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Rezensionen von yellowdog:
Gemeinsame Zeit auf den Azoren
Von Wolfgang Melzer hat mir schon sein Roman Mosaar ganz gut gefallen und auch in seinem neuen Roman „Irgendwann auf den Azoren“ geht es um die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Florian und Astrid haben sich seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Sie hatten damals eine kurzfristige, leidenschaftliche Liebesbeziehung und versprachen sich, sich auf den Azoren wiederzutreffen und tatsächlich machen sie es wahr.
Das hängt natürlich auch mit einem Moment im Leben zusammen, indem noch einmal eine Wende angestrebt wird.
Die Azoren als Schauplatz ist reizvoll. Das Archipel und seine Naturschönheiten werden gut vermittelt. Die Küste, Wale, die Pflanzenwelt, ein Vulkankomplex, Begre, Wälder, Wasserfälle.
Die Hauptfiguren gefallen mir ganz gut. Es sind ruhige, reflektierende Charaktere. Bei unsicheren Figuren wäre diese Geschichte wohl gescheitert.
Sie genießen ihre gemeinsame Zeit, aber es stellt sich auch die Frage, wieviel Zeit ihnen bleibt.
Zum Schutz der Wildtiere in Namibia
Der Kurzroman hat ein interessantes Thema: die Bedrohung der Tierwelt in Afrika, insbesondere Nashörner oder Elefanten, deren Hörner und Stoßzähne begehrt sind.
Schon das Cover lockt den Leser an. Mich besonders, denn auch ich bin mit Filmen wie Serengeti darf nicht sterben oder Born Free aufgewachsen.
Der Roman schildert das Thema aus deutscher Perspektive. Die Stimmen der afrikanischen Bevölkerung kommen nicht zu Wort, weder der der Wilderer als von den Tierschützern.
Hauptfigur ist der Tierarzt Rainer, der nach Afrika kommt und mit Laura eine Beziehung eingeht. Die Liebesgeschichte nimmt einigen Raum in der Handlung ein und ist auch glaubhaft. Sie teilen den Traum in Afrika zu leben und Tieren zu helfen. Leider ist die Ausführung nicht so überzeugend, da zu knapp. Es gibt auch kaum Dialoge.
Besser gefallen mir daher die Passagen, in denen es direkt um die Tiere in Namibia geht. Wilderei ist immer noch ein großes Problem, obwohl der Staat versucht, etwas dagegen zu tun. Die Gesamtsituation wird glaubhaft geschildert.
Der harte Kampf um Anerkennung
Die Dirigentin von Maria Peters
Ein interessantes Buch. Die Filmemacherin Maria Peters hat den Stoff schon verfilmt. Jetzt liegt auch das Buch über einen Abschnitt des Lebens der Dirigentin Antonia Brico vor.
Antonia Brico gab es wirklich Sie wurde 1902 in Holland geboren, gelangte jedoch schon als Kind in die USA. Ihr Traum war es, Dirigentin zu werden und tatsächlich leitete sie einige Orchester.
Zunächst ein rein weiblich besetztes Orchester, später gemischt.
Der Roman ist nicht ohne Pathos, aber mich überzeugen die Anfangsszenen, in denen Antonias schwierige Kindheit mit einer lieblosen, exzentrischen Mutter gezeigt werden und ihre ersten Jahre im Kampf um eine mögliche Karriere als Dirigentin. Die ersten 100 Seiten sind wirklich brillant.
Die späteren Passagen sind von der Handlung her konventioneller. Man hätte auch noch ein paar andere Aspekte aus dem Leben dieser Frau erzählen können. Über manches wird einfach so hinweggegangen. Die Liebesbeziehung hingegen wird zu sehr betont.
Die Erzählperspektiven wechseln mit den Kapiteln, das funktioniert ganz gut. Das gilt auch für die gut gemachten Dialoge.
Antonias Persönlichkeit ist in gewisser Weise von ihrer harten Jugend geprägt. Harte Arbeit und Entschlossenheit machen sie aus und deswegen wird sie ihren Weg gehen.Sie ist eine starke Figur, die den Roman trägt.
Belfast, 1992
Alter Hund, neue Tricks - Thriller (Sean-Duffy-Serie 8) von Adrian McKinty
Die Stärken des Romans sind der selbstbewusste, aber auch sehr ironische Icherzähler und die Platzierung der Handlung in eine brisante Zeit in Nordirland. Es ist 1992.
Obwohl Inspector Sean Duffy eigentlich seine Zeit mit Frau und seiner kleinen Tochter in Schottland genießen möchte, übernimmt er doch die Bearbeitung eines Mordfalles in Belfast.
Ich genieße die amüsanten Dialoge. Duffy ist schon eine Marke.
Gleichzeitig wird der Zustand der latent eskalierenden Gewalt in Nordirland auf erschreckende Weise deutlich. Auch 1992 war der Nordirlandkonflikt noch am kochen. Morde und Bombenanschläge sorgten kontinuierlich für Anspannung.
Für mich war es der erste Adrian McKinty-Roman. Der Kriminalfall an sich hat mich nicht fasziniert. Die einzelnen Passagen mit einigen Überraschungsmomenten aber schon. Ein guter Roman mit starker Hauptfigur!
Magischer Körpertausch
Lia Sturmgold Die Macht der Kristalle von Ley Aniela
Zwischen der 11jährigen Larissa, genannt Lia und der Elfin Asalia Laliala Pergusta von Silberhaar kommt es zum Körpertausch. Der Dopplungszauber ist leicht schiefgegangen. Doch die beiden verstehen sich eigentlich ganz gut, obwohl sie ganz verschieden Charaktere haben. Mit Asalias Bruder Dorient hingegen ist Lia schnell vertraut.
Dia Dialoge sind wie die Ausgangssituation amüsant und es gibt jede Menge gute Ideen.
Lia ist sympathisch. Sie muss sich aber erst in de Rolle einer Elfenprinzessin hineinfinden.
Obwohl, einige Fähigkeiten hat sie sofort: Aurelisch sprechen, Blitzmagie. Fliegen geht aber nicht.
Doch sie lernt schnell dazu und setzt sich für ihre neuen Freunde ein.
Stilistisch ist der Roman angenehm locker und lebhaft gehalten.
Kluge Gedanken
Lia Sturmgold Die Macht der Kristalle von Ley Aniela
Stillstandsturm ist ein Brief bzw. Mailwechsel zwischen der Literaturkritikerin und Schriftstellerin Ursula März und dem Journalistin Stephan Lebert, und dazu Zeiten des Lockdowns. Daher ist Corona natürlich Dauerthema, wie bei wohl jedem. Aber politische und/oder gesellschaftliche Zusammenhänge können die beiden ziehen.
Ursula März emotionale Mails lese ich lieber als die von Stephan Lebert, der leider einen langweiligen Grundton hat. Zum Ausgleich gelingt es ihm gut, die Themen direkt und treffend anzusprechen
Nicht alles interessierte mich, aber es gab doch viele originelle Abschnitte mit klugen Gedanken.
Am Nationalfeiertag
Während wir feiern von Ulrike Ulrich
Der Roman zeigt an einem Tag, dem Schweizer Nationalfeiertag, ein paar Freunde und ihre Beziehungen zueinander, in einer Situation, in der Entscheidungen gefordert sind.
Die Autorin Ulrike Ulrich schafft es, die Emotionen ihrer Figuren darzustellen, in dem sie die Perspektive von Alexa, Kamal, Zoltan, Evelyne u.
a. wechseln lässt.
Die Anlehnung an Virginia Woolfs berühmten Buch Mrs. Dalloway ist schon im Klappentext erwähnt und letztlich sicher zutreffend, wenn auch die Handlung auf die aktuelle Zeit bezogen ist.
Ulrike Ulrich ist eine Schriftstellerin, die zwar in Deutschland geboren ist, die jedoch schon seit Jahren in Zürich lebt und daher nahezu als eine schweizerische Autorin gilt.
Mit „Während wir feiern“ ist ihr ein literarisch ansprechender Gesellschaftsroman gelungen.
Paradiesvogel in Amsterdam
Tote spielen kein Klavier von Kees van Kikkerland
Ein Roman, der in Amsterdam spielt. Das hat mich angelockt, denn die Stadt hat Atmosphäre.
Kee van Kikkerland ist ein deutscher Autor, der angeblich schon länger in Amsterdam lebt.
Seien Romanfigur ist der Privatdetektiv Willi Hübner, der auf einem Hausboot in Amsterdam lebt und der beste Schnüffler der Stadt ist.
Diese Hauptfigur muss man als Leser erst einmal akzeptieren, sonst braucht man nicht weiterlesen. Das ist nicht einfach, aber unterhaltsame Züge hat Hübner schon. Zum Beispiel, dass seine sibirische Hauskatze Herr von Bödefeld heißt und dass er selbst im Trenchcoat auf einem Damenrad durch die Amsterdamer Straßen fährt. Er ist ein Paradiesvogel. Kaum zu glauben für einen Privatdetektiv, der doch eigentlich eher unauffällig bleiben müsste.
Eher unwillig übernimmt Hübner einen Fall einer Frau, die ihre vermisste Tochter sucht. Ich wundere mich, wie Hübner als Privatdetektiv leben kann. Er ist in seiner idealistischen Art wohl kaum ein realistischer Typ dieses Faches in unseren Zeiten. Vielmehr erinnert er an einen Philip Marlowe, nur weniger tough.
Etwas problematisch ist dann auch die Geschichte Hübners mit seinem 18jährigen Sohn, der ihn unerwartet besucht und mit dem er kaum Kontakt hatte. Tommy versucht ihn besser kennenzulernen. Ihre Gespräche sind eigentlich gut geschrieben, aber doch alles viel zu verständnisvoll, als das man das als Leser wirklich schlucken kann.
Was aber gut funktioniert ist die Stimmung des Romans.
Fazit: Der Roman war gute Unterhaltung, aber die Handlung sollte man nicht zu sehr hinterfragen. Insgesamt war alles etwas zu simpel.
Spannend, aber nicht unbedingt viel neues
Der Fahrer von Andreas Winkelmann
Der Fahrer von Andreas Winkelmann ist Teil 3 der Kerner & Oswald-Reihe.
Den Kriminalfall rund um den MyDriver finde ich nicht so originell, eigentlich ist das immer das selbe. Entführung und Mord an jungen Frauen und ein Serienkiller, der sein Spiel mit der Polizei treibt. Er verbreitet den Hashtag Finde mich!
Die Darstellung des Psychopathen sehe ich als klischeehaft und ich hatte dann nicht einmal Lust, zu rätseln wer der Mörder ist.
Die Hauptfiguren mag ich, besonders den unkonventionellen Jens Kerner, aber auch Rebecca Oswald, die im Rollstuhl sitzt und dennoch gut ermittelt.
Die beiden waren schon in den Vorgängerromanen „Das Haus der Mädchen“ und „Die Lieferung“. Sie sind ein interessantes Team und mehr als nur Partner.
Dann gibt es mit Freddy, Privatschnüffler und Schlitzohr, noch einen guten Freund.
Unterstützung bietet auch die Polizistin Carina Reinicke.
Mit solchen Figuren macht das Lesen wirklich Spaß.
Allerdings wird es spätesten in der zweiten Hälfte ziemlich gruselig. Harte Thrillerelemente werden eingesetzt. Einige der Mitwirkenden, insbesondere Carina, müssen ziemlich viel durchmachen. Jens und Becker müssen sich sehr einsetzen, um sie zu retten. Erstaunliches Ende!
Mein Fazit: Spannend, aber nicht unbedingt viel neues!
New York, 1940 und mehr
City of Girls von Elizabeth Gilbert
City of Girls ist ein hochemotionaler Roman. Das Buch ist ganz anders als Elizabeth Gilberts Erfolgsroman Eat Love Pray.
Auffällig die Erzählperspektive. Die Protagonistin Vivian erzählt als 90jähre rückblickend ihr Leben, wie sie 1940 als 19jährige nach New York in die Theaterszene kommt. Sie wirkt als Kostümbildnerin.
Das Leben in dieser Umgebung führt für sie zu einer Befreiung vom Provinzleben und das äußert sich auch an der Teilnahme am wilden Partyleben und vielen Abenteuer.
Was mich irgendwann befremdete war, dass die Geschichte an eine Angela richtet. Aber warum erzählt Vivian ausgerechnet einer Fremden ihr ganzes Leben? Das wird sich erst sehr spät im Buch herausstellen. Die Erzählperspektive, die anfangs so gut funktionierte, leidet teilweise daran, dass es so lange dauerte. Daher war ich froh, das es am Ende doch rund wurde.
Es gibt einen guten Handlungsablauf mit immer wieder packenden Passagen und guten Szenen, bei der die vielen guten Nebenfiguren beitragen. City of Girls ist ein sehr unterhaltsamer Roman.








