Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Catalina Island
Der Inselcop von L. A. von Michael Connelly
Michael Connelly legt mit Der Inselcop von L. A. Den Anfang einer neuen Reihe vor. Der erste Fall für Detective Stilwell.
Der Originaltitel ist Nightshade. Übersetzt von Sepp Leeb
Michael Connelly schreibt routiniert. Er erfindet das Genre nicht neu, aber für eine spannende neue Krimireihe reicht es.
Hauptfigur Detective Stilwell ist ein geradliniger Typ, der sich nicht schnell einschüchtern lässt.
Interessant ist der Schauplatz: Catalina Island
Für Fans des Genres geeignetes Lesefutter.
Evelyn und Moira
Die Party von Tessa Hadley
Es ist ein kurzes Buch, eine echte und elegant gemachte Novelle.
Tessa Hadley siedelt die Handlung im Nachkriegs-Bristol der fünfziger Jahre an. Da gibt es noch vom Krieg zerstörte Häuser.
Evelyn und ihre Schwester Mira sind Schwestern und Studentinnen. Sie wollen etwas erleben und gehen zu einer Party in eine verrufenen Gegend und lernen da Männer kennen.
Die Beschreibungen sind stilistisch brillant und treffsicher.
Tessa Hadley schafft es, eine Sprache zu finden, die ganz in diese Zeit passt. Man glaubt beim Lesen, das Buch wäre in dieser Zeit geschrieben.
Briefe und Freundschaft
Mit Liebe und Safran von Kim Fay
Mit Liebe und Safran ist ein Briefroman, der in den frühen sechziger Jahren handelt.
Die Briefe schreiben sich zwei Frauen:
Mrs.Imogen Frontier, 57, Camano Island und Miss Joan Bergstrom, 27, LA.
Es dauert eine ganze Weile, bis sie sich mal begegnen. Eigentlich bin ich kein besonderer Fan von Romanen, die in Briefform verfasst sind.
Doch hier ziehen die starken Persönlichkeiten der Protagonistinnen es wieder raus. Ihre tiefe Freundschaft hilft ihnen bei Problemen.
Eine große Rolle spielt für sie auch das Essen und das Kochen. Das Thema durchzieht das Buch. Zuletzt muss man noch die Atmosphäre erwähnen, die Kim Fay mit ihren Stil erzeugt.
Schwestern
Wilder Honig von Caryl Lewis
Ein ruhiger, aber intensiver Roman, angesiedelt in Wales, der die Beziehung von drei Frauen zeigt. Hannah, deren Mann John gerade gestorben ist, ihre Schwester Sadie und die junge Megan. Megan ist die geheime Tochter Johns, von der die Schwestern erst nach seinem Tod erfahren.
Megan sucht sie auf, um sie kennen zu lernen und bleibt eine ganze Weile.
Es geht sehr um die Figurenkonstellation, wie sich diese drei sehr unterschiedlichen Frauen besser kennen- und verstehen lernen. Megan ist natürlich als Fremde in einer besonderen Situation und die Autorin versteht es, diese Lage gut und nachvollziehbar zu schildern.
Die walisische Umgebung sorgt für viel Atmosphäre.
Zwischen den Kapiteln gibt es Briefe von John, bei denen es hauptsächlich um Bienen geht. Er war leidenschaftlicher Imker. Und so prägen die Bienen auch das Leben der Frauen. Es ist ein sensibel geschriebenes Buch.
Ein Loch in der Wand
Zur Zeit der Schneefälle von Hanno Millesi
Dieses Buch konnte mich leider nicht so ganz erreichen. Zu sehr bleibt die Idee in Ansätzen stecken und damit belanglos. Zu schematisch und emotionslos wirken die Figuren. Das Buch ist arm an Dialogen und wenn es welche gibt, sind sie sehr verhalten. Vermutlich ist das Absicht des Autors Hanno Millesi.
Es gehört zu seinem Programm, das mich wenig begeistert. So meine Lesermeinung, aber vielleicht verstehe ich Das Buch auch nur nicht.
Zugestehen kann man dem Roman aber eine starke kammerspielsartige Wirkung.
Die Zeit der Schneefälle ist auf der Longlist des Österreichischen Buchpreis, doch ich halte seine Chancen für gering.
Nach einer wahren Begebenheit
Der große UFA-Bluff von Anton Leiss-Huber
Mit diesem Roman von Anton Leiss-Huber begibt man sich auf eine Zeitreise in eine schreckliche Zeit, aus filmhistorischer Sicht aber auch eine interessante. Es vermischte sich Kunst mit Politik, wurde oft zu Propaganda.
Der Krieg ging 1944/1945 in eine finale Phase. Viele Filmschaffende hatten Angst eingezogen und verheizt zu werden.
Der Roman zeigt die waghalsige Idee einer Gruppe von Filmschaffenden, vorzugeben in Südtirol einen Film zu drehen, um sich entziehen zu können.
Der Autor hat meines Eindruck nach gut recherchiert und schafft einen Ton der Zeit. Das zeigt sich zum Beispiel auch in den Sprechweisen der Figuren. Ein paar prominente wirken auch mit, wie Erich Kästner und Marika Rökk.
Den fiktiven Figuren fehlt es ein wenig an Tiefe, aber der Gesamteindruck stimmt. Die Handlung geht mit Tempo voran und alle hoffen auf das Kriegsende.
Ein interessanter und niveauvoller Roman, den man schnell durchlesen kann.
Der Geflügelschlachthof
Und Federn überall von Nava Ebrahimi
Der neue Roman der Bachmannpreisträgerin Nava Ebrahimi hat einen gediegenen Schauplatz. Ein Geflügelschlachthof in der norddeutschen Provinz. Es geht um mehrere Menschen, die damit in irgendeiner Weise verbunden sind, z.B. Sonia und ihre Tochter, die junge Ingenieurin Anna, der Manager Merkhausen und der der geflüchtete halbblinde Afghane Nassim und seine Freundin Juystina sowie Rosha.
Das sind alles ganz unterschiedliche Typen.
Die Perspektiven dieser ganzen Leute wechseln.
Das Leben in dieser Schlachterei führt sie zusammen. Jeder von ihnen spielt eine andere Rolle.
Das gibt zum Teil ein ganz schönes Porträt zwischenmenschlicher Beziehungen.
Nava Ebrahimi ist eine Autorin, die weiß, wie man schreibt.
Die Verletzung aus dem Familienkörper schreiben
Familienkörper von Michèle Yves Pauty
Familienkörper von Michèle Yves Pauty ist ein Familienroman mit Schwerpunkt Krankheitsgeschichte, die sich durch die Familie zieht. Auch bei der Mutter, der Erzählerin, die zu Beginn des Romans noch ein kleines Kind war. Es wird über viele Jahre erzählt, bis sie Teenager und Erwachsene ist.
Es beginnt Anfang der Achtziger Jahre.
Der Unfall bei Tschernobyl erschüttert alle. Weitere geschichtliche Ereignisse werden immer mal wieder eingeflochten.
Die Krankheiten bestimmen das Leben in der Familie mit, auch die junge Protagonistin wird nicht verschont. Sie berichtet vom Medical Gaslightning, wenn die Ärzte nicht an die Krankheiten ihrer Patienten glauben, nur weil sie nicht auf Anhieb eine Diagnose haben.
Das Krankheitsthema ist interessant, aber vielleicht ein wenig zu viel. Manche Leser könnten sich davon getriggert fühlen. Dem Gegenüber steht die große Sensibilität der Autorin.
Der Weg zum Mitläufer
Chamäleon von Yishai Sarid
Yishai Sarid ist ein Autor, der in seinen Büchern über gesellschaftspolitische Themen in Israel schreibt. So auch hier in seinem neuen Roman über einen durchschnittlichen Mann, der sich zur falschen Seite hin verführen lässt.
Shai ist ein Journalist, der nach kurzen Erfolg in die Mittelmäßigkeit versank.
Durch einen Zufall bekommt er Kontakt in politische Kreise und ist von der Aufmerksamkeit begeistert. Er ist bereit sich dem rechtsgerichteten Premierminister anzudienen und in dessen Sinne zu agieren. Er wird ein Mitläufer.
Der Autor zeigt diesen Prozess langsam, Schritt für Schritt und daher gründlich und nachvollziehbar. Da man als Leser dicht bei der Figur ist, lernt man, dessen Handeln zu verstehen, ohne es akzeptieren zu müssen.
Das ist meisterhaft gemacht. Ein intensives Buch eines klugen Autors!
Naturlyrik
Unter dem Nussbaum von Michael Donhauser
Ob Gedicht oder Prosa, Michel Donhauser feiert die Natur.
Blumen, Bäume, Gärten, selbst einen Misthaufen kann er ehren.
Unter den Nussbaum ist ein umfangreiches Buch, dass viel enthält. Neben langen Texten gibt es auch Dreizeiler.
Ein Text wie Zwischenjahreszeiten hingegen hat sogar mehrere Kapitel.
Auffällig und imponierend der komplexe Gedichtzyklus Sarganserland.
Dem steht auch Variationen in Prosa nicht nach.
Diese Sammlung umfasst so viel, dass man als Leser das kaum auf einmal verarbeiten kann. Das Buch wird mich noch lange begleiten.
Zusätzlich enthält es drei Teile, die erstmals veröffentlicht sind.











