Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Minna und Moni
Vorwiegend festkochend von Lara M. Gahlow
Vorwiegend festkochend ist eine Erzählung der Hamburger Autorin Lara M.Gahlow. Aufepeppt ist das Ganze mit ein paar Fotos und Rezepten, die ich persönlich nicht gebraucht hätte. Aber die Erzählung ist wirklich lesenswert.
Die 92jährige Minna und ihre neue Pflegerin Moni.
Zwei Frauen, die sehr unterschiedlich sind und die sich doch verstehen.
Das schafft die Autorin auf wenig Raum zu zeigen. Und doch muss man als Leser die Geschichte leider schon allzubald verlassen.
Die neuen Frauen von Stepford
Heimat von Hannah Lühmann
Von der Journalistin und Autorin Hannah Lühmann kommt mit Heimat ihr zweiter Roman, der die Frauen in den Mittelpunkt stellt und eine gesellschaftliche Situation zeigt. Der erste Roman war schon nicht schlecht, aber Heimat ist literarisch eine Steigerung.
Jana zieht mit ihrem Freund Noah und ihren zwei Kindern aufs Land, Sie ist wieder schwanger.
Sie trifft hier auf Karolin und ihren Freundeskreis.
Ein konservatives Frauenbild, wie es die rechten propagieren, dominiert im Dorf und ist den Freundinnen ein Ideal.
Jana verspürt eine gewisse Faszination und lässt sich immer mehr vereinnahmen.
Damit verbunden ist auch eine Abkehr vom bisherigen und die Beziehung zwischen Jana und Noah wird schwieriger.
Die Autorin zeigt diesen Prozess des Wandel langsam und präzise. Dadurch wird es umso eindrücklicher. Außerdem entwickelt eine starke, beunruhigende Atmosphäre.
Balkan-Reigen
Buch der Gesichter von Marko Dinic
Von Marko Dinic hatte mich sein Roman Die guten Tage beeindruckt.
Buch der Gesichter ist komplex und als Leser muss man erst einmal in den Text reinkommen. Betrachtet wird eine Zeit Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Figuren wechseln mit den Kapiteln. Es wirkt wie ein Reigen.
Viele Schilderungen sind hat, bis an die Grenze des Erträglichen.
Das Buch kann daher nur Lesern empfohlen, die thematisch wirklich interessiert sind.
Der Gang ins tiefe Innere
Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger
Dorothee Elmigers Bücher interessieren mich schon lange. Doch es dauert immer ziemlich lange, bis wieder was von ihr kommt. Jetzt ist ihr neues Buch da und es vermag wieder zu faszinieren.
Eine Reihe von Leuten sind mit einem Theater-Regisseur auf Expedition und auf den Spuren der verschollenen Holländerinnen.
Alle haben ihre eigene Geschichten mit, die geschickt in den Haupttext eingeflochten werden. Manchmal sind es auch Erinnerungen, die eine Geschichte heraufbeschwören.
Es wird dadurch ein sehr dichtes Buch. Aufgrund der Fülle ist es nicht immer leicht zu folgen. Dennoch ist ein guter Lesefluss vorhanden. Es bleiben am Ende aber auch Fragezeichen und vielleicht ein zweiter Lesegang demnächst!
Was besonders an diesem Roman beeindruckt, ist neben dem Ideenreichtum die Sprache. Elmiger schafft vielen ungewöhnliche Sätze, die genau und ausdrucksstark sind.
wann ist zuviel zuviel?
Gym von Verena Keßler
Verena Keßlers neuer Roman ist faszinierend, denn sie lässt den Leser dicht an die Gedanken und Emotionen der Hauptfigur ran und zeigt deren Entwicklung.
Die Protagonistin bewirbt sich in einem Fitnessstudio und wird aufgrund einer kleinen Lüge tatsächlich genommen. Sie hat behauptet, sie wäre eine junge Mutter und diese Lüge muss sie dann dauerhaft aufrechterhalten.
Dennoch macht sie sich gut im Job. Ihr sozial eingestellter Chef Ferhat fördert sie und empfiehlt ihr ein Aufbautraining.
Sie interessiert sich dann auch wirklich fürs Trainieren. Immer mehr steigert sie sich rein und hat Erfolge. Doch irgendwann droht sie die Kontrolle zu verlieren. Es stellt sich die Frage, wann ist zuviel zuviel?
Man erkennt, wie schnell eine positive Entwicklung auch kippen kann.
Das Buch vermag zu fesseln und ich las es nahezu ohne große Unterbrechungen an einem Tag durch.
Die Wüste lebt
Desert Moon von James Anderson
Der Roman wird sehr durch den Ton des Icherzählers geprägt. Ben führt als 1-Mann-Firma einen Lieferdienst in der Wüste Utahs. Er ist ein einfacher, direkter Mann mit einem grimmigen ironischen Humor.
Der Plot konnte mich nicht ganz überzeugen, aber das Setting in der Wüste mit nur wenigen Menschen, die zum Teil kauzig wirken, erzeugt eine eigene stimmungsvolle Atmosphäre.
Familienchronik
Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten von Anna Maschik
Dieser Roman mit dem ungewöhnlichen Titel, der sich im Text aber erklärt, ist eine Familienchronik über vier Generationen. Der Blick liegt schwerpunktmäßig auf den Frauen.
Erzählt wird die Geschichte von Alma, der jüngsten in dieser Familie. Der Text beginnt bei den Urgroßeltern und dann über die kommenden Kinder und deren Leben hinweg.
So wird auch mal ein ein ganzes Leben von Geburt bis zum Tod gezeigt. Und die Autorin zeigt, wie sich vieles wiederholt.
Wie die Wiener Autorin Anna Maschik sagt, wollte sie nicht episch schreiben. Daher wirkt einiges fragmentarisch, was aber nicht stört. Die verbliebenen Lücken lassen Spielraum für den Leser. Und der Text wirkt trotz der Form nie sperrig. Der Text wird außerdem durch eine Spur Magie belebt. Diese Magie ist mit der ansprechenden Sprache verknüpft. Ein Stück magischer Realismus der Art eines Gabriel Garcia Marquez, den man in der deutschen Literatur nur selten antrifft. Ein wenig erinnerte mich das Buch an die leider jung verstorbene Helene Adler mit ihren viel bewunderten Büchern.
Es ist zu hoffen, das Anna Maschiks Buch eine ähnlich hohe Anerkennung erhält.
Ein Bellen im Wind
Die Ungezähmten von Gabrielle Filteau-Chiba
Die Ungezähmten ist sowohl ein spannender Roman als auch sprachlich ansprechend. Die Erzählstimme ist dominierend. Als Leser ist man durchgängig bei den Gedanken der Wildhüterin Raphaëlle, die alleine mit ihrer Hündin in den Wäldern lebt und gegen die Wilderer vorgehen will.
Und einer der Wilderer hat es auf sie abgesehen.
Doch Raphaëlle schlägt zurück. Dann ist auch noch eine Lovestory von Raphaelle mit Anouk in die Geschichte integriert.
Der wildromantische Schauplatz Kamouraska, Quebec in Kanada sorgt für viel Atmosphäre. Gabrielle Filteau-Chiba schreibt eindringlich. Als Leser hat man das Gefühl anwesend zu sein.
Wer gerne über Outdoor und wilde Tiere liest, wird in diesem Buch im hohen Maße fündig.
Leben mit Krankheiten und Katze
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Junge Frau mit Katze liest sich wie eine Fortsetzung von Daniela Dröschers wunderbaren, autofiktionalen Roman Lügen über meine Mutter.
Es ist wieder ein gut lesbares Buch, der aus der Sicht der Erzählerin geschildert wird. Sie ist inzwischen Mitte Zwanzig und bereitet sich auf ihre Doktorarbeit vor.
Das ist stressig für sie.
Ela lebt mit ihrem sensiblen Kater Sir Winston und hat mit Leo und deren Kind eine gute Freundschaft.
Ihr Leben wird aber beherrscht von Krankheiten verschiedenster Art, wobei man als Leser nicht genau weiß, ob sie teilweise nicht eingebildet sind.
Es scheint, als wenn die Krankheiten psychologisch mit den Problemen der Familienprobleme der Kindheit bedingt sind.
Das ernste Thema wird aber mit Wortwitz abgemildert.
Auch Elas Mutter hat wieder eine Rolle, wenn auch kleiner als im anderen Buch.
Dröschers Art zu schreiben, ermöglicht Anteilnahme am Leben ihrer Figuren.
Moderner Klassiker
Europäische Erziehung von Romain Gary
Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary, noch im Krieg geschrieben. Die Handlung ist 1942 angelegt. Der 14jährige Januk wird von seinem Vater im Wald versteckt während in Stalingrad die Schlacht tobt. Nach dem Tod des Vaters flüchtet Januk zu den Partisanen und wird dort eine Rolle einnehmen.
Er wird schnell vom Kind zum Mann.
Man merkt dem Buch an, wann er entstanden ist, da ein Roman, der z.B. von einem heutigen Autor in diese zeit gelegt ist, niemals so authentisch sein kann.
Romain Gary zeigt die ganze Härte dieser Zeit.
Gleichzeitig hat das Buch doch auch eine Frische, die vermutlich auch von der neuen Übersetzung gespeist wird.











