Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bibliomarie:
Ein Drink von Santa Claus
Zyankali vom Weihnachtsmann von Rex Stout
Rex Stouts Nero Wolfe Krimis sind Klassiker, die seit einiger Zeit im Klett-Cotta Verlag neu und liebevoll ausgestattet herausgegeben werden. Da darf auch die Weihnachtsnovelle um Nero Wolfe nicht fehlen.
Eine kleine, familiäre Weihnachtsfeier bei den Innenausstattern und Designern mit der ausgesprochenen Vorliebe für Blattgold, Al Kiernan und Kurt Bottweil, auch Archie Goodwin, Nero Wolfes Assistent ist eingeladen.
Doch gleich beim ersten Schluck, kredenzt von einem als Santa Claus verkleideten Barkeeper, bricht Bottweil tot zusammen. Zyankali, wie Goodwin sofort feststellt. Sofort wird die Polizei verständigt und in all dem Trubel fällt niemandem auf, dass Santa Claus verschwunden ist.
Nun muss Nero Wolfe ermitteln und zwar schneller als die Polizei, denn sonst könnte sein kleines Geheimnis ans Licht kommen.
Diese kleine Erzählung – ein ganzes Buch ergibt es nur, weil der Verlag noch ein umfangreiches, etwas ausuferndes Nachwort von Franz Dobler spendiert hat – steht ganz in der Tradition der Nero Wolfe Krimis. Nero löst ganz allein mit seinen Geisteskräften aus dem Sessel heraus seinen Fall. Das ist witzig und macht Spaß zu lesen. Auch wenn ich so manche Anspielung aus dem Text nur mit Hilfe des Nachworts verstanden habe.
Auf alle Fälle hat Rex Stout einen Klassiker geschrieben, die man heute noch mit Gewinn lesen kann. Die Sprache ist einfach elegant und wirklich ein Gegengewicht zu den Weihnachtskrimis, die in den letzten Jahren zuhauf erscheinen. Das Gespann Wolfe und sein Assistent Archie Goodwin, der immer mit leicht beleidigter Attitüde agiert – er hält sich für zu wenig wertgeschätzt – macht wirklich Spaß und ich freue mich über die Neuauflagen. Zumal sie einfach schön editiert und ausgestattet sind.
Häutungen
Die Wunder von Little No Horse von Louise Erdrich
Agnes als Schwester Cecilia im Kloster heimisch, dient Gott, ehrfürchtig und demütig. Doch wenn sie Klavier spielt, verselbstständigt sich ihr Seele, Musik durchdringt sie und das ist den Mitschwestern suspekt. Sie verlässt das Kloster und kommt auf einer Farm unter. Doch auch dieses Leben bleibt eine Episode.
Zufällig kann sie in die Identität eines Missionspfarrers schlüpfen – Damien Modeste – und geht an seiner Stelle ins Objiwe Reservat. Dort in No Little Horse wird der Priester schon erwartet und Father Damien richtet sich ein.
Jahrzehnte später, Modeste ein Greis, läuft sein Leben noch einmal vor ihm ab, als er Auskunft über das Wirken einer Nonne aus dem Reservat geben soll, deren Seligsprechung ansteht.
Louise Erdrich entfaltet sprachmächtig und überwältigend einen ganz eigenen Kosmos. Die diversen Clans der First Nation, ihre Streitigkeiten, ihr Kampf ums Überleben wird sichtbar. Die Missionierung der Familien, die ihnen den alten Glauben raubt, den neuen aber nicht verinnerlichen lässt, fällt Agnes/Damien ins Auge. Er interessiert sich für die Überlieferung und Riten, er lernt die Sprache und im Lauf der Jahre wird er fast einer der Ihren.
Mit Agnes/Damien habe ich eine Figur kennengelernt, die den weiblichen Blick mit männlicher Entschlossenheit vereint und eine ganz besondere Schöpfung der Autorin ist.
Eine unglaubliche Vielzahl an Charakteren, die sich manchmal auch über die Generationen hinzieht, machte es mir nicht immer ganz einfach. Ohne den Figurenstammbaum zu Beginn des Buches wäre ich fast verloren gewesen. In ihrem Roman mischen sich Überlieferungen, alte Mythen und reale Begebenheiten zu einem vielschichtigen Epos. Wie gesagt, nicht immer einfach zu lesen, aber ein besonderes Leseerlebnis.
Manche der Figuren und Familien tauchen auch in anderen Romanen der Autorin auf und es erleichtert sicher den Einstieg, wenn man schon Bücher von Louise Erdrich kennt.
Schönes und informatives Buch
Geheimnisse der Hecken von Rudi Beiser
Mir hatte das Buch schon beim ersten Durchblättern und Anlesen gut gefallen. Nicht nur die Fotos, auch die vielfältigen Informationen sind schön zugeordnet. Es geht ja nicht nur um die Beschreibung der einzelnen Heckensträucher, auch die geschichtliche und ökologische Bedeutung der Pflanzen kommt nicht zu kurz und da habe ich so viel Neues erfahren! Vielen Heckensträuchern wurde im Altertum und Mittelalter eine medizinische Wirkung nachgesagt und grade heute wird das zum Teil von der Pharmaforschung bestätigt.
Je länger ich mich mit dem Buch beschäftige, desto besser gefällt mir die Gestaltung. Es ist ein Buch, das man wirklich immer wieder zur Hand nehmen kann und man wird jedes Mal wieder etwas Neues entdecken und lernen. Dabei hat es auch einen praktischen Wert, wenn man Heckensträuchern auch im Garten wieder einen Platz geben möchte.
Man sollte nicht nur über die Renaturierung von Bachläufen nachdenken, auch die längst durch die großen Anbauflächen verschwunden Hecken an Feldrainen haben eine große Bedeutung für unsere Ökologie als Futter- und Schutzraum für Insekten, Vögel und Kleintiere.
Neben den botanischen Erläuterungen gibt es zu jeder Pflanze auch Vorschläge und Rezepte für die Nutzung der Beeren und Blüten. Was mir auch gefallen hat, sind die Ausflüge in das Reich der Mythologie. Hecken hatten im Volksglauben immer schon eine besondere Bedeutung. Das alles hat der Autor Rudi Beiser zusammengefasst und damit ein Buch vorgelegt, das man immer wieder gern und mit Nutzen zur Hand nimmt.
Wunderschöne Fotos und ein gelungenes Layout runden das Buch ab und ich wünschte, dass viele Leser dann nicht mehr nur Thuja-Hecken oder Gabionen zur Gartengestaltung in Betracht ziehen.
Sepp Flattacher in Hochform
Kärntner Kesseltrieb von Alexandra Bleyer
Der ewig grantelnde Aufsichtsjäger Flattacher hat in seinem Kärntner Revier wieder alle Hände voll zu tun. Da sind die nervigen Touristen, meist auch dem Nachbarland, die sich auf seinen Hochsitz setzen oder kreuz und quer durch den Wald spazieren um Schwammerl zu suchen und dabei sein Wild aufzuscheuchen und dann ist doch mitten auf einer Lichtung noch eine Hanfplantage.
Das kann doch nicht sein, natürlich werden die Pflanzen vernichtet, aber die Anbauer möchte er gern ausfindig machen. Was einige Folgen für ihn und seinen Dauerfeind Belter haben wird. Aber viel schlimmer als die paar Hanfstauden sind die Pillen, die der Reini, sein junger Jagdfreund, in der Tasche hat. Da will sich Sepp nicht allein auf die Polizei verlassen, er weiß schließlich aus Erfahrung, dass sie seine Unterstützung brauchen.
Sepp Flattacher ist zumindest ermittlungstechnisch wieder in Hochform, im zwischenmenschlichen Bereich – ganz besonders mit Jagdobfrau Irmi – tritt er in jedes Fettnäpfchen. Er ist ein Grantler, der mir ans Herz gewachsen ist und trotz seiner abweisenden Art weiß ich um seinen guten Kern, auch wenn der tief verborgen ist.
Auch im beschaulichen Mölltal sind die Gefährdungen durch diverse Rauschmittel angekommen, wobei nicht nur die eine oder andere Cannabispflanze gemeint ist. Es scheint, als ob grade hier zu einem Zentrum mit dem Handel von diversen synthetischen Drogen zu finden ist. Wie Sepp damit fertig wird, ist jedes Lesen wert. Ich liebe den Dialekt – es gibt sehr viel davon und wird auch im Anschluss mit einem ausführlichen Glossar erläutert – und den ganz besonderen Charakter von Sepp. Er ist bei weitem nicht der Hinterwäldler, den er gerne nach außen gibt.
Situationskomik und gut getimte Gags reihen sich aneinander und dabei wird niemals die Spannung und die kriminalistische Logik vergessen. Auch darf Revierkommissar Martin mit der Beziehung zu seiner Bettina ein wenig weiterkommen, eine nicht ganz einfache Beziehung, die sich wie ein roter Faden durch den Krimi zieht.
Auch der vierte Band hat mir wieder sehr gut gefallen, ich bin immer wieder baff, was sich Alexandra Bleyer für ausgefuchste Plots ausdenkt.
Solider Krimi
Der Kommissar und die Tote von Saint-Georges von Maria Dries
Philippe Lagarde ist zwar im Ruhestand, aber bei schwierigen Fällen wird er immer wieder gern aktiv. So bittet ihn das Ehepaar Lamare endlich den Mord an ihrer Tochter aufzuklären, obwohl der Fall wohl schon längst zu den Akten gelegt wurde. Aber Monsieur Lamare hat einflussreiche Bekannte und so bekommt Lagarde schnell Zugang zu allen Akten und muss feststellen, dass bei den Ermittlungen unglaublich geschlampt wurde.
Schnell stellt er sein Team aus alten Weggefährten zusammen und mit Valérie, einer jungen Polizistin, die Lagarde sehr schätzt, hat er auch gleich eine Verbindung zur offiziellen Dienststelle.
Stück für Stück beginnen sie den Fall aufzudröseln und alte Spuren zu verfolgen, dabei wird ihnen schnell klar, der Mord an Claire Lamare war kein Einzelfall.
Philippe Lagarde ist eine Art Super-Polizist. Er verfügt über jede Menge hilfreiche Beziehungen, ausreichende finanzielle Mittel und Freunde, die fast jedes Spezialgebiet abdecken. Dabei ist er ein typischer Franzose, der das Leben und seine Lebensgefährtin liebt, gutes Essen und gute Weine und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Trotz dieser ganzen Eigenschaften ist er recht sympathisch dargestellt und ich lese gerne die Krimis um diesen Protagonisten.
Der Fall ist spannend und es hat mich interessiert die Spurensuche mit zu verfolgen und vielleicht auch schon auf die Spur des Täters zu kommen. Da fließt bei den Beschreibungen immer sehr viel Savoir-vivre mit ein. Die Landschaft Nordfrankreichs, spielt eine gewichtige Rolle und die Produkte der Normandie dürfen bei keiner Mahlzeit fehlen. Ich mag das eigentlich sehr gerne, hätte allerdings nicht bei jeder Mahlzeit bis hin ins kleinste Bistro, die komplette Menükarte samt Zubereitungstipps gebraucht. Aber das gehört bei Maria Dries‘ Krimis dazu und ergibt dann eben den typischen Urlaubs- und Landschaftskrimi, der bestens unterhält.
Provenzalisches Intermezzo
Lavendel-Gift von Carine Bernard
Lilou Braque wurde für das letzte Praktikum vor ihrer Ernennung zur Kommissarin nach Carpentras geschickt, dabei hatte sie fest mit Paris gerechnet. Doch das zauberhafte provenzalische Städtchen gefällt ihr. Nicht so schön ist, dass ihr Vermieter, ein liebenswerter alter Herr, einem Mord zum Opfer fiel.
Sie fühlt sich persönlich betroffen, hat sie ihm doch ab und zu vorgelesen oder etwas frisch Gekochtes gebracht. Zum Dank hat er ihr sogar eine Kladde mit handschriftlichen Kochrezepten, die von einem berühmten Sternekoch stammen sollten, geschenkt.
Im Kommissariat herrschen noch etwas althergebrachte Vorurteile: eine junge Frau als Kommissarin, die dazu noch einen eigenen Willen hat – da tun sich ihr Vorgesetzter und ihre Kollegen noch schwer. Aber Lilou möchte nicht immer nur Berichte tippen oder Kaffee kochen. Obwohl der Mordfall schon mit einer Einbrecherbande in Verbindung gebracht wurde und deshalb andere Spuren nicht weiter verfolgt werden, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln und Hinweisen nachzugehen.
„Mord nach provenzalischer Art“ so beginnt die Beschreibung des Klappentextes und das Versprechen wird gehalten. Es ist ein frischer Krimi um eine junge Polizistin, die gern mal mit dem Kopf durch die Wand gehen möchte – was ja nicht immer verkehrt ist. Wunderschöne, bildhafte Landschaftsbeschreibungen und ausführliche kulinarische Ausflüge ergänzen die Geschichte und machen es zu einem richtigen kleinen Kurzurlaub. Wenn Lilou über einen Markt schlendert und Gemüse für ein Ratatouille aussucht, möchte man am liebsten gleich mit einkaufen.
Die Figuren gehen nicht allzu sehr in die Tiefe, sind aber gut dargestellt und passen zum unterhaltsamen Krimi. Der ist auch spannend geschrieben, auch wenn es nicht zum Nägelknabbern reicht.
Eine runde Geschichte mit einer sympathischen Hauptfigur und ganz viel Frankreich-Feeling.
Der Kasper und der Teufel
Lavendel-Gift von Carine Bernard
Johannes Rumpler, ehemaliger Kriminalbeamter genießt seinen Ruhestand mit allen Sinnen. Nach dem Tod seiner Frau hat er eine kluge und feinsinnige Freundin gefunden und seine Katze Rosamunde teilt seine kulinarischen Vorlieben.
Ein Anruf seines früheren Kollegen und Freund Alois Moser kitzelt aber wieder seinen kriminalistischen Spürsinn.
Im Wiener Obdachlosenmilieu kam es zu drei Morden, zum Täter gibt es keine richtige Spur, der einzige Zeuge ist ein geistig verwirrter Mann, der schon jahrelang auf der Straße lebt. Seine Welt ist ein einziges Kasperltheater, es gibt für ihn nur Seppels und Gretels und ganz selten mal einen Kaspar. Rumpler hatte immer gute Verbindungen in die Szene und so ist er gern bereit seinem Kollegen zu helfen.
Es gelingt ihm nicht nur das Vertrauen des Zeugen zu gewinnen, er sieht auch Verbindungen zu einem Vermisstenfall, den die offiziellen Stellen nicht wahrnehmen.
Rudolf Trink hat einen sehr ruhig fließenden Erzählton gewählt. Der Name Rumpler passt so gar nicht zu diesem empathischen Zeitgenossen. Seine Rituale, wie das Frühstück im bevorzugten Kaffeehaus immer mit einer Melange und zwei Buttersemmeln, die Zubereitung seiner Mahlzeiten, auf die er sehr viel Sorgfalt verwendet, genau wie für die Leckereien seine Katze oder die Auswahl einer bestimmten Espressotasse, die zu seiner Stimmung passen muss, das alles wird genüsslich zelebriert. Ich hätte es nicht so häufig beschrieben gebraucht, aber ich fand es auch nicht störend, weil die Beschreibungen immer gut auf die Situation abgestimmt waren.
Seine Ermittlungen sind etwas unkonventionell, schließlich ist er Pensionist, aber er kann auch immer auf den Polizeiapparat zurückgreifen. Auch die Tochter seiner Freundin, einer IT Expertin, die sich sicher in den Tiefen des Netzes bewegt und auch mal illegale Wege nimmt, sind eine große Hilfe.
Dass der Rumpler in einer Szene sich auch noch als geübter Kampfsportler entpuppt und einen üblen Schläger blitzschnell schachmatt setzt, war allerdings für mich ein Touch zu viel.
Ich habe diesen gut ausgedachten Krimi sehr gern gelesen. Der Wiener Charme hat mir gefallen und auch die ermittlungsbedingten Ausflüge ins Waldviertel fand ich – samt der bodenständigen Einwohnern – sehr gut erzählt. Es ist sicher kein Krimi für Fans von Action, aber für Freunde des klassischen Kriminalromans eine gute Empfehlung.
„Schutzpatrone“ beweist wieder einmal, dass es in kleinen Verlagen abseits des Mainstreams immer wieder Perlen des Genres zu entdecken gibt.
Die Wurzeln der Familie
Die Tränen von Triest von Beate Maxian
Nach einem Schwächeanfall liegt der hochbetagte Großvater von Johanna Silcredi im Krankenhaus. Bernhard Silcredi hat eine Bitte an seine Enkelin, er will endlich erfahren, wer sein Vater war. Die Mutter hat sich immer ausgeschwiegen. Die Wurzeln der Famile Silcredi liegen in Triest. So reist Johanna nach Italien, der einstige Familienbesitz ist längst in eine Frühstückspension umgewandelt worden und Johanna unternimmt diese Reise auch, weil sie just an ihrem Geburtstag von ihrem Freund verlassen wurde.
In dieser Pension trifft sie Charlotte von Uhlrich, eine alte Dame, die zu einer Beerdigung angereist ist. Auch die Uhlrichs haben alte Verbindungen nach Triest und es scheint, als ob auch Charlotte Vergangenes ergründen will.
Zwei Zeitebenen verbindet Beate Maxian in ihrem wunderschönen Familienroman. Die Geschichte der Familien Silcredi und Uhlrich Anfang des 20. Jahrhunderts und die Gegenwart, in der Johanna nach der Trennung einen Neuanfang will.
Ich bin immer wieder begeistert, wie farbig die Autorin die Geschichte lebendig werden lässt. Triest, die große Handelsmetropole in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ersteht vor meinen Augen. Mit Johanna kann ich durch die Straßen der Stadt streifen, die Atmosphäre der Kaffeehäuser schnuppern und die vergangene Größe der Stadt ahnen. Stimmungsvolle Beschreibungen sind die Stärke von Beate Maxian. Das spürt man ganz besonders, wenn sie über die Umbrüche während und nach dem ersten Weltkrieg beschreibt. Eine neue Zeit bricht an, die besonders für Afra von Silcredi, Bernhards Mutter bedeutsam sind. Johanna erfährt viel über ihre Ahnin und dadurch auch ein wenig über sich selbst. Damit wird auch die Handlung der Gegenwart zu einer spannenden Lektüre und ich habe auch Johannas „Neustart“ sehr genossen.
Beate Maxian schafft es mit jedem ihrer Romane mich zu fesseln. Ich mag ihren Schreibstil, der viel Esprit hat und immer auch Wiener Charme aufblitzen lässt. Wenn sie ihre Protagonistin einmal ganz spontan „bist deppert“ ausrufen lässt, muss ich schmunzeln. Sehr feinsinnig verwebt sie Familiengeschichten mit Historie. Ihre Figuren gestaltet sie so lebensecht, dass ich sie wie echte Personen vor Augen habe, sie sind immer absolut stimmig in ihrer Zeit. Ihr gelingt es wirklich mich von Anfang an zu fesseln. Das hat sich bei jedem ihrer Romane für mich bestätigt.
Wer sich mit Anspruch unterhalten will, für den sind Beate Maxians Büchern immer die erste Wahl.
Tödliche Klinik
Ein reines Wesen von Isabella Archan
Willa Stark, die österreichische Polizeiinspektorin, die schon lange in Köln arbeitet, ist endlich aus dem Koma erwacht. Zur physischen und psychischen Rehabilitation schlägt ihr Kollege und Freund Harro eine renommierte und exklusive Privatklinik im Saarland vor. Schon beim Erstgespräch trifft Willa auf eine Grundschulfreundin aus Graz, die ihr ganz aufgeregt von einem ungeklärten Todesfall in der Klinik erzählt.
Einen Todesengel vermutet Nikki unter dem Personal. Obwohl Willa die Schilderungen etwas krude vorkommen, schlägt ihr Bauchgefühl an und sie beginnt zu ermitteln.
Die Klinik wird von Dr. Schmitz und Dr. Stolz geleitet. Die wesentlich ältere Ehefrau von Stolz hat als reiche Erbin das Haus finanziert und ist die unangefochtene Chefin des Hauses. Alles wirkt sehr gediegen und seriös, doch je länger sich Willa umsieht, umso stärker wird ihr Unbehagen.
Willa Stark ist eine außergewöhnliche Frau, sie hat meist den richtigen Riecher, auch wenn sie in ihren Ermittlungen mitunter unkonventionell und spontan vorgeht. Das macht aber auch den Reiz und die Spannung um diese Krimis aus. Es ist bereits der vierte Band dieser Reihe aus dem Conte Verlag, aber auch ein Leser ohne Vorkenntnis kommt sehr gut in diese Geschichte.
Der Ermittlungsort Krankenhaus bietet jede Menge guten Stoff für einen straffen Spannungsbogen und als sich Harro entschließt, Willa zu unterstützen kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel. Harro ist schon seit langem sehr in Willa verliebt. Sie allerdings sieht in ihm nur einen guten Freund – eine komplizierte Beziehung zwischen Privatleben und Beruf.
Das ganze Umfeld der Klinik ist gut getroffen, man spürt die Atmosphäre in einem Medizinbetrieb, inklusive der Eifersüchteleien von Schwestern und Pfleger. Als sich dann noch Verbindungen zu einem ungelösten Mordfall in einer Kölner Klinik ergeben, wird die Situation für Willa fast unüberschaubar und nicht ungefährlich.
Die Figuren in Willas Umfeld sind allesamt sehr ausdrucksstark beschrieben. Besonders mit Schwester Nikki ist Isabella Archan eine vielschichtige Charakterisierung gelungen, ich schwankte zwischen Mitleid und Abneigung und teilte damit auch Willas Einschätzung.
Ein rundum gelungener Krimi, der mit viel Einfühlungsvermögen erzählt ist und mich bestens unterhalten und gefesselt hat.
Die Fortsetzung ist gelungen
Die Bildermacherin und der böse Wolf von Christiane Omasreiter; Kathrin Scheck
Endlich hat Amalia auch noch den allerletzten Fotoauftrag in Berlin abgewickelt und kann ihren Umzug nach Südtirol in Angriff nehmen. Sie hat von ihrer verstorbenen Großmutter ein Haus geerbt und bei ihrem letzten Aufenthalt funkte es zwischen ihr und ihrem alten Kindheitsfreund Felix gewaltig und sie wurden ein Paar.
Ungeduldig wartete er auf ihren Umzug und bei jeder neuen Verzögerung wurde er ärgerlicher. Nun hat er sich schon seit Wochen nicht gemeldet und Amalia ahnt, dass sie einiges in Ordnung bringen muss.
Aber sie scheint zu spät zu kommen, denn Felix hat eine neue Liebe. Dr. Beate Sommer ist die neue Frau an seiner Seite, was Amalia erst mal einen Schock versetzt. Die Sommer ist zusammen mit einer weiteren Biologin, Celina Uhlig im Pustertal. Sie sollen dort die Ansiedlung von Wölfen wissenschaftlich begleiten. Ein heikles Thema in der Bevölkerung, die Bauern und Almhirten fürchten um ihr Wild und die Jäger um ihre Reviere. Die charmante und attraktive Celina kümmert sich allerdings nicht nur um die Wölfe. Auch den meisten männlichen Bewohnern des Ortes hat sie den Kopf verdreht und in einigen Ehen hängt der Haussegen gewaltig schief.
Doch dann ist es ausgerechnet Amalia die bei einer Skitour die übel zugerichtete Leiche von Celina Uhlig findet. Ganz offensichtlich wurde sie von Wölfen angegriffen. Amalia beweist ein weiteres Mal, dass sie über detektivischen Spürsinn verfügt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei lernt sie auch den ausgesprochen charmanten neuen Polizeikommandanten Maresciallo Marchetti kennen.
Ein interessantes Thema bildet den Hintergrund für den neuen Kriminalroman um Amalia Engl. Die Ansiedlung von Wölfen ist in jedem Land sehr umstritten, so sehr die Umweltschützer und Naturfreunde die Rückkehr begrüßen, so sehr stellen sich Bauern und Viehhirten quer. Die Diskussion darüber fand auch Eingang in diese Geschichte und das gefiel mir sehr gut. Auch was ein fremder und frischer Wind in einer eingeschworenen Gemeinde anrichten kann, kommt sehr gut rüber.
Amalia ist eine taffe Frau, erfolgreich als Modefotografin will sie nun wieder in ihrer alten Heimat ansässig werden und merkt aber auch, dass sie schon ein wenig fremd geworden ist. Diesen Kontrast finde ich ebenfalls sehr reizvoll. Dann sorgen die Liebeswirren auch noch für ein turbulentes Durcheinander, was mein Lesevergnügen erhöhte. Die beiden Autorinnen, Christiane Omasreiter und Kathrin Scheck, erzählen farbig und lebendig. Die schöne, winterliche Landschaft des Pustertals bietet einen weiteren Höhepunkt. Man möchte am liebsten in den tiefverschneiten Wäldern – Wölfe hin oder her – Tourengehen und die Gegend erkunden.
Eine gelungene Auflösung, an die ich lange nicht auf dem Schirm hatte, rundet den Krimi ab. Und es gibt Grund sich auf den nächsten Band zu freuen, denn es ist noch nicht klar, wie sich Amalia entscheidet.










