Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein Roman voller Briefe und Emails
Die Briefeschreiberin von Virginia Evans
Ein Roman voller Briefe und Emails, die in der Summe einen tiefen Einblick in das Leben einer Frau geben. Es ist auf einige Jahre angelegt. Das hat die Autorin geschickt gemacht. Sybille van Antweerp wird dadurch zu einer Persönlichkeit.
Es gibt ein paar Referenzen an Joan Didion. Doch mit der möchte ich Virginia Evans dann doch nicht vergleichen.
Die Briefeschreiberin sehe ich mehr als gute Unterhaltung ohne größeren gesellschaftsrelevanten Wert.
Doch Fans von Briefromanen können hier aus dem vollen schöpfen.
Matilda und Nora
Girls von Kirsty Capes
Girls von Kirsty Capes ist ein intensives, aufwühlendes Buch, angesiedelt im Künstlermilieu und teilweise verstörend, denn es geht um die Vernachlässigung zweier Mädchen, Matilda und Nora. Der Vater meistens abwesend, die Mutter exzentrisch und abweisend.
Die Handlung ist meist in der Gegenwart angesiedelt, als die Girls schon erwachsen sind, aber das Erlebte prägte ihr Leben.
Die jüngere Tochter hat gerade erst wieder einen Selbstmordversuch hinter sich.
Aufgrund der Thematik und der Längen ist es nicht gerade durchgehend ein Lesevergügen, aber es ist ein Buch, dass man nicht so schnell vergisst.
Drei Witwen
Liebe kennt keine Vergangenheit von Annette Chavez Macias
Es geht in diesem Roman um drei amerikanische Frauen mexikanischer Herkunft.
Jessica, der Mann verunglückt ist, ihre Mutter Ana und ihre Großmutter. Nah einem Schaden in Anas Haus ziehen Ana und ihre Mutter für einige Zeit zu Jesica.
Sie teilen das Schicksal, dass ihre Männer tot sind.
Es gibt gewisse Spannungen zwischen Mutter und Tochter.
Die Mutter-Tochter-Beziehung ist das zentrale Thema.
Annette Chavez Macias schreibt relativ ruhig und ohne Eile. Es geht zwar um Emotionen, aber sie lässt das nicht die Überhand nehmen. Dazu sind die Figuren auch zu verschlossen. Doch sie leiden auch unter diesem Zustand.
Erst als Geschehnisse der Vergangenheit thematisiert werden, bietet sich die Chance alte Konflikte aufzulösen. Das hat die Autorin schlüssig und nachvollziehbar dargestellt.
Nach dem Erzählungsband hier der Debütroman
Wir sind das Leben von Saba Sams
Saba Sams, die schon mit ihrem Erzählungsband Send Nudes als sensationell talentierte Erzählerin aufgefallen war, legt hier ihren Debütroman vor.
Er wirkt eigentlich auch ein wenig, insbesondere von der Konstruktion her, wie eine zu lang geratene Erzählung und lang ist der Roman auch wirklich nicht.
Kurz zur Handlung: Jules betreibt mit ihrem unzuverlässigen Exmann Leon eine Nachtbar. Die junge Nim ist ihre Angestellte. Als Nim von Leon schwanger wird, kümmert sich Jules um sie. Sie soll schließlich das Baby an sich nehmen, da Nim nicht bereit ist eine Mutter zu sein.
Die Figuren gehen nicht sehr in die Tiefe, mit Ausnahme der Icherzählerin.
Nach viel Rückblick sind wir am Ende wieder am Anfang. Das ist geschickt von der Autorin konstruiert.
Prenzlau
In der Nähe von Simon Strauß
Der Untertitel lautet Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht.
Simon Strauß nähert sich mit diesem Sachbuch dem Thema Stimmung in Ostdeutschen Kleinstädten aus verschiedenen Blickwinkeln. Exemplarischen Beispiel ist Prenzlau.
Strauß stellt einen Kontext zur Vergangenheit her, indem er schreibt, wie zerbombt Prenzlau bei Kriegsende war und wie die Menschen unter der Rache der Russen leiden mussten.
Er spricht mit diversen Personen aus Prenzlau und porträtiert einige wichtige Persönlichkeiten der Stadt wie den Bürgermeister, die Pfarrerin, ein Landtagsabgeordneter der AfD und unter anderen auch einen Flüchtling. Aus diesen Perspektiven ergibt sich ein Bild des gesellschaftlichen Status der Stadt. Das ist in der Summe gut gemacht und das Buch hat viele gute Ansätze. Ob es wirklich eine abschließende Antwort ist, glaube ich nicht.
Fazit: Ein interessantes Buch!
Die Jahre mit Mitz
Mitz, das Pinseläffchen von Sigrid Nunez
Eine hervorragende Romanbiografie über das Ehepaar Woolf, Leonard und Virginia. Es wird definierter Zeitabschnitt betrachtet, die Jahre die sie mit dem zutraulichen Pinseläffchen Mitz hatten.
Damit wird es nicht nur ein Buch über Literatur und ein Zeitporträt sondern auch eine Tiergeschichte, in der Tradtion von Virginia Woolfs Flush.
Sigrid Nunez hat schon Romane mit Hund und mit einem Papagei geschrieben. Aber Mitz ist schon 1998 entstanden und daher ein Grundpfeiler von Nunez grandioser Literatur.
Sigrid Nunez folgt Virginia Woolfs Bücher in der Zeit der Dreissiger Jahre, z.B, Flush, Die Jahre, 3 Guineen, Roger Fry.
Ich bin sehr froh, dass dieses Buch wiederveröffentlicht wurde, denn es ist eine Freude, es zu lesen.
schonungslos
Ein Historiker in Gaza von Jean-Pierre Filiu
Dieses Buch zeigt etwas, was lange nicht möglich war. Einen unabhängigen Blick in den Gaza und den Zuständen da.
Historiker Jean-Pierre Filiu war für etwas über einen Monat im Gaza. Er gelangte durch Ärzte ohne Grenzen dahin.
Das Buch ist keine unreflektierte Anklageschrift gegen Israel, aber neutral ist es auch nicht, denn der Autor sieht die Verheerungen und schlimmen Zustände deutlich.
Und er stellt vieles auch in Zusammenhänge mit der Vergangenheit.
Er benennt auch klar die grausamen Taten der Hamas gegen die palästinische Bevölkerung.
Obwohl man sich bewusst ist, dass der Gazakrieg eine Katastrophe ist, sind viele Details doch erschreckend. Es ist ein schonungsloses Buch
Der Nebel der Erinnerung steigt auf
Spät am Tag von Kristin Vego
Mit Kristin Vego und ihren ersten Roman kommt ein neues Literaturtalent aus Norwegen in deutscher Übersetzung. Sie schreibt mit eienr Ruhe, die sich auf den Leser überträgt und geht in die emotionalen Tiefen bei der beschreibung einer Liebe.
Johanne, die Icherzählerin schreibt über ihre Zeit mit Mikael und seiner kleinen Tochter Maren sowie Mikaels Exfrau Sofia, die noch sehr präsent und besitzergreifend ist.
Diese Beziehung wird sehr ruhig, aber genau erzählt, und auch wie sich die bestimmte Konstellation auswirkt. Johanne spürt den Veränderungen nach und im zweiten Teil des Buches werden sie über einen Verlauf von mehreren Jahren gezeigt. Die Zeit wirkt fließend.
Spät am Tag ist ein gelungener Debütroman, der mir sehr gut gefallen hat.
Von Kristin Vego soll es auch noch ein bisher unübersetztes Erzählungsband geben. Da kann man nur auf baldige Übersetzung in Deutsch hoffen.
Der Weg des Herbert Reul
Sicherheit von Herbert Reul; Doris Mendlewitsch
Es ist ein kurzes, aber sehr konzentriertes Buch, indem NRW-Innensicherheitsminister Herbert Reul seinen konsequenten Weg beschreibt. Man merkt auf jeder Seite, dass er voll und ganz zu seinem harten Weg steht. Für den Leser ist das manchmal auch irritierend, obwohl niemand die Wichtigkeit und Bedeutung des Themas in Frage stellt.
Der Text ist nicht literarisch verpackt, Reul steht mehr für direkte Worte und das Buch ist für ihn Mittel zum Zweck.
Start der Oxford-Reihe
Down Cemetery Road von Mick Herron
Mick Herron ist durch Slow Horses, Romane wie TV-Serie, zum Literaturstar des Genres Spionage&Thriller geworden. Daher ist jetzt auch sein erster Roman neu veröffentlicht: Down Cemetery Road
Zwar hat Mich Herron von Anfang an stilistisch einiges zu bieten, aber an sein Slough House kommt das nicht ganz ran.
Doch für den Roman sprechen seine Charaktere. Sarah ist eine gefühlvolle Figur, Michael ist auch emotional, aber oft unberechenbar. Die Privatdetektivin Zoe Boehm spielt lange Zeit nicht mit, erst am Ende nimmt sie eine wichtige Rolle ein. Überhaupt ist das Finale des Romans ganz stark.
Ob die kühle Zoe Boehm als tragende Figur für eine ganze Reihe reicht, ist noch schwer zu sagen, aber Down Cemetery Road ist 4 von 4 Sternen wert.











