Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Caroline :
Witzig, lustig, unterhaltsam und süß
A History of Us − Vom ersten Moment an von Jen DeLuca
Als Emilys Schwester April einen Autounfall schwerst verletzt übersteht und ihre Hilfe dringend braucht, erscheint Emily das fast wie eine Fügung des Schicksals. Nach einem persönlichen Tiefschlag muss sie sich und ihr Leben komplett neu ordnen.Angekommen in Willow Creek übernimmt sie sofort die Organisation von Aprils und deren 14jähriger Tochter Caits Terminen.
Zwischen Ärzten, Reha und Schulprojekten bleibt Emily nicht viel Zeit um über ihre Zukunft genauer nachzudenken. Mit dem jährlichen sommerlichen Renaissance Fest hat sie zwar nicht gerechnet, aber um ihrer Nichte zu einer Rolle zu verhelfen, meldet sie sich auch hier als freiwillige Helferin. Bei Simon, der Spaßbremse! Er organisiert das Fest seit einigen Jahren und das mit eiserner Hand! Jedes Kostüm, jeder Akzent muss sitzen. Emily kommt der Verdacht, dass Simon gar nicht aus seiner Haut schlüpfen kann. Da hat sie sich aber getäuscht. Denn Simon erscheint als wilder, dunkler Pirat, der gegen größere und stärkere Gegner kämpft und sich einem kurzen Moment einen Kuss von Emily stiehlt.
Auf dieses Buch habe ich schon gewartet, denn der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht und die Geschichte hat genau das gehalten, was sie versprochen hat. Witzige, spritzige Dialoge, ein mittelalterliches Setting mit modernen Momenten und Figuren, die man einfach lieb gewinnen muss. Ein rundherum gelungenes Buch und Lesetipp, für jene die das Genre mögen. Das beste am Ganzen? ACHTUNG SPOILER!! Die große Geste ... ich liebe sie. Band 2 ist schon auf meiner Wunschliste gelandet und erscheint im Juli bereits!! Juhu
Wow, absolute Leseempfehlung
Ein letzter erster Augenblick von Miller Holly
Würdest du wissen wollen, wie deine Zukunft aussieht? zB wann du Kinder bekommst, welche kleinere und größere Unfälle dir bevorstehen? Vielleicht könnte man diese auch vermeiden? Wie sieht es aus mit deinem Todesdatum?
Joel träumt von den Menschen, die er liebt. Während er schläft, sieht er in die Zukunft.
Manchmal nur ein paar Tage, dann wieder Wochen, Monate oder gar Jahre. Da er niemandem sagen will, dass er "in die Zukunft sehen kann" versucht er mit meist subtilen Mitteln - manchmal auch mit drastischen Methoden, wie zB zerschnittenen Autoreifen - die Dinge zum Positiven zu manipulieren. Eine riesige Verantwortung, die mit dem ultimativen Traum, über den Tod einer geliebten Person, kaum zu ertragen ist. Seine Konsequenz aus seiner Brüde: Abstand zu Menschen, Einsamkeit und vor allem keine Liebe. Das funktioniert auch einige Jahre recht gut, bis er auf Callie trifft.
An einem Tag in ihrem Café entscheidet sich Callies Zukunft. Joel trinkt seinen Kaffee, steht auf und geht, ohne zu zahlen. Als er seinen Irrtum bemerkt, kehrt er geknickt zurück und begleicht die Rechnung. Ab diesem Moment hofft Callie jeden Tag auf seinen Besuch. Seit ihre beste Freundin Grace bei einem Unfall gestorben ist, arbeitet sie in dem Café, um deren Traum weiterzuleben. Doch Callie liebt die Natur, will sich für sie einsetzen und auch ihr Studium nutzen. Ihre Loyalität zu Grace hindert sie, ihr Leben neu auszurichten. Bis sie Joel trifft.
Diese Geschichte war für mich eine emotionale Reise. Die Perspektive wechselt zwischen Joel und Callie hin und her. Zu Beginn wirkt Joel so einsam und melancholisch. Er erzählt, was seine Träume mit ihm gemacht haben, wie er sie erlebt. Callie dagegen versucht einen Tag nach dem anderen zu leben ohne ihre beste Freundin. Beide sind umgeben von einer Aura der Trauer.
Als sie sich treffen und immer mehr Zeit verbringen, verändert sich Atmosphäre. Die Erzählung wird blumiger, sonniger, heller und fröhlicher. Mit jedem Satz und jedem Kapitel verliebt man sich in Joel und Callie.
Dennoch bleibt diese große graue Wolke über den beiden hängen. Und irgendwann bricht sie und lässt Regen auf die zwei prasseln und das heftig.
Ein Buch, das mich während dem Lesen so bewegt hat, dass ich zwar wissen wollte, wie es weitergeht aber ich mich auch gefürchtet habe, weiterzulesen. Ihr kennt das bestimmt. Ein Gefühl, das in eurem Inneren zieht, wühlt und gräbt. Nach einigen Tagen Abstand erkläre ich das Buch zu einem Highlight. Es passt einfach alles. Der Schreibstil, die Erzählung, die Figuren, das Ende.
Aber als kleinen Tipp: lest euch den Klappentext durch und hört auf euer Gefühl.
Erwachsenwerden ist niemals leicht
Der Junge, der das Universum verschlang von Trent Dalton
"Bist du ein guter Mensch?"
Diese Frage stellt der 11jährige Eli Bell fast jedem, dem er begegnet und den er in seinem Leben aufnimmt. Allen voran Slim, einem verurteilen Mörder. Der einen Taxifahrer umgebracht haben soll. Der lange Jahre, Jahrzehnte im Gefängnis gesessen hat. Zwei Ausbruchsversuche unternahm, gefasst wurde und dafür wochenlang im Black Peter, in Einzelhaft überlebt hat.
Auch Lyle, jener Mann, der seine Mutter von den Drogen weg gebracht hat und den er liebt wie einen Vater. Ein Mann, der Drogengeschäfte macht, sich mit gefährlichen Menschen einlässt.
Die Frage stellt er auch seinem um 1 Jahr älteren Bruder August, der nicht mehr spricht, seit er sechs Jahre alt ist. Seine Antworten in die Luft schreibt, die Eli auch als fast einziger entziffern kann. Der Nachrichten ins Universum schreibt, die sich manchmal auch erst Jahre später als richtig erweisen. Wie der Satz: "Dein Ende ist ein toter blauer Zaunkönig"
Seinem biologischen Vater stellt er die Frage ebenso. Den er kaum kennt, an den ihn nur obskure Erinnerung binden.
Nur seine Mutter wird von dieser Frage verschont, denn er weiß, dass sie ein guter Mensch ist.
Eli Bell wächst in den 80iger Jahren in einem Vorort von Brisbane, Australien auf. Diese Viertel sind weit weg von der sogenannten normalen sicheren Welt. Hier regiert der Stärkere und das ist Eli ganz sicher nicht. Er sieht Gewalt und erfährt sie am eigenen Leib. In ihm steckt Unsicherheit und Wut, aber auch ganz viel Liebe, Verletzlichkeit und vor allem Menschlichkeit. Alle, die ihm begegnen und ihm wohlgesonnen sind, bestärken ihn in diesen wunderbaren Eigenschaften und gemeinsam mit seinem Bruder Gus, kämpft er um, die die er liebt. Sie sind breit ihr Leben zu opfern. Eli ist ein Beobachter, auch die Kleinigkeiten bemerkt er. Alter und Aussehen sind bei ihm allgegenwärtig. Fremde Menschen finden ihn eigenartig und manchmal zu weich für diese Gegend. Sie können die Kraft, die in ihm steckt nicht erkennen. Noch nicht!
Anfangs tat ich mir ein wenig schwer den Schreibstil zu akzeptieren und der Dramaturgie zu folgen. Oft beginnen Geschichten, die in die Vergangenheit führen und dann nochmals vergangene Ereignisse aufgreifen. Daran gewöhnt man sich jedoch schnell. Besonders witzig fand ich all die Marken- und Ortsnamen, die mir überhaupt nicht sagten. Eine Reise in ein (fast) unbekanntes Land, die mir unglaublich gut gefallen hat.
Für mich gibt es nur einen Kritikpunkt zu ein paar Figuren, die auftauchen und für eine gewisse Zeit sehr wichtig sind, aber ihr Schicksal bleibt unvollendet. Vielleicht bin ich auch zu neugierig.
Aber eines soll auch noch erwähnt werden: Jedes Kapitel besteht aus drei Wörtern, das erklärt sich auch noch :)
Ein Erzähler stellt Eli in den Mittelpunkt, aber sein Bruder August ist allgegenwärtig. Von ihm hängt ebenfalls Vieles ab. Er berät seinen Bruder, ist zu Stelle, wenn es mal brenzlig wird. Sein Leben und seine Traumata verarbeitet er auf seine eigene wunderbare Art. Dies sind zwei Charaktere, die ich niemals vergessen werden. Sie reihen sich nahtlos an: Liesel Meminger, Elenor Olipant, Yale Tishman, Renée und Paloma, Gretchen Sackmeier, Little Lord Fauntleroy
Ich möchte mich hier an dieser Stelle bei Netgalley und dem Verlag bedanken, dass dieses großartige Buch im Adventskalender dabei war. Sofort hat mich der Titel und der Klappentext interessiert und nun war auch der richtige Moment, um die Geschichte zu verschlingen.
Wundervoller Jugendroman über Verlust, Tod und Trauer - nicht nur für Jugendliche
All This Time - Lieben heißt unendlich sein von Mikki Daughtry; Rachael Lippincott
Der Abschlussball, ein denkwürdiger Abend, eine unerwartet Trennung und ein Unfall, der Kyles Freundin das Leben kostet. auf Grund seiner schweren Verletzungen kann Kyle nicht mal an Kimberlys Beerdigung teilnehmen.
Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, kehrt er in sein Elternhaus zurück, um irgendwie über diesen Verlust hinwegzukommen.
Aber selbst seiner Mutter, die als Witwe den furchtbaren Schmerz kennt, gelingt es kaum, ihn aus seiner Trauer herauszuholen.
Eines Tages jedoch begegnet er Marley, am Friedhof als er Kimberlys Grab besucht. Marley scheint ihn auf einer ganz wesentlichen Ebene zu verstehen. Manchmal sogar ohne Worte, denn sie spricht nicht viel. Dennoch gehören diese Gespräche, diese Begegnungen zu Kyles Highlights und ganz langsam beginnt er seine selbst gewählte Isolation aufzubrechen.
Was ich erwartet habe und was ich bekommen habe, überschneidet sich nur in einigen Einzelheiten. Denn das Buch ist so viel mehr als ein Jugendbuch über Trauer, Verlust und Neubeginn. Dazu noch eine Wendung, die ich nicht kommen sah. So stelle ich mir eine Geschichte vor, die mich noch lange begleiten wird.
Denn die Geschichte lebt durch die Charaktere, die dort beschrieben sind. Neben Kyle, aus dessen Sicht die Story erzählt wird, seine Freunde und vor allem seine Mutter, die ihm den Kopf wäscht wenn nötig und ihn dazu ermutigt seiner Trauer nachzugeben. Mit Marley rundet sich das Ensemble ab.
Ich weiß, das Autorenduo hat mit "Drei Schritte zu dir" bereits ein sehr erfolgreiches Buch veröffentlicht, und ich denke, es wird früher oder später auch gelesen werden. Dazu verfolge ich die zwei nun und hoffe, auf weitere Veröffentlichungen.
Eine grandiose Geschichte von zwei nicht mehr ganz so jungen Freundinnen
Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Geraghty Ciara
Anfangs verfiel ich dem Irrglauben, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt. Weshalb ich auf diesen Gedanken kam, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen.
Dieses Buch handelt von zwei Frauen, die beide die 50 Jahre bereits hinter sich gelassen haben. Sie lernten sich kennen, als sie nicht mehr ganz so jung waren, doch ihre Freundschaft entwickelte sich trotz großer Unterschiede unglaublich schnell und wurde sehr sehr eng.
Zufällig bemerkt Tess, dass Iris ihre Dinge zu Hause geordnet hat und sich auf dem Weg in die Schweiz macht, um dort ihrem Leben ein selbst bestimmtes Ende zu setzen. Tess ist entsetzt und macht sich sofort auf den Weg zum Hafen nach Dublin, um sie von ihrem Entschluss abzubringen. Jedoch ohne Erfolg. Trotz all ihrer Sorgen, ihrem Vater im Schlepptau springt Tess über ihren Schatten und begleitet ihre Freundin, um sie während dieser Tage umzustimmen.
Dieser Road Trip durch England und Frankreich entwickelt sich zu einer Reise, währenddessen Tess sich neu wenn auch nicht erfindet, aber neue Ideen und Gedanken zu lässt.
Was möchte ich noch über dieses Buch sagen, außer dass es von einer irischen Autorin geschrieben wurde. Normalerweise sind diese für Melancholie und Schwermut bekannt. Doch nichts davon ist hier zu bemerken. Ja, manchmal ist es traurig aber die Hoffnung und die Freude überwiegen.
Vielen Dank an den Verlag für das Leseexemplar, es war mir ein Fest es zu lesen.
Beeindruckend und intensiv
Jene Nacht ist unser Schatten von Amy Giles
Ein Jahr nach der Schießerei im "Balkony" geht das Leben einfach so weiter: die Schule, die Planung für den Abschlussball, die Footballsaison und der Alltag.
Aber für Jess und Lucas steht die Zeit fast still. Jeder Tag beginnt mit der Erinnerung an den Verlust, die Trauer und die Tage dazwischen.
Denn wie lange darf Trauer dauern? Wie lange sind die Mitmenschen in der Umgebung bereit, die traurigen Familienmitglieder zu ertragen? Ist es ihnen erlaubt, zu lachen, zu leben und vielleicht irgendwann wieder zu lieben?
Jess plant ihren Alltag ohne Unterstützung ihrer Mutter, die in ihrer Trauer und Depression versinkt. Scheinbar führt für sie kein Weg heraus. Jess muss sich nicht nur um ihre Mutter kümmern, sondern auch darum, dass Geld in die Haushaltskasse fliest und sie nimmt deshalb keinen Job nach der Schule in einem Baumarkt an. Dort trifft sie auf Lucas, der schon länger dort arbeitet. Sie kennen einander flüchtig aus der Schule, aber die verbindet ein großes Ereignis: sie haben ihre Brüder bei der Schießerei verloren.
Lucas lebt ganz anders als Jess. Wohlbehütet mit einer Mutter, die ihn am liebsten in Luftpolsterfolie wickeln würde, damit ihm ja nichts passiert. Doch Lucas erträgt diese Bemutterung nicht mehr und flieht regelmäßig, um sein Leben wieder zu ordnen. Als er Jess näher kennenlernt, erkennt er, dass sie den selben Schmerz, die Trauer in sich trägt. Sie erkennen einander ohne viele Worte zu verlieren.
Diese zwei Charaktere passen zu einander, aber nicht nur weil sie einen Schicksalsschlag teilen. Sie fühlen die Verbundenheit über dieses Ereignis hinaus. Eine zarte Verbindung entsteht und gemeinsam stellen sie sich ihren Ängsten, ihren Familien und dem Leben.
Was für ein außergewöhnlicher Roman. Er erinnert ein wenig an "alles still auf einmal". Sie teilen sich den Focus auf die Opfer und nicht auf den Täter oder die sinnlose Tat. Denn die Zeit danach, das Verarbeiten und das Weiterleben sind die beachtenswerten Themen. Deshalb ist diese Geschichte so wichtig und auch beachtenswert. Ein Buch nicht nur für Jugendliche sondern auch für Erwachsene, die verstehen wollen, wie Menschen jeden Alters mit solch einer furchtbaren Erinnerung fertig werden können.
Vielen Dank an das Bloggerportal und den Verlag für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch hat mich berührt und nachhaltig beeindruckt.
Ein Buch, das einen nicht mehr so schnell loslässt
Jene Nacht ist unser Schatten von Amy Giles
Hubertus Godeysen hat mit "Sommersturm" einen dokumentarischen Roman geschrieben. Erschienen ist es im CharlesVerlag (Vielen Dank für das Rezensionsexemplar)
Welche Erinnerungen habt ihr an den August/September 2015?
Ich weiß noch, dass ich mich auf meinen Honeymoon in Schottland gefreut habe.
Wir haben geplant und auf gutes Wetter gehofft.
Jedoch hat die Weltpolitik einen tiefen Eindruck hinterlassen:
Gekenterte Schiffe mit viel zu vielen Flüchtlingen an Bord.
Ein 3jähriger Junge, der ertrunken ist und an der türkischen Küste angespült wurde.
71 tote Flüchtling in einem kleinen LKW eingepfercht
Ein "March of Hope" von Budapest an die österreichische Grenze von ca 1300 Flüchtlingen unzählige Bilder von Menschen, am Ende ihrer Kräfte aber hoffnungsvoll auf ein friedliches Leben
In seinem Roman "Sommersturm" nimmt sich der Autor Hubertus Godeysen all dieser Erinnerungen an.
Mit der Definition eines "dokumentarischen Romans" konnte ich rein gar nichts anfangen. Ich befürchtete schon eine wissenschaftliche Aufzählung, eine spröde und harte Erzählung von Fakten und Daten.
Ich wurde positiv überrascht. Aus 3 verschiedenen Perspektiven werden die entscheidenden Tage im August/September 2015 geschildert.
Eine Gruppe von Flüchtlingen, die sich an der Küste der Türkei das erste Mal treffen, um gemeinsam den gefährlichen Weg in Richtung Europa auf sich nehmen.
Ein Bürgermeister einer 831 Seelengemeinde Norddeutschlands und ein paar Bewohner, die 60 Menschen aus fernen, fremden Ländern aufnehmen sollen.
Ein Mitarbeiter des deutschen Innenministeriums, der Kontakte zur EU und zu anderen Ländern herstellt, um dieser Situation Herr zu werden.
Der Zusatz "Dokumentarischer Roman" hat mich anfangs ein wenig abgeschreckt. Denn die Möglichkeit bestand, dass die Geschichte zu wissenschaftlich, zu spröde oder gar zu aufzählerisch beschrieben wird.
Doch ich kann hier an dieser Stelle alle beruhigen. Der Schreibstil ist nicht kompliziert oder gar lehrerhaft. Mit sehr viel Empathie für alle Seiten schafft es der Autor einen Zeitraum in Erinnerung zu rufen, der in vielen Menschen viele manchmal gar extreme Emotionen hervorgerufen hat. Von starkem Hass zu absoluter Hingabe war damals alles dabei und Hubertus Godeysen wird dem gerecht, indem er auch die Schattenseiten erwähnt.
Wer sich dem Thema "Flucht" widmen möchte, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Es überfordert einen nicht. Eine gute Möglichkeit sich diesem Thema erstmals zu widmen, sich langsam heranzutasten und sich anschließend noch näher damit zu beschäftigen und zu lernen
Welche Entscheidungen bereust du?
Die Mitternachtsbibliothek Roman. Gebunden. von Haig Matt
Nach einen Selbstmordversuch landet Nora in einer Zwischenwelt der besonderen Art. In der Mitternachtsbibliothek ist es immer 0:00:00 und auf den unendlich langen Regalen stehen unzählige Bücher. Bücher mit Lebensgeschichten, den verpassten Chancen, den entscheidenden Momenten und all den versäumten Möglichkeiten.
Dort trifft sie auf Mrs. Elm, die ehemalige Bibliothekarin ihrer Schule. Mrs. Elm zeigt ihr auch "Das Buch des Bereuens" mit all den besonderen Augenblicken, die Nora jetzt als verpasste oder gar versäumte Momente identifiziert.
Mrs. Elm gibt ihr die Chance andere Leben "anzuprobieren". Nora kann in alternative Leben schlüpfen, um zu sehen und auch zu fühlen, wie sich diese anfühlen.
Matt Haig gehört für mich seit "Wie man die Zeit anhält" zu den großen denkwürdigen Autoren. Seine Sicht auf die Zeit im Allgemeinen hat mich damals schon beeindruckt. Mit seinem neuen Buch "Die Mitternachtsbibliothek" zeigt er wieder ein Gespür für Menschen in seelischer Not. Denn Nora Seeds will ihrem Leben ein Ende setzen. Sie schluckt Tabletten und findet sich in ihrer persönlichen Bibliothek wieder. Ihre oftmals schmerzliche Wanderung zwischen den verschiedenen Leben entspricht fast einer langjährigen Therapie. Sitzung für Sitzung analysiert man Entscheidungen, bereut manche. Doch welche waren für den Lebensweg so entscheidend, dass Nora ihr Leben beenden möchte.
Da Matt Haig selbst unter Depressionen leidet und mit dieser Erkrankung sehr offensiv um geht, kann ich diesem Buch weit mehr als nur eine kleine nette Geschichte entnehmen. Sie zeigt, wie entsetzlich das Leiden von Menschen mit Depression ist, welche Leidensfähigkeit jede Person jedoch hat und wenn der Moment der finalen, endgültigen Entscheidung gekommen ist, braucht es Mut nochmals einen Schritt weiterzugehen, um um Hilfe zu bitten.
Matt Haig streut gekonnt Krümel und nicht zuletzt benennt er seine Heldin Nora Seeds (Samen), um diesen zu streuen und hoffentlich auch aufgehen zu lassen.
Eine deutsch/französische Geschichte
Klaras Schweigen von Bettina Storks
Das Nachkriegsdeutschland ist zwischen den USA, UdSSR, England und Frankreich aufgeteilt. Beziehungen zwischen den ehemaligen Feinden werden ungern gesehen.
Aber vor allem das Zusammenleben zwischen Deutschen und Franzosen gestaltet sich schwierig. Der Hass, der Neid und die Schuld gären ständig unter der Oberfläche.
"Die Franzosen" sind in deutschen Familien nicht gerne gesehen. Frauen, die sich mit französischen Soldaten einlassen, werden schnell und oft beschimpft und nicht selten von in ihren Familien ausgeschlossen.
Klara lernt Pascal kennen, als sie in einem französischen Economat arbeitet. Ein Supermarkt, der nur für Franzosen geöffnet ist. Mit ihm verbringt sie wundervolle Monate, bis Pascal von einem Tag auf den anderen verschwindet und Klara traurig zurücklässt.
Über 70 Jahre später erleidet Klara einen Schlaganfall und verliert vorübergehend die Sprache. Als sie ihre ersten Worte wieder spricht, klingen diese zwar sehr verwaschen aber eindeutig französisch. Ihre Enkelin Miriam ist verblüfft, denn ihre Oma hat immer bestritten, eine Fremdsprache zu können. Um ihrer Oma weitere Reize zu geben, sucht sie in deren Wohnung nach Erinnerungsstücken und findet dabei Papiere. So beginnt eine persönliche Reise mit Blick auf historische Ereignisse.
Dies ist mein drittes Buch der Autorin. Vielen Dank an sie und den Verlag für das Rezensionsexemplar. Es hat mich aus einer kleinen Leseflaute geholt.
Ich will gar nicht so viel über die Geschichte selbst erzählen, aber ich sage euch, warum es mir gefallen hat:
Mein Opa (den ich leider nicht kennengelernt habe) war Soldat und von 1951 bis Ende 1952 Besatzungssoldat in Tirol, genauer gesagt in Innsbruck. Seine Familie, sprich meine Großmutter, meine Mutter und die drei restlichen Geschwister, begleitete ihn. Meine Mama hat nicht ganz viele Erinnerungen an diese Zeit, sie war noch recht jung. Aber sie wollte immer zurück nach Tirol. Das hat sie schließlich auch gemacht und meinen Papa geheiratet. Somit schließt sich der Kreis in meiner Familie.
Ich habe nun mal in den alten Fotos gekramt und einige Bilder gefunden, auf denen mein Opa in Uniform in der Innenstadt posiert. Auch meine Oma, meine Mama und meine Onkel und Tante sind verewigt.
Wenn ich auch hier nicht die Seite der "Besiegten" zeige, waren auch die Besatzungssoldaten normale Menschen, mit Frauen und Kindern. Natürlich gab es auch keine langwährende Feindschaft zwischen Österreichern und Franzosen. Diese Beziehung war sehr viel komplizierter. Deshalb mochte ich die Geschichte gerne. Sie erzählt vom Leben, von Liebe, von Träumen, Schuld, Vergebung, Herkunft und Familie.
Bettina Storks schreibt mit Liebe zum Detail. Ihre Figuren stecken voller Leben, handeln manchmal auch ein wenig übertrieben, aber niemals komplett an der Realität vorbei. sie machen Fehler, bereuen Dinge. Das sind Charaktere, über die ich gerne lese, mit denen ihr mit fiebere und leide.
Mit jeden Buch erfüll die Autorin meine Erwartungen. Setzt neue Maßstäbe und selbstverständlich mag ich Frankreich als Schauplatz. Absolute Leseempfehlung für Fans des historischen Genres aus dem 20. Jahrhunderts.
Eine sehr amerikanische Geschichte
Die Bücherfrauen von Romalyn Tilghman
Angelina fährt nach New Hope, um dort endlich ihre Dissertation zu beenden. Sie macht sie auf die Spuren ihrer Großmutter, die wesentlich zur Errichtung der Bibliothek beigetragen hat.
Traci erschleicht sich einen Job, um das Kulturzentrum in New Hope zu retten. Ihre künstlerische Begabung soll sie an die Bewohner des Ortes in diversen Kursen weitergeben.
Gayle sitzt in New Hope fest. Der Tornado hat ihre Heimat Prairie bist auf die Fassade der Bibliothek komplett zerstört. Nichts ist ihr mehr geblieben, außer den Erinnerungen in ihrem Kopf.
Drei Frau, die nicht unterschiedlicher sein könnten, treffen sich in New Hope, um festzustellen, dass Anfänge jederzeit wieder möglich sind.
Danke an Lovelybooks und den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ich muss gestehen, dass der Titel und der Klappentext meine Erwartungen recht in die Höhe trieb. Die Geschichte versprach, eine Reise mitten in die USA zu drei Frauen. Die Leidenschaft zu Büchern eint die unterschiedlichen Frauen.
Jedoch dreht sich die Geschichte in eine andere Richtung. Deshalb möchte ich gleich anmerken:
Schraubt eure Erwartungen herunter. Lasst euch auf die Story unvoreingenommen ein. Denn die Erzählung befasst sich mit den drei Frauen und auch mit Büchern, aber in einem etwas anderen Zusammenhang.
Nachdem mir klar wurde, dass das Buch anders ist, habe ich alle Erwartungen abgeschüttelt und einfach gelesen. Ja, die Sprache ist eher einfach gehalten. Ja, die Handlung manches Mal vorhersehbar. Ja auch mir waren es am Ende ein, zwei Zufälle zu viel.
Aber dennoch konnte ich der Handlung eines positives abgewinnen: Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts noch nicht wählen durften, aber viele Büchereien aufgebaut haben. Frauen, die gemeinsam Krisen umschifften und Frauen, die trotz großer Unterschiede zusammenhalten.
Das Buch ist eindeutig sehr amerikanisch. Diese Kleinstädte in der sich Gruppen zusammenfinden, um wöchentlich zu quillten, zu nähen und um über die Organisation von Wohltätigkeitsveranstaltungen zu sprechen. Dies gab mir einen kleinen Einblick in dieses amerikanische Leben, das so weit verbreitet ist.
Kurzweilig, einfach, lustig und auch lehrreich sind die Worte, die mir spontan dazu einfallen.










