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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Regime Change in Europa

Wer sind wir? von Joschka Fischer

Der politisch nicht mehr aktive Joschka Fischer ist doch noch sehr präsent. Erst letztes Jahr hat er mit einem eindrucksvollen und komplexen Werk überzeugt.
Jetzt ein Buch über deutsche Identität. Doch diesmal enttäuscht er, denn eigentlich erzählt er hauptsächlich die Geschichte Deutschlands, z.

B. ab Stunde Null nach. Offenbar definiert Fischer Deutschlands Identität aus dem Wiederaufbau nach 45. Westdeutschland war in dem Sinne verwestlicht, im positiven Sinne.
Er spricht viel von Europa und der Abkehr der USA.
Wenn ich richtig interpretiere, liegt Deutschlands Identitätssuche ein gutes Stück weit bei dem Versuch einer deutschen Führung in Europa, sozusagen ein Regime Change in Europa.
Einige Passagen des Buches sind also schon gelungen, doch ob sich darin die Frage nach der Identität erschöpft, wage ich zu bezweifeln.
Folgen kann man der im Nachwort angebotenen Antwort, dass Europa sich jetzt selbst kümmern muss, da auf die USA nicht mehr gezählt werden kann. Jetzt oder nie!
Vielleicht gelingt Joschka Fischer die Debatte über das Thema, wenn er mit diesem Buch und seinem wichtigen Thema auf Lesereise geht.

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Ein Ort für die Verlorenen

Mit einem Fuß im Paradies von Ron Rash

Mit einem Fuß im Paradies von Ron Rash ist ein raffiniert komponierter Südstaatenroman. Ein Mann namens Holland Winchester ist verschwunden, vermutlich ermordet.
Die Handlung wird von verschiedenen Personen erzählt, die mit dem Verschwinden von Holland zu tun haben. Das ist zuerst der Sheriff, dann die Frau, die mit Holland eine Affäre hat, dann ihr Ehemann und schließlich der Sohn sowie der Stellvertreter des Sheriffs.

Aus den ganzen Abschnitten ergibt sich langsam ein Gesamtbild. Es ist leicht filmisch gestaltet.

Es gibt zwar einen Mord, aber für mich ist es nicht wirklich ein Kriminalroman. Vielmehr ist es ein Gesellschaftsporträt der Menschen, die in South Carolina leben.

Das ist schon sehr gut gemacht, obwohl ich lange Passagen auch mit Gleichmut las. Es ist ein kühles Südstaatendrama.

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Gibt es Hoffnung?

Der Schlüssel würde noch passen von Irina Scherbakowa

Irina Scherbakowa ist eine große Persönlichkeit. Ihr Wirken in der Organisation Memorial galt der Aufklärung. Folgen waren Repressionen, Verbot und Flucht.
Es gelingt ihr in diesem Buch, einen Einblick ins Moskau der neunziger Jahre zu geben. Es ist die kurze Zeit der Perestroika. Dann die Nuller-Jahre.

Gelegentlich gibt es auch Blicke in die Geschichte Russlands. Es gibt auch einen (schmalen) Bildteil.
Schließlich der Krieg und Scherbakowa verlässt mit ihrem Mann Russland.

Irina Scherbakowa vermeidet Sentimentalität, setzt auf Analyse.
Im Epilog dann die Frage: Gibt es Hoffnung?
Es ist mächtiges Sachbuch von Relevanz, dass dieses Jahr für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert ist.

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Die Kamillenwiese

Was vom Sommer blieb von Mary Wesley

Mary Wesleys Roman zeichnet sich durch einen lebhaften Stil und einer bildhaften Sprache aus. Die Handlung zeigt eine Reihe von Leuten zu einer bestimmten Zeit in Cornwall, während des Krieges und die Zeit danach. Es wird so ein Gesellschaftsporträt mit den Stimmungen dieser Zeit. Das erzeugt viel Atmosphäre.

Im Mittelpunkt stehen die anfangs 19jährige Calypso, die später Hector heiraten wird, Oliver, der verletzt aus dem Krieg zurückkehrt, die junge Sophie , die in Oliver verliebt ist und die Geschwister Polly und Walter. Und noch ein paar. Das ist schon nahezu eine Überfrachtung an Figuren, deswegen sind nur ein paar wirklich gut herausgearbeitet.
Doch Calypso, Oliver und Sophie werden länger in Erinnerung bleiben.

Was vom Sommer blieb ist wohl der berühmteste Roman der Britin Mary Wesley. Er wurde auch als TV-Serie verfilmt.

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Männerfreundschaft

Unter Freunden von Hal Ebbott

Das Romandebüt eines vielversprechenden US-Amerikanischen Autors.
Es beginnt ziemlich ruhig und langsam.
Der Roman zeigt zwei lange befreundete Männer und ihre Familien.
Das etwas passieren wird, ist schon von Anfang an klar und daraus zieht sich die Spannung.

Wirken die Familien anfangs perfekt, spürt man schließlich die dysfunktionalität.

Die Gefühlslage wird dargestellt.
Es gibt aber auch Grenzen und man die zwei Hauptfiguren nicht richtig verstehen. Das psychologische Moment verfängt sich nicht ganz.
Trotzdem ist es ein interesanter Roman.

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Konzentriertes und dichtes Politiksachbuch

Die Zerstörung des Nahen Ostens von Rainer Hermann

Die Zerstörung des Nahen Ostens
Trump, Netanjahu, die Hamas und die neue Ordnung des Schreckens

Wegen dem drastische Titel plus Untertitel habe ich zuerst gezögert, dann aber doch sehr gerne dieses Politsachbuch gelesen. Es ist ein von Anfang an konzentriertes und dichtes Werk mit sehr vielen Fakten.

Man muss dranbleiben, kann aber auch schnell darin versinken.

Nahostexperte Rainer Hermann schreibt über einige Länder der Region. Im Vordergrund rückt dann natürlich Israel und Palästina und er Gazakrieg.
Auch über Iran schreibt er viel. Gerade diese Passagen hatten mich sehr interessiert. Das Buch endet Dezember 2025, die ganz aktuelle Lage zur Zeit ist also nicht beschrieben Auch dann der späte Teil über Syrien ist interessant.

Ich denke, dass Buch ist gut geeignet für den politisch interessierten Laien, auch wenn es einen auch ein wenig fordert. Aber das ist gut so.

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Routiniert

Die Fremde neben dir von Se-Ah Jang

Die Fremde neben dir von Se-Ah Jang ist ein Thriller aus Südkorea, der von der Machart im wesentlichen aber westlichen Romanen dieser Art ähnelt. Er zeigt eine Frau, die aus Verzweiflung viel tut, um einer gewalttätigen Beziehung und Verfolgung zu entgehen.
Jae-Young nimmt eine fremde Identität an.

Das bietet ihr kurzfristig Schutz.
Mit den Schilderungen der Gefühlswelt der Frau fährt die Autorin erstaunlich eindimensional. Ich hätte mir mehr Tiefe gewünscht. So bleiben mir die Figuren ein Stück weit gleichgültig.

Das Buch lebt von überraschenden Wendungen und ist so filmisch gestaltet, als wenn die Autoron schon beim Schreiben an eine Verfilmung gedacht hat.
Fazit: Ein routinierter Thriller.

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Die Stadt Harare lebt und atmet

Die Avenues von Farai Mudzingwa

Ein komplexes Stück afrikanischer Literatur.
Die Erzählweise ist so, dass viel in den Zeiten vor- und zurückgesprungen wird. Es entsteht eine Art Rhythmus.
Es erzählt die Geschichte eines Jungen bzw. später Mannes. So lebhaft wie er ist auch die Sprache. Und auch die Sprache wandelt sich im Buch immer wieder.

Farai Mudzingwa vermittelt einen Blick auf Simbabwe, wie es der westliche Leser nicht kennt.

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Nahe dem schneebedeckten Berg

Heimkehr nach Morioka von Yuki Ibuki

Heimkehr nach Morioka ist ein wirklich schön gemachtes Buch mit einem weißen Einband mit Bergmotiv.
Die Handlung zeigt eine Familie in Tokyo in der Krise. Mio wird in der Schule gemobbt, ihr Vater hat berufliche Probleme und es gibt Spannungen mit Mios Mutter.
Die sensible Mio hält es irgendwann nicht mehr aus und reist zu ihrem Großvater, der im abgelegenen Morioka lebt.

Die erste Begegnung zwischen Großvater und Enkelin. Als Leser hofft man sofort, dass das Stadtmädchen Mio hier ihre Unsicherheit und Verlorenheit verlieren wird.
Es geht dann viel um das Handwerk des Großvaters.
Eine große Prüfung wartet noch auf Mio, bei der sie auch eine Entscheidung treffen muss.
Literarisch ist der Roman ein Leichtgewicht, aber als Entwicklungsgeschichte funktioniert das Buch.
Ich hoffe, das Buch wird ein Erfolg. Vielleicht werden dann auch noch andere Bücher dieser Schriftstellerin ins Deutsche übersetzt.

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Ohne Illusionen

Wie stark ist Russland wirklich? von Matthias Uhl

Dieses Buch widmet sich dem Thema, ob es möglich ist, gegen Russland zu bestehen. Schon in der Einleitung nennt der Autor auch die Meinung von Analysten wie Carlo Masala oder Claudia Major zur massiven Aufrüstung und bezieht das in seinen Ausführungen mit ein. Doch es geht ihm um eine realistische Einschätzung.

 
Mit einem Wust an Wissen überfällt der Autor Mattias Uhl den Leser und überfrachtet einen erst einmal. Aber strukturiert ist es schon. Er macht einen historischen Rückblick und zeigt damit 400 Jahre ukrainisch-russische Beziehungen. Er zieht dann die Lehrern des Ukrainekriegs.
Er blickt auf die Rüstungsindustrie Russlands sowie die Nato.
 
Es ist ein illusionsloses Buch.
Am Ende führt Matthias Uhl die möglichen Szenarien und deren Folgen aus:
1. Ein eingefrorener Konflikt ohne Frieden
2. Ein erzwungener Kompromiss
3. Die Fortsetzung als Abnutzungskrieg
4. Ein unvorhergesehenes Ereignis
 
Putin wird die Macht nicht abgeben. Daher bleibt alles offen.

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