Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Trapper am oberen Missouri
Im Eissturm der Amsel von Kerstin Groeper
Im Eissturm der Amsel ist ein neuer, komplexer historischer Roman von Kerstin Groeper, der im frühen 19.Jahrhundert am oberen Missouri angesiedelt ist.
Zunächst möchte ich gerne etwas über das Cover sagen. Es sagt viel über die Message aus: Indianische Kultur, Zuneigung und Verbundenheit.
Und passt somit sehr gut zum Roman.
Auch der Titel „Im Eissturm der Amsel“ hat etwas poetisches, was sich auch im Buch wiederfindet.
Es beginnt erstaunlich dramatisch. Mit der Zeit werden 3 bemerkenswerte Figuren vorgestellt: Der Trapper Pierre DuMont, die junge Mandan-Indianerin Mato-wea und den stolzen Lakota Wambli-Luta.
Für meinen Lesegeschmack ist das Buch zu ausführlich, andererseits erlaubt der Umfang, die Figuren und ihr Verhältnis zueinander vollumfänglich auszuarbeiten und auf Details einzugehen. Dabei werden die Verhältnisse der Zeit glaubhaft beschrieben.
Das Buch ist auch deswegen eine große Leistung, weil es auf historisch belegten Ereignissen beruht.
Begegnung, die etwas bewirkt
Im Eissturm der Amsel von Kerstin Groeper
Beinahe ist nicht nur die Geschichte eines Beinahe-Unfalls sondern auch die einer Begegnung.
Die Ärztin Lena und der 16jährige Ivo.
Der Anfang mit der ersten Begegnung ist intensiv gemacht, so dass man sich die aufgewühlten Emotionen der Beinahe-Unfallbeteiligten gut vorstellen kann.
Es wirkt für sie aufwühlend und sie beginnen über ihr Leben und Veränderungen nachzudenken,
Der Junge hat Probleme in der Schule und beschließt, sein Abi nicht zu machen.
Auch von Lenas Berufsalltag in der Klinik bekommt man einen Einblick. Wirklich sehr glaubhaft geschildert.
Dazu kommt noch das nicht ganz unproblematische Familienleben.
Es wird kein einfacher Weg, aber wenn man es anpackt, können Veränderungen positiv werden.
Die Stärke der Bremer Autorin Frauke Röhrs ist, das pathoslos zu erzählen und den Leser zu ermöglichen, die Figuren kennen zu lernen.
sprachlich reizvoll
Offene See von Benjamin Myers
Offene See ist nicht nur eine Coming-of-age-Geschichte sondern auch die Geschichte einer Begegnung. Die Handlung setzt in England kurz nach dem Krieg ein. Der 16jährige Robert macht sich auf die Wanderschaft, um ein vorhersehbaren Schicksal zu entgehen, dem Leben als Bergmann unter Tage. Robert möchte erst herausfinden, was es noch gibt.
Durch Zufall lernt er Dulcie kenne, eine Frau mittleren Alters, die in einem Cottage in Yorkshire, nahe des Meeres lebt und ihn in vielen Gesprächen mit verschiedenen Aspekten des Lebens bekannt macht, z.B. auch mit Literatur und Poesie. Und sie ermutigt ihn, mehr aus sich zu machen.
Ihre Gespräche und zeitweiliges Zusammenleben fand ich originell und gut geschrieben. Überhaupt verfügt der Autor Benjamin Myers über eine poetische Sprache. Ein Stil, den ich sehr mag.
In der Krise
»Male oscuro« von Ingeborg Bachmann
Nach der Trennung von Max Frisch Mitte der sechziger Jahre war Ingeborg Bachmann am Boden zerstört. Körperlich und psychisch angeschlagen musste sie sich im Krankenhaus behandeln lassen.
In diesem Zusammenhang entstanden ihre Traumprotokolle und ihre Briefe, meist an ihre Ärzte. Im Mittelpunkt steht die Trennung und die Krankheit.
Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit ist ein treffender Untertitel.
Unbedingt lesen muss man das aus literarischer Sicht nicht. Wenn man aber genügend Interesse an der Schriftstellerin und Dichterin hat, wird es doch spannend, da sich in manchen der Literaturbetrieb dieser Zeit widerspiegelt. Etwas auskennen sollte man sich aber und Max Frisch, Paul Celan, Siegfried Unseld, Ilse Aichinger, Günter Eich, Hans Werner Henze u.a., um das in Zusammenhang sehen zu können.
Hinzu kommt noch ein großer editorischer Anteil.
Für mich persönlich war das Buch in Teilen lesenswert.
Reyhan Sahins Weg
Lady Bitch Ray über Madonna von Lady Bitch Ray
Dieses Buch der Rapsängerin Lady Bitch Ray besitzt eine große Intensität, die auch den ganzen Text über aufrechterhalten bleibt. Das ist schon eine Qualität.
Über Madonna erfährt man nicht viel neues. Vielmehr spricht Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray über ihre Kindheit und Karriere und wie sie von Madonna beeinflusst wurde.
Das bezieht sich aber weniger auf musikalischer Einfluß, da glatte Popmusik und provokanter Rap wenig gemeinsam haben. Es ist Madonnas selbstbewusstes Auftreten und ihre religiösen wie sexuellen Themen, die auch die Sängerin aus Bremen-Gröpelingen interessierte. Aber auch kritische Aspekte werden nicht ausgespart. Die feministischen Aspekte greifen!
Reyhan Şahin schreibt überaus ehrlich über ihre Empfindungen und Schwierigkeiten im Musik- und Kulturbetrieb, etwa auch ihr Rauswurf bei Radio Bremen oder wie sie wenig Geld verdiente, da ihr Ansehen bei vielen gering war oder sie auf ihre türkische Herkunft oder ihre akademische Leistung reduziert wurde. Sie hat´s nicht leicht gehabt, ihr wurde es schwer gemacht.
Es war, interessant, einmal einen Einblick nehmen zu können.
Nur wenige Sätze des Textes wirken konstruiert, ansonsten ist das Buch ehrlich und kann als gelungen bezeichnet werden.
Leser, die nur Madonna-Fans sind und Lady Bitch Ray vielleicht nicht einmal kennen, sind bei diesem Buch vermutlich falsch.
Poesie
Lady Bitch Ray über Madonna von Lady Bitch Ray
In den Knochen (Bone) ist eine Sammlung von Gedichten der Spoken word-Künstlerin Yrsa Daley-Ward, die letztes Jahr in Deutschland schon mit ihrem autobiografischen Roman Alles, was passiert ist“ aufgefallen war.
Bones ist das ältere Buch, aber durch den Roman kennt man jetzt doch viel vom Leben der Schriftstellerin und kann viele Inhalte der Gedichte zuordnen.
Übersetzt wurden die Gedichte von Nora Bossong und Gregor Runge.
Es gibt einige Themen, die Yrsa Waley-Ward mit ihrem intensiven Sound behandelt: Familie, Sexualität, Gewalt, Liebe und ihrem Temperament etc. Ihre Themen haben oft auch viel mit ihr selbst zu tun. Ihr Verhältnis zu ihrem Bruder, der Mutter oder den Großeltern.Oft haben die Poems etwas körperliches. Manche sind sehr kurz, andere gehen über drei oder mehr Seiten.
Unais Finale
Die Herren der Zeit von Eva Garcia Saenz; Eva Garcia Saenz
Mit Die Herren der Zeit hat die spanische Autorin Eva Garcia Saenz ihre Trilogie um Inspector Ayala fertiggestellt.
Zwar hat mir dieser Teil nicht ganz so gut gefallen wie die ersten beiden Bände, aber es gibt doch einige bemerkenswerte Aspekte in diesem Buch.
Zum Beispiel dass es zwei Handlungsebene gibt.
Heute mit dem Kraken im Einsatz und ein Handlungsstrang im 12 Jahrhundert. Damit es neben einem Kriminalroman mit Psychotthrillerelement auch ein historischer Roman. Und diese Beschreibungen des Mittelalters funktionieren, da sie eine passend düstere Atmosphäre ausstrahlen. Die Schilderungen der Belagerung der Stadt sind packend.
Aber auch die Gegenwart ist hart, denn es gibt wieder eine Reihe von Morden. Von der Methode beziehen sie sich offenbar aus Riten der Vergangenheit, die in einem Roman beschrieben sind.
Die Kombination aus wechselnden Beschreibungen der Vergangenheit und die Gegenwart funktionieren und machen deutlich, dass die Vergangenheit nie ganz vorbei ist.
In der Gesamtheit setzt diese Trilogie einen neuen Maßstab im Genre!
Die Gesichter von Adrian Ghenie
Adrian Ghenie von Juerg Judin
Die Gemälde von Adrian Ghenie sind auf Anhieb faszinierend, aber es ist nicht ganz einfach, sich seinem Werk zu nähern. Auffällig ist, dass die Gesichter in seinen Bildern stets verzerrt sind und expressionistisch wirken. Eine gewisse Düsternis begleitet die Bilder. Themen werden allmählich erkennbar, oft sind auch die Namen der Gemälde sprechend.
Ich mag besonders Adrian Ghenies Selbstportraits.
Es ist ein umfangreiches Buch, das viel zu bieten hat. Neben einer Einführung und einen Beitrag über Ghenies Gemälde auch ein Interview mit dem Künstler. Leider sind alle Texte nur auf Englisch.
Das der rumänische Künstler einer der Großen der zeitgenössische Kunst ist, ist offensichtlich.
Auftakt der Serie
Biker Tales: Das dunkle Herz von Sandra Binder
Das dunkle Herz ist der Auftakt der Reihe Biker Tales.
Im Mittelpunkt steht Bea, die nach einer Trennung zurück in ihr altes Heimatkaff Wolfville in Nevada kommt.
Ihr damaliger Freund Charlie ist inzwischen Vizepräsident eines harten Biker-clubs. Die Rocker von Satan´s advocates wirken gefährlich.
Der Ansatz, der mich interessierte ist die latente Wut, die in Bea schlummert. Das war auch der Grund, warum sie damals wegging. Sie wollte ihrer Wut, Alkohol, Kriminalität entgehen.
So ganz hat mich die Umsetzung dieses Aspektes aber nicht überzeugt. Die behauptete Toughness von Bea hätte ich gerne mehr gespürt. Sie ist zwar oft sarkastisch, aber gegenüber Charlie fühlt sie sich schwach.
Dafür ist die Gefahr in Wolfville ins soziale Abseits zu geraten schon real. Beas Mutter ist langjährige Alkoholikerin.
Was mir gut gefallen hat, waren die rabiaten Wortgefechte zwischen Bea und Charlie, das hatte etwas von Stolz und Vorurteil.
Sandra Binder konnte nicht alle guten Ansätze komplett umsetzen, aber dafür war das Buch letztlich auch zu kurz. Nicht zu kurz hingegen ist die schwere Atmosphäre gekommen.
Verrückt? Nicht alle ...
Die Tanzenden von Mas Victoria
Schauplatz des Romans Die Tanzenden von Victoria Mas ist ein Pariser Krankenhaus für verrückte Frauen Ende des 19.Jahrhunderts.
Man bekommt Einblick in diese Anstalt aus der wechselnden Perspektive von den Frauen. Die Pflegerin Genvieve, die Insassin Louise und Eugenie, die gerade neu hinzukommt.
Ihr Vater hat sie einweisen lassen.
Es ist Therese, die schon 20 Jahre hier ist, die verdeutlicht, das es bei vielen Frauen die Willkür und Gewalt der Männer ist, die sie hierher führten. Männer führen die Gewalt gegen andere aus, Frauen gegen sich selbst.
Das Schicksal der Frauen vermag zu berühren. Die Entwicklung der Handlung spitzt die Situation zu.
Es dauert eine Weile bis ich im Buch drin war, aber dann fand ich es nicht schlecht.









