Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Zwei Monate in Paris
Zeit ihres Lebens von Ulrike Ulrich
Ulrike Ulrich hat eine Art gefunden, ihre Geschichte zu erzählen. Sie lässt ihre Hauptfigur Liane Steffen, eine 60zigjährige Schriftstellerin, in einen Dialog mit einer verstorbenen Freundin treten.
Schauplatz ist Paris, 2021, die Zeit der Pandemie. Corona überlagert die Handlung teilweise.
Es ist ein reflektierendes Buch, dass die Zeit ihres Lebens versucht zu beschreiben.
Ulrike Ulrich macht das sensibel.
Besonders interessant fand ich die Abschnitte, in denen es um das Schreiben an sich geht. Schließlich ist nicht nur Liane Schriftstellern sondern auch ihre verstorben Freundin war eine, und auch ihr neuer Freund Carmine. Dann entdeckt Liane auch noch eine vergessene Schriftstellerin des 19.Jahrhunderts,
Die Literatur, Bücher, Autoren und das Schreiben sind tief in der Handlung verwurzelt.
Das Buch schließt, als Lianes Aufenthalt in Paris endet.
Der Roman verfügt über eine sprachliche Dichte und die Autorin hat einen überzeugenden Ton gefunden.
Goat Talks
Kiki Beach von Verena Stauffer
Verena Stauffer hat mit Kiki Beach ein hochkomplexes Lyrikband geschaffen, das viel bietet und weit mehr ist als nur Liebesgedichte.
Ich denke, es ist der einzige Prosatext, der ein zentrales Motiv für das Buch findet. Der Fund einer toten Ziege auf der Insel Susak in der nördlichen Adria, was die Autorin erschütterte.
Ein Foto der Künstlerin Angela Andorrer dokumentiert es.
Was mich auch überzeugte, sind bei einigen Texten eine Art Fußnoten. Das trifft z.B. bei den 4 Gedichten des Abschnittes Kiki Beach zu. Diese erklären die Gedichte nicht, geben aber Quellen zu Einflüssen, da sei z.B. die Dichtern Yi Lei und griechische Mythologie genannt.
Der Abschnitt King of Persia schöpft stark aus Dylan Thomas Do not go gentle into the Goodyear night.
Vielfach finden sich auch englische Texte, manchmal ganze Gedichte, das wirkt dann wie Songs.
Theatertext
Blutbrot von Miriam Unterthiner
Miriam Unterthiner ist eine Dramatikerin, die aus Südtirol stammt und ihr Text behandelt den Umstand, dass über die sogenannte Rattenlinie am Ende des Kriegs vielen Kriegsverbrechern die Flucht über den Brenner ermöglicht wurde. Darunter waren u.a. Barbie, Eichmann, Mengele.
Mit der Aufarbeitung der Schuld dieser Fluchthilfe tut sich die Figur, die hier DasDorf betitelt wird, schwer.
Trotz des ernsten Themas bringt die Autorin Leichtigkeit und einen ironischen Humor mit hinein. Zu Anfang durch ein vor ihr selbst als pathetisch benanntes Vorwort und später im Stück schaltet sie sich selbst als agierende Figur ein und ironisiert die zeitgenössischen Umstände der Theaterwelt.
Der Text wirkt frisch, hat mich thematisch interessiert und mit der Ausführung überzeugt.
Ein trockenes, karges Land
Ein Mann namens Loprete von Mariana Travacio
Der Roman wirkt wie ein Western, ist aber in einer unwirtlichen Gegend in der Pampa von Argentinien angesiedelt. Es ist ein Rachedrama, dass die Selbstjustiz nicht verherrlicht, aber die Wut der Beteiligten vermittelt.
Der junge Manoel hat seine Eltern verloren. Schuld hat der Clan der reichen Loprete.
Als ein Loprete im Dorf auftaucht und da getötet wird, eskaliert es.
Die kurzen Kapitel prägen den Text. Manoel ist der Erzähler. Durch Form und Erzählstil entsteht eine eigenwillige Fabel über eine Spirale der Gewalt.
Die Schriftstellerin Mariana Travacio hat Potenzial, so dass man auf weitere Bücher von ihr hofft.
Episoden im Café
Die Tage im Café Torunka von Satoshi Yagisawa
Von Satoshi Yagisawa habe ich schon gerne seine Romane Die Tage bzw. Die Abende in der Buchhandlung Morisaki gelesen. Die Tage im Café Torunka hat mich, ehrlich gesagt, weniger begeistert. Café-Bücher gab es in letzter Zeit schon viele, oft bessere. Auch ist das Buch zu sehr nach Formel gestrickt, zum Beispiel ist es episodenhaft aufgebaut.
In den früheren Bücher hat das Thema Bücher und Literatur für den schlichten Stil entschädigt. Das fehlt mir hier. Am besten hat mir der zweite und dann auch der letzte Abschnitt mit dem Titel „Ein Tropfen Liebe“ gefallen, weil hier ein direkter Bezug zum Café da ist. Man kann also sagen, dass sich das Buch allmählich steigert. Die Figuren bleiben aber leider durchgängig schwach ausgeformt.
Äußerlich ist das Buch wirklich ein Schmuckstück mit schön gezeichneten Cover. Daher werde ich es mir gerne in mein Bücherregal stellen.
Vom Fuchs verhext
Der Laden in der Mondlichtgasse von Hiyoko Kurisu
Das Buch Der Laden in der Mondlichtgasse von der japanischen Schriftstellerin Hiyoko Kurisu ist episodenhaft aufgebaut.
Zu Beginn: Kana, eine schüchterne Schülerin der ruhigen Art, betritt staunend eine Confiserie in einer ihr bisher unbekannten Straße.
Dann wird klar, der Laden befindet sich in einer Zwischenwelt.
Ein Fuchsgeist bedient sie.
Sie kauft glücksbringende Bonbons und das wird in ihrer Beziehung zum Freund etwas ändern.
Mit den folgenden Episoden wechseln die Figuren, der Ablauf verläuft aber ähnlich.
Das Niveau der Geschichten ist gleichbleibend, d.h. eine ist so belanglos wie die andere. Mir persönlich gefällt die fünfte noch am besten.
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Das Buch ist so zuckrig wie die Zauberbonbons aus der Confiserie.
Daher empfehle ich, die sechs Geschichten des Buches nicht hintereinander weg zu lesen.
Bertl und Klara
Am Semmering von Tanja Paar
Am Semmering ist ein Zeitporträt: Ein bestimmter Ort in Österrreich und eine Zeit, ab 1928 bis in die dreißiger Jahre hinein.
Erzählt wird exemplarisch anhand eines Paares: Bertl und Klara.
Die Autorin wurde von ihren Großeltern zu diesen Figuren inspiriert. Daher wirken sie besonders authentisch.
Auch stilistisch ist der Roman geschickt und gut gemacht.
Elegant und raffiniert
Wachs von Christine Wunnicke
Manchmal gibt es Bücher, die haben so einen tollen Anfang, das man sie nicht vergisst. Wunnickes Wachs gehört dazu. Das erste Kapitel ist grandios geschrieben und hat einen Witz, der zugleich auch dazu dient, die eindrucksvolle Hauptfigur vorzustellen. Marie Biheron, die in Frankreich des 18.Jahrhunderts lebte.
Sie war Künstlerin und machte anatomische Wachsmodellation.
Mit der Blumenmalerin Madeleine Basseport kommt eine weitere wunderbare Figur hinzu. Erst war sie Maries Zeichenlehrerin, dann hatten sie eine lang andauernde Beziehung.
Es gibt eine zweite Zeitebene, in der der junge Edmé sich um die inzwischen alte Marie kümmert. Auch das ist eine enge Beziehung.
Christine Wunnicke, die schon lange ein literarischer Geheimtipp ist, gestaltet ihr Buch stilistisch sehr elegant. Ihre Sprache ist raffiniert.
Alleinerziehende Moms
Single Mom Supper Club von Jacinta Nandi
Jacinta Nandi hat mit Single Mom Supper Club einen Roman geschrieben, der es überraschend auf die Longlist des Deutschen Buchpreis geschafft hat.
Es geht um alleinerziehende Frauen, die sich regelmäßig treffen um gemeinsam zu kochen. Eigentlich waren es ursprünglich 2 Gruppen. Die normalen Mütter und die etwas jüngeren Cocaine-Moms.
Die normalen Mütter und ihr Alltag stehen mehr im Vordergrund: Kayla, Tamara, Lina , Antje
Die Figuren sind mehr oder weniger typisiert. Das Spiel mit Klischees macht der Autorin amscheinend Spaß.
Es gibt amüsante Momente, insbesondere bei den Dialogen. Es bleibt aber auch das Gefühl, diese Frauen im realen Leben besser nie treffen zu müssen.
Provokantes Schreiben als Programm. Streckenweise ist das eine Zumutung, dann aber auch keine schlechte Parodie. Dennoch habe ich den Humor als anstrengend empfunden.
Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts
Lázár von Nelio Biedermann
Der junge Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann hat einen besonderen Roman vorgelegt.
Mit der Geburt Lajos von Lázár zur Jahrhundertwende in Ungarn setzt eine Familiengeschichte ein, fast ätherisch wie aus einer anderen Zeit erzählt.
Über weite Strecken ist ein Waldschloss der Schauplatz.
Über den Eltern Sandor und Maria und ihren Kindern Lajos und Ilona geht die Geschichte weiter mit Pistas und Eva.
Und es ist die Geschichte eines Jahrhunderts mit all den schrecklichen Ereignissen, die auch an einer adligen Familie in Ungarn nicht vorbeigehen.
Es ist auch eine Verfallsgeschichte, denn psychische Erkrankungen, Suizid, Alkoholismus und Schwäche durchziehen die Familie vielfach.
Das Buch weist eine gute Lesbarkeit und eine ganz eigentümliche, tief durchdringende Atmosphäre auf, die man nicht so schnell vergessen wird.











