Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Caroline :
Eine globale Krise, die die Gesellschaft spaltet. Unmöglich?
Der letzte Weg von Eve Smith
Stell dir vor du hast eine Entzündung und kaum ein Medikament hilft mehr. Stell dir noch dazu vor, du bist über 70 und bekommst überhaupt keine Antibiotika mehr. Ein Harnwegsinfekt oder eine entzündete kleine Wunde führen zum Tod.
So ist die Ausgangssituation in Eve Smiths neuem Roman "Der letzte Weg".
Nachdem die Medikamente knapp werden und Antibiotika ihre Wirkung verlieren, greifen die Regierungen zu drastischen Maßnahmen.
Kate, die als Krankenschwester eigentlich Menschen pflegen soll, damit sie wieder gesund werden, sieht sich nun mit einer neuen Realität konfrontiert, in der sie Patienten auf ihrem letzten Weg begleiten soll.
Lily wohnt in einem luxuriösem Seniorenheim und steht kurz vor ihrem 70. Geburtstag. Kein Tag, den sie herbei sehnt. Ihr ist klar, dass selbst die kleinste Krankheit ihren Tod bedeuten kann.
Mein Fazit:
Was für ein brandaktueller Roman und vor allem, wenn man bedenkt, dass die Autorin die Geschichte noch vor der Pandemie geschrieben hat.
Sie führt Wissenschaftler ins Feld, die vor einer Gefahr warnen, aber sie werden nicht gehört. Kommt uns das bekannt vor?
Die Regierungen der Welt stellen sich vor die Kameras, um die Bevölkerung zu beschwichtigen. Die Angst geht um und die Gesellschaft wird gespalten.
Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Denn die Gefahren, die hier aufgezählt werden, sind nicht fiktiv. Antibiotikaresistenz ist ein Wort, das wir in Zukunft häufiger hören werden als uns lieb ist.
Eve Smith, eine Autorin die ich mir unbedingt merken werde, denn sie reiht sich mit ihren Geschichten zu Autor*innen ein, wie John Marrs, Andreas Eschbach, Mark Elsberg oder Frank Schätzing.
"Der letzte Weg" mein erstes Highlight im Jahr 2022. Ein Lesetipp!
Wenig Spannung, keine Interaktion und zu viele Wiederholungen
Das Haus der Libellen von Emma Behrens
Der Brief ihrer Jugendfreundin Emilia bringt Sophie wieder zurück in die große Villa, die einst ihr zweites zu Hause war. Emilia, Noah und Sophie ein Kleeblatt, das lange zusammenhielt aber dann plötzlich brach. Noah verschwand damals so plötzlich, wie auch jetzt nach dem überraschenden Tod der Eltern.
Emilia hat sich fast völlig in sich zurück gezogen und Sophie braucht unheimlich viel Energie, um irgendwelche Informationen zu erhalten.
Die Erinnerungen, die sie an die gemeinsame Zeit in Ehren hält, drohen sie zu erdrücken, denn Sophie ist nicht bereit, sie loszulassen und ihr Leben endlich neu zu beginnen.
Mein Fazit:
Eigentlich war die Kombination aus Titel, Cover und Klappentext ein Garant für gute Lesestunden, doch leider hat mich die Geschichte wirklich zutiefst enttäuscht. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt und ich konnte diese auch nicht während des Lesens ändern. Normalerweise gelingt mir das gut, aber hier gab es mehrere Faktoren, die mir das Lesen schwer gemacht haben:
Die drei Hauptfiguren waren mir unsympathisch und ich hatte überhaupt keinen Zugang zu ihnen.
Die Zeitsprünge waren zu abrupt und machten für mich wenig Sinn. Diese kleinen Einblicke in die Vergangenheit hatten keinen Einfluss auf meine Einstellung zu den Protagonisten. Im Gegenteil, die Beziehung der drei empfand ich als recht gefährlich und geradezu toxisch.
Dazu kamen noch die Längen durch die Wiederholungen. Es gab weder Schwung noch Spannung. Mir fehlte die Interaktion zwischen Sophie und Emilia, die als einzige zumindest eine interessante Persönlichkeit hatte. Sie lebte ihr unkonventionelles Leben, zog all ihre Entscheidungen konsequent durch, gegen alle Widerstände und das fand ich bewundernswert.
Ich bin echt traurig, dass mich die Geschichte überhaupt nicht abholen konnte.
Historischer Roman mit ungewöhnlichen Themen
Unser Weg nach morgen von Jana Voosen
Groß, blond, blauäugig und deutsch - dies trifft alles auf Lilo zu. Sie wächst in den 1930n in Hamburg in einer parteitreuen Familie auf. Ihre drei Brüder sind in der HJ und sie selbst im BDM. Über die Jahre hinweg kommen Freunde ins Haus, so auch Ludwig, ein guter Freund einer ihrer Brüder doch plötzlich bricht der Kontakt ab und Lilo sieht ihn kaum mehr, denkt aber sehr oft an ihn.
Zufällig treffen sie sich wieder und Ludwig lädt Lilo zu einem besonderen Tanzabend ein. Die Swing Kids widersetzen sich dem Druck des Naziregimes. Sie kleiden sich freizügiger, lassen sich die Haare wachsen und vor allem tanzen sie zu sogenannter "Negermusik". Da sie überwacht werden, ist es nur eine Frage der Zeit bis auch Ludwig und Lilo in die Hände der SS fallen.
2019: Nele übernimmt die Buchhandlung ihres Vater, sein Traum, den sie nicht einfach so loslassen will. Doch die Konkurrenz ist groß und die Umsätze halten sich in Grenzen. Bei einer ihrer Lieferungen trifft sie eine alte Dame, die ihr ein Manuskript überreicht, in dem die Geschichte ihrer Mutter aufgeschrieben ist. Nele lässt sich auf diese Geschichte ein und erfährt nicht nur vom Alltag unter dem Hakenkreuz sondern lernt auch so einiges über sich und ihr Leben.
Mein Fazit:
Bereits "Für immer die Deine" von Jana Voosen konnte mich sehr begeistern. Mit diesem Buch hat sie ein weiteres sehr interessantes Thema aufgegriffen. Die Swing Kids sind heute fast vergessen. Ihrem zivilen Ungehorsam wurde nach Beginn des Zweiten Weltkrieg ein Riegel vorgeschoben, aber im Untergrund trafen sich die Jugendlichen weiter, bis die Versammlungen aufflogen und die Teilnehmer verhaftet wurden.
Mit Ludwig hat die Autorin einen speziellen Charakter erschaffen. Sein Charme und sein gutes Aussehen lassen Lilo alle Regeln über Bord werden. Sie, die ein Paradebeispiel für Deutschtum ist, lässt sich auf die wilde Musik ein, ohne jedoch ein politisches Statement dahinter zu sehen. Sie ist verliebt und genießt diese aufregende Zeit. Zwei junge Menschen, die zueinanderfinden, um getrennt zu werden.
Dazu gibt es noch ein weiteres sehr spezielles Thema in dem Buch über die NS Regeln und Vorgehensweisen. Die Erzählung in der Vergangenheit hat mich ungemein interessiert.
Auch die Geschichte rund um Nele war fesselnd, wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Nele lebt ein Leben auf Wartetaste. Sie hat sich in einem Leben eingerichtet, das von ihrem Vater geprägt ist. Ihr Herz schmerzt noch und ich hätte sie so gerne in den Arm genommen. Ihre Einsamkeit war so heftig zu spüren. Eine außergewöhnliche Figur, die ich sehr mochte.
Auf jeden Fall ein Lesetipp, wer auch schon "Für immer die Deine" gut fand, wird hier nochmals fündig werden.
Eine Geschichte, wie ein glatt geschliffener Stein
Spiel der Zeit von Jeffrey Archer
Harry Clifton wächst als Einzelkind bei seiner Mutter, seinem Onkel und seinen Großeltern unter ärmlichen Verhältnissen in Bristol auf. Sein Gesangstalent bringt ihn auf eine bessere Schule und er begreift schnell, dass Bildung ihn aus seinem bescheidenen Leben befreien kann. Als er auf eine höhere Schule kommt, lernt er zwei gleichaltrige Jungen kennen, die ihm gute Freunde werden.
Giles, Sohn aus gutem Hause, in dessen Schwester Emma er sich verliebt.
Die Familien Clifton und Barrington sind jedoch enger in einander verwoben, als hinlänglich bekannt und als der 2. Weltkrieg beginnt, trennen sich die Wege.
Mein Fazit:
Eine mitreißende Geschichte aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt, zeitlich überlappend mit vielen Handlungssträngen, die sich im Laufe der Story erklären. Das fand ich sehr gelungen. Dem Autor gelingt es die Spannung mit seinem Erzählstil zu halten, auch wenn einige Wendungen schon im Vorfeld zu erkennen sind. Auch mit der letzten Entscheidung Harrys konnte er mich nicht wirklich überraschen, aber das hat mich nicht gestört.
Nun komme ich allerdings zum großen Manko: Die Figurenentwicklung und die Verteilung der Charaktere. Es läuft einfach alles ein wenig zu glatt, zu samtartig. Es gab keine Ecken und Kanten. Die Figuren waren entweder sehr gut oder böse. Wobei es da nur eine Figur gab, die den Schwarzen Peter zugeschoben bekam.
Insgesamt ist die Geschichte wie ein Stein, der über die Jahre mittels Wasser glatt geschliffen wurde und sich gut anfühlt. Es liest sich angenehm und die Erwartungen werden erfüllt, ohne auch nur kurz in Gefahr zu sein, gekippt zu werden.
Ein solides Buch mit Potential und ich werde mir Teil 2 auf jeden Fall auch noch holen, um zu sehen, wie sich die Figuren und die Geschichte weiterentwickelt. Somit hat der Autor doch einiges richtig gemacht.
Wie gut kennst du deinen Vater? Könnte er ein Mörder sein?
Perfect Day von Romy Hausmann
Es klopft an der Tür, leider ist es nicht der erwartete Pizzalieferant sondern die Polizei. Ein Sondereinsatzkommando stürmt das Haus und verhaftet Anns Vater. Er steht im Verdacht 10 Kinder ermordet zu haben. Er soll der berüchtigte Rote Schleifen Mörder sein. Seit über 10 Jahren verschwinden Mädchen.
Tage später werden sie tot im Wald entdeckt.
Ann steht vor den Scherben ihres Lebens. Sie unterbricht ihr Studium, um unentdeckt zu bleiben. Denn die journalistische Meute wartet bereits auf Neuigkeiten rund um das mordende Monster und natürlich auch von Ann, die Tochter, der doch auffallen hätte müssen, dass ihr Vater eine Bestie ist.
Sie glaubt unerschütterlich an die Unschuld ihres Vater, der ihr ein liebevoller und fürsorglicher Vater war. Sie gräbt tiefer, um den richtigen Täter zu finden. Als auch noch ein weiteres Kind vermisst wird, macht Ann sie auf den Weg in diesen einsamen Ort, um dort den Mörder "auf frischer Tat" zu erwischen.
Mein Fazit:
Ich sitze an meinem PC und überlege, wie ich das Buch bewerten bzw. beschreiben soll. Was habe ich mir nach dem Lesen vom Klappentext erwartet und was habe ich bekommen? Stimmt das in meinem Kopf überein? Nein, eindeutig nicht. Bin ich deshalb enttäuscht? Nein, eindeutig auch nicht.
Ich bin an die Geschichte voller Spannung heran gegangen. Schließlich kenne ich ja schon "Liebes Kind" (für mich ein Highlight) und "Marta schläft" (nicht ganz so gut) und wusste, dass die Autorin ein Händchen für gute Stories hat.
Ich lese ja nicht so viele Thriller wie früher aber ich finde auch, dass sich das Genre über die Jahre hinweg stark verändert hat und die Effekthascherei oft Überhand nimmt. Romy Hausmann verzichtet zum großen Teil auf ausufernde Beschreibungen von grausigen Szenen. Sie spielt auf einem ganz anderen Niveau und kommt damit in meinem Kopf an Stellen heran, die sehr selten berührt werden.
Die Geschichte rund um die toten Mädchen wird erzählt, aber nicht in allen Details. Die volle Konzentration liegt auf Ann. Eine junge Frau in ihren 20ern, die mit einer Tatsache konfrontiert wird, die sie nicht einmal ansatzweise verarbeiten oder auch nur akzeptieren kann. Das Bild, welches nun von ihrem beschuldigten Vater in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, passt so überhaupt nicht mit ihrem Bild zusammen. Genau da setzt die Geschichte an. Ann erzählt aus ihrer Vergangenheit, ihre Erlebnisse mit ihrem Vater, der nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrer Bezugsperson wurde und der diese Aufgabe mit Bravour gemeistert hat. Als Leser begleiten wir Ann, wie sie sich auf die Suche macht nach Hinweisen. Aber auch wie sie sich vor den Journalisten versteckt, weil sie ahnt, dass die Meute ihr absolut nicht Gutes will. So sitzen wir also fest und gehen mit Ann auf die Jagd nach Hinweisen. Dazu aber noch dieses nagende Gefühl und die Sorge um ihren Vater. Ein Gedankenspiel, das mir hochspannende Lesestunden beschert hat. Ein Pageturner, denn neben Anns Blickwinkel gibt es noch kleine Einblicke in einen anderen Geist.
Insgesamt eine Geschichte, die mich gepackt hat. Die mich gefordert hat, mir selbst Fragen zu stellen, wie ich in Anns Situation reagieren würde. Somit ein Lesetipp!
Anfangs richtig gut, mit der zweiten Hälfte hat mich die Story verloren
All You Wish For von Samantha Young
Nach einem weiteren enttäuschenden Date, einer nicht erhaltenen Beförderung hat Evie die Nase voll und sucht nach einem kurzen Ausweg, einem Urlaub von ihrem Lebenin Chicago und findet die Anzeige eines kleinen Buchladen "Much Ado About Books". Für zwei Wochen darf sie in dem winzigen Ort Alnster die Buchhandlung übernehmen und ihrer Leidenschaft für Bücher nachgehen.
Sie überlegt nicht lange, bucht die Flüge und den Laden.
Ihr zeitweiliges neues Zuhause übertrifft all ihre Erwartungen. Die Bewohner nehmen sie sehr freundlich auf und obwohl sie den Männern für einige Zeit keinen Raum mehr einräumen wollte, zieht Roane ihre Aufmerksamkeit auf sich. Seine Freundlichkeit und offene Liebenswürdigkeit lässt Evie jedoch eine enge Freundschaft zu ihm aufbauen. Denn wahre Liebe gibt es nicht und wenn, dann entsteht sie nicht innerhalb von einigen Tagen oder?
Mein Eindruck:
Mein Buchherz war sehr angetan von der Ausgangssituation. Für einige Zeit einen kleinen Buchladen an der Küste Englands (besser wäre noch Schottland) zu übernehmen und viele neue Menschen kennenzulernen, hört sich nach einem wahrgewordenen Traum an. Das kam auch in der ersten Hälfte der Geschichte sehr gut rüber. Evie hat eine so wundervolle Persönlichkeit, die es schafft in anderen Frauen Selbstachtung und Selbstrespekt zu wecken. Ein Aspekt, den ich sehr gut fand.
Jedoch nahm die Story einige Wendungen, die in einem schrägen und völlig überzogenen Ende, gipfelten. Evies Reaktion auf eine Enthüllung konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Sie entscheidet so spontan und unüberlegt, dass ich nur noch Kopfschütteln konnte. Sie, die vielen in diesem Dorf Wege zur Problemlösung aufgezeigt hat. Probleme, die seit Jahren in der Gemeinde schwelen. Auch so ein Punkt, der mich gestört hat. Da muss eine Amerikanerin kommen, um Probleme zu lösen. Jaja, ein neuer Blick kann eine neue Ansicht geben.
Dazu gesellt sich auch der recht einfache Schreibstil. Liegt es an der Übersetzung? Denn bisher hatte ich niemals das Gefühl, dass die Autorin kurze einfache Sätze nur so aneinander reiht.
Ein gelungenes und furioses Ende - oder kommt da noch was?
Ein Schwur so mutig und schwer von Brigid Kemmerer
WICHTIGER HINWEIS:
Das ist der dritte Teil der Emberfall Reihe und sollte nur in der richtigen Reihenfolge gelesen werden.
Was für ein grandioses und gelungenes Ende. Wobei das ja gar nicht stimmt, es wird soweit ich informiert bin mindestens ein weiteres Buch geben.
Um nichts vom Inhalt zu verraten, möchte ich mich hier nur kurz zu den bereits bekannten Figuren äußern, denn aus vier verschiedenen Perspektiven wird die Geschichte erzählt.
Rhen, der mögliche Thronfolger voller Selbstzweifel, aber mit tiefer Liebe zu
Harper, die ebenfalls Probleme mit ihrer Situation hat.
Grey, der eine unglaubliche Entwicklung durchmacht
Lia Mara, die mich phasenweise sehr beeindruckt hat.
Die Story an sich hatte etwas von einem Schachspiel. Psychologie spielt eine große Rolle und auch die strategischen Züge waren nicht zu verachten.
Eine Jugendfantasy-Reihe, die mich sehr gut unterhalten hat.
Tolle Ausgangssituation, jedoch nicht ganz ausgenutzt
Reality Show von Anne Freytag
24. Dezember Stille Nacht Heilige Nacht
Der idyllische Abend normalerweise untermalt mit typischen TV Sendungen, wird jäh unterbrochen, als auf allen Sendern die gleiche Show übertragen wird.
Eine „Reality Show“ mit Menschen, die hinter den Kulissen von Politik und Wirtschaft die Strippen ziehen, so ein Vermögen machen, ohne sich um die Folgen für Menschen und Umwelt zu kümmern.
Nun scheint die Stunde der Gerechtigkeit gekommen zu sein. Die Zuschauer dürfen die Höhe der Strafe bestimmen, in dem sie sich registrieren und es winken unglaubliche Gewinne.
Ein sympathischer Moderator präsentiert die 10 Teilnehmer und auch ihren Werdegang mit ihren Verfehlungen.
Doch wer steckt hinter dieser Show? Warum wird sie auf allen Kanälen gesendet? Wer hat die Kandidaten ausgewählt? Viele unbeantwortete Fragen und eine Sendung ….
Mein Fazit:
Wie ich finde, hat die Geschichte eine echt tolle und sehr spannende Ausgangssituation. 10 Menschen im Focus der Öffentlichkeit, denen Moral und Skrupel scheinbar abhandengekommen sind, die das Gesetz für sich ausgehobelt haben und ungestraft ihren Machenschaften nachgehen können. Nun ist es an der Zeit, sie zu bestrafen. Doch wer entscheidet über das Strafmaß und auf Grund welcher Beweise? Es wird auf jeden Fall die Voyeuristische Ader des Menschen angesprochen. Neugier, Neid und Rache sind Themen, die in diesem Buch thematisiert werden und damit muss sich jeder selbst an die Nase fassen, wie man damit umgeht.
Um auch die Leser:innen zu verwirren, sind die Kapitel recht kurz und knackig, dazu noch der rasante Perspektiven- und Zeitpunktwechsel. Deshalb hier mein Rat: nicht zu schnell zu lesen sondern sich Zeit lassen und am Beginn des Kapitels sich zu sammeln und gut zu überlegen, wer erzählt hier und auch wann.
Auf Grund der vielen Akteure in dieser Geschichte, viel es mir schwer mich auf die Hauptstory zu fokussieren. Ich denke allerdings, dass dies so gewollt ist. Dazu hätte ich doch noch mehr über die 10 Teilnehmer an der Show erfahren.
Das Buch hat ein gewisses Suchtpotenzial und erfüllt manche Erwartung, aber der Showdown am Ende war für mich ein wenig zu überhastet erklärt. Ich hätte es fast überlesen. Da fand ich das Ende von „Aus schwarzem Wasser“ echt genial und so passend. (Ja ich weiß, viele mögen das Ende hier gar nicht.)
Ein wundervoller historischer Roman mit neuen Einblicken
Die Stunde zwischen Nacht und Morgen von Priska Lo Cascio
1946: die Schweiz scheinbar unberührt vom 2. Weltkrieg schwelgt immer noch in der Neutralität des Landes, doch es finden sie jede Menge Menschen, die sich in das zerbombte Deutschland trauen. Die Schweizer Spende sucht engagierte Frauen und Männer, die ihre Arbeitskraft in ein soziales Projekt stecken, um vor Ort effektiv zu helfen.
Eli Wipf meldet sich gegen den Widerstand ihrer Eltern und ihres Verlobten als Helferin und landet in Köln, wo scheinbar kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Die Versorgungslage ist entsetzlich, es fehlt an allen Ecken und Enden. Lebensmittel sind rationiert, Medikamente kaum zu bekommen und die Bildgänger verschärfen die Situation noch zusätzlich.
Doch in Mitten dieses Chaos stehen Eli und ihre Mitstreiterinnen. Sie helfen Müttern mit Kleinkindern, eröffnen eine Kinderstätte mit Suppenküche und versuchen auch den englischen Besatzern Zugeständnisse abzuringen. Manchmal dringen auch vereinzelte rare Sonnenstrahlen in die Düsternis und für Mattes, einer der versorgen Jugendlichen geht ein Traum in Erfüllung. Sein älterer Bruder Helmut konnte aus der Kriegsgefangenschaft fliehen.
Dieser ehemalige Soldat, der so viel erlebt hat, schleicht sich vorsichtig und zaghaft in Elis Herz. Denn seine Erlebnisse haben ihn wachsam und misstrauisch gemacht, aber um seinen kleinen Bruder, der an Tuberkulose erkrankt, würde er alles tun.
Mein Fazit:
Ein weiteres Kapitel der Nachkriegszeit, über das ich nicht viel wusste bzw. ich hatte keine Ahnung, dass es die "Schweizer Spende" gab. Eine Organisation, die in vielen deutschen Städten aktiv war, um in den ersten Jahren nach Kriegsende zu helfen.
Die Lebensumstände in den Großstädten war furchtbar. In den ersten furchtbar strengen Wintern starben unzählige Menschen an Hunger, Erfrierungen und Krankheiten, die auf Grund des Medikamentenmangels ausbrachen.
Hier wird das thematisiert und auch das Verhältnis zwischen Deutschen und Besatzern, argwöhnisch beobachteten sich die Seiten und erst ganz langsam konnte sich Vertrauen aufbauen.
Dazu noch die erblühende Liebe zwischen Eli und Helmut. Eine Geschichte, die nie überhand nimmt, sondern zeigen soll, dass auch in besonderen Zeiten, Liebe entstehen und überleben kann.
Insgesamt eine Story, die ganz viele Ebenen beschreibt, ohne zu belehren oder zu verurteilen. Es zeigt Menschen, die aus ihrer jeweiligen Lebenssituation ausbrechen, um ihrer Einstellung zu folgen und ein vielleicht besseres Leben zu finden.
Absolute Leseempfehlung für Leser von Claire Winter oder Ellen Sandberg
Don und Rosie: was für ein außergewöhnliches Paar
Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion
Don Tillman, 39 entwickelt für sein "Ehefrau-Projekt" einen 16seitigen Fragebogen, um so die perfekte Partnerin fürs Leben zu finden. Er als Genetiker stellt Fragen zur Pünktlichkeit, zum Rauchverhalten oder auch ob ein Hang zum Vegetarismus besteht, welche Eissorten gerne gegessen werden und viele mehr.
Er weiß, dass seine ganz eigene Persönlichkeit, es ihm schwer macht, eine Lebensgefährtin zu finden. Zusätzlich versucht er sich an diversen professionellen Datingmöglichkeiten, mit mehr oder weniger gutem Erfolg.
Da stolpert Rosie zufällig in sein Büro und mit ihr, all das was ihm eigentlich zuwider ist. Rosie raucht, ist chronisch unpünktlich, unorganisiert, isst kein Fleisch ... Doch sie rührt irgendetwas in Don und als Rosie ein anderes Projekt vorstellt, beginnen die beiden einander kennenzulernen. Was als Zweckgemeinschaft begann, entwickelt sich zu einer außergewöhnlichen Freundschaft, die allerdings auch einige Hindernisse zu überwinden hat.
Mein Fazit:
Ich maße mir nicht an, über Menschen mit einem "autistischem" Auftreten zu kennen. Ich beurteile sie auch nicht. Das möchte ich hier sofort ansprechen.
Ich bin nun ein Don Tillman Fan. Diese Eigenheiten, die er hat und an denen er festhält, manchen ihn zu einem durch und durch sympathischen Menschen. In manchen Feinheiten habe ich mich sogar selbst erkannt und musste schmunzeln. Don geht an sein "Ehepartner Problem" in seiner eigenen Form heran. Er ist Wissenschaftler und geht damit systematisch an das Problem heran. Das ist völlig nachvollziehbar, wenn wir auch das Ergebnis fast schon vorher sagen konnten.
Als dann Rosie plötzlich vor ihm steht und seine Welt förmlich auf den Kopf stellt, entzündet sich eine rasante Beziehung/Freundschaft zwischen den beiden.
Natürlich steht in der Geschichte Don im Vordergrund, aber auch Rosie erhält Platz, um sich zu entwickeln. Zwei tolle Figuren, die sich in mein Herz geschlichen haben, die mich zum Lachen brachten, aber auch zum Nachdenken.
Eine Leseempfehlung von mir, für Leser, die auch "Ich, Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman mochten.











