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Rezensionen von Bibliomarie:

Kalter Tod

Der Mongole - Kälter als der Tod von Manook Ian

In der mongolischen Steppe herrscht ein eisiger Schneesturm und meterhohe Schneeverwehungen machen es Inspektorin Oyun fast unmöglich zum Fundort einer Leiche zu kommen. Ein merkwürdiger, fast unwirklicher Anblick wartet auf sie. Sie sieht einen toten Reiter, der unter einem riesigen Yak liegt. Aber es war kein Unfall, es war eindeutig Mord.

Kurz danach wird auch ihr Chef Kommissar Yeruldelgger zu einem Totenfund gerufen, auch hier wieder ein seltsamer Fundort.
Erschwert wird die Arbeit der Ermittler, dass bald alle Zeugen sterben und Yeruldellger auch ganz persönlich involviert wird.
Der Krimi „Der Mongole“ ist der mittlere Band einer auf drei Bände angelegten Reihe. Ich kannte den ersten Band nicht, hätte dadurch vielleicht einige Details oder Rückblenden noch besser einordnen können. Was mich an diesem Buch reizte mich besonders der Schauplatz. Die Mongolei mit ihren unermesslich weiten Steppen und Eiswüsten und dem Gegensatz zwischen nomadischen Hirten und westlich orientierten Städten. In diesem Zwiespalt lebt und arbeitet auch Yeruldegger. Er ist ein gradliniger, sturer Ermittler, dem durchaus klar ist, dass die Macht der Politik und des Militärs auch bis in seine Arbeit reichen. Er hat mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest gestochen und steht plötzlich zwischen allen Fronten.
Doch er zieht, auch ohne Rücksicht auf persönliche Verluste, seine Ermittlungen durch, die ihn bis nach Frankreich führen, während Oyun in der Mongolei versucht die Stellung zu halten.
Das Buch hat seine faszinierenden Momente. Nämlich immer dann, wenn die großartige Landschaft eine tragende Rolle spielen darf. Diese Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen und mir auch ein Gespür für diese lebensunwirtliche Umgebung gegeben. Sehr deutlich wird auch der Gegensatz zwischen Moderne und traditioneller Lebensweise herausgearbeitet, die an den Randgebieten der Städte zu Elendsgebieten und entwurzelten Menschen führte.
Dazwischen agieren Yerduldellger und sein französischer Kollege wie James Bond. Ohne Rücksicht auf Verluste, immer auch am Rand – oder eigentlich schon darüber hinaus – der Legalität. Aber in der postsowjetischen Zeit, in der Oligarchen über unbegrenzte finanzielle und politische Ressourcen verfügen, scheint das die einzige Möglichkeit zu sein, diesem kriminellen Geflecht nahe zu kommen.
Das Buch lässt mich ein wenig gespalten zurück. Ich mich gut unterhalten, aber es hat mich nicht so mitgerissen, dass ich unbedingt den ersten Band unbedingt nachlesen möchte.

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Empfehlenswerter Krimi

Doggerland. Tiefer Fall von Maria Adolfsson

„Tiefer Fall“ ist der zweite Band von Maria Adolfssons Doggerland Krimis. Wieder hat Kommissarin Karen Eiken Hornby einen Fall, der sie persönlich mehr betreffen wird, als sie ahnt.
Am Weihnachtstag findet eine Gertrud Stuub ihren Bruder Frederik, einen emeritierten Hochschullehrer, tot am Rande einer aufgelassenen, inzwischen mit Wasser gefüllten Kohlegrube.

Bald stellt sich heraus, es war kein Unfall und Kommissarin Eiken Hornby wird mit den Ermittlungen betraut, obwohl sie immer noch an den Folgen ihrer letzten Einsatzes laboriert. Wem ist der alte Mann zu nahe gekommen? Eine persönliche Herausforderung für die Kommissarin, denn sie selbst hat familiäre Verbindungen zur Insel und es scheint, dass eine Spur zu ihrer Familie führt.
Ich bin leider erst mit dem zweiten Band auf diese Reihe aufmerksam geworden und bedaure sehr, dass ich die Autorin nicht schon früher kennengelernt habe. Zwar hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten in den Krimi einzusteigen, die Vorgeschichte wird am Rand erwähnt und in Rückblenden kurz erklärt, aber ich habe das Gefühl, dass ich einen tollen Einstieg verpasst habe, den ich sicher nachholen werden.
Sehr gut gefallen hat mir das Setting. Die Autorin entwirft mit Doggerland eine Inselgruppe, die es in der Realität nicht mehr gibt, zwischen Dänemark und England breitet sich heute die knapp unter dem Meeresspiegel Sandbank Doggerbank aus. Aber Maria Adolfsson erfüllt die Inseln mit Leben, eine Mischung aus England und Skandinavien, mit einem rauen Menschenschlag der früher von den Kohleminen lebte, während heute die knappen Arbeitsplätze nur noch auf einer Bohrinsel und einer Whiskeybrennerei zu finden sind. Ihre Figuren sind authentisch und vielschichtig angelegt. Bis in die Nebenstränge wurden mir alle Protagonisten lebendig. Ganz besonders Karen Eiken Hornby, sie ist die Figur, die die ganze Handlung trägt, eine sehr gelungen gezeichnete Persönlichkeit mit eisernem Willen und ständigen Selbstzweifeln. Dadurch wird sie sehr menschlich und nah.
Der Roman ist eine gelungene Mischung aus skandinavischem und englischem Krimi, auf der einen Seite mit den typischen sozialpolitischen und gesellschaftlichen Hintergründen und auf der anderen Seite ein spannender Ermittlerkrimi.
Ein klarer, flüssiger Erzählstil und die temporeiche Handlung, die den Spannungsbogen nie abflachen lässt, hat mein Leseerlebnis abgerundet.
Eine klare Leseempfehlung von mir.

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Faszinierend und poetisch

Das Evangelium der Aale von Patrik Svensson

Am Buch „Das Evangelium der Aale“ hat mich nicht nur der ungewöhnliche Titel angesprochen, auch das Cover hat meinen Blick auf sich gezogen. Blautöne, sich windende Aale in grau-gelblich-weiß, vielleicht war es die faszinierende und gleichzeitig ein wenig abstoßende Assoziation mit Schlangen, die meine Aufmerksamkeit erregten.

Der Text selbst ist ungewöhnlich. Patrik Svensson spürt seinem Vater nach und gleichzeitig dem geheimnisvollen Leben der Aale, der bis heute der Wissenschaft noch Rätsel aufgibt. Dabei spannt er in den Kapiteln, die er dem Fisch widmet einen weiten Bogen von Aristoteles bis hin zu den Fangquoten der EU. Natürlich darf auch die Erwähnung der Blechtrommel von Grass nicht fehlen, denn die Szene des nächtlichen Aalfischens mit dem Pferdekopf hat sich wohl allen Lesern und Kinobesuchern eingeprägt.
Fast hatte ich das Gefühl, dass Svensson in seinem Buch dem Aal mehr Aufmerksamkeit widmet, als seinem Vater. In den Kapiteln, in denen er sich an die gemeinsamen Angelabende erinnert, fühlt man aber viel vom unsichtbaren Band zwischen ihnen. Auch wenn der Junge größer wird und andere Interessen in den Vordergrund rücken, die gemeinsamen Unternehmungen nur noch sporadisch stattfinden – es bleibt eine Verbundenheit mit dem einfachen und wortkargen Mann.
Über das Geheimnis des Aals kommt Svensson auch den Spuren seines Vaters nahe und das beschreibt er einfach wunderbar. Es ist eine poetische und klare Sprache, die mir sehr gut gefallen hat. Natürlich ist es ein leises Buch und durch die Ausflüge in die Geschichte und die Naturwissenschaften vielleicht auch nicht für jeden Leser etwas, mich hat es jedenfalls fasziniert und hatte bisher wirklich keine Neigung zur Ichthyologie.
Es ist schon ein besonderes Buch und man sollte sich darauf einlassen, dann kann man die Mischung aus Kultur- und Naturgeschichte und Roman sicher genießen.

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Familienbande

Der Sunday Lunch Club von Juliet Ashton

Regelmäßig am Sonntag treffen sich die Geschwister der Familie Piper mit Freunden und Partnern zum Essen. Hier soll die alte Familientradition fortgeführt werden, auch wenn Großmutter Dinkie inzwischen im Heim lebt und die Eltern in Florida leben. Es wird aufgetischt, gelästert, gestritten und doch merkt man die tiefe Verbundenheit der vier Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Annie hat an einem Tag auch eine besondere Ankündigung zu machen. Sie ist schwanger, ungewollt nach einem „Ausrutscher“ ausgerechnet bei einem Lunch Club Treffer mit einem Gast ihres Bruders. Und ausgerechnet jetzt verliebt sie sich in Luca, den ihr Bruder zum Treffen mitgebracht hat.

Jedes Kapitel erzählt die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel und so lerne ich nach und nach die einzelnen Mitglieder des Sunday Lunch Clubs besser kennen. Den Focus legt die Autorin auf Anna, die zusammen mit ihrem Bruder Neil den viel jüngeren Geschwistern immer eine Art Elternersatz war.

Die episodenhaft angelegte Geschichte ist sehr charmant geschrieben, hat Witz und dabei immer auch Tiefgang. Mancher Charakter erschließt sich erst im Lauf der Handlung, die verhalten beginnt, aber immer mehr an Tempo und Brisanz gewinnt. Die Lebensläufe der Geschwister sind gebrochen und als Klammer gibt es Dinkie, die als stille Patriarchin auch mit einer Lebenslüge lebt.

Ich habe den Roman als wunderbar und warmherzig empfunden, alle Figuren sind mir gleichermaßen ans Herz gewachsen, auch wenn Annas Geschichte den meisten Raum einnimmt. Wichtig war mir die Aussage, dass Familie zusammenhalten muss und egal wie unterschiedlich man ist – es gibt nichts, was die Bindung zwischen Geschwistern trennen sollte. Die Autorin gelingt es ausgezeichnet mich mit ihrem Buch zu unterhalten, ich zum Schmunzeln und zum Lachen zu bringen und gleichzeitig auch nachdenklich zu stimmen, denn alle Geschwistern hat das Schicksal auch herausgefordert.

„Die Seele bleibt immer gleich“, das wird gleich zu anfangs erwähnt und zieht sich als Motto durch das ganze Buch.

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Der falsche Wein

Tote trinken keinen Rosé von Bernhard Emilia

Rachel Lewis erfährt aus der Zeitung vom außergewöhnlichen Tod Edgar Bowens. Bei Tisch erlitt er einen Herzanfall und erstickte mit dem Gesicht in der Suppe. Edgar ist kein Unbekannter für Rachel, natürlich kennen sich alle Amerikaner, die in Paris heimisch geworden sind. Aber bei Edgar kommt noch was dazu: Rachel war seine Petite Amie.

Als sie frisch in Paris ankam, mit den hochfliegenden Plänen eine bekannte Schriftstellerin zu werden, sich aber den kärglichen Unterhalt mit kellnern verdienen musste, war es Edgar, der sie unterstützte und ermutigte. Zwar hielt die Liebe nicht, inzwischen ist Rachel seit Jahren glücklich verheiratet und tatsächlich Autorin geworden, aber sentimental stimmt sie die Nachricht schon. Als sie allerdings von der Flasche Rosé liest, die neben der Suppe stand, klingeln ihre Alarmglocken. Edgar verabscheute Rosé!

Zusammen mit Magda, ihrer besten Freundin, auch eine Ex-Pat, beginnt sie ihre Nase in den Fall zu stecken. Begünstigt wird das durch ein kleines Vermächtnis. Edgar beauftragte Rachel in seinem Testament, die Bibliothek zu katalogisieren und sich dafür ein Buch der Wahl auszusuchen. Das ist eine wunderbare Gelegenheit täglich in der Wohnung aufzutauchen und die anderen Erben unter die Lupe zu nehmen.

Eine reizende Ausgangsidee, die amüsant und im Plauderton ihren Lauf nimmt. Viel pariserisches Flair breitet sich aus, wenn sich Rachel fast täglich mit Magda in Cafés und Bistros trifft, um ihre Erlebnisse und Vermutungen zu besprechen. Natürlich stochert sie vollkommen im Nebel und Leserinnen die schon einige Krimis gelesen haben, werden sich wundern, wie wenig Rachel Augenscheinliches zur Kenntnis nimmt.

Trotzdem liest sich dieser kleine Krimi sehr angenehm, die Dialoge sind witzig und pointiert und Rachel und Magda zwei liebenswürdige Damen mit zu viel Freizeit, die sich als "Detekteusen" - eine Wortschöpfung Rachels - betätigen. Auf große Spannung ist das Buch auch sicher nicht angelegt, eher auf leichte Unterhaltung, bei der Paris als Hintergrund leuchten kann.

Das drückt auch das Titelbild auf gekonnte Weise aus.

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Sarajewo 1914

Der Attentäter von Schiewe Ulf

Am 28. Juni 1914 in Sarajevo starben der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie bei einem Attentat. Die Kugeln des Mörders trafen sie in einem offenen Automobil, das sie an der neugierigen und jubelnden Menge vorbeiführte.
Dieses geschichtliche Ereignis hat die Welt verändert und jeder hat wohl schon im Geschichtsunterricht von diesem Attentat und seinen Auswirkungen gehört.

Ulf Schiewe hat daraus einen überaus fesselnden Thriller gemacht, der mit hohem Tempo und Spannung auf den Höhepunkt zusteuert.
In den einzelnen Kapiteln, die Datums-und Zeitangabe eine Chronologie des Geschehens bilden, führt er uns in das Leben des Vielvölkerstaats. Es gärt überall, serbische Separatisten, bosnische Muslime – fühlen sich nicht heimisch unter der österreichischen Krone. Zwar brachte die Verwaltung Fortschritt, Straßen wurden gebaut, Eisenbahnlinien durchziehen das Land, aber die Separatisten träumen von der Unabhängigkeit. Ganz besonders junge Menschen sind den Ideen zugewandt. So auch der spätere Mörder Gavrilo Princip, der ein romantisch verklärtes Weltbild hat und von der Revolution träumt. An Schwindsucht erkrankt, hat er nicht viel zu verlieren. Er und seine Mitstreiter sind also leicht zu verführen und sie erinnern mich daran, dass es auch in der Gegenwart genug Beispiele gibt, wie schnell junge Menschen instrumentalisiert werden können.
Aber wie die Politik Österreichs diese Strömungen in den Völkern ignoriert und wie dadurch erst die Pläne für einen Umsturz entstanden sind und wie Geheimdienste und Militär von solchen Plänen erfuhren, aber durch Engstirnigkeit, Überheblichkeit und Hybris, alles als Hirngespinste abtun, wird vom Autor mit minutiöser Genauigkeit erzählt. Dabei bleibt er ganz dicht an den historischen Ereignissen und alles, was er schreibt, ist belegt. Natürlich werden einige fiktive Figuren erdacht um eine Rahmenhandlung zu schaffen, die sich in die Geschehnisse nahtlos einfügen und für zusätzliche Spannung sorgen.
Ich hätte nicht gedacht, dass ein Spannungsroman gleichzeitig eine Geschichtsstunde sein kann und wurde mit Ulf Schiewes Buch eines Besseren belehrt. Toll geschrieben und absolut empfehlenswert.

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Tod eines Reporters

Hättest du geschwiegen von Mischke Susanne

Auf den neuen Band aus der Hannover Serie von Susanne Mischke habe ich gespannt gewartet. Gleich nach den ersten Seiten fühle ich mich wieder wie zu Besuch bei alten Bekannten. Das Team um Kommissar Völxen ist eine tolle Mischung, jeder hat seine Stärken und Schwächen.

Bodo Markstein, der Reporter von der „Bild“ wurde erschlagen aufgefunden.

Auch wenn er allen Beamten gehörig auf die Nerven ging, sind sie doch von seinem Tod betroffen. Arbeitete er an einer heißen Story? – viel gibt ja das Hannover Umfeld nicht her, wenn man vom natürlichen Tod der Unterwelts- und Rotlichtgröße Hannes Piekenbrock absieht.

Was ich bei Mischkes Krimis so ganz besonders mag, ist die bodenständige Spannung, die aus der Ermittlungsarbeit entsteht. Das klingt alles ganz realistisch, wird aber immer effektvoll in Szene gesetzt. Dazu kommt die gelungene Mischung aus kleinen, wirklich witzigen Alltagsbegebenheiten, die den Krimi würzen. Wenn Kommissar Rodriguez zum Beispiel seiner Mutter beispringt, deren kleine spanische Tapasbar in das Visier von Radikalveganern und Tierschützern kommt. Was er da mit seiner Operation Schinken veranstaltet, ist schon ganz großes Kino.

Aber dabei wird die Krimihandlung nie aus den Augen verloren und die hat es in sich, ob Mord oder Russenmafia, Rotlichtgrößen oder Rocker. Völxen und sein Gruppe wird ganz schön auf Trab gehalten.

Eine größere Rolle darf diesmal Kommissarin Rifkin spielen, die für Jule Wedekin, die jetzt im LKA arbeitet, ins Team gekommen ist. Sie ist die ideale Partnerin für den immer noch machohaften Rodriguez. Erwin Raukel kann immer noch nicht an einem Kiosk vorbei gehen, ohne sich mit einem kleinen Schluck zu versorgen und bei Völxen ist die Sorge um seine Miniherde Schafe nicht weniger geworden, seit der Wolf auch nach Niedersachsen zurückgekehrt ist.

Man merkt schon, dass die Ermittler eine wichtige Rolle in diesem Kriminalroman spielen und das funktioniert bei Susanne Mischkes Erzählstil hervorragend.

Für alle Leser, die gerne richtig gute deutsche Krimis lesen und bei aller Spannung auch gern mal schmunzeln, ist das neue Buch von Susanne Mischke sicher erste Wahl.

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Botschaften eines Mörders

Die Mirabeau-Morde von Robert de Paca

Einen Krimi der in Aix-en-Provence spielt mag ich mir nicht entgehen lassen. Die Stadt ist für mich eine der schönsten in der Provence. Das denkt sich auch Stefan Eltjen der im Rahmen von Kollegenhilfe für einige Tage nach Südfrankreich geschickt wird. Denn die tote junge Frau, die so seltsam ausgestellt in einem Waldstück gefunden wird ist eine deutsche Studentin.

Doch kam ist Eltjen angekommen, gibt es eine zweite Leiche. Wieder ist die Fundsituation besonders auffällig und den französischen Kommissaren und Eltjen ist bald klar, dass es sich um einen Serientäter handeln muss.

So weit, so gut, bzw spannend. Der Krimi punktet wirklich mit toller Atmosphäre, mir wurden die Straßen und Plätze von Aix sofort wieder lebendig. Auch der Plot mit einem wirklich sehr überraschenden und doch ganz schlüssigen Schluss hat mir gut gefallen. Eine große Rolle spielen alte, in provenzalischer Sprache gehaltene Texte, die der Täter bei den Toten platziert. So erfährt der Leser auch gleich ein wenig über die Geschichte der Sprache und der Provinz.

Ein wenig mehr Charme hatte ich mir von der Sprache versprochen, die kommt doch ein wenig dröge daher. Was mir zeitweilig sogar ein nervend auffiel, war der oft besserwisserische Ton Stefan Eltjens. Er klärt seine französischen Kollegen gern über Fallanalyse und Profiling auf. Vielleicht wollte der Autor damit als Gegenpart einen als typischen deutsch verrufenen Charakterzug schaffen. Der kumpelhafte und freundliche Luc Dubarry nimmt es aber durchaus freundlich auf und in Alis, einer jungen Polizistin findet Stefan eine attraktive Kollegin, so beginnt es gleich ein wenig zu knistern.

Ein netter Krimi mit Frankreich-Feeling, der sich allerdings nicht aus der Menge dieses Genre abhebt.

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Schön und einfühlsam

Violet von Tracy Chevalier

Violet hat im 1. Weltkrieg ihren Verlobten verloren, genau wie ihren Bruder. Sie lebte sie allein mit ihrer zänkischen und herrschsüchtigen Mutter und als Enddreißigerin wagt sie den Schritt und zieht aus. Sie reiht sich in das Heer der alleinstehenden, berufstätigen Frauen ein, die schlecht bezahlt und mitleidig angesehen werden.

Sie genießt ihre Freiheit, auch wenn sie kaum mit Lohn überleben kann. In der Kathedrale von Winchester trifft sie zufällig auf einen Gruppe von Frauen, die Knie- und Sitzkissen besticken. Fasziniert von dieser Arbeit tritt sie dem Stickkreis bei. Auch die Begegnung mit Arthur, einem der Glöckner der Kathedrale, wird ihrem Leben eine neue Richtung geben.

Nach den ersten Seiten war ich zunächst etwas enttäuscht. Ein Roman über ein „spätes Mädchen“, dass ihr Leben zwischen Büro, reichlich Tee und Handarbeiten verbringt – auf den ersten Blick nicht sehr ereignisreich. Aber schon bald hatte mich die Geschichte gefangen. In sehr ruhigem Ton wird die Geschichte einer Frau in den Zwischenkriegsjahren erzählt. Enttäuschte Hoffnungen, zerplatzte Lebensträume und die Schwierigkeit ein selbst bestimmtes Leben zu führen, das alles spornt Violet an, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Man kann sagen, es ist eine Emanzipationsgeschichte, gelebt zu einer Zeit, als Emanzipation eher ein Schimpfwort war. Der Krieg hat so viele Opfer gefordert, dass kaltherzig vom „Frauenüberschuss“ gesprochen wurde und diese Frauen mussten sich einen Platz in der Gesellschaft erobern. Das alles in einer Gesellschaft, in der weibliche Berufstätigkeit allenfalls als Übergang zwischen Schule und Eheakzeptiert wurde.

Das zweite Thema ist die Stickerei und es wirklich schön zu lesen, wie diese Handarbeiten entstanden sind und welchen Stellenwert sie im kirchlichen Leben hatte. Violet findet im Sticken nicht nur ein Hobby, sie findet darin auch Ruhe und Bestätigung durch die anderen Stickerinnen. Freundschaften entstehen, die Violet stützen und tragen.

Ein sehr schönes, leises Buch für das man sich Zeit nehmen sollte um die Sprache zu genießen und sich in das Leben dieser Frau zu denken.

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Das Ende eines Witzbolds

Hamish Macbeth und der tote Witzbold von M. C. Beaton

Es gibt kaum ein Familienmitglied, Nachbar oder Angestellter, der nicht schon unter den geschmacklosen Scherzen des Gutsherrn Arthur Trent gelitten hätte. Aber als er seine Verwandten einbestellt, da es mit seiner Gesundheit rapide bergab geht, sind sie alle da. Es gibt schließlich die Aussicht auf ein reiches Erbe.

So reisen seine ältlichen Töchter aus London an, ebenso sein Pflegesohn und sein Bruder mit Gattin und Sohn Paul. Paul hat sich eine Arbeitskollegin zur moralischen Unterstützung mitgebracht, denn er leidet nicht nur unter dem Onkel, sondern auch unter seiner sehr besitzergreifenden Mutter.
Als Dorfpolizist Hamish Macbeth wegen eines Mordfalls zum Anwesen gerufen wird, denkt er natürlich auch erst an einen derben Witz, aber es hat sich ausgescherzt. Arthur Trent wurde ermordet! Verdächtige gibt es zuhauf, die habgierige Verwandtschaft macht Hamishs Aufklärungsarbeit noch schwerer und auch untereinander beginnt es schwelen.
Ein verzwicktes Krimirätsel hat sich M.C.Beaton ausgedacht. Ganz im Stil der Krimiklassiker darf sich der Leser an der Ermittlung beteiligen, ist manchmal sogar einen Schritt weiter als der Dorfpolizist. Die Geschichte ist aber mehr ein skurriles Kammerstück als ein spannender Krimi. Dafür sorgen schon die oft überzeichneten Figuren, die wenig Tiefe aufweisen. Am meisten Persönlichkeit bekommt noch der Hauptprotagonist Polizist Hamish. Aber ich glaube, das ist auch so gewollt. Die Hamish Macbeth-Serie ist eine Unterhaltungsreihe mit kriminalistischem Einschlag. Das Buch ist, wie alle Bände der Reihe, nicht sonderlich umfangreich und unterhält den Leser für einige angenehme Stunden. Dafür sorgt auch der etwas einfache Stil. Übrigens erschien die Serie in England schon vor fast 30 Jahren und manchmal merkt man das Alter auch.
Das Ende und die Auflösung ist dann gleich auch noch ein Paukenschlag, der zumindest bei mir den Gedanken „das geschah ihm Recht“ auslöste. Aber im skurrilen und humorvoll überzeichneten Krimi darf man auch mal einem ausgesprochenen Ekel den Tod wünschen.

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