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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Petris:

Drei Freundinnen

Drei Kameradinnen von Shida Bazyar

Hani, Kasih und Saya kennen sich schon lange. Sie sind zusammen aufgewachsen in „der Siedlung“, kein richtiges Ghetto, aber doch eine Ansammlung von Menschen „wie ihnen“. Woher ihre Eltern genau stammen erfahren wir nie, das tut auch nichts zur Sache, führt uns nur vor Augen, wie gerne wir einordnen und in Schubladen stecken.

Das passiert aber auch so. Kasih ist die Erzählerin und macht das mit einer ungewöhnlichen Erzählweise. Sie schreibt sich in einer Nacht von der Seele, was passiert ist. Wie sich die drei Freundinnen anlässlich der Hochzeit einer Schulkollegin wiedergetroffen haben, wie sie zusammen gelacht haben, sich erinnert haben, sich um die anderen Sorgen gemacht haben, aber auch einmal mehr daran erinnert wurden, wie sehr Alltagsrassismus ihr Leben bestimmt. Bewusst hat die Autorin dafür drei „Vorzeigemigrantinnen“ gewählt, sie haben studiert bzw. einen gut Job, aber so sehr sie sich anstrengen, so sehr sie sich anpassen, immer wieder kommen diese verletzenden und beängstigenden Momente, die Hürden, die ihnen in den Weg gelegt werden und vor allem das Unverständnis, wenn sie versuchen all das aufzuzeigen. Das in dieser Intensität zu lesen, tat richtig weh. Weil man genau weiß, so ist es, da sind die Morde der rechten Szene und wie mit ihnen umgegangen wird dann sozusagen „nur“ die Spitze des Eisberges.
Kasih erzählt all das in einer Nacht. In der Nacht bevor Saya aus dem Gefängnis entlassen werden soll, in dem sie saß, weil sie angeblich verantwortlich war für einen Brandanschlag mit vielen Toten. Wie es dazu kam, was in den Tagen davor wirklich geschah, gespickt mit Erinnerungen an die gemeinsame Jugend, Einblicken in den Alltag Kasihs und Wissenswertem zum Thema Rassismus und NSU-Prozess, nimmt uns die Autorin mit auf diese atemlose Reise.
„Drei Kameradinnen“ ist ein Roman, der mich auf allen Ebenen überzeugt hat. Ich mochte die Erzählperspektive sehr, fand den Rhythmus großartig und sehr mitreißend, ich fand ihn sprachlich perfekt auf den Punkt, die Charaktere wunderbar ausgearbeitet, das Thema sehr eindringlich und berührend umgesetzt und die Geschichte einfach perfekt erzählt. Für mich ein Lesehighlight 2021!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra Gruber

Ein Sommer, der alles verändert

Der große Sommer von Ewald Arenz

Frieders Sommer sieht wenig vielversprechend aus. Während seine ganze kinderreiche Familie zum Campingurlaub fährt, muss er zu Hause bleiben, um für die Nachprüfungen zu lernen, Mathe und Latein. Und das noch dazu bei seinem strengen, unnahbaren Großvater, der gar nicht sein richtiger Großvater ist.

Das sieht wirklich nicht gut aus. Einziger Lichtblick, seine Schwester und beste Freundin Alma bleibt auch in der Stadt, weil sie ein Praktikum macht. Und auch der beste Freund Johann würde die meiste Zeit da sein.
Doch dann war plötzlich alles ganz anders, er war gar nicht den ganzen Tag eingesperrt, sondern hatte die Nachmittage frei, sein Großvater besorgte ihm einen Ferialjob und er begegnete Beate und mit ihr zum ersten Mal der Liebe. Doch es ist auch ein Sommer der Verluste und schwerer Entscheidungen, ein Sommer der Jugend und einer des Erwachsenwerdens.
Es ist gar nicht so einfach, einen Roman zu beurteilen, in dem so viele Themen angesprochen werden, die einem vertraut sind, wenn man sich der Geschichte und den Protagonisten*innen so nahe fühlt, weil einem so vieles bekannt ist. Das beginnt mit der Farbe „Flaschengrün“, die meine Lieblingsfarbe ist und die immer wieder vorkommt und vom Verlag sehr schön auch im Vorsatzpapier und im Lesebändchen zitiert wird, das sind die Sommer im Freibad mit den Mutproben am Sprungturm, das ist die erste Liebe in einem dieser Sommer, das ist aber auch der frühe Verlust von einem geliebten Menschen, auch in einem Sommer, und der Ausnahmezustand danach, auch die Faszination für Friedhöfe teile ich, der Umgang mit Sterbenden ist mir vertraut und auch wie schwer es zu entscheiden ist, was zu tun ist, wenn jemand im nächsten Umfeld eine psychische Krise hat. Das alles kommt vor und ruft Erinnerungen wach.
Der Autor geht mit all diesen Themen sehr differenziert und feinfühlig um, ich fand sie ganz wunderbar in die Geschichte eingewoben. Und mochte, wie er diesen Sommer erzählt.
Ein Highlight ist natürlich auch die hochwertige Aufmachung des Romans. Es gibt keinen Schutzumschlag, dafür ist der Einband reliefartig gestaltet, man kann die Seifenblasen fühlen und der Titel ist geprägt. Das farbige Vorsatzpapier und das dazu passende Lesebändchen runden das Ganze ab. Sehr schön, sehr hochwertig, ein Buch zum Streicheln.
Mich hat der Roman sehr berührt, ich fand ihn schön zu lesen und er hat viele Erinnerungen wach gerufen. Eine schöne Neuerscheinung in diesem Jahr!

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Frauenleben in Südkorea

Kim Jiyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo

Die Autorin sagt im Nachwort zu dem Roman: „Immer wieder geht mir durch den Kopf, dass irgendwo da draußen eine Kim Jiyoung lebt. Wahrscheinlich, weil sie meinen Freundinnen, Bekannten und mir selbst ähnelt. (…) Ich glaube, sie hat eine entsprechende Entschädigung und Aufmunterung nötig. Sie sollte noch mehr Chancen und Auswahlmöglichkeiten bekommen.


In ihrem Roman erzählt Cho Nam-Joo die Geschichte von Kim Jiyoung. Sie ist nicht in den 30er- oder 50er-Jahren geboren, sondern 1982. Doch manches, was ihr widerfährt, die systematische, tief in der Gesellschaft verankerte Frauenfeindlichkeit, klingt nach einem anderen Jahrhundert. Das beginnt schon damit, dass der Bruder immer die besten Stücke vom Essen bekommt, als einziger nicht bei der Hausarbeit helfen muss, das setzt sich in der Schule fort, wo Mädchen strengere Regeln für ihre Schuluniformen haben und diskriminiert werden. Im Job sind es die Männer, die die gut bezahlten Stellen bekommen, Frauen müssen sich Grapschereien, anzügliche Bemerkungen und schmierige Witze gefallen lassen. Auch wenn man zwischendurch denkt, es würde aufwärts gehen, Gesetze zur Gleichstellung entstehen, spätestens, wenn es dazu kommt, eine Familie zu gründen, sitzt die Frau wieder in der Falle. Fazit: Egal, was sie macht, sie kann es nie richtig machen. Bei Jiyoung führt das nach der Geburt ihrer Tochter zu einem Zusammenbruch. Damit beginnt der Roman und dann wird die Geschichte von vorne aufgerollt.
Die Zustände, die wir lesen, sind bedrückend und erschütternd. In sehr sachlichem Ton, gespickt mit Statistiken und Wissenswertem zum Thema Frauen in Südkorea erzählt die Autorin Jiyoungs Geschichte. Damit bildet sie ab, wie selbstverständlich und normal diese Missstände für die Frauen selbst sind. Immer wieder begehrt eine mutige Mitschülerin, Mitstudentin oder Arbeitskollegin auf, doch es ist schwer, gegen die selbstverständliche, schlechte Behandlung von Frauen anzukommen.
Mich hat der Roman berührt und mitgerissen. Es war interessant in diese, mir sehr fremde Welt extremen Leistungsdrucks einzutauchen. Die Autorin fesselt von der ersten Seite an, erzählt, erklärt, nimmt den:die Leser:in mit in eine andere Kultur. Ich war schockiert, freute mich, wenn es für Jiyoung aufwärts ging und war erstaunt, mit wie viel Freude und Kraft sie trotz allem durchs Leben ging.
Gleichzeitig ist es für mich auch ein Aufruf, auch in unserer Gesellschaft, weiter für die Gleichberechtigung von Frauen, gegen Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung einzustehen. Auch Österreich zählt zu den Ländern, in denen Gender Pay Gap und Gender Care Gap sehr weit auseinander klaffen.
So hoffe auch ich, wie die Autorin für ihre Tochter hofft: „Ich glaube, die Welt, in der sie (meine Tochter) leben wird, wird besser sein als meine, und dafür kämpfe ich. Ich hoffe, alle Töchter dieser Welt können noch größer, höher und weiter träumen.“

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Tina Modotti und Mary S. Rosenberg

Sie haben mich nicht gekriegt von Felix Kucher

Tina Modotti hat einen schweren Start ins Leben, aus bitterarmen Verhältnissen stammend muss sie schon als Kind in der Seidenspinnerei arbeiten, um die Familie zu ernähren. Der Vater ist nach Amerika ausgewandert, es will und will aber kein Geld kommen und auch keine Schiffspassagen, um die Familie nachzuholen.

Tina sieht keine Zukunft in Europa, sie beschließt selber auszuwandern. Ihr Leben nimmt einen überraschenden Verlauf. Erst Bohemien, Geliebte von Künstlern und verarmten Adeligen, bekannte femme fatale, von allen begehrt, erfolgreiche Fotografin, dann immer mehr glühende Kommunistin, die von der Revolution träumt und sich für sie einsetzt. Sie ist in Mexiko, in Spanien, organisiert Spendenaktionen, baut Krankenhäuser auf, koordiniert Flüchtlingstrecks und gerät dabei selbst zwischen die Fronten und sieht ihren Idealismus immer mehr verraten.
Mary S. Rosenberg hingegen hat ganz andere Träume. Im beschaulichen, langweiligen Fürth als Tochter eines Buchhändlers aufgewachsen, träumt sie davon, Medizin zu studieren. Doch der Vater will nichts davon wissen. Zwei seiner Kinder studieren bereits und irgendwer muss doch die Buchhandlung übernehmen. Lange Zeit kämpft Marie dagegen an, doch sie liebt Bücher und bringt frischen Schwung in den Laden. Lange Zeit kann sie nicht glauben, dass die Nazis nicht nur ein vorübergehender Spuk sind, sie will es aussitzen. Auch weil ihre Mutter nicht aus Fürth weg will. Marie zögert, bis es nicht mehr geht. Ihr Ziel: Amerika. Der Neuanfang dort ist nicht einfach, sie möchte bei ihren Büchern bleiben und schließlich hat sie eine zündende Idee, deutsche Bücher für die vielen deutschen Geflüchteten und Auswanderer.
Beide Frauen haben wirklich gelebt, ihre Leben bilden das tragische, chaotische und gewalttätige beginnende 20. Jahrhundert ab. Aber es ist auch ein Jahrhundert der Utopien, der neuen Rechte für Arbeiter, ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Frauen. Anhand der Leben von Tina Moretti und Mary S. Rosenberg erhalten wir Einblick in eine Zeit, von der wir zwar viel wissen, die aber hier von Felix Kucher noch einmal zum Leben erweckt wird. Eine spannende Zeit, aber auch eine tragische Zeit.
Dem Autor gelingt es hervorragend, die Leben dieser beiden so unterschiedlichen Frauen zu verbinden, es wird immer abwechselnd erzählt, man kann gut folgen, stilistisch verbindet er sie, indem er beim Übergang ähnliche Elemente verwendet, ein Läuten an der Tür zum Beispiel, eine Tasse Tee,… Im Roman lässt er die beiden ein paar Mal aufeinander treffen, ohne dass sie sich wirklich begegnen. Möglich wäre es gewesen!
Ich konnte den Roman nicht mehr aus der Hand legen, habe ihn verschlungen, bin fasziniert von diesen beiden starken Frauen und ihrer Zeit und habe viel dazu gelernt zum Thema Kommunismus, 30er Jahre, Buchwelt,…
Spannende Lektüre mit ganz viel Hintergrund bei dem Timing, Erzähweise, Inhalt und Rhythmus einfach passen. Sehr lesenswert!

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Roadtrip durchs Baskenland

Die lustlosen Touristen von Katixa Agirre

Katixa Agirre nimmt uns in ihrem Roman mit auf einen Roadtrip durchs Baskenland. Es herrscht eine eigenartige Stimmung. Noch werden die ETA-Gefangenen von manchen als Märtyrer gefeiert, der Umgang des spanischen Zentralstaats voller Willkür und Gewalt macht das nicht besser. Ulia, selbst Baskin, lebt in Madrid und hält Abstand zu diesen Konflikten.

Nach einer Stimmbandzyste kann die ausgebildete Sängerin nicht mehr singen und wendet sich der Musikwissenschaft zu. Ihr Doktoratsthema ist der Pazifismus Benjamin Brittens, dessen Geschichte die Autorin immer wieder in den Roman einfließen lässt. Unterwegs in ihrer alten Heimat, dem Baskenland, ist Ulia mit ihrem Lebensgefährten Gustavo, einem Juristen. Er ist gebildet, interessiert und attraktiv. Kennengelernt haben sie sich am 11. März 2004, dem Tag der Anschläge in Madrid. Auch sie waren in einer U-Bahn auf dem Weg nach Atocha, hatten aber Glück. Ein Unglückstag, der für sie der Anfang einer glücklichen Beziehung wurde.
Mit auf dieser Fahrt ein Geheimnis. Es gibt da etwas, was Gustavo nicht weiß und Ulia versucht, den richtigen Moment zu finden, es ihm mitzuteilen. Wird es gelingen? Und was hat es mit der Journalistin Sarah auf sich, die ihnen ständig wie zufällig im Baskenland begegnet?
Katixa Agirre gelingt es hervorragend, das spanische Leben in Madrid, aber auch die Stimmung im Baskenland kurz vor dem Ende des ETA-Terrors einzufangen. Gleichzeitig macht sie Lust, sich aufzumachen und selbst dieses kulturell, geschichtlich, landschaftlich und kulinarisch so spannende Land zu bereisen. Ihre Charaktere zeichnet sie sehr genau. Wie bei einem richtigen Kennenlernen kommen wir ihnen immer näher und lernen nach und nach auch ihre Ecken und Kanten und Abgründe kennen.
Das alles erzählt sie in locker, leichter Sprache, das Spanische klingt durch und ist großartig übersetzt. Dabei wird es nie banal oder oberflächlich. Auch die Teile, in denen uns Ulia von Britten erzählt sind gut gesetzt und spannend zu lesen.
Ein sehr lesenswerter, unterhaltsamer Roman mit viel Tiefgang, der für seine Kürze wirklich viel Inhalt hat. Ich mochte ihn sehr und kann ihn wärmstens empfehlen.

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Die Welt der Hannah Arendt

Was wir scheinen von Keller Hildegard E.

Hannah Arendt ist alt geworden, ihr Mann bereits gestorben, der Geist noch wach, doch das Schreiben wird schon mühsam. Ein letztes Mal fährt sie in das Tessiner Dorf Tegna. Sie trifft dort alte Bekannte und vor allem lässt sie sich in ihren Erinnerungen treiben. Sie erinnert sich an die Flucht, an die vielen Schriftsteller, Intellektuellen und Philosophen, die sie in ihrem Leben getroffen hat.

Sie nimmt uns mit auf ihren Einsatz als Reporterin beim Eichmann-Prozess in Israel. Sie denkt an Freunde und Familie. Sie erinnert sich an ihre Arbeit als Professorin.
Das alles wird scheinbar mühelos von der Autorin erzählt und in eine schöne Geschichte verpackt. Man nimmt ihr ab, dass es Hannah Arendt selbst ist, die hier spricht und denkt. Die Autorin hat nicht nur die Hintergründe hervorragend recherchiert und ist zu Hause in Arendts Werk und Leben, sie bringt sie dem*der Leserin in diesem Buch der Erinnerungen auch nahe und erzählt eine stimmige Geschichte.
Hannah Arendt fasziniert mich schon seit längerer Zeit, es ist schön, sie hier in diesem Roman noch besser kennenzulernen. Ich bin begeistert und fasziniert und habe das Buch mit sehr viel Interesse und Freude gelesen.

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Leben im Kloster am See

Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger

Lukas ist Ende dreißig, er lebt als Mönch in einer idyllisch gelegenen Benediktiner Abtei. Er ist der jüngste Mitbruder und seit Andreas, der etwa in seinem Alter war, die Abtei verlassen hat, um mit einer Frau zusammen zu leben, fühlt er sich manchmal einsam. Er beneidet ihn nicht und doch lässt ihn sein Fehlen nochmal reflektieren, warum er überhaupt im Kloster ist.

Im Mittelpunkt steht dabei immer der See mit seinem Privatsteg fürs Kloster. Dort finden Begegnungen statt, dort reflektiert Lukas, dorthin geht er jeden Tag, um zu schwimmen. Der See spendet Ruhe und ist auch ein Spiegel, des Lebens und der Seele.
Lukas lässt uns teilhaben am Alltag der Mönche, an ihren Tagesabläufen. Er lässt uns einige der Mitbrüder näher kennenlernen, mit ihren Schrullen, aber auch ihren interessanten und einzigartigen Eigenschaften. Man bekommt Einblick in ein Leben, das zugleich fremd und auch faszinierend ist.
Im Kloster steht die Wahl des neuen Abtes an, Lukas ist im Gespräch, soll er sich dieser Verantwortung stellen? Und dann taucht auch noch Sarah auf, Schauspielerin, voller Energie und Leben. Und wie Lukas eine begeisterte Schwimmerin. Es ist ein Sommer, der Entscheidungen fordert und Veränderungen ahnen lässt.
Sprachlich war dieser Roman sehr schön zu lesen, man taucht ein in das Klosterleben, der Vulkansee mit seinen besonderen Stimmungen wird lebendig und man will wissen, wie sich Lukas entscheiden wird. Der Autor, der selber immer wieder Auszeiten im Kloster nimmt, bringt dem Alltag der Mönche und ihrer Gemeinschaft viel Respekt entgegen, das schwingt in seinen Zeilen mit und lässt einen das Klosterleben mit neuen Augen sehen.
Ich mochte auch sehr, wie die Charaktere gezeichnet waren, vielschichtig, mit Ecken und Kanten, interessant sie kennenzulernen und sehr glaubwürdig.
Ein schöner Roman zu einem interessanten Thema, der mir sehr gut gefallen hat, lediglich das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen, das schien mir dann doch zu mutig, aber wer weiß, vielleicht gibt es das ja tatsächlich!

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Ein Sommer, der alles verändert

Hard Land von Benedict Wells

Grady, eine Kleinstadt im Abstieg in Missouri der 80er Jahre. Der Vater ist arbeitslos, seit die Fabrik geschlossen ist, die Mutter führt mit Begeisterung einen Buchladen, doch sie ist krank, sie hat einen Kopftumor. Sam ist ein stiller Junge mit vielen Ängsten, in der Schule hat er keine Freunde. Um einem Ferienaufenthalt mit seinen verhassten Cousins zu entkommen, nimmt er einen Sommerjob im Kino der Stadt an, auch das Kino wird bald schließen.

Aber in diesem Sommer wird es für Sam zum Mittelpunkt der Welt. Er lernt Kirstie, Cameron und Brand kennen, die gerade die Schule abgeschlossen haben und etwas älter als Sam sind. Er kann es gar nicht glauben, dass sie ihn in ihren Kreis aufnehmen. So wird dies der beste Sommer seines Lebens, er erfährt Verständnis, Freundschaft und dass auch andere ihr Päckchen zu tragen haben, er verliebt sich, beginnt Sport zu treiben und lernt alte Filmklassiker kennen. Gleichzeitig ist es auch der schlimmste Sommer seines Lebens, denn ist der Sommer, in dem seine Mutter stirbt.
Diese Geschichte wird wunderbar einfühlsam und schön von Benedict Wells erzählt. Es ist ein Roman übers Erwachsenwerden, über Freundschaft, über Familie und über die Ecken und Kanten der Menschen. Es ist auch die Geschichte einer Kleinstadt, die sich verändert, in der es aber noch Menschen gibt, die sie nicht ganz aufgegeben haben. Es geht um Liebe, um Mut, um Trauer. Und all das ergibt eine sehr berührende, immer wieder auch witzige Geschichte. Ich habe jedes Wort davon geliebt.
Benedict Wells ist ein Autor, der einfach wunderbar erzählen kann. Schon in seinem ersten Roman „Becks letzter Sommer“ hat er mit seiner Reife, seinem Einfühlungsvermögen und seinem Talent fürs Geschichtenerzählen überzeugt. „Vom Ende der Einsamkeit“ wurde ein Bestseller, in dem der Autor einmal mehr erstaunt. In seinem neuen Roman schließt Benedict Wells an seine bisherigen Werke an. Das Setting ist unglaublich gut recherchiert, die Trauer sehr realistisch beschrieben, die Charaktere besitzen Tiefe und viele Facetten.
Ein wunderschöner Roman, der schon jetzt zu Beginn des Jahres auf meiner Lieblingsbuchliste 2021 steht. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Werk aus Benedict Wells Feder.

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Zerreißprobe für eine Freundschaft

Unter Wasser Nacht von Kristina Hauff

Sophie und Thies, Inga und Bodo. Zwei Freundespaare, die dachten, dass ihre Freundschaft unverwundbar war. Sie kannten sich seit vielen Jahren, waren sich in der WG begegnet, hatten einander kennen und lieben gelernt. Es gab so vieles, was sie verband. Ihr Engagement für die Umwelt, ihr Einsatz gegen die Atommülltransporte, ihre Werte, und auch, wie sie leben wollten.

Zwei Häuser nebeneinander im Wendland, das wirkte wie die verbesserte Weiterführung ihrer WG. Inga und Bodo mit ihren beiden Kindern, Sophie und Thies mit Aaron. Doch dann passiert ein Unglück und Aaron stirbt.
Das Gleichgewicht ist zerstört. Wie umgehen mit all den Gefühlen, der Trauer, dem Neid, der Hilflosigkeit,… An dem Punkt, an dem wir in den Roman einsteigen, gibt es nur noch wenig Kontakt zwischen den Paaren und wenn, ist es ein Eiertanz, jedes Wort falsch, keine Reaktion richtig. Und auch Sophie und Thies kämpfen mit ihrem Verlust, jeder für sich, die Nähe ist kaum mehr spürbar.
Da taucht eines Tages eine Fremde auf. Attraktiv, gut gelaunt, auf der Suche nach jemand, der angeblich hier leben soll. Schnell freundet sie sich mit den Paaren an. Mit ihrer leichten und unkomplizierten Art schafft sie sogar eine Art Neuanfang für die Freundschaft der Paare. Doch was will sie wirklich? Und gibt es eine Chance für ihre Freundschaft.
Diese Geschichte ist sehr bewegend, denn sie stellt Fragen, die sich niemand stellen möchte. Wie viel Unglück verträgt eine Freundschaft? Auch wie neidisch darf man auf die Freunde sein, deren Leben scheinbar so perfekt ist, während das eigene schon länger nicht rund läuft? Und auch, wie geht man um mit dem Unglück der Freunde, wenn die einen nicht mehr an sich ran lassen?
Sehr poetisch, sehr eindringlich wird diese Geschichte hier erzählt. Ich war von der ersten Zeile an fasziniert und fand die Reaktionen und Gefühle der Protagonisten*innen sehr gut nachvollziehbar. Hier wird nicht Schuld zugewiesen, hier wird nicht ge- oder verurteilt, hier wird einfach erzählt. Und das sehr fesselnd und spannend mit viel Tiefgang.
Ein toller Roman, den ich an nur einem Wochenende gelesen habe und den ich wärmstens empfehlen kann.

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Die Kunst des Klavierstimmens

Der Klang der Wälder von Natsu Miyashita

Tomura ist ein Kind der Berge und der Wälder, er stellt wenige Ansprüche, ist aber wach und offen. Als er in seiner Schule einen Klavierstimmer bei der Arbeit beobachtet und den Klang des Klavieres hört, ist er begeistert und weiß: Er will Klavierstimmer werden.
Ein hartes Unterfangen, das viel Geduld benötigt, viel Zeit, viel Selbstkritik und auch immer wieder Zweifel.

Vor allem dann, wenn man weder ein absolutes Gehör besitzt, noch selber Klavier spielt. Doch Tomura weiß, was er will und macht sich auf den Weg. Auf diesem begleiten wir ihn. Wir sind mit ihm und seinen Kollegen dabei, wenn Klaviere gestimmt werden, wir begegnen ihren Kunden und besuchen mit ihnen Konzerte. Wir lauschen ihren Gesprächen über das Stimmen, über den Klang, darüber, wie man ein guter Klavierstimmer wird. Denn die Kollegen sind sehr unterschiedlich in ihrem Charakter und ihrer Herangehensweise. Von jedem kann Tomura etwas anderes lernen. Die Begegnung mit den Zwillingen Kazune und Yuni, die beide hervorragend Klavier spielen, jede auf ihre Weise, hinterlässt tiefen Eindruck bei Tomura und gibt seinem Leben eine neue Richtung. Seinem Leben als Klavierstimmer.
Dieser Roman ist sehr leise erzählt, sehr poetisch, die Wälder werden lebendig, Klaviere und ihr Klang, ihre Besitzer. Doch viel passiert hier nicht. Tomura lernt und entwickelt sich weiter, wir lernen seine Kollegen etwas besser kennen, doch im Mittelpunkt steht immer das Klavierstimmen, die Suche nach dem perfekten Klang für das jeweilige Klavier und die jeweilige Situation und der Klavierklang selbst. Ich mochte das sehr, spiele allerdings auch selber Klavier und bin fasziniert von der Tätigkeit der Klavierstimmer. Der Tag im Jahr, an dem mein Klavier gestimmt wird, ist immer ein Fest. Ich freue mich schon Wochen davor darauf. Und einen Klavierstimmer wechselt man nicht so schnell. Ich kann mich noch erinnern, wie traurig ich war, als unser alter aufhörte und der, den wir empfohlen bekamen, mein schönes, gut gewartetes, aber halt altes Klavier (Jahrhundertwende) schlecht machte. Den jetzigen mag ich sehr, er liebt alte Instrumente und ist generell ein Stimmer und Mensch, der zu uns und unserem Piano passt.
Also ja, die Faszination verstehe ich, auch die Liebe zum Klavierklang. Aber ohne diesen Bezug, hätte mir der Roman wohl etwas zu wenig Substanz gehabt. Das gewisse Etwas für ein 5-Sterne-Buch hat mir gefehlt. Schöne Lektüre war es dennoch!

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