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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Diesmal nicht

Die Zeit der Kirschen von Nicolas Barreau

Wie viele andere war auch ich überrascht von der plötzlichen Fortsetzungsgeschichte von "Das Lächeln der Frauen". Selbigen Roman fand ich sprachlich sehr schön, inhaltlich nervten mich die Protagonisten der Verwechslungsgeschichte aber ein wenig. Ich war gespannt, was die Autorin nun zu bieten hatte.

Um eine Verwechslung geht es anfänglich auch hier. Aurélies Restaurant "Le temps des Cerises" (Die Zeit der Kirschen) gewinnt einen Michelin-Stern. Aber nur aufgrund eines Fehlers, der Preis sollte an ein anderes Restaurant mit demselben Namen gehen. Dessen Besitzer nun natürlich sehr wütend ist. Als er sich später wieder einkriegt, ist er zwar netter - mir aber immer noch unsympathisch.

Aurélie hingegen ist von ihm angetan, auch von seiner Küche. Fast zu sehr, weshalb André anfänglich zu Recht eifersüchtig ist, sich dann aber immer mehr reinsteigert.

Eifersucht ist das Thema dieses Romans. Somit ist es wieder eine Art von Verwechslungsgeschichte. Es scheint, als haben unsere beiden Pappenheimer nichts gelernt seit ihrem Kennenlernen im ersten Band (welches übrigens immer wieder erwähnt wird; zu oft für meinen Geschmack). Wie schön wäre es, wenn sie ehrlich miteinander reden und nicht irgendwas annehmen und/oder beleidigt agieren. Erst reagiert der eine blöd und verschweigt was, dann agiert der andere und das immer wieder von vorne.

Ihr seht, viel geändert hat sich nicht zwischen Band 1 und Band 2. Inhaltlich konnte mich die Story dieses Mal nicht begeistern. Mir reicht das wenig Angebotene nicht aus, um mich in der Dreiecksgeschichte wohl zu fühlen. Man hätte zum Beispiel auch viel mehr aus der Tatsache machen können, dass Marronier nicht, nicht mehr oder nur noch selten selbst kocht. Alle drei Charaktere empfand ich viel zu blass.

Schlussendlich überzeugte mich einzig der erneut poetisch-schöne Schreibstil, der den Roman flüssig und ohne Längen lesen lässt, und einmal mehr das Setting in Paris.

Fazit: Die schöne Sprache reist die eher belanglose Geschichte um eine Sterne-Verwechslung leider nicht raus, diesmal nicht.
3.5 Punkte.

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Aufwühlender Fall für Mags, aber oberflächlich

Je lauter der Sturm von Mary Ann Fox

Mags und Sam haben sich endlich getraut, sprich geheiratet, allerdings nicht mit einem grossen Fest, sondern still und leise, bevor sie nach Belize flogen. Miss Clara ist wie das ganze Dorf Rosehaven enttäuscht, aber da scheint noch mehr zu sein, denn Miss Clara ist ganz anders als sonst. Genau wie Jim.

Ob das etwas mit der alten Geschichte zu tun hat, mit dem verschwundenen Junge, der in Mags neu gekauftem Cottage lebte?

Als dessen Schwester noch einmal noch Rosehaven kommt, stirbt plötzlich ein Mann und zwei weitere Männer verschwinden. Was ist bloss los?

In diesem sechsten Band ist für einmal alles ein wenig anders. Miss Clara ist komisch drauf, ebenso Jim. Eric scheint irgendetwas zu verheimlichen und Mary misstraut jedem. Und für einmal begibt sich nicht Mags, sondern Sam in Gefahr.

Die Geschichte wirkt leider ein wenig oberflächlich, auf 247 Seiten hat allerdings auch nicht viel mehr Platz. Alle Charaktere sind aufgewühlt, doch keiner bekommt in diesem Band die Chance, dies genauer und tiefgründiger zu erklären. Dies empfand ich als Manko.

Einiges wird sicher im nächsten Band weiter erzählt, aber wahrscheinlich - wenn ich mir die Entwicklung der bisherigen Bände ansehe - auch nur in einigen Nebensätzen abgehakt. Das ist sehr schade. Vielleicht müsste man einige Bände am Stück nacheinander lesen, um zu sehen, ob dies nur mein aktueller Eindruck ist oder ob es sich tatsächlich durch die Reihe zieht.

Immerhin muss man auf den nächsten Band, den siebten, nur einen Monat warten, da ist der Abstand nicht so lang wie bei den bisherigen Fällen.

Fazit: Angenehm erzählter, aufwühlender, aber leicht oberflächlicher Fall für Mags.
Knappe 4 Punkte.

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Kaum Herbarium, aber viele neue Freunde

Je lauter der Sturm von Mary Ann Fox

Anders als der Klappentext verlauten lässt, geht es im Roman erst gegen Ende um den Nachlass von Sarahs Mutter. Das Herbarium hingegen spielt gar keine Rolle - man hätte es auch weglassen können. Ich war nämlich sehr neugierig deswegen, aber es ging um alles andere, nur leider nicht um ein altes Herbarium.

Und dies, obwohl Sarahs Mutter viel mit frischen und getrockneten Kräutern arbeitete. Ihre Tees, ihr Hustensirup und anderes sind den beiden jungen Frauen, Sarah und Doreen, noch bestens in Erinnerung. Doreen ist Sarahs beste Freundin, und fast ein bisschen wie eine Schwester für sie. Doreen kümmert sich liebevoll um Sarah, die vom Unfalltod ihrer Mutter überrascht wurde und nun verständlicherweise stark trauert.

In der Geschichte geht es neben der ganzen Trauerbewältigung um Sarahs Wunsch umzuziehen. Soll sie ins Haus ihrer Mutter ziehen, in die Nähe von Doreen, in eine Wohnung, in ein Haus, und falls ja, in welches?

Dabei lernt sie neue Menschen kennen, die vielleicht bald zu Freunden werden könnten. Mandy aus dem "Brombeerzimmer" etwa, Konstantin, Doreens Nachbar Bernd, aber auch Leonie mit ihrem Vater Florian oder Ruth. Spannend empfand ich dabei, wie einige sehr unterschiedliche Charaktere miteinander harmoniert haben und auf der anderen Seite sich einige der Figuren weiter entwickelt, fast schon ein anderes Gesicht gezeigt haben.

Den Roman hatte ich schnell ausgelesen. Einerseits weil er "nur" 304 Seiten aufweist, andererseits weil der Schreibstil von Anne Töpfer (bekannt auch als Anne Barns und Andrea Russo) wie immer so gefällig und flüssig zu lesen ist.

Die Handlung erschien mir aber nicht so perfekt durchdacht, wie in ihren anderen Romanen. Es waren mir zu viele Themen nur angerissen. Am besten war die Trauer- und Freundeskreis-Thematik ausgearbeitet. Bei der Herbarium- und Erbsache und der Häuserfrage hätte es aber noch mehr Seiten gebraucht, um alles stimmig rüber zu bringen. Das ging mir alles zu schnell und war mir zu wenig intensiv.

Fazit: Netter und ruhiger Roman für Zwischendurch.
Knappe 4 Punkte.

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Prickelnd leicht mit viel Charakter

Kaputte Herzen kann man kleben von Kristina Günak

"Kaputte Herzen kann man kleben" ist in typischer Günak-Schreibe verfasst - ein Roman mit Tiefgang und ernsten Themen, die in einem witzigen Schreibstil verfasst nicht so schwer daherkommen wie sie real sind, so dass wir einen überhaupt nicht oberflächlichen Wohlfühlroman in der Hand haben.

Luisa erwartet gar nicht, dass in ihrer Auszeit, die sie bei ihrer Tante auf St. Peter-Ording verbringt, ihr kaputter Rücken oder ihr schweres Herz geklebt oder repariert werden kann - sie ist zwar krankgeschrieben, doch sie bräuchte so viel mehr als nur wieder ein Rücken, der nicht zwickt.

Luisa ist alleinerziehend, Mutter einer achtjährigen Tochter, arbeitet als Hebamme in einer Klinik, bekommt äusserst selten die nötigen Alimente vom Kindsvater bezahlt. Zwischen ständigem Pleitesein, Aufforderungen von Supermüttern un Lehrerinnen zu erhalten, und zu wenig Zeit für ihre Tochter und keine Zeit sich selbst zu haben, ist sie in ihrem Job immer unzufriedener. Null Zeit für die Gebärenden, die fast schon wie Nummern abgearbeitet werden, so hatte sie sich ihren Beruf als Hebamme nicht vorgestellt.

Die Zeit bei ihrer Tante Mimi bringt ein wenig Entlastung, denn Tochter Amelie ist zumindest auf dem Hof beschäftigt. Da Luisa aber seit einigen Jahren aufgrund eines Streites kaum mehr Kontakt hatte zu Mimi hatte, ist auch auf dem Hof die Lage angespannt. Luisa kommt in Kontakt mit einigen Frauen, die sich Freitags jeweils zusammen am Strand treffen und erlebt, dass auch andere Frauen ihre Bürden zu tragen haben, doch nur schon das gemeinsame Klönen hilft viel - eine Freundin in München hatte Luisa bisher nie.

Der von den neuen Bekannten als Weiberheld verschrieene Osteopath Tom nimmt sich Luisas Rücken an. Durch ihn merkt Luisa, dass nicht nur Frauen oft 200% geben, sondern es auch Männerexemplare gibt, die Verantwortung übernehmen.

In diesem Szenario spielt sich der Roman von Kristina Günak ab. Ihre Figuren sind toll beschrieben, sie alle passen in ihrer Unperfektheit perfekt zusammen.

Wie schon in vorherigen Romanen verpackt die Autorin auch in "Kaputte Herzen kann man kleben" gekonnt mehrere aktuelle Themen zusammen in einen lockeren Roman, der einerseits prickelnd leicht daher kommt, süffig flüssig geschrieben ist und dennoch viel Charakter hat.

Fazit: Ein wunderbarer Wohlfühlroman mit extra Tiefgang.
5 Punkte.

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Picasso nahm nicht nur ihre Hand

Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe von Bettina Storks

Von Dora Maar hab ich nie bewusst als eigenständige Künstlerin gehört, mir war sie immer nur im Zusammenspiel mit Pablo Picasso begegnet. Höchste Zeit also für einen Roman, der uns das Leben der Fotografin und Malerin in "Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe" näher bringt.

Aufgewachsen in Bueno Aires und zurück in Paris, wo sie geboren ist, studierte Dora erst Fotografie und Malerei.

Später arbeitet Dora eng mit Man Ray und Paul Elouard zusammen und lernt dabei Pablo Picasso kennen. Es ist von Anfang an eine gefährliche, flammende Beziehung und auch wenn Dora wusste, dass Picasso nur mit seiner Kunst verheiratet war, die Kunst das einzig Stabile in seinem Leben ist und seine Frauenbeziehungen kommen und gehen, konnte sie am Ende doch nicht wirklich gut damit umgehen.

Nach acht intensiven Jahren an der Seite von Picasso ähnelt Dora am Beziehungsende zeitweise ihrer krankhaft eifersüchtigen Mutter Julie. Wie schon viele berühmte Künstlerinnen vor ihr bleibt auch Dora ewig im Schatten ihres Geliebten - kommt dem Wahnsinn sehr nahe, aber grad noch knapp vorbei.

Diese zwei Gesichter der Dora Maar zeigt uns Autorin Bettina Storks in diesem Roman ganz genau: auf der einen Seite das Bewusstsein, nie Nummer eins, nicht die erste und letzte Frau im Leben Picassos zu sein und dennoch als starke Frau und Künstlerin da zu stehen. Auf der anderen Seite das Dunkle der Depression, die Dora befiel, als sie merkte, dass es nun tatsächlich so weit ist und Françoise Gilot nicht nur eine Affäre ist, sondern Doras Nachfolge an Picassos Seite antrat.

Er ist der Leuchtturm, allen anderen schenkt er kurz mal sein Licht. Picasso nahm nicht nur Doras Hand, der Egomane wollte die ganze Dora Maar, jedenfalls solange er sie als Muse sah und sie nicht teilen musste mit ihrer Kunst. Dass Dora ihn künstlerisch weit brachte, indem sie zum Beispiel sein Jahrhundertwerk "Guernica" fotografisch begleitete, las ich mit grossem Interesse.

Doch die Autorin hat nicht nur Dora Maars Leben und ihre Beziehung mit Picasso eindrücklich porträtiert, sondern auch die Kriegszeit in Paris geschildert. Viele Künstler haben Paris in dieser Zeit verlassen, nur wenige sind geblieben oder zurück gekommen, so wie Picasso und Dora Maar, so dass man bisher nicht viel "Augenzeugenberichte" zu lesen bekam. Storks beschreibt, wie Picasso ausser einem Ausstellungsverbot nicht viel von den Besatzern merkte, sein ausschweifendes Leben beibehielt und im Gegensatz dazu, andere sich darum kümmerten, dass "entartete" Kunst versteckt werden konnte und nicht alle Gemälde geraubt werden konnten. Wer davon mehr lesen möchte, kann dies in Storks Roman "Leas Spuren" tun.

Später im Roman berichtet die Autorin von Dora Maars Jahren in Ménerbes - sehr gut gefallen hat mir, wie sie am Ende im Epilog nochmals mit besonderen Augen kurz darauf zurückblickte.

Nun, nach der Lektüre von "Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe", mag ich Picasso noch weniger, werde aber bewusster nach Doras Einfluss in seinem Werk schauen und ebenso nach Doras Kunst Ausschau halten.

Fazit: Lebendig geschriebener Einblick in eine aussergewöhnliche Liebe, die mit Haut und Haar gelebt wurde.
4 Punkte.

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Juno Browne macht Lust auf mehr

Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe von Bettina Storks

Neu auf Deutsch erschienen ist der erste Band der Juno Browne-Reihe. Im englischen Original gibt es bisher bereits vier Bände. Wir dürfen uns also freuen - denn dieser erste Band macht Lust, die weiteren Teile auch noch zu lesen.

Juno ist in göttlicher Mission unterwegs - als Haushaltshilfe, Hundesitterin, je nach dem, wo man sie gerade braucht.

Zum Beispiel ganz neu bei Mr. Nick, bei dem sie Antiquitäten putzt und einiges über das Thema lernt. Bis sie Nick eines Tages tot auffindet.

Der Roman rollt die Sache erstmal von hinten auf und erzählt danach, wie es kam, dass Juno auch noch beim kurligen alten Nick arbeitet, obwohl sie schon genug zu tun hat. Wen sie dabei kennenlernte, nette Personen wie Paul, weniger nette wie Vlad und Igor. Und später Inspector Ford und seine zickige Kollegin DeVille.

Die Leser bekommen auch einen Einblick in Junos Arbeit und begegnen dabei einigen ihrer Auftraggeber: sympathische wie Maisie oder hochnäsige wie Verbena Clarke. Lernen aber auch ihre Vermieter Kate und Adam und väterlichen Freunde Ricky und Morris kennen. Ich denke, die werden in den weiteren Bänden Juno teilweise noch weiter begleiten.

Stephanie Austin hat ihrer Protagonistin tolle Figuren zur Seite gestellt. Juno muss man einfach mögen mit ihrer offenen Art, aber noch viel mehr die beiden vom Theaterkostümverleih, die sich kümmernden und trotzdem neugierigen Männer, Ricky und Morris. Aber auch die anderen, oben erwähnten, können sich sehen lassen.

Der Kriminalfall ist interessant, und zwar schon lange bevor Nick tot aufgefunden wurde. Nick hatte mit schmierigen Typen zu tun, wurde bedroht, wovon Juno Zeuge wurde und deshalb eh auf Zack (aber deswegen nicht wirklich vorsichtiger) war. Aber auch andere nutzen die Hintertüre oft und wollen dabei nicht gesehen werden. Wer also hat Nick auf dem Gewissen? Könnte es eventuell sogar seine Familie gewesen sein, die erst nach seinem Tod auftaucht und sich in Lügen verstrickt?

Witzige Szenen wechseln sich mit Verfolgungsjagden ab, Hilfe kommt oft von unerwarteter Seite, die Dialoge sind geprägt von britischem Humor - ein Cosy Krimi, der toll unterhält und immer wieder überraschende Wendungen nimmt.

Nach den Ereignissen in "Juno Browne und der Tote im Antiquitätenladen" bin ich gespannt, in welchem Umfeld Juno im nächsten Band ermitteln wird.

Fazit: Juno Browne macht Lust auf mehr! Unterhaltender Cosy-Krimi mit tollen Charakteren.
4 Punkte.

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Seidenleicht und Brokatschwer

Die Glücksschneiderin von Ulrike Sosnitza

Als Clara auf dem Flohmarkt ein tolles Vintage-Kleid entdeckt, dass sich nicht nur im Schaufenster ihres Nähcafés gut machen würde, ist sie happy. Vielleicht lockt dieses Kleid ja mehr Kunden an! Doch mit dem Mann, der plötzlich in der Türe steht, hätte sie nie gerechnet. Es ist Finn, ihr Ex-Freund, der sie vor einigen Jahren sang- und klanglos verliess.

Finn ist auf der Suche nach dem Kleid seiner Urgrossmutter, das seine aktuelle Ex-Freundin von seiner Familie ausgeliehen, aber niemals zurück geben hat, sondern nach ihrer Trennung und ihrem Auszug zum Secondhand-Laden brachte. Auch Finn ist überrascht, als er Clara mit Mimis Kleid sieht.

Beide sind erstmal überfordert, reden dann aber doch einige Sätze miteinander. So empfindlich wie Spitzenstoff ist ihr aktueller Umgang miteinander, trotzdem wollen sie gemeinsam heraus finden, wie Urgrossmutter Mimi zu diesem Kleid kam und wieso sie es all die Jahre aufbewahrt hatte - dies heraus zu finden, ist der rote Faden des Romans.

Neben der erneuten Annäherung haben die beiden auch in ihrem jeweiligen Umfeld einiges zu klären. Finn mit seiner Ex und seiner Schwester. Clara mit ihrer Cousine Merle, die im Nähcafé aushilft, aber das "Näh-" davor aus irgendeinem unerfindlichen Grund immer ausklammert. Sonja, Merles Mutter und Claras Tante sowie Geschäftspartnerin, versucht Clara von ihren Treffen mit Finn abzuhalten.

Zum Glück hat Clara ihre WG. Helena, die Gärtnerin fand ich einfach toll, aber auch die beiden jungen Studenten mochte ich. Claras Nähkundinnen waren ebenso vielseitig und interessant gezeichnet. Mit Lea aus "Die Novemberschokolade" gibt es sogar ein kurzes Wiedersehen. Die Charaktere sind der Autorin gelungen. Keiner zu viel, keiner zu wenig, alle haben ihre berechtigten Plätze.

Wer die bisher erschienenen Romane von Ulrike Sosnitza kennt, weiss, dass man sich auf einen tollen Schreibstil freuen darf. Die Autorin schafft es, auch schwere Themen seidenleicht zu verpacken, ohne das Schmerzliche daran zu verheimlichen.

Der Roman ist nicht nur für Hobbyschneiderinnen ein Lesegenuss, sondern auch ein Gewinn für alle Leserinnen, die gerne interessante Geschichten lesen, die federleicht daherkommen und trotzdem das gewisse Etwas haben.

Fazit: "Die Glücksschneiderin" war viel zu schnell ausgelesen - von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für diese sehr schöne Geschichte.
5 Punkte.

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Japan und Liebe erleben

Der kleine Teeladen in Tokio von Julie Caplin

Ihr habt Lust auf eine zweiwöchige Reise nach Tokio? Dann begleitet Fiona, die bereits in Kopenhagen dabei war, auf ihrer Reise. Die junge Fotografin hat ein Stipendium erhalten. In diesen 14 Tagen wird ihr als Mentor der japanische Professor Araki zur Seite gestellt. Doch der hat einen Trauerfall in der Familie und wird von Gabriel Burnett, einem erfolgreichen englischen Fotografen und mehrfacher Preisgewinner, vertreten.

Gabe hat sichtlich nicht gross Lust - und merkt erst noch nicht, dass er Fiona eigentlich kennen müsste. Fiona ist gelinde gesagt genervt, macht aber das Beste aus der Situation. Obwohl sie scheu ist, auf den Mund gefallen ist sie nicht. Sie bringt Gabe aus der Reserve, zeigt auf seine negativen Punkte, die er theoretisch kennt, aber bisher nichts dagegen unternahm. Er selbst ermuntert Fiona ihrer manipulativen Mutter Gegenwehr zu geben. So helfen sie sich gegenseitig, was beide zwar anfänglich nicht als Hilfe sehen, und trauen ihren erneut aufgewallten Gefühlen dennoch nicht.

Die Charaktere sind liebenswürdig, haben aber alle ihre Ecken und Kanten, egal ob die Briten oder Japaner. Die scheue Fiona will unbedingt fotografieren, sucht sich viele Sujets aus, denn am Ende soll sie ihre japanischen Bilder in London ausstellen, doch die finale Idee fehlt ihr noch. Gabe hat sich aufgegeben, nimmt aber noch Kundenaufträge an, ihm fehlt seit einigen Jahren aber das Feuer für seinen Job. Haruka ruht in sich selbst, kann aber auf ihre Art gut zeigen, wenn sie mit einer Verhaltensweise nicht einverstanden ist. Teenager Mayu fand ich super gut gezeichnet: einerseits teenietypisch rebellisch, macht sie es ihrer Mutter und Grossmutter nicht leicht, gesteht Fiona aber, dass sie beide liebt und später in die Fussstapfen ihrer Grossmutter treten möchte.

Fionas Gastfamilie (Teemeisterin und Grossmutter Haruka, Mutter Setsuko, Teenietochter Mayu) und auch Gabe zeigen Fiona Tokio und bringen ihr und allen Leserinnen die japanische Kultur ein wenig näher. "Der kleine Teeladen in Tokio", im Original der sechste Band der "Romantic Escapes"-Serie, macht deshalb Lust auf eine Reise nach Tokio und erzählt zeitgleich eine schöne Liebesgeschichte. Fotografiert wird natürlich auch.

Nach 2020 bin ich ein wenig ausgehungert nach Reisen und Kulturen entdecken. So genoss ich es total, mit Fiona zusammen Tokio zu entdecken: mit einem Hochgeschwindigkeitszug fahren, an einer Teezeremonie teilnehmen, einen Schrein besuchen, Tempura und Ramen essen, Karaoke singen und noch ganz vieles mehr. Obwohl mich eine Reise nach Tokio nie reizte, gebe ich nach diesem tollen Roman von Julie Caplin Japan eine Chance. Falls es die Gelegenheit dazu gäbe, würde ich mich nicht mehr dagegen sperren.

Dieser Geschichte bin ich von der ersten Seite an verfallen. Julie Caplin hat so einen leichten, aber doch intensiven Schreibstil, so dass man erst nach der letzten Seite wieder zurück in der Realität ankommt.

Fazit: Diese schöne Lovestory macht auch aus Japan-Skeptikern Japan-Fans!
5 Punkte.

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Ein würdiges Jubiläum

Bretonische Idylle von Jean-Luc Bannalec

Mit "Bretonische Idylle" feiert die Krimiserie um George Dupin den 10. Geburtstag. Oder anders gesagt: das zehnjährige Dienstjubiläum an seiner nun nicht mehr neuen Arbeitsstelle in der Bretagne.

Wer erinnert sich auch noch an den ersten Band, als George strafversetzt wurde und neu beginnen musste? Sein eigenwilliges Ermitteln ist mittlerweile für seine Untergebenen ganz normal geworden.

Dass er nur mit Café im Blut richtig nachdenken kann und ab und an seine Ruhe braucht um sich Notizen zum jeweils aktuellen Fall zu machen, ist schon fast normaler Alltag. Auch ist jedem bekannt, dass George nicht gerne Schiff fährt.

Doch dies muss Dupin in seinem zehnten Fall, einige Tage vor dem grossen Fest, erneut tun. Hinüber auf die Belle-Île geht es kaum anders. Der an einem schönen Morgen aufgefundene Tote stammt von dort. Patric Provost, Schafzüchter von der schönen Insel, hat die Belle-Île nur einmal jährlich verlassen, zum Geburtstag seines Onkels. Genau diesen Tag hat der Mörder erwischt - bewusst oder zufällig?

Patric war bei allen unbeliebt. Es gibt keinen, der ihn mochte, nicht mal sein Onkel. Alle innovativen Ideen der Inselbewohner hat Patric sabotiert. Er war niemandes Freund, ein schlechter Arbeitgeber und ein Nein-Sager, der niemandem etwas gönnte oder auch nur zwei Zentimeter entgegen kam. In diesem Umfeld ermittelt Dupin mit seinem Team, unterstützt vom Insel-Commandant Cosqueric.

Rival stammt von der Insel und hat Heimvorteil. Er erzählt wie immer bretonische Sagen, diesmal solche, die sich um die Belle-Île ranken. Nolwenn hingegen lässt keine Anrufe an Dupin vergehen, ohne ihm nicht noch mindestens einen bretonischen Sätze abzuverlangen.

Zusammen mit dem Team erleben die Leser die Belle-Île, und wie so oft beim Lesern der Dupin-Bände, bekommt man sofort Lust, den Schauplatz zu besuchen. Ein Café oder Whisky im Garten des Goulou zu trinken oder ein Essen beim Leuchtturm, bei dem auch Vegetarier in Versuchung geraden könnten, das berühmte Salzlamm der Insel zu degustieren und dabei über die Möglichkeit einer autarken Energiegewinnung zu diskutieren.

Dieser Fall ist interessant, obwohl ich mir bald sicher war, wie er ausgehen wird. Bis dahin passiert aber noch einiges Unvorhergesehenes und wie immer ist das Ermittlungs- und Erzähl-Tempo extrem hoch. Apropos Erzählen: einige Verdächtige würde man am liebsten knebeln, damit sie nicht so viel reden, Madame Corbel zum Beispiel. Riwal ist fast schon stumm dagegen.

Mir hat es Spass gemacht, Dupin und sein Team bei ihrem Jubiläum zu begleiten.

Den Fall hab ich in weniger Tagen ausgelesen, als er gelöst wurde. Ich staunte dabei über einige tolle Ideen betreffend Alibiüberprüfungen, und freue mich, wenn der nächste Fall - hoffentlich ohne Schifffahrt für Dupin - ansteht.

Fazit: Mit "Bretonische Idylle" feiert die Serie ein würdiges Jubiläum!
4 Punkte.

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Bilder und Badehosen

Mord in Parma von Dani Scarpa

"Mord in Parma" ist der Auftakt einer neuen Krimiserie, von der der erste Teil im italienischen Parma angesiedelt ist. In Parma ist nicht nur der Schinken berühmt, sondern auch die Galleria Nazionale im Palazzo della Pilotta, die Bilder des einheimischen Künstlers Correggio beherbergt.

Eins von Correggios Bildern taucht urplötzlich in München auf.

Paolo Ritter, Mitarbeiter des LKA, soll den Transport des wertvollen Gemäldes zurück in die Heimat begleiten. Paolo wundert sich zwar über den Job, denkt aber, dass er auch noch eine weitere Aufgabe in Italien zu bewältigen hat - er hat eine Abneigung gegen das Land, gegen Sand, gegen Kaffee. Einiges davon ist familiär geprägt, anderes hat er sich angewöhnt. Aber alles aus Gründen, die die Leserschaft nach und nach erfahren.

Eigentlich sollte er am nächsten Tag gleich wieder zurück fahren, doch erst gibt es ein Planänderung bei der Transportfirma, dann ändert der Tod des Galeriekurators Paolos Pläne. Zusammen mit Lucia, die er in Cervia kennenlernt, will er herausfinden, wieso der Museumskurator sterben musste. Der gewissenhafte Paolo legt sich mit dem deutsche-Gründlichkeit-hassende Commissario Borghese an, denn der will einfach nicht sehen, dass Signor Tantaro nicht eines natürlichen Todes starb.

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, bleibt es nicht nur bei dem einen Zusammenstoss mit dem Kommissar. Für Paolo ist das nicht so angenehm, für die Leser hingegen schon.

Dani Scarpa (ein Pseudonym eines deutschen Krimi-Autors) präsentiert uns einen eigenwilligen und auf den ersten Blick sonderbaren Ermittler, der sich in diesem ersten Band zuerst um seine Vergangenheit kümmert - damit die Zukunft beginnen kann. Zu Gast in seinem Kopf ist erst ein kleiner Junge in roter Badehose, später begleitet ihn Tantaro.

Unterstützt wird Paolo von Köchin Lucia, die er auf seiner Reise kennenlernt. Lucia hilft Paolo nicht nur mit der italienischen Sprache, sie hilft ihm auch öfters aus der Patsche und bringt ihm das so verhasste italienische Dolce Vita näher.

Paolos Vorgesetzte und Verlobte Julia bleibt vom fernen München zugeschaltet, viel bekommt man von ihr nicht mit, braucht man auch nicht. Paolo, Lucia und Borghese - die drei reichen vollends aus, mehr an Personal braucht dieser Krimi wirklich nicht.

Der Kriminalfall an sich ist interessant und spannend, denn der Mord an Tantaro war nur ein Steinchen im Rad, es passiert noch einiges mehr - langweilig wird es nie.

Nach dem Ende bin ich nun natürlich gespannt, ob und wie es mit Paolo weitergeht - ich bin jedenfalls gerne dabei, seine weiteren Schritte zu begleiten.

Fazit: Ein humorvoller, aber auch interessanter Italien-Krimi mit einem ebensolchen Ermittler. Naja, das mit dem Humor muss er vielleicht noch ein bisschen lernen. (Der Paolo, nicht der Autor - der hat es im Griff!)
4 Punkte.

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