Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gavroche:
Highlight
Am Himmel die Flüsse von Elif Shafak
Dieses Buch ist einfach wunderbar. Elif Shafak verknüpft sehr geschickt unterschiedliche Zeitebenen und Biographien und es gibt immer wieder verbindende Elemente wie das antike Mesopotamien und das Reich der Assyrer und die Tontafeln in Keilschrift, aber über allem steht natürlich das Thema Wasser.
Deswegen fand ich das Zitat auf Seite 148 auch so bezeichnend: "Die Klimakrise ist im Grunde eine Wasserkrise". Darum begleitet uns durch das Buch auch immer wieder ein Tropfen Wasser, der alle Protagonisten "trifft".
Ich fand die Verbindung von London im 19. Jahrhundert zur Zeit der Hochindustrialisierung und der großen Verarmung sowie der immensen Umweltverschmutzung mit dem heutigen London und die Geschichte am Ufer des Tigris mit dem drohenden Dammbau sehr geschickt gemacht und ich mochte auch die immer wieder eingestreuten Zusatzinformationen sehr.
Ich habe jede einzelne Zeile dieses Buches genossen.
Flitterwochen mit einem Mordfall
Letzte Lügen von Karin Slaughter
Das Cover finde ich absolut genial, aber bei mir hat noch mehr der Name der Autorin gewirkt, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.
Ich weiß nicht, wie viele Thriller der Reihe mit Sara Linton und Will Trent ich schon gelesen habe und bisher wurde ich noch kein einziges Mal enttäuscht.
Am besten nimmt räumt man sich viel Lesezeit ein für dieses Buch, ob im Urlaub oder an einem freien Wochenende, denn wenn man einmal angefangen hat, dann kann man den Thriller ganz schlecht wieder aus der Hand legen.
Ich empfehle zumindest einige der Vorgänger gelesen zu haben, weil dann die Hintergrundgeschichte besser zu verstehen ist, allerdings kommt auch ohne dies die Spannung auf.
Die Flitterwochen haben sich Sara und Will ganz bestimmt nicht so grausam vorgestellt. Statt Romantik kommt es zu Mord, denn die Managerin der Lodge wird ermordet. Wer war es? Hier kommen viele in Frage und es gibt auch viele unterschiedliche Motive. Dann verschwindet auch noch der Sohn von Mercy McAlpine und irgendwie hat jeder und jede ein Motiv, denn die Tote war nicht gut angesehen.
Der Spannungsbogen wird gehalten, wir werden verwirrt, mit unterschiedlichen Informationen aus diversen Perspektiven "versorgt" und die Gänsehaut will einfach nicht verschwinden.
Ich war gespannt
Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz von Beril Kehribar
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch und sowohl das Cover als auch der Klappentext haben mich neugierig gemacht.
Für mich war es das erste Buch von Beril Kehribar.
Die Idee war gut, allerdings gab es meiner Ansicht nach bei der Umsetzung einige Probleme, so dass sich für mich die Geschichte teilweise wirklich gezogen hat, da wäre eine Straffung für mehr Spannungsaufbau gut gewesen.
Und für mich gab es zu viele Zeitsprünge und Hin und Her; das hat für mich nicht die Spannung aufgebaut. Ab der zweiten Hälfte wurde es dann besser und vor allem das Ende lässt so manch eine Frage offen, so dass ich nun doch neugierig auf die Fortsetzung bin.
Xanthia, der Vorhof der Hölle wurde gut beschrieben, das gefiel mir. Ich hatte allerdings Probleme, mit der Protagonistin Zoé warm zu werden. Und die Liebesgeschichte hatte für mich etwas zu viele Klischees im Angebot. Da fehlte mir zumindest ein Hauch "Innovatives".
Ein recht gutes Buch, aber mit so einigem Potential, das nicht ausgeschöpft wurde.
Moni und Oscar
Pi mal Daumen von Alina Bronsky
Zwei total unterschiedliche Charaktere treffen hier im neuen Roman von Alina Bronsky aufeinander: der sechzehnjährige Oscar, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird, und die Anfang 50jährige Moni. Sie lernen sich im Mathematikseminar kennen und nur, weil Übungsblätter im Team abgegeben werden müssen, akzeptiert Oscar die Zusammenarbeit.
Aber er ist sich eh sicher, dass Moni das Studium nicht schaffen wird. Überheblich löst er die Aufgaben für beide.
Oscar stammt aus einer reichen Familie und hat gelernt, dass man mit Geld alles bekommen kann. Er ist Autist und fixiert darauf, sein Idol, Professor Johannsen, persönlich zu treffen. Nur deshalb hat er sich für diese Uni entschieden.
Moni hingegen kommt mit allen leicht ins Gespräch, kümmert sich um alle(s) und hat auch mal ihren jüngsten Enkel mit in der Vorlesung.
Mir hat dieses Aufeinandertreffen zweier so unterschiedlicher Leben gefallen. Alina Bronskys Schreibstil ist einfach unglaublich und auch ihr neuer Roman war ein Kunstwerk.
Betrügereien
Unlock my Heart Golden-Heights-Reihe von Saskia Louis
Lexie verdient sich neben ihrem Studium an einem community college nebenbei Geld mit dem Fälschen von Ausweisen und sie beschafft auch schon mal Prüfungsklausuren. Außerdem jobbt sie - genau wie ihr Bruder Ty - in der Bar eines Freundes. Und das alles, um gerade so über die Runden zu kommen. Bei einer ihrer Aktionen auf dem Campus fällt sie allerdings dem reichen Logan Maxx auf, dessen Vater ein ganzes Konglomerat an Firmen besitzt.
Doch Logan benötigt Lexies Hilfe und diese sichert er sich mit einem Trick.
Lexie und Ty sind schon lange auf sich allein gestellt, denn ihr Vater, ein Trickbetrüger, sitzt im Gefängnis, kommt allerdings bald frei. Aber die beiden haben ihre alten Identitäten aufgegeben und möchten nicht mehr für seine Aktionen eingespannt werden.
Die beiden Perspektiven von Lexie und Logan werden von Juliana Hempel bzw. Max Rauch gut gesprochen und man kann sich so die Wortgefechte der beiden Protagonisten gut vorstellen.
Das Buch entsprach meinen Vorstellungen und war eine eher leichtere Unterhaltung. Insgesamt mag ich die Fantasy-Romane von Saskia Louis lieber.
Die vergessenen Bücher
Die magische Bibliothek der Buks 1: Das Verrückte Orakel von Nina George; Jens J. Kramer
Stellt euch nur einmal vor, ihr würdet in einer Welt leben, in der es keine Bücher mehr gäbe und auf dem Handy oder Tablet nur Sachtexte und Videos, aber keinerlei Belletristik. Keine Fluchten mehr in fantastische Welten, keine Träumereien, kein Kopfkino - welch eine furchtbare Vorstellung!
So sieht es in der Welt der Zwillinge Nola und Finn und ihren Freunden Mira und Thomas aus.
Doch eines Tages erleben sie ein großes Abenteuer und entdecken ein altes Gebäude, in dem die Buks leben, mit ihren großen Augen, die leuchten und alle kleiner als die Kinder. Die Buks sind die Buchschutzgeister, Queen Buks ist die Anführerin, aber es gibt viele weitere Buks wie Rebella, Sherlokko oder die ständig rülpsende Romantika Buks. Die Buks haben die Kinder erwartet, aber können die Kinder wirklich die Bücher retten, denn aus immer mehr Büchern verschwindet der Inhalt.
Ein ganz wunderbares Buch mit ganz vielen Hinweisen auf Bücher und Literatur, die ich ganz bestimmt nicht alle entdeckt habe, aber über jeden Fund habe ich mich gefreut.
Auch ein Buch über Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und Rebellion und die Bedeutung von Literatur.
Ein Buch für junge und junggebliebene Leser*innen mit wichtigen Botschaften.
Allerdings macht das Ende super neugierig auf die Fortsetzung, auf die ich mich schon sehr freue.
Endlich ein neuer Fall
Jenseits des Grabes von Fred Vargas
Viel zu lange hat es gedauert, bis Fred Vargas ihre Fans mit einem neuen Fall des eigenwilligen Kommissars Adamsberg beglückt hat, aber wie schön, dass es nun endlich weitergeht.
Schon auf den ersten Seiten habe ich schmunzelnd die Rettung eines Igels gelesen, der Adamsberg wichtig war, gefühlt wichtiger als seine Arbeit, aber gerade das macht Adamsberg eben aus.
Danglard glänzt sofort wieder mit enzyklopädischem Wissen, Froissy sorgt für das leibliche Wohl und Retancourt trifft auf einen Mann, der von ihrer Größe und Stärke sehr beeindruckt ist.
Man merkt es sofort: neben den verzwickten, spannenden und ungewöhnlichen Fällen, begeistert mich immer wieder und vor allem die Figurenzeichnung der Autorin und ihr ganz eigener Schreibstil.
Ja, man kann dieses Buch bestimmt auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber es ist so viel schöner, wenn man lieb gewonnene Charaktere wieder trifft.
Dieser Fall führt Adamsberg in die Bretagne, wo ein Ebenbild des berühmten Schriftstellers Chateaubriand des Mordes bezichtigt wird. Aber Adamsberg glaubt an dessen Unschuld. Eigentlich fällt der Fall ja nicht in seine Zuständigkeit, aber schon bald wird er abgeordnet und gemeinsam mit dem Kommissar aus Rennes und weiteren Polizisten ermitteln sie in einem kleinen bretonischen Dorf. Auch hier spielen wieder alte Bräuche und Geschichte eine Rolle.
Zwischenzeitlich geht es eher gemächlich zu, der Wirt Johan bereitet Leckereien zu, Adamsberg meditiert auf einem Menhir, aber dann überschlagen sich wieder die Ereignisse.
Adamsberg schafft es auch dieses Mal wieder mit seinen eigenwilligen, kombinatorischen Fähigkeiten den Fall zu lösen.
Ein wunderbares Buch, dessen letzte Seite ich mit Bedauern gelesen habe, weil es schon wieder ausgelesen war und ich hoffe, dass wir nicht wieder so lange warten müssen, bis Adamsberg und seine Truppe wieder ermitteln werden.
Zu überfrachtet
VIEWS von Marc-Uwe Kling
Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, weil ich im Vorfeld schon viele kontroverse Meinungen dazu gehörte hatte, aber zum Glück nicht gespoilert wurde.
Das Buch ist relativ kurz und flott gelesen und deshalb werde ich auch nur in Ansätzen auf den Inhalt eingehen.
Yasira Saad arbeitet beim BKA, ist geschieden und lebt mit ihrer 16jährigen Tochter Zara in Berlin.
Als sie sich gerade mit einem Tinderdate trifft, geht ein schockierendes Video viral. Ein Mädchen wird vergewaltigt. Yasira und ihr Team werden mit der Ermittlung beauftragt, es muss schnell gehen, denn das Thema ist hochbrisant und ruft schnell Rechtsextreme Reaktionen hervor, denn die Vergewaltiger sind alle POC.
Marc-Uwe Kling kann gut schreiben und auch hier musste ich an mancher Stelle über seinen Wortwitz und die Anspielungen schmunzeln. Dennoch ist das Buch ein ernstes Buch. Leider ist es überfrachtet mit zu vielen Facetten und Themen auf relativ wenigen Seiten.
Das Ende gefiel mir so leider gar nicht.
Für mich war es leider bisher das schlechteste Buch des Autors; vielleicht passen andere Genre doch besser?
Ein ungewöhnliches Leben
Die unendliche Reise der Aubry Tourvel von Douglas Westerbeke
1885, Paris. Aubry und ihre beiden älteren Schwestern haben einen auffälligen Brunnen entdeckt und sie beschließen, dass dies ein Wunschbrunnen ist. Und jede von ihnen soll etwas hineinwerfen, an dem sie hängt. Aber Aubry macht im letzten Moment doch nicht mit. Kurz darauf beginnt ihre seltsame Krankheit.
Sie fängt an zu bluten und alles schmerzt. Sie muss weiterziehen, darf nicht in das Haus ihrer Eltern zurück. Spätestens nach vier Tagen beginnt sie wieder zu bluten. An einen Ort, an dem sie bereits war, kann sie nicht zurück kehren.
Sie trifft auf ihren Reisen viele Menschen und nicht wenige beneiden sie darum, die ganze Welt zu entdecken, aber ist das wirklich so toll, wenn man immer weiterziehen muss?
Immer wieder taucht überraschend eine Tür auf zu einer geheimnisvollen Bibliothek - was hat es damit auf sich und was mit dem Ball, der immer wieder zu ihr zurück kommt?
Eine sehr philosophische Reise und wunderbar geschrieben. Mal eine ganz andere Art von Fantasy. Ich habe sehr viel reflektiert, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten hätte und ob das wirklich ein Geschenk ist oder ein Fluch.
Mir haben die Begegnungen mit vielen der Menschen gefallen, die sie unterwegs trifft. Natürlich nicht mit allen, aber einige waren beeindruckend.
Eine tolle und interessante Reise in mehrfacher Hinsicht. Absolut lesenswert.
Spannende Fortsetzung
Signum von John Ajvide Lindqvist
Nachdem ich im letzten Jahr "Refugium" regelrecht verschlungen habe, habe ich mit Spannung die Fortsetzung erwartet. Vor allem nach diesem Ende! Also: unbedingt vorher den ersten Teil lesen, denn die Geschichte baut aufeinander auf.
Und es geht auf sofort spannend weiter und ich war sofort wieder in der Geschichte und konnte mich wieder gut an die Einzelheiten erinnern.
Auch dieses Buch ist stellenweise wieder sehr brutal und blutig und man blickt immer wieder in menschliche Abgründe.
Die Figuren sind wieder außergewöhnlich gut und differenziert gezeichnet. Hier gibt es keine klare Einteilung in gut oder böse, sondern ganz viele Nuancen.
Viele überraschende Wendungen und die Beziehungen der Figuren sind auch nicht einfach zu definieren.
Auch der zweite Teil war ein Buch, in das ich eingetaucht bin und schlecht wieder auftauchen konnte. Lediglich das Ende fand ich nicht ganz so gut, aber es passte auch irgendwie.











