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Rezensionen von Bibliomarie:

Familiengeheimnisse

Die Lilienbraut von Teresa Simon

Die junge Nellie Voss arbeitet in den 40iger Jahren als Bürohilfe beim angesehenen Parfümhersteller 4711, ein älterer sympathischer Mitarbeiter erkennt ihre feine Nase und ihr Gespür für Duftkompositionen. Privat leidet Nellie an ihrer großen, doch unerreichbaren Liebe. Ihre Familie wird in den Strudel der Kriegswirren gezogen und ganz besonders um ihren jüngeren Bruder Martin muss sie fürchten.

In der Gegenwart verschlägt es die junge Niederländerin Liv nach Ehrenfeld. Eine Erbschaft ihrer Tante Wimme war an die Bedingung geknüpft, dass sie nach Köln zieht. Liv hat ebenfalls eine Leidenschaft für Düfte und Aromen. Ihr Ziel, ein kleines Parfümgeschäft, in dem sie jeder Kundin den passenden Duft kreieren kann. In diesem jungen, lebendigen Stadtteil findet sie das passende Umfeld, obwohl nicht jeder sie mit Offenheit empfängt.

Ehrenfeld in den 40iger Jahren und in der Gegenwart. Das sind die Handlungseckpunkte des neuen Familienromans von Teresa Simon. Wie immer stehen Frauen im Mittelpunkt, die ihr mit innerer Kraft die Herausforderungen ihres Lebens meistern müssen.

Das ist die Stärke der Autorin: Vergangenheit und Gegenwart mit persönlichen Schicksalen zu in einer spannenden Geschichte zu verknüpfen. Ihre Beschreibungen sind sehr lebhaft und farbig und ihre Heldinnen werden sogleich zu Figuren, zu denen man eine besondere Beziehung aufbauen kann.

Es ist nicht der erste Roman der Autorin den ich lese und wie immer habe ich mich dabei sehr gut unterhalten gefühlt, auch wenn ihr routinierter Erzählstil mir schon sehr früh die Richtung der Geschichte weist. Teresa Simon schreibt einen sehr angenehmen und lockeren Stil, der leicht zu lesen ist. Dabei flicht sie auch viele interessante Details in die Handlung ein, hier zum Beispiel die Geschichte der Kölner Firmen 4711 und Farina und die Auswirkungen der Kriegszeit auf Köln.

Der Handlungsstrang der Gegenwart wird zu einer kleinen Liebeserklärung an den einstigen Arbeiterstadtteil Ehrenfeld, der heute jung, bunt und multikulturell ist. Das hat mir gut gefallen.

Kurz: Gelungene Unterhaltung

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Ein Südtiroler Frauenleben

Ich bleibe hier von Marco Balzano

Öfters bin ich schon via Reschenpass nach Italien gereist und der Kirchturm im See ist immer eine auffallende Landmarke. Ich werde in wohl in Zukunft nicht mehr mit gleichen Augen ansehen können. Es wird immer eine Erinnerung an das Schicksal der Grauner Dörfler damit verbunden bleiben.
Marco Balzano hat einen Roman geschrieben, der sich mit der jüngeren Geschichte Südtirols befasst.

Es waren unruhige Jahrzehnte die das Land und die Bewohner nachhaltig geprägt haben. Der Autor berichtet aus der Sicht der Vinschgauerin Trina, die zusammen mit zwei Freundinnen das Lehrerseminar besucht.
Nun im Rückblick, in einem langen Brief an die verlorene Tochter, erzählt Trina von ihren Hoffnungen, zerstörten Träumen und fragilem Glück. Sie berichtet von der zwangsweisen Italienisierung, die ihr das Lehren verbietet, vom Ausweg in geheime Keller- und Heckenschulen, von der Verfolgung durch die Faschisten des Duce und gleich anschließend von den Schrecken des Nationalsozialismus, der bis nach Südtirol wirkte. Viele deutschsprachige Südtiroler glaubten an die Versprechungen und siedelten ins Deutsche Reich, wo sie sich willkommen fühlten. Die Zurückgebliebenen sahen sich dem Misstrauen der Administration ausgesetzt, ganz besonders während der Kriegsjahre. Und dann kamen die Staudammpläne und mit dem Wasser war der Untergang des Dorfes Graun besiegelt.
Vielleicht ist es grade die Form einer persönlichen Erzählung, die das Buch so unmittelbar macht. Die Sprache empfand ich als schlicht und dennoch sehr kunstvoll. Mich haben jedenfalls Trinas Erinnerungen in Bann geschlagen. Ganz ohne Schuldzuweisungen erzählt sie von einem exemplarischen Leben, das gleichzeitig ein Abbild der Jahrzehnte zwischen den Kriegen und der Nachkriegszeit ist. Da entstanden Wunden, die nur schwer heilen. Es sind auch die Wunden, die das Leben Trina zugefügt haben und nun als alte Frau kann sie davon berichten.
Mich hat dieser Roman sehr berührt und ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der Südtirol als Urlaubsziel kennt und sich ein wenig mehr mit den Menschen und ihrer Heimat beschäftigen möchte.

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Feuer auf St Agnes

Kalt flüstern die Wellen von Kate Penrose

Die Scilly Inseln sind ein sehr abgelegenes Stückchen Cornwall und liegen am äußersten Rand Europas. Das Leben war dort immer hart und die Fischer verdienten mühsam ihr Brot. Diese Umstände haben die Insulaner zu einem besonderen Menschenschlag geformt und sie sind nicht einfach im Umgang. Das muss auch Ben Kitto feststellen, der zwar selbst aus einer alteingesessenen Familie stammt, aber lange auf dem Festland lebte.

Nun hat ihn sein Beruf als Polizeibeamter zurückgebracht und auch ihm begegnen die Einwohner mit einer Portion Misstrauen.

Auf St. Agnes wurde die Leiche eines Bewohners gefunden. Offensichtlich gefoltert und anschließend verbrannt. Eine über den Leichnam geworfene Schaffelljacke führt zum „Vogelmann“, ein behinderter junger Mann, der nicht spricht und sich nur um verletzte Seevögel kümmert. Ein idealer Täter für ein vorschnelles Urteil. Doch Ben Kitto nimmt sich mehr Zeit hinter die Geheimnisse der Insel zu kommen. Unterschwellig scheinen die Bewohner einander misstrauisch zu beäugen, besonders Zugezogene, wie das Opfer Alex Rogan, der als Astronom sehr bekannt war oder die exzentrische Künstlerin Naomi Vine. Ben Kitto steht vor einem Rätsel, als auch er Drohungen in cornischer Sprache erhält.

Die Liste der Verdächtigen ist lang und nur nach und nach und mit großen Widerwillen lassen sich die Einheimischen hinter die Kulissen schauen.

Der Krimi wirkt düster, da trägt die Landschaft einen Teil bei. Stürme ziehen über die Inseln, der Fährverkehr ist unregelmäßig, Kitto meist nur allein oder mit seinem Mitarbeiter durch Sturm und Regen unterwegs. Die Autorin hat einen Reigen knorriger Charaktere geschaffen, die sehr gut in die Landschaft passen, die eigenbrötlerisch und verschlossen erscheinen. Auch die Figuren wirken düster. Motive für den Mord und die Drohungen sind bei vielen Protagonisten zu finden und nebenbei muss sich Kytto noch mit seinem Vorgesetzten herumschlagen, der per Telefon meist unsinnige Anweisungen gibt.

Nach und nach enthüllen sich Motiv und ein mörderisches Beziehungsgeflecht, der Spannungsbogen ist dadurch gleichmäßig hoch. Auch der Twist zur Auflösung ist raffiniert. Insgesamt ist der Krimi solide aufgebaut und variiert die Themen in klassischen Krimis: ein eng umgrenztes Gebiet durch Witterung von der Umwelt abgeschlossen, eine Gemeinschaft die ihre Geheimnisse gut hütet und ihrer Mitte der Mörder, der die Polizei herausfordert.

Das Ergebnis ist ein klassischer, solider Krimi mit viel Atmosphäre.

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Die Zwei vom Bauhof

HEIßE NÄCHTE IN UNTERFILZBACH (Unterfilzbach 3) von Eva Adam

Sepp und Hansi vom Bauhof in Unterfilzbach bekommen wieder reichlich Arbeit. So hat der gutmütige Sepp sich breitschlagen lassen und hilft dem pensionierten Postboten Erwin, der sich einen Beinbruch zugezogen hat, bei der täglichen Versorgung. Dass das allerdings fast in einen Vollzeitjob inclusive Renovierung ausartet, hat er nicht erwartet.

Als Sepp Nachschub an Wandfarbe besorgt und Erwin eine halbe Stunde allein im Haus ist, gibt es eine gewaltige Explosion. Viel bleibt nicht übrig, weder vom Erwin, noch von seiner Immobilie. Ein Unfall – daran glauben Sepp und Hansi nicht, es bleibt nicht aus, sie müssen wieder ermitteln.

Aber das ist nicht die einzige Belastung, Dreharbeiten für einen Heimatfilm stehen an und der Bürgermeister flippt völlig aus. Unterfilzbach als Filmkulisse, vielleicht für einen Filmpreis prädestiniert, das ist doch die ideale Werbung für ihn. Da stellt er dem exaltierten Regisseur doch freudig alle Hilfsmittel zur Verfügung, der geplante Filmtitel „Die scharfe Fanny und der Förster“ ficht ihn nicht an. Aber der Sepp stellt sich störrisch, denn einer der Kameraleute scheint ihn gut zu kennen und da schießen die Gerüchte im Dorf gleich ins Kraut.

Auch wenn es in Unterfilzbach ganz besonders drunter und drüber geht, so hat die Autorin das Dorfleben schon genau studiert und eingefangen. Wenn sie für die entsprechende Situationskomik manchmal auch überzeichnet, so kenne ich einiges doch aus eigener Jugenderfahrung. „Was werden denn die Leut‘ sagen“ – diesen Spruch habe ich zur Genüge gehört.

Der Krimi ist einfach witzig, die Autorin hat ein ganzes Panoptikum an originellen Figuren geschaffen, die genau nach Niederbayern passen. Ihre Dialoge sind urkomisch, das Timing der Gags ist auf den Punkt gebracht und deshalb hat mir das Buch wieder unheimlich Spaß gemacht. Ich habe das mit einem Augenzwinkern gelesen und mich am Ideenreichtum von Eva Adam erfreut. Das ist leichte Unterhaltung, aber eben auch gekonnt geschrieben, denn grade Leichtigkeit muss man können.

Ich habe noch keinen Unterfilzbach-Krimi verpasst, aber jedes Buch ist ganz in sich abgeschlossen und man kann wirklich jederzeit einsteigen.

Die Krimikomödie hat handfesten bayerischen Charme und ist auch eine Hommage an die „Mannsbilder“ der Freiwilligen Feuerwehr.

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Unglaublich spannend

Das Haus am Moor von Heike Denzau

Das erste Kapitel wirft uns sofort in die Geschichte. Drei junge Leute proben eine Entführung, es soll alles wie am Schnürchen klappen. Kathrin scheint die Anführerin des Trios zu sein, schon nach wenigen Augenblicken wird ihre Abgebrühtheit klar.
Das Opfer der Entführung, die fast wie geplant über die Bühne geht, ist der 11jährige Theo, der im Rollstuhl sitzt.

Der Vater ist ein reicher Küchenfabrikant. Nicht geplant war, dass das spanische Au Pair in der Nähe ist, kaltblütig ersticht Kathrin das junge Mädchen.
Eine zweite Perspektive erzählt das Geschehen aus Theos Sicht in der Gefangenschaft. Aber er ist nicht allein. Ein unglaublicher Zufall führt zwei Ausreißerinnen in das abgelegene Haus am Moor, eine von ihnen, Jana, kann sich unbemerkt in einer Abseite von Theos Kammer verstecken.
Die dritte Perspektive betrifft die Entführer selbst, die beiden junger Männer werden immer unsicherer, je weiter sich die Situation verschärft, nur Kathrin bleibt kaltblütig.
HK Lyn Harms von der Kripo Itzehoe übernimmt den Fall und ist damit Ansprechpartnerin der Familie, in der seltsame Spannungen herrschen. Die zweite Frau Fahrenkrug war am Unfall beteiligt, der Theo in den Rollstuhl brachte. Theos Bruder scheint seine Stiefmutter mehr als üblich zu verehren.
Während die Zeit nach der Lösegeldforderung immer schneller verrinnt und Lyn unter Zugzwang gerät, kristallisiert sich immer mehr heraus, das die Entführer über detaillierte Informationen aus der Familie verfügen. Zu detailreich und viel zu aktuell für Lyns Geschmack.
Das war ein Krimi zum Nägelknabbern! Unglaubliches Tempo legt Heike Denzau vor und durch die Perspektivwechsel wird das noch verschärft. Die Spannung war von Anfang an sehr hoch, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie sich bis zum Ende noch steigern kann.
Ganz besonders gefiel mir die Beschreibung der Kommissarin, Lyn Harms ist eine moderne berufstätige Frau, gerade erst aus der Elternzeit zurück. Sie lebt mit ihrem Mann in einer Patchworkfamilie. All das fließt in mit in das Buch ein und macht Lyn zu einem starken, prägenden Charakter in diesem Buch. Das findet man viel zu selten in Kriminalromanen, dass den Ermittlern, besonders den weiblichen, eine ganz realistische und moderne Rolle zugestanden wird.
Mit dem neuen Krimi vom Lyn Harms hat Heike Denzau wieder ein Meisterstück geliefert. Atemberaubend spannend und ein raffiniert ausgedachter Plot. Chapeau!

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Ein Schwein schnüffelt

Sterben auf Portugiesisch von Heidi van Elderen

Inspektor Fernando Valente hat letztes Weihnachten ein Schwein davor bewahrt zu Schinken und Würsten zu werden. Das gelang ihm, weil er Raquel, vielleicht nach ihren üppigen Formen so genannt, kurzerhand zum Polizeischwein ernannte. Da die Presse ganz begeistert reagierte, wurde Raquel ganz offiziell in Dienst gestellt, sehr zum Leidwesen der Revierchefin, die auch noch Fernandos Schwester ist.

Soviel zur Vorgeschichte.

Am Strand der Alentejo-Küste wurde ein toter junger Mann gefunden. Eingraben bis zum Hals, die Hände mit Handschellen gefesselt und einen Schlüssel im Magen. Der junge Mann war Zauberkünstler, hat er vielleicht an einem Trick geübt, der schrecklich schief gegangen ist? Aber warum hat ihm niemand geholfen, denn selbst einbuddeln konnte er sich mit gefesselten Händen nicht. War es ein bizarrer Unfall oder Mord?

Kurz darauf wird ein zweiter Toter im Meer gefunden, auch hier könnte es ein Unfall gewesen sein, aber Fernando glaubt nicht an Zufälle. Zum Glück soll Raquel im Meer schwimmen um ein wenig „abzuspecken“, so kann Fernando gleichzeitig am Strand ermitteln, dabei ahnt er nicht, wie nah er der Lösung schon gekommen ist.

Was für ein Lesespaß! Das sommerliche Treiben an der portugiesischen Küste, strahlender Sonnenschein und flirrende Hitze, dazu urige Kneipen und ein ebenso uriges Zuhause für Inspektor Valente, bringen so richtig Urlaubsstimmung in das Buch. Dazu gibt es neben den Polizisten wunderbare Charaktere, allen voran, Fernando Valentes Großmutter Mafalda, die trotz ihres hohen Alters agil, klug und witzig ist. Ein schönes Gegenüber zu seiner Mutter, eine grummelige, vom Leben enttäuschte Frau, die ihren Sohn unter die Haube bringen will. Eine passende Kandidatin wird Fernando auch recht penetrant präsentiert. Da muss er schon zu Tricks greifen, um dieser Gefahr zu entrinnen.

Aber neben all diesen amüsanten und heiteren Einschüben und Szenen, ist „Sterben auf Portugiesisch“ auch ein Krimi mit einem spannenden Plot, der einen ernsten Hintergrund hat. Hier verführt die Autorin zum Miträtseln, denn wie kleine Puzzleteile präsentiert sie Hinweise für den Leser, die sich erst zum Schluss zu einem fertigen Bild fügen.

Ich mochte schon den ersten Band und auch jetzt wurden meine Erwartungen erfüllt. Aber keine Angst, man braucht keine Vorkenntnisse um das Buch genießen zu kennen.
Heide van Elderen hat eine angenehme und lockere Schreibe, ihr Plot ist wirklich gut ausgedacht und die Liebe zu Portugal spürt man in den Beschreibungen. Die machen richtig Lust auf Land und Leute.

Beste Unterhaltung mit Spannung, die in dieser reisearmen Zeit ein wenig Urlaubsgefühle weckt, deshalb kann ich den Krimi nur empfehlen.

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Licht der Provence

Die Richterin und der Kreis der Toten von Liliane Fontaine

Liliane Fontaine ist der Geburtsname der Autorin Liliane Skalecki. Unter diesem Namen veröffentlicht sie Krimis, die sie im Süden Frankreichs ansiedelt.

Zweimal in kurzer Zeit fiel in Mathildes de Boncourts Umgebung der Name der ehemaligen Templerkomturei von Montauban-sur-Vidourle, inzwischen eine luxuriöse Seniorenresidenz und Zentrum kultureller Aktivitäten.

Geleitet wird es von einer Gruppe engagierten Menschen, die sich die Lichttempler nennen und eine Art religiöse Gemeinschaft bilden. Im Ort wegen der Vielfalt ihrer gemeinnützigen Aktivitäten wohl angesehen, bei manchen Hinterbliebenen weniger, denn einige der verstorbenen alten Damen vermachten ihren ganzen Besitz der Gemeinschaft.
Als der bekannte Enthüllungsjournalist Luc Maille unweit des Anwesens tödlich verunglückt und der Unfall Zweifel der Spurensicherung weckt, ergeben erste Untersuchungen, dass Maille über die Sekte recherchierte. Wohl auch aus persönlichem Interesse, denn seine Tochter schloss sich dem charismatischen Jourdain Cabasse an und nur wenige Monate später nahm sie sich das Leben.

Der Autorin ist wieder ein stimmungsvoller Provence Krimi gelungen. Es ist der dritte Band um die Ermittlungsrichterin Mathilde de Boncourt und Comandant Rachid Bouraada. Mathilde ist eine attraktive, aber recht eigenwillige Frau, weder einem guten Wein, noch ihren Gauloise abgeneigt und Bouraada ist ihr ruhiger, besonnener Gegenpart. Man braucht wirklich keine Vorkenntnisse um in das Buch einzusteigen, kleine fortlaufende Handlungsstränge fließen in kurzen Rückblenden ein.

Der Krimiplot entwickelt sich eher gemächlich, aber nicht ohne Spannung. Die Autorin lenkt den Verdacht des Lesers in eine Richtung, nur ihn immer wieder mit einer Wendung zweifeln zu lassen. Da macht mir das Rätseln um Motiv und Täter richtig Spaß. Aber wichtiger sind noch die Figuren, denen Liliane Fontaine viel Aufmerksamkeit schenkt. Sie wirken dadurch sehr vertraut und vielschichtig. Natürlich spielt auch die Landschaft eine große Rolle, man spürt die herbstliche Luft der Provence, meint die Gerüche wahrzunehmen. Dieses Flair eines Landstrichs ist mir bei dieser Art Krimi auch immer wichtig.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, es ist ein Krimi für Leser, die weniger den Thrill, als eher die Unterhaltung suchen. Ein Urlaubskrimi eben und damit genau das richtige für Zeit der Reiseeinschränkungen. So kann ich mich wenigstens per Buch in die Provence versetzen lassen.

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Der Geschichte kann man sich nicht entziehen

Das Museum der Welt von Kloeble Christopher

Das „Museum der Welt“ erzählt von der großen Indienreise der bayerischen Brüder Schlagintweit. 1854 bis 1857 dauerte die Forschungsexpedition, die größte ihrer Zeit übrigens, die die Brüder durch Indien und Nepal führte. Unterstützt wurden sie von Alexander von Humboldt, der die Reise nicht selbst durchführen konnte.

Kritische Bemerkungen über die Kolonialmacht England verhinderten, dass er die notwendigen Genehmigungen und Unterstützung bekam.

In Bombay lebt im Waisenhaus des katholischen Priesters Vater Fuchs ein kleiner Junge, Bartholomäus, 12 Jahre alt – mindestens, wie er selbst immer betont. Denn als seinen Geburtstag wurde der Tag seiner Ankunft im Waisenhaus genommen. Der Junge ist klein von Wuchs und von schmächtiger Gestalt, aber umso gewitzter und naseweis. Durch Vater Fuchs lernte er hervorragend Deutsch, verstand auch den bayerischen Dialekt des Priesters und außerdem sprach er eine ganze Reihe von indischen Sprachen. So wird er auf Vermittlung seines väterlichen Freundes und Mentors zum Dolmetscher dieser Expedition.

Aber Bartholomäus hat ein ganz anderes Lebensziel, er will ein Museum der Welt erschaffen. Die ersten Gegenstände haben keine lange Lebensdauer, in einem Waisenhaus herrscht ein rauer Umgang und kein Kind gönnt einem anderen einen noch so kleinen Besitz. So entsteht das Museum in einer Kladde, in die Bartholomäus seine Funde, Erkenntnisse und Gedanken schreibt.

Und diese Kladde macht diesen wunderbaren, sprachmächtigen Roman aus. Die nummerierten Fundstücke sind die Kapitel des Buches.

Christopher Kloeble lässt den Leser an dieser Reise teilhaben, als würde er selbst an der Seite des Jungen reisen. Wir sehen alles aus seiner kindlichen Sicht. Dabei fand ich es besonders gelungen, dass der Autor das im Erzählton des Romans deutlich macht, aber nie in einen anbiedernd-kindlichen Ton erzählt. Ein Kontinent im Erwachen wird geschildert, noch ganz in den Fängen der Kolonialherren, der europäischen Geschäftsleute, der Firengi und der englischen Herren, den Vickis, wie sie Bartholomäus in Anspielung auf die ferne Herrscherin Victoria nennt.

Der geschichtliche Hintergrund und die Dokumentationen der Schlagintweits sind die Folie dieses Romans, der die Reise aus einem ganz anderen Blickwinkel schreibt. Das ist eine Abenteuergeschichte, eine spannende Reiseerzählung, ein sorgfältig recherchierter Bericht und nicht zuletzt auch die Geschichte eines Kindes, das zu sich und seinen Platz in der Gesellschaft findet. So ist auch die abschließende Entscheidung Bartholomäus für seinen weiteren Weg nur folgerichtig.

Man kann diesen Jungen im Lauf dieses wunderschönen Buches nur lieb gewinnen, selten konnte ich mich so in einen Protagonisten einfühlen.

Dieser Roman wird noch lange in meinem Kopf bleiben.

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Schöner Urlaubskrimi

Mitten im August von Luca Ventura

Mit „Mitten im August“ von Luca Ventura kommt ein neuer Krimischauplatz bei Diogenes dazu. Die malerische Insel Capri ist die Heimat von Polizist Rizzi. Ein bodenständiger und sympathischer Charakter, der sehr mit der Landschaft verbunden ist. In seiner Freizeit hilft er seinem Vater auf dem bäuerlichen Anwesen und versucht ihn vom naturnahen Anbau zu überzeugen.

Auch beruflich ist er herausgefordert. In einem Boot, das vor der Küste treibt, wird die von Stichwunden gezeichnete Leiche eines jungen Mannes gefunden. Es ist Jack Milani, Sohn eines Industriellen aus dem Norden, der sich als Straßenmusiker sein Geld verdiente. Jack spielte Hits von Cat Stevens und gab sich ganz als Lebenskünstler und Späthippie. Die junge Sofie, Studentin der Ozeanografie verliebt sich ihn und sie verbringen schöne Monate im Süden. Aber nun ist Jack tot und Sofie verschwunden. Sie ist ebenfalls tot oder ist sie vielleicht die Mörderin?

Zwar übernimmt die Mordkommission in Neapel als übergeordnete Behörde die Ermittlungen, aber Rizzi ist damit nicht zufrieden, zu oberflächlich laufen die Untersuchungen für seinen Geschmack und er lässt nicht locker.

Mit so einer malerischen Location ist bei einem Urlaubskrimi schon die halbe Miete drin und die Figur des Ermittlers Rizzi ist ebenfalls passend entworfen. Ein junger, ehrgeiziger Mann, der sich Gedanken um die Umwelt macht und auch sich auch beruflich nicht nur auf die einfachsten Lösungen verlässt. Ihm zur Seite steht Antonia Cirillo eine Frau, die nach privaten Problemen in den Süden strafversetzt wurde. Natürlich darf auch nicht der polternde und dümmliche Vorgesetzte nicht fehlen, der sich allein um die gute Presse und den Tourismus sorgt und ansonsten unsinnige Befehle erteilt. Hier rutscht die ansonsten ganz gut komponierte Geschichte ein wenig ins Klischeehafte ab.

Ökologie und Umweltgedanken spielen nicht nur bei Rizzis bäuerlichen Aktivitäten eine Rolle, auch über die Meeresverschmutzung macht sich der Autor Gedanken und lässt sie in die Handlung einfließen. Das ist ein aktueller und interessanter Ansatz.

Insgesamt passt der Krimi perfekt ins Genre der Bücher, die an malerischen Orten spielen und ein wenig Land und Leute als perfekten Hintergrund portraitieren, für mich selbst nenne ich sie „Urlaubskrimis“. Allerdings kann Luca Ventura – ich nehme an, es ist ein Pseudonym, das Authentizität vermitteln soll – keine neuen Akzente in diesem Genre setzen.

Aber spannende und entspannende Stunden bietet der schön gestaltete Krimi auf jeden Fall und ich könnte mir weitere Folgen durchaus vorstellen. Entwicklungspotential ist jedenfalls da.

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Barcelona Krimi

Mord in Barcelona von Esteban Isabella

Bewertung von Bibliomarie am 24.04.2020

„Mord in Barcelona“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe einer deutschen Autorin (Brigitte Pons) die dafür das passende Pseudonym Isabella Esteban wählte, wie es so schon eine Reihe Autoren für ihre in Urlaubsländern angesiedelten Romane machen.

Auf dem bekannten Friedhof Montjuic wird eine Tote gefunden, offenbar eine deutsche Touristin. Der ruhige Comissari Jaume Soler übernimmt den Fall, der sich schwierig gestaltet. Es gibt wenig Anhaltspunkte und tagelang war nicht einmal die Identität der Frau zu klären. In seinen Ermittlungen gibt es einen besonderen Störfaktor. Seine umtriebige Schwester Montse beginnt, aufgestachelt durch die neugierige Mutter, auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei funkt sie ihrem Bruder gewaltig dazwischen, vor allem weil es ihr gelingt, Kontakt mit dem angereisten Sohn der Toten aufzunehmen, der sich schon sehr bald intensiviert. Zu intensiv, wie es scheint, da Montse von ihrem Bruder erfährt, dass auch der Sohn zum Kreis der Verdächtigen gehört.

Die Autorin braucht Zeit um ihre Protagonisten einzuführen und den Hintergrund zu entwerfen, inklusive diverser Familienprobleme. Das ist sicher im Hinblick auf die geplante Serie zu sehen, aber dadurch erschienen mir die ersten Kapitel etwas langatmig. Aber die Spannung steigt im Verlauf des Buches und rundet einen interessanten Plot ab, der bis in die jüngere spanische Geschichte zurück reicht.

Man merkt, dass die Autorin die Stadt kennt und liebt und Aktuelles miteinfließen lassen kann. So wird der mehrfach der überbordende Nationalstolz der Katalanen thematisiert. Solers Ehefrau kommt aus Madrid und spricht „hochspanisch“ was natürlich Mutter und Schwester nicht sonderlich gefällt. Auch die Lage der jungen spanischen Generation ist Thema, so arbeitet Montse bei der Straßenreinigung und lebt immer noch bei der Mutter, weil sie nach ihrem Ingenieurstudium einfach keine adäquate Stelle findet.

Natürlich kreuzen sich die Ermittlungen der Geschwister, was Solers Laune nicht grade hebt. Seine Schwester ist ja das genaue Gegenteil von ihm. Wo er besonnen und ruhig agiert, lässt sich Montse von ihrem Temperament leiten und ihre spontanen Aktionen sind ein rotes Tuch für ihn. Diese Szenen sind recht witzig.

Überhaupt ist der Krimi sehr unterhaltsam, lebendige und farbige Stadtbeschreibungen erzeugen viel Flair und wer Barcelona vielleicht schon mal bereiste, wird vieles wiedererkennen. Dennoch hatte ich das Gefühl, das beim Krimi noch Luft nach oben ist. Manche Figuren hätte ich mir noch besser charakterisiert gewünscht. Der Krimi ist angenehm zu lesen, die Sprache gefiel mir und auch das die Autorin mit kleinen Details viel Atmosphäre erzeugt, trägt zu Unterhaltung bei.

Ich bin gespannt auf eine Fortsetzung.

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