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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Zu zweit im Truck

Wir Königinnen von Anja Gmeinwieser

Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen.
Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind leicht beklemmende Szenen.
Was sie umtreibt, ist nicht ganz klar.
Dann begegnet sie einer Truckfahrerin, die Rinder transportiert und sie mitnimmt.

Es gibt eine Sprachbarriere, aber durch Handyübersetzerin kommt es zum Austausch in Englisch. Die Dialoge sind überwiegend in Englisch. Das funktioniert zwar und zieht sich konsequent durch das Buch, es nervt aber auch.

Das Buch zieht die Spannung aus der Beziehung, aber auch Gegenüberstellung der zwei Protagonistinnen. Während die Icherzählerin ganz von ihrer inneren Krise gefangen ist, sind es bei der toughen LKW-Fahrerin Anna reale Probleme. Der Job ist ihr stolz, aber er ist auch hart und schwierig.
Der Plot ist nicht unbedingt neu. Es entschädigt aber, dass die Autorin viel Stimmungen und Atmosphäre erzeugt.

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Die Bar hieß Tangerinn

Tangerinn von Emanuela Anechoum

Das Buch der italienischen Schriftstellerin Emanuela Anechoum lebt von der Erzählstimme der Protagonistin Mina und ihrer Situation. Sie lebt zur Zeit eigentlich in London, kehrt aber nach dem Tod des Vaters nach Kalabrien zurück. Ihr Vater Omar stammt aus Marokko, daher ist die Suche nach ihrer Identität ein großes Thema.

Zurück blieben ihre Schwester und die labile Mutter, um die man sich kümmern muss, genau wie um die Migrantenbar Tangerinn ihres Vaters. Dabei war es ihr so wichtig, dem Leben in Kalabrien zu entkommen.
Man kann Minas Situation gut verstehen, obwohl sie keine einfache Hauptfigur ist. Immer wieder geht sie innerlich ins Gespräch mit dem verstorbenen Vater. Erst spät im Buch, im vierten Teil, hat Omar auch einen Auftritt, als ein Freund Mina von früheren gemeinsamen Zeiten erzählt.

Mina muss sich entscheiden: Will sie bleiben oder wieder gehen? Mit dieser richtungsweisenden Entscheidung schließt das Buch.

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Gerechtigkeitsarbeit

Gerechtigkeit von Bernhard Schlink

Gerechtigkeit ist wichtig. Daher ist ein Essay darüber sehr zu begrüßen. Bernhard Schlink ist seit langen ein erfahrener und erfolgreicher Prosa-Autor, der weiß zu erzählen.
Daher war ich doch überrascht, wie trocken das Essay über manche Strecken ist. Es ist mehr ein Text eines Juristen, der Schlink ja auch ist.

Im Vorwort betont Schlink einen philosophischen Ansatz. Tatsächlich geht er auf Aristoteles zurück. Und dann vor allen auf den US-amerikanischen Philosophen John Krawalls und seiner Theory of Justice.
Gerechtigkeit hat mit Gleichheit und Gleichbehandlung zu tun.
Interessant ist Schlinks Aussage, das es keine Formel für Gerechtigkeit gibt, sehr wohl aber Strukturen für die Suche nach Gerechtigkeit.
Obwohl der Text relativ schwerbekömmlich ist, zweifle ich an Schlinks gut überlegten Ergebnissen (Wahlen, Demokratie, Rechtsstaat, soziale Gerechtigkeit) nicht.
Schließlich spricht Schlink auch noch über Generationsgerechtigkeit. Und am Schluss geht es um den Preis der Gerechtigkeit.
Es ist ein umfassendes, prägnantes Essay. Für mich ist es 3,5 von 5 Sterne wert.

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Über was nie gesprochen wurde

Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann

Das neue Buch der Kultautorin Judith Hermanns ist schwer einzuordnen, aber das kennt man von ihr schon, zum Beispiel durch „Wir hätten uns alles gesagt“.
Das autobiografische Element ist prägend. Ausgangspunkt ist die Beschäftigung mit dem Großvater, der vor ihrer Geburt gestorben ist. Im Krieg war er bei der Waffen-SS und in Polen.

Viel kann Judith Hermann, die schließlich selbst nach Polen reist, nicht recherchieren.
Ihre Unterhaltungen mit ihrer 80jährigen Mutter über den Großvater sind wenig ergiebig, lösen Spannungen aus und am Ende hat die Mutter eine vorübergehende Amnesie.
Es geht aber nicht nur um den Großvater. Judith Hermann reist schließlich auch nach Italien, wo ihre Schwester lebt.
Die geöffnete Tür auf dem Cover täuscht. Es bleiben mehr Fragezeichen als Erkenntnisse hängen und vielleicht muss man sich mehr als einmal mit diesem Buch beschäftigen. Dass das Buch sprachlich gut gestaltet ist, merkt man aber sofort.

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Autofiktion

Die Wahrheit über Ann von Julia Deck

Die französische Autorin Julia Deck hat ein autofiktionales Buch über den schweren Schlaganfall ihrer 84jährigen Mutter und den Folgen geschrieben.
Da es zudem die Endphase der Pandemie im Jahr 2022 ist, wird es besonders schwer.
Julia Deck schildert detailreich die Behandlung und überwiegend fehlende Therapie, aber auch den Lebenswillen der schwer angeschlagenen Mutter.

Zwischen den Krankenhaus-Passagen gibt es Beschreibungen des Lebens ihrer Mutter Ann, die in Großbritannien geboren ist, als Erwachsene aber nach Frankreich zog. Dann gibt es auch ein Geheimnis um sie.
Schließlich nimmt auch Julia ihre Rolle in der Geschichte der Mutter ein.

Das Buch ist so gemacht, dass man als Leser Anteil nimmt, aber es bleibt realistisch und damit an manchen Stellen auch bitter. Ich schätze aber die Konsequenz und viele der Überlegungen der Autorin über die komplizierte Beziehung zur Mutter.

Julia Deck hat für dieses Buch sehr verdient den renommierten Prix Médicis gewonnen.

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Der Verlust

Lorenzos Reise von Andrea Bajani

Dieser Roman eines italienischen Schriftstellers führt uns nach Rumänien. Hier ist die Mutter des Protagonisten vor kurzen gestorben. Sie hatte ihn verlassen, als er noch ein Kind war. Ein Schmerz, der nie überwunden werden konnte, der sich prägend eingepresst hat.
Andrea Bajani lässt die Gefühlslage von Lorenzo durch Passagen der Vergangenheit wie der Gegenwart deutlich werden.

Besonders in den Szenen der Kindheit spürt man die Bedürftigkeit Lorenzos.
Es ist ein melancholisches Buch, das schon 2007 geschrieben wurde. Sprachlich empfand ich es weniger poetisch als erwartet, vielleicht sogar eher flach. So muss ich leider sagen, dass mich der Roman nicht wirklich angesprochen hat.

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Gerichtsdrama

Der Horizont der Nacht von Gianrico Carofiglio

Der Horizont der Nacht von Gianrico Carofiglio ist aus meiner Sicht wirklich ein guter Roman. Es ist ein fast klassisches Anwalts- und Gerichtsdrama.
Eine Frau hat den gewalttätigen Freund ihrer Schwester erschossen und muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Icherzähler und Hauptfigur ist ihr Anwalt Avvocato Guerrier.

Er ist 57 Jahre alt und gewissermaßen in einer Lebenskrise. Er sucht häufig einen Psychologen auf und diese Gespräche nehmen einen wichtigen Teil im Buch ein und das psychologische Moment wertet den Roman auf. Gianrico Carofiglios intelligenter Schreibstil ist zugänglich und eindringlich zugleich.
Höhepunkt des Buches ist dann das lange Gerichtsverfahren, das auf mich fast filmisch wirkte.

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Grace

Zuflucht von Garry Disher

Garry Disher ist ein wichtiger Thrillerautor aus Australien, der stets durch sein dichten Plots und prägnanten Stil auffiel. So auch hier.
Die Protagonistin Grace ist seine neue, raffinierte wie ambivalente und doch beeindruckende Heldin. Ob sie eine neue Wyatt wird? Verschlossen genug ist sie.
Wie am Anfang der Psyhopath in diesen Buch angelegt ist, wirkt weniger innovativ.

Eine Figur, die sofort funktioniert ist die unsichere Erin, bei der man schnell ahnt, dass sie in Gefahr ist. Grace ist eigentlich mit ihren eigenen Streifzüge beschäftigt, wird dann aber doch in Erins Fall verwickelt. Grace und Erin werden ein gutes Team. Doch auch Grace holt ihre Vergangenheit ein und der Plot nimmt an Dramatik zu.

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UN-Job im Irak

fundamentalös von Nussaibah Younis

Fundamentalös ist ein Roman mit brisanten Thema von Relevanz. Die Handlung ist im Irak angelegt.
Ich hatte anfangs so meine Probleme mit der jungen, unerfahrenen Protagonistin, die ihre Rolle der Deradikalisierung nur unzureichend ausfüllen kann.
Vielleicht wäre eine erfahrene, weniger naive Hauptfigur die bessere Wahl gewesen.

Aber dann wäre es ein anderes Buch geworden. Nach einer Weile gewöhnt man sich an Nadia.

Es dauert eine Weile, bis der Plot in Fahrt kommt. Triebfeder für die Handlung ist Sara, die interessanteste Figur im Buch.

Sprachlich hat der Roman wenig zu bieten, ausser einer leichten Ironie und ordentlichen Dialogen. Immerhin schreibt Nussaibah Younis in einem leichten Ton. Auch die Plotgestaltung gelingt der Autorin.

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Das Urteil der Eulen

Casino von Cihan Acar

Cihan Acar hat einen deutsch-türkischen Familienroman geschrieben.
Cumali Karagöz ist Geschäftsmann und Familienvater. Ein Mann mit Profil und Durchsetzungsvermögen. Er betreibt Spielhallen, ein etwas anrüchiges Gewerbe für viele. Doch Cumali ist reich dadurch geworden und wohnt in einer Villa.

Der Autor wechselt die Figuren mit jedem Kapitel. So bekommen auch Cumalis Frau Hannah und seine Tochter Zaha, sein Sohn Ediz und andere ihre Abschnitte. Der Roman zeichnet sich durch seine Unverkrampftheit aus. Das ist vielleicht auch der jugendlich wirkenden Art des Autors Cihan Acar geschuldet. Casino ist sein zweiter Roman. Ihm gelingt es, seine Szenen ansprechend zu gestalten.
Auffällig aber, das man die Figuren, insbesondere Cumali, mehr nur von Außen sieht. Das erzeugt Distanz. Zum Teil ist Cumali mir fremd geblieben, bei seinen Kindern war es nicht ganz so.
Der Roman bleibt für mich ein Stück weit gehobenes Mittelmaß, wenn auch mit vielen starken Passagen. Ich kann mir vorstellen, auch Cihan Acars ersten Roman Hawaii noch zu lesen.

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