Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
fasziniert von den Manatis
Die Stimme des Meeres von Sergio Bambaren
Die Stimme des Meeres ist Sergio Bambaren neues Buch, sehr kurz, aber mehr Raum braucht der Autor nicht, um von seiner Begegnung mit Manatis, also Seekühe, in Crystal River in Florida.
Der Peruaner schwimmt dort mit ihnen und tritt in Beziehungen mit ihnen, besonders mit Swami, einem Manati-Bullen mit einem Haufen Narben auf dem Rücken und nur einem Auge.
Damit macht Bambaren auf die Gefahr der Manatis durch den Menschen aufmerksam. Viele Tiere werden durch Bootsschrauben verletzt.
Zwar beginnt der Autoren zum Ende hin etwas zu predigen an, aber die Beschreibungen der Küstenregion und den Tieren überzeugt. Es gelingt ihm, die faszinierenden Eigenschaften der Seekühe zu zeigen.
Abwechslungsreiche Collection
Zerbrechliche Dinge von Neil Gaiman
Neil Gaimans Collection von kurzen Texten, darunter Kurzgeschichten ernster und spielerischer Art und einige Poeme, stammt aus dem Jahr 2006 und ist erfreulich abwechslungsreich.
Viele Texte sind so ungewöhnlich wie beeindruckend. Es gibt amüsante wie auch beklemmende Geschichten.
Bei einigen Texten orientiert sich der Autor an klassischen Novellen der Horror- und Gothikliteratur und fügt moderne Motive bei.
Herausragend sind die Geschichten, die Erinnerungscharakter haben und meist in die Jugend der Hauptfiguren reicht.
Texte, die ich ganz besonders empfehle sind:
Kies auf der Straße der Erinnerung, Wie ich mich dabei fühle, Goliath, Der Tag an dem die Untertassen kamen, 15 gemalte Karten und Zur Sperrstunde.
Wiedersehen mit Mill River
Zerbrechliche Dinge von Neil Gaiman
Sommer der Versöhnung von Darcie Chan ist ein Roman, der wie schon „Sehnsucht nach Mill River“ in der Kleinstadt Mill River im beschaulichen Vermont angesiedelt ist. Der Ort und ein paar Nebenfiguren sind die Gemeinsamkeit dieser Reihe, von der noch ein Teil unübersetzt ist. Ansonsten ist die Handlung völlig unabhängig voneinander.
In Sommer der Versöhnung steht zentral das Zerwürfnis zweier Schwestern und die Frage, ob und wann Vergebung und Versöhnung möglich ist. Ein interessantes Thema.
Es beginnt 1983 und wechselt mit Kapiteln, die in der Gegenwart angelegt sind. Eine Erzählweise die gut funktionieren kann, häufig aber auch misslingt, doch Darcie Chan weiß diese Technik effektiv anzuwenden.
Die Figuren sind nicht schlecht angelegt, insbesondere die junge Witwe mit 2 kleinen Kindern, die in Mill River bei ihrer Tante Ivy einen Neuanfang beginnt, ist glaubwürdig. Sie will Karriere als Immobilienhändlerin machen, aber das ist auch nicht einfach. Die Kinder leiden unter dem Verlust des Vaters, das prägt sie. Ein Ereignis, dass dem Leser erst spät enthüllt wird, entzweit sie.
Die Handlung ist betont emotional, das war mir manchmal zu viel.
Amüsante Passagen wechseln mit überzeichneten Szenen ab.
Auch das überraschende Ende kommt mir konstruktiv vor.
Der Roman kommt nicht ganz auf das Niveau von „Sehnsucht nach Mill River“, aber man bereut es nicht, das Buch gelesen zu haben.
Meditation aus Wales
Wie man einen Maulwurf fängt von Marc Hamer
Maulwurf - Marc Hamer
Ich behaupte mal einfach, dass wohl die wenigsten Leute dieses Buch lesen werden, weil sie lernen wollen, wie man einen Maulwurf fängt.
Es ist hingegen interessant den Gedankengängen des Autors zu folgen, die sich wie verzweigte Maulwurfsgänge durch Natur, Vergangenheit und Gegenwart winden.
Seine Vergangenheit, etwa als er als junger Mann Landstreicher war, spielt eine Rolle. Immer wider wird in diese Zeit geblendet.
Das ist schon sehr gut gemacht.
Seine Einstellung zum Leben, zum Gärtnern und natürlich zum Maulwurffang sind von einer positiven, aber nicht weltfremden Grundstimmung geprägt.
Tatsächlich gibt es viele Fakten über Maulwürfe, die Arten und ihre Fähigkeiten.
Dann sind aber auch viele lyrische Stellen enthalten.
“Ich habe dieses Jahr bis auf die Knochen abgenagt
sein Fett für den Winter gelagert
Die Gänse sind fortgezogen
Wenn sie wiederkommen und abermals
fortfliegen, bin ich noch immer hier
Mein Gesicht faltiger
und mein Rücken gebeugter.“
Marc Hamer arbeitet auch heraus, dass Maulwürfe immer wieder in der Literatur vorkommen. Sei es Der Wind in den Weiden oder Die Chroniken von Narnia.
Das Buch bietet mehr als man erwarten sollte. Ich kann nur jedem empfehlen, es einfach zu genießen.
Ein langes, facettenreiches Essay
Woher ich kam von Joan Didion
Joan Didion ist die Ikone unter den kalifornischen Schriftstellerinnen. Ihre intelligenten Bücher erzählen viel von Amerika. Woher ich kam ist ein guter Beweis dafür. Die vermeintliche Ahnenchronik entpuppt sich bald als komplexes Buch über die Geschichte, die Gesellschaft und Kultur Kaliforniens.
Didion bezieht unterschiedliche
Aspekte in ihrem Kalifornienportrait ein, zum Beispiel auch die Literatur anhand konkreten Beispielen: Jack London und William Faulkner. Erstaunlicherweise analysiert sie sogar ein eigenes Buch „Menschen am Fluß“ ausführlich.
Nicht alle Details sind ohne Vorkenntnisse über die kalifornische Geschichte einfach zu verstehen, aber immer hin beeindrucken Didions messerscharfe Analyse durchgehend. Auch im Abschnitt über den Maler Thomas Kinkaid, der sich selbst als Maler des Lichts verkaufte, sind ihre Erkenntnisse enthüllend.
Im letzten Abschnitt schreibt sie auch noch bewegend über ihre Familie, über ihre Mutter und Vater sowie über ihre Adoptivtochter.
Joan Didion zu lesen, lohnt sich!
Bemerkenswerter Debütroman mit außergewöhnlicher Struktur und wichtigen Themen
Woher ich kam von Joan Didion
Was verloren geht ist der Debütroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Zinzi Clemmons, die Südafrikanische Wurzeln hat.
Ihre eigenen biografischen Eckdaten dienen als Vorbild für die Protagonistin Thandi im Roman.
Thandi wächst in Pennsylvania auf, ihre Mutter stammt aus Südafrika, der Vater ist Afroamerikaner.
Deswegen verbringt Thandi auch einige Sommer dort. Streckenweise steht sie wegen den ethnischen und kulturellen Unterschieden zwischen den Stühlen und zweifelt an ihrer Zugehörigkeit.
Der frühe Krebstod der Mutter lässt sie orientierungslos zurück. Sie ist noch auf der Suche nach sich selbst, Es folgt Schwangerschaft und überstürzte Heirat.
Man kann von einem Entwicklungsroman sprechen.
Zinzi Clemmons wählt für ihre Schreibweise teilweise eine unorthodoxe Struktur, die dazu führt, dass es Seiten gibt, auf denen nur einige Fragmente stehen. Dadurch erfährt man die Sprache als atmend und ausdrucksvoll.
Was verloren geht, ist wegen der sprachlichen Form und den Themen bemerkenswert.
entspanntes lesen
Weil es Liebe ist von Christina Lauren
Weil es Liebe ist: Der Liebesroman beginnt Furios mit Tempo und Witz, doch der Plot an sich in konventionell gehalten. Das Zielpublikum wird sich wahrscheinlich nicht daran stören.
Angesiedelt in New York ist der Schauplatz reizvoll und wird auch beschrieben, später spielt er im Detail keine so große Rolle mehr.
Die junge Holland hat sich in einen talentierten Straßenmusiker verliebt. Schließlich lernt sie ihn kennen. Er heißt Calvin und ist Ire und außerdem illegal im Land. Die Lösung: Holland heiratet ihn, damit er im Land bleiben und im Orchester ihres Onkels spielen kann. Das heutzutage noch so unbeschwert mit dem Thema illegale Einwanderung umgegangen wird wie früher mal in dem Film Green Card von 1990 wundert mich, aber vielleicht darf man das in diesem Kontext nicht so ernst nehmen. Dennoch ist der Plot irgendwie an den Haaren herbeigezogen.
Die Handlung nimmt ohne große Überraschungen ihren erwartungsgemäßen Verlauf.
Holland ist sympathisch und sie hat einen Hang zur Selbstironie. Calvin hingegen gewinnt als Figur kaum an Profil. Eine Schwäche des Romans. Vielleicht wird das in der geplanten Verfilmung durch einen guten Schauspieler gelöst.
Die Nebenfiguren sind auch eher schwach charakterisiert. Schade, gute Nebenfiguren können den Hauptfiguren oft Impulse geben und eine Handlung bereichern. Aber Hollands Onkels oder ihre Freundin Lulu sind nur Stereotypen.
Es bleiben gute Dialoge mit Wortwitz und ein entspanntes Lesen.
Warnsignal gegen das Erstarken der neuen Rechten
Weil es Liebe ist von Christina Lauren
Ich hätte mir einen weniger provokanten Titel für dieses nicht unintelligente Buch gewünscht, doch im heutigen Klima zieht ein politisches Sachbuch mit einem sachlichen Titel vermutlich wirklich nicht mehr.
Nur 126 Seiten hat dieses Buch, aber da steckt einiges drin.
In der Bevölkerung Sachsens ist Vertrauen in die Politik verlorengegangen.
Richter führt teilweise sehr gut aus, wie es dazu kommen konnte. Auch, wie Erbitterung entstand und sich in fatalen, fehlgeleiteten Protest wandelte. Gründe liegen sicher auch in der politischen Bildung, die vernachlässigt wurde gegenüber Ansprüchen PISA etc.
Frank Richter beschreibt präzise und faktenreich die politischen Vorgänge in Sachsen und den Einfluß der neuen Rechten insbesondere im Osten Deutschlands.
Man muss sich überlegen, wie man damit umgeht. Ergebnisse künftiger Wahlen sind zur Zeit schwer einzuschätzen, zu befürchten sind aber hohe Erfolge der AfD. Die Hoffnung, ihre politische Unfähigkeit würde den Erfolg langsam aber sicher eindämmen, schwindet.
Zu hoffen bleibt, dass demokratisch gesinnte Bürger zur Wahl gehen werden.
Vielleicht kann dieses kompakte Buch etwas dahingehend bewirken.
Eine Zeit in New Bremen
Weil es Liebe ist von Christina Lauren
Erzählt wird rückblickend. Erzähler ist Frank Drum, der von der Zeit in New Bremen, Minnesota 1961 berichtet. Damals war er 13 Jahre alt und verbrachte seine Zeit mit seinem jüngeren Bruder Jake. Gemeinsam finden sie einen Toten und es gibt weitere Vorfälle.
Eindringlich spürt man die Emotionen der Figuren, zum Beispiel als die Familie einen großen Verlust hinnehmen muss.
Franks Schwester Ariel ist verschwunden und wird später tot aufgefunden, vermutlich ermordet.
Der Roman ist aber kein Krimi im konventionellen Sinne sondern ein Entwicklungs- und Familienroman.
Die Figurenentwicklung ist stark, insbesondere wie die Figuren zueinander stehen. Man spürt auch die Stimmung der Zeit.
Das ist gut gemacht und der Ton ist auch in der Übersetzung (von Tanja Handels) erhalten geblieben.
An der Casa de Campo
Weil es Liebe ist von Christina Lauren
Paul Ingendaay ist ein interessanter Autor. Ich mochte insbesondere seinen Roman Die romantischen Jahre aus dem Jahr 2011. Lange dauerte es, bis jetzt ein neuer Roman gekommen ist.
Natürlich ist Königspark kein schlechtes Buch, aber irgendwie hat es bei mir nicht richtig gezündet. Die Szenerie an der Casa de Campo wirkt gestellt, die Hauptfigur Nuria unausgegoren.
Ihre Motivation scheint nicht ganz schlüssig.
Einige geschilderte Passagen sind gut gemacht, Paul Ingendaay kann schreiben, aber empfehlen kann ich Königspark nicht wirklich. Leider nur 3 Sterne!






