Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Feine Ironie
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Frank Kunerts Schwerpunkt liegt auf Studioarbeiten. Die menschenleeren Szenerien in seinen Fotos haben etwas skurriles und verschmitztes. Sein Blick ist ein anderer als der übliche. Dafür habe ich viel übrig und spüre eine latente Geistesverwandtschaft.
Das einleitende Essay Zwischen Lifestyle, Groteske und Metaphysik von Jörg Restorff führt gut in das Buch hinein.
Nicht immer versteht man Titel der Fotos und Inhalt sofort, aber dann versteht man die Ironie, es macht Klick und so macht das Betrachten Spaß.
Man bekommt Lust, weitere Bildbände von Frank Kunert zu sehen.
Politik im Wechsel
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Moderat nostalgisch berichtet der Journalist Günter Bannas von den politischen Jahren des Wechsels von Bonnnach Berlin. Bannas ist ein erfahrener, bedächtiger Journalist. Was er schreibt ist gut durchdacht, nicht immer so dramatisch wie die politischen Sachbücher der neueren Genration, aber das gefällt mir ganz gut.
Dadurch das er einen großen Zeitraum betrachtet, deckt er viel vom politischen Leben in Deutschland ab. Bannas kennt sich aus, seine Schlussfolgerungen sind fundiert.
Manchmal ist es überraschend, wie rasch es zwischen den Jahrzehnten hin und her geht. Eben noch wurde das Verhältnis Helmut Schmidt / Willy Brandt betrachtet, sind wir dann ganz aktuell bei Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer,
Ab und zu sind auch Fotos zwischengeschaltet, immer in schwarzweiß. Das ist nicht schlecht gemacht.
Maßstabsetzend die Vergleiche Merkel und Schröder.
Anekdoten gibt es auch, z.B. über Kanzler und Fußball.
Ein interessantes Buch!
Der Wert der Erinnerungen
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Sayed Kashua ist ein in Israel geborener Schriftsteller arabischer Herkunft, der 2014 in die USA emigrierte. Er hat mehrere Romane geschrieben, darunter das bekannte Tanzende Araber. Sein neuer Roman Lügenleben hat einige autobiografische Wurzeln.
Der Icherzähler Said ist ein ebenfalls ein israelischer Araber, der aus Tira in der Nähe von Jerusalem stammt.
Er berichtet seine Geschichte, die ihn ins Exil nach Amerika führte.
Als junger Mann gab es einen entscheidenden Vorfall, der das Leben mehrerer Menschen veränderte und das ihn mit Schuld ausfüllt, die ihn jahrelange begleitet.
Das Buch nimmt seine Spannung daraus, das man erst allmählich erfährt, was damals geschehen ist, was den Protagonisten zum Exil zwang. Das bedeutete den Verlust der Heimat und eigentlich auch der Existenz.
Said ist Journalist und Schriftsteller, eigentlich Ghostwriter, doch in den USA bekommt er keine Aufträge. Nach 13 Jahren kehrt er kurzzeitig zurück nach Israel, weil sein Vater schwer erkrankt ist. Das ist der Ausgangspunkt der Geschichte, die in Form eines Berichts dient, indem er seine Erinnerungen zurückfließen lässt. Verlust, Trauer und Melancholie bestimmen den Erzählton.
Die Beziehungsprobleme der Figuren lassen sich nicht einfach lösen, sie sind erstarrt und oft sprachlos. Said und seine introvertierte Frau können nicht über die Vergangenheit sprechen, obwohl sie immer gegenwärtig ist und als innerer Konflikt ungelöst bleibt.
In diesem Buch erfährt man viel vom Leben palästinischer Familien in Israel. Die literarische Qualität ist stark.
Der aus dem Hebräischen übersetzte Roman war die letzte Übersetzungsarbeit von der großartigen Mirjam Pressler.
Ohne Wahrheit ist die Demokratie verstümmelt
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Der politische und Gesellschaftliche Zustand der westlichen Welt ist in einem Zustand, den man noch vor 10 Jahren nicht erwartet hätte. Lügen und Fake-News dominieren und werden allgemein von einer Mehrheit akzeptiert.
Aufschlussreich der Untertitel dieses Buches: Notes on Falsehood in the Age of Trump
Bemerkenswert, dass die Pulitzerpreisträgerin und ehemals gefürchtete New-York-Times-Literaturkritikerin Michiko Kakutani inzwischen politische Texte schreibt.
Sie scheut auch keine Polemik. Es wundert auch nicht, dass es immer wieder auch literarische Verweise und treffsichere Zitate im Text gibt. Man kann sogar sagen, dass Literatur die Wurzeln für Michiko Kakutanis Denken in diesem Buch gab. Es gibt sogar einmal einen ausführlichen Ausflug in die Philosophie, z.B. Hanna Arendt, dem Dekonstruktivismus von Derrida und dem Vorfall um Paul de Man. Den kritischen Ansatz, den Folgen des Dekonstruktivismus mitverantwortlich zu machen, folge ich aber nicht.
Viele andere Zusammenhänge stellt die Autorin aber souverän zusammen. Immer wieder wird sich auf Georg Orwell bezogen, auf Huxley, Philip Roth, Stefan Zweig, Klemperer, Thomas Pynchon, David Foster Wallace und viele andere.
Es ist ein sehr amerikanisches Buch, in dem Donald Trumps Methode des Lügens in den Vordergrund gestellt und analysiert wird.
Ein Fazit sehe ich in dem Satz:
„Einfache Gegenmittel gibt es nicht, entscheidend ist aber, dass die Bürger sich gegen den Zynismus und die Resignation wehren, auf die Autokraten und machthungrige Politiker angewiesen sind, um den Widerstand zu untergraben.“
Ein lesenswertes Buch!
Einleuchtend und informativ
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Der Untertitel des Buch benennt das Thema genau. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch
Es Journalistisches Werk mit juristischen Hintergrund. Und es ist sehr gut gemacht, es zeigt Zusammenhänge auf, auch welche, die nicht so offensichtlich sind.
Es bleibt dann ein Bedauern, dass das Aufkommen der Afd, der Vordenker der neuen Rechten und ähnlich demokratiefeindliche Leute, in dem Maße wie es heute ist, hätte vermieden werden können, wenn die Bundesregierung kommunikativ besser gearbeitet hätte.
Der These vom Rechtsbruch der Regierung in der Flüchtlingsfrage hätten sie von Anfang an deutlich widersprechen müssen. Statt dessen gab es eine widersprüchliche Kommunikationspolitik.
Beeindruckend, wie die Autoren ihr Thema gleich von Anfang an stark verdichten. Daraus entsteht sogar Spannung.
Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Ein einleuchtendes und informatives Buch!
Moderner Klassiker mit sprachlicher Brillanz
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Dieser Roman von 1953 beeindruckt durch seine stilistische Brillanz und die geschickt gewählte Struktur,
In einer Klammer, bestehend aus Prolog und Epilog erzählt der Icherzähler Leo Conte von einem Sommer 1900, den er bei einem Schulfreund auf einem vornehmen Anwesen verbrachte, Brandham Hall.
Er war damals 12 Jahre alt.
Ausgehend von einem wiedergefundenen Tagebuch aus dieser Zeit erinnert er sich 50 Jahre später an diesen Sommer, der für ihn so prägend war. Er bewunderte die vornehme Familie, vor allen die schöne Marian, für die er ein Vertrauter wird. Er spielt den "Postboten" für sie und bringt Zettelchen von oder zu ihren Verehrern. Doch irgendwann eskaliert die Situation, aber hier möchte ich nicht zu viel verraten.
Viel spielt sich im Inneren des Jungen ab, ab und zu reflektiert von dem Erwachsenen Leo, der schließlich nach so langer Zeit noch einmal nach Brandham Hall zurückkehrt.
Es ist ein sehr britisches Buch, das unter dem Originaltitel The Go-between ein großer Erfolg wurde und zum Beispiel Ian McEwan zu seinem Roman Abbitte (OT: Atonement) inspirierte, das ganz ähnlich angelegt ist.
Zweiter Teil der Hotel California-Reihe
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Emily ist der zweite Teil der sympathischen Hotel California-Reihe von Violet Thomas. Bücher, die ein Hotel als Handlungsschauplatz haben, sind interessant, da es sich oft um eine kleine, abgeschlossene Welt für sich handelt. Besonders, wenn sich die Handlung auf das Personal konzentriert.
Es gibt ein Wiedersehen mit den Protagonisten des ersten Teil, z.
B. mit Abigal, die kurz vor der Hochzeit steht. Viel Raum wird Abigal als Figur aber nicht mehr gegeben. Figuren, die ihr Happy End schon hatten, bieten leider in den meisten Fällen nicht mehr viel und flachen ab.
Um die Hochzeitsvorbereitungen geht es dann auch konkret. Die soll Emily übernehmen, die schon viele Aufgaben im Hotel hat und zudem als alleinerziehende Mutter mit ihrer sechsjährigen Tochter im Hotel wohnt. Emily übernimmt das nur widerwillig, denn sie verspürt eine Überforderung, zumal die Vorbereitungszeit von einem Monat auch sehr knapp ist.
Während die beiläufige, schwache Liebesgeschichte nicht überzeugt, kann der Teil um Emilys Überforderungszustand interessieren. Ich halte das für realistisch erzählt.
Zu den Stärken des kurzen Buches gehören die Beschreibungen des Alltagslebens im Hotel. Einmal gibt es auch eine dramatische Szene, als ein Brand im Hotel ausbricht und Emily sich entschlossen um ihre Tochter und eine ältere Hotelbewohnerin kümmert.
Emily ist eine starke Hauptfigur, wie es Abigal im ersten Teil der Reihe auch war.
Ein Buch von Belang
Frank Kunert. Lifestyle von Jörg Restorff
Die britische Lyrikerin, Modell und Schauspielerin Yrsa Daley-Ward hat jamaikanische und nigerianische Wurzeln, wuchs aber in England auf.
Dieses bei Blumenbar erschienene Buch ist ein exzellentes poetisch-literarisches Memoir. Also autobiographisch, aber literarisch verarbeitet.
Das sie als Lyrikerin begann merkt man diesem Buch an.
Es ist rhythmisch und wechselhaft gestaltet, sehr schön gemacht. Sprachlich ein Genuß.
Yrsa erzählt davon, wie sie mit ihrem jüngeren Bruder zumeist bei den Großeltern aufgewachsen ist. Es gibt auch noch einen älteren Bruder.
Ihre Mutter Marcia war immer unstet, sie hat 3 Kinder von 3 verschiedenen Männern und lebt in wechselnden Beziehungen.
Yrsa hat es nicht leicht, sie ist schwarz und anders. Die Großeltern sind strenggläubig, also ist fast alles Sünde. Yrsa leidet unter der chaotischen Situation und neigt schon als Kind zu Depressionen.
Als Erwachsene ist sie wie eine getriebene. Yrsa Daley-Ward erzählt mit imponierender Ehrlichkeit. Gerade deswegen werden die Emotionen erlebbar und nachvollziehbar.
romantische Liebeskomödie
My Dearest Enemy von R.S. Grey
Daisy und Lucas sind junge Ärzte, die mehr unfreiwillig in einer Praxis zusammenarbeiten. Es ist eine Praxis in ihrer Heimatstadt in Texas.
Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, so lange geht auch schon ihre latente Feindschaft.
Es gibt viele Kabbeleien, mitunter ist das amüsant zu lesen, teilweise wirkt es auch übertrieben.
Daisy führt sich ziemlich unreif auf. Oft ist sie ein Tollpatsch. Schlecht gemacht ist das von der Autorin nicht und das Setting ist originell.
Wenn der Verlag bei R.S.Greys Romanen von romantischen Liebeskomödien spricht, ist das sicher zutreffend. Einige Passagen könnten glatt aus einem Screwball-Movie mit Gary Grant und Katherine Hepburn stammen. Diesen Vergleich kann der Roman jedoch nicht die ganze Zeit standhalten. In der zweiten Hälfte gibt es nur noch wenige Überraschungen.
Das Recht auf Rückkehr
Wo die Geschichte endet von Piperno Alessandro
Überraschenderweise ist der Roman unspektakulärer als erwartet. Sehr viel passiert nicht. Im weitesten Sinne kann man von einem Familienroman sprechen, auch wenn nicht alle zusammenleben. Die Figuren bleiben blass, die Hauptfigur Matteo wirkt unsympathisch und kalt.
Matteo hatte einst Italien und seine Familie verlassen, weil es zu viele Probleme gab und ging in die USA.
Jetzt kehrt er nach 16 Jahren zurück und hofft auf ein neues, besseres Verhältnis zu seinen Kindern.
Stärken hat der römische Autor Alessandro Piperno bei den Detailbeschreibungen und der psychologischen Note. Er kann schreiben, hat Stil (wenn auch etwas zu glatt) und seine Geschichte im Griff. Nur leider schaffte er es nicht, echtes Interesse dafür zu wecken. Daran ändert auch das überraschende Finale nichts mehr.




