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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde H. Schellander:

Atemberaubend gut

Der Sprung von Simone Lappert

Schon die erste Seite verschlägt mir den Atem, denn Simone Lappert schildert den titelgebenden Sprung mit großer sprachlicher Finesse und punktloser Rasanz. Jemand stürzt sich in die Tiefe und zunächst bleibt verborgen, wer es ist und was zu dieser Tat geführt hat. Lappert lässt rund um diesen zentralen „Fall“ eine Kleinstadt und mit ihr ausgewählte Menschen in den Ausnahmezustand geraten.

Wie die Autorin die einzelne Geschichten der höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten entwickelt und letztlich auflöst, muss man gelesen haben – am besten gleich zweimal.

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Albträume werden wahr

Der Riss von Hye-young Pyun

So abgründig, dass es richtig tief wird: Die Oberfläche eines scheinbar alltäglichen Lebens bröckelt im Verlauf des Romans nach und nach ab, bis es zum Titel gebenden Riss kommt. Nach einem Verkehrsunfall ist der Protagonisten Ogi an das Bett gefesselt und von der Pflege der Schwiegermutter abhängig.

Furchtbarste Albträume werden wahr. Muss das gelesen werden? Meiner Meinung nach nicht.

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Selbstfindungs-Trip mit souveräner Oma

Großmutters Haus von Thomas Sautner

„Meine Fantasie ging zwischen den Zeilen spazieren, mein Realitätssinn schärfte sich auf der einen, meine Vorstellungskraft explodierte auf der anderen Seite.“ So beschreibt Ich-Erzählerin Malina ihre Liebe zu Büchern und gleichzeitig ist das eine gute Charakterisierung für das Lese-Erlebnis, das mir Thomas Sautner mit seinem Roman Großmutters Haus bescherte.

Dank der souveränen, alles andere als tatterigen Kristyna-Oma und ihren Freunden ging ich mit Malina auf Selbstfindungs-Trip im mystischen Waldviertel und fand mich, trotz einiger aus anderen Büchern und Filmen bekannten Elemente, gut unterhalten.

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Phantasievolles Lesevergnügen

Der Stotterer von Charles Lewinsky

„Die Wahrheit ist ein Sicherheitsgurt für Leute, die keine Phantasie haben“, schreibt der Ich-Erzähler Johannes Hosea. Er ist „der Stotterer“ in Charles Lewinskis gleichnamigen Schelmen-Roman, der dank der Unterstützung eines Padres im Gefängnis seine Lebensgeschichte schreibt und dabei seine schriftstellerische Begabung entdeckt.

Lewinski erzählt die Geschichte mit großer Sympathie für den kriminellen Protagonisten, setzt gekonnt unterschiedliche Erzählformen ein und hält die Spannung bis zur Schlusspointe. Ein Lesevergnügen, das mit viel Phantasie zum Nachdenken auch über die großen Themen Gerechtigkeit und Wahrheit anregt.

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Hier findet wenig zueinander

Am Beispiel des Affen von Kumar Amitava

Es sind verschlungene Pfade, auf denen Amitava Kumar seine Leserschaft durch diesen Roman schickt. Der rote Faden ist bald ausgemacht – ein Student aus Indien wandert nach New York aus und begibt sich auf die Suche nach sich selbst, seiner Identität (als Immigrant und Schriftsteller) und den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

Dass der Autor etwas zu selbstverliebt sein Wissen um indische und amerikanische Geschichte und Literatur in den Vordergrund stellt, hat viele plötzliche Abzweigungen in der ohnehin schwer lesbaren Mischung aus Autobiographie, Reportage und Recherchenotizen zur Folge. Hier finden unterschiedliche Kontinente und Kulturen (Asien – Nordamerika, Mann – Frau, Autor - Leser) kaum zu einander. So bleiben letztlich alle Immigranten auf unbekanntem Terrain, fern der Heimat ihrer Sehnsüchte und Wünsche.

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Lücken und Mücken

Geisternächte von Mumot André

Zugegeben. Diese Rezension ist mehr als lückenhaft, weil ich mir erlaube, Bücher, die mir zu grauslich sind, nicht zu Ende zu lesen. Dabei haben die „Geisternächte“ recht vielversprechend begonnen. Wie im ersten Kapitel die Handlungsebenen (auch über nach Blut gierenden Mücken!) miteinander verbunden werden, ist zumindest interessant.

Doch als der Autor beginnt, sich ungeniert jedes gängigen Horrorklischees zu bedienen, war für mich schon im ersten Drittel Schluss.

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Starke Seiten

Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa

Vergessen kann viele Formen annehmen – auf sich selbst vergessen, nicht vergessen zu werden (obwohl man sich das wünscht), verdrängen, loslassen, verzeihen, der Welt abhanden kommen. Das und vieles mehr verdichtet Jose Eduardo Agualusa in „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“. Der auf Tatsachen beruhende Roman hat seine stärksten Seiten in der eindrücklichen Schilderung des unglaublichen Schicksals seiner Heldin Ludovica, die sich aus Angst vor den angolanischen Kriegswirrnissen selbst in einem großen Wohnhaus Luandas einmauert.

Ich hätte mir mehr Fokus auf diese Überlebensgeschichte gewünscht. Viele Handlungsfäden wirken stark konstruiert, auch wenn der Autor sie letztlich doch überraschend entwirrt.

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Abgründiges Lesevergnügen

Der Abgrund in dir von Lehane Dennis

Ein Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte und der dem Titel entsprechend, in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt. Wozu sind wir fähig, wenn unser Welt- und Menschenbild zusammenbricht? Und wie erlangen wir – trotz allem – wieder unsere Selbstbestimmtheit? Ob der nach einem etwas langatmigen Beginn überraschenden Wendungen ein Leservergnügen auch für jene, die wie ich sonst keine Thriller mögen.

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Die kurze Zeit des Lesens wert

Die Frau, die liebte von Lewis Janet

Die Geschichte des Martin Guerre kommt in vielfacher Form immer wieder: 1982 verfilmt mit Gerard Depardieu und Nathalie Baye , dann als amerikanisches Remake mit Richard Gere und Jody Forster (Sommersby, 1993), später auch als Musical (1996). Und 2018 liegt die deutsche Erstausgabe des Romans von Janet Lewis vor, der bereits 1941 erschienen ist.

„Die Frau, die liebte“ heißt das Buch nun und auch die luftig-leichte Gestaltung des Covers lässt alles andere als eine in düstere Farben getauchte Erzählung über einen der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs aus der Mitte des 16. Jahrhunderts vermuten. Die Konzentration auf Martins Frau Bertrande und die Distanz, mit der Lewis erzählt, faszinieren. Das schmale Büchlein ist in kurzer Zeit gelesen und weil es genug Stoff zur Reflexion über das Wesen der Liebe und der Rechtssprechung gibt, diese auch wert.

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Exzellente Typen, gute Story

Jud von Georg Thiel

Auf eine (irr)witzige Reise in die eigene Vergangenheit macht sich Titus Strings alias Streicher in diesem Roman von Georg Thiel. Auf seinen Wegen vom düsteren Manchester des Jahres 1958 in die Weltausstellungsstadt Brüssel über die verhasste Heimatstadt Wien bis in die tiefste Provinz Bruchleithens (!) und retour muss sich der Protagonist seinen traumatischen Erlebnissen in der Nazi-Zeit stellen.

Dabei wird er von einer Vielzahl exzellent gezeichneter Typen begleitet (erwähnt sei vor allem der Feuilletonist Rupert), die neben der gut gebauten Story das Lesen zur ebenso vergnüglichen wie nachdenklichen Abrechnung mit der jüngeren österreichischen Geschichte machen. Das ganze andere Buch zum Gedenkjahr mit großem Wiedererkennungseffekt. Absolut empfehlenswert!

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