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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Drei Reisen

Die Liebe kommt immer zu spät von Karl-Markus Gauß

Karl-Markus Gauß ist gerade in Bezug auf Reiseberichten ein großer Essayist, da er es vermag, weit auszuholen und den Leser doch an den Text zu binden.
Die erste Reise führt in 2022 nach Slowenien. Aber eigentlich berichtet er hier viel von Persönlichkeiten der Vergangenheit, vor allen von denen mit einem feministischen Ansatz.

Das war interessant, mir vollkommen unbekannt.
Mehr drin im Buch war ich der zweiten Reise nach Bosnien. Dieser Text ist durchdrungen vom Werk und Wesen des Schriftstellers Dzevad Karahasan, der als Stimme Bosniens galt und der 2023 starb. Ich habe sein Tagebuch der Übersiedlung besonders bewundert. Gauß war mit Karahasan gut befreundet und konnte viel berichten. Daher war diese mittlere Reise für mich der Höhepunkt, wobei Gauß einige gute Beschreibungen der Umgebung hinzufügt. Gauß schreibt insgesamt so detailliert und genau, das es wirklich beeindruckend ist. Nur den letzten Teil des Buches empfand ich als etwas zu ausschweifend, aber das mindert nicht den guten Gesamteindruck.

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Porträts in knapper Form

Mischka von Barbara Honigmann

Mit Mischka setzt Barbara Honigmann ihre Reihe von Büchern über Familie und Bekannte fort. Sie schreibt in ihren gewohnten sachlichen Stil. Es ist mehr Porträt als Erzählung. Doch die Emotionen sind da, nur nicht so offensichtlich im Vordergrund.
Mischka war für die 19490 geborene Barbara Honigmann eine mütterliche Freundin aus Russland, deren Leben von Gefangenschaft und Verbannung geprägt er, aber auch von ihrer Stärke.

Honigmann zeigt ihr Leben in knapper, aber eindringlicher Form.
Es ist ein Leben, dass von den Repressionen der Sowjetunion erzählt. Damit wird es auf gewisse Art auch zu einem sehr zeitgenössischen Text.
Es folgen im Buch noch 2 weitere Porträts, aber Mischka ist das wichtigste.
Barbara Honigmann ist nicht umsonst eine vielfach preisgekrönte Autorin.

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Ungewöhnlich und sprunghaft

Cold Case von Alexandre Labruffe

Cold case ist ein ungewöhnliches Buch. Es ist sprunghaft, sowohl in den Zeiten, in denen es immer wieder hin und zurück geht als auch vom inhaltlichen. Auch die Struktur ist wechselhaft. Assoziativ wirkend werden immer wieder Titel aus der Literatur oder Film genannt.
Immer wieder unerwartete Szenen, viele abgedrehte Ideen, nichts irgendwie richtig ausgeführt.

Doch ich bewundere den Mut des Autors, gegen den Strom und die Konventionen zu schreiben.

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Kleine, feinfühlige Geschichten

Du, hier von Julia Wolf

Kleine, feinfühlige Geschichten um Frauen in verschiedenen Rollen. Man erfährt von ihren Gedanken und Emotionen. Das ist ganz gut gemacht, aber nicht jede Story ist überwältigend.
Es geht viel um den Status von Beziehungen und der Überlegung, ob Veränderungen notwendig sind. Weibliche Leser werden sich vielleicht in manchen Situationen wiedererkennen, die männlichen Figuren sind hingegen leider überwiegend flach und eindimensional angelegt.

Auffällig die Erzählung „Ein schönes Paar“, da diese aus 10 Kapiteln besteht und so eine Beziehung über einen etwas längeren Zeitpunkt auch mehr in die Tiefe zeigt. Zu meinen favorisierten Stories gehören ansonsten die erste und die Titelgeschichte.

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3 Episoden

What about the bodies von Ken Jaworowski

Das Buch nimmt seine Dramatik daraus, dass aus 3 Ebenen heraus erzählt wird. Carla, Reed, Liz. Sie haben gemeinsam, dass sie jeweils ein konkretes, gefährliches Problem haben und das sie in Pennsylvania leben.
Mir haben die Handlungsteile unterschiedlich gut gefallen. Am Besten fand ich den um Carla und ihren Sohn Billy, der in seiner Angst eine an einer Überdosis gestorbene Kommillitonin im Garten vergraben hat.

Jetzt versuchen Mutter und Sohn die Leiche loszuwerden.

Reed ist ein junger Mann, der Autismus hat und dessen Mutter gerade gestorben ist. Wegen seinem Zustand lässt er sich schwer kontrollieren. Dieser Handlungsstrang steigert sich immer mehr und es gibt ein paar Passagen, die wirklich hängen bleiben.

Auch die Musikerin Liz hat Probleme, da sie verschuldet ist.

Die Episoden sind locker miteinander verbunden.
Ein gut zu lesendes Buch, das für mich mehr Drama als Kriminalroman ist.

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Hohe Berge

Das Joch von Vicki Baum

Das Joch ist ein Text aus dem Jahr 1922 und hat einen Ton, der heutzutage wie aus der Welt gefallen wirkt.
Es erinnert an den jungen Thomas Mann und natürlich an Menschen im Hotel, Vicki Baums berühmtesten Werk.
Obwohl Das Joch so kurz ist, handelt es viel innere und äußere Dramatik ab. Eine junge Frau, reich verheiratet und der selbstbewusste Florentin.

Es wird eine kurze, aber intensive Begegnung.
Etwas schwierig sind die melodramatischen Dialoge.
Es gibt auch aufregende Passagen beim Bergsteigen. Die Welt der hohen Berge prägt den Text mit.

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Eine Einordnung

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve ist ein ruhiges Buch, dass eine Frau nach dem Tod ihres Mannes zeigt. Man ist dicht an ihren Gedanken.
Immer wieder sind Erinnerungen an ihre lange gemeinsame Zeit eingebunden. Vom ersten Kennenlernen, heiraten, Kinder bis zur Erkrankung und Pflege des Mannes.

Auch ein Jahr nach dem Tod hat die Erzählerin noch nicht mit dem Ereignis abgeschlossen.
Sprachlich bin ich nicht überzeugt, aber Stimmungen werden erzeugt. Es ist ein soziologischre Ansatz zum Thema Verlust und Verarbeitung.

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Eine ganz gewöhnliche Familie mit ganz gewöhnlichen kleinen Schwächen

Kleine Schwächen von Megan Nolan

Kleine Schwächen von Megan Nolan ist ein Sozialdrama der besonders intensiven Art. Betrachtet wird eine irisch-stämmige Familie, die in London lebt.
Ein dreijähriges Mädchen ist tot. Des Mordes verdächtigt wird die 10jährige Schülerin Lucy. Ihre Mutter ist die labile Carmel, deren Bruder Richie ist Alkoholiker, dann gibt es noch deren Eltern John und Rose.

Ein Reporter, der den Fall für seine Zeitung ausschlachten will, spricht mit einigen der Familienmitglieder. Hinzu kommen viele Rückblicke, mit denen man die Situation erfasst, in der die Familie lebt. Das Buch ist psychologisch scharfsinnig, in der Gesamtheit wuchtig. Obwohl relativ kurz, enthält es eine Menge. Beeindruckend, aber auch beklemmend!

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Adrian Reiter

Im ersten Licht von Norbert Gstrein

Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind Menschen, die vom Krieg zerrüttet und beschädigt sind. Das gilt für den ersten wie für den zweiten Weltkrieg.

Das Buch ist teilweise bedrückend und ich habe lange gebraucht hineinzukommen. Dabei erzählt Norbert Gstrein von Anfang an präzise und mit Intensität.
Aber der Protagonist ist so zurückhaltend und passiv. Erst im dritten und letzten Teil des Buches habe ich das Gefühl endlich angekommen zu sein, als Adrian beginnt sich zu öffnen.

Das Buch ist nicht einfach, aber von Bedeutung, da es zeigt, wie Krieg das Leben der Menschen nachhaltig beeinflusst.

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Ein Buch von Relevanz

Sommer 24 von Navid Kermani

Navid Kermanis neues Buch ist eine Art privates erzählendes Essay, dass die Zeit Sommer 2024 beleuchtet. Im Mittelpunkt der Freitod eines Freundes, die Flüchtlingspolitik mit all seiner Unmenschlichkeit und die Arbeit an einer Rede über Thomas Mann. Fast hat es etwas tagebuchartiges, auch erstaunlich emotional.

Und es geht nicht nur um 2024. Auch Allgemeingültiges wird thematisiert.

Ein Reiz des Buches ist, die ganzen Themen zusammen zu bekommen, da die Zusammenhänge nicht so offensichtlich sind.

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