Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Warmherzige Bilderbuch-Geschichte über einen niedlichen Roboter
Was fehlt dir, kleiner Roboter? von Przemyslaw Wechterowicz
In diesem polnischen Bilderbuch geht es um einen kleinen Roboter, der traurig ist, weil er seine Lieblingsschraube verloren hat. Bär, Hase, Krokodil, Fruchtfliege, Eule und die Enten helfen ihm beim Suchen, spenden ihm aber keinen Trost. Erst der Biber kann ihm wirklich helfen.
Große sowie kleine bunte Illustrationen von Emilia Dziubak sorgen für Spannung beim Lesen.
Die große Illustration füllt eine Seite aus, ist kunstvoll und detailreich, in einem animierten Stil wie das Cover, dem gegenüber steht eine kleine, schlichte, kindliche Variante, eine Art Was-wäre-wenn-Version, die verdeutlicht, das die Annahmen nicht stimmen. Die großen Illustrationen sind aussagekräftig, können auch für sich allein stehen und erzählen eine eigene kleine Geschichte. Sehr interessant fand ich auch die vielen durchschimmernden Kritzeleien, die zum Entdecken einladen. Auf dem Nachsatzpapier befindet sich ein Fingerlabyrinth, welches das Buchthemen noch einmal aufgreift – eine süße Spielidee zum Ende.
Die gleiche Satzstruktur fördert durch die kurzen Sätze und die verständlichen Wörter das Sprachgefühl. Der wenige Text und die Wiederholungen schaffen einen angenehmen Rhythmus, der das Vorlesen lebendig und spannend macht.
Eine sehr berührende Geschichte voller Emotionen, die mit ihrer tiefgründigen Botschaft direkt ins Herz trifft. Ich finde es großartig, wie kindgerecht und leicht verständlich das Thema präsentiert wird, und welche bereichernden Gespräche und Reaktionen sich daraus ergeben. Besonders wertvoll ist es für leise und sensible Kinder, die sich nicht gesehen fühlen. Es ist eine Einladung für Groß und Klein, aufmerksam nachzufragen, ernsthaftes Interesse zeigen, statt von sich auf andere zu schließen und wiederum seine Bedürfnisse offen zu äußern. Ein verständnisvoller Bilderbuchschatz mit einer stillen und gleichzeitig kraftvollen Geschichte zum Immer-wieder-Anschauen und Einfühlen.
Wunderschön und grausam zugleich
Tale of Sun and Night 1: Tale of Sun and Night von Magdalena Gammel
»Sie wird niemals mehr sein als eine Sklavin. Eine Gefangene. Deine, meine, ihre eigene. Wem ihr Leben gehört, ist völlig egal, aber dass sie niemals frei sein wird, ist todsicher.«
Erzählt wird ausschließlich aus der Perspektive von Lio. Sie ist mutig, entschlossen, aber auch verletzlich – nur hat sie gelernt, diese Seite niemals zu zeigen.
Im Besitz eines Sklavenhändlers, als heimatlose Waise ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit, ist sie den mächtigen Männer dieser Welt ausgeliefert und seit Jahren gefangen. Gerade zu Beginn zeigt sie sich als eine geschickte, schlaue Kämpferin, die sich jedoch ihrem Schicksal ergeben hat. Umso spannender wird es, als sich ihr ein Ausweg bietet, der dann doch ganz anders verläuft, als ein unverschämter Bandit ihre Fluchtmöglichkeit vernichtet. Gerade die dynamischen Anfänge und die ersten dreihundert Seiten haben mir besonders gefallen, bevor sich eine Vertrautheit in der Gruppe einstellt. Magdalena Gammel schreibt so flüssig und zugänglich, dass man sich in den bildreichen und atmosphärischen Beschreibungen verlieren kann. In jeder freien Minute habe ich weitergelesen, weil es amüsant und spannend geschrieben ist, und ich immer wieder dabei sein wollte, wenn sich neue Schauplätze auftun.
Der Auftakt von «Tale of Sun and Night» hebt sich besonders durch klassische Elemente wie den erbarmungslosen Krieg in Aurikalos und die Heldenreise hervor. Die Reisegruppe durchquert Wüsten, Wälder und Gebirge, wird gejagt, voneinander getrennt und muss bedrohliche Gefahren überwinden, was alle zusammenschweißt. Aus den Verbündeten werden Freunde und die anfängliche Abneigung von Lio und Izan verwandelt sich in starke Anziehung, die auch immer wieder von den Freunden humorvoll kommentiert wird. Die sarkastischen Bemerkungen von Nyxan sind besonders auflockernd, wobei sein Beitrag überhaupt ein echter Gewinn ist. Er wird viele Fans finden. Vertrauen ist ein wichtiges Thema, denn das Paar weiß eigentlich nichts voneinander. »Ich wusste nicht, wer er wirklich war, was er vorhatte, gegen was oder für wen er überhaupt kämpfte und warum.« Romantik, körperliche Nähe und episch gehauchte Versprechen statt Ehrlichkeit und Kommunikation. Dadurch bleibt es spannend, aber meinem Empfinden nach machte das die Charaktere umauthentisch und schablonenhaft für das Romantsy Genre, in der es kaum noch Abweichungen gibt, um den gewünschten Tropes zu entsprechen. Allerdings kann man Lio´s persönliche Entwicklung gut nachvollziehen, die sich immer wieder verloren fühlt angesichts ihres Gedächtnisverlustes und ihrer schmerzhaften Gefangenschaft. »Nichts von dem, was uns angetan wurde, lässt sich rückgängig machen. Doch wer wir einst waren, wird uns nicht helfen, zu werden, wer wir sein könnten.«
Darüberhinaus gab es ein paar Längen, die die Handlung nicht weitergebracht haben, die man aber verzeihen kann.
Auf der Karte im hinteren Vorsatz ist die Reise gut nachvollziehbar und auch das Glossar war hilfreich, um die orientalisch angehauchte Welt und ihre Fantasiewesen besser zu überblicken. Generell ist die Buchgestaltung ein Highlight. Die Geschichte spielt in einer Welt, reich an magischen Elementen und Legenden, in der kein Lebewesen ohne Traumstaub existieren kann und Zeit ein dehnbares Konzept darstellt. Ich hoffe, dass der Traummagie und dem Worldbuilding in der Fortsetzung noch mehr Raum gegeben wird, denn die hat mich besondres fasziniert.
Im Buch befindet sich ein QR-Code, der zu einem spicy Bonuskapitel weiterleitet. Die Idee finde ich richtig toll, denn ich brauche keine expliziten Beschreibungen, aber mir hätte es besser gefallen, wenn das Kapitel abgedruckt gewesen wäre, sodass es für immer zugänglich und nutzbar ist. Bei einer Kennzeichnung, die ich sehr sinnvoll finde, ist es dann jedem selbst überlassen, ob man das Bonuskapitel überspringt.
Der Cliffhanger ist schon etwas gemein und würde mich definitiv dazu bringen, die Fortsetzung zu lesen. Nach dem, im Auftakt vor allem Geheimnisse angedeutet, spannend ausgebaut und schlussendlich aufgelöst wurden, bietet ein zweiter Teil, der darauf aufbauen wird, viel Potenzial, und ich bin zumindest neugierig, wie es weitergeht.
Wichtiges Thema, spannend verpackt
This Story Might Save Your Life von Tiffany Crum
„Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?“ gibt eine Richtung vor, in die man sich verlaufen könnte. Welches Thema der Thriller dann behandelt, kam unerwartet und wird nicht verraten. Autorin Tiffany Crum greift in ihrem Debüt ernste gesellschaftliche Probleme auf und bildet aus den bekannten Fakten eine, bis zur letzten Seite, rätselhafte Geschichte.
Außerdem sensibilisiert sie für die chronische neurologische Erkrankung Narkolepsie, und gibt einen kleinen Einblick in die Symptome und den Alltag mit einer gestörten Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus. Ich fand die Ausgangslage sofort spannend und es beginnt ohne Umschweife: Joy und ihr Mann Xander sind verschwunden, während ihr bester Freund Benny Detektivarbeit betreibt, um sie zu finden. Hilfreich dabei ist das geschriebene Manuskript von Joy, das man noch vor Benny abschnittsweise zu lesen bekommt – wodurch man ihm irgendwann einen Schritt voraus ist.
Im zweiten Teil des Thrillers herrscht eine andere Dynamik, und ein bedeutendes Geheimnis wird gelüftet, wodurch die Spannungskurve meinem Empfinden nach etwas abflacht, auch wenn eine entscheidende Enthüllung noch bevorsteht. Stetig gleichbleibend sind die Bemühen von Benny, Licht ins Dunkle zu bringen, um Joy zu finden. Mit ihm fiebert man mit, sieht seine Verzweiflung, weil die emotionale Wirkung einen nicht kalt lässt. Diese Verbindung möchte Tiffany Crum übergreifend auch im zweiten Teil schaffen, was nicht so galant gelungen ist. Daneben fand ich aber auch das unveröffentlichte Manuskript von Joy stark, weil die Puzzleteile langsam freigegeben werden und man viel über die Anfänge, dem Kennenlernen von Joy und Benny, ihren Umgang mit Narkolepsie und dreizehn Jahren Freundschaft erfährt. Manches wirkt konstruiert, um die Vorhersehbarkeit zu verschleiern, was den Thriller eher ruhig in seiner Erzählweise werden lässt.
Fazit: Eine bedrohliche Atmosphäre mit schwankender Spannungskurve, Geheimnissen, die nach und nach enthüllt werden, und inneren Konflikten, Ängsten und Manipulationen. Dazu zwei Charaktere, die menschlich und glaubwürdig wirken. Kein Thriller, der mir im Kopf bleiben wird, aber insgesamt gute Unterhaltung.
Mystische Kreaturen und uralte Mächte
Lightfall 1: Das verlorene Licht von Tim Probert
Der große Nordwald auf dem Planeten Irpa ist die Heimat von Beatrice und ihrem Großvater, einem vergesslichen Eber und Besitzer des Zauber-Eber-Ladens. Eines Tages sammelt Bea im Wald alle Zutaten für einen Zaubertrank zusammen, als sie den Galdurier Cad kennenlernt - ohne zu wissen, dass sie bald dringend seine Hilfe benötigt.
Autor Tim Probert hat ein gutes Gefühl für Worldbuilding und präsentiert eine von spektakulären Landschaften und warmen Farben geprägte Welt, die trotzdem frisch und lebendig wirkt. Ich wurde regelrecht eingesogen, unterstützt durch die beiden sehr unterschiedlichen aber großartigen Helden der Geschichte und die ausdrucksstarken Illustrationen. Bea fühlt sich in ihrer vertrauten Umgebung am wohlsten, ist selbstkritisch und talentiert im Zubereiten von Zaubertränken. Ihre Unsicherheit und sorgenvolle Gedanken lassen sie vor Angst erstarren, was bildlich eindrucksvoll dargestellt wird, während der einsame Held Cad es liebt, anderen zu helfen, sich mutig ins Abenteuer zu stürzt und dabei nie die Zuversicht verliert. Sie ergänzen und bereichern sich hervorragend und es macht Spaß, ihnen dabei Gesellschaft zu leisten.
Der große, narrative Faden kündigt sich schon auf den ersten Seiten an, bevor wir überhaupt die Figuren kennenlernen, und verliert sein Ziel nicht aus den Augen. Erst später erfahren wir, dass der mystische Vogel Kest Ke Belenus – nun erwacht aus einem unruhigen Schlaf – droht, alle Lichter von Irpa zu zerstören. In diesem leuchtendem Auftakt geht es aber vor allem um die beiden Weggefährten, die
auf ihrer gemeinsamen Suche Freundschaft schließen und sich ins große Abenteuer stürzen. Dabei schafft Tim Probert eine gute Balance aus actionreicher Spannung, bei der man unweigerlich mitfiebert und intensiven Momenten, bei denen man den Charakteren näher kommt. Die faszinierenden Welt von Irpa, die von mystischen Kreaturen und uralten Mächten geprägt ist, hatte ebenso eine Anziehungskraft auf mich, wie die (geheimnisvollen) Wesen, denen Bea und Cad begegnen.
Bereits im ersten Band ist eine Figurenentwicklung bei Bea spürbar, die an Mut und Selbstbewusstsein gewinnt, und die fantastischen Illustrationen und wechselnden Settings machen „Das verlorene Licht“ zu einer atemberaubenden Reise in die magische Welt von Irpa, die man nicht verpassen sollte, wenn man eindrucksvolle Illustrationen und ein fesselndes Abenteuer mag. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten und bin total begeistert von dieser abenteuerlichen Graphic-Novel-Serie, die nun endlich auch auf Deutsch erschienen ist. Große Empfehlung!
Schwächer als «Love, Mom»
Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie? von Iliana Xander
Natalies Freundin Cara liegt im Koma. Natalie hat einen Verdacht und will so viele belastende Informationen über den reichen Rosenberg sammeln, wie möglich. Deshalb nimmt sie das Jobangebot von Nick an, der Rosenbergs Chauffeur, Assistent und Lakai ist und der ihr einen Gefallen schuldet. Somit hilft sie kurzfristig als Putzkraft in der Villa aus und erfährt Ablehnung von den Angestellten, überall sind Kameras und es herrschen strenge Regeln.
Hat sie die Gefahr falsch eingeschätzt?
„Die meisten Opfer wissen nicht, dass sie es mit einem Sexualstraftäter zu tun haben. Ich hingegen weiß das. Was soll schon Schlimmes passieren?“
Erzählt wird überwiegend aus Natalies Perspektive. Dabei kommt auch mal eine anonyme Person zu Wort, die über die Kameras jeden ihrer Schritte verfolgt und kommentiert. Der Schreibstil ließt sich schnell weg, sodass man sich ganz auf die angespannte Stimmung und bedrohliche Atmosphäre einlassen kann, die vom Boss und der Villa ausgeht. Der Anfang ist vielversprechend. Die meisten Figuren bleiben geheimnisvoll und undurchschaubar. Danach entwickelt sich die Story in eine Richtung, die mir zu konstruiert und unstimmig war, weshalb mich der Spannungsbau nicht so überzeugen konnte wie bei «Love, Mom». Der Aufbau ähnelte dem Vorgänger, und vielleicht konnten mich die Plotttwists auch deshalb nicht überraschen. Leider rauschte der Thriller an mir vorbei und hinterließ weder beim Lesen noch danach einen bleibenden Eindruck. Punkte gibt es für den flüssigen Schreibstil und den starken Anfang, aber eine Empfehlung würde ich nicht aussprechen, da mir der Überraschungseffekt und das fesselnde Element fehlt.
Wohlfühllektüre für Büchermenschen mit einem Herz für die Natur
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Ein kleines Bücherdorf mit einem ganz anderen Zeitgefühl, traditionellen Herstellungswerten, überdurchschnittlichen vielen Buchhandlungen und einer Gemeinschaftslabradordame. Ein ungewöhnlicher Ort in der modernen Welt, an dem man „einen Gegenpol zur allgemeinen Rastlosigkeit“ findet. Keine bloße Wunschvorstellung, sondern ein zauberhafter Ort, den es (beinahe) tatsächlich gibt.
Ich war anfangs irritiert und es ging mir wie der ahnungslosen Marie, die sich als Großstädterin auf dem Land wiederfindet, plötzlich weit weg von Lärm und Tourismus, in einem Dorf, das völlig aus der Zeit fällt und so unwirklich scheint. Ein bisschen zu drüber, auch was die Dialoge angeht aber dann erlag ich dem Charme.
Auf ihrer unvorbereiteten Flucht aus Paris trifft Marie die intuitive Jónína, die einen Buchladen führt und den kurzsilbigen Bäcker Thomas aus dem französischem Dörfchen Redu. Aus dieser Begegnung ergeben sich Gespräche, die Marie dazu verleiten, bei Jónína im Gästehaus unterzukommen. Dort entdeckt sie die Natur für sich, das Lesen und auch ich war eingenommen von der Herzlichkeit der Bewohner und der utopischen Abgeschiedenheit und Ruhe dieser Idylle.
Spätestens beim zweiten Teil war ich hingerissen, wie Marie und die mürrische Mathilde sich kennenlernen und was daraus entsteht. Das bringt auch eine angenehme Spannung mit sich, denn das Geheimnis um Mathilde muss Marie erst lösen. Dadurch angekommen im Schreibstil las es sich immer besser. Diese unaufgeregte Geschichte wird mit viel Wärme und Herz erzählt und es passiert zumindest soviel bei der Figuren-Entwicklung, um gern weiterzulesen. Ich mochte Jónínas Klarheit, Offenheit und ihr aufrichtiges Interesse an Marie, deren aufblühende Sinneswahrnehmungen in der Natur ein lebendiges und achtsames Kopfkino erzeugen. Es sind einige integrierte Lebensweisheiten, die weitergegeben werden, ob die Kunst des Wartens oder die Fähigkeit, „den Dingen erst einmal Raum zu geben, sie zu reflektieren und zu verstehen, bevor man in den Austausch geht.“ Generell sind viele Dialoge von Wahrhaftigkeit, Toleranz und sanfter Aufmerksamkeit geprägt. Wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat, versprüht es seinen Charme.
Wenn man das mag und selbst gern in einem Bücherdorf Entschleunigung finden würde, während man mit allen Sinnen die Natur entdeckt, dann ist der Roman genau die Einladung, die man gerade braucht. Jedenfalls hat der Verlag nicht zu viel versprochen, denn es ist eine berührende Hommage an einen besonderen Ort der Bücher und ein „mehr an Miteinander“. Dazu passen auch die schönen Abschlussworte des Autors. Alles zusammen hinterließ bei mir ein warmes Gefühl und ruhevolle Lesefreude.
„Sie leben! Seien Sie dankbar.“
Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer
«25 letzte Sommer» von Stephan Schäfer hat mir gut gefallen. Sein neues Werk «Jetzt gerade ist alles gut» ist ähnlich aufgebaut: eine Aneinanderreihung kurzer Anekdoten eines Familienvaters und leidenschaftlichen Spaziergängers, dessen Leben sich nach einer Nahtoderfahrung im Kleinen, aber Wesentlichen verändert.
Stephan Schäfer leistet damit einen wichtigen Beitrag und lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Sepsis, die von vielen unterschätzt wird.
Ohne Prolog und Epilog sind es 21 Kapitel, die sich unterschiedlichen Themen des Alltags widmen und die nur langsam voranschreitende Genesung zeigen.
„Die schönen Momente festzuhalten. Einfach das Hier und Jetzt beschreiben. Und nicht mehr so viel erwarten.“
Ich ertappte mich oft dabei, wie ich abschweifte, inspiriert von dem Gelesenen und bereits eigenen Ideen dazu gedanklich nachging. Das zeigt bereits, dass die Handlung wie ein Ratgeber in Form einer Erzählung funktioniert. Ob die Liebe zum Film, dem, was wir in Alltag übersehen, alltägliche Kommunikation oder das alltägliche Miteinander schätzen, Gespräche, die nachhallen, die im Dunkeln besser sind oder „im Allgemeinen, dass es sich nirgendwo so gut sprach wie beim Spaziergang“. Es gibt viele Anregungen. Besonders berührt hat mich das Kapitel „Der Geburtstag“, weil ich dem Protagonisten einen anderen Ausgang gewünscht hätte.
Zurück bleibt für mich vor allem Dankbarkeit für das Geschenk der Normalität und die eigene Gesundheit.
Achterbahnfahrt
Woman Down von Colleen Hoover
Colleen Hoover ist die erfolgreichste Autorin der Welt und ihr neues Werk basiert auf einer Kurzgeschichte von ihr, die vor einigen Jahren erschienen ist und die sie weiter ausgebaut hat, nachdem Fans begeistert waren. Ich war neugierig und dies war mein erstes Buch der Autorin.
Inhalt:
In dem Romantic Thriller (laut Cover ein Roman!?) geht es um die von Selbstzweifeln geplagte Bestsellerautorin Petra Rose und ihrer Schreibblockade wegen eines Shitstorms.
Für ihren neuen Roman nimmt sie sich eine Auszeit in einem überraschend luxuriösen Airbnb und erlebt einen kreativen Schaffungsprozess am Limit, „um den rohen, echten Gefühlen näherzukommen.“
Meine Meinung:
Colleen Hoover verspricht eine „schwindelerregende Achterbahnfahrt voller Leidenschaft, Spannung, Sinnlichkeit mit einem Hauch von Gänsehaut.“ Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, finde ich den Vergleich überwiegend zutreffend. Nachdem ich aus der wilden Schreiblust-Achterbahn gestiegen bin, dachte ich, die Loopings waren gar nicht so krass, generell war die Fahrt flach und schnell vorbei und irgendwie waren die letzten Meter nicht überraschend, sondern enttäuschend. Und dann gibt es da ein Beweisfoto, bei dem ich sichtlich Spaß habe, während ich mehrere Loopings hintereinander absolviere und mir die Gesichtszüge entgleisen. Und so ist es! Vielleicht gefällt mir das Ende nicht und der Rückblick ist ernüchternd, mit dem Wissen, was ich jetzt habe. Vielleicht habe ich auch zu viel erwartet, aber Petras Erfahrungen haben durchweg einen stimmungsvollen Nervenkitzel gehabt, wenn ich versucht habe, zu begreifen, „was hier gerade passiert.“ Ich konnte nicht ganz genau sagen, worauf das hinauslaufen wird und ab der Mitte hatte ich eine böse Vorahnung. Kurz: es ist unterhaltsam, sinnlich und stets unterschwellig spannend, mit steilen Loopings. Besonders stilvoll finde ich, dass Colleen Hoover es versteht, andeutungsvollen Spice einzubauen, der meiner Fantasie überlassen ist und sich nicht in Details verliert. Ein großer Pluspunkt, bei einem ansonsten flüssigen Schreibstil, der Petras Sichtweise authentisch darstellt.
Kein Kunstflug mit anspruchsvollen Manövern, aber durchaus einige gute Gründe «Woman Down» zu lesen und die Erwartungen runterzuschrauben, denn hier genießt man einfach die Fahrt.
Der Fall des rätselhaften Bücherschranks
Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens von Rebecca Stead; Wendy Mass
Evan kommt in die 6. Klasse und wechselt mit seinem besten und furchtlosen Freund Rafi an die Middleschool. Eine große Sache, aber Evan ist abgelenkt damit, Detektiv zu werden. Eigentlich beginnt alles mit dem Ratgeber „Wie man einen Krimi schreibt“, den Evan in der Freiluftbibliothek findet, bewacht von Kater Mortimer.
Von da an entdeckt Evan sein detektivisches Gespür und tauscht sein unsichtbares Cape gegen eine unsichtbare Deerstalker, das ikonische Erkennungszeichen für Detektive.
Gleich zu Beginn bilden sich einige Fragezeichen: Welches Geheimnis hat Mortimer und warum ist er der Hüter der Bibliothek? Warum reagiert Evans Vater so seltsam, als er das Buch aus der Freiluftbibliothek sieht, das sein Sohn mit ihm in Verbindung bringt? Wer ist Bea?
Sogar ein Schädlingsbekämpfer, der Mäuse rettet statt zu bekämpfen, bildet ein Mäuse-Mysterium, dass es zu lösen gilt.
Es gibt mehrere Plottwists, die ihre Wirkung nicht verfehlen und mir super gefallen haben, zumal der wechselnde Erzählstil von Katers Mortimer, dem neugierigen Evan und der geheimnisvollen Bea dazu beiträgt. Als dann alle Fäden zusammen laufen, war ich begeistert und zufrieden mit dem Ende. Bea wirkt wie die Erzählerin, weil sie die imaginäre Barriere durchbricht und ihre Leser und Leserinnen direkt anspricht, und sie gibt nur nach und nach etwas Preis, was die Spannung erhöht.
Die Autorinnen Rebecca Stead & Wendy Mass haben eine ungewöhnliche Umsetzung ihrer wunderbaren Buchidee gewählt, die eine Alternative zum Gewohnten in der Kinderliteratur bietet. Es baut sich nur langsam Spannung auf, wobei es interessant bleibt und man durchgehend weiterlesen möchte. Mortimer ist kein tierischer Sidekick, wie man vielleicht vermuten könnte und die Handlung ist zwar überwiegend geradlinig, aber die Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle. Typisch dagegen ist die einfache und klare Sprache, sowie kurze Kapitel und eine große Schrift, die das Lesen erleichtert. Positive Werte und Botschaften werden vermittelt, wobei Freundschaft und die Magie des Lesen eine zentrale Rolle spielen, während kleine Weisheiten und ein toller Humor erheitern: „Jede lange Nacht sollte mit einem guten Frühstück enden.“
Ich fand die beiden genannten Regel des Steins der Wahrheit einprägsam und kindgerecht integriert. Schön ist auch, dass Gedichte eine kleine Funktion einnehmen und Evan sich zu einem echten Detektiv entwickelt, der mit seinen Freunden schließlich seinen Fall und das Rätsel, um die vor zwanzig Jahren verbrannte Bibliothek löst.
„Das ganze Leben ist voll von rätselhaften Begebenheiten. Und das macht uns am Ende alle zu Detektiven.“
«Mortimers Geheimnis» hatte mich schon mit dem ersten Kapitel und der sanften Mäuseumleitung von Mortimer überzeugt. Auch die liebevollen Details haben mir gefallen. Kinder und Erwachsene werden sich gut unterhalten fühlen und die Plotttwists in Erinnerung behalten.
Empfehlen würde ich das Buch Kindern ab 9 Jahren, die gern und viel lesen, denn es braucht ein bisschen, bis man sich eingelesen hat. Dafür wird man mit einer besonderen Geschichte belohnt. Wer temporeiche Spannung braucht, um dranzubleiben, wird wohlmöglich schneller die Lust verlieren.
Willkommen auf Idlewood!
Eisnebel von Kate Alice Marshall
Es war nicht nur die schneebedeckte Berglandschaft und das luxuriöse und vor allem abgelegene Winterdomizil, was mir atmosphärisch gut gefallen hat. Theodora hat mich als starke Figur überrascht, nachdem ich sie anders eingeschätzt hätte. Ihr Verlobter Connor ist für sie unerlässlich wie Sauerstoff, sagt sie.
„Erschreckend, wie rasch wir uns ineinander verflochten.“ Liebe, die nach wenigen Monaten mit einer Verlobung gefeiert wird, was bei der reichen Familie für Skepsis sorgt. Das Zusammentreffen bleibt nicht ohne Hürden, aber was sich dann auftut ist düster und gefährlich. Doch Theodora wurde gewarnt. Irgendjemand aus der Familie will sie nicht dort haben und bald ist sie überzeugt, dass sie wohlmöglich gezielt an diesen Ort geführt wurde. Es ist eine einfache Erzählweise, denn fast ausschließlich Theodoras Sichtweise wird erzählt. Dass macht es teilweise besonders spannend, aber an der ein oder anderen Stelle hätte ich eine neue Perspektive gebraucht.
Es geht um dunkle Geheimnisse und eine Wahrheit, die nur mithilfe der Vergangenheit aufgedeckt werden kann. Familiäre Verstrickungen, Reichtum und Gehorsam. Wendungsreich, sprunghafte Verdächtigungen und ein Kern, der berühren kann. So ganz ohne Konstruktionen und verschenktes Potenzial geht es aber leider nicht. Insgesamt zwar spannend, aber nicht so packend, wie gehofft. In jedem Fall war es ein Thriller, der unter den Nägel brennt und sich gut zusammen (Buddyread, Lesezirkel etc.) lesen lässt.











