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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Auf dem Schwebebalken

Die Routinen von Son Lewandowski

Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt die erfahrene Turnerin Amik, die sich bis zu ihren Anfängen zurückerinnert und oft aus einem Kollektiv heraus erzählt.

Ihre junge Kollegin ist Izzy. Ihr harter Trainer ist Wolf.
Die Passagen der Vergangenheit mit den Wettkämpfen haben dokumentarischen Charakter.

Man taucht in diesem Buch tief ein in die Welt des Turnens als Leistungsport.
Es zeigt die jungen Turnerinen in verschiedenen Phasen. Es wird gezeigt, wie das spielerische Moment des Turnens durch die routinemäßgen Wiederholungen zu sportlicher Leistung wird.
Thema ist auch der Drill, die harten Methoden, dem Verlust von Kindheit und sogar Missbrauch.

Es ist ein Buch, dass den Leser packt.
Nur dadurch, dass die Autorin ihre spezielle Form des Erzählens gefunden hat, lässt sich der Stoff in seiner ganzen Komplexität darstellen.

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Gewalttätige Impulse

The Exes von Leodora Darlington

Leodora Darlington hat in ihrem Erstlingswerk mit Natalie eine zwiespältige Protagonistin geschaffen. Ihr Leben wird von Beziehungen mit Männern bestimmt, die sie schlecht behandeln. Mehrere Exfreunde sind tot.
Jetzt lebt sie mit ihrem Mann James.
Der Romanaufbau ist ein ziemliches hin und her. Jetzt, damals, Briefe, Boyfriend 1, Boyfriend 2, früher usw.

Hinzu kommen noch Therapiesitzungen. Das ist schon viel, aber man kann sich da rein finden.
Bei Natalie stört mich, dass sie so stark von ihren Gefühlen beherrscht wird. Es gibt anscheinend eine Vorgeschichte von Gewalt in der Kindheit. Das sie immer wieder auf gewalttätige Männer trifft, kann kein Zufall sein.
Natalie tut mir leid, aber als likeable Charakter nehme ich sie nicht wahr.
Mit zunehmender Handlung kommen einige massive Wendungen.

Das Buch ist nicht ganz einfach einzuordnen. Ein konventioneller Thriller ist es nicht, aber nur als Drama sehe ich es auch nicht. Das Buch ist nicht direkt spannend, aber überwiegend packend. Mit hat es so Mittel gefallen. 3,5 Sterne!

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Der Berliner Doro

Café Finito von Sybil Volks

Cafe Finito ist ein im positiven Sinn gediegenes Buch, dass von einer Reihe von Menschen erzählt, die mit Verlusten konfrontiert sind.
Da ist z.B. Iris, die ihre Mutter bis zu deren Tod gepflegt hat.
Auch Matthias, Mira, Lizzie und weitere haben wichtige Menschen verloren.
Die Figuren hält zusammen, das sie sich regelmäßig auf dem Cafe Finitio auf dem Friedhof treffen, das von Kristof geführt wird.

Die Charakterisierung der Figuren geht nicht sehr in die Tiee, aber für einen Unterhaltungsroman ganz ordentlich.

Der Schauplatz mit dem Berliner Friedhof Doro bildet einen eigenen Kosmos.

Sybil Volks hat ein zugängliches Buch über die Themen Tod, Trauer und Weiterleben geschrieben.

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Triest 1920 - 1946

Bambino von Marco Balzano

Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort wird er Bambino genannt und findet Zugehörigkeit und bleibt doch ein Außenseiter.
Aufgrund seiner Gewalttätigkeit steigt er in der Gruppe auf.

Mattia ist wahrlich kein Sympathieträger, doch der Autor gestaltet die Figur so, das man nah an ihr dran ist. Umso härter wirken seine Taten, z,B. die Denunziationen in der Zeit der deutschen Besatzung.
Dann folgt 1945 der Einmarsch der jugoslawischen Partisanen. Der Roman zeigt den historischen Wandel in dichter Form.

Kennzeichnend für den Roman ist die fast sinnliche  Wahrnehmung der Stadt Triest, aber auch die Schrecken der Zeit. Immer wieder wird Mattias moralischer Kompass geprüft und immer wieder versagt er.

Marco Balzano hat hier sein vielleicht härtestes Buch geschrieben. Man fühlt sich nach dem Lesen wie benommen.

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Die Recherche

Heim holen von Katherina Braschel

Ein Roman mit einem relevanten Thema, sehr reserviert geschrieben.
Die ca. 30jährige Lina, deren Großeltern nach Österreich vertriebene Donauschwaben waren, beginnt über diese Wurzeln zu recherchieren und nachzudenken.
Für ihre Mutter ist Lina Recherche nicht einfach zu verkraften, denn sie wusste vieles nicht.

Schließlich reist Lina sogar nach Serbien zu dem ehemaligen Haus des Großvaters.
Katherina Braschel gestaltet ihr Buch sorgfältig und man spürt die Emotionalität ihrer Protagonistin, aber schade, dass so verhalten erzählt wird.

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Daressalam

Diebstahl von Abdulrazak Gurnah

In seinem neuen Roman schreibt Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah gewohnt souverän und gelassen. Er erzählt eine Familiengeschichte in Tansania. Während die ersten Passagen in Sansibar angesiedelt sind, wird schließlich Daressalam Handlungsort.
Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, die alle ihre eigenen, wechselnden Kapitel haben und deren Leben fest miteinander verbunden sind.

Karim, Badar, Fauzia.
Durch Gurnahs einfühlsame Figurenführung lernt man die drei gut kennen.
Auch Nebenfiguren gibt der Autor Profil.

Das Hörbuch wird von Richard Barenberg gut gelesen. Seine warme Baritonstimme ist absolut passend. Kein Wunder, dass er dafür als bester Interpret für den deutschen Hörbuchpreis nominiert ist.
Mit knapp 9 Stunden Spieldauer hat das Hörbuch eine angenehme Länge.

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Roman aus Kriegszeiten

Dämmerung von Kjell Westö

Dämmerung ist ein bemerkenswertes Buch, das in Finnland Anfang der vierziger Jahre handelt. Dass Kjell Westö hier mehr als nur Unterhaltung abliefert, liegt an der Sprache und den Figuren, die gegen den Strich gebürstet sind. Die Schauspielerin Molly und der Kriegsreporter Henry wirken echt. Ihre Beziehung steht im Mittelpunkt des Buches.

Sind sind in einer beklemmenden und belastenden Zeit, denn es ist Krieg.
Die Perspektiven wechseln zwischen Molly und Henry in langen Abschnitten.
Eine Anspannung durchzieht den Roman. Nicht umsonst ist der Untertitel Roman aus Kriegszeiten.
Im Nachwort sind noch einige Fakten dazu.
Natürlich liest man das Buch wegen den gegenwärtigen Kriegen auch mit Betroffenheit. In der Nachschrift schreibt der Autor, dass er das Buch halb fertig hatte, als 2022 der Angriffskrieg in der Ukraine startet und dass dem Buch eine weitere düstere Kontur gab.

Abschließend möchte ich das großartige Cover erwähnen, dass im unteren Abschnitt sehr detailliert ist und im oberen farblich dem Titel Dämmerung gerecht wird.

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Ein Weckruf, den man nicht überhören darf

Der amerikanische Weckruf von Cathryn Clüver Ashbrook

Die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlern Cathryn Clüver Ashbrook ist mir mit ihren klugen Aussagen schon oft aufgefallen, in Gesprächen im Radio oder bei Politiktalkschows im Fernsehen.
Sie ist fähig, Aussagen über den gesellschaftlichen Zustand der USA zu geben. Sie hat profunde Kenntnisse und kann gezielt zusammenfassen und Schlüsse ziehen.

Sie schreibt auch über die erschreckenden Konsequenzen.

Und im letzten Kapitel schreibt sie, wie wichtig es für Deutschland ist, den amerikanischen Weckruf nicht ungehört zu lassen, damit nicht auch hier ein gesellschaftlicher Zusammenbruch folgt.
Das Buch ist nicht umsonst in der Debattenreihe Auf den Punkt. Es kommt genau auf den Punkt!

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Die Geschichte der Schwestern

Trag das Feuer weiter von Leïla Slimani

Trag das Feuer weiter, Leila Slimanis dritter Teil ihrer marokkanischen Familiensaga liest sich herrlich.
Die dritte Generation ist in Form von Mia und Ines da. Sie sind die die Töchter von Aicha und Mehdi. Auch Amine und Mathilde, jetzt die Großeltern sind noch dabei.
Dann auch die extravagante Selma, die die Rolle der bewunderten Tante von Mia und Ines einnimmt.

Alle Figuren haben Klasse, zum Teil wirken sie auch leicht überzeichnet.
Es ist großartig, dass die Autorin die Abschnitte gerecht auf die Figuren verteilt, auch wenn Mia und Ines jetzt die zentralen Charaktere sind.
Mia, die den Anfang als Schriftstellerin in Paris innehat, wird besonders intensiv dargestellt. Sie ist als Jugendliche im Rabat der Achtziger Jahre burschikos, sucht nach ihrer Identität.
Leila Slimani schreibt ausgewogen, detailreich, aber nichts Überflüssiges. Das ist beeindruckend.

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Die Tränen des Jägersoldaten

Oxen. Interregnum von Jens Henrik Jensen

Jens Henrik Jensens Oxen ist eine erfolgreiche Reihe, daher gibt es hier mit Oxen. Interregnum schon den siebten Band. Als Neueinsteiger in die Serie habe ich mich etwas schwer getan. Die Handlung ist zwar einigermaßen eigenständig, aber natürlich hat die Figurenentwicklung schon in den früheren Teilen stattgefunden und ist im Prinzip abgeschlossen, Das Trauma von Oxen ist jedenfalls nicht mehr spürbar.

Seine Gelassenheit und seinen inneren Frieden spürt man zum Beispiel im Gesprächen mit seinem Sohn Magnus schon in den frühen Kapiteln. Als Magnus überfallen und schwer verletzt wird, ist Oxen schwer getroffen.
Während mich die Handlung rund um den Sohn überzeugte, blieb mein Interesse an die Spionageanteil gering. Eine Spur Langeweile ist nicht ganz zu vermeiden.
Es ist insgesamt ein überraschend ruhiger Plot.
Literarisch geht es ziemlich gleichförmig zu, aber durchaus passend für skandinavische Thriller.
Meine Empfehlung aufgrund meiner doch sehr verhaltenen Leseerfahrung ist, nicht unbedingt mit diesem Teil zu starten.

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