Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Hundertwassers konkrete Utopien
Hundertwasser von Die Hundertwasser Stiftung
Ich finde das Werk von dem unorthodoxen österreichischen Architekt und Maler Friedenreich Hundertwasser faszinierend. Seinen frühen ökologischen Ansatz war ich mir weniger bewusst. Gut, dass das Buch „Für die Zukunft“ den Leser geschickt an dieses Thema heranführt. Dabei hilft sowohl das Vorwort von Carolin Würfel als auch das Nachwort von Robert Hodonyi.
Und natürlich das Konzept der drei Häute des Menschen: seine eigene, seine Kleidung und seine Behausung. Die Briefe und Texte sowie Bilder begleiten einen durch das Buch.
Der Einklang mit der Natur und Hundertwassesr Engagement begegnet man in vielfältiger Art. In seinen Bildern wie z.B. Gespräch mit einem Baum, in seinem Vorschlägen wie die Architektur-Heilvorschläge, das Grasdachhaus oder das Spiralhaus. Viele seiner Sätze sind überzeugend. Seine Pflanzenkläranlage ist originell. Und er hat wirklich viele Bäume gepflanzt. Er war mehr als ein Träumer.
Trauer und Hoffnung
Marianengraben von Jasmin Schreiber
Obwohl es im Buch um Verlust und Trauer geht, gibt es auch eine gewisse Situationskomik und es gibt Hoffnung durch die Begegnung der zwei Protagonisten, der 83jährige Helmut und die Studentin Paula, die Icherzählerin ist.
Sie begegnen sich Nachts auf einem Friedhof, auf dem sie ihren verstorbenen kleinen Bruder besucht und wo Helmut die Urne seiner Freundin ausgräbt.
Eine skurrile Begegnung, die dann auch zu einer gemeinsamen Reise zusammen mit Hund und Huhn führt. Die Dialoge zwischen ihnen geben dem Buch den besonderen Touch, manchmal ist Paula aber gedanklich bei den Erinnerungen an ihren Bruder Tim.
Tragisch, das Helmut krank ist und vermutlich nicht mehr lange leben wird, aber für die junge Paula geht es darum, ob sie wieder richtig leben kann. Dazu muss sie ein Stück mit der Trauer abschließen. Wie Helmut und Paula sich gegenseitig helfen, besonders durch die Gespräche ist berührend.
Die Autorin Jasmin Schreiber hat sich gut in den Stoff eingefühlt.
Ein deutscher John Grisham
Echo des Schweigens von Markus Thiele
Echo des Schweigens fällt auf wegen dem Cover, das ein Spiel aus Gestalten und Schatten bietet und dem geheimnisvollen Titel.
Markus Thiele, ein deutscher John Grisham, hat mit Echo des Schweigens einen komplexen, glaubwürdigen Justizroman mit historischen Anteil geschrieben.
Mit Rechtsanwalt Hannes Jansen und der Gerichtsmedizinerin Sophie Tauber hat er gute Hauptfiguren geschaffen.
Während Hannes aktuell einen wichtigen Fall hat, forscht Sophie dem Geheimnis um die Vergangenheit ihrer vor kurzen verstorbenen Mutter nach.
Neben diesem Plot 2017/2018 gibt es auch einen Handlungsstrang der Vergangenheit, der eine Familiengeschichte in den frühen vierziger Jahren enthält. Schlimme Zeiten!
Zwei Zeitebenen einzusetzen ist inzwischen ein häufiges Element, aber hier funktioniert es gut, obwohl es lange dauert, bis man Zusammenhänge ziehen kann.
Der Roman ist etwas oberflächlich, lässt sich aber wirklich gut lesen.
1794
Echo des Schweigens von Markus Thiele
Wortgewaltig
1793 war ein Roman, der mit trotz einiger Schockeffekte sehr beeindruckte. Niklas Natt och Dag ist ein Autor, der schreiben kann.
Die Fortsetzung 1794, die ich als Hörbuch (gelesen von Philipp Schepmann und Louis Friedemann Thiele) gehört habe, ist ebenfalls lesens- bzw. hörenswert.
Der Roman ist in mehrere Handlungsabschnitte aufgeteilt, das ist geschickt gemacht. Der erste Abschnitt, der praktisch die Vorgeschichte behandelt, wird aus Sicht des jungen Erik erzählt. Diese naive Figur hat mir weniger gefallen, da die Figuren des Vorgängerromans einfach mehr Eindruck auf mich gemacht hatten.
Der erste Sprecher hat eine junge Stimme, das passt zwar zur Erzählerfigur, aber für den Stoff an sich, mag ich eine rauere Stimme.
Hinzu kommt, dass diese Vorgeschichte zu lang gezogen ist. Der zweite Abschnitt hat dann einen anderen Sprecher.
Ab jetzt wird der Roman deutlich besser, mit mehr Stockholmer Atmosphäre und besseren Beschreibungen.
Jean Michael Cardell kommt endlich vor und wird einen Kriminalfall untersuchen. Er ist immer noch eine gute Figur, der den Roman tragen kann.
Die Idee, den im ersten Band verstorbenen Cecil Winge, durch dessen jüngeren Bruder Emil zu ersetzen, empfand ich zunächst als konstruiert, aber das entwickelt sich. Das Emil nicht das Format seines Bruders hat, wird dann auch thematisiert. Emil muss sich beweisen. Diese veränderte Konstellation zwischen den Hautfiguren hat durchaus seinen Reiz.
Im Abschnitt 3 treffen wir Anna Stina Knapp wieder, die schon im ersten Teil sehr überzeugte und sie ist immer noch eine starke, spannende Figur.
Obwohl es viele harte Szenen in dem Buch gibt, sind letztlich doch immer die Emotionen der Figuren das wesentliche.
Mal sehen, ob es weitere Teile der Reihe geben wird.
Ein forderndes Buch
Simply Clean für ein gesundes Zuhause von Becky Rapinchuk
Simply clean ist wirklich ein sauberes Buch! Nicht nur wegen dem Thema sondern weil das Buch wirklich sehr übersichtlich und geordnet aufgemacht ist. Mit gestochen scharfen Fotos und gut eingeteilte Textblöcke. Es gibt sogar ein Lesebändchen.
Was mich überraschte war, dass es sich nicht unbedingt in erster Linie eine Putzfibel ist sondern auch und vor allen die Gesundheit in den Vordergrund steht.
Gefährliche Mittel kommen hier schlecht weg.
Für meinen Geschmack geht die Autorin Becky Rapinchuk da zu weit. Sie ist in einem Krieg gegen giftige Reinigungsmittel. Ich persönlich habe nicht die Zeit einen Ofenreiniger selbst herzustellen.
Die Autorin geht dann die einzelnen Räume durch: Küche, Badezimmer, Schlafzimmer und so weiter.
Viele Tipps klingen logisch, manchmal aber auch nicht einfach.
In gewisser Hinsicht fühle ich mich von dem Buch überfordert. Aber vielleicht wird sich dieses Gefühl noch mindern, wenn ich in Zukunft mal wieder hineinsehe.
sehr stark
Santeri Tuori von Becky Rapinchuk
Ich lebe im Odenwald, der Anblick von Bäumen aus verschiedenen Perspektiven ist mir nicht unbekannt. Die Natur ist mir nicht fremd. Dennoch schaffen die Fotos dieses Buches neue Eindrücke.
Bäume mit oft kargen Ästen. Das Spiel von Ästen und Licht wird eingefangen. Schließlich der Himmel und Wolken in fast bedrohlicher Atmosphäre.
Das sind Bilder, die man dann doch nicht jeden Tag sieht, wenn man den überhaupt hinsieht. Das kann der finnische Fotograf Santeri Tuori und er weiß es, die Bilder entsprechend zu arrangieren. Teilweise ist es fast unglaublich, was man sieht! Helsinki School vom Feinsten!
wild und obskur, ein Roman wie ein Gulasch
Santeri Tuori von Becky Rapinchuk
Das eiserne Herz des Charlie Berg ist ein umfangreiches Buch, mit dem vermutlich nur Leser glücklich werden, die wilde und obskure Geschichten mögen. Eigentlich war ich anfangs positiv auf den Roman eingestimmt, die Leseprobe hatte mir gefallen. Auch der Erzählton, der aus Charlies Perspektive entsteht.
Mir kommt es manchmal nur zu wirr vor, mit vielen Abschweifungen und viel zu lang. Als wäre das Buch vergessen worden zu kürzen. Mir kommt es teilweise so vor, als wollte sich der Autor in seinem Text austoben.
Hinzu kommt, dass mich einige Szenen abstoßen und auch total übertrieben wirken. Zum Glück sind das relativ wenige.
Andererseits erkenne ich natürlich auch Qualitäten. Originalität und Wortwitz gehören dazu, und auch durchaus interessante Passagen, zum Beispiel die Schilderungen eines Literaturpreiswettbewerbs an dem Charlie teilnimmt. Das hat dann auch noch ein Nachspiel.
Doch das nützt wenig, wenn man als Leser das ständige Gefühl hat, der Autor hätte seinen Text nicht im Griff.
Ein Strauß von Geschichten
LiES. Das Buch von Hauke Hückstädt
LiES. Das Buch hat den Anspruch, Literatur zugänglich zu machen.
Es sind viele niveauvolle Autoren mit Stories dabei, die dafür bekannt sind, anspruchsvolle Literatur zu schaffen, die ich sehr schätze.
Die Autoren lösen die Aufgabe mit vielen kurzen Sätzen und dem Vermeiden komplizierter Wörter.
Ich finden den Ansatz gut, muss aber einschränken, das mir nicht alle Geschichten gefallen. Bei einigen habe ich mich gelangweilt. Über ein paar bin ich mir nicht ganz klar, da ist vielleicht ein zweites Lesen erforderlich. Und es gibt auch andere, die einfach nur einfallsreich und originell sind.
Das gilt zum Beispiel auch für Splitter von Maruan Poschen mit kurzen Passagen, die fast wie Aphorismen wirken. Es fehlt da auch nicht eine Spur Lakonie.
Ganz großartig ist die Kofferradio-Geschichte von Olga Grjasnowa. Die Story von Alissa Walser ist beklemmend.
Mein absoluter Favorit ist die Geschichte von Arno Geiger.
autofiktionale Prosa
Von schlechten Eltern von Tom Kummer
Von schlechten Eltern heißt der neue Roman von Tom Kummer. Dieser Text ist mir schon letztes Jahr beim Bachmannpreis aufgefallen. Tom Kummer hatte daraus gelesen.
Es ist autofiktionale Prosa. Ich schätze diese Form, wenn sie gut gemacht ist und das ist bei Tom Kummer klar der Fall.
Der Protagonist des Romans heißt wie sein Autor Tom Kummer und teilt mit ihm diverse Eckdaten, z.
B. der Aufenthalt in der Schweiz nach langen USA-Aufenthalt, Vater zweier Söhne, der Verlust der Frau und die Trauer.
Tom Kummer, der aus dem Buch, fährt seit einigen Monaten als Chauffeur verschiedene Fahrgäste. Dadurch kommt es zu Begegnungen und Gesprächen. Das sind teilweise sehr gediegene Dialoge. Wirklich ausgezeichnet gemacht!
Alle Fahrten sind nachts. Das trägt dazu bei, dass die Atmosphäre stark wirkt und der emotionale Zustand des Protagonisten wird deutlich.
Von Bedeutung sind aber auch die Passagen mit Tom als alleinerziehender Vater eines 12jährigen Sohnes. Außerdem gibt es noch einen 18jährigen Sohn, der noch in Los Angeles ist.
Eine Melancholie begleitet den Text, der sich aber durch seine spielerische Art Leichtigkeit bewahrt. Tom Kummer hat wirklich einen zwingenden Erzählton gefunden.
Amüsantes und nachdenklich stimmendes
"Am Anfang steht der Größenwahn, am Ende die Demut" von Sven Michaelsen
Am Anfang steht der Größenwahn, am Ende die Demut.
Dieses Zitat vom Maler Julian Schnabel bietet den Titel für ein Buch, dass Sätze bekannter Leute aus Literatur, Kunst, Musik und Film etc. sammelt.
Das Buch hat mehrere Themenblöcke, z.B. Beziehungen, Kindheit, Beruf, Krankheit, Tod, Glück.
Der Reiz des Buches ergibt sich daraus, das manche der zitierten immer wieder auftauchen, z.
B. Martin Walser und Peter Handke, die mich am meisten interessierten. Überraschenderweise waren aber die Sprüche und Erkenntnisse von ein paar anderen Leuten ebenso erhellend. Zum Beispiel Anjelica Huston, Tochter des berühmten Regisseurs, der Philosoph Richard David Precht, Alexander Kluge, Schimpansenforscherin Jane Goodall und viele andere.
Mich haben die Beiträge besonders angesprochen, die eine ordentliche Spur grimmiger Ironie enthalten, z.B. die von Harald Schmidt, Peter Ustinov, Rupert Everett.
Manche tauchen aber nur ein oder zwei mal kurz auf und das ist auch okay.
Durchaus ein amüsantes Buch!









