Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Nostalgie: Das Sommermärchen
Der deutsche Sommer von Ronald Reng
Die WM 2006 in Deutschland war ungewöhnlich, weil da eine ganz besondere, positive Stimmung entstand.Ronald Reng beschreibt in seinem Buch die Ereignisse der WM und des gesellschaftlichen Zustands des Landes mit vielen Details und aus der Summe erklärt sich die unvergessliche Stimmung, die die Menschen in Deutschland empfanden.
Gelegentlich gibt es kurze Unterbrechungen im Buch, in denen über den Bär Bruno geschrieben wird. Bruno streifte damals durch das Land, was absolut ungewöhnlich war. Entsprechend viel mediale Aufmerksamkeit gab es für Bruno.
Das Buch ist auch spannend zu lesen, weil man sich dabei nostalgisch an diese Zeit zurückerinnert. Es gibt auch viel Wissen, dass Ronald Reng recherchiert hat, das nicht so bekannt ist. Reng baut außerdem immer wieder Anekdoten mit ein und zeigt die Emotionen der Menschen. Auch deswegen macht das Lesen dieses Buches soviel Spaß.
Schwimmen mit den Mantas
Unter Wasser von Tara Menon
Dieser geschickte und atmosphärische Roman handelt von Freundschaft und Verlust sowie einer paradiesischen Kindheit in Thailand.
Hier erleben Marissa und Arielle schon als Kinder eine tiefe Verbundenheit und die Faszination des Aufwachsens in Thailand, mit einer aufregenden Unterwasserwelt, die Marissa Vater als Meeresbiologe erforscht.
Eines Tages wütet aber ein Tsunami.
Es gibt aber auch einen zeitlich versetzten Handlungsstrang mit Marissa als junge Erwachsene in New York. Die Verluste bestimmen ihre Stimmungslage.
Es ist auch ein Buch über Trauer. Marissa, die als Kind den Tod der Mutter kaum betrauern konnte, kann das Fehlen von ihrer Freundin nicht überwinden. Oft spricht sie mit ihr, als wäre sie noch da,
Die Autorin hat einen interessanten Lebenslauf, dazu gehörten auch 10 Jahre in New York. Ihre Schilderungen der Schauplätze haben für mich eine hohe Qualität.
Das ist schon ein mehr als lesenswerter Roman. Gerne mehr davon!
Täter und Opfer
Hammerfrau von Mario Keszner
Eine Frau wird auf der Straße brutal von einem fremden Mann überfallen und mit einem Hammer geschlagen. Ein schockierender Vorfall von Frauenhass, fast ein Femizid.
Der Roman teilt die Erzählabschnitte wechselnd zwischen Opfer und Täter auf. Sie ist in schwerer Rekonvaleszenz, er sitzt im Gefängnis.
Beide ziehen eine Art Rückblick über ihr Leben. Kann sie, die eine hoffnungsvolle Sängerin war, in ihren Beruf zurückkehren? Wie steht er zu seiner Tat?
Es kommt nicht, wie ich eigentlich erwartet hätte, zu einem direkten Austausch zwischen ihnen. Dennoch schafft es der Autor, einen tiefen Blick in die Gefühlswelt von Täter und Opfer zu gewähren und das ist keine kleine Leistung.
Die eigene, wirkliche Stimme finden
Regentropfen fallen langsam von Ingrid Kloser
Regentropfen fallen langsam ist ein ruhiger Roman, auf den man sich einlassen muss.
Die Protagonistin und Icherzählerin Nina ist hypersensibel und vom Wunsch beseelt, Sängerin zu werden. Sie will es unbedingt schaffen, auch ohne Studium.
Eine großartige Nebenfigur im Buch ist die hochmotivierte Gesangslehrerin Eva.
Sie unterstützt und fördert Eva auf ihrem Weg, ihre eigene, wirkliche Stimme zu finden.
Mit Yuko kommt eine weitere interessante Figur hinzu.
Ingrid Kloser hat eine eigenständigen Stil und mit Regentropfen fallen langsam hat sie ein bemerkenswertes Buch geschrieben.
Onesto
Meine Berge bist du von Francesco Vidotto
Der italienische Schriftsteller Francesco Vidotto hat für seinen Roman eine Erzählform gefunden, die daraus besteht, dass aus Briefen und Fotos eines alten Mannes einer Lebensgeschichte gefolgt wird.
Da sind die Brüder Onesto und Santos und die Liebe zu Celeste.
Der Autor hat einen weichen Erzählton, nicht immer ohne Kitsch.
Zu oft gibt es Wiederholungen. De Erzähler wirkt naiv. Manches wirkt verklärt. Vielleicht war es deswegen nicht so ganz mein Buch.
Aus dem Banat
Das schönste aller Leben von Betty Boras
Der Roman besteht aus sich abwechselnden Teilen. Zum einen die Icherzählerin, deren Tochter bei einem Unfall im Gesicht verletzt wurde.
Dann in Rückblicken die Zeit, als sie, Vio, noch als Kind im rumänischen Banat lebte und dann mit der Familie nach Deutschland ging. Schließlich als Drittes die Geschichte von Theresia im 18.
Jahrhundert.
Das ist vielleicht etwas viel, denn ich finde, die einzelnen Handlungsstränge sind nicht gut miteinander verknüpft. Für sich gesehen hat jeder Teil seine Berechtigung. Wie Vio sich in Deutschland integriert, hat auch die Folge, dass sie danach strebt, nicht aufzufallen. Der Teil der Gegenwart ist meiner Meinung nach der Stärkste. Vio kann die Schuldgefühle, weil sie den Unfall verursachte, der ihre Tochter verletzte, nicht verwinden und steigert sich immer mehr rein.
Der Handlungspart um Theresia geht ein Stück weit an mir vorbei.
Es ist kein perfektes Buch, aber das sollte man einen Debütroman auch mal zugestehen. Ich habe „Das schönste aller Leben“ dennoch gerne gelesen und ein weiteres Buch der Autorin wäre mir sehr willkommen.
Sister Snake, Snake Sister
Sister Snake von Amanda Lee Koe
Dass die Autorin Amanda Lee Koe so locker mit dem fantastischen Element umgeht und es so lässig in die Handlung integriert, ist eindrucksvoll und ermöglicht ein gutes Lesegefühl. Sie verfügt über eine lebhafte Bildsprache.
Der Roman lebt außerdem von den unterschiedlichen Charakteren der Schwestern Emerald und Su, die doch eine tiefe Verbundenheit haben.
Das neben New York auch ein Schauplatz wie Singapur genutzt wird, verleiht dem Buch dem westlichen Leser eine aufregende Exotik. Immer wieder fabriziert die Autorin bizarre Szenen, die bei dem Leser stark bildhaft wirken. Die Dialoge sind häufig harsch, oft ironisch und hochemotional.
Das Buch ist nicht perfekt, da Pathos zu üppig eingesetzt wird und manche wichtigen Themen nur zu beiläufig gestreift werden. Wer sich, wie ich, nicht daran stört, wird den rasanten Roman als Leseerlebnis genießen.
Zwei autofiktionale Texte
Grindelwald & Liebevolle Gleichgültigkeit von Lothar Struck
Der 1959 geborene Mönchengladbacher Lothar Struck schreibt auf realistische Art über das Leben in Deutschland in den siebziger Jahren und benennt alle Umstände inklusive Spießigkeit klar.
Im Mittelpunkt steht die schwierige Beziehung zum Vater, der oft abwesend und vor allen Spielsüchtig war. Später spielte auch seine Krebserkrankung eine große Rolle.
Der Text ist dicht und ein wenig deprimierend, sehr wohl aber auch beeindruckend. Grindelwald war schon 2014 erschienen.
Jetzt neu erschienen ist der Text um eine zweite Erzählung ergänzt. Dieser zweite, ebenfalls autofiktionale Text widmet sich dem 10 Jahre älteren Bruder U.
Auch hier gibt es viel Zeitkolorit, der das Buch prägt.
Erstaunlicherweise packt der zweite Text einen nicht nur so wie der erste, er lässt einen sogar ganz nahe an der Erzähler kommen.
Mich erinnert besonders der zweite Text an den Stil von Edouard Louis, wenn auch an eine deutsche Variante.
Dieses Buch ist lesens- und empfehlenswert.
9783446285798
Meine Liebe stirbt nicht von Roberto Saviano
Roberto Savianos Romane sind gesellschaftspolitisch relevant, da er darüber schreibt, wie die Mafia in Italien agiert und tief in das Leben der Menschen eingreift. Dass Saviano selbst bedroht ist, schwingt auch in seinen Büchern mit.
Hier erzählt er die wahre Geschichte eines Paares, Rossella Casini und Francesco Frisina, und von der Ermordung einer Frau.
Literarisch überzeugt er nicht ganz, da vieles wie ein Bericht wirkt, doch ein Feeling des Italien der späten siebziger Jahre baut er auf. Auch manche Dialoge sind ganz gut, wobei manchmal zu biedere Begriffe oder Sätze verwendet werden. Aber das könnte auch an der deutschen Übersetzung liegen.
Die größte Schwäche des Buches ist die fehlende Tiefe der Figuren, wobei es mit Rossella teilweise noch ganz gut klappt. Francesco jedoch bleibt fremd, die Nebenfiguren waren zum Teil schwer zu unterscheiden.
Was für das Buch spricht, ist, dass der Autor einen Ton gefunden hat und Atmosphäre erzeugt.
Dora und Veit, Stadt und Land
Hauch von Xaver Bayer
Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.
Dora und Veit schreiben sich Briefe, dabei spielt Stadt versus Landleben eine Rolle. Einerseits Lärm und Gedränge, andererseits Stille und Abgeschiedenheit.
Dieser Aspekt ist dann aber nicht so entscheidend, schliesslich ist Veit kein Bauer. Er ist Schriftsteller und sucht die Ruhe, wobei er auch die Kraft der Natur spürt. Gegenwartsverdossenheit ist bei beiden zu spüren.
Intensiv berichten sie sich gegenseitig ihre Befindlichkeiten und Träume.
Xaver Bayer gelingt es, die Verbundenheit der beiden trotz räumlicher Trennung zu zeigen.











