Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Drei Tage, die alles verändern
Drei Tage im Schnee von Ina Bhatter
Hannah geht es mental immer schlechter. Instinktiv mietet sie für ein langes Wochenende ein kleines Holzhaus am See, um neue Kraft zu tanken und ganz für sich zu sein. Als Leiterin einer Pressstelle hat sie einen stressigen Job, aber dahinter steckt so viel mehr. Hannah beobachtet draußen ein Mädchen, das ganz im Schneeengelmachen versunken ist und sichtlich Spaß hat.
Daraufhin denkt Hannah darüber nach, wann sie selbst zuletzt in einer Sache so aufgegangen ist, dass sie die Zeit vergessen hat.
Damit beginnt ihre Reise der Selbstreflexion. Drei Tage, in denen sie ihren Gedanken nachgeht und die Begegnung mit der kleinen Sophie sie anregen, sich zu erinnern, wie es war ein Kind zu sein. Es ist nicht nur für Hannah eine Auszeit, auch beim Lesen entsteht eine Wohlfühl-Atmosphäre und man wäre selbst gern in diesem kleinen Haus am See, am Ofen sitzend, mit einer heißen Schokolade in der Hand. Hannas Gedankengängen kann man gut folgen. So taucht man in Themen wie Lebenszeit, Einsamkeit, Konsum und Leichtigkeit ein, die hinterfragt werden. Es gibt Denkanstöße zum inneren Kritiker und Angstgefühlen, die Hannas Leben in den letzten Jahren dominiert haben. Die Botschaften sind direkt vermittelt und die Sprache präsentiert sich durch eine gute Beobachtungsgabe, der schließlich auch die kleinen Freuden nicht entgehen. Hannas Umdenken greift schnell und nach drei Tagen hat sich viel verändert. Das mag, für diesen kurzen Zeitraum nicht realistisch sein, aber funktioniert zumindest im Rahmen der kurzen Geschichte.
«Drei Tage im Schnee» regt dazu an, die eigenen Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren und zeigt, was im Leben wirklich zählt - die großen Steine nämlich, um in der imaginären Einweckglas-Metapher zu bleiben, die im Buch aufgegriffen wird. Gute Impulse für jene unglücklich Gestressten, die sich von ihren Wünschen entfremdet fühlen und alle, die in ihrer lesenden Auszeit gern in andere Perspektiven schlüpfen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Dunkle Geheimnisse
Love, Mom von Iliana Xander
Die legendäre Autorin E. V. Renge stirbt bei einem Unfall und ihre Tochter Mackenzie erhält plötzlich Briefe, geschrieben von ihrer Mutter, die unglaubliche Geheimnisse ans Licht befördern.
Schon bei den ersten Kapiteln merkte man, hier war nichts harmonisch: eine talentierte Autorin, deren Tochter in ihrem Schatten lebt.
Eine verkorkste Beziehung ohne Liebe, weshalb auch niemand auf der Beerdigung eine Träne verdrückt hat. Noch dazu hatte sie viele Geheimnisse und lebte zurückgezogen. Mackenzie und ihr bester Freund EJ versuchen herauszufinden, was es mit den Briefen auf sich hat und was mit Mackenzie Mutter passiert ist.
Es ist ein zunehmend spannender Thriller, der Perspektiven wechselt und in die Vergangenheit springt, um davon zu erzählen, was man einem Menschen alles nehmen kann. Es ist wirklich erschütternd und berührend. Ein durchaus fesselndes Thrillererlebnis, wobei sich gerade der Mittelteil (zweite Teil) für mich langatmig angefühlt hat und es dann erst so richtig Fahrt aufnahm. Mir haben besonders die ausführlichen Briefe und Mackenzies detektivisches Gespür gefallen. Das Ende war für mich keine völlige Überraschung, aber gelungen. Vor allem das letzte Kapitel hat mir nochmal gut gefallen.
Fazit: Eine unglaublich erschütternde Geschichte, die zunehmend zu fesseln weiß. Der Titel passt perfekt! Dranbleiben lohnt sich.
Schöne Idee, aber keine gelungene Umsetzung
Das Jahr voller Bücher und Wunder von Libby Page
Tillys Mann Joe ist vor einigen Monaten gestorben und hat ihr mithilfe des Buchhändlers Alfie zwölf Bücher zusammengestellt, die sie für ein Jahr lang begleiten sollen. Wer ist Tilly "Büchereimaus" ohne ihren Joe und kann sie wieder zurück ins Leben finden?
„Die wahre Magie von Büchern setzt dann ein, wenn die letzte Seite kein Ende, sondern ein Anfang ist – ein Anfang, den nur du selbst schreiben kannst.
“
«Das Jahr voller Bücher und Wunder» bedient sich unter anderem bei «Eat Pray Love» und «P.S. Ich liebe dich» und ist eine eine Selbstfindungsreise und Liebesromanze mit der Botschaft: das Leben geht weiter. Tilly wird durch die Bücher inspiriert, zu verreisen, besucht Bücherorte und Restaurants und sich mit ihren Wünschen zu befassen. Ein Jahr lang bekommt sie von Alfie jeden Monat ein Buch - eine schöne Idee. Ob Bücher zum Verlieben, Buchideen, die ein neues Hobby entdecken lassen oder Briefromane. Jeder Monat steht unter einem Motto. Dadurch wird das Jahr zu einem Abenteuer. Dazu gibt es inspirierende Lesetipps. Von der Umsetzung hatte ich mir etwas mehr versprochen, aber trotz der weichgespülten Klischees und Schablonenhaftigkeit hat die Geschichte gezeigt, wie lebensverändernd Bücher sein können. Es hat mich nicht so berührt wie der Roman «P.S. Ich liebe dich», obwohl sehr viel kopiert wurde, weil mir die Tiefe zwischen Tilly und Joe gefehlt hat. Obwohl die Briefe von Joe berührend waren, geht es doch mehr um die aufkeimende Romanze zwischen Alfie und Tilly. Das Thema Trauer bekam viel zu wenig Raum. Ich konnte keine Nähe zu Tilly aufbauen. Auf die 12 Bücher wird nicht weiter eingegangen, was ich auch etwas schade fand. Leider ist der Funke nicht übergesprungen. Weder bei den Dialogen, noch bei der Dynamik der Figuren, dabei wäre das ein Buch gewesen, was ich eigentlich hätten lieben müssen, aber mit der oberflächlichen Erzählweise und der „Internetsensation“ konnte ich zunehmend weniger anfangen. Vielleicht etwas für Lesende, die die zuvor genannten Werke noch nicht kennen und keine Erwartungen an diese seichte Unterhaltung haben.
Kurzweilig und unterhaltsam
Plant Lady von Minyoung Kang
Yu-hee hat mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht. Entweder waren sie respektlos, manipulativ, zeigten keine Ehrfurcht vor dem Leben ihrer Pflanzen, die ihr seit Kindertagen das Liebste auf der Welt sind oder Schlimmeres. Ihr eigener Pflanzen-Shop erfreut sich im Viertel immer mehr Beliebtheit, weil die Inneneinrichtung zum Verweilen einlädt und sich Yu-hee mit ihrer sorgfältigen Pflanzenberatung einen Namen gemacht hat - aber auch, weil sie Frauen hilft, Probleme loszuwerden…
Es sollte ursprünglich eine Kurzgeschichte werden, was erklärt, warum sich die fünf Kapitel aneinanderreihen und wie Kurzgeschichten wirken, weil es in jeder von ihnen um eine andere Pflanze und auch um andere Kundinnen geht, die Yu-hee begegnen.
Auch aus ihrer Sicht wird erzählt. Wie die Schülerin Min-ha, die staunend durch den Pflanzen-Shop stöbert und der Yu-hee eine Pflanze schenkt. Alle Frauen haben gemeinsam, dass sie ihren Männern, Vätern oder Freunden schutzlos aufgeliefert sind und nach Hilfe suchen. Yu-hee kümmert sich eigenmächtig darum. Natürlich bleibt das Verschwinden der Männer nicht ohne Folgen: Der Polizist Do-kyung ermittelt und beweist ein gutes Gespür. Das macht es spannender, denn letztlich ist Yu-hee eine solidarische Rächerin, deren Motive authentisch dargestellt werden und sich die Frage stellt, ob sie damit durchkommen wird.
Ich habe mitgefiebert, obwohl es kein Thriller ist, mochte den klaren Schreibstil, der Distanz wahrt, den Bezug zu Pflanzen und natürlich den schwarzen Humor. Ein Roman, der gleichermaßen unterhält und zum Nachdenken anregt.
Happy Weihnachtsapokalypse
Ring the Bells von C. K. McDonnell
Wenige Tage vor Weihnachten tun sich für die Stranger-Times-Mitglieder Weltuntergangsprobleme auf. Ein grausiger Dreifachmord in der Bibliothek ist erst der Anfang. Während die Redaktion Opfer eines Cyber-Angriffs wird, durchstreift ein zerstörerischer Gott besitzergreifend London, bis er den Glauben wiedergefunden hat.
Autor C. K. McDonnell erzählt gewohnt abstrus und witzig in verschiedenen Handlungssträngen und Erzählperspektiven. Seine gleichbleibend originelle Qualität und seine skurrilen Figuren und schwarzhumorigen Dialoge sorgen für weit mehr als nur ein Schmunzeln. Rasant und abwechslungsreich sucht man hier vergeblich langweilige Wiederholungen, und kann trotzdem mögliche Wissenslücken aus den vorherigen Büchern schließen. Neben all den altbekannten Figuren, gibt es auch Neuzugänge, wobei für alle was dabei ist: vom ekelerregendem Kotzbrocken bis zu Herzen gehender Weihnachtsfreude in Person. Hier hat mich C. K. McDonnell positiv überraschen können, denn seine ernsten Töne sitzen ebenso treffsicher, wodurch «Ring The Bells», ganz im weihnachtlichen Sinne, auch etwas fürs Herz ist. Mit so einer emotionalen Achterbahn hätte ich jedenfalls nicht gerechnet, aber das Familienchaos eines Stranger-Times-Mitglieds beschert eben ein Weihnachtswunder der besonderen Art. Alles andere als normal nämlich! Wer die kleinen Details auf dem Cover entdeckt, wird sich auf die wunderlichen Gestalten freuen, die diesmal die Bühne betreten. Übersetzer André Mumot hat großartige Arbeit geleistet und «Ring The Bells» ist wieder ein wunderbares Lesevergnügen. Ein Ende noch nicht in Sicht!
Magische Süßigkeiten
Der Laden in der Mondlichtgasse von Hiyoko Kurisu
Nur Menschen, mit großen Sorgen, die ihr Leben in ein gefährliches Ungleichgewicht bringen, können das Jenseits betreten und den Weg zur Mondlichtgasse überhaupt sehen. Dort befindet sich die Confiserie Kohaku, die handgefertigte Süßigkeiten mit Zauberkräften verkauft. Der kauzige Inhaber ist der Fuchsgeist Kohaku, der Menschen für amüsante Kreaturen hält, die er studieren möchte.
Erst dachte ich, es würde sich nur um Kurzgeschichten handeln, aber das letzte Kapitel erzählt, wie es zur der „Confiserie Kohaku – lassen Sie sich von uns verzaubern!“ eigentlich kam und diese Geschichte mochte ich am liebsten, weil sie alles miteinander verbindet und ich gleich mehr über Kohaku wissen wollte. Fünf ganz unterschiedliche Menschen besuchen die Confiserie Kohaku und erzählen aus der Ich-Perspektive von ihren Erfahrungen. Dort kaufen sie sonderbares Naschwerk namens Wechselglück-Karamell, Offenherz-Kastanienmonaka oder einen Zauberschein-Liebesapfel, weil sie sich nach Liebe, Selbstbewusstsein, Ehrlichkeit oder Klarheit sehnen. So auch Chika, die gerade Mutter geworden ist und die Liebe ihres Mannes Itsuki vermisst, weil sich seit der Elternschaft vieles verändert hat. Alles Figuren mit glaubhaften Problemen, mit denen man sich identifizieren könnte. Umso wichtiger, dass klar wird, dass es nicht unbedingt Magie braucht, um Erkenntnis zu erlangen. Ein schönes Buch für zwischendurch, bei der mir die Idee mit Potenzial und die angenehme Erzählweise gefallen haben. Am liebsten mochte ich den Fuchsgeist Kohaku oder die Geschichte um den Zauberschein-Liebesapfel und Chikas wunderschönes Leuchten.
Knisterndes Chaos
Willow-Falls-Reihe, Band 2 - Stay With Me in Willow Falls von Greta Milán
Zu Paige Freundeskreis in in dem kleinen idyllischen Städtchen Willow Falls gehören auch Ahornfabrikinhaber Jared und Blumenladenbesitzerin Cassie - das Paar, um das es im ersten Band «Take Me Home to Willow Falls» ging. Nicht nur deshalb stellt sich beim Lesen schnell ein heimeliges Gefühl ein.
Die verschworene Clique und der Zusammenhalt sind mit das schönste an der Reihe. Auch die erste Szene enthielt bereits so viele berührende Willow Falls Vibes. Allerdings kann der zweite Band auch unabhängig vom ersten gelesen werden. Paige ist ähnlich liebreizend wie Cassie. In ihrer eigenen Holzwerkstatt namens Woody´s kann sie sich kreativ ausleben und auch sonst hat sie einen klugen, ehrlichen und sanftmütigen Charakter. Ihr Love interest ist Miles Chamberlain, der sich nur vorübergehend wieder in Willow Falls aufhält und damit alte Wunden aufreißt. Denn Paige, ihr Bruder Reese und sein ehemals bester Freund Miles haben eine schmerzhafte Erinnerung gemeinsam. Deshalb geht es in der Story auch um die Bruder-Schwester-Beziehung der beiden. Miles wird daraufhin in Willow Falls nicht freudig empfangen, denn diese eingeschworenen Gemeinschaft ist ziemlich nachtragend. Die Kapitel aus Miles Sicht lassen aber schnell darauf schließen, dass er diesen Groll nicht verdient hat und Paige verzweifelte Suche nach einer geeignet Partner bald vorbei sein wird. „Warum zur Hölle fand ich keinen netten, sympathischen Mann, der sich auch in mich verlieben konnte?“ Es ist eine romantische Geschichte über Schuldgefühle, Versöhnung, Vergebung, Freundschaft und die große Liebe. Ich hätte mir etwas mehr Humor gewünscht und ingesamt hat mir «Take Me Home to Willow Falls» besser gefallen - dort kam auch mehr Herbstatmosphäre auf. Am Ende wurde es mir zu langatmig und der dramatische Teil war mir zu gewollt und vorhersehbar, aber ich wurde über weite Strecken gut unterhalten und vergebe 3,5 Sterne. Was auch immer da zwischen Owen und Reese nach den vielen Andeutungen ist - es ist ziemlich offensichtlich, dass sich ein dritter Teil um die beiden anbahnt.
Ich habe es geliebt
Die Briefeschreiberin von Virginia Evans
Die 73-jährige Sybil van Antwerp gibt eine ganz hervorragende Hauptfigur ab, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen. Sie hat einen nicht ganz umgänglichen Charakter, ist streitlustig und eigenbrötlerisch, vor allem aber klug, nachdenklich und sie schreibt so galant formuliert, dass ich selbst gern Briefe von ihr erhalten würde.
Deshalb habe ich den Briefroman sehr genossen, zumal ich eine Faible für diese Literaturform habe.
„Schreiben fiel mir leichter als Sprechen. Das ist bis heute so geblieben.“
Wie ein Puzzle setzt die Autorin Virginia Evans das Bild von Sybil und ihrem Leben zusammen. Dabei weckt sie nicht ganz unabsichtlich die eigene Lust zum Briefeschreiben, da Sybil schwärmerisch das geschriebene Wort huldigt und viele gute Gründe aufzählt, die ich selbst an der „ursprünglichsten Formen des gesitteten Austauschs“ schätze.
Ich bin vom Hörbuch (ganz großartig gesprochen von Beate Himmelstoß) auf das Buch umgestiegen, da ich besser damit zurecht kam, die Briefe vorzublättern, um zu sehen, wer sie verfasst hat, wenn sie nicht von Sybil stammten. Über drei Jahre Korrespondenz - und es ist erstaunlich, wie viel man den Briefen und Mails entnehmen kann und wie gut diese Erzählweise funktioniert, die ganz ohne Szenen, Dialoge oder Begegnungen auskommt. An einigen Stellen hat mich Virginia Evans auch neugierig gemacht und eine angenehme Spannung erzeugt. Wer ist der anonyme Schreiber mit dem Kürzel DM, der Sybil zunehmend ängstigt? Dann ist da noch die drohende Blindheit und der damit verbundene Verlust ihrer bevorzugten Kontaktpflege. Dieser Satz lässt ahnen, wie sie damit umgeht: „Ich werde wohl eingehen wie ein Fisch, den man aus dem Teich gezogen und auf dem Steg in der prallen Sonne vergessen hat.“ Dann hat mich noch neugierig gemacht, wem Sybil die besonders tiefgründigen und ehrlichen Zeilen schreibt, die sie dann nicht abschickt. Es erweckt den Eindruck eines Tagebuchs und es gibt es auch Geheimnisse in ihrem Leben. Ganz besonders mochte ich allerdings die vertrauensvollen Briefe an ihren Adoptivbruder, den sie sehr schätzt und dessen Antworten von Humor gezeichnet sind. Auch ihre Vorliebe, Autoren zu schreiben, fand ich vorzüglich, weil es ihre Leseleidenschaft aufnimmt und ihre klugen Leseeindrücke eine Freude sind. Die Korrespondenzen sind vielfältig und zeigen viele Facetten. Mir wurde jedenfalls nicht langweilig. Die Avancen des Nachbarn haben mich schmunzeln lassen und all das zeigt vermutlich schon, wie sehr ich «Die Briefeschreiberin» geliebt habe. Ein Jahreshighlight für mich, dem ich eine große Leserschaft wünsche, die ganz besondere Bücher mit Herz und Humor entdecken möchte.
24-tägige Selbsterfahrungsreise
Rauhnächte - Reguliere dein Nervensystem und schaffe die Basis für persönliches Wachstum von Tanja Suppiger
„Denn nicht die Rauhnächte sind magisch, sondern unser Bewusstsein, mit dem wir sie durchschreiten […]: Sie bringt uns zurück in den Moment.“
Es liest sich wie eine verlockende Einladung, die meine Sehsucht nach einer wohlverdienten Pause und Rückverbindung noch verstärkt hat. Deswegen empfand ich das erste Drittel mit allen Grundlagen ansprechend und als gute Vorbereitung für die Umsetzung ab dem 8.
Dezember. Mehr über die Bedeutung der Wintersonnenwende zu erfahren oder die Speernächte, die als Rückblick und Vorbereitung für die Neuorientierung in den Rauhnächten genutzt werden können, war einen neue Ergänzung für mich, mit der ich mich noch nicht beschäftigt hatte.
Autorin Tanja Suppinger gelingt es gut, die Neugier auf diese 24-tägige Selbsterfahrungsreise zu wecken. Sie macht Lust auf Veränderung, ohne den Fokus auf Ziele zu setzten, sondern auf die bewusste Erfahrung. Diesen sanften Weg ohne Überforderung zu gehen, macht diesen Ratgeber so ideal für Hochsensible und Feinfühlige. Tanja Suppiger ist selbst hochsensibel und hilft in ihren Coachings anderen feinfühligen Menschen ihr volles Potenzial zu leben. Der Ratgeber ist leicht verständlich geschrieben, sehr informativ, wobei Wiederholungen genutzt werden, um die Basis zu vertiefen. Mit Körperprozessen, Ritualen, Reflexionsfragen und Impulsen hilft Tanja Suppiger dabei, dem Körper zuzuhören, zu erfassen, was einen blockiert und sich mit Präsenz und Mitgefühl zu begegnen, neugierig auf das, was sich zeigt.
Ich sehe das durchaus als Herausforderung, in der überreizten Vorweihnachtszeit meinem Nervensystem die Erholung zu schenken, die es dringend benötigt. Deswegen gefällt mir besonders, dass die Übungen einfach und alltagstauglich sind. Alles was ich benötige ist in diesem Buch, das zudem schön aufgemacht ist und viele stimmungsvolle Bilder enthält. Es ist sogar möglich, ein kostenloses Onlineangebot zu nutzen.
Meiner Meinung nach ist der Ratgeber für alle, die wieder ins Fühlen kommen wollen, egal ob hochsensibel oder nicht. Gerade für Einsteiger eignet es sich besonders gut als wiederkehrender Begleiter durch die Sperr- und Rauhnächte.
Spannender Fantasy-Agententhriller
Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso
Die folgenschwere Reichsprogromnacht lenkt das zukünftige Schicksal der noch 11-jährigen Lisavet aus Nürnberg in einen mystischen Zeitraum und ermöglicht eine elf Jahre spätere Begegnung mit dem CIA-Agenten und Zeithüter Ernest. Ein hochaktueller Roman, indem Erinnerungen Macht bedeuten und ihre Kontrolle die Wahrheit beeinflusst.
Es ist die Magie einer riesengroßen Bibliothek, die als Bewahrer menschlicher Erinnerung dient, mit der mich Hayley Gelfuso am meisten begeistern konnte. Lisavets Flucht und Bestehen in diesem mystischen Zeitraum hat eine ganz besondere Faszination und Beklemmung gehabt, die mich selbst Zeit und Raum vergessen ließ, während ich eintauchte. Diese eindrucksvolle Einstieg fesselte und berührte mich. Dazu ein poetischer Schreibstil, der mit sanfter Niedergeschlagenheit eine philosophische Tiefe bewirkt.
Die Entwicklung von Lisavet wird mit einer emotionalen Distanz geschrieben, die ich authentisch fand. Ein Kind, das so aufwächst und erst später die Welt sieht, die sie verlassen hat, ist von dieser Entfremdung geprägt. Hayley Gelfuso mischt die Genre und erschafft zunehmend etwas, was den anfänglichen Zauber vermissen lässt. Bezüglich Lisavet hat mich die Geschichte schließlich verloren, als ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar waren und diese Unstimmigkeit in ihrer Charakterdarstellung zu Widersprüchen führte. Das fand ich schade, aber das ist ein der wenigen Dinge, die mir nicht gefallen haben.
Die Erzählweise ist komplex gestaltet und erstreckt sich über verschiedenen Zeitebenen und Handlungsstränge. Das macht es zu einem anspruchsvollen Leseerlebnis, bei dem sich besonders das Ende lohnt.
Es ist ein Fantasyroman und historischer Agententhriller, der durchaus verstrickt und melancholisch ist, indem sich allerdings auch eine Liebesgeschichte entfaltet und politische Akzente gesetzt werden. Eine faszinierende Mischung mit aktuellen Bezügen, die mahnend nachwirken. Lesenswert, aber nichts für zwischendurch.











