Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Nathalies Geschichten
Die Seine fließt ins Schwarze Meer von Boris Schumatsky
Die Seine fließt ins Schwarze Meer. Ich wusste das nicht.
Boris S. Buch hat viel zu bieten, z.B. das Aufwachsen in Russland, von der jüdischen Existenz und es ist ein Stück weit die Geschichte von Paul Celan. Die wird dem jugendlichen Boris von Nathalie erzählt, die eine Art Tante für ihn war. Sie war in Paris mit dem damals noch recht unbekannten Paul Celan bekannt und begleitete ihn eine Weile, auch während seinen vielen Liebschaften z.
B. mit Ingeborg Bachmann.
Das Buch ist nicht perfekt, z.B. ist es etwas zu ausführlich, kommt manchmal nicht in Schwung, aber dann kommen immer wieder intensive Phasen.
Mir hat der Roman gut gefallen.
Tiere und Orte
oh augen, eigene oper von Nina Temann
Lyrikbände bekommen in letzter Zeit selten Aufmerksamkeit. Daher ist es erfreulich, dass der Band von Nina Temann auf der Debütliste des Österreichischen Buchpreis steht.
Ein schön gestaltetes Buch mit elf Abschnitten und einem Nachwort.
Viele Tiere und Orte (äußerliche wie innere) durchziehen die Texte.
Es beginnt in fasane mit Tieren: Rehe und Fasan.
Zahlreiche weiter Tiere verschiedenster werden im Buch folgen.
Dann kommt schon das relativ lange Titelgedicht, dass sehr ausdrucksstark ist.
"Drastik oben" führt uns den Fluss entlang ins Sumpfgebiet. Es ist eins meiner favorisierten Gedichte in dem Band.
In "Schwemmfeld" bestimmen Einrückungen das Gedicht.
"Lange leier Fluss" hat mir auch gut gefallen, aber eigentlich gibt es kein schwaches Gedicht im ganzen Band.
Es gibt lange und kurze, laute und leise Gedichte. Auffällig, das alles klein geschrieben ist. Es sind Gedichte, bei denen nicht unbedingt Bedeutung oder Message die größte Rolle spielen, sondern Ausdruck und Wirkung der Worte.
Neu-Amerika
Verteidigung eines Gartens von Christina Walker
Der Roman Verteidigung eines Gartens der Österreichischen Schriftstellerin Christina Walker erzählt von zwei Frauen, die sich in einer Kleingartenanlage begegnen. Die junge Didi, die sich hierhin vor dem miesen Freund ihrer Mutter geflüchtet hat und Marianne, die nach dem Tod ihres Mannes alles verloren hat und nur noch im Gartenhaus Zuflucht findet.
Jeder kann in eine schwierige Lage kommen, daher ist man als Leser dicht bei den Figuren und der Situation.
Mit dem Obmann der Gartenanlage Neu-Amerika gibt es Unterstützung. Und doch sind noch Eskalationen zu erwarten.
Verteidigung eines Gartens ist ein Buch, das ich mit Interesse gelesen habe.
Mikrokosmos
Wir alle von Kerstin Preiwuß
Wir alle ist ein ruhiger Roman. Das Auffälligste ist das Cover!
Am Anfang begegnen wir einer Icherzählerin, in den folgenden Kapiteln wird eine Figur nach der anderen kurz vorgestellt.
Sonja, Vivian, Stichling, der Häuptling.
Für meinen Geschmack haben sie zu wenig Profil, aber vielleicht wollte die Autorin auch durchschnittliche Figuren, damit sie repräsentativ sind.
Die Stärke des Romans ist, wie gezeigt wird, wie sie schließlich eine Gemeinschaft bilden, zwar eine, die sich nicht immer einig ist und viele Streitgespräche hat, aber das ist ja normal. Eine Art Mikrokosmos der heutigen Gesellschaft.
Neuanfang
Renette von Barbara Klicka
Die polnische Autorin Barbara Klicka beschreibt in ihrem kurzen Roman über den Neuanfang einer Frau Anfang 30. Viel weiß man von Miras Vorgeschichte nicht, aber sie zieht zu ihren Cousinen in ein Zimmer, dass sie teilweise geerbt hat. Direkt willkommen ist sie nicht, aber sie wird akzeptiert.
Und sie fängt neu bei einer Firmenhotline an zu arbeiten.
Es entsteht eine eigentümliche, etwas unangenehme Atmosphäre, die auch durch Mira fatalistische Art gekennzeichnet ist. Dennoch geht es in diesem Buch um Beziehungen, darin liegt für Mira vielleicht die Rettung.
Man kann Renette in nur zwei Stunden durchlesen. Das Buch ist sicherlich bewusst so kurz gehalten und wirkt daher wie eine Momentaufnahme. Die Autorin bevorzugt die kurze Form wahrscheinlich auch, weil sie von der Lyrik her kommt.
versteckte Kameras
Molka von Monika Kim
Nach Das Beste sind die Augen hat Monika Kim wieder einen Roman mit brisantem Thema: Molka, das sind versteckte Kameras, mit denen Frauen ausspioniert werden.
Zentraler Schauplatz des Buches ist ein Bürogebäude in Seoul, Südkorea.
Der IT-Spezialist Junyoung ist völlig davon besessen und beobachtet Frauen sogar auf der Toilette.
Monika Kim geht in diesem Buch nicht so in die psychologische Tiefe wie in ihrem ersten Roman, aber ein paar Ansätze gibt es doch. So erlebte Junyoung schon als Kind, wie er beim Spannen erwischt wurde, damit aber davonkam. Die Misogynie wurde ihm schon vom Vater eingeimpft. Deswegen hat er als Erwachsener keinerlei Schuldbewusstsein.
Dahje ist eins seiner Opfer. Sie hat außerdem ein Trauma wegen ihrer Schwester, die sich vor Jahren das Leben nahm. Das stachelt sie an Rache zu nehmen.
Gegen Ende steigert sich der Roman in eine Dramatik mit Horrorelementen hinein.
Es ist ein harter Roman mit grenzwertigen Hauptfiguren.
was unausgesprochen blieb
Irgendwann verglüht die Sonne von Andrea Profetto
Andrea Profetto geht in ihrem Roman über eine Familie wirklich in die Tiefe und zeigt, was alles verborgen sein kann.
Monika hat 2 Töchter und ist seit Jahren mit Matthias verheiratet.
Nore, die ältere entzieht sich oft, ihre jüngere Schwester Carla versucht, sich ihrer sexuellen Orientierung bewusst zu werden.
Die Kapitel wechseln in ihren Perspektiven zwischen Monika, Nora und Carla.
Der Text ist so geschrieben, dass man eng an die Figuren ran rückt und ihre Nöte versteht. Manchmal ist es ziemlich bedrückend,
Andrea Profetto macht mit ihrem Buch wichtige Themen auf und sie macht es gekonnt. Es ist ein Buch von Relevanz!
Die Roten und die Blauen
Von blauen Vögeln - 1. Auflage mit Farbschnitt von Shejla Baltic
Dieser Roman gewährt uns einen Blick in das Leben in der österreichischen Politik. Mia ist Anfang 30 und Pressesprecherin für die SPÖ und das ist stressig. Dann beginnt sie ungeplant eine Affäre mit einem von der rechtspopulistischen FPÖ. Das geht eigentlich nicht zusammen, aber sie können nicht voneinander lassen.
Sie halten ihre Beziehung geheim, aber was sind das für Perspektiven?
Als Leser ist man dicht bei Mia und ihren Gedanken. Das gibt einen fast fiebrigen Erzählflow.
Shejla Baltic hat einen so überzeugenden Debütroman vorgelegt, das man einen weiteren Roman von ihr kaum abwarten kann.
Ingemar und Mio
Mio und die Unsterblichkeit von Paulus Hochgatterer
Paul Hochgatterer zeigt das Leben eines 16jährigen Jungen, der an spinaler Muskelatrophie leidet. Er sitzt im Rollstuhl, muss gepflegt werden, doch er kann mit seiner Behinderung umgehen, Uch wenn es kontinuierlich schlechter wird.
Zuneigung fasst er zu der Katze Mio, die ziemlich wild und eigensinnig ist.
Da gibt es einige gut geschriebene Episoden. Auch die Dialoge sind klug gemacht. Befreundet ist er außerdem mit einem alten Mann, der ihm Geschichten von früher erzählt.
Das Buch ist kurz, doch gut durchkomponiert.
In den inneren Gängen graben
Die Kräfte von Laura Vazquez
Die Kräfte ist ein sehr konzentrierter Text mit einer Erzählerin, die eine gute Beobachterin ist, dies schon als Kind war.
Sie ist ständig in Bewegung und begibt sich an verschiedene Orte, da ist z.B. eine Lesbenbar und ein Haus der Sekten und es kommt zu diversen Begegnungen. Es sind äußerliche wie innere Aspekte, die die Protagonistin reflektiert.
Viele ist nicht sofort eindeutig. Als Leser weiß man schon früh, dass dieser Roman mehr als einen Lesegang fordert.
Laura Vasquez Ausdruckskraft ist außergewöhnlich. Das sie ein gewisses Niveau ansteuert, verraten schon die dem Roman vorgestellten Widmungen (Robert Walser, Simone Weil, Henry Thoreau).
Sie folgt nicht einher konventionellen, linearen Handlung. Dafür erschafft sie starke Bilder und poetische Momente.
So ein ungewöhnliches Buch liest man nicht oft! Kein Wunder, dass der Roman preisgekrönt ist.











