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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Singen macht glücklich

Der kleine Chor der großen Herzen von Janina Lorenz

Ich nehms vorweg: auch im zweiten Band ist Ava noch nicht zurück gekehrt, Ellie und Ava tauchen hier gar nicht auf. Hier geht es um Sara, die man in "Der kleine Ort zum Glücklichsein" bereits kennenlernte. Neu dazu kommt Sophie, die in Herzbach wohnt und hier aufgewachsen ist.

Sara liebt Yoga und möchte gerne Kurse geben.

Doch ihr fehlt noch ein passendes Studio. Da in Herzbach das alte Kirchgemeindehaus leer steht, möchte sie es gerne nutzen. Doch die Renovationskosten sind viel zu hoch. Da kommt sie auf die Idee einen Chor zu gründen, denn das Preisgeld würde genau den Renovationskosten entsprechen.

Eine spleenige Idee, denn Sara hat keine Ahnung von Chorleitung. Sie liest sich alles an, aber so richtig funktioniert das in der Praxis nicht, und sie kann auch die Streitereien einiger Chormitglieder untereinander nicht abstellen. Da bekommt sie unerwartet Hilfe von Sophie. Die Journalistin soll eh für ihre Zeitung einen Bericht über den Chorwettbewerb schreiben, da könnte sie das gleich verbinden. Aber Musik wollte sie nie wieder machen.

Was alles hinter Sophies Abneigung steckt, wird in "Der kleine Chor der grossen Herzen" toll erzählt. Ob das mit dem Singen schlussendlich was wird, und ob Sara und Sophie vielleicht nicht nur die Liebe zur Musik (wieder-)finden, sondern ganz eventuell auch die Liebe fürs Leben, erfährt ihr beim Lesen dieses zweiten Bandes der Herzbach-Serie.

Dieser Band bietet ein bisschen mehr Abwechslung und Spannung als der erste Band. Dass Sara mit der Chorgründung sehr blauäugig agiert, wäre neben Ellies und Avas Abwesenheit etwa mein einziger Kritikpunkt, aber das mit der gspinnerten Idee weiss Sara selbst.

Fazit: Die Geschichte um den Chor der grossen Herzen hat mich wunderbar unterhalten.
4 Punkte.

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Glücklichsein und entspannen

Der kleine Ort zum Glücklichsein von Janina Lorenz

Ellie nimmt sich ein Sabbatical und zieht ins fiktive Herzbach zu ihrer Grosstante Ava Ellies Überraschung ist gross, als sie nur ein Brief und ein Kochbuch vorfindet. Ava ist verreist und hinterlässt Ellie eine Aufgabe: alle zwei Wochen für die Tafelrunde zu kochen.

Zu der gehören der pensionierte Kapitän Hermann, die pessimistische Irene, die unglücklich verliebte Sara, die scheue junge Greta und der wortkarge Professor Jonas.

Der ist zugleich auch Nachbar von Ava, also jetzt von Ellie. Die beiden freunden sich an, vielleicht sogar ein bisschen mehr als das...

Die Idee der Tafelrunde hat mir gefallen, die Charaktere sind sehr unterschiedlich, und insgeheim denke ich, dass nicht wirklich die Kräutermischungen und Rezepte aus dem Kochbuch den Mitgliedern helfen, sondern das Zusammensein, das Um-sich-kümmern.

Herzbach ist ein hübscher Ort voller Fachwerkhäuser und einem kleinen Fluss, umrandet von Wald und ein kleiner Badesee ist auch nicht weit. Das erinnert mich ein bisschen an das Elsass, auf jeden Fall fühlt man sich in Herzbach wohl.

Die Geschichte ist sehr leicht und unkompliziert, einiges vielleicht fast zu einfach, aber Janina Lorenz Schreibstil hat mich überzeugt und ich hab "Der kleine Ort zum Glücklichsein" gern gelesen.

Nicht alles löst sich auf und so bin ich gespannt auf die weiteren Bände, denn die möchte ich auch noch lesen.

Fazit: Glücklichsein und entspannt - das ist man beim Lesen dieses erstes Bandes einer netten Wohlfühlserie auf jeden Fall.
4 Punkte.

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Den Provence-Duft in der Nase

Das kleine Hotel in der Provence von Marion Stieglitz

Lilly will sich von einem Tag auf den anderen ihren Traum erfüllen, den von einem kleinen Hotel in der Provence. Die Gelegenheit muss sie beim Schopf packen, denn ihr Freund hat eine andere und jetzt hält sie nichts mehr in Rostock.

Schnell findet Lilly ein altes Hotel, und erst noch in der Nähe ihrer Freundin Valeska, die in Südfrankreich verheiratet ist und eine sechsjährige Tochter hat.

Zusammen renovieren sie das leerstehende Haus und verwandeln es in ein kleines Hotel, in dem nur Frauen zu Gast sein dürfen - von Männern hat Lilly die Nase voll. Erst wird sie von Noah in London stehen gelassen, dann von Jan verlassen.

Aber Valeska will Lilly unbedingt mit dem charmanten Antiquitätenhänder Olivier verkuppeln. Bald hat Lilly auch noch seine Tante als Gast. Aber die Komplikationen gehen erst los, als eine englische Reisebloggerin sich für eine Woche im Hotel einnistet.

Mich hat die Geschichte um Lilly und ihre Auberge wunderbar unterhalten. Den Duft von Rosmarin, Lavendel, Thymian und Jasmin hatte ich in der Nase und ich konnte mir die originell eingerichteten Themen-Zimmer (z.B. Edith Piaf, Jane Austen und Mary Poppins) gut vorstellen. In solch einem Zimmer würde ich auch gerne übernachten und ich könnte mich gar nicht entscheiden in welchem, also würde es auf mindestens eine Nacht in jedem der Zimmer hinaus laufen.

Ein wenig unrealistisch ist die Story ja schon, denn die Renovation geht blitzschnell vonstatten. Aber der leichte Schreibstil von Autorin Marion Stieglitz und die positive Stimmung tragen einem von der ersten bis zur letzten Seite und dort ist man erstaunt, dass der Roman schon zu Ende ist.

"Das kleine Hotel in der Provence" ist eine (Lese-)Reise wert, humorvoll und auch ein kleines bisschen romantisch. Lilly ist eine tolle Protagonistin, ihre Freundin Valeska bringt Lilly oft wieder auf den Boden zurück. Die kleine Paula ist ein Goldschatz und Marianne de Boyer bringt als x-mal-Verheiratete das Flair der grossen weiten Welt mit.

Fazit: Lesen und sich wohlfühlen - das kann man mit dieser Geschichte perfekt.
4 Punkte.

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Toll geplottet!

Der Horizont in deinen Augen von Patricia Koelle

Die Geschichten von Henny und Nicholas konnte man in den ersten beiden Bänden der Ostseetrilogie mitverfolgen. Jetzt fehlt nur noch eins der drei Bernsteinschiffe, jenes von Myra.

Doch wo es ist, weiss keiner. Es scheint mit dem Tod von Myras Tochter Liv verschollen zu sein. Was aber niemand auf Ahrenshoop ahnt: schon bald werden die drei Schiffe und die Familien wieder vereint sein.

Was die Geschichte von der Berlinerin Ylvi, die in der Mauerfallnacht ihre Tochter Remona zeugte, mit der von Ahrenshoop zu tun hat, erzählt Patricia Koelle in "Der Hoizont in deinen Augen".

Architektin Ylvi ist unglücklich verheiratet. Als sie einige Jahre nach Remonas Geburt wieder zu arbeiten beginnt, blüht ihre Liebe zu Gärten auf. Sie schiebt es auf die Sehnsucht nach Theo, ihrem Mauerfallbekannten.

Jahre später, auf Teneriffa, wie schon so oft in ihrem Leben, gesteht ihr bereits vor Ylvis Mutter verstorbener Vater in einem Brief ein grosses Geheimnis. Ihre und Remonas Neugier sind gross, ebenso die der Leser, die nun unbedingt herausfinden wollen, was da alles dahinter steckt.

Myras Leben war weitaus interessanter als ich bisher angenommen hatte. Auch sie hat geliebt, doch es sollte nicht glücklich enden und so trauert und wartet sie noch immer auf ein mögliches Zeichen ihrer grossen Liebe. Ihre Geschichte fand ich fast noch eindrücklicher als die von Henny und Nicholas. Die Bernsteinbeschwörerin Myra hat mich beeindruckt mit ihrer Genügsamkeit, auch wenn sie oft schroff rüber kommt.

Am Ende wartet noch eine kleine Überraschung auf. Hier sieht man, wie gut die Autorin ihre Trilogie geplottet hat. Nichts überlässt sie dem Zufall und so gestaltet sich das Finale enorm stimmig und gipfelt in einem ergreifenden Lesegenuss.

Fazit: Man fühlt sich beim Lesen zärtlich umarmt, es fühlt sich an, als ob sich Koelles Worte und Sätze wie ein weicher Wollschal um des Lesers Schultern legt.
5 Punkte.

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Das zweite Bernsteinschiff

Das Licht in deiner Stimme von Patricia Koelle

Tyrin lebt und arbeitet in Florida. Doch tief in ihr drin ist eine grosse Sehnsucht nach der anderen Seite des Meeres, nach der Ostsee, von der ihr Grossvater ihr immer erzählte und die sie selbst im Meer sieht. Wann ist der richtige Zeitpunkt für ihren grossen Traum, die Reise nach Ahrenshoop? Kann sie ihre Mutter einfach sich selber überlassen oder soll sie abwarten, bis diese wieder einen Job hat?

Ungeduldig wie ich war, ging es mir fast zu lange, bis Tyrin sich endlich auf die Reise macht.

Doch Autorin Patricia Koelle hat den perfekten Augenblick erwischt.

Von Nicholas haben die Leser*innen des ersten Bandes schon gehört. Er ist der Verlobte von Henny, der von einem Tag auf den anderen plötzlich verschwand. Als es soweit ist und Tyrin in Ahrenshoop ankommt, wollen die Bewohner nichts von Tyrin wissen, da ihr Grossvater als Verräter gilt. Doch was es mit Nicolas Verschwinden auf sich hat, überrascht alle.

Dieses Rätsel um ihn und Henny wird in diesem zweiten Band erzählt, während Tyrin sich mit Myra anfreundet und sich auf Naruolokki einnisten darf. Den geheimnisvollen Nebelmann Claas bekommt man öfters zu Gesicht als noch im ersten Band und Kapitän Flömer überzeugt erneut mit seinem ruhigen Wesen und seinen Worten.

Tyrin mag den alten Kapitän und seine Weisheiten und möchte, genau wie in Florida, Schmuck aus Meerglas und Strandfundstücken kreieren, aber gerne auch Bernstein verwenden. Sie will die Magie des Meeres einfangen, vor allem aber will sie herausfinden, wie man Gedanken in Bernstein einschliesst. Seit sie das zweite Bernsteinschiff bekommen hat, ist sie fasziniert von der Idee und bringt es mit nach Ahrenshoop.

Doch die Geschichte ist noch nicht vollständig, es fehlt das dritte Bernsteinschiff und somit bin ich nun auf das Finale, das uns im dritten Band erwartet, gespannt.

Fazit: "Das Licht in deiner Stimme" erzählt eine eindrückliche Geschichte aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart seinen Frieden findet.
5 Punkte.

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Teenieroman anstatt Frauenroman

Erdbeerversprechen von Manuela Inusa

Ich habe ein ganz grosses Problem mit dem neuesten Band der "Kalifornische Träume"-Serie. Es geht nämlich kaum um Amanda, wie der Klappentext vorgaukelt. Auch fast nicht um Carter, den Amanda in der Trauergruppe kennenlernt. Vielmehr dreht sich circa 75% des Romans um die Teenie-Töchter von Amanda und Carter.

Um Jane und Samantha.

Beide haben ein Elternteil verloren, Jane vor 18 Monaten ihren Vater und Sam vor drei Jahren ihre Mutter. Wie sie mit dem Verlust und der Trauer umgehen, könnte gegensätzlicher nicht sein. Während Jane sich gehen lässt und eine unbändige Wut auf ihre Mutter hat, ist Sam zu allen nett und angepasst. Nett zu praktisch allen Leuten, vor allem zu ihrer kleineren Schwester Astor; angepasst vor allem in ihrer Clique, in der sich die It-Schüler der Montgomery School tummeln, zum Beispiel Lacrosse-Stars und Cheerleaders. Sams Freund Jeremy gehört zum Lacrosse-Team, sie ist Cheerleaderin. Jane besucht dieselbe Schule, gehört seit letztem Jahr aber zu den Freaks der Schule, und hat nur zwei Freunde. Cal und Aiden, wobei Jane praktisch nur mit Cal abhängt.

Als sich Jane und Sams Eltern sich daten, sind beide nicht begeistert. Es ist nicht der beste Zeitpunkt, denn beide Teenager leiden akut unter Liebeskummer. Ihre Eltern glücklich zu sehen, wenn sie selbst unglücklich sind und mehr denn je den zweiten Elternteil vermissen, ist schwer.

Die beiden Teenagerstorys werden durch einige wenige Kapitel unterbrochen, in denen es um Amanda und Carter geht. Ihre Geschichte ging mir viel zu schnell, sie hat auch keinen Platz um sich zu entwickeln, weil sich sonst alles um die Teenie-D(r)amen dreht.

Erzählt ist das Ganze sonst relativ okay, einiges war mir viel zu einfach gelöst und es waren einige Szenen dabei, die man hätte weglassen können. Die Sache mit Chino auf der Erdbeerfarm zum Beispiel. Zusätzliches Drama, das nirgends hinführte und für den Roman nichts tat.

Aber ich hätte niemals damit gerechnet, einen Teenieroman vorgesetzt zu bekommen. Wenn ich sowas lesen will, bediene ich mich im Kinderzimmer im Bücherregal, oder geh in die Jugendbuchabteilung in den Buchhandlungen. Aber im "Frauenromanregal" würd ich nie vermuten, dass sich da ein Teenieroman versteckt, genauso wenig würde ich hinter einer Tofu-Verpackung Fleisch erwarten.

Daher ist und bleibt der beste Roman der Serie "Orangenträume", dort stimmt alles.

Fazit: Wer Jugendbücher gerne liest, ist gut aufgehoben mit "Erdbeerversprechen". Wer einen Frauenroman lesen will, muss zu anderen Romanen greifen.
3 Punkte.

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Zwischen Blumen und Weinreben

Der Blumenladen der guten Wünsche von Lena Hofmeister

Eine Sansevieria kommt zwar im ganzen Roman nicht vor, jedenfalls nicht unter diesem Namen, aber dafür ganz viele andere Blumen und Pflanzen. Diese befinden sich im Blumenladen, der Charlotte von ihrer Grossmutter erbte.

Als sie nach vielen Jahren Abwesenheit den Laden zum ersten Mal wieder betritt, kennt sie den Laden kaum mehr.

Viel Grünzeugs, aber keine Schnittblumen stehen im Angebot. Der mürrische Gärtner Knut will diese nicht abschneiden und es scheint, er will sich überhaupt nicht von seinen Pflanzen, die er in der Gärtnerei hinter dem Laden zieht, trennen. Doch damit der Laden überlebt, muss mehr als nur Trauerflor verkauft werden.

Charlotte sieht sich aber noch mit weiteren Problemen konfrontiert: eine Klausel im Testament besagt, dass Sheela nicht gekündigt werden kann. Diese scheint das auszunützen und erscheint nur zur Arbeit, wenn es ihr passt. Unpünktlich ist sie sowieso und wenn sie dann mal vor Ort ist, hängt sie am Handy.

Um sich ein wenig von ihren Problemen abzulenken, sowie um andere Leute in Sommerbach kennen zu lernen, wird sie von Sarah, einer früheren Schulfreundin, mit der Charlotte noch lose in Kontakt war, zu deren Gartenpartys eingeladen. Auf solch einem Fest trifft Charlotte aus Sven, in den sie in ihrer Schulzeit verliebt war, doch sie bekam damals eine Abfuhr und nimmt ihm das immer noch übel. Die beiden freunden sich wieder an - auch Sven kam wieder retour, um den Weinhandel seines Vater zu übernehmen, so haben sie Gesprächsstoff und kommen sich wieder näher.

Die Geschichte wird von Lena Hofmeister flüssig erzählt. Die beiden wichtigen Punkte im Roman, der Blumenladen und Sven, werden toll miteinander kombiniert.

Es hätte aber noch viel Platz gehabt für mehr Tiefe, wie auch für mehr Details. Die Autorin hat sich einige Dinge also sehr leicht gemacht, es schrammt gerade noch knapp an der Oberflächlichkeit vorbei. Deswegen hätte ich mir ein bisschen mehr Auseinandersetzung bzw. Genauigkeit beim Beschreiben einiger Szenen gewünscht.

Zum Beispiel beim Blumenladen. Denn der ist nicht einfach nur ein Blumenladen. Die Blumen und Topfpflanzen kommen aus der eigenen Gärtnerei, Charlotte muss also keine Blumen aus dem Blumengrossmarkt dazu kaufen, wie das normalerweise die meisten Blumenläden machen. Was ich auch gerne wissen würde, wo befand sich die Wohnung der Grossmutter? Oberhalb des Blumenladens? Und wo genau hat sich Charlotte eingenistet? Wie weit entfernt vom Blumenladen und wieso konnte sie die Wohnung der Grossmutter nicht übernehmen?

Die Idee mit den Blumenbotschaften war mir nicht neu, davon hab ich schon in vielen Romanen gelesen, umgesetzt wurde sie hier nicht so ausführlich, aber ausreichend gut.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich der "Der Blumenlanden der guten Wünsche" sehr gut unterhalten. Denn zwischen Dahlien, Kamillen und Weinreben fühlt man sich einfach wohl, und so hab ich Roman an einem Abend gelesen.

Fazit: Ein schöner und gemütlicher Unterhaltungsroman.
4 Punkte.

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Die Denkerin

Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard

Sie wusste schon immer, dass sie nicht in die Fussstapfen ihrer Eltern treten will. Sie will denken, schreiben, unabhängig sein - was sich in ihren jungen Jahren erträumte, ging schlussendlich in Erfüllung und so wurde Simone de Beauvoir nicht nur die erste Frau, die in Frankreich Knaben in Philosophie unterrichtete, sondern auch Mitbegründerin des Existenzialismus und Gründerin des modernen Feminismus.

Simone fand in den 20er und 30er Jahren keine Vorbilder für freie Frauen und entschloss sich, selbst ein Vorbild zu werden. Sie führte ein unkonventionelles Leben, hatte um sich ihre "Familie", eine Patchworkfamilie, die aus Freunden bestand. Doch bis es soweit kam, musste sie sich lange und gründlich überlegen, welches Leben sie führen will - und auch immer wieder hinterfragen.

De Beauvoir steht anfangs zwischen drei Männern. Doch schnell war klar: keine Beauvoir ohne Sartre und umgekehrt. Sie waren sich extrem nah, sassen fast 24/7 aufeinander, lasen gemeinsam, sie redeten, diskutierten, schrieben - über Gefühle, über einfach alles. Nach dem Lesen von "Die Frau von Montparnasse" ist mir deshalb auch klar, wieso ich in meiner Erinnerung nur immer Fotos von diesem extravagantem Paar sah und nie Foto von ihnen alleine.

Caroline Bernard erzählt extrem dicht von Simones Leben bis 1951 und lässt gefühlt nichts aus. Die Autorin schreibt auch über einen enorm wichtigen Teil in Simones Leben, nämlich über den Pakt, den Sartre und de Beauvoir geschlossen haben: ein unverheiratetes Paar zu sein. Erst mal für zwei Jahre, doch sie verlängerten diesen unromantischen Pakt immer wieder. Mit den Zufallslieben, die sie sich gestatteten, mussten sie lernen umzugehen. Ebenso wie sich diese auch zu erlauben, was Simone de Beauvoir erst schwer fiel. Für mich hörte sich dieser Pakt kompliziert an, denn er gab Simone zwar die Möglichkeit frei zu sein, zwang sie aber auch dazu, mit vielen Heimlichkeiten zu leben.

Die Autorin streicht in ihrem Roman deutlich heraus, dass Simone de Beauvoir in ihrem Denken und ihrer Philosophie sehr viel praktischer und menschlicher war als Jean-Paul Sartre. Emotionen gehörten dazu, Sartre blendete diese aus.

Trotz aller Erfolge litt Simone de Beauvoir zeitlebens daran, dass Frauen als nicht selbstständig denken gesehen wurden. Dabei ist sie es, der Sartre so viel von seiner Philosophie verdankt. Und einmal mehr beweist sich, mögen einige auch noch so ein unkonventionelles Leben führen: Hinter jedem berühmten Mann steht eine starke Frau - die oft mehr zu sagen hat, als der Mann selbst.

Fazit: Sehr interessante Romanbiografie über die grosse Denkerin Simone de Beauvoir, der eindrücklich zeigt, wie sie zu der Philosophin wurde, für die sie heute berühmt ist.
4 Punkte

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Ein senfgelber Mantel sorgt für Herzklopfen

Wie sagt man ich liebe dich von Claudia Winter

Maelys und ihre Tante Valérie ist den Leserinnen bekannt aus "Die Wolkenfischerin", wo die Geschichte von Maelys Schwester Claire erzählt wird. Maeyls beeindruckte schon damals. Am Ende zog die begabte Künstlerin zu ihrer Tante Valérie nach Paris, um ein Kunststudium zu beginnen.

Nachdem sie aber vor kurzem eine zweifelhafte Beurteilung des Schulleiters bekam und etwa zeitgleich merkte, dass Valérie nach einem Armbruch nicht nur die Miete nicht mehr zahlte, lässt die gehörlose Maelys das Studium schleifen und arbeitet Mittags in einem Imbiss als Geschirrspülerin und zeichnet Nachmittags auf dem Place du Tertre Porträts von Touristen.

Genau hier entdeckt der Portugiese Eduardo Maelys - und wird dabei an eine andere junge Frau im senfgelben Mantel erinnert. Einige Wochen später denkt er noch immer an diese Begegnung zurück, und möchte, dass sein Enkel Antonio die unbekannte Frau in Paris sucht.

Schnell ist man eingetaucht in den Roman. Auch in jene, die von Valérie handelt, als sie noch ein junges Mädchen war und aus der Bretagne in die Grossstadt Paris zog. Ihre Geschichte ist sehr interessant und als Leser ist man gespannt, wie sie endet, auch wenn man es schon ahnen kann - was überhaupt nicht stört und dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Der Klappentext ist leider sehr vage, denn der Hauptteil der Story macht die Vergangenheitsgeschichte aus, und nicht diejenige von Maelys.

Das macht aber gar nichts. Antonio und Maelys sind zwei tolle Charaktere, beide überaus sympathisch. Eduardo hingegen mimt den starrköpfigen Alten, der mich aber oft zum Lachen brachte. Valérie kommt in der Gegenwart aus Gründen nicht so sympathisch rüber wie 1966, als sie eine witzige und entdeckungsfreudige junge Frau war, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Butler Albio ist der allgegenwärtige Schatten, dem man viele Schmunzler verdanken kann.

Mit am besten hat mir eine klitzekleine Szene gegen Ende des Roman, die kurz in Eduardos Kindheit blickt, gefallen.

Ein klarer Minuspunkt ist leider das grässlich gelbe und nichtssagende Cover. Paris? Lissabon? Sieht man darauf nirgends. Ich vermisse die erste Fassung des Covers, auf dem durch die blauen Azulejos im Vordergrund und den Tejo im Hintergrund auf den ersten Blick klar ist, wo sich der Roman abspielt. Und wenn sich dann der Verlag für eine Verschlimmbesserung, total nullachtfünfzehn, entscheidet, kann ich nur den Kopf schütteln. Auch wenn es auf die beschriebenen Seiten hinter dem Umschlag drauf an kommt, muss für mich auch das Äussere mit dem Inhalt zusammen passen.

Für den Coverwechsel kann die Autorin zwar nichts, aber ich hatte aufgrund des langweiligen Covers monatelang absolut keine Lust den Roman zu lesen, auch wenn ich mir sicher war, dass die Geschichte mindestens genau so gut ist wie die bereits erschienenen Romane der Autorin.

Denn das ist er, der Roman mit dem schönen Titel "Wie sagt man ich liebe dich", in dem eine sympathische junge gehörlose Frau und eine kämpferische andere junge Frau im Vordergrund stehen, gepaart mit einer tollen, emotionalen Geschichte, die an zwei sehenswerten Schauplätzen - drei, wenn man die Bretagne mit zählt - angesiedelt ist.

Fazit: Claudia Winter präsentiert einmal mehr ein wunderschönes Leseabenteuer, in das man so richtig versinken kann.
5 Punkte.

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Die Tücken des Schreibens

Wie sagt man ich liebe dich von Claudia Winter

"Cottage mit Kater" begann gut, wurde aber immer belangloser.

Nora zieht für einige Wochen nach Cornwall, um das Cottage eines Freundes zu hüten. Sie freut sich auf den Tapetenwechsel, den sie nach dem Tod ihrer Mutter so nötig hat. Als Autorin erhofft sie sich ruhige Schreibtage und viele gute Ideen.

Aber die zu schreibende Geschichte hat ihre Macken und so lässt sich sich nur zu gerne vom kleinen Kater, den sie auf einer Klippe findet, ablenken. Und bald ist Nachbar Phil nicht mehr nur der helfende Schwerenöter, sondern der wandelnde Schreibratgeber und perfekte Koch.

Die Story rund um Kater Smuggler, den Nora nach der Rettung an der Backe hat, ist süss, aber bei allem anderen hätte die Autorin die Tipps, die ihre Protagonistin zum Thema "Buch schreiben" bekommt, selbst beherzigen sollen.

Es sind zu viele Baustellen (Kater, Phil, Buchprojekt, Trauer um ihre Mutter), die nicht gematcht haben. Am Ende des Romans weiss ich nicht, was uns die Autorin mit ihrer Geschichte erzählen wollte. Spannung ist keine vorhanden und so wirkt der Roman viel zu langweilig.

Es las sich eher wie ein Erlebnisbericht einer Autorin, die erzählt, mit welchen Tücken sie beim Schreiben ihres Krimis zu kämpfen hat und die zeitgleich mit ihrer Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat.

Fazit: Der Kater war das Beste an der Geschichte - aber das wars dann auch.
3 Punkte.

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