Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bibliomarie:
Kluftinger in Hochform
Funkenmord von Klüpfel Volker; Kobr Michael
Der Klappentext von Funkenmord hat mich veranlasst, wieder einmal zu einem Kluftinger-Krimi zu greifen. Die letzten Bände hatte mir nicht mehr so gut gefallen, da mir der Klamauk zu viel wurde. Aber es scheint, Kluftinger – bzw die Autoren haben wieder die Kurve gekriegt.
Nach den persönlichen Angriffen auf Kluftinger, die im letzten Band thematisiert wurden, ist noch keine Normalität im Kommissariat in Kempten eingekehrt.
Richard Maier trauert exzessiv, Kluftinger ist verunsichert und Frau Kluftinger kommt nach all den Bedrohungen nicht aus ihrer Depression. Alles deutet auf einen alten Fall, den Klufti wohl in seiner Anfangszeit bei der Kriminalpolizei versemmelt hat. Immer mehr kommt er zur Überzeugung, dass er damals den Falschen – trotz Geständnis – überführt hat und der Mord an einer jungen Lehrerin noch nicht gesühnt ist.
Auch wenn Kluftinger auch dieses Mal kein Fettnäpfchen auslässt, seine sprichwörtliche Sparsamkeit kuriose Blüten treibt und er bei seinen öffentlichen Äußerungen wirklich Jedem auf den Schlips tritt, wird er nicht zum Clown. Seine Schlussfolgerungen, oft über die Ecke gedacht, sind logisch und treffend. Erfrischend wirkt eine neue Protagonistin, Lucy Beer, eine junge Kommissarin die als Teamverstärkung ihren Dienst antritt. Sie weiß Kluftinger zu nehmen und die Zusammenarbeit wird zur großen Überraschung des Eigenbrötlers sehr angenehm.
Mir hat dieser Band wirklich wieder so gut wie die frühen Bände gefallen, der handfeste Allgäuer Charme ist spürbar und Kluftinger wirkt realer, nicht mehr so als der Depp vom Dienst. Der Fall, der ihn umtreibt, ist gut aufgebaut, zwar durchschaubar, aber trotzdem bleiben die Ermittlungen überraschend und der Spannungsbogen hoch.
Die Nebenfiguren, allesamt gut gezeichnet runden die Atmosphäre ab, auch die privaten Probleme Kluftingers fügen sich gut in die Handlung und bieten immer wieder urkomische Auftritte. Im Theater gäbe es dafür wohl Szenenapplaus.
Dieser Kluftinger hat mir wieder sehr gut gefallen.
Englischer Klassiker
Das Geheimnis von Dower House von Nicholas Blake
Im Verlag Klett-Cotta erscheinen seit einiger Zeit englische Krimi-Klassiker in sorgfältiger Neuedition. So auch nun Blakes Weihnachtskrimi „Das Geheimnis um Dower House“. Nicholas Blake ist das Pseudonym des Autors Cecil Day-Lewis (1904–1972). Er war ein Akademiker, wurde von der Queen zum Hofdichter ernannt und schrieb, wie viele andere britische Gelehrte, sehr erfolgreiche Krimis.
Nigel Strangeways, ein Hobbydetektiv aus besserer englischer Gesellschaft wird von Sir John, dem stellvertretenen Polizeipräsidenten Londons gebeten, ganz privat einigen Drohbriefen nachzugehen. Der Adressat ist Fergus O’Brian, ein hochdekoriertes und sagenumwobenes Fliegerass aus dem 1. Weltkrieg, der zurückgezogen auf dem Landsitz Dower House lebt. Die Nachrichten drohen O’Brian mit seinem Tod am 2. Weihnachtstag. Nigel nimmt die Einladung an um die Gäste O’Brians unter die Lupe zu nehmen, denn der hat alle, die er verdächtigt, eingeladen.
Es kommt, wie es kommen muss, O’Brian findet trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, genau wie angekündigt seinen Tod.
DieGäste bedienen das Klischee: eine Lebedame, natürlich vollbusig und blond und unter dem Make Up ziemlich gewöhnlich, ein ehemaliger Militär und jetziger Clubbesitzer, der höchst anrüchig scheint, eine unkonventionelle Weltenbummlerin und ihr Bruder, dazu ein Oxford Professor, zufällig auch Nigels ehemaliger Mentor. Damit ist die Besetzung des Kammerspiels fast komplett.
Damit sind Setting und Personal schon klar umrissen, der Mörder kann nur im Haus gewesen sein und jeder Gast hatte ein besonderes Verhältnis und im Grunde auch ein Motiv. So beginnt für Nigel ein intellektuelles Ratespiel, in das er den lokalen Polizisten als Resonanzboden für seine Theorien einbezieht.
Dieser Polizist wird von Nigel gleich als rechtschaffener Mann mit bäuerlicher Herkunft und solider Polizeiausbildung klassifiziert und es ist klar, dass dieser sich dem gesellschaftlich höher gestellten Nigel Strangeways unterordnet. Es fällt auf, wie wichtig die Gesellschaftsordnung in Krimis aus dieser Zeit ist.
Blake präsentiert nun ein intellektuelles Rätsel, mit vielen Zitaten und Anspielungen aus der Literatur. Das entfaltet auch heute noch seinen Reiz und ich habe mich gern auf dieses Spiel eingelassen. Der Krimi hat den Charme und die Eleganz der alten Klassiker, die Spannung ordnet sich unter.
Mich hat der Sprachstil Anspielungen sehr gut gefallen, obwohl ich schon den Eindruck hatte, dass der Autor seinen intellektuellen Anspruch auch in seiner Arbeit unter Pseudonym zum Ausdruck bringen wollte.
Besonders schön ist dem Verlag die Ausstattung gelungen.
Die tote Braut
Eiskalte Provence Ein neuer Fall für Albin Leclerc . 23.09.2020. Paperback / softback. von Lagrange Pierre
Ex-Polizist Albin Leclerc und sein Mops Tyson ermitteln in einem brisanten Fall. Der Weihnachtsfrieden von La Roque-sur-Pernes ist gestört.
Eine Wandergruppe wird von einem Regenschauer überrascht und sucht Schutz in einer der alten Bories und macht eine grausige Entdeckung. Eine Tote mit Blumenkranz im Haar und im weißen Brautkleid lehnt an der Mauer der Hütte.
Natürlich macht der Fund sofort die Runde und Albin Leclerc wird hellhörig. Als pensionierter Kriminalbeamter ist seine professionelle Neugierde sofort geweckt und auch wenn seine frühere Kollegen nicht immer sehr erfreut über seine Hilfe sind, erkennen sie seine Erfolge durchaus an.
Trotz vorweihnachtlichem Stress, Albins Lebensgefährtin Veronique möchte in großem Familienkreis feiern, beginnt Albin mit den Recherchen. Natürlich zusammen mit seinem Mops Tyson, zu dem er inzwischen eine fast symbiotische Beziehung pflegt. Er hat viel Respekt für Tysons Riecher.
Die Reihe um Albin Leclerc umfasst inzwischen schon einige Bände, kürzlich habe ich den ersten Band gelesen und bin nun das neue Buch ohne Schwierigkeiten eingestiegen. Die Zusammenarbeit zwischen der offiziellen Polizeidienststelle und dem Privatier Leclerc gestaltet sich gut, ein paar Reibereien und Frotzeleien belebt die Geschichte. Überhaupt ist doppelte Perspektive ein Pluspunkt des Bandes. Nicht nur aus der Sicht der klassischen Polizeiarbeit samt akribischer Spurensuche, sondern auch der Blickwinkel der ganz privaten Ermittlungen, die Klatsch und Tratsch einschließen, bringen Leclerc und die Kommissare weiter. Das bietet neben der Spannung auch immer wieder ganz witzige Szenen. Auch die Geschichte von La Roque-sur-Pernes spielt eine Rolle und wird interessant mit dem Kriminalfall verwoben.
Das fand ich sehr gut aufgebaut und der Krimi hat meine Erwartungen erfüllt. Ich mag es, wenn Landschaft und regional-typisches eine Rolle spielen und in den Plot eingebaut werden. Mit dem pensionierten Leclerc hat der Autor auch eine interessante Figur geschaffen, kauzig und ein wenig eigen, aber immer mit einem guten Riecher. Seine Dialoge mit Matteo, dem Besitzer des Café du Midi, sind wirklich klasse. Vor allem weil Matteo, wie viele Südfranzosen sich politisch am rechten Rand verortet, aber den Gegenargumenten Leclercs nie gewachsen ist.
Der Krimi steigert sich bis zum einem furiosen Ende, das mir allerdings ein wenig zu dick aufgetragen war. Da kommt es zu einem richtigen Showdown samt gecrashter Autos- und Explosionen, die ich eher bei einem Actionthriller erwartet hätte.
Aber natürlich siegt das Gute und Weihnachten kann friedvoll gefeiert werden.
Unterwegs
Volkswagen Blues von Jacques Poulin
Vielleicht ist seine Schreibblockade der Grund, dass sich der Schriftsteller Jack Waterman mit der Vergangenheit beschäftigt. Vor Jahren hat er das letzte Lebenszeichen seines Bruders Theo erhalten: eine unleserliche Postkarte aus dem kanadischen Ort Gaspé. Plötzlich wird es im bewusst, was für eine große Rolle sein Bruder in seinem Leben spielte und er fühlt sich auch schuldig, nie nach Theo gesucht zu haben.
Mit einem alten VW Bus will er den verwehten Spuren folgen und hätte er nicht unterwegs eine junge Anhalterin mitgenommen, wäre sein Versuch wohl schon zu Anfang gescheitert. Aber die „Große Heuschrecke“, wie er Pitsémine wegen ihrer langen und dürren Beine nennt, bringt ihn mit ihren Ideen auf die Spur. Außerdem ist sie Mechanikerin, was bei einem so alten Bus mit fast 200000 km auf dem Tacho ein unschätzbarer Vorteil ist. Die Große Heuschrecke ist eine fast manische Leserin und vor allem die Geschichte der Landnahme der französischen Einwanderer und Entdecker interessiert sie, ist sie doch als Nachfahrin der indigenen Bewohner direkt davon betroffen.
Zusammen durchqueren sie den amerikanischen Kontinent, reisen wie die frühen Siedler auf dem Oregon Trail gen Westen und finden ab und zu Hinweise auf Theo. Für Jack wird diese Reise auch immer mehr in Reise zu sich selbst, je mehr er sich seiner Begleiterin öffnet. Dabei bleiben die Reisegefährten freundschaftlich distanziert, so siezen sich während der ganzen Fahrt.
Diese Road Novel – ich finde einfach keine passendere deutsche Entsprechung ist ein wunderbarer Reisebericht, leise und intensiv und auch ein wenig melancholisch erzählt. Ich habe bedauert, dass ich dieses Buch nicht bei Erscheinen vor 20 Jahren lesen konnte, ich hätte mich vielleicht für eine solche Fahrt inspirieren lassen. Schade, dass es so lange dauerte, bis dieses Buch endlich in Übersetzung in Deutschland erschien. So folge ich Jack und Pitsémine per Buch quer durch Amerika und lerne dabei sehr viel über die Geschichte der Siedler und Entdecker.
Man sollte sich Zeit nehmen und das Buch langsam lesen um die Geschichte besonders zu genießen, dann ist das Fernweh programmiert. Aber das ist ja auch das Ziel einer Reiseerzählung.
Weihnachten in Vermont
Marcia aus Vermont von Peter Stamm
Nach einem Jahr in Amerika muss sich der junge angehende Künstler eingestehen, dass er den Durchbruch nicht geschafft hat und bittet die Eltern um Geld für ein Rückflugticket. Als kleine Rebellion bleibt er aber über die Weihnachtstage noch in New York. Dort lernt er Marcia kennen, die ihn auf der Straße um ein paar Dollar anschnorrt.
Vielleicht noch ein kleines Geburtstagsgeschenk und er könnte gern mit in die Wohnung kommen – er lässt sich darauf ein und wird für ein paar Tage Teil einer sonderbaren Menage. Marcia ist die Geliebte eines Schriftstellers, ganz mit Einverständnis der Ehefrau.
An diese Weihnachtstage erinnert sich der Ich-Erzähler, inzwischen ein anerkannter Künstler, als er nach mehr als 30 Jahren wieder einen Winter in den USA verbringt. Als Gast einer Stiftung in Vermont. Verwirrt wird er durch ein Manuskript, dass in seinem Appartement findet, eine kleine Erzählung die eine Dreier-Beziehung schildert, die durch das Eindringen eines jungen Schweizer Künstlers gesprengt wird.
Eine kleine, durchaus stimmungsvolle Erzählung von Peter Stamm. Durch die Form der Ich-Erzählung erweckt es einen autobiografischen Anschein. Es ist kunstvoll komponiert, Peter Stamm ist einfach ein Meister der Sprache, aber wirkt – nicht nur der eisigen Temperaturen wegen – unterkühlt auf mich.
Der letzte Sommer
Sterben im Sommer von Zsuzsa Bánk
Zsuzsa Bank, die ich seit ihrem Roman „Helle Tage“ sehr schätze, hat mich mit ihrem neuen Buch tief berührt.
Wie der Titel schon sagt, kreist es um den Tod ihres Vaters. Wie jedes Jahr will er mit seiner Familie die Heimat Ungarn sehen, ein Sommer im Dorf, die Wärme spüren, die Gerüche atmen, die Erinnerung aufleben lassen.
Doch er wird krank und nun beginnt eine Odyssee für die Autorin und die Familie. Zuerst das Krankenhaus gleich hinter der österreichischen Grenze, da fühlt man sich besser aufgehoben, als in einer ungarischen Klinik. Dann nach bangen Wochen der Transport ins Uniklinikum Frankfurt, immer mit dem Wissen, dass die letzten Tage angebrochen sind. Vor dem Sterben, beim Sterben, nach dem Sterben – sie erzählt von Gefühlen, Ängsten und Überforderung. Gleichzeitig blättert sie das Leben der Eltern auf, die nach dem Ungarn-Aufstand nach Deutschland flohen und eine neue Heimat fanden ohne die alten Bindungen je kappen zu können.
Auch wenn die Klinikszenen manchmal kaum auszuhalten waren, wenn Frau Bank offen von der Überforderung des Personals spricht, von unsensiblen Ärzten berichtet, die wenig Zeit für den Patienten und die Angehörigen finden. In der Maschinerie des Klinikbetriebs bleibt die Menschlichkeit oft auf der Strecke.
Trotz des ernsten Themas schwingt eine spätsommerliche Stimmung durch das Buch, manchmal traurig und fast immer melancholisch, doch auch mit der Gelassenheit, die schöne Erinnerungen mit sich bringen. Es ist ein autobiografischer Bericht, in einer wunderbar sensiblen Sprache erzählt, die mir ein Genuss war. Ich habe das Buch mit großer Empathie gelesen, es hat mich angerührt, doch wurde es nie sentimental.
Südtiroler Sterne
Neid kennt kein Gebot von Ralph Neubauer
Commissario Fabio Fameo ist schon lange im idyllischen Südtirol heimisch geworden. Zusammen mit seiner Südtiroler Frau Elisabeth und den gemeinsamen Kindern bewohnt er den historischen Ansitz Esser. Doch das Idyll wird empfindlich gestört als eine Gruppe Touristen in einem Weiher einen abgetrennten menschlichen Arm finden.
Einer der Touristen, selbst Koch, weist die Polizisten auf die typischen Vernarbungen von Schnittverletzungen am Finger hin. Es tauchen noch weitere Körperteile auf und Fameo kommt unter Druck.
Ralph Neubauer ist ein Südtirol Fan und manchmal denke ich, dass er die Form des Kriminalromans gewählt hat um seine Leser auf unterhaltsame Weise diese Landschaft näherzubringen. Er kennt alle einschlägigen Restaurants und baut sie so in die Handlung ein, dass man das Buch auch fast als kulinarischen Reiseführer lesen könnte. Die Geschichte der Sterneküche in Südtirol ist wirklich interessant und der Hinweis auf typische Rezepte gefiel mir auch. Glücklicherweise verzichtet der Autor auf die Rezepte im Anhang, das ist inzwischen wirklich nicht mehr originell.
Auch vieles aus der Südtiroler Geschichte fließt in die Handlung ein. Dazu kommt noch eine ganz sympathische Eigenart des Autors: er baut gern Menschen, die ihm begegneten in die Handlung ein. Das birgt allerdings die Gefahr, dass sich die Geschichte zerfasert und in Nebenhandlungen verliert. Das passiert manchmal auch hier und wenn ich es auch nicht sehr störend empfand, hat es doch die Handlung abgebremst und auch dem Spannungsbogen des Plots nicht gut getan. Besonders fiel mir da die Geschichte um einen deutschen Bergwanderer und seiner Frau auf und die Verwicklungen eines urlaubenden deutschen Staatsanwalts auf.
Aber trotz all den Abschweifungen behauptet sich die Krimihandlung dann doch und nimmt gegen Ende deutlich an Fahrt auf. Auch wenn ich mich mit meinen Vermutungen schon früh bestätigt sah, war die Auflösung gut gemacht und in sich auch schlüssig.
Neubauers Südtirol Krimis sind eben eine Liebeserklärung an Land und Leute.
Blitzsauber
Die Saubermacherin von Sabine Kunz
Der tüchtigen Millie würde wohl jeder seinen Haushalt anvertrauen. Putztechnisch kann man ihr nichts vormachen. Was ihre Auftragsgeber allerdings nicht wissen: Millie kennt nicht nur den Inhalt des Putzschranks – den sie auch immer wieder kreativ anzuwenden versteht – sie kennt auch ihre E-Mails und ihren Schreibtisch.
Denn der Putzjob ist nur eine perfekte Tarnung für die Organisation PSA Austria, die PutzfrauenSpyAgency, ein Netzwerk hochqualifizierter Agentinnen.
Millies aktueller Auftrag ist kompliziert und gefährlich, eine Bande will sich Politiker mit manipulierten Lebensmitteln gefügig machen und hat sich schon international ausgebreitet.
Die wirklich witzige Persiflage auf Spionageromane ist der Autorin gelungen. Ich habe mich über Millie und ihre Kollegen köstlich amüsiert. Denn wenn sie unter die Betten ihrer einflussreichen „Kundschaft“ schaut, findet sie nicht nur Staubflusen. Dass ihr Auftrag aus dem Ruder läuft, hat nichts mit ihren Fähigkeiten, eher mit einem findigen Finanzbeamten zu tun. Ja, ja, das Finanzamt, das hat ja auch Al Capone schon zur Strecke gebracht.
Sehr witzige Dialoge voller Anspielungen bringen noch eine Extraportion schwarzen Humor in die Geschichte. Da wird sehr gekonnt mit den Vorurteilen gespielt, wenn zum Beispiel die Hausfrauen ihre Reinigungskräfte mit „Du putzen heute Bad“ in gehobener Lautstärke ansprechen und meinen dadurch verständlicher zu sein.
Ein wirklich vergnüglicher Lesespaß mit einem gelungen Ende.
Hochzeitsvorbereitungen
Die Saubermacherin von Sabine Kunz
Kirby Matthews ist leid immer nur Single Gast bei den Hochzeiten ihrer Freunde zu sein und mitleidig betrachtet zu werden, wenn sie den Brautstrauß fängt. Dabei ist sie seit einem Jahr mit Ted zusammen, doch leider in einer Fernbeziehung. Er arbeitet und lebt in Silicon Valley, sie in Jersey City. Die wenigen gemeinsamen Wochenende und die Bildtelefonate sind kein guter Ersatz.
Doch dann macht Ted ihr den ersehnten Heiratsantrag und voller Freude stürzt sich Kirby zusammen mit Teds bestem Freund John auf die Hochzeitsvorbereitungen. John ist eine Überraschung für sie, er sitzt im Rollstuhl, ist abweisend und zynisch und doch hat er vieles gemeinsam mit Kirby, wie sie allmählich feststellt.
Die Geschichte ist locker und unterhaltsam geschrieben und hat doch etwas Besonderes, was ich bei dieser Art Romane nicht unbedingt erwartet hätte: Sie thematisiert Behinderung und unseren Umgang damit.
Die Autorin lässt abwechselnd Kirby in der Ich-Form von ihren Begegnungen erzählen und beide haben natürlich vollkommen unterschiedliche Auffassungen. Bei John dominiert anfangs der zynische und abweisende Ton, er stößt Kirby immer wieder vor den Kopf, was aber auch Selbstschutz für ihn ist. Sein Zustand wird nicht romantisiert und beschönigt, er ist in vielem auf fremde Hilfe angewiesen und verabscheut das gleichzeitig.
Kirby dagegen ist erst mal glücklich und es dauert eine ganze Zeit, bis sie bemerkt, dass sie mit Ted überhaupt keine Gemeinsamkeiten hat, dass ihre Beziehung eigentlich auf die Distanz möglich war. Während Ted immer ein wenig von oben herab über ihren Filmgeschmack und ihre Vorlieben urteilte, ist sie mit John auf Augenhöhe.
Ich finde es ganz gelungen, wie die Autorin in ihren Unterhaltungsroman auch ein ernstes Thema einbringt, das mich berührte ohne dass die Geschichte in Kitsch abgleitet. Besonders mit John ist ihr auch eine gute Personenzeichnung gelungen. Bei Kirby fragte ich mich allerdings, warum in so vielen Romanen die Heldinnen immer Cupcake Bäckerinnen sein müssen.
Ich bin auf dieses Buch durch einige Rezensionen aufmerksam geworden und kann den positiven Eindruck dieser Besprechungen nur bestätigen.
Leichte Sommerunterhaltung
Nur noch ein bisschen Glück von Ahrnstedt Simona
Die Leseprobe hat mich neugierig gemacht, denn sie war frisch und kurzweilig, und dass das Thema des Romans nicht besonders neu ist, fiel dabei nicht ins Gewicht. Stella Wallin wird von ihrem Partner betrogen und als sie darauf ihre Beziehung beendet, sorgt er dafür, dass sie ihren Job verliert. Sie steht vor dem Nichts und da passt es gut, dass das alte Haus der Großeltern leer steht und sie es verkaufen kann, denn schließlich möchte sie an eine renommierte New Yorker Modeschule und braucht jeden Cent.
Nur steht das Haus fast am Ende der Welt und ein Landmensch war Stella nie, so stöckelt sie also auf High Heels durch die Landschaft, denn Taxis hat das Kaff auch nicht, bis sie von Bauer Thor aufgegabelt wird.
Klar, weiß ich was passiert – aber der Weg dorthin ist durchaus amüsant beschrieben und diverse Missverständnisse zwischen Stella und Thor lassen mich schmunzeln. Die Autorin hat einen flotten Schreibstil, setzt auch ihre Pointen ganz gekonnt und so liest sich die Geschichte wirklich sehr leicht.
Ein paar Klischees weniger (Bauer Thor stellt seinen Körper gern beim Holzhacken oben ohne zu Schau oder lässt die Muskeln in hautengen T-Shirts spielen) hätten mich auch nicht gestört. Die Liebesszenen sind ziemlich heiß, also findet jeder Leser was nach seinem Geschmack.
Insgesamt Unterhaltung ohne Tiefgang, aber mit Unterhaltungswert.










