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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Petris:

Mae und Edie

Je tiefer das Wasser von Katya Apekina

Mae und Edith, genannt Edie, wachsen alleine mit ihrer psychisch kranken Mutter Marianne auf, eine faszinierende, sehr schönen Frau, die, wenn es ihr gut geht, versucht eine gute Mutter zu sein. Nach ihrem Selbstmordversuch wird sie in einer Privatklinik untergebracht, der Vater, Dennis Lomack, ein bekannter Schriftsteller, der sich, seit er die Familie verlassen hat, nicht um seine Töchter gekümmert hat, nimmt sie bei sich auf.

Edie, ein 16-jähriger Teenager will zurück, zu ihrem Freund, in ihre Schule und vor allem glaubt sie, ihre Mutter retten zu müssen. Mae genießt das Leben mit ihrem Vater, weit weg von ihrer Mutter und deren Wahnsinn. Keine einfache Situation, die irgendwann eskalieren muss. Edie haut ab, befreit mit Hilfe ihres Nachbarn Charlie die Mutter aus der Klinik, was natürlich schrecklich schief geht. Und für Mae verschieben sich die Grenzen zwischen ihrem eigenen Ich und der Mutter, sie wird immer mehr zu Marianne, der Mutter. Gefällt das ihrem Vater, nützt er es aus, ist er nur völlig hilflos und weiß nicht darauf zu reagieren?

Sie alle sind gekennzeichnet durch die Instabilität ihrer Person bzw. ihres Aufwachsens und versuchen dennoch mit ihren eigenen Mitteln so etwas wie Stabilität zu erreichen, immer im Hintergrund der Schatten der verschwundenen Mutter und die unklare Rolle des Schriftstellervaters.

Katya Apekina erzählt diese Geschichte, ohne zu werten, ohne zu be- oder verurteilen, sie überlässt es uns Leser*innen zu beurteilen, was wahr ist, was Schuld ist, was Krankheit ist, was Egoismus ist. Dabei lässt sie hauptsächlich die beiden Mädchen zu Wort kommen, flicht aber immer wieder auch andere Erzählstimmen und deren Sichtweise ein, wir hören die Gedanken und Erinnerungen des Vaters, seiner Schwester Rose, der Doktorandin Amanda, die sich Dennis krallen möchte, wir lesen Arztberichte aus der Klinik und Briefe von Marianne und auch von ihrem Vater und noch einige Personen mehr aus ihrem Umfeld kommen zu Wort. Ein Puzzlespiel, das ein Gesamtbild ergibt. Allerdings kein klares, es ist eher verschwommen, verzerrt, passt an den Kanten nicht überall zusammen.

Apekinas Sprache hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen und mich tief bewegt. Sie zeichnet ihre Charaktere sehr vielschichtig und verwendet ganz viele Grautöne, weit entfernt von Schwarz-Weiß-Darstellung. Dadurch wird man als Leser*in ganz schön gefordert.
„Die Frau erinnert mich total an Mom. Es liegt an ihrer Art zu tanzen, so verzweifelt, aber auch so ganz in sich gekehrt. Sie tanzt nicht für uns, sondern ist tief in sich versunken. Wenn der Raum leer wäre, würde sie ganauso tanzen.“ S. 12
Hier beschreibt Edie ihre Gefühle bei dem Besuch einer Tanzperformance und beschreibt gleichzeitig sehr treffend ihre Mutter, eine starke Szene.

Je tiefer das Wasser ist kein Wohlfühlbuch, die Charaktere sind beschädigt, sie bemühen sich, ein richtiges Happy End, in dem alle gesund und glücklich sind, gibt es nicht. Um so etwas wie Glück zu erreichen, müssen sie sich anstrengen und das Glück bleibt immer brüchig.

Ein faszinierender Roman, der mich noch lange beschäftigen wird und den ich auf alle Fälle weiterempfehlen kann.

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Vater und Sohn und die Aale

Das Evangelium der Aale von Patrik Svensson

Der erste Eindruck:
Aufmerksam wurde ich auf Patrik Svenssons Buch durch den wunderschönen Einband. Farben, Schrift, Motiv,… Das sprach mich sofort an. Der Klappentext versprach eine ganz besondere Geschichte, tatsächlich etwas, was ich in dieser Art noch nie gelesen hatte. Die Leseprobe überzeugte mich schließlich, ich tauchte sofort ein in Svenssons sachliche und dennoch irgendwie poetische Sprache.

Dieses Buch musste ich lesen!

Das Buch:
In seinem Evangelium der Aale verbindet Patrik Svensson zwei sehr unterschiedliche Erzählstränge, da geht es einerseits um sein Aufwachsen mit seinem Vater, einem einfachen, oft wortkargen, aber guten Mann, mit dem ihn recht wenig verbindet, außer die Begeisterung für die Aalfischerei und das Interesse für diesen geheimnisvollen Fisch. Im zweiten Erzählstrang geht es genau um dieses Tier, es ist sozusagen eine Kultur- und Naturgeschichte des Aals, sehr spannend erzählt vom Autor. Man würde es nicht glauben, aber der Aal schafft es tatsächlich Themen wie die Mayflower, Freund, Günter Grass Blechtrommel, die alten Ägypter, die baskische ETA und viele mehr zu verbinden. Svensson holt weit aus, verliert aber nie den Faden und lässt den*die Leser*in staunen.

Die Sprache:
Mir hat sie von der Leseprobe an gefallen. Sie ist schlicht und sachlich und dennoch poetisch, jedes Wort wirkt genau überlegt und an seinem Platz, das liest sich langsam, ein wenig Geduld benötigt man schon für die Lektüre. Für Fans anglosächsischer, schneller Geschichtenerzählkunst ist dieses Buch auf alle Fälle nichts.
„Doch es ist eben auch ein Missverständnis, das zeigt, dass man nicht nur der Wissenschaft oder dem Aal selbst nicht trauen kann, wenn es um den Aal geht. Auch Gott kann man nicht trauen. Oder den Deutern von Gottes Wort. Oder Worten im Allgemeinen.“ S. 117

Fazit:
Wie erwartet hat mir „Das Evangelium der Aale“ sehr gut gefallen. Es ist ungewöhnlich, etwas Interesse für naturkundliche Themen muss man schon mitbringen und manchmal war meine Geduld gefordert, da ich normalerweise eine ungeduldige schnelle Leserin bin, was bei dieser Fülle an Themen und auch bei der bedachten Sprache hier nicht gut ging. Aber es hat sich gelohnt. Ein (nicht nur optisch) ganz besonderes, außergewöhnliches Buch!

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Kya, das Marschmädchen

Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens

Und schon wieder eine positive Überraschung. Der Gesang der Flusskrebse hatte mich weder vom Titel noch vom Klappentext her angesprochen, lediglich das Cover fand ich total schön. Aber das alleine reicht nicht, um mich zu überzeugen. Also vergaß ich es schnell wieder. Zu viele andere Neuerscheinungen 2019 wollten gelesen werden und hatten mich wesentlich mehr angezogen.

Doch dann kam eine positive Besprechung nach der anderen, eine liebe Bücherfreundin, mit der ich oft Meinungen und Romane tausche, war völlig begeistert und meinte, es wäre ein „must read“, von ihr durfte ich mir das Buch auch ausborgen. Und ja, es ist tatsächlich ein großartiger Roman.

Kya, Catherine Danielle Clark, wächst in den Marschen North Carolinas auf mit Geschwistern und einer liebevollen Mutter, der Vater ist ein Blender und Alkoholiker und misshandelt immer wieder seine Familie. Irgendwann hält es die Mutter nicht mehr aus, sie geht und nach ihr alle älteren Geschwister. Kya bleibt alleine, einsam und verängstigt mit ihrem Vater zurück.

Der zweite Handlungsstrang spielt ca. 15 Jahre später, in derselben Region. Chase Andrewas stirbt, der beliebte Quarterback liegt im Sumpf, es gibt zwar keine Spuren, doch die Umstände sind mysteriös, wahrscheinlich wurde er ermordet. Kya, das Marschmädchen gerät in Verdacht.

Wunderbar fügen sich diese beiden Handlungsstränge zusammen. Wir erleben Kyas Einsamkeit, immer wieder wird sie diskriminiert, verlassen, von ihrer Familie enttäuscht, von ihrer ersten Liebe verraten. Doch immer wieder finden sich auch Menschen, die es gut mit ihr meinen und sie unterstützen. Zur Schule ist sie nie gegangen. Aber ihr Freund Tate bringt ihr Lesen bei. Und ab da liest sie alles, was sie zur Biologie der Marschen findet, aber auch Gedichte begeistern sie. Ihr Leben verdient sie sich mit der Suche und dem Verkauf von Muscheln, auf ihren Streifzügen erforscht und dokumentiert sie das Leben in den Marschen.

Wir dürfen dieses wissbegierige, scheue und wilde Marschmädchen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begleiten. Wir sind traurig, wenn sie wieder verlassen wird, wir freuen uns, wie sie ihren Alltag meistert und bewundern die Großzügigkeit der wenigen, die sie unterstützen. Doch dann kommt es zum Prozess. Ihr Anwalt setzt alles daran, ihre Unschuld zu beweisen. Wird es ihm gelingen?

Das Buch zieht den*die Leser*in von Seite zu Seite immer mehr in seinen Bann, bis man am Ende, traurig, dass die letzte Seite gelesen ist, froh, diese Geschichte miterlebt zu haben, den Roman zuklappt. Und ihn unbedingt allen weiterempfehlen möchte!

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Einatmen, ausatmen, ausatmen

Laufen von Isabel Bogdan

Das Buchjahr 2019 ist wirklich ein interessantes Jahr, so viele Titel, auf die ich mich gefreut hatte und die mich dann enttäuscht haben, aber mindestens so viele Romane, die ich gar nicht lesen wollte und die mich dann berührt und begeistert haben! „Laufen“ zählt zu diesen Überraschungsbüchern.

Mir gefiel das Cover, der Klappentext klang gut, die Autorin hatte mit ihrem ersten Roman „Der Pfau“ (den ich noch nicht gelesen habe) viel Erfolg gehabt, doch dann las ich eine Leseprobe und vorbei wars mit der Begeisterung. Das Buch wurde von meiner Wunschliste gestrichen. Als dann immer mehr positive Besprechungen von Menschen, deren Lesegeschmack ich teile, erschienen, wunderte ich mich. Und gab „Laufen“ noch eine Chance.

Was für ein Glück, denn es hat mir großartig gefallen, mich sehr berührt, mit Spannung bin ich mit der Protagonistin mitgelaufen, habe sie in ihrem Alltag begleitet und mich gefreut, dass es ihr langsam, Schritt für Schritt wieder besser ging.

Der Protagonistin ist das Schlimmste widerfahren, was man sich vorstellen kann, ihr Lebenspartner hat Selbstmord begangen. Ein Jahr danach hat sie ihren Alltag wieder im Griff, doch die Lücke, die ihr Partner hinterlässt, die Schuldgefühle, die Trauer,… sind noch schwer zu ertragen, sie beschreibt sie als Friesennerz, der ihr die Bewegung erschwert und den Atem raubt. Zum Glück hat sie liebe Freunde, einfühlsame Musikerkollegen*innen, eine patente Therapeutin und einen netten Bruder. Doch sie alle können ihr den Trauerprozess nicht abnehmen. Etwa ein Jahr nach dem Suizid beginnt sie wieder zu laufen. Von Lauf zu Lauf wird sie fitter, aber auch die Trauer kann sie langsam, Schritt für Schritt immer besser bewältigen.

Man liest hier einen traurigen, aber hoffnungsvollen Roman, bei dem man ganz viel über Trauer erfährt, auch darüber, was ein trauernder Mensch braucht. Jede*r, der*die schon jemand verloren hat, wird sich in ganz vielen Szenen wiederfinden.

„Frau Mohl (die Therapeutin, Anm.) sagt, Trauern sei etwas Körperliches und es sei kein Wunder, dass ich erschöpft bin.“ S.137

„Wieso können manche Leute einen nicht einfach traurig oder wütend sein lassen, Ratschläge helfen doch nicht, bis auf die von Frau Mohl, aber die ist Profi.“ S.170

„…verrückt, dass ein Loch so schwer sein kann, da ist doch gar nichts, nur ein Mangel.“ S.192

Das Buch endet zwei Jahre nach dem Verlust ihres Partners. Traurig, aber hoffnungsvoll. Ein perfekter Schluss.

„Einatmen. Zwei Jahre nächste Woche. Ausatmen. Zwei Jahre ohne ihn. Ausatmen. Er wird immer bei mir sein. Johann.“ S.198

Mich hat der Roman sehr berührt, gleichzeitig habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen. Eine schöne Geschichte, wunderbar erzählt. Wie gut, dass ich ihr am Ende doch noch eine Chance gegeben habe!

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Auf den Spuren einer großen Fotografin

Die Zeit des Lichts von Scharer Whitney

Lee Miller ist eine unglaublich spannende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Als Kind missbraucht, ein Trauma, das ihr ganzes Leben beeinflussen wird, in New York, wo sie Bühnenbild und Beleuchtung studierte als Model entdeckt, in Paris, wo sie sich der Fotografie widmete mit Men Ray liiert und später als Kriegsberichterstatterin für die US-Army, wo sie unter anderem die Befreiung von Buchenwald und Dachau dokumentierte.

Eine schöne, selbstbewusste, unangepasste Frau, die dennoch immer wieder von den Zwängen ihrer Zeit und Männern, die sie dominieren und beeinflussen wollten, gebremst wurde.

In diesem großartigen Roman setzt Whitney Scharer ihr ein Denkmal. Sie hält sich ganz eng an die biografischen Fakten und lässt die Phantasie da übernehmen, wo es keine Fakten gibt bzw. um die Geschichte mit Details lebendig werden zu lassen. Daraus webt sie eine spannende Romanbiografie, bei der sich nicht unterscheiden lässt, was real und was fiktiv ist. Im Mittelpunkt steht Lee Millers Zeit mit Men Ray, bei dem sie erst als Assistentin arbeitete und in den sie sich schließlich verliebte. Hier wird auch die Basis ihrer Fotokunst gelegt, sie lernt von ihm, sie entwickeln zusammen Techniken, doch Mens Dominanz, Eifersucht und Ichbezogenheit machen die Zusammenarbeit und das Zusammenleben schwer.

Den Rahmen dazu bildet Lees Leben nach Paris und nach ihrer Arbeit als Fotografin im Zweiten Weltkrieg, es gibt auch kurze Rückblicke in ihr Aufwachsen, in ihre ambivalente Beziehung mit ihrem ebenfalls dominanten und übergriffigen Vater.

Das alles fügt sich zu einer wunderbaren, kompakten Geschichte. Man beginnt zu lesen und kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen und begleitet diese faszinierende Künstlerin durchs Leben. Es ist eine spannende, bewegte Zeit, die Jahre zwischen den Kriegen, der zweite große Krieg und der Versuch danach, wieder so etwas wie Normalität zu finden. Und Scharer lässt uns Leser eintauchen in die wechselnden Stimmungen des 20. Jahrhunderts. Sie versteht es, Geschichte, historische Persönlichkeiten und die unterschiedlichen Seiten der Lee Miller lebendig werden zu lassen.

Ein Roman nicht nur für Kunstinteressierte! Von mir gibt es eine klare Empfehlung.

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Ein Roman wie ein Wimmelbild

Der Sprung von Simone Lappert

Auf dem Cover sieht einem das Portrait einer jungen, nachdenklichen Frau entgegen, gemalt in Grüntönen. Schön sieht es aus, elegant und einladend im typischen Diogenes-Stil. Die Autorin sagte mir nichts, der Titel ist kurz und prägnant, könnte aber zu vielen Geschichten passen.

Doch gleich auf der ersten Seite geht es um diesen Sprung, wie er sich anfühlt, was in der Springerin vorgeht.

Gefesselt liest man mit, hofft, dass es nur eine Wunschvorstellung ist oder dass irgendetwas ihren Fall bremst und sie rettet. Nur das erfährt man hier noch nicht.

Und dann geht es los, episodenhaft werfen wir Leser*innen einen Blick in die Leben ganz vieler verschiedener Menschen. Da ist der Polizist Felix im Café von Roswitha, Maren, deren Beziehung sich anders entwickelt hat, als sie es erhofft hatte und deren Partner Hannes immer kälter und zwanghafter wird, Henry, der Obdachlose, der sich bemüht, Struktur in seinem Leben zu behalten, Finn, der Fahrradbote, der eigentlich auf große Reise gehen möchte, doch seit er die Gärtnerin Manu kennengelernt hat, sich gar nicht mehr so unwohl fühlt in dieser Stadt. Sie, und noch einige mehr, bilden den Mikrokosmos dieses Romans, am Anfang muss man manchmal zurückblättern, um zu schauen, wer wer ist oder ob vielleicht wieder ein neuer Charakter auftritt, das hat was von Detektivspielen. Ich mag das nicht ungern.
Mit der Zeit verweben sich die einzelnen Geschichten immer mehr, berühren sich, hängen zusammen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, alleine auf einem Dach. Will sie sterben? Was macht sie auf dem Dach? Erzählt wird ein Zeitraum von 3 Tagen, der Tag vor dem Drama, der Tag des Beginns des Dramas und der Tag danach. Am Ende hat sich für alle von ihnen etwas geändert, nicht in diesem Esoterik- oder Kitschromansinn eines Happy Endes für alle, aber eine Verschiebung, Bewegung weg vom Stillstand, und in Wirklichkeit hört der Roman genau hier auf und lässt offen, wohin die Veränderungen führen.

Ich habe „Der Sprung“ verschlungen, mochte die vielen Charaktere, fand die Dramaturgie unglaublich spannend und auch wenn die Zusammenhänge natürlich schon sehr konstruiert sind, ging die Idee auf und erschien mir schlüssig und gut gemacht. Manche Szenen hatten fast etwas von einem Wimmelbild, z.B. im kleinen Laden, in dem die meisten Figuren einmal am Rande vorkommen.

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Spannend bis zur letzten Seite!

Drei von Dror Mishani

Zwei Mal im Jahr bekomme ich Post vom Diogenes Verlag. Die Vorschau für die neue Saison und ein paar Leseexemplare liegen vor der Tür. Jedes Mal bin ich total gespannt, was mich der Verlag vorab lesen lässt. Für die neue Saison waren zwei Bücher dabei. Dror Mishani, Drei und Simone Lappert, Der Sprung.

Beide Autoren*innen kannte ich nicht. Ich war gespannt!

Warum ich hier so lange mit der Einleitung herumeiere hat einen guten Grund! Der Roman ist unglaublich spannend, man kann ihn nicht aus der Hand legen, jeder Abschnitt ist wieder überraschend, erst nach und nach beginnt man zu begreifen. Aber damit das dem*der Leser*in genau so geht, darf man im Vorfeld eigentlich gar nichts verraten.

Nur so viel, der Roman spielt in Tel Aviv, jeder Abschnitt ist einer Frau gewidmet, Orna, frisch geschieden, lernt beim Online-Dating einen netten Mann kennen, Emilia, Altenpflegerin, fühlt sich fremd in Israel, als der Sohn einer ehemaligen Patientin beginnt, sich ihrer anzunehmen. Und da ist dann noch Ella, sie hat drei Kinder und nimmt sich immer mal Auszeit in einem kleinen Café, der Flirt mit einem anderen Stammgast hilft ihr, sich wieder lebendig zu fühlen.

Klingt jetzt vielleicht gar nicht so spannend. Ist es aber! Dror Mishani nimmt einen mit auf eine unerwartete Achterbahnfahrt. Ich kann versichern, das Buch legt man nicht mehr aus der Hand!

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Spannendes Debüt

Das wilde Leben der Cheri Matzner von Tracy Barone

2019 ist ein eigenartiges Lesejahr. Einige Romane, von denen ich viel erwartet hatte, haben mich ziemlich enttäuscht, andere, die ich gar nicht lesen wollte, kamen dann durch Empfehlungen doch auf meine Leseliste und haben mich schwer begeistert und dann gab es Titel, wie diesen hier, die ziemlich lange auf dem Stapel warten mussten und immer wieder nach hinten gereiht wurden und die sich dann als sehr positive Überraschung erwiesen.

Cheri Matzner wurde adoptiert, ihre Adoptivmutter Chichi versucht ihre ganze Liebe in dieses Kind zu legen, doch Cheri scheint sie nur wegzustoßen und alles zu machen, um sie zu ärgern. Der Adoptivvater Solomon liebt seine Frau abgöttisch, doch zu dem Kind findet er nur schwer Zugang. Über Gefühle zu sprechen fällt ihnen allen schwer, so bleibt vieles ein Geheimnis und taucht erst spät auf und führt zu noch mehr Sprachlosigkeit.
Inzwischen ist Cheri 40, ihr Kinderwunsch hat sich nicht erfüllt, mit ihrem Mann Michael steckt sie in der Krise und auch in ihrer Arbeit als Uni-Professorin für Altphilologie läuft nicht alles nach Plan.
Auf dieser Basis erzählt Tracy Barone Cheri Matzners Geschichte, aber auch die ihrer Eltern. Das macht sie so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Familiengeschichten, Missverständnisse, eine starke Hauptperson, Menschen, die das Beste für ihre Lieben wollen, aber sich in einigen Entscheidungen täuschen,…
Man merkt, dass die Autorin vom Film kommt, es gelingt ihr mühelos, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, zu bewegen und den*die Leser*in auf eine spannende Reise mitzunehmen. Beeindruckt hat mich auch, wie genau sie auch traurige Episoden beschreibt, da wird nichts beschönigt, realistisch beschreibt sie zum Beispiel das Sterben eines Krebskranken, die Hilflosigkeit der Angehörigen.

Ein sehr starkes Debüt, das ich mit großer Begeisterung gelesen habe und wärmstens weiter empfehlen kann!

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Interessantes Debüt!

Otto von Dana von Suffrin

Nach welchen Kriterien wählt man als Vielleserin seine Lektüre aus? Da gibt es einerseits Lieblingsautoren*innen, deren neue Romane man sehnlichst erwartet und sofort lesen möchte, dann gibt es etablierte Autoren*innen, auf die man bisher noch nicht gestoßen ist, und die man auf Empfehlung zur Hand nimmt und dann gibt es Debütromane, die immer ein Wagnis sind.

Du kennst den*die Autor*in nicht, weißt noch nicht, was dich erwartet. Aber das ist auch immer besonders spannend.

Bei diesem Debüt hier wurde ich nicht enttäuscht. Otto ist ein sehr stimmiger Roman, der alles besitzt, was ein gutes Buch ausmacht. Es gibt gut gezeichnete Charaktere, eine interessante Geschichte, die zwar nicht gradlinig erzählt wird, was aber, da es Ottos Geschichte ist, die von Widersprüchen und auch von seiner Demenz im letzten Abschnitt des Lebens gekennzeichnet ist, sehr gut passt. Auch sprachlich konnte mich Otto überzeugen.

Otto ist ein schwieriger Charakter, das war er schon immer, für seine Töchter war er ein Vater, der ihr Leben schwierig machte. Die Ehe war unglücklich, seine Jugend als Jude, der den Holocaust überlebte, um dann vor den Kommunisten aus Siebenbürgen zu fliehen und in Israel mehrere Kriege zu er- und überleben. Das alles prägt einen Menschen. Und lässt auch die nachkommende Generation nicht unbeschadet.
Inzwischen ist Otto alt und krank, aber zäh, immer wieder erholt er sich, will unbedingt seine Geschichte erzählen. Es ist kein Heldenroman und die Demenz lässt ihn auch von einer Momentaufnahme zur nächsten springen.
Erzählt wird das alles aus der Sicht der ältesten Tochter, Timna. Obwohl sie ihre Kindheit und Jugend als unglücklich beschreibt, hat sie eine enge Verbindung zum Vater, ist für ihn da und hört ihm zu.

Ein Buch mit Ecken und Kanten, kein Porträt eines Helden, eher eine von außen oft nicht erklärbare Vater-Tochter-Geschichte. Das ganze gespickt mit schwarzem Humor, einfühlsam erzählt, ohne die Sympathien der Leser*innen lenken zu wollen.

Ein gelungenes Debüt und eine Autorin, die ich im Auge behalten werde.

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Krimi in einem Syrien, das es so nicht mehr gibt!

Die geheime Mission des Kardinals von Rafik Schami

Rafik Schami zählt zu meinen Lieblingsautoren, auf seine Bücher warte ich auch immer mit Ungeduld und habe so ziemlich alles aus seiner Feder gelesen. Groß also die Freude, als „Die geheime Mission des Kardinals“ endlich erschien.

Rafik Schamis Roman ist eigentlich ein klassischer Krimi, nicht so ganz mein Genre, aber wenn der Autor Schami ist, muss ich ihn dennoch lesen.

Kommissar Barudi (der 2004 in „Die dunkle Seite der Liebe“ schon einmal ermittelt hatte, ich konnte mich allerdings nicht mehr daran erinnern) steht kurz vor seiner Pension. Er ist nach dem Tod seiner Frau sehr einsam, zählt schon die Tage bis zur Pension. Da bekommt er es mit einem mysteriösen Fall zu sein. Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt ein Fass Olivenöl geliefert, darin die Leiche eines Kardinals, der in Syrien zu Besuch war. Kommissar Barudi packt der Ehrgeiz, diesen Fall will er noch vor seiner Pension aufklären. Unterstützung bekommt er dabei vom italienischen Ermittler Mancini, mit dem er sich auf Anhieb versteht.
Damit beginnt eine abenteuerliche, gefährliche Reise in die Abgründe der syrischen Gesellschaft und Politik. Das Herrscherhaus sitzt fest im Sattel, unterstützt vom ganzen Clan, von 15 Geheimdiensten und auch vom Aberglauben der Bevölkerung, unterdrücken sie jegliche Kritik. Es wird schwierig, innerhalb dieses Sumpfes ein Verbrechen aufzuklären. Da stellt sich sogar die Frage, ob es rechtens ist, in einem Unrechtsstaat die Hilfe von Verbrechern anzunehmen, um ein anderes Verbrechen aufzuklären.

Schami gelingt es hier wieder hervorragend, mit einfachen Worten (der Stil erinnert an Märchen), eine unglaublich spannende Geschichte zu erzählen, ganz viel Faktenwissen einzubauen, gegen Aberglauben und Korruption einzutreten und gleichzeitig verständlich zu machen, warum Menschen z.B. zur IS gehen wollen, warum Aberglaube in allen Religionen so stark verankert ist. Auch Machenschaften des Vatikans und der Mafia fließen ein. Dennoch liest sich das alles flüssig, man kann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Einzig die Charaktere sind ein wenig klischeehaft und flach geworden, aber das passt irgendwie trotzdem dazu, zum Stil, der nach Sagen und Märchen klingt und auch zum Krimi.

Ein Roman, der für viele Leser*innen geeignet ist, ein Krimi nicht nur für Krimileser, ein hochpolitisches Buch für alle, die Faktenwissen gerne spannend verpackt haben, für Leser*innen, die die arabische Welt mögen und einfach für alle, die sich gerne von spannender Lektüre mit viel Hintergrund unterhalten lassen. Toller Roman!

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