Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
ausgeklügelter Plot!
Geburtstagskind (Ewert Grens ermittelt 1) von Anders Roslund
Der Schwedenkrimi Geburtstagskind von Anders Roslund beginnt mit einem Schockeffekt. Eine ganze Familie ermordet, nur ein fünfjähriges Mädchen überlebte. Hinzu kommt der sensible Kommissar Ewert Grens, der sie einst fand und der sich fast 20 Jahre später Sorgen um das jetzt erwachsene Mädchen macht.
Grens ist als Kriminalkommissar der Stockholmer Polizei gut gewählt, da er mit 64 Jahren sehr erfahren ist. Ihm zur Seite seine Kollegen Mariana Hermanssons und Sven Sundkist.
Im Vergleich zu Grens haben diese beiden jedoch weniger Profil, wie ich finde.
Dann ein krasser Bruch und es geht um einen ehemaligen zwiespältigen Undercoveragenten namens Piet Hoffmann, der zusammen mit seiner Familie bedroht wird.
Das ist ganz spannend gemacht. Die Fäden werden schnell zusammengeführt, indem Piet in seiner Not den Kommissar, den er von früher kennt aufsucht. Er will Hilfe, dafür wird er Grens bei seinem Fall helfen. Gegen Ende hin gibt eines Überraschung.
Was für eine Figurenkonstellation, was für ein ausgeklügelter Plot!
sensibel erzählt
Das Leben ist ein wilder Garten von Roland Buti
Der Erzähler des Buches ist Carlo Weiss, ein Landschaftsgärtner.
Der Roman arbeitet mit einem leicht rätselhaften Plot. Wo ist die resolute, aber leicht demente Mutter des Protagonisten hin? Warum wird sein Kollege Agon von zwei Männern überfallen? Warum ist Carlo von seiner 18jährigen Tochter Mina entfremdet?
Eine Menge Fragen, die den Leser fest an den Roman bindet.
Der Schweizer Schriftsteller Roland Buti versteht mit Sprache umzugehen, wobei anzumerken ist, dass er in französisch schreibt. Die Sprache hat Momente, in denen sie zu schweben scheint.
Die Stimmungen seiner Hauptfigur prägen den Roman.
Es gibt viele Passagen, in der Carlo über seine Mutter nachdenkt.
Es gibt aber auch einen hintergründigen Humor.
Ein sensibel geschriebenes Buch, das sich lohnt!
Ländliche Idylle in Schweden
Nur noch ein bisschen Glück von Ahrnstedt Simona
Ein klassischer Plot für Romane dieses Genres.
Stella ist frisch getrennt und arbeitslos. Deswegen kommt sie spontan aus der Stadt Stockholm aufs Land (nahe Laholm in Südschweden), wo sie das Haus ihrer Großeltern geerbt hat. Sie wirkt vollkommen verzweifelt und hilflos.
Grund für den Biobauer Thor, sich um sie zu kümmern.
Thor hat zwei Kinder, die er alleine großzieht.
Großstadtpflanze und Naturbursche. Das sind ziemliche Gegensätze, dennoch verstehen sie sich auf Anhieb gut. Der Leser erfährt die Gedanken beider Perspektiven. Beide sind sympathisch, beide haben aber auch ihre Probleme.
Das Landleben wird sehr positiv beschrieben. Vor allen Thors moderner Hof, seine Kinder Frans und Juni, die Hunde und Ziegen.
Natürlich folgen dann die üblichen Genre-Zutaten. Peder, Stellas Exfreund taucht auf und es gibt eine junge Ärztin, die mal mit Thor zusammen war.
Naja, das wird zum Glück schnell abgehandelt.
Es stört mich, dass sich die Protagonisten teilweise wie Teenager aufführen.
Dann gibt es aber auch Szenen, die wirklich ganz gut gelungen sind, z.B. als Stella sich für Thors Tochter einsetzt, die in der Schule schikaniert wird oder die dramatische Passagen gegen Ende.
Eigentlich habe ich den Roman ganz gerne gelesen. Es ist ein leicht lesbarer Roman, der detailliert ausgeführt ist und doch teilweise leider auf der Oberfläche bleibt und zu vorhersehbar ist.
Routiniert
Dunkles Lavandou von Remy Eyssen
Aus der Reihe um Gerichtsmediziner Leon Ritter habe ich schon einen ganz guten Teil und einen eher schwächeren gelesen. Dieser Fall „Dunkles Lavandou“ sollte entscheiden, liegt aber irgendwo in der Mitte. Immerhin schlägt das Pegel doch eher zum positiven aus.
Ich mag Leon Ritter und Isabelle Morell als Paar, hinzu noch Isabells Teenagertochter Lilou.
Isabelle hat diesmal aber ein gesundheitliches Problem und muss sich untersuchen lassen. Doch ich denke, sie sind als kleine Familie inzwischen so stark, auch eine Krise zu überstehen.
Was den Fall an sich angeht, bin ich wenig beeindruckt. Es gibt einfach viel zu viele Krimis, da nützt auch keine Extraportion Brutalität und Ritualmorde.
Immerhin gibt es ein kurzes feines, dramatisches Finale.
Immerhin beeindruckt Leon wieder durch sein umsichtiges, überlegtes Vorgehen. Er ist eine gute Hauptfigur. Zudem schreibt Remy Eyssen routiniert. Deswegen trägt Remy Eyssens Reihe auch schon 6 Teile.
Leyla
Die Sommer von Ronya Othmann
Die Sommer erzählt auf sensible Art, wie die junge Leyla das Familienleben bei ihren jesidisch-kurdischen Großeltern wahrgenommen hat. Leyla lebt mit ihren Eltern in Deutschland, aber jeden Sommer verbringt sie bei ihren Großeltern in einem Dorf in Syrien nahe der türkischen Grenze.
Während Leyla mit ihren Cousins nur halbherzig spielt, denn für die ist sie die aus Almanya, hat sie zur Großmutter ein ganz enges, vertrautes Verhältnis.
Leyla spürt ihre Zerrissenheit auch in Deutschland. Ihre Mitschüler kennen kein Kurdistan.
Auch die Lebensgeschichte von Leylas Vater wird noch erzählt. Er floh aus Syrien nach Deutschland.
Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, der zur Änderung führt. Das Terrorregime Assads und der Krieg, der 2011 beginnt. Das beendet Leylas Sommer in Syrien.
Es bleibt eine andauernde Verstörung.
Ich bewundere, wie einfühlsam die Autorin Ronya Othmann diese ganzen Szenen beschreibt. Ich war auch letztes Jahr schon bei ihrer Lesung beim Ingeborg-Bachmann-Preis von ihrem Text überzeugt. Die Sommer wurde ein überzeugender Debütroman.
Ein maritimes Kinderbuch
Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea von Thomas Taylor
Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-sea ist ein aufwendig gestaltetes schönes Kinderbuch. Es gibt neben dem detailliert gestalteten Cover auch Karten und kleine Illustrationen im Buch.
Trumpf des Buches ist die sympathische Hauptfigur, die die Geschchte auch erzählt: „Herbie“ Herbert Lemon ist 12 und Sachenfinder des Grand Nautilus Hotel.
Eines Abends muss er überraschender weise ein Mädchen verstecken, das ihn bittet, es bei der Suche nach ihrer Vergangenheit zu unterstützen.
Es gibt so einige aufregende Passagen, die sprachlich malerisch ausgearbeitet sind. Eine abenteuerliche Geschichte.
Weitere Geschichten aus Eerie-on-sea dürften zu erwarten sein.
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Für 10-12jährige Leser dürfte das Buch die ideale Lektüre sein.
Der Malerfürst und der Förderverein
Ein Mann der Kunst von Kristof Magnusson
Ein Mann der Kunst ist gut gestaltetes Buch mit großartigem Cover. Da macht es Spaß, gleich in den Roman einzusteigen und der Icherzähler hat einen durch seine Erzählart sofort gepackt. Constantin ist Architekt.
Seine Mutter Ingeborg engagiert sich leidenschaftlich für den Förderverein für Kunst, insbesondere für das Werk des exzentrischen Künstlers KD Pratz, der zurückgezogen auf einer Burg lebt und auf die Welt schimpft.
Tatsächlich empfängt KD Pratz den Förderverein auf seiner Burg. Das geht nicht konfliktfrei ab. Starke Charaktere prallen aufeinander.
Der zurückhaltend beobachtende Blick des Erzählers bestimmt den Roman stark mit.
Mit wenig Aufwand schafft es der Autor Kristof Magnusson dem Leser einen Einblick in den Kunstbetrieb zu gewähren.
Fazit: ein origineller und lesenswerter Roman!
multiperspektivisch
Die Topeka Schule von Ben Lerner
In den ersten Kapiteln dachte ich noch, Ben Lerner würde auch mit Spannungselementen arbeiten, doch letztlich ist es in erster Linie ein realistischer Blick auf das Leben jugendlicher in Kansas,USA. Ein nicht unbedingt erquicklicher Blick, denn das Alltagsleben scheint unerbittlich.
Stilistisch erinnert mich Ben Lerner ganz leicht an Jonathan Franzen, aber er schreibt kühler.
Adam, vermutlich wegen einigen übereinstimmenden biografischen Eckdaten teilweise ein alter Ego des Autors, ist gut im Debattieren und die Passagen, in denen das gezeigt werden, sind nachvollziehbar und konsequent.
Literarisch außergewöhnlich sind die kurzen, kursiv gedruckten Darren-Passagen zwischen den Kapiteln. Darren ist ein Außenseiter ohne Chancen.
Im Roman wechseln die Perspektiven. Es gibt auch Passagen aus Sicht von Jane und Jonathan, Adams Eltern. Überwiegend wird rückblickend erzählt.
Ich fand eigentlich die Jane-Passagen am interessantesten. Das zeigt aber auch das Problem, die verschiedenen Abschnitte zu einer Einheit werden zu lassen. Einige Aspekte des Buches scheinen auch ins Leere zu gehen.
Vor der literarischen Qualität des Romans habe ich Respekt. Als Leser muss man mitarbeiten. Ich wünschte, ich hätte das Buch mehr gemocht, aber es war jedenfalls zu einem Teil ein unverdaulicher Brocken. Einige Abschnitte, gerade auch der Schluß werden aber in Erinnerung bleiben.
Detaillierte Schilderungen aus einem Vernichtungslager
Die Topeka Schule von Ben Lerner
Der Aufstand von Treblinka von Michal Wojcik
- Revolte im Vernichtungslager
In der Erinnerungskultur steht in Deutschland das Konzentrationslager Auschwitz ganz vorne. Das es weitere nationalsozialistische Vernichtungslager gab, wissen mache vielleicht nicht einmal. In Treblinka wurden in nur 13 Monaten ca.
870.000 Menschen ermordet.
Das Buch von dem Historiker Michal Wojcik wurde aus dem polnischen übersetzt. Während deutsche Bücher über das Thema häufig sehr sachbezogen schreiben, scheut sich dieser Autor nicht mit drastischen Beschreibungen die grausamen Zustände in Treblinka zu zeigen. Es sind extreme! Deswegen ist das Buch harte Kost. Es ist aber in der Art wie erzählt wird, auch sehr lesbar.
Häufig werden Täter (z.B. Lagerkommandant Franz Stangerl) oder Überlebende (z.B. Richard Glazar und Samuel Willenberg) als Figuren direkt gezeichnet.
Das Buch ist umfassend. Erst im 3.Teil, ca. Mitte des Buches geht es direkt um den Aufstand.
Unbedingt erwähnenswert ist noch der Anhang mit einigen Fotos inklusive Erläuterungen.
Wirklich großartig vom Piper-Verlag, dieses Buch herausgebracht zu haben.
Ein feines Buch
Ein Sonntag mit Elena von Fabio Geda
Ein Sonntag mit Elena ist ein geschickt komponierter Roman des italienischen Schriftstellers Fabio Geda. Clou ist die ungewöhnliche Erzählperspektive, bei der die Tochter des Protagonisten die Geschichte rückblickend erzählt. Zuerst dachte ich, das wäre zu kompliziert, aber dann stellt es sich als die genau richtige Art heraus.
So kann nicht nur von ihrem Vater, dem 67jährigen Witwer und seiner Begegnung mit einer jüngeren Frau und deren Sohn berichtet werde sondern auch von ihrer Familie, als die Mutter noch lebte und wie sie und ihre zwei Geschwister aufwuchsen. So entsteht aus den Erinnerungen auch eine Familiengeschichte.
Der Stil ist sehr fein, der Grundton humanistisch. Ein angenehmes Leseerlebnis.
Es ist ein sehr sympathisches Buch geworden, das ich sehr mag.










