Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Wellness auf Sylt
Sylt oder Sahne von Claudia Thesenfitz
Von Claudia Thesenfitz hatte mir ihr Roman Mit James auf Sylt gut gefallen, daher wollte ich noch ein Buch von ihr lesen, obwohl das eigentlich nicht mein Genre ist.
Sylt oder Sahne konzentriert sich überwiegend auf das Thema Übergewicht. Hinzu kommen ein paar der üblichen Zutaten des Genres.
Nele beschließt in ein Wellness-Hotel auf Sylt zu gehen, um abzunehmen.
Da muss sie sich erst einfinden und auch mit ihren Zimmergenossinnen Sabine und Ariane zusammenraufen. Und das Abnehmen wird sehr hart, aber Sylt kann sie voll und ganz genießen.
Der Roman überzeugt nur bedingt, da er fast belanglos ist und es zu viele platte Stellen gibt. Auch das Ende behagte mir nicht. Aber ein paar amüsante Passagen gibt es immerhin und natürlich auch ansprechende Syltbeschreibungen, so das ich doch am Ende einigermaßen zufrieden war.
Wie Blütenblätter des Lebens
Wie uns die Liebe fand von Stihlé Claire
Ein schönes Portrait über das Leben in einem elsässische Dorf. Das Dorf Bois des-Val ist zwar fiktiv, basiert aber auf einem realen Ort.
Bestimmend wirkt die forsche und liebenswerte Erzählstimme von der 92jährigen Madame Nanon. Ihre Erinnerungen gehen zurück in ihre Kindheit im Krieg als die Deutschen in den Elsass einmarschierten.
Ein einschneidendes Erlebnis war der Tod ihres Vaters. Sie wird erwachsen und bekommt vier Töchter.
Es gibt einiges an Wortwitz und der Roman ist sehr warmherzig.
Er hat mir streckenweise gut gefallen. Es gibt aber auch Momente, die mich gelangweilt haben, da das Erzählte zu belanglos scheint.
Am Ende des Buches gibt es einige typische Rezepte aus dem Elsass.
Ein freier Hund in Venedig
Der freie Hund von Wolfgang Schorlau; Claudio Caiolo
Der freie Hund ist ein Krimi von Wolfgang Schorlau mit Co-Autor Claudio Caiolo, der eigentlich Schauspieler ist, aber sicher einiges an Lokalkolorit und italienische Zutaten beigesteuert hat, denn die Handlung ist in Venedig angesiedelt. Ob das alles wirklich Venedig wirklichkeitsgetreu abbildet, bezweifle ich dennoch.
Venedigfans werden dennoch zufrieden sein.
Die Hauptfigur Antonio Morello, Kommissar aus Sizilien, wird nach Venedig versetzt, da er auf der Todesliste der Mafia stand.
Er ist eine richtige Type und das funktioniert dann entsprechend gut im Zusammenhang.
Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo vermögen actionreich zu schreiben und die rasanten Szene dennoch realistisch wirken zu lassen. Das gefällt mir ganz gut.
Schade aber dass es letztlich doch mehr Dialoge gibt, immerhin geht es flott voran.
Durch das Erzähltempo hebt sich das Buch von den behäbigen Brunetti-Krimis von Donna Leon ab, an die man aber natürlich dennoch denken muss.
Natürlich ist der Roman nichts, was im Genre einen neuen Maßstab setzt, aber Der freie Hund ist ein routiniert geschriebener Krimi, den ich für lesenswert halte.
Das geerbte Haus auf Sylt
Ein Sommer auf Sylt von Lena Wolf
Sylt-Unterhaltungsromane gibt es viele. Ein Sommer auf Sylt reiht sich ein, hat aber auch einige besondere Momente, die das Buch auszeichnen.
Es ist ein vordergründig leichter Text, doch der Tod des Vaters ist noch nah an der Erzählerin Julia und ihrer Mutter. Ein Haus auf Sylt haben sie geerbt und dahin reisen sie zusammen mit 2 Tanten.
Es kommt zu einer Begegnung mit einem Mann und recht bissigen Wortgefechten.
Diese Dialoge sind munter geschrieben, obwohl wirklich nicht neues. Die Beschreibungen der Umgebung gefallen mir auch.
Schließlich merken sie, dass im Haus jemand wohnt. Das ergibt einige Verwicklungen und hat mit dem verstorbenen Vater zu tun. Ich möchte noch nicht zu viel verraten.
Einige Passagen zeigen, dass die Familiengeschichte eine mit Spannungen ist.
Mit der kleinen Liebesgeschichte hatte ich so meine Probleme.
Julia kabbelt sich viel mit dem Hotelbesitzer Mats Christensen. Dieser Typ ist anfangs so herablassend und unhöflich, das ich mich wundere, das Julia ihn schließlich doch toll findet.
Aber ihr fester Freund Jo ist eigentlich noch schlimmer.
Julia ist sympathisch, aber zu gutmütig.
Das Buch ist vielleicht etwas zu lang geraten.
Ansonsten hat mir der Roman überraschend gut gefallen.
Die große Seuche
Die Henkerstochter und der Fluch der Pest von Oliver Pötzsch
Die Henkerstochter und der Fluch der Pest ist bereits der achte Teil der Reihe und während mich der letzte (Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf) hatte mir besonders gut gefallen. Daher war ich erstaunt, wie verhalten, fast lahm diesmal erzählt wird.
Das 1679 die Pest die Leute heimsucht ist hart.
Es ist schlimm zu lesen, dass Menschen von tödlichen Seuchen bedroht sind.
Ich brauchte sehr lange, bis ich im Buch richtig drin war, fast die Hälfte. Henkerstochter Magdalena steht zu wenig im Vordergrund. Ihr Mann Simon ist aber gut vertreten. Jakob Kuisl hat auch einige gute Szenen
Oliver Pötzsch ist ein routinierter Autor und dieser Roman ist auch sorgfältig geschrieben. Das bewahrt nicht vor einer gewissen Durchschnittlichkeit. Ich kann daher leider nur 3 von 5 Sterne geben.
Das Geheimnis von Silvertjärn
Das Dorf der toten Seelen von Camilla Sten
Das Dorf der toten Seelen ist ein schwedisches Thrillerdebüt. Camilla Sten trägt einen bedeutenden Nachnamen, das verpflichtet.
Der deutsche Romantitel ist pathetischer als der Originaltitel Staden
Der Roman brilliert mit klassische Motiven des Spannungsromans, was mir ganz gut gefällt. Auch die zeitlichen Handlungswechsel zwischen Gegenwart und 1959 funktioniert.
Alice ist mit ihren Kollegen Tone, Max, Emmy und Robert in Schweden unterwegs, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Das Thema weist auf ihre eigenen familiären Wurzeln.
Die Geschichte um das verlorene Dorf ist geheimnisvoll.
In den Vergangenheitsepisoden gibt es eine andere Atmosphäre als im Gegenwartsplot. Und es gibt interessante Figuren wie Elsa oder dem mysteriösen Pastor Akerman.
Es ist eine Qualität der Autorin, das beide Handlungsebenen zwar unterschiedlich, aber doch beide interessant sind und dann sind da natürlich starke Verbindungen.
Britische Situationskomik
Pandatage,1 Audio-CD, 1 MP3 von James Gould-Bourn
Der Roman ist so geschrieben, das man sich als Leser nicht einer empathischen Wirkung entziehen kann. Man ist also schnell dicht dran an den sympathischen Figuren. Man leidet mit ihnen mit.
Das hier ist also kein Buch für sachlich-distanziertes Lesen. Man sollte bereit sein, sich von der Handlung berühren zu lassen.
Ich mag sowohl Danny als auch seinen Sohn Will.
Will, der nach dem Unfalltod seiner Mutter verstummt ist, hat es in der Schule nicht leicht. Die Schulszenen mit den Mobbingaktionen sind glaubhaft geschrieben.
Danny hat das Pech, seinen Job zu verlieren und muss schließlich im Pandabärkostüm arbeiten.
Das führt natürlich zu amüsanten Episoden britischer Situationskomik.
Es gibt aber natürlich auch viele ernste Momente, z.B. Wills Zustand und sein Verhältnis zum Vater. Das wird sensibel beschrieben.
Ich habe das Buch übrigens als Hörbuch, gelesen von Hendrik Duryn, gehört und finde, dass der Roman als Hörbuch sehr gut funktioniert.
Der englische Autor James Gould-Bourn konnte mich trotz reichlich Pathos aufgrund seines Stils überzeugen und ich werde in Zukunft gerne weitere Romane von ihm lesen.
Gratwanderung zwischen sachlich und emotional
Was wir voneinander wissen von Jessie Greengrass
Die britische Autorin Jessie Greengrass den emotionalen Zustand ihrer Protagonistin sachlich und nachvollziehbar zu verdeutlichen und das wissenschaftlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, z.B. durch Roentgen oder Freud, zu spiegeln.
Die Icherzählerin erzählt von ihren inneren Zwiespalt vor der Geburt des ersten Kindes und Krankheit, Pflege und Tod der Mutter.
Obwohl es aufwühlend ist und sie auch in einem Zustand der Trauer führte, erscheint mir der gewählte Stil dafür der richtig ausgewählte. Andererseits ist es manchmal mit der Zeit doch zu sachlich und kühl. Es bleibt halt eine Gratwanderung.
Es gibt viele Beobachtungen, die die Autorin gut in Worte fasst. Das hilft, auch die manchmal langweiligeren Passagen zu überwinden. Insgesamt war ich zufrieden mit dem Buch, obwohl ich es auch nicht überbewerten würde.
YA mit Thrillerelementen
Ich sehe was, was du nicht siehst von Mel Wallis de Vries
Der deutsche Titel erscheint mir unpassend. Originaltitel ist Shock.
Die 16jährieg Emma ist spurlos verschwunden. Es wird von einem Verbrechen ausgegangen. Die Polizei ermittelt. Als Leser hört man aber in kurzen Kapiteln von ihr, doch was passiert ist, bleibt zunächst unklar.
Die andere Handlungsebene dreht sich um Emmas Freundinnen, die zusammen in Urlaub gefahren sind: Bo, Lily, Mabel, Anouk.
Die Perspektive wechselt in jedem Kapitel und so lernt man allmählich alle Figuren aus einer Innen- wie Außenperspektive kennen und die vier sind sehr unterschiedlich. Daraus entstehen gewisse Spannungen.
Doch auch ihren droht anscheinend Gefahr.
Der Roman bleibt ein Young Adult mit Thrillerelementen hat aber einige sehr schöne Ansätze und ist nicht zuletzt des unerwarteten Clous am Ende lesenswert.
Leben und Kritik
Ich sehe was, was du nicht siehst von Mel Wallis de Vries
Das Buch enthält ein langes Interview mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki aus dem Jahr 1985. Das Gespräch führte Paul Assall.
Das Interview ist damals nicht erschienen, wird hier also mit erheblicher Verspätung herausgegeben.
Hauptthema ist das biografische, das Leben von MRR, seine Jugend und Deportation, dem Leben im Getto, Leben in Polen nach dem Krieg und seine Rückkehr nach Deutschland, wo er ein wichtiger Kritiker wird.
Damit ist es auch ein Buch über Deutschland.
Immer wieder wird die Rolle und Bedeutung der Literaturkritik thematisiert.
Auch Jahre nach seinem Tod ist Marcel Reich-Ranicki immer noch unvergessen.










