Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Verrückt? Nicht alle ...
Schauplatz des Romans Die Tanzenden von Victoria Mas ist ein Pariser Krankenhaus für verrückte Frauen Ende des 19.Jahrhunderts.
Man bekommt Einblick in diese Anstalt aus der wechselnden Perspektive von den Frauen. Die Pflegerin Genvieve, die Insassin Louise und Eugenie, die gerade neu hinzukommt.
Ihr Vater hat sie einweisen lassen.
Es ist Therese, die schon 20 Jahre hier ist, die verdeutlicht, das es bei vielen Frauen die Willkür und Gewalt der Männer ist, die sie hierher führten. Männer führen die Gewalt gegen andere aus, Frauen gegen sich selbst.
Das Schicksal der Frauen vermag zu berühren. Die Entwicklung der Handlung spitzt die Situation zu.
Es dauert eine Weile bis ich im Buch drin war, aber dann fand ich es nicht schlecht.
Burundi, du schönes, unruhiges Land
Die junge, deutsche Übersetzerin Elisa geht Mitte der sechziger Jahre aus Liebe nach Burundi.
Ihre Hoffnung erfüllt sich jedoch nicht, ihren Freund sieht sie nur noch einmal.
Es ist eine unbeständige Zeit. Die Unabhängigkeit des Landes ist noch jung und die politische Entwicklung ungewiss. Zwischen Hutu und Tutsi gibt es Auseinandersetzungen.
Gewalttätigkeiten und Gefahr sind allgegenwärtig.
Elisa, die eine Dolmetschertätigkeit im Außenministerium ausübt, schafft es dennoch nach anfänglicher Unsicherheit sich etwas einzuleben und Freundschaften zu knüpfen, z.B. zu ihrem Kollegen Mikradi. Außerdem lässt sie sich mit 2 sehr unterschiedlichen Männern ein.
Doch nach Änderung der Machtverhältnisse im Land lernt sie eine ganz anderen Mann kenne,n den Tutsi Antoine, der der Königsfamilie nahesteht. Mit ihm zusammen kann sie sich ein Leben aufbauen, doch politisch brodelt es weiter.
In der Mitte des Buches gibt es einen Bruch der Erzählperspektive, den ich nicht ganz nachvollziehen kann. Jetzt wird Jahre später von Elisa zurück erinnernd in erster Person erzählt, was damals passiert war. Aber der Roman funktioniert weiterhin.
Die Autorin Renate Ndarurinze war in der damaligen Zeit offenbar selbst in Burundi als Dolmetscherin. Deswegen sind ihre Schilderungen über das Land glaubhaft und auch Elisas widerstrebende Emotionen kann man nachvollziehen.
Paris - New York
Die Kleider der Frauen von Natasha Lester
Paris – New York
Die amerikanische Autorin Natasha Lester wählt für ihren Roman Die Kleider der Frauen einen reizvollen Ort: Paris.
Es ist 1940, düstere und gefährliche Zeiten, aber die Schriftstellerin gestaltet das auch abenteuerlich und romantisch. Die Hauptfigur ist die 22jährige Estella, die sogar einen Spion trifft.
Aber die deutsche Wehrmacht kommt und Estella muss Frankreich verlassen. Sie geht nach New York, wo sie schnell erfolgreich wird. Der amerikanische Traum!
Das ist also schon etwas melodramatisch, aber letztlich typisch für das Genre.
Von diesem Einwand abgesehen ist der Roman schon sehr unterhaltsam.
Estella ist eine sympathische Hauptfigur, der man gerne durch der Handlung folgt. Der Modeaspekt wird außerdem gut eingebunden.
Leider sind die meisten Nebenfiguren mit wenig Profil.
Weniger gut gefallen hat mir außerdem, dass es einen zweiten Handlungsstrang 2015 mit Fabienne gibt, der Enkelin Estellas, da der weniger stark ist.
Am Ende pendelt sich der Roman dann bei 3,5 Sterne von 5 ein.
Von Rügen, Büchern und Lesungen
Meine Inselbuchhandlung von Petra Dittrich; Rainer Moritz
Ein tolles und unterhaltsames Buch, das die Rügener Buchhändlerin Petra Dietrich zusammen mit Co-Autor Rainer Moritz mit Meine Inselbuchhandlung geschaffen hat. Ich liebe Bücher, Buchhandlungen und Lesungen. Und dieses Buch ist prall voll damit.
Nach kurzem Blick auf ihr Leben, ihre Jugend und Rückkehr nach Rügen geht es dann um die Buchhandlung und die Lesungen, die dort veranstaltet werden.
Da sind viele gute Namen dabei (Judith Schalansky, Thomas Raab, Frido Mann, Robert Seethaler, Gregor Gysi und viele andere. Und beim Lesen spürt man, wie wichtig der Autorin diese Lesungen sind.
Da ich selbst schon viele Lesungen als Zuschauer besucht habe, kann ich mir gut vorstellen,was für eine gute Atmosphäre bei diesen Veranstaltungen war.
Natürlich kommen Rügen und seine Bewohner nicht schlecht weg in diesem Buch. Sympathie für diese Insel kommt schnell auf.
Auch Schwierigkeiten, die eine Buchhandlung manchmal hat, werden nicht ausgespart, da ist das Buch realistisch, aber die Begeisterung und Freude über das Buchhändlerleben überstrahlt alles.
Ein positives Buch, dass ich sehr empfehlen kann.
Roman mit Metaebene
Das Rätsel von Ainsley Castle von Holly-Jane Rahlens
Lizzy ist nicht einverstanden mit ihrer neuen Stiefmutter. An ihre verstorbene Mutter hat sei keine Erinnerungen mehr, aber das jemand ihren Platz einnimmt, passt ihr auch nicht. Lizzy ist ein kantiger Charakter, aber nicht langweilig. Das mag ich an ihr.
Dann passiert eines Tages etwas ungewöhnliches.
Darauf möchte ich hier aber nicht im Detail eingehen. Das sollte jeder selber lesen.
Das Rätsel von Ainsley Castle ist ein eigenartiges Buch, eigen und originell. Das schätze ich an der Autorin Holly-Jane Rahlens, die sich auch nicht scheut, eine Metaebene in die Handlung einzubauen, die dann das ganze Buch stark bestimmt. Ähnliches habe ich letztes Jahr mal von Alina Bronsky gelesen.
Holly Jane Rahlens hat einen Sinn für stark wirkende Szenen und einen skurrilen Humor. Das habe ich schon an ihr geschätzt, als sie noch Romane für Erwachsenen geschrieben hat.
Starke Titelgeschichte
Der Kuss von Tina Harf
Der Kuss ist die Titelgeschichte, die auch gleich am Anfang steht und vom Leben und Sehnsüchte Paulines erzählt. Das geht über einige Jahre der Kindheit, Jugend bis ins 30 Jahr. Dann wird sich letztlich ihr diffuser Traum von einem New York-Besuch in etwas reales von Bedeutung wandeln.
Das ist wirklich eine starke Erzählung.
Leider können die folgende 4 Geschichten nicht so ganz mithalten. Sie sind weniger bedeutend!
Aber immerhin, eine richtig gelungene Erzählung ist auch schon was !
Reflektive Erzählungen
Letzte Erzählungen von William Trevor
Ruhig und voller Tiefe sind die reflektiv gehaltenen Erzählungen von William Trevor.
Das gilt besonders für die erste Geschichte um eine Klavierlehrerin, die einen besonders begabten Schüler bekommt. Diese Erzählung wird mein Favorit in diesem Band bleiben. Dicht gefolgt von der nächsten.
Auch die Story Der verkrüppelte Mann beinhaltet gute psychologische Momente.
Das gilt auch für weitere der Erzählungen. Ein paar habe ich noch nicht gelesen, die spare ich mir noch auf, denn William Trevors Erzählungen sind ein literarischer Genuß.
Der 2016 verstorbene William Trevor war Autor, von dem ich einige gut gelungene Romane gelesen habe. Aber er war besonders ein Spezialist der kurzen Form. Ganz einfach sind manche seiner Texte nicht, aber diese letzten Erzählungen sind entspannt und zugänglich.
Er weiß unaufgeregt zu erzählen und verfügt über bemerkenswerte Formulierungen.
Fahrt eines Trinkers
Schlusslichter von Georges Simenon
Der Roman von Georges Simenon stammt aus dem Jahr 1953 und hat sowohl Thrillermomente als auch psychologische Elemente.
Das amerikanische Ehepaar Steve und Nancy fahren gemeinsam im Auto nach Maine um dort ihre Kinder aus einem Ferienlager abzuholen.
Doch auf der Fahrt werden die Auseinandersetzungen zwischen ihnen intensiver, insbesondere weil Steve immer wieder halte macht, um Martini oder Whisky zu trinken.
Sein Bewusstseinszustand ändert sich im Verlaufe der Zunahme seiner Trunkenheit.
Es ist damit auch ein ein Text in der Tradition berühmter Trinker-Romane, ich denke da z.B. an Malcolm Lowreys Unter dem Vulkan.
Auch hier wird der Roman stark durch Steves innere Monologe geprägt. Seine Gedankengänge werden mit der Zeit immer wirrer. Das ist teilweise schon sehr überzeugend gemacht.
Angereichert wird der Plot durch die fatale Begegnung mit einem gewalttätigen Mann, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und von der Polizei gesucht wird.
Die Spannung nimmt kontinuierlich zu.
Ehrfurchtsvoll lese ich am Ende das bemerkenswerte Nachwort von der britischen Schriftsteller-Ikone Anita Brookner.
Erinnerungen
Wild Game von Adrienne Brodeur
Wild Game ist eigentlich kein Roman, obwohl er sich streckenweise so liest. Doch es ist ein literarisches Memoir der Autorin Adrienne Brodeur über ihre Familie, insbesondere ihre Mutter und sie selbst als Kind/Jugendliche. Es beginnt als Adrienne 14 Jahre alt ist.
Geschrieben ist es wirklich gut, aber streckenweise konnte ich mich schlecht mit dieser eigentlich wohlhabende Familie identifizieren.
Die Probleme machen sie sich selbst bzw. es ist Malabar, die Mutter von Adrienne, die sich Eskapaden erlaubt. Eine exzentrische Person, die ihre Tochter in ihre Lügen mit verstrickt und Adrienne leidet darunter.
Die Szenerie wird wirklich lebendig geschildert. Dazu kommt noch die besondere Stimmung der Zeit Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre.
Leben im späten 19.Jahrhundert
Glanz der Ferne von Iny Lorentz
Der letzte Teil der Berlin-Trilogie. Der Zeitraum ist diesmal Berlin in den Jahren 1897–1900. Fast 30 Jahre später als in dem hervorragenden zweiten Teil Himmel in den Wolken.
Neue Protagonistin ist Vicky, die Nichte von Theo und Rieke und Enkelin von Resa.
Sie hat es in der Familie schwer und drängt nach Unabhängigkeit, aber sie ist noch nicht volljährig.
Sie kann sich aber als Zeichnerin für ein Modemagazin durchsetzen.
Vicky ist eine gute Hauptfigur, der man gerne durch die Handlung folgt.
Leider wird ihr wirklich übel mitgespielt.
Es ist typischer Iny Lorentz-Stoff, die Autoren haben ihr Genre nicht neu erfunden.
Glanz der Ferne hält das Niveau der Reihe, obwohl mir der Vorgänger noch etwas besser gefallen hat. Insgesamt hat die Reihe aber viel Atmosphäre und gehören mit zu den besseren Werken von Iny Lorentz.









