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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Ein Leben im Staub und der Kunst verschrieben

Die Bildhauerin von Pia Rosenberger

Auf diesen Roman hab ich gewartet!

Dieser Roman ist eins von drei Büchern, auf die ich mich 2021 am meisten freute. Ich bin begeistert von Camilles Kunstwerken und hab vor vielen Jahren alles gelesen was es über sie und Auguste Rodin zu lesen (und sehen) gab. Viel war es nicht, aber seither gehört "Der Kuss" von Anne Delbée zu meinen Lieblingsbüchern.

Dass ich nun, nach so langer Zeit, endlich mal wieder über eine meiner Lieblingskünstlerinnen etwas lesen kann, freut mich riesig.

Der Roman beginnt, als Camille auf ihrem Weg zu ihrer ersten Lektion in der Académie Colarossi ist. Louis-Prosper-Claudel förderte seine Tochter, was 1881 eher ungewöhnlich war. Auch Paul Dubois und Alfred Boucher, Camilles erste Lehrer, sahen ihre Begabung und ermöglichten ihr Unterricht an dieser Kunstschule.

An der Académie freundet Camille sich mit drei Engländerinnen an, Emily, Amy und Jessie, sowie mit Umberto, einem italienischen Model. Ein weiterer wichtiger Mann in ihrem Leben war der Komponist Claude Debussy. Mit ihm kam sie raus aus den staubigen Ateliers, sah sie Paris durch andere Augen, mit ihm konnte sie das Leben geniessen. Alles war leicht und unkompliziert mit Claude.

Doch Camille opfert ihr Leben wortwörtlich der Bildhauerei und ihrem Lehrer Auguste Rodin. Ihm ist sie mit Haut und Haar verfallen, obwohl sie sich anfänglich total dagegen sträubt. Für ihn war sie Model, Muse, Beraterin und Geliebte. Doch niemals die Ehefrau, die sie so gerne gewesen wäre. Sie war ihm mindestens ebenbürtig wenn nicht besser, das wusste Rodin. Aber zu Lebzeiten schaffte Camille es nie über Rodin hinaus. Und das, obwohl er einer der Wenigen war, die Frauen in der Kunst als ebenbürtig ansahen, überall sonst begegnete sie dem Vorurteil des schwachen Geschlechts.

Neben der Beziehung zu Rodin wird in "Die Bildhauerin" das Augenmerk auch auf Camilles Familie gelegt. Vor allem Pauls Entwicklung, der später ein bekannter Literat wurde, wird sehr gut beschrieben. Pauls Wesen, seine Angst vor dem Leben, seine Gottesfürchtigkeit und seine Hinwendung zum katholischen Glauben, obwohl aus einem Agnostikerhaushalt stammend, und somit das pure Gegenteil von Camille, wird toll geschildert. Paul hielt den Lärm zuhause kaum aus. Er, Camille und ihr Vater waren ein Team, die Mutter und Schwester Louise ein anderes. Doch Camille und Paul hielten zusammen, so unterschiedlich sie auch waren.

Es gibt immer wieder Rückblicke in Camilles Kindheit, die einerseits aufzeigen, wie Camille immer schon nur bildlich dachte, alles in ihren Händen formen wollte und "Dreck" liebte; andererseits die Streitereien ihrer Mutter mit allen anderen. Eine Mutter, die immer nur wer sein wollte, aber die Genialität von zweien ihrer dreier Kinder nie sah und mit ihrem Gekeife beide aus dem Haus jagte.

Aufgrund dieser Einblicke gefällt mir der Roman "Die Bildhauerin" und ich denke, dass die Autorin Pia Rosenberger die wichtigsten Schritte im Leben der Künstlerin Camille Claudel gut herausgearbeitet hat.

Mir fehlte aber ein Nachwort, in dem beschrieben gewesen wäre, wie es mit Camille und Rodin weiter ging. Denn sie trennte sich später endgültig von ihm, verwahrloste daraufhin und wird in eine Psychiatrie eingewiesen.

Dies, und viele weitere Szenen, die noch viel mehr mit Camilles eigenen Kunstwerken und eben auch dem berühmten "Der Kuss" zu tun haben, wird enorm eindrücklich im Roman von Ann Delbée und im Buch von Reine-Marie Paris beschrieben. Wer durch die Lektüre der "Die Bildhauerin" neugierig geworden ist und noch mehr über Camille Claudel erfahren möchte, dem seien diese beiden Bücher empfohlen.

Alle andern bekommen mit dem vorliegenden Roman von Pia Rosenberger einen guten Einblick in Camille Claudels Leben, wie auch in die Arbeit der Bildhauer im 19. Jahrhundert.

Fazit: Ein Leben im Staub und der Kunst verschrieben - zwar im Gegensatz zu anderen Büchern über die Künstlerin eher zahm und nicht zu Ende erzählt, aber dennoch spannend und schön zu lesen, da der Schwerpunkt auf anderen Szenen lag.
4.5 Punkte

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Zwischen Luxus und Rassenhass

Josephine Baker und der Tanz des Lebens von Juliana Weinberg

Von Josephine Baker wusste ich bisher nicht viel. Eigentlich nur, dass sie als dunkelhäutige Tänzerin mit ihrem Bananenröckchen für viel Aufsehen sorgte. Über ihr Privat- und Liebesleben wusste ich hingegen gar nichts.

Deshalb war ich sehr neugierig auf diese Romanbiografie von Juliana Weinberg.

Die Autorin brachte mir Joseohine Baker sogleich näher. Eindrücklich wird zu Beginn geschildert, wie Josephine in den Slums von St. Louis aufwuchs.

Sofort hat mich der Roman gepackt und obwohl ich ja bereits wusste, dass Josie, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, eines Tages berühmt sein wird, hab ich mitgefiebert, als von ihren ersten Engagements als Revuetänzerin berichtet wurde und sie aufgeboten wurde, nach Paris zu kommen, um dort in der neugegründeten Revue Nègre zu tanzen.

In Paris kann Josephine es kaum glauben, dass sie in einem Hotel wohnen und essen darf und als Schwarze nicht hinausgewiesen wird. Selbst Jahre später, als sie die berühmteste Frau in Europa war, war es ihr bei Besuchen in Amerika nicht möglich, ein Hotelzimmer zu bekommen und wurde noch immer nicht in Restaurants bedient. Ein Leben lang leidet sie unter der sozialen Segregation und setzt sich alsbald selbst für die Bürgerrechtsbewegung ein.

Doch das ist längst nicht alles. Josephine führte ein ausschweifendes Leben, sie hatte fast immer mehr Träume und Wünsche als Geld und hörte nicht auf die Stimmen derer, die sie warnten. Sie war Tänzerin, Kriegsspionin, Sängerin, Geliebte, Mutter - nicht immer sympathisch, aber sie gab immer alles. Man muss sie nicht mögen, aber achten für das, was sie Gutes tat.

So ist "Josephine Baker und der Tanz des Lebens" eine eindrucksvolle Lebensgeschichte, in die uns die Autorin auf den Spuren der legendären und extravaganten Miss Baker mitnimmt.

Der Roman ist eine Art Zeitzeuge und allen geschichtsinteressierten Leser*innen wärmstens empfohlen.

Fazit: Zwischen Luxus und Rassenhass - eine abenteuerliche und emotionale Reise durch Miss Bakers unkonventionelles Leben.
4 Punkte.

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Ein Roman mit starken Charakteren

Sommerleuchten am See von Sarah Morgan

Schauplätze des neuen Romans von Sarah Morgans sind Brooklyn NYC und der britische Lake District.

In New York wohnt Floristin Flora, die sich mit Jack anfreundet, nichtahnend, was er für eine Geschichte hinter sich hat. Jack ist Witwer und Vater zweier Mädchen, von der siebenjährigen Molly und von Izzy, die gerade 17 wird.

Später in der Geschichte reisen sie alle zusammen nach England zu Clare und ihrer Familie. Hier wollen sie drei Wochen Sommerferien verbringen, so wie es seit jeher Tradition war. Denn Clare war die beste Freundin von Becca, Jacks verstorbener Frau.

Der Roman wird aus drei Perspektiven erzählt: Clare, Izzy und Flora.

Clare hat Bedenken Flora gegenüber, doch sich mit Flora anzufreunden, fällt ihr viel leichter als gedacht. Obwohl Clare es in ihrem Inneren weiss und oft auch von ihrer Mutter gesagt bekam, merkt Clare erst jetzt, wie das mit ihrer Freundschaft zu Becca wirklich lief.

Izzy versuchte nach dem Tod ihrer Mutter, zuhause in den Staaten, die kleine Familie zusammen zu halten und sich unentbehrlich zu machen. Von Flora fühlt sie sich deshalb bedroht. Jack macht die Augen zu und denkt es sei normales Teenagerverhalten, obwohl ihn Flora oft darauf anspricht.

Flora kennt sich mit Trauer aus. Auch mit dem Gefühl, nicht gewollt zu sein. Sie ist liebenswürdig, aber auch sehr einsam, denn die Zeit hat sie geprägt und Flora verbiegt sich oft, um zu gefallen und gemocht zu werden. Irgendwann ist aber der Punkt da, wo das nicht mehr geht und sie vor einer Entscheidung steht.

Ein Sommer ohne Becca, dafür mit Flora - das ist nicht für alle der Beteiligten einfach. Insbesondere für Clare und Izzy. Beide hüten ein Geheimnis über Becca und denken, es wäre besser zu schweigen. Doch dann kommt alles ans Licht.

Sarah Morgan bietet starke Figuren, eine tiefgründige Geschichte, die mit viel Humor aufgelockert ist. Das Setting, das Haus am See, ist bezaubernd.

"Sommerleuchten am See" ist ein kleines Familiendrama, in dem es um Verlust, Akzeptanz, Wut, Selbstliebe und Ehrlichkeit geht. Alles wurde realistisch geschildert, mir war an einigen Stellen aber zu viel Drama dabei.

Dieser Roman hier ist ein bisschen anders, als von Sarah Morgen gewohnt. Es gibt bessere Romane von ihr, dennoch habe ich ihn gern gelesen.

Fazit: Ein Roman mit starken Charakteren, tiefgründig, aber ein wenig anders, als von Sarah Morgan gewohnt.
4 Punkte.

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Erst nervig, dann interessant und emotional

Liebe im kleinen Brautladen am Strand von Jane Linfoot

Ich muss sagen, ich war erstaunt, dass Jess in ihrem "Wedding Shop"-Unternehmen schon wieder zwei helfende Hände unterbringen will. Eigentlich dachte ich letztes Jahr, dass der vierte Band mit seinem tollen Finale der letzte Band ist.

Doch die Autorin hat noch eine Figur erschaffen, die, wie schon einige vor ihr, in der Umgebung von St.

Aidan aufgewachsen und kaum erwachsen, weggezogen ist.

Diese neue Protagonistin ist Milla. Sie zog nach Bristol und gründete mit einer Arbeitskollegin, Phoebe, ein Hochzeitsmesse-Unternehmen. Nachdem Millas Freund mit Phoebe fremdging und die beiden nun ein Baby erwarten, braucht Milla eine Pause und fährt für einige Wochen nach St. Aidan.

Sogleich wird sie von Jess engagiert - Milla soll speziellen Kunden einen exklusiven Hochzeitsservice bieten. Tags drauf hat sie ihren ersten Kunden: Nic. Der will die Braut mit einer fixfertig vorbereiteten Hochzeit überraschen. Die Braut soll am Ende nur noch Ja-Sagen und sonst mit nichts zu tun haben.

Leider stellt sich Nic als schwieriger Kunde heraus, keine Location kann ihn überzeugen. Und schwierig wird es für Milla, als sie merkt, dass sie Ben mag. Sehr sogar. Umgekehrt sieht es ähnlich aus, denn Ben flirtet mit Milla. Doch der heiratet doch bald...

Ich ahnte, um was es bei der Hochzeit, die Nic plant, geht. Offiziell und zeitgleich mit Milla erfährt man es aber erst im zweiten Drittel. Gedrittelt waren auch meine Stimmungen beim Lesen: im ersten Drittel war ich (aufgrund Oberflächlichkeiten) ziemlich genervt, im zweiten Drittel war ich interessiert (endlich wusste man, was Sache ist und sah wie die Figuren mit der Situation umgehen) und im letzten Drittel sehr emotional.

Milla und Nic sind beide interessante Persönlichkeiten. Bis die zum Vorschein kommen, muss man aber durchhalten. Beide nerven zu Beginn, aber sobald man ihre Familiengeschichten erfährt und den wahren Charakter der beiden sieht, macht der Roman Spass. Milla zum Beispiel ist sehr verschwiegen, sie verrät kein Geheimnis, auch wenn es ihre Situation erheblich erleichtern würde. Nic ist für- und umsorgend, bei ihm kann es einem nur gut gehen.

In "Liebe im kleinen Brautladen am Strand" ist wieder alles mit dabei: Neubeginn, Humor, Hektik, Romantik und viel Alkohol - dazu den Nervenkitzel, ob auch ja alles klappt bei den Hochzeiten und und und.

Fazit: Ein erneut unterhaltender und am Ende emotionaler Aufenthalt in St. Aidan mit der mittlerweilen gut bekannten Crew des Brautladens am Strand.
4 Punkte.

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Eine sehr erdende und auch sehr blumige Geschichte

Die Träume der Bienen von Patricia Koelle

Die Titel dieser Inselgärten-Serie sind nicht nur sehr poetisch, sie haben auch immer mit der im Buch erzählten Geschichte zu tun. In diesem dritten Band "Die Träume der Bienen" verleiht eine Biene der Protagonistin Sila ihren Künstlernamen, und nicht nur deshalb ist diese spezielle Bienenart eine wichtige Erinnerung an ihre Kindheit im Oderbruch, in der ehemaligen DDR.

Seit ihrer Flucht aus der DDR, als sie noch ein Teenager war, lebt Sila in Berlin und arbeitet in einer offenen Werkstatt mit ihrem On-Off-Partner Devin sowie Indra und Oswin, zwei rüstige Senioren. Sila ist gelernte Tischlerin, verziert aber sehr oft mit Brandmalerei Schaukelstühle und Schilder.

Aufgewachsen ist Sila in der DDR mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf einem Loose-Hof. Als sie diesen Hof erbt, geht sie nach all den Jahren erstmals wieder zurück und stellt sich ihrer Vergangenheit. Sila möchte den Hof verkaufen, bringt ihn aber erstmal auf Vordermann. Beim jäten, Bäume zurückschneiden, Steinmauern ausbessern etc. hängt sie ihren guten und schlechten Erinnerungen nach, kommt mit sich und der Vergangenheit langsam ins Reine - und weiss was sie will. Bloss noch nicht wo.

Dies ist den Leserinnen aber schnell klar. Auch merken diese rasch, wo sich die Träume der Biologielehrerin Lexi erfüllen würden. Lexi fährt alle paar Tage nach Fehmarn, wo sie einen Garten besitzt. Sie liebt ihn und noch viel mehr liebt sie es, zusammen mit ihren Schülern zu gärtnern und ihnen alles beizubringen. Sie ist eigentlich glücklich, träumt aber von mehr.

Man spürt die Liebe der beiden Protagonistinnen zur Pflanzen- und Tierwelt. Beim Lesen hatte man die Rehe, Bussarde, Glühwürmchen und Bienen bildlich vor Augen und hörte das Nachtwächterhorn sanft ertönen.

Am besten liest man deshalb den grössten Teil dieses Romans draussen im Garten, auf dem Balkon, auf einer Parkbank oder auf einer Wiese und freut sich, wenn sich während der Lektüre eine Biene oder ein Vogel vorbeifliegt. Wie ein Gruss, der sagt, "hey, ich weiss, du liest von mir und meinen Artgenossen". So jedenfalls erging es mir, als eine Biene beim Nektar suchen vor mir herum schwirrte.

Die Lebensgeschichten der zwei Frauen sind interessant und Patricia Koelle gelingt es wie immer, diesen Geschichten, wie direkt aus dem Leben gegriffen, einen spannenden Touch zu geben.

Ebenfalls wie immer werden auch Ereignisse oder Schauplätze aus den Vorgängerbänden mit einbezogen. Man kann die Bände der Inselgärten-Serie als Einzelbände lesen - im Gegensatz zur Ostsee-Trilogie. Doch ich glaube, dass Mittendrin-Einsteiger nach der Lektüre die verpassten Bände auf jeden Fall nachlesen möchten, weil die Geschichten um die verschiedenen Gärten so ansprechend geschildert werden, dass man unbedingt wissen will, was es mit dem Mervin-Garten, dem Lese-Garten und allen anderen erwähnten Gärten auf sich hat. Ganz unabhängig von dem wunderschönen Schreibstil der Autorin.

Das Beste am Ende dieses dritten Bandes: dass man weiss, dass es mindestens noch einen Garten und dessen Geschichte zu entdecken gibt, in einem weiteren Band namens "Das Geheimnis der Grashüpfer". Und man von allen Protagonisten sicherlich nochmals hört und mitbekommt, wie es ihnen nach der letzten Seite ergangen ist.

Fazit: Superschöne, blumige und sehr erdende Geschichte in einem wundervollen Schreibstil erzählt.
5 Punkte.

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Eine geheimnisvolle Insel

Die Roseninsel von Anna Reitner

Diesen Roman hab ich Samstagnacht begonnen zu lesen und Sonntagabend beendet - die Geschichte hat mich voll gepackt.

Liv braucht eine Auszeit und hütet für vier Wochen "Die Roseninsel" im Starnberger See. Sie ist die einzige Bewohnerin der Insel, auf der es nur zwei Gebäude gibt: eine alte herrschaftliche Villa und ein Gartenhaus, in dem im Erdgeschoss das Inselmuseum untergebracht ist und im Obergeschoss die Inselwärterwohnung.

In der Villa findet Liv in einem Versteck ein altes Tagebuch. Abgeschieden auf der Insel hat sie viel Zeit und beginnt es zu lesen und taucht alsbald, zusammen mit den Leserinnen, in die Geschichte von Magdalena, der fiktiven Tochter des bayrischen König Otto ein. Zusammen mit einer verwitweten Baronin, einer Hausangestellten und dem Gärtner Sepp lebt Magdalena einsam auf der Roseninsel mitten im Starnberger See.

Liv hat die Abgeschiedenheit bewusst gewählt, Magdalena nicht. Während Liv in den vier Wochen wieder zur Ruhe kommen möchte, bangen die Leserinnen um Magdalenas Schicksal. Anna Reitner schafft es, die Leserinnen sofort in den Bann dieser Erzählung rund um Magdalena zu ziehen.

Den Erzählstrang um Liv ist zwar auch nicht uninteressant, bildet aber eher die Rahmenhandlung und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart. Viel spannender und geheimnisvoller empfand ich Magdalenas Lebensgeschichte, man hofft stark für sie, dass es gut für sie ausgeht.

Die Charaktere sind der Autorin toll gelungen, einerseits Liv, die nur ihre Ruhe will, dann aber doch langsam auftaut, andererseits Magdalena, die sich mit ihrem Schicksal nicht anfreunden will. Baronin Zeiss konnte ich mir nur zu gut vorstellen - herrje, da staunt man, wie Magdalena diese Frau ausgehalten hat. Viele Sympathiepunkte bekommt von mir der Gärtner Sepp, Oma Rosi und auch Johannes, der Liv so nimmt, wie sie ist.

Wer Rosen, Rosengärten, Geheimnisse, Archäologie und die bayrische Geschichte mag, wird auch diesen Roman mögen, da bin ich mir sicher.

Fazit: Eine geheimnisvolle und sehr interessante Geschichte um ein verstecktes Tagebuch, bzw. um dessen Schreiberin, die ich mit Vergnügen gelesen habe.
4 Punkte.

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Spannungsarm

Tod im Buckingham Palast von C. C. Benison

Ich lese sehr gerne Krimis, bei denen die Queen ermittelt. Deshalb freute ich mich auf die deutsche Übersetzung des ersten Bandes einer dreiteiligen Krimiserie von C. C. Benison.

Jeder der drei Bände spielt auf einem Schloss. Band 2 auf Sandringham, Band 3 auf Windsor Castle und der vorliegende erste Band, wie man dem Titel leicht entnehmen kann, im Buckingham Palast.

Dieser Krimi kommt inhaltlich sehr ähnlich daher, wie Anfangs Jahr das ebenfalls übersetzte "Das Windsorkomplott" von S. J. Bennett. Hier ist es aber nicht die stellvertretende Privatsekretärin die der Queen hilft, sondern ein 20jähriges Hausmädchen namens Jane Bee.

Jane kommt aus Kanada und ist nach einer Europareise ziemlich pleite bei ihrer Grosstante Grace untergekommen. Um ein bisschen Geld zu verdienen, arbeitet sie nun als Hausmädchen im Buckingham Palast. Hier freundete sie sich mit dem Lakaien Robin Tukes, einen Landsmann von ihr, an und verbrachte öfters mal ihre Freizeit mit ihm. Deshalb ist sie sehr betroffen, als er eines Tages plötzlich tot vor den Gemächern der Queen liegt.

Noch mehr geschockt ist Jane, als sie hört, dass es sich dabei um einen Selbstmord handeln soll. Das passt nicht zu Robin, findet Jane Bee. Auch nicht, dass der schwule junge Mann ein schwangeres Hausmädchen heiraten wollte und dies erst vor einigen Tagen verkündete. Sie ist skeptisch und beginnt Fragen zu stellen - und bald schon tut sie dies im Auftrag Ihrer Majestät, der Queen.

Der Autor beschreibt einen Ablauf, der so tatsächlich hätte stattfinden können, in seiner ganzen Länge. Das wirkte sehr authentisch.

Was mir aber hauptsächlich auffiel, ist, dass der Krimi tatsächlich sehr in die Länge gezogen wurde. Oft wurden zu detailliert Nebensächlichkeiten geschildert und noch viel öfters wurde alles, was Jane oder die Queen herausgefunden haben, nochmals und nochmals wiederholt.

Auch am Ende, als die Leser bereits wussten wer für Robins Tod verantwortlich war und nur noch kleine Details fehlten, wurde alles genauestens ein weiteres Mal repetiert.

Es war nett mit Jane Bee im Buckingham Palast, manchmal auch humorvoll, aber hauptsächlich viel zu langweilig. Und das lag nicht daran, dass die englische Originalausgabe bereits 1997 erschien. Anstatt den Krimi in zwei Tagen auszulesen, las ich fünf Tage daran. Es bedurfte viel Disziplin meinerseits den Krimi auch wirklich zu Ende zu lesen, anstatt einfach abzubrechen.

Fazit: Ein sehr spannungsarmer und viel zu detaillierter Cosy Krimi.
3 Punkte.

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Erwartungen wurden nicht erfüllt

Bittersüße Zitronen von Luca Ventura

Als Enrico Rizzi nachts auf dem Heimweg ist, kommt ihm ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit entgegen - das kurz darauf verunfallt. Rizzi eilt sofort an die Unglücksstelle und kann nur noch den Tod von Elisa, einer jungen einheimischen Frau, feststellen.

Die Mühlen mahlen langsam auf Capri und so will niemand ausser Augenzeuge Rizzi daran glauben, dass es nicht einfach ein Unfall, sondern ein Mordanschlag war.

Er nimmt die Ermittlungen trotz Gegenwind auf, und als bald darauf jemand angegriffen wird, ist allen klar, dass da mehr dahinter steckt.

Enrico Rizzi würde am liebsten alleine ermitteln und schickt Antonia Cirillo nur auf Botengänge. Das ist ihr zu langweilig und so macht sie es Rizzi nach und ermittelt auf eigene Faust, quasi parallel. Beide finden einiges über die betroffenen Familien heraus, alles könnte ermittlungsrelevant sein. Am Ende sind sie auf der richtigen Spur.

"Bittersüsse Zitronen" hat mich unterhalten, ich habe den Band zügig ausgelesen.

Doch mit einem spannenden Krimi kann dieser zweite Capri-Krimi-Band nicht mithalten. Als leichter Spannungsroman mit viel lokalem Flair kann diese Story durchgehen, aber halt nicht wirklich als Krimi.

Das Ende hat mich enttäuscht, obwohl ich es so ähnlich geahnt habe und es im realen Leben wohl ganz oft solche Fälle von rivalisierenden Familien gibt. Und wäre bei denen kein Rizzi in der Nähe, würden sie einfach als Unfall abgehakt und nie nachgeforscht, was tatsächlich dahinter stecken könnte.

Was mich auch sehr störte, war, dass Rizzi und Cirillo kaum miteinander gesprochen haben. Es las sich, als wären einfach beide von sich aus am selben Fall interessiert, aber würden sich kaum kennen. Die beiden sind wahrlich kein Dreamteam, und das liegt nicht an ihrem unsympathischen Vorgesetzten. Nach dem ersten Band dachte ich, die beiden Einzelgänger hätten sich zusammen gerauft. Doch dem war nicht so.

Der erste Band hörte sich vielversprechend an, doch dieser zweite Band konnte meine Erwartungen nicht erfüllen und deshalb werde ich einen allfälligen dritten Teil wahrscheinlich nicht mehr lesen.

Fazit: Es ist zwar ein unterhaltender Roman, aber leider weder spannend noch wirklich interessant.
3.5 Punkte.

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Ein nachdenklicher Pellegrini

Der Commissario und ein altes Geheimnis von Dino Minardi

Im dritten Band der Krimiserie, die im norditalienischen Como angesiedelt ist, bekommt Kommissar Marco Pellegrini Besuch aus Mailand. Die Guardia di Finanza haben Hinweise auf Marcos Freund Luca, der vor einigen Jahren bei einem Unfall verstarb, gefunden. Nun soll Pellegrini über Luca Auskunft geben - auch darüber, was er nach Lucas Tod machte.

Sein damaliges Verhalten - monatelang in Europa herumzugondeln - aus Trauer und Enttäuschung entstanden, macht ihn verdächtig.

Allerdings muss er sich nun auch erstmals richtig mit Lucas Tod auseinandersetzen. Hat sich das damals wirklich so abgespielt wie auf den ersten Blick gedacht, oder steckt da mehr dahinter? Kannte er Luca zu schlecht oder zu gut?

Mit seinen Gedanken derart beschäftigt hat Pellegrini so gar keine Lust, sich um den neuen Fall - ein getöteter Jugendlicher und gleich drei Mädchen wollen die Täterinnen sein - zu kümmern. Er gibt ihn an Claudia Spagnoli ab und kümmert sich um den Fall Luca.

Alle, die die zwei Vorgängerbände gelesen haben, wissen, dass dies unweigerlich zu Spannungen mit Fabio Cunego führt. So ist nicht nur Pellegrini, sondern auch Claudia mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen vollauf beschäftigt.

Nachdenklich kommt dieser dritte Band rüber. Ermittelt wird zwar, aber eher zweitrangig. Im Mittelpunkt steht Pellegrini auf seiner Suche nach der Wahrheit. Die Wahrheit, die mit Lucas Tod zu tun hat und vor allem auch die Frage, was Marco im Leben wirklich wichtig ist.

Nichtsdestotrotz ist auch dieser Band spannend und sorgt mit einem Undercover-Einsatz für ein bisschen Nervenkitzel. Nachdem nun vieles geklärt ist, bin ich gespannt, wie sich die Entwicklungen von "Der Commissario und ein altes Geheimnis" auf den vierten Band auswirken und freue mich darauf.

Das Setting, die Stadt am Lago di Como gelegen, gefällt mir nach wie vor und macht sicher nicht nur mir Lust, sich Pellegrini und Spagnolis Wirkungsstätte selbst einmal genauer anzusehen.

Fazit: Ein eher ruhiger Pellegrini, der aber ebenso interessant daher kommt wie die beiden Bände zuvor.
4 Punkte.

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Ganz viel Nordseefeeling

Leuchtturmträume von Tanja Janz

Der Prolog liest sich dramatisch. Man spürt danach, was passiert sein könnte und weshalb Anneke nun als Hoteltesterin arbeitet. Keinen näheren Kontakt mehr zu ihrer Familie zu haben, weil sie die Arbeit vorschiebt, überall zu sein und nie zur Ruhe kommen, damit sie keine Zeit für Grübeleien hat.

Doch als Anneke nach St. Peter-Ording geschickt wird, um romantische Hotspots zu suchen, trifft sie auf ihren Ex-Freund Raik - jetzt muss sie sich ihrem Gedankenkarussell stellen und kann nicht davon laufen.

Während sie nun ihren Job erledigt - der mir auch gefallen würde, gut bezahlt Sightseeeing zu machen - kann sie weder Raik noch allem, was sich in ihr in den letzten Jahren aufgestaut hat, nicht entkommen. Anneke merkt selbst, wie festgefahren sie darin ist, obwohl sie ihrer neuen Freundin Wenke gegenteilige Tipps gibt. So wird diese Geschäftsreise eine Reise zu sich selbst. Aber vor dieser tollen Kulisse durchzogen von Salzluft kann man ja auch gut durchatmen und so ist es auch ein Klacks für sie ihren Job zeitgleich zu erledigen. Wobei ihr Raik und einige Einheimische sehr gerne dabei helfen.

Der Roman ist so entspannend, wie für Anneke eine Bernsteinmassage - gemütliche Lesestunden sind garantiert.

Fernweh kommt auch auf. Indem wir die Nordsee zusammen mit Anneke entdecken, ist das Lesen dieses Romans praktisch ein Ersatz für das momentane nicht reisen können.

Autorin Tanja Janz schafft das eh immer. In ihren Büchern fühlt man sich wohl, und wenn man ihre Bücher nicht vor Ort in St. Peter-Ording lesen kann, macht das gar nichts, man hat das Gefühl, man sei eh dort.

Fazit: Erneut ein schöner Roman aus der Feder von Tanja Janz - mit ganz viel Nordseefeeling.
4 Punkte.

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