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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

zurückhaltend

Ein Start ins Leben von Anita Brookner

Ein Start ins Leben ist der erste Roman der britischen Autorin Anita Brookner. Diese Autorin hat wirklich Klasse, sie schreibt elegant und mit Understatement, ziemlich zurückhaltend. Dadurch hebt sie sich ab von anderen Schriftstellern.
Bemerkenswert auch die lange Einleitung von Julian Barnes in das Buch, wobei er von seinen Begegnungen mit Anita Brookner und ihren Qualitäten berichtet.

Wie der Stil der Autorin sind auch die Figuren, zurückhaltend, nicht ohne Emotionen, doch diese behalten sie größtenteils für sich. Diese inneren Konflikte sind das große Thema von Anita Brookner.

Die Handlung erzählt von einer Frau, Ruth, wie sie aufwächst und schließlich als junge Frau nach Paris geht, doch die Erkrankungen ihrer Eltern zwingt sie zur Rückkehr nach England.
Viele Spannungsmomente gibt es nicht, der Plot bleibt immer dicht an der Figur und ist realistisch geschildert.
Man braucht Geduld und Ausdauer für den Roman, aber viele gute Beschreibungen und ausgearbeitet Details entschädigen dafür.

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hypersensibel

Hysteria von Eckhart Nickel

Hysteria ist einer der Romane, die auf der Longlist zum deutschen Buchpreis 2018 stehen. Den Anfang kennt man auch schon durch den Auszug den Eckhart Nickel beim Bachmann-Wettbewerb 2017 in Klagenfurt las und mit dem er sogar den Kelag-Preis gewann.

Ich mag Romane gerne, in denen die Figuren ungewöhnliche Menschen sind.

Richtige Typen oder auch Unglücksvögel, den meist ist es interessant zu erfahren, wie sie dazu wurden und es macht Spaß, ihren skurrilen Gedanken zu folgen.
Der Protagonist Bergheim gehört aufgrund seiner Nervösität und Hypersensibilität dazu. Sein Blick auf die Umgebung nimmt er erschreckend war. Aber wenn wirklich genau hinsieht, schaut manches alltägliches bedrohlicher aus als man erwarten würde.Manches zu ausführlich für meinen Geschmack.

Bergheim trauert auch noch seiner großen Liebe Charlotte nach, obwohl die ihn schon vor vielen Jahren verlassen hat und sie trifft er jetzt wieder.
Eckhart Nickel schreibt genau und präzise, sprachlich wirklich ein Fest. Er ist offenbar einen weiten Weg gegangen seit er in seinen Anfängen der Popliteratur zugeordnet wurde. Die positiven Aspekte dieses Genres hat er behalten, sich aber literarisch weiterentwickelt. Obwohl es kein explizit spannendes Buch ist, findet man einige originelle Passagen.

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Britt und Declan

Der Klang eines Augenblicks von Kate Dakota

Kate Dakota nutzt den Schauplatz Irland gut, indem sie reizvolle Orte auswählt, die sofort die dichte Atmosphäre des Romans unterstützen.
Der irische Kleinstadtcharme, bei dem sich eigentlich alle Einwohner gut kennen und eine geschlossene Einheit bilden, überzeugt besonders.

Die Schriftstellerin Britt reist in eine Gegend in Irland, die ihre Vergangenheit betrifft.

Hier trifft sie auf den Witwer Declan. Beides sidn lebhafte, emotionale Typen. Natürlich zündet es zwischen ihnen sofort.

Die üblichen Versatzstücke des Genres werden angewendet, z.B. gerät die eigentlich selbstbewusste und selbstständige Britt öfter in Not und Declan muss sie retten. Das hätte man aber an einigen Stellen auch subtiler machen können. Warum z.B. muss Britt ausgerechent dann nackt in ihrem Hotelzimmer sein, als sie sich den Zeh bricht und Declan die Tür aufbrechen muss, um ihr zu helfen? Der Bademantel lag in der Nähe und hätte theoretisch auch angezogen werden können.
Etwas übertrieben ist auch Landens übertrieben zur Schau gestellte tiefe Trauer um seine verunglückte Frau Sandy.
Doch das führt Declan und Britt auch zusammen, da sie beide schon Verluste hinnehmen mussten. Vor 20 Jahren starb Britts Vater in dieser Gegend und der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, bietet einen spannenden Plot. Hilfreich dabei ist das alte Tagebuch von Britts Vater.mussten. Der Verdacht, dass er umgebracht wurde, keimt auf.

Die Dialoge funktionieren ausgesprochen gut, da sie viel Wortwitz enthalten und die Story bietet genug, dass es nicht nur um das eine Thema geht.

Es gibt immer wieder starke Passagen, die das Kopfkino des Lesers in Kraft setzen, z.B. wenn Declan in einem Pub auftritt und einen emotionalen Gary Moore-Song spielt.
Eine weitere Stärke sind die liebenswürdigen Nebenfiguren, z.B. der Barkeeper Calum, der so ein guter Freund ist oder Declans Eltern Becca und Shane, die auch nach langer Ehe noch ineinander verliebt sind. Dann noch Lauren, Declans jüngere Schwester, die in Calum verliebt ist.

In der Summe ist Der Klang eines Augenblicks ein mehr als gut unterhaltender Roman,der durch die sympathischen Figuren, dem Wortwitz und einer nie langweiligen Handlung viel Spaß macht.

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Nach dem Tod wird er ein Rabe sein

Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! von Carmen-Francesca Banciu

Ein sehr autobiographischer Roman, erstaunlicherweise durchgängig und konsequent in einer Versform, die aber gut lesbar ist. Ein langes Prosagedicht! Von dieser Form sollte sich kein Leser abschrecken lassen. Sie ist im Gegenteil ein entscheidender Mehrwert.

Die Autorin stammt aus Rumänien,lebt aber schon lange in Deutschland und schreibt auch auf Deutsch.

Die Protagonistin des Romans kehrt für kurze Zeit zurück, als ihr Vater nach einem Unfall zum Pflegefall wird. Er liegt im Krankenhaus und wohl bald sterben wird.
Doch die Distanz zwischen ihnen ist groß. Er war immer ein 100prozentiger Kommunist, ein hoher Parteifunktionär. Nicht umsonst ist der Untertitel des Romans Tod eines Patrioten.
Der Vater hatte 2 langjährige Geliebte, Rebecca und Daria. Aber seine Tochter, die das Land verlassen hatte, ist für ihn eine Verräterin.
An so einem Vater kann man sich abarbeiten. Das tut sie und zeigt einen langen Sterbevorgang. An manchen Stellen kann das Lesen auch qualvoll sein.

Erwähnenswert ist noch das kluge Nachwort des großen György Dalos.

Erschienen ist das Buch in dem den kleinen unabhängigen Verlag PalmArtPress. Es sei dem Buch zu wünschen, dass es beim Deutschen Buchpreis auch in die Short List kommt.

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gut durchkomponiert

Jahre später von Angelika Klüssendorf

Jahre später setzt an die Vorgängerbücher Das Mädchen und April an.
Wer diese Bücher kennt, kann sich vorstellen,was sie erwartet, aber das neue Buch hat einen etwas anderern Ton. Es fehlt die literarische Wucht ihrer ersten Bücher, dafür kommt es mir weniger nüchtern vor.
Deswegen kann man sehr froh sein, dass es diesem dritten Teil gibt.

April ist jetzt 30, lebt mit ihrem kleinen Sohn zusammen in Berlin und lernt den selbstbewussten Arzt Ludwig kennen. Anfangs geht es hauptsächlich um ihre Beziehung und wie diese auch April verändert.
Es folgt Schwangerschaft, Heirat und Umzug nach Hamburg.
Es wird eine schwierige Ehe, die Beziehung zum Scheitern verurteilt.
Wie weit man in der Figur Ludwigs den ehemaligen Ehemann von Angelika Klüssendorf, Frank Schirmmacher, erkennen möchte ist letztlich jedem seiner Lesart nach überlassen, ich plädiere dafür, Ludwig erst einmal als fiktive Figur bestehen zu lassen.

Fazit: Fällt gegenüber den kraftvolleren Vorgänger deutlich ab, ist aber doch geschickt gemacht und sehr lesenswert.

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schwebender Ton

Ein schönes Paar von Gert Loschütz

Ein schönes Paar von Gert Loschütz ist ein ruhig, eigentlich unspektakulär geschriebener Roman über die Spurensuche eines Mannes über seine Eltern bzw. über ihre Trennung. Leitmotiv dabei ist eine alte Kamera des Paares und Fotos von ihnen. Herta und Georg treffen sich vor dem Krieg in Ostdeutschland und heirateten 1942.

Später flüchteten sie nacheinander in den Westen. Sie waren ein schönes Paar, aber warum sie sich plötzlich trennten, erschloß sich dem Sohn Philipp nicht.
Ich mag Gert Loschütz Stil, nicht direkt spröde, aber mit einem schwebenden Ton. Zugang zu den Figuren findet man nicht so leicht, da nie aus der Sicht von Herta oder Georg erzählt wird, konsequent ist es die Erzählstimme des Sohnes. Das Cover deutet die Form an, indem ein Lichtstrahl über ein Paar ins dunkle dringt. Durch viele Leerstellen bleibt mir ein Teil des Romans verschlossen, doch ich habe viel übrig für eine Literaturform, die sich dem verborgenen und rätselhaften stellt. Patrick Modiano ist ein großer Autor dieser Form und Gert Loschütz folgt ihm mit vielen detailreichen und sorgfältigen Beschreibungen der Umgebung. In dieser Form mit Sprache zu arbeiten ergibt ein lesenswertes Stück Literatur.

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Hartes Buch, zu aufgesetzt

Bungalow von Helene Hegemann

Helene Hegemanns Bungalow ist ein relativ hartes Buch, das ein düsteres Weltbild zeigt.
Die Erzählerin ist eine Schülerin, im Zeitraum der Handlung ca. 14 - 17 Jahre alt. Challie lebt mit ihrer alkoholkranken, gewalttätigen und unberechenbaren Mutter im sozialen Abseits.
Manche Passagen sind ziemlich krass, umso irriterender, das einige Szenen dann wieder auch so banal und aufgesetzt wirken.

Zu dem Mädchen findet man über die bloße Oberfläche hinaus wenig Zugang.
Ihre Situation der Verwahrlosung kann einem als Leser nur leid tun. Die gewalttätigen Passagen sind tatsächlich prägend, viel Perspektive hat Charlie aber auch im alltägllichen nicht. Sie wehrt sich dagegen mit Sarkasmus, aber das bewahrt sie auch nicht vor Verzweiflung, wenn ihre Pschomutter mal wieder abstürzt.

Charlie wohnt mit ihrer Mutter in einer Wohnung, auf der anderen Straßenseite gibt es Bungalows,
da wohnen die Leute mit Geld. Die neuesten Nachbarn sind Marie und Georg, ein exzentrisches Paar, mit denen ich als Leser nicht viel anfangen kann. Sie wirken auf mich nicht real.

Das nebenbei eine ökologische Katastrophe und Krieg die Welt bedroht nimmt man nur nebenbei wahr. Eigentlich läuft das nach meiner Lesart ins Leere, das war aber auch schon bei Juli Zehs noch neuen Roman "Leere Herzen" so, weil man das Thema Apokalypse nicht mal eben so bringen kann.

Manche der gelungenen Passagen bleiben sicher länger im Gedächtnis.
Dennoch, am Ende bleibe ich mit dem Buch überwiegend ratlos zurück.

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Lesefest

Sültzrather von Josef Oberhollenzer

Der Roman Sültzrather, wenn man dieses Buch überhaupt als Roman bezeichnen kann, ist ein literarisches Lesefest.
Es ist ein Buch mit experimentellen Einschlägen, konsequent wird außer Namen alles klein geschrieben, aber dennoch eigentlich ganz gut lesbar.
Es ist ein Werk über einen fiktiven Österreichischen Dichter namens Vitus Sültzrather und dessen Leben und seine Literatur, die nach seinem Tod vom Autor untersucht und analysiert wird, soweit sie noch vorhanden ist.

Dazu gibt es z.B. häufig einen Blick in die Notizbücher und es gibt die Biographie, die der Neffe des Dichters geschrieben hat.

Im Buch nehmen Zitate und Fußzeilen einen großen Raum ein. Es gibt so viele Fußzeilen, dass diese selbst Teil des Textes werden und man sollte nicht versäumen sie tatsächlich zu lesen.
Friederike Mayröcker hat einmal ein ganzes Buch geschrieben, das nur aus Fußzeilen bestand. So weit geht Josef Oberhollenzer nicht, sein Text bleibt leicht und verspielt. Mit der Zeit bildet sich ein spezifischer Ton heraus.
Ich würde mir wünschen, dass dieses originelle Buch es auf die Short List des Deutschen Buchpreis schafft!

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Mathinna

Begehren von Richard Flanagan

Booker-Award-Preisträger Richard Flanagan geht in seinem Roman Begehren in das 19 Jahrhundert zurück und stellt es in zwei Handlungssträngen sehr intensiv und streckenweise düster-atmosphärisch dar.

Eine der Hauptfiguren ist erstaunlicherweise der englische Schriftsteller Charles Dickens, berühmt durch seine Romane David Copperfield und Oliver Twist.

Er ist in London.
In der anderen Handlungsebene sind in Tasmanien Sir John Franklin und Lady Jane, die ein Kind adoptieren. Das Waisenkind Mathinna wollen sie nach ihren Vorstellungen formen und beachten nicht ihre kulturelle Herkunft als Aborigine.
Eine schlimme Nebenerscheinung des Kolonialismus.

Weder der britische Konteradmiral und Polarforscher John Franklin noch Charles Dickens sind in diesem Buch besonders sympathsiche Figuren, im Gegenteil.
Das macht das Lesen des Buches nicht immer einfach, zumal die Handlung auch in den Zeiten oft wechselt.
Auch Mathinna war eine realistische Figur. Ihr Schicksal tut mir sehr leid, leider wird fast nie aus ihrer Sicht geschrieben. Das Lesen ist daher nicht unbedingt ein Genuß, aber die Form funktioniert und das Thema ist wichtig genug, dass darüber geschrieben wird.

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lesenswert

Land sehen von Husch Josten

Romane über Glauben und Religion in Umgebung eines Klosters sind selten. Man denkt an Umberto Eco, aber wir sind in diesem Buch in der Gegenwart.
Nach vielen Jahren trifft der Ich-Erzähler Hora seinen Onkel Georg wieder, der überraschenderweise Mönch geworden ist. Hora kennt ihn nur als weltoffenen Mensch und jetzt gehört Georg zu den Pius-Brüdern, der erzkonservativen Traditionalisten.

Hora beginnt darüber nachzudenken und versucht zu verstehen, was Georg dazu bewegt hat. Er besucht sogar für 3 Tage ein Kloster. Gerade in diesen Passagen gibt es sehr schöne Beschreibungen und Husch Jonst ruhiger Stil entfaltet sich.

Ein Großteil der Handlung nehmen Horas Überlegungen und Gedanken ein. Fast ist es überraschend, dass sich das Buch in der zweiten Hälfte doch noch in eine Familiengeschichte entwickelt und sogar zurück in die Zeit vor Georgs Geburt geht. Die dreißiger, vierziger Jahre in Deutschland beinhaltet ein Familiengeheimnis, über das nicht gesprochen wurden. Hier möchte ich aber besser nicht zu viel verraten.

„Land sehen“ ist ein lesenswerter Roman!

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