Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Leise und melancholisch schön

Am Horizont das Meer von Anika Beer

"Am Horizont das Meer" ist ein überraschend guter und melancholischer Roman von Anika Beer.

Erinnerungsfetzen sind alles, was Sofia aus ihrer Kindheit hat. Sie träumt vom Meer, von einer Küste, zu der sie keinen Namen hat und auch von einem Mädchen und einem Jungen. Einige Worte wie "Meerjungfrau" kreisen immer wieder durch ihre Gedanken.

Mittlerweile ist Sofia um die 30 und muss mit dieser Ungewissheit leben, mit diesem unbekannten Sehnsuchtsort in ihrem Herzen. Ihre Grossmutter wollte ihr nie etwas erzählen. Und jetzt kann sie es nicht mehr: ohne ein Wort verraten zu haben, ist sie verstorben. Sofia fällt in ein Loch, ist genervt von ihrem ungeduldigen Freund Oliver, der sie einfach nicht verstehen kann.

Erst als Sofia beim Aufräumen eine Schachtel mit Briefen findet, keimt eine leise Hoffnung in ihr auf. Sie macht sich auf den Weg an die Costa Brava, an einen kleinen Fischerort, ohne zu wissen, was auf sie wartet, ob sich jemand an sie erinnert und ob ihr jemand sagen kann, ob sie wirklich aus dem Meer kam, wie sie das in ihren Träumen sieht.

Auch ich habe so einen Sehnsuchtsort aus meiner Kindheit, den ich allerdings kenne. Das Wissen darum hätte ich Sofia gegönnt. Zu wissen, wohin man gehört, wo man seine Wurzeln hat - all das fehlt Sofia und ich konnte ihre Sehnsucht verstehen.

Die Leser haben den Vorteil, früher als Sofia vom geträumten Ort und der damaligen Situation zu erfahren. Doch auch sie werden von der Geschichte überrascht werden.

Es ist eine sehr nachdenkliche und traurige, aber sehr schöne und stimmige Geschichte, die mir total gut gefallen hat. Es ist eine Sehnsuchtsgeschichte, in der man mit der Meerjungfrau bangt, den Leuchtturmwächter lieb gewinnt und die Königinmutter nicht versteht.

Wer diese drei sind? Erfährt ihr beim Lesen dieses Romans. Es gibt noch weitere vier Personen, die wichtig sind, sowie einige Nebenfiguren. Ich fand sie alle interessant und war sehr gespannt auf einige Entwicklungen.

Das hübsche Cover täuscht übrigens. Die Story ist zwar nicht düster, aber längst nicht so idyllisch, wie das Cover uns zeigt.

Dieser Roman hat mich in Beschlag genommen, so dass ich am Ende darüber hinwegsehe, dass das Geheimnis, welches Sofias Grossmutter mit ins Grab nahm, durch gründliche Recherche seitens der erwachsenen Sofia durchwegs herausfindbar gewesen wäre.

Fazit: Eine ganz tolle, leise, melancholische, mal etwas andere Geschichte.
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Krimi mit Südsee-Feeling

Am Horizont das Meer von Anika Beer

Öfters mal was anderes - dachte ich mir, als ich zu diesem Krimi griff. Die Destination Fidschi ist wirklich mal ganz was anderes als England, Frankreich oder Spanien. Die Inseln sind mir gänzlich unbekannt und so war ich gespannt darauf, was mich erwartet.

Anfangs hatte ich Mühe mit den mir unbekannten Namen, denn viele Männernamen enden auf ein A.

Der Kommissar zum Beispiel heisst Josefa, das verwirrte mich sehr, für mich ist das ein Frauennamen. Zum Glück wird er später nur noch Joe oder Horseman genannt. Zum Ende hin konnte ich die Namen dann aber besser einordnen, ich kam auch mit der allgegenwärtigen Freundlichkeit von fast allen Beteiligten in diesem Krimi klar und gewöhnte mich an die vielen rhetorischen Fragen der Einheimischen.

Wenn ich die Serie weiterverfolge - im Original sind bereits vier Bände erschienen - werde ich so gut über Fidschi und seine Kultur informiert sein, dass ich ohne Probleme auf den Inseln herum reisen kann, würde ich sie mir eines Tages als Feriendestination auswählen.

Vielleicht habe ich bis dann auch die vielen Inseln und Gegenden besser im Kopf - was wo ist, war echt schwer sich zu vergegenwärtigen und ich schaute deshalb während dem Lesen öfters auf der Weltkarte nach.

Würde ich die Serie weiter verfolgen, wenn die weiteren Bände übersetzt werden?

Ja klar! Ich mochte den Aufenthalt im Paradise Island Resort, wo gerade ein grosser Abschnitt zum Meeresschutzgebiet erklärt wurde. Am Tag nach der offiziellen Einweihung wird eine Hotelangestellte dort tot im Riff aufgefunden. Joe Horsemann, soeben nach einem Jahr in den USA, gelandet, wird sofort aufgeboten zu ermitteln - sehr zum Leidwesen seiner Familie, allen voran seiner Mutter.

Joe ist eine bekannte Grösse auf Fidschi, er ist Rugbyspieler und Kommissar und wird von allen erkannt. DS Susie Singh ist nicht wirklich begeistert mit diesem berühmten Mann zu arbeiten, doch sie merkt schnell, dass Joe auf ihre Meinung und selbstständige Arbeit Wert legt. Später wird ihnen noch ein junger Sergeant, frisch ab Polizeischule, zugeteilt. Mit diesem neuen Ermittler-Team kann man in Zukunft rechnen, sie ergänzen sich gut.

Dieser Krimi um die tote junge Frau hat mir gut gefallen. Obwohl der Fall spannend und höchst interessant ist und das exotische Südsee-Setting dazu schon ausreichen würde, verschliesst die Autorin B. M. Allsopp nicht die Augen vor den Problemen, die auf Fidschi Thema sind und integriert sie authentisch in diesen Kriminalroman.

Fazit: Jedem, der dem kalten Aprilwetter entfliehen möchte und mal einen Krimi ausserhalb der europäischen Komfortzone lesen will, sei "Tropische Gefahr" wärmstens empfohlen.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Kaffee gegen Eiscreme

Am Horizont das Meer von Anika Beer

Schon im ersten Band bei der ersten Begegnung von Madison und Patrick merkte man, dass zwischen ihnen Funken fliegen.

Diese fliegen hier übergangslos weiter. Erst recht als im Bürgermeisterbüro eine Schachtel mit Papieren gefunden wird, die mit dem Verkauf der ehemaligen Eisdiele "Honey Cone" und jetzigen Cafés "Bean and Brew" zu tun haben.

Das ärgert Madison, denn sie wollte damals eine Eisdiele eröffnen, doch Patrick hat den Laden schlussendlich bekommen. Mit den neuen Informationen fordert Madison deshalb Patrick zu einem Wettbewerb heraus: wer in den nächsten Tagen mehr Umsatz macht, gewinnt den Laden. Als Anwalt weiss Patrick, dass er im Recht ist und ihm der Laden gehört, egal wie dieser Wettbewerb ausgeht. Trotzdem heisst es ab da klar: Kaffee gegen Eiscreme.

Da Patrick über die Hintergründe des damaligen Verkaufs immer mehr herausfindet, lässt er Madison gewähren. Sie ist die erste Frau seit langem, die ihn interessiert. Doch sie hasst hin. Umgekehrt merkt auch Madison, dass Katze Belle - die als Hochzeitsstifterin gilt - vielleicht gar nicht so verkehrt liegt. Aber Patrick mag sie eh nicht, kein Wunder, so wie sich ihm gegenüber die letzten drei Jahre verhalten hat. Zu zeigen, dass sie ihn jetzt lieber mag, fällt Madison schwer, obwohl sie aktuell nicht nur wegen dem Wettbewerb viel Zeit zusammen verbringen, sondern auch anstelle von der kranken Bea, das Honig-Festival zusammen organisieren müssen.

Der erste Band "Sweet like you" war total schön zu lesen und so war ich sehr enttäuscht, als es in diesem zweiten Band in der ersten Hälfte nur um diesen doofen Wettbewerb ging und Madison sich in eine neidische Furie verwandelte. Kein Wunder, dass ich Patrick viel lieber mochte.

Zum Glück änderte sich die Stimmung in der zweiten Hälfte. Madison und Patrick werden sanfter, sie traut ihren Gefühlen nicht - wenn sie wüsste, was er für sie plant!

Am Ende war ich zwar versöhnt, dennoch fehlt diesem Band der Charme, der den ersten so lesenswert und schön kuschelig machte.

Es gibt natürlich ein Wiedersehen mit der halben Kleinstadt. Alle packen wie gewohnt mit an oder kommandieren andere herum und dazwischen streift Belle mit ihren Katzenkindern allen, besonders den zwei Protagonisten, um die Beine herum.

Fazit: Nicht so gut wie der erste Band, aber spätestens nach der Mitte nett zu lesen.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Eine überraschende Reise nach Cornwall

Die Roseninsel von Gabriele Diechler

Schafft euch ganz viel freie Zeit, bevor ihr diesen Roman zu lesen beginnt. Denn einmal angefangen, will man nicht mehr aufhören zu lesen.

Die Geschichte um Emma, die den Buchladen ihrer verstorbenen Eltern aufgeben musste und nun im Angestelltenverhältnis einer Filialkette nicht glücklich ist, begeistert.

Sie braucht dringend Abstand und möchte auf den Spuren ihrer Eltern erst nach London und dann nach Cornwall.

Ihre Eltern haben sich in London kennengelernt, ihre Mutter ist in Cornwall aufgewachsen. Emmas Reisewünsche erfüllen sich und tatsächlich verbringt sie erst einige Tage in London, bevor sie nach Cornwall gelangt. Doch ihre Auszeit wird ganz anders als von ihr geplant.

Nicht nur für Emma gibt es viele Überraschungen auf ihrem Trip, auch die Leserinnen werden immer wieder mit neuen Wendungen belohnt. Seien es unerwartete Begegnungen mit Tieren oder Menschen, aber auch Orte, an die uns Gabriele Diechler auf dieser Lesereise mitnimmt.

Die Charaktere sind der Autorin gut gelungen, man weiss fast nicht, wer einem am besten gefallen hat. Emma und Ava sicher, kautzige Wirtinnen kommen ebenfalls auf die Liste. Aber der heimliche Favorit ist Jimmy - ein bellender Vierbeiner, der Emmas und auch mein Herz schnell erobert hat.

Auf den ersten Blick ist wirklich viel "rosa" in der Geschichte da, aber man merkt schon zu Beginn, dass viel mehr dahinter steckt und der Roman eine tiefergehende Basis hat. Neben der Geschichte von Emma (und der später dazukommende misstrauische Ethan) gibt es öfters kurze Einschübe, Rückblicke auf das Leben von Emmas Eltern, die zeigen, wie sehr sich die beiden geliebt haben.

Es ist der erste Roman, den ich von Gabriele Diechler gelesen habe. Die Geschichte und ihr Schreibstil gefallen mir so gut, so dass ich sicher noch weitere Bücher von der Autorin lesen möchte.

"Die Roseninsel" ist ein schöner Liebesroman, der vielleicht nicht so lange in Erinnerung bleibt, aber der einem direkt beim Lesen alles ringsrum vergessen lässt.

Fazit: Ein toller Pageturner, der euch erst nach London und dann nach Cornwall führt.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Ein Leben im Staub und der Kunst verschrieben

Die Bildhauerin von Pia Rosenberger

Auf diesen Roman hab ich gewartet!

Dieser Roman ist eins von drei Büchern, auf die ich mich 2021 am meisten freute. Ich bin begeistert von Camilles Kunstwerken und hab vor vielen Jahren alles gelesen was es über sie und Auguste Rodin zu lesen (und sehen) gab. Viel war es nicht, aber seither gehört "Der Kuss" von Anne Delbée zu meinen Lieblingsbüchern.

Dass ich nun, nach so langer Zeit, endlich mal wieder über eine meiner Lieblingskünstlerinnen etwas lesen kann, freut mich riesig.

Der Roman beginnt, als Camille auf ihrem Weg zu ihrer ersten Lektion in der Académie Colarossi ist. Louis-Prosper-Claudel förderte seine Tochter, was 1881 eher ungewöhnlich war. Auch Paul Dubois und Alfred Boucher, Camilles erste Lehrer, sahen ihre Begabung und ermöglichten ihr Unterricht an dieser Kunstschule.

An der Académie freundet Camille sich mit drei Engländerinnen an, Emily, Amy und Jessie, sowie mit Umberto, einem italienischen Model. Ein weiterer wichtiger Mann in ihrem Leben war der Komponist Claude Debussy. Mit ihm kam sie raus aus den staubigen Ateliers, sah sie Paris durch andere Augen, mit ihm konnte sie das Leben geniessen. Alles war leicht und unkompliziert mit Claude.

Doch Camille opfert ihr Leben wortwörtlich der Bildhauerei und ihrem Lehrer Auguste Rodin. Ihm ist sie mit Haut und Haar verfallen, obwohl sie sich anfänglich total dagegen sträubt. Für ihn war sie Model, Muse, Beraterin und Geliebte. Doch niemals die Ehefrau, die sie so gerne gewesen wäre. Sie war ihm mindestens ebenbürtig wenn nicht besser, das wusste Rodin. Aber zu Lebzeiten schaffte Camille es nie über Rodin hinaus. Und das, obwohl er einer der Wenigen war, die Frauen in der Kunst als ebenbürtig ansahen, überall sonst begegnete sie dem Vorurteil des schwachen Geschlechts.

Neben der Beziehung zu Rodin wird in "Die Bildhauerin" das Augenmerk auch auf Camilles Familie gelegt. Vor allem Pauls Entwicklung, der später ein bekannter Literat wurde, wird sehr gut beschrieben. Pauls Wesen, seine Angst vor dem Leben, seine Gottesfürchtigkeit und seine Hinwendung zum katholischen Glauben, obwohl aus einem Agnostikerhaushalt stammend, und somit das pure Gegenteil von Camille, wird toll geschildert. Paul hielt den Lärm zuhause kaum aus. Er, Camille und ihr Vater waren ein Team, die Mutter und Schwester Louise ein anderes. Doch Camille und Paul hielten zusammen, so unterschiedlich sie auch waren.

Es gibt immer wieder Rückblicke in Camilles Kindheit, die einerseits aufzeigen, wie Camille immer schon nur bildlich dachte, alles in ihren Händen formen wollte und "Dreck" liebte; andererseits die Streitereien ihrer Mutter mit allen anderen. Eine Mutter, die immer nur wer sein wollte, aber die Genialität von zweien ihrer dreier Kinder nie sah und mit ihrem Gekeife beide aus dem Haus jagte.

Aufgrund dieser Einblicke gefällt mir der Roman "Die Bildhauerin" und ich denke, dass die Autorin Pia Rosenberger die wichtigsten Schritte im Leben der Künstlerin Camille Claudel gut herausgearbeitet hat.

Mir fehlte aber ein Nachwort, in dem beschrieben gewesen wäre, wie es mit Camille und Rodin weiter ging. Denn sie trennte sich später endgültig von ihm, verwahrloste daraufhin und wird in eine Psychiatrie eingewiesen.

Dies, und viele weitere Szenen, die noch viel mehr mit Camilles eigenen Kunstwerken und eben auch dem berühmten "Der Kuss" zu tun haben, wird enorm eindrücklich im Roman von Ann Delbée und im Buch von Reine-Marie Paris beschrieben. Wer durch die Lektüre der "Die Bildhauerin" neugierig geworden ist und noch mehr über Camille Claudel erfahren möchte, dem seien diese beiden Bücher empfohlen.

Alle andern bekommen mit dem vorliegenden Roman von Pia Rosenberger einen guten Einblick in Camille Claudels Leben, wie auch in die Arbeit der Bildhauer im 19. Jahrhundert.

Fazit: Ein Leben im Staub und der Kunst verschrieben - zwar im Gegensatz zu anderen Büchern über die Künstlerin eher zahm und nicht zu Ende erzählt, aber dennoch spannend und schön zu lesen, da der Schwerpunkt auf anderen Szenen lag.
4.5 Punkte

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Zwischen Luxus und Rassenhass

Josephine Baker und der Tanz des Lebens von Juliana Weinberg

Von Josephine Baker wusste ich bisher nicht viel. Eigentlich nur, dass sie als dunkelhäutige Tänzerin mit ihrem Bananenröckchen für viel Aufsehen sorgte. Über ihr Privat- und Liebesleben wusste ich hingegen gar nichts.

Deshalb war ich sehr neugierig auf diese Romanbiografie von Juliana Weinberg.

Die Autorin brachte mir Joseohine Baker sogleich näher. Eindrücklich wird zu Beginn geschildert, wie Josephine in den Slums von St. Louis aufwuchs.

Sofort hat mich der Roman gepackt und obwohl ich ja bereits wusste, dass Josie, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, eines Tages berühmt sein wird, hab ich mitgefiebert, als von ihren ersten Engagements als Revuetänzerin berichtet wurde und sie aufgeboten wurde, nach Paris zu kommen, um dort in der neugegründeten Revue Nègre zu tanzen.

In Paris kann Josephine es kaum glauben, dass sie in einem Hotel wohnen und essen darf und als Schwarze nicht hinausgewiesen wird. Selbst Jahre später, als sie die berühmteste Frau in Europa war, war es ihr bei Besuchen in Amerika nicht möglich, ein Hotelzimmer zu bekommen und wurde noch immer nicht in Restaurants bedient. Ein Leben lang leidet sie unter der sozialen Segregation und setzt sich alsbald selbst für die Bürgerrechtsbewegung ein.

Doch das ist längst nicht alles. Josephine führte ein ausschweifendes Leben, sie hatte fast immer mehr Träume und Wünsche als Geld und hörte nicht auf die Stimmen derer, die sie warnten. Sie war Tänzerin, Kriegsspionin, Sängerin, Geliebte, Mutter - nicht immer sympathisch, aber sie gab immer alles. Man muss sie nicht mögen, aber achten für das, was sie Gutes tat.

So ist "Josephine Baker und der Tanz des Lebens" eine eindrucksvolle Lebensgeschichte, in die uns die Autorin auf den Spuren der legendären und extravaganten Miss Baker mitnimmt.

Der Roman ist eine Art Zeitzeuge und allen geschichtsinteressierten Leser*innen wärmstens empfohlen.

Fazit: Zwischen Luxus und Rassenhass - eine abenteuerliche und emotionale Reise durch Miss Bakers unkonventionelles Leben.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Ein Roman mit starken Charakteren

Sommerleuchten am See von Sarah Morgan

Schauplätze des neuen Romans von Sarah Morgans sind Brooklyn NYC und der britische Lake District.

In New York wohnt Floristin Flora, die sich mit Jack anfreundet, nichtahnend, was er für eine Geschichte hinter sich hat. Jack ist Witwer und Vater zweier Mädchen, von der siebenjährigen Molly und von Izzy, die gerade 17 wird.

Später in der Geschichte reisen sie alle zusammen nach England zu Clare und ihrer Familie. Hier wollen sie drei Wochen Sommerferien verbringen, so wie es seit jeher Tradition war. Denn Clare war die beste Freundin von Becca, Jacks verstorbener Frau.

Der Roman wird aus drei Perspektiven erzählt: Clare, Izzy und Flora.

Clare hat Bedenken Flora gegenüber, doch sich mit Flora anzufreunden, fällt ihr viel leichter als gedacht. Obwohl Clare es in ihrem Inneren weiss und oft auch von ihrer Mutter gesagt bekam, merkt Clare erst jetzt, wie das mit ihrer Freundschaft zu Becca wirklich lief.

Izzy versuchte nach dem Tod ihrer Mutter, zuhause in den Staaten, die kleine Familie zusammen zu halten und sich unentbehrlich zu machen. Von Flora fühlt sie sich deshalb bedroht. Jack macht die Augen zu und denkt es sei normales Teenagerverhalten, obwohl ihn Flora oft darauf anspricht.

Flora kennt sich mit Trauer aus. Auch mit dem Gefühl, nicht gewollt zu sein. Sie ist liebenswürdig, aber auch sehr einsam, denn die Zeit hat sie geprägt und Flora verbiegt sich oft, um zu gefallen und gemocht zu werden. Irgendwann ist aber der Punkt da, wo das nicht mehr geht und sie vor einer Entscheidung steht.

Ein Sommer ohne Becca, dafür mit Flora - das ist nicht für alle der Beteiligten einfach. Insbesondere für Clare und Izzy. Beide hüten ein Geheimnis über Becca und denken, es wäre besser zu schweigen. Doch dann kommt alles ans Licht.

Sarah Morgan bietet starke Figuren, eine tiefgründige Geschichte, die mit viel Humor aufgelockert ist. Das Setting, das Haus am See, ist bezaubernd.

"Sommerleuchten am See" ist ein kleines Familiendrama, in dem es um Verlust, Akzeptanz, Wut, Selbstliebe und Ehrlichkeit geht. Alles wurde realistisch geschildert, mir war an einigen Stellen aber zu viel Drama dabei.

Dieser Roman hier ist ein bisschen anders, als von Sarah Morgen gewohnt. Es gibt bessere Romane von ihr, dennoch habe ich ihn gern gelesen.

Fazit: Ein Roman mit starken Charakteren, tiefgründig, aber ein wenig anders, als von Sarah Morgan gewohnt.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Erst nervig, dann interessant und emotional

Liebe im kleinen Brautladen am Strand von Jane Linfoot

Ich muss sagen, ich war erstaunt, dass Jess in ihrem "Wedding Shop"-Unternehmen schon wieder zwei helfende Hände unterbringen will. Eigentlich dachte ich letztes Jahr, dass der vierte Band mit seinem tollen Finale der letzte Band ist.

Doch die Autorin hat noch eine Figur erschaffen, die, wie schon einige vor ihr, in der Umgebung von St.

Aidan aufgewachsen und kaum erwachsen, weggezogen ist.

Diese neue Protagonistin ist Milla. Sie zog nach Bristol und gründete mit einer Arbeitskollegin, Phoebe, ein Hochzeitsmesse-Unternehmen. Nachdem Millas Freund mit Phoebe fremdging und die beiden nun ein Baby erwarten, braucht Milla eine Pause und fährt für einige Wochen nach St. Aidan.

Sogleich wird sie von Jess engagiert - Milla soll speziellen Kunden einen exklusiven Hochzeitsservice bieten. Tags drauf hat sie ihren ersten Kunden: Nic. Der will die Braut mit einer fixfertig vorbereiteten Hochzeit überraschen. Die Braut soll am Ende nur noch Ja-Sagen und sonst mit nichts zu tun haben.

Leider stellt sich Nic als schwieriger Kunde heraus, keine Location kann ihn überzeugen. Und schwierig wird es für Milla, als sie merkt, dass sie Ben mag. Sehr sogar. Umgekehrt sieht es ähnlich aus, denn Ben flirtet mit Milla. Doch der heiratet doch bald...

Ich ahnte, um was es bei der Hochzeit, die Nic plant, geht. Offiziell und zeitgleich mit Milla erfährt man es aber erst im zweiten Drittel. Gedrittelt waren auch meine Stimmungen beim Lesen: im ersten Drittel war ich (aufgrund Oberflächlichkeiten) ziemlich genervt, im zweiten Drittel war ich interessiert (endlich wusste man, was Sache ist und sah wie die Figuren mit der Situation umgehen) und im letzten Drittel sehr emotional.

Milla und Nic sind beide interessante Persönlichkeiten. Bis die zum Vorschein kommen, muss man aber durchhalten. Beide nerven zu Beginn, aber sobald man ihre Familiengeschichten erfährt und den wahren Charakter der beiden sieht, macht der Roman Spass. Milla zum Beispiel ist sehr verschwiegen, sie verrät kein Geheimnis, auch wenn es ihre Situation erheblich erleichtern würde. Nic ist für- und umsorgend, bei ihm kann es einem nur gut gehen.

In "Liebe im kleinen Brautladen am Strand" ist wieder alles mit dabei: Neubeginn, Humor, Hektik, Romantik und viel Alkohol - dazu den Nervenkitzel, ob auch ja alles klappt bei den Hochzeiten und und und.

Fazit: Ein erneut unterhaltender und am Ende emotionaler Aufenthalt in St. Aidan mit der mittlerweilen gut bekannten Crew des Brautladens am Strand.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Eine sehr erdende und auch sehr blumige Geschichte

Die Träume der Bienen von Patricia Koelle

Die Titel dieser Inselgärten-Serie sind nicht nur sehr poetisch, sie haben auch immer mit der im Buch erzählten Geschichte zu tun. In diesem dritten Band "Die Träume der Bienen" verleiht eine Biene der Protagonistin Sila ihren Künstlernamen, und nicht nur deshalb ist diese spezielle Bienenart eine wichtige Erinnerung an ihre Kindheit im Oderbruch, in der ehemaligen DDR.

Seit ihrer Flucht aus der DDR, als sie noch ein Teenager war, lebt Sila in Berlin und arbeitet in einer offenen Werkstatt mit ihrem On-Off-Partner Devin sowie Indra und Oswin, zwei rüstige Senioren. Sila ist gelernte Tischlerin, verziert aber sehr oft mit Brandmalerei Schaukelstühle und Schilder.

Aufgewachsen ist Sila in der DDR mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf einem Loose-Hof. Als sie diesen Hof erbt, geht sie nach all den Jahren erstmals wieder zurück und stellt sich ihrer Vergangenheit. Sila möchte den Hof verkaufen, bringt ihn aber erstmal auf Vordermann. Beim jäten, Bäume zurückschneiden, Steinmauern ausbessern etc. hängt sie ihren guten und schlechten Erinnerungen nach, kommt mit sich und der Vergangenheit langsam ins Reine - und weiss was sie will. Bloss noch nicht wo.

Dies ist den Leserinnen aber schnell klar. Auch merken diese rasch, wo sich die Träume der Biologielehrerin Lexi erfüllen würden. Lexi fährt alle paar Tage nach Fehmarn, wo sie einen Garten besitzt. Sie liebt ihn und noch viel mehr liebt sie es, zusammen mit ihren Schülern zu gärtnern und ihnen alles beizubringen. Sie ist eigentlich glücklich, träumt aber von mehr.

Man spürt die Liebe der beiden Protagonistinnen zur Pflanzen- und Tierwelt. Beim Lesen hatte man die Rehe, Bussarde, Glühwürmchen und Bienen bildlich vor Augen und hörte das Nachtwächterhorn sanft ertönen.

Am besten liest man deshalb den grössten Teil dieses Romans draussen im Garten, auf dem Balkon, auf einer Parkbank oder auf einer Wiese und freut sich, wenn sich während der Lektüre eine Biene oder ein Vogel vorbeifliegt. Wie ein Gruss, der sagt, "hey, ich weiss, du liest von mir und meinen Artgenossen". So jedenfalls erging es mir, als eine Biene beim Nektar suchen vor mir herum schwirrte.

Die Lebensgeschichten der zwei Frauen sind interessant und Patricia Koelle gelingt es wie immer, diesen Geschichten, wie direkt aus dem Leben gegriffen, einen spannenden Touch zu geben.

Ebenfalls wie immer werden auch Ereignisse oder Schauplätze aus den Vorgängerbänden mit einbezogen. Man kann die Bände der Inselgärten-Serie als Einzelbände lesen - im Gegensatz zur Ostsee-Trilogie. Doch ich glaube, dass Mittendrin-Einsteiger nach der Lektüre die verpassten Bände auf jeden Fall nachlesen möchten, weil die Geschichten um die verschiedenen Gärten so ansprechend geschildert werden, dass man unbedingt wissen will, was es mit dem Mervin-Garten, dem Lese-Garten und allen anderen erwähnten Gärten auf sich hat. Ganz unabhängig von dem wunderschönen Schreibstil der Autorin.

Das Beste am Ende dieses dritten Bandes: dass man weiss, dass es mindestens noch einen Garten und dessen Geschichte zu entdecken gibt, in einem weiteren Band namens "Das Geheimnis der Grashüpfer". Und man von allen Protagonisten sicherlich nochmals hört und mitbekommt, wie es ihnen nach der letzten Seite ergangen ist.

Fazit: Superschöne, blumige und sehr erdende Geschichte in einem wundervollen Schreibstil erzählt.
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Eine geheimnisvolle Insel

Die Roseninsel von Anna Reitner

Diesen Roman hab ich Samstagnacht begonnen zu lesen und Sonntagabend beendet - die Geschichte hat mich voll gepackt.

Liv braucht eine Auszeit und hütet für vier Wochen "Die Roseninsel" im Starnberger See. Sie ist die einzige Bewohnerin der Insel, auf der es nur zwei Gebäude gibt: eine alte herrschaftliche Villa und ein Gartenhaus, in dem im Erdgeschoss das Inselmuseum untergebracht ist und im Obergeschoss die Inselwärterwohnung.

In der Villa findet Liv in einem Versteck ein altes Tagebuch. Abgeschieden auf der Insel hat sie viel Zeit und beginnt es zu lesen und taucht alsbald, zusammen mit den Leserinnen, in die Geschichte von Magdalena, der fiktiven Tochter des bayrischen König Otto ein. Zusammen mit einer verwitweten Baronin, einer Hausangestellten und dem Gärtner Sepp lebt Magdalena einsam auf der Roseninsel mitten im Starnberger See.

Liv hat die Abgeschiedenheit bewusst gewählt, Magdalena nicht. Während Liv in den vier Wochen wieder zur Ruhe kommen möchte, bangen die Leserinnen um Magdalenas Schicksal. Anna Reitner schafft es, die Leserinnen sofort in den Bann dieser Erzählung rund um Magdalena zu ziehen.

Den Erzählstrang um Liv ist zwar auch nicht uninteressant, bildet aber eher die Rahmenhandlung und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart. Viel spannender und geheimnisvoller empfand ich Magdalenas Lebensgeschichte, man hofft stark für sie, dass es gut für sie ausgeht.

Die Charaktere sind der Autorin toll gelungen, einerseits Liv, die nur ihre Ruhe will, dann aber doch langsam auftaut, andererseits Magdalena, die sich mit ihrem Schicksal nicht anfreunden will. Baronin Zeiss konnte ich mir nur zu gut vorstellen - herrje, da staunt man, wie Magdalena diese Frau ausgehalten hat. Viele Sympathiepunkte bekommt von mir der Gärtner Sepp, Oma Rosi und auch Johannes, der Liv so nimmt, wie sie ist.

Wer Rosen, Rosengärten, Geheimnisse, Archäologie und die bayrische Geschichte mag, wird auch diesen Roman mögen, da bin ich mir sicher.

Fazit: Eine geheimnisvolle und sehr interessante Geschichte um ein verstecktes Tagebuch, bzw. um dessen Schreiberin, die ich mit Vergnügen gelesen habe.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand