Menschen und machen sich Notizen.
Auf dem Sommerfest der Russischen Föderation in Rom begegnen sich die beiden ungleichen Protagonisten, ausgerechnet bei den Russen. „ Wenn man früher versucht hätte, in diesen Garten zu gelangen, wäre man in einem sehr dunklen Keller gelandet. Jetzt wird man bewirtet.“ wundert sich Germeshausen, bevor er Jakob sein Angebot unterbreitet.
Jakob ist zwar überrascht, aber die Neugierde ist größer. Diese neue Aufgabe verspricht doch etwas Abwechslung in seinen langweiligen Alltag zu bringen. Damit sollte er Recht behalten. Denn was nun folgt ist eine unglaubliche Geschichte, die die beiden bis nach Kasachstan führen soll. Es geht um viel Geld, um russische Hubschrauber und die russische Mafia und ein Geschäftstreffen in einer Petersburger Sauna.
Attraktive Frauen dürfen in einem Spionagethriller natürlich nicht fehlen. Dominique ist eine äußerst trinkfreudige Dame, ehemalige Botschaftergattin und die erste Liebe von Germeshausen. Auch für sie plant er diesen Deal.
Francesca ist weitaus mehr als eine einfache Italienischlehrerin, die ihre erwachsenen Schüler verführt. Warum sonst sollte sie Jakob und Dieter nach Kasachstan begleiten?
Eine wichtige Rolle spielen auch noch die Leiterin des Goethe-Instituts in Almaty und die unzugängliche Chefin einer Hubschrauberfabrik.
Kristof Magnusson hat mit „ Die Reise ans Ende der Geschichte“ eine Persiflage auf den klassischen Agentenroman geschrieben. Die Handlung ist gleichermaßen aberwitzig wie spannend. Die Charaktere, wenn auch leicht überzeichnet, wirken echt und lebendig. Da ist der vom Leben enttäuschte, stets pessimistisch gestimmte Doppelagent. Ihm gegenüber steht Jakob, jung, stets gut gelaunt, aber etwas gelangweilt, der nun an der neuen Aufgabe über sich hinauswächst. Und auch die Nebenfiguren sind detailliert und liebevoll herausgearbeitet.
Viele bissige Spitzen auf Milieus und landestypische Eigenheiten sorgen für Heiterkeit. Auch die politische Aufbruchstimmung der Neunziger Jahre kommt gut rüber. Leider zeigt die aktuelle Situation, dass Germeshausen mit seiner negativen Weltsicht richtig lag. „Ich sage Ihnen, woran die Russen sich erinnern werden. Daran, wie sie jetzt gerade vom Westen gedemütigt werden. Die Sowjetunion war eine Weltmacht, jetzt ist alles nur noch Wind of Chance und Tetris, das kann doch nicht gut gehen.“ Und : „ Wir werden die alte Welt noch ganz schön vermissen.“
Eine weitere Stärke des Autors sind seine Dialoge, spritzig und pointiert.
Ich habe mich mit diesem satirischen Spionage- und Gesellschaftsroman bestens amüsiert, auch wenn die Geschichte zum Ende hin ein paar abstruse Drehungen zu viel nimmt.

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Portrait einer Ehe im Wandel

Die Liebe, später von Gisa Klönne

Eine lebensbedrohende Herzerkrankung verändert von einem Tag auf den anderen das Leben der sechzigjährigen Kora. Nach OP und Reha steht sie vor der Frage, wie es weitergehen soll mit ihr. Soll sie auf den Ratschlag der Ärzte hören und ihren Job aufgeben? Das wünscht sich jedenfalls ihr Ehemann Anselm, der nun selbst in den Vorruhestand getreten ist.

Er freut sich auf die gemeinsame Zeit mit seiner Frau, hat schon ganz konkrete Pläne. Endlich kann er sich nämlich den lang gehegten Traum von einem Naturteich im eigenen Garten erfüllen. Doch Kora sieht sich nicht abends am Steg sitzen. Sie ist noch lange nicht bereit für den Ruhestand, dafür bedeutet ihr der Beruf zu viel: erst Hauptstadtjournalistin, dann Moderatorin einer erfolgreichen Radiosendung. Und nun will man sie aufs Altenteil abschieben. Alles in ihr sträubt sich dagegen.
Auch die plötzlich ständige Nähe zu Anselm ist ungewohnt. Seit zwanzig Jahren führen die beiden eine glückliche Wochenendehe, Anselm in Berlin im Verkehrsministerium, sie in Köln beim Radio. Die gemeinsame Zeit war knapp bemessen, dafür aber schön.
Wie wird es nun sein, wenn sie täglich aufeinander hocken?
Kora braucht Abstand, um Antworten auf diese Fragen zu finden.
Sie flüchtet geradezu aus dem gemeinsamen Haus und begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Dazu trifft sie Menschen von früher und besucht Orte ihrer Kindheit und Jugend.
Dabei erfährt der Lesende viel aus Koras Leben; Erlebnisse und Erfahrungen, die sie geprägt haben und die noch immer in ihr arbeiten. So wie der frühe Tod ihrer Mutter, aber auch eine traumatisch endende Liebesbeziehung.
Zugleich braucht ein Wanderkollege die Hilfe Koras. Seine junge Frau ist spurlos verschwunden. Ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder war es ein Unfall? Oder ist sie etwa aus einem Leben geflüchtet, das nicht mehr zu ihr passt?
Gerade diese Frage beschäftigt Kora sehr, sind es doch Überlegungen, die sie teilt. Aber kann man einfach ein altes Leben hinter sich lassen? Und was macht das mit den Zurückgelassenen? „Das verlassene Leben lässt sich nicht auslöschen, es bliebe auch in der Ferne auf immer Bezugspunkt.“
Der Roman stellt viele Fragen. Fragen, die viele Lesende beschäftigen mögen und auf die jeder selbst eine Antwort finden muss.
Die Autorin findet für ihr Paar eine realistische Lösung. Doch der Weg dorthin ist nicht einfach, auch das zeigt Gisa Klönne.
Völlig frei von Kitsch und Sentimentalitäten beschreibt die Autorin den Selbstfindungsprozess einer älteren Frau und was das mit ihrer Ehe und mit ihrem Mann macht. Geschildert wird das aus Koras Perspektive, so dass man als Lesender sehr nah in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist, ihre Zweifel und Zerrissenheit nachfühlt.
Originell sind dabei die immer wieder eingeschobenen Listen von jeweils fünf Dingen oder Kennzeichen, wie z.B. „Fünf Nachteile einer langjährigen Liebe“ oder „Fünf Dinge, die Kora gerne früher gewusst hätte“. Auch das verrät einiges über die Figuren.
Sehr gut gelingen der Autorin die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählebenen. Neben der Gegenwart und den Ausflügen in die Vergangenheit gibt es einzelne Kapitel, die einfühlsam und nachvollziehbar Koras Krankenhaus - und Reha-Zeit beschreiben.
„Die Liebe, später“ ist ein spannend zu lesendes und authentisch wirkendes Porträt einer Ehe, die sich im Wandel befindet. Dabei verhandelt der Roman existenzielle Fragen und Probleme, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Wie geht man mit Veränderungen um? Wie viel Mut braucht es für Neuanfänge? Wie gelingt die Balance zwischen Nähe und Distanz?
Durch die flüssig zu lesende und realistische Darstellung und die vielen nachdenkenswerten Themen eignet sich der Roman sehr gut für Diskussionen in einem Lesekreis. Gleichermaßen lebensklug wie unterhaltsam.

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Wissensvermittlung in Verbindung mit Lesenlernen

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 17 - Im Wald von Sandra Noa

Seit 2021 gibt es in der bewährten Reihe „Wieso Weshalb Warum?“ Bücher, die sich speziell an Erstleser richten. Hier wird Sachwissen mit Lesetraining verbunden, Zielgruppe sind Kinder ab der zweiten Lesestufe.
„Im Wald“ ist bereits der 17. Band und auch dieser kann wieder voll überzeugen.

Kurze Kapitel in großer Fibelschrift gehalten vermitteln auf kind - und sachgerechte Art Wesentliches zum Thema Wald. Da werden unterschiedliche Waldarten porträtiert, die Bedeutung des Waldes im Hinblick auf Fauna und Flora vermittelt, die Funktionsweise von Bäumen erklärt usw. Ausführlich wird dargelegt, wie im Wald alles miteinander zusammenhängt, wie Bäume miteinander kommunizieren und wie sich der Wald im Jahresverlauf verändert. Natürlich muss heutzutage auch der Klimaschutz thematisiert werden. Bäume bzw. ein gesunder Wald spielen in diesem Bereich eine wesentliche Rolle. Und Kinder können aktiv zum Schutz der Wälder beitragen.
Zahlreiche bunte Illustrationen und Photos ergänzen den Text.
Zusätzliche Elemente wie Kreuzworträtsel, Lückentexte, Silbenrätsel und ein Lesequiz dienen dem Lesetraining. Sticker und ein Leselotto sorgen für zusätzlichen Spaß.
So ist dieses Buch ein gelungenes Beispiel für Wissensvermittlung und spielerisches Lesenlernen. Meine Enkelkinder werden ihre Freude haben an dem Buch.

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Was bedeutet Heimat

Die Riesinnen von Hannah Häffner

Die Riesinnen, das sind die Riessberger- Frauen, Liese, Cora und Eva, drei Generationen einer Familie. Aus der Dorfgemeinschaft herausragen tun sie nicht nur wegen ihrer Größe und ihrem auffallenden Aussehen, sondern auch durch ihre Art. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen.

Das macht sie zu Außenseitern in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.
Es beginnt in den 1960er Jahren mit Liese. Die heiratet Bernhard, den Metzgersohn, der einmal die elterliche Metzgerei erben soll. Es ist keine Liebesheirat, das wird Liese bald bewusst. Still lebt das Paar nebeneinander her und heimlich träumt Liese vom Weggehen. Doch dafür fehlt ihr der Mut. Und als Liese ein Kind bekommt, da kennt sie ihren Platz. Tochter Cora ist ihr ganzes Glück, ihre Erfüllung. Für sie würde sie alles tun. Aber sie kann nicht verhindern, dass Bernhard seine Enttäuschung, nicht den gewünschten Stammhalter bekommen zu haben, das Mädchen gewaltsam spüren lässt. Da kommt bei Liese auch keine Trauer auf, als Bernhard bei einem Unfall ums Leben kommt.
Und sie fordert nun das, was ihr und ihrer Tochter zusteht: die Metzgerei. „Auch wenn sie dafür jemand sein muss, der sie noch nie war. Sie weiß nicht, ob sie das kann. Aber vielleicht muss sie es einfach herausfinden.“
Zielstrebig und mit unerbittlicher Willenskraft erobert sie sich eine Postion, die ihr niemand zugetraut hat. Das hat seinen Preis. Liese schuftet bis zum Umfallen, sie versagt sich vieles, auch Liebe und Freundschaften, wird hart und streng.
Doch als Cora nach dem Abitur weg will, steht sie ihrer Tochter nicht im Weg. Auch wenn sie sich vielleicht etwas anders gewünscht hätte .
„Wenn du gehen willst, dann geh, Kind. …Du kannst immer zurückkommen. Aber zwingen tu ich dich nicht.“
Cora will raus aus der dörflichen Enge, verständlich, denn von klein auf ist sie eine Außenseiterin. Das bekommt sie von allen Seiten schmerzhaft zu spüren. Aber Cora lässt sich nicht unterkriegen. Und nun lockt sie die weite Welt. Konkrete Pläne hat Cora nicht, nur weg.
Aber bald wird sie heimkommen, mit einem Baby im Bauch.
Dieses Kind wird keine Außenseiterin mehr sein im Dorf, obwohl sie wie Mutter und Großmutter die anderen mit ihrer Größe überragt, „aber sie zieht den Kopf nicht ein, und nicht einer sagt ein böses Wort.“
Eva soll den Absprung schaffen, raus aus dem Dorf, das wünschen sich Liese und Cora. Aber dort, in der großen Stadt, spürt Eva bald, dass sie hier nicht hergehört. Sie war und ist ein „Waldkind“. Und so zieht es sie zurück in den Schwarzwald.
Hannah Häffner hat mit ihren „Riesinnen“ wahrlich große Frauenfiguren geschaffen, Figuren, die in Erinnerung bleiben, einem ans Herz wachsen. Alle Drei sind auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt, kämpfen dafür, treffen falsche und richtige Entscheidungen, sind zielbewusst und wandlungsfähig. Gerade in letzterem liegt ihre Kraft. Sie lassen sich nicht zerbrechen von widrigen Umständen ( „Manche Dinge bringen dich nur um, wenn du sie lässt.“) und vor allem sind sie sich gegenseitig Halt und Stütze. Sie haben nicht immer Verständnis füreinander, aber die Liebe zueinander bleibt.
Zentrales Thema im Roman ist die Frage nach den eigenen Wurzeln und dem, was Heimat ist. Enge oder Halt?
Dabei fallen viele kluge nachdenkenswerte Sätze: „ Zu Hause ist schließlich etwas anderes als daheim. Zu Hause kann sich ändern, daheim bleibt.“ Oder : „Was ist falsch an Wurzeln? Sie halten dich, das ist es, das ist ihr Fehler und das einzig Sinnvolle, was sie tun.“
Während Liese und Cora sich lange gefangen fühlen in der dörflichen Enge, beweist Eva, dass man nicht weggehen muss, um sich selbst zu finden.
Der Schwarzwald ist dabei die heimliche Hauptfigur. In unzähligen Variationen wird er beschrieben, immer realistisch, nie kitschig. Dafür findet die Autorin viele Bilder und lässt ihn mal wunderschön, dann wieder düster und geheimnisvoll erscheinen. Für alle drei Frauen ist der Wald Rückzugsort und Kraftquelle zugleich.
Die gesellschaftlichen Veränderungen machen auch vor dem Dorf nicht Halt, obwohl sich dort die Dinge nur langsam ändern. Auch das beschreibt der Roman.
Erzählt wird das alles in einer außergewöhnlichen Sprache, bilderreich, voller Poesie und in einer beeindruckenden Klarheit. Das alles entwickelt eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Der Erzählstil ist ruhig und sachlich, für jede Figur findet die Autorin einen eigenen Ton. Mit großer Beobachtungsgabe fühlt sie sich ein in deren Gefühlswelt.
So ist Hannah Häffner mit „Die Riesinnen“ ein großartiger Roman gelungen, den ich unbedingt empfehlen kann. Für mich jetzt schon ein Highlight im neuen Bücherjahr!

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Mit Otto in Finnland

OTTO fährt los - Weihnachten in Finnland von Madlen Ottenschläger

Nun gibt es schon das vierte Abenteuer mit Otto, dem ganz besonderen Campingbus. Er kann nicht nur reden, sondern hat auch Gefühle und er kümmert sich liebevoll und fürsorglich um die wechselnden Familien, die mit ihm verreisen.
Dieses Mal geht es zur Weihnachtszeit nach Finnland. Mit an Bord ist Familie Ritter, bestehend aus Anton und seinen Eltern Rike und Jakob.

Zuerst besucht die Familie den „Tuomaan Markkinat“, den ältesten Weihnachtsmarkt von Helsinki und genießt leckere „Piparkakut“ ,Pfefferkuchen. Nicht fehlen darf natürlich ein Saunagang mit anschließendem Sprung in den eisigen See. Wie gut, dass Otto danach allen mit seiner Standheizung einheizt. Statt einem Schneemann werden Iglus und ein Schnee-Otto gebaut. Nordlichter tauchen auf und im Dorf vom Weihnachtsmann kann Anton seinen Wunschzettel abgeben. Ein Höhepunkt der Reise ist der Besuch bei einer samischen Familie mit ihren Rentieren. Und dass gegenseitige Hilfe sich lohnt, erfährt Anton auch noch.
Wie schon in den Vorgängerbüchern wird hier eine liebevolle Reisegeschichte erzählt, verpackt mit vielen Informationen zu Land und Leuten. Das sind neben landestypischen Gebräuchen auch alte Mythen und Legenden. Die vielen Ausdrücke in der Landessprache sind eine Herausforderung für den Vorlesenden, tragen aber zur Authentizität bei. Die Erzählung wechselt von Episode zu Episode, wie bei einer tatsächlichen Reise. Der Text ist kindgerecht und kann mit manchen kreativen Wortschöpfungen punkten.
Leider ist dieses Mal die Karte mit der Reiseroute sehr schematisch ausgefallen.
Das Buch überzeugt aber vor allem mit seinen Illustrationen. Farbenfrohe Bilder mit vielen kleinen Details zum Entdecken erzeugen eine winterlich-weihnachtliche Stimmung.
So ist dieser neue Band besonders geeignet für die Vorweihnachtszeit

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