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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde H. Schellander:

Phantastischer Romanerstling

Der Löwensucher von Bonert Kenneth

Es gibt die Klugen und die Dummen auf der Welt. Und Isaac ist Mames Kluger. Wer und was dumm oder klug ist, das laesst Keneth Bonnert in seinem phantastischen Romanerstling ?Der Loewensucher? seinen Protagonisten Isaac mit Haut und Haar erfahren. Dass erstere voll Sommersprossen und letztere orange wie Karotten sind, macht Isaacs Leben im Ghetto von Johannesburgs zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs nicht gerade leichter.

Ich bin voll abgetaucht in diesen Mikrokosmos an lebensechten Figuren und geheimnisvollen Geschichten und moechte keine der kurzweiligen 782 Seiten missen.

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Hohe Sprach- und Spannungskunst

Deutscher Meister von Bart Stephanie

So spannend wieder dieser Roman kann kein Boxkampf im TV sein. Stephanie Bart erzählt die wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall des Sinto Johann Rukelie Trollmann zum deutschen Boxmeister in Zeiten des erstarkenden Nationalsozialismus. Mithilfe einer Vielzahl von Personen entsteht ein stimmiges Sittenbild der aufgeheizten und ?gehetzten Metropole Berlin.

Wie die Autorin das macht, ist hohe Sprach- und Spannungskunst. Der Sinto Trollmann gewinnt die Kämpfe, auch wenn er verliert, denn: ?Die ganze Macht des Verbands, der Behörde, des Führers und der nationalen Revolution endete an den Seilen. Zwischen der Seilen aber war nichts anderes als die Wahrheit des Schmerzes und des Willens, der unterwarf oder unterworfen wurde.? Letzlich konnte auch einer wie Trollmann, den wir als Leser lieb gewinnen, dieser Macht nichts entgegensetzen.

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Menschenblut, ohne Zuckerguss

Gebete für die Vermissten von Jennifer Clement

?Jemand hat ein Netz über dieses Land geworfen, und wir sind hineingefallen?, sagt die Mutter der Protagonistin Ladydi im letzten Kapitel des Romans. Das Land heißt Mexiko. Im anvisierten Fluchtland USA will die Mutter "Steakblut und Zuckerguss? von den Tellern waschen. Der Alptraum in Mexiko, den die Familie erlebt, besteht aus Menschenblut, ohne Zuckerguss aber mit viel Menschlichkeit mittem im Grauen, zum Beispiel unter den Gefangenen in der Frauenstrafanstalt.

Jennifer Clement hat zehn Jahre lang für diesen Roman recherchiert und viele Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen geführt. Daraus wurde, verpackt in knapper, journalistischer Sprache, eine unglaubliche Geschichte am Rande dessen, was man als Leser vertragen kann. Bestätigt und leider übertroffen durch aktuelle Meldungen über das brutale Vorgehen der Drogenkartelle in Mexiko...

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Dieses Sittenbild Indiens erfordert vom Leser viel Geduld

Die Farben der Hoffnung von Sankaran Lavanya

Im Original lautet der Titel dieses Buches The Hope factory. Und Anand, der Eigentümer einer Fabrik in Bangalore, ist tatsächlich so etwas wie ein Hoffnungsträger für seine Familie, seine Mitarbeiter und sein Land Indien. Anand hat es geschafft ein Unternehmen aufzubauen, das nun für ausländische Partner interessant wird ? und damit auch für die Politik und ihre Machenschaften.

Die zweite Erzählebene des Romans spielt einige soziale Schichten tiefer. Da berührt das Schicksal der Hausdienerin Kamala und ihrer Sohnes, die in der Villa des Industriellen arbeitet. Bei ihrem Kampf ums Überleben, um ihren Selbstwert und eine gute Zukunft für ihren Sohn findet sie schließlich Anands Unterstützung. Lavanya Sankaran zeichnet in ihrem ersten Roman ein Sittenbild der Wirtschaftsmacht Indien, verlangt dem Leser aber viel Geduld ab. Denn die Geschichte kommt nur langsam in Fahrt und leidet an vorhersehbaren Wendungen und holpriger Übersetzung.

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Ein Kommentar in Zitaten

Die Farben der Hoffnung von Sankaran Lavanya

Dem Text von Selja Ahava ist nichts hinzuzufügen. Es ist großartig, genau so wie er ist. Deshalb mein Kommentar in Originalzitaten:

... Stein. Birke. Gras, Stuhl. Annas Listen, auf Tatsachen konzentriert, Einzelheiten aufzählend. Später, als das Erinnern ihr schon Probleme bereitete, stellte Anna fest, dass das Aufzählen der Listen eine gute Methode war, innezuhalten und sich zu sammeln.

Dann passierte es wieder. Anna spürte, wie sie aus dem Zimmer fiel, gewissermaßen zur Seite. Nichts wurde mehr wie zuvor. Die Farne fielen aus den Töpfen, oder die Töpfe fielen von den Farnen und die Erde rieselte durch die Löcher im Vorhang. Immerhin kam Gott zu Besuch. Gott geht in weißen Socken.
Wäre es möglich, Augenblicke einzufrieren, würde ich diesen in eine Plastikdose legen. Dann könnte man dem Winter über davon zehren ...

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Lebenslust trifft auf Liebesfrust

Eine Nacht, Markowitz. von Gundar-Goshen Ayelet

Was für ein Buch! Pralle Lebenslust trifft auf tiefen Liebesfrust, jüdischer Humor auf menschlichen Furor. In diesem großen, bildgewaltigen Reigen sind Anziehung und Abstoßung die Triebkräfte, denen die Protagonisten ausgeliefert werden. Dass Ayelet Gundar-Goshen auch als Drehbuchautorin erfolgreich ist, merkt man ihrem Debütroman an.

Viele Szenen bleiben tief im Gedächtnis und fügen sich zu einem sinnlichen, stimmigen Gesamtbild. Wie in guten Filmen (und natürlich Romanen) liegen Weinen und Lachen ganz nah beieinander. Meine Kritik fasse ich mit dem letzten Wort der Geschichte zusammen: Hallelujah!

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"Wahn", wo ist dein Sinn?

Wahn. von Kessler Christof

Viel Sinn in diesem ?Wahn? konnte ich leider nicht finden. Vielleicht wurde dieses Buch ja für Psychotherapeuten und Hirnforscher geschrieben. Allerdings dürfte es auch diesen zu platt sein. Dazu fehlt dem Autor einfach die erzählerische Kraft, die es braucht, diese unglaublichen Stories erträglich und lesbar zu machen.

Um nicht gänzlich dem Wahnsinn zu erliegen, hörte ich ab der Mitte auf zu lesen und verstaute mein Buch an einem schwer zugänglichen Platz meiner Bibliothek.

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Ein Wahnsinn!

KNOI. von Schalko David

Um mit dem Autor David Schalko zu sprechen: Sein Buch Knoi ist ein Zazuuuuuz. Alles dreht sich um die Liebe und ihre Spielarten. Schalko, der auch das Drehbuch für die ORF-Serie Braunschlag schrieb, wäre nicht Schalk(o), würde er diese Spielarten nicht in möglichst abstrusen Formen darstellen. Auch sprachlich schöpft er aus dem Vollen und mixt die unterschiedlichsten Stilmittel und Schauplätze ebenso durcheinander wie die ständig wechselnden Beziehungen der Figuren, die alle rasant auf den großen Crash zusteuern.

Ob man jemand liebe, das könne man wirklich erst am Ende sagen, meint Jakob (Knoi) am Beginn des Romans. Dass ich diese Geisterbahnfahrt durch seelische Abgründe mit komischen Abstechern mag, wusste ich ganz sicher auch erst zum Schluss und nach zweimaligem Lesen. Ein Buch, sicher nicht für jeden Geschmack.

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