Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Chronist seiner Zeit

Berlin - Anfänge einer Großstadt von Hans Ostwald

Hier wird ein intensiver Blick auf das Berlin Anfang des letzten Jahrhunderts geworfen. Der Macher ist Hans Ostwald, der 1940 starb,
Man spürt natürlich das Alter der Texte, aber das störte mich nicht. Umso authentischer!

Ein Vergleich dieses Buches mit Walter Benjamins Berliner Chronik sei gestattet.

Ich kenne Berlin leider nicht so gut, dass ich alles beschriebene von früher mit heute vergleichen kann, aber so einiges kann man sich vorstellen.
Mit den Texten durchstreift der Leser Berlin örtlich wie thematisch.
Hoppegarten mit den Renntagen, Varieté, KaDeWe, Tiergarten und die Stricherszene, Moabit, Berliner Nachtleben mit den Bars und Lokalen, etc.
Manche Texte werden wirklich zu Milieustudien.
Am Anfang und Ende des Buches gibt es ein paar Fotos von Berlin um 1900. Das trägt zur Atmosphäre bei.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Das Leben des Vaters

Glücksritter von Michael Kleeberg

Michael Kleebergs Buch Glücksritter ist, wie der Untertitel Recherche über meinen Vater schon andeutet, ein autobiografischer Text über seinen Vater und dabei stellvertretend für die Generation von Männern, die in den 30ziger Jahren in Deutschland geboren wurden.
Dieses Nachdenken über den Vater begann nach dessen Tod.

Er überlegt auch, wie sich die Verhaltensweisen seines Vaters auf ihn selbst und seine Entwicklung auswirkte. Kleeberg hat sich an seinem Vater und dessen Meinungen oft abgearbeitet.

Es ist ein kritischer Text, aber keine Abrechnung. Gelegentlich gibt es auch amüsante Passagen, wenn der Vater seinen erfolgreichen Schriftstellersohn verschmitzt vorschlägt, doch mal seine italienische Reise aufzuschreiben, wie einst Goethe. Nicht immer nur Probleme, mal was heiteres.
Ernster wird es, wenn Kleeberg auf die Kriegsjahre zurückblickt und was es für den Vater bedeuten musste, damals Ausbombung und Kinderlandverschickung zu erleben.

Das Buch funktioniert, weil es kein Roman und doch erzählerisch gestaltet ist.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Mit John Lennon unter einem Dach

Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens von Barbash Tom

Der amerikanische Autor Tom Barbash zeigt in seinem Roman „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ einen Zeitabschnitt in den USA, der meiner Meinung nach sehr gut getroffen ist. Absolut glaubhaft, wie die Jahre 1979 und 1980 porträtiert werden.

Der Originaltitel The Dakota Winters gefällt mir besser als der leicht lächerliche deutsche, ist aber vielleicht nicht so einfach fassbar.

Es spielt an auf ein exklusives Apartment in New York City, in dem Prominenten wie z.B. John Lennon lebte. Und auch die fiktiven Hauptfiguren des Romans, der Late Night Show-Moderator Harry Winter und sein Sohn, der auch der Erzähler des Buchs ist. Diese Figuren-Konstellation ist gelungen und macht es glaubhaft, dass so viele Einflüsse aus Film, Fernsehen, Politik und Musik zusammenkommen.

Wer diese Zeit mag, wird das Buch lieben!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Kai am Steuerrad

Station am Horizont von E.M. Remarque



Station am Horizont ist ein Roman von 1927 und das merkt man ihm auch an. Nicht dass der Roman sprachlich veraltet wäre, es sind die Verhaltensweisen und Dialoge der Figuren, die dieser zeit entstammen. Das alter spricht also nicht gegen den Roman.
Im Mittelpunkt der Dandy Kai, der vom Autorennsport fasziniert ist.

Die Passagen, die diesen Sport und sein Umfeld zeigen, sind gut gelungen und vermitteln dem Leser einen Eindruck.
Neben seiner geliebten Dogge, die Kai auf seinen Reisen begleitet, sind es verschiedene Frauen, die eine Wirkung auf ihn haben.

Das Buch ist kein literarisches Meisterwerk. Man spürt dem Text streckenweise an, dass er ursprünglich in einer Sport-Illustrierten als Fortsetzungsroman erschienen ist. Aber es ist dennoch ein unterhaltsamer Roman.
Nur wenig später aber wird Erich Maria Remarque seinen großen Erfolg Im Westen nichts neues schreiben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Essays zu Maxim Biller

Im Kopf von Maxim Biller von Kai Sina

Herausgegeben wurde Im Kopf von Maxim Biller von Kai Sina unter Mitarbeit von Tanita Kraaz. Er versammelt Texte von einigen wichtigen Literaturkritiker.
Das einleitende Essay Die Stimmen schrieb er selbst.

Maxim Billers Literatur ist kompromisslos und provokant. Das sind seine Markenzeichen. Billers Werk ist komplex.

Das bietet eine Reihe von Literaturwissenschaftlern über seine Ansätze, Romane und Erzählungen ebenfalls groß auszuholen.
So entwickelt Stefan Zweifel, Ex-Moderator vom Literaturclub, aufregende Thesen und Vergleiche zu David Foster Wallace und Roberto Bolano.
Dana von Suffrin und Galili Shahar schreiben über Im Kopf von Bruno Schulz.
Sicher kein Zufall, dass Biller diesen polnisch-jüdischen Schriftsteller wählte, um eine Novelle über ihn zu machen. Diese Autoren verbindet etwas.

Gut gefallen hat mir auch Volker Weidermanns Beitrag, der Maxim Biller gut durch die Zusammenarbeit im Literarischen Quartett kennt.
Ziemlich witzig ist der Beitrag von Madame Nielsen.
Erwähnen möchte ich auch Daniel Kehlmann, der sich mit Biller Kurzgeschichten auseinandersetzt.

Als augenöffnend erweist sich zum Schluß das Interview von Kai Sina mit Rachel Salamander über Maxim Biller.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Drei Stories

Milkwishes von Kristen Roupenian



Das Buch Milkwishes umfasst 3 perfekt gemachte Stories von Kristen Roupenian.
Sie wirken wie das Ergebnis aus einer Creative Writings-Werkstatt.
Die Handlung der Geschichten sind ziemlich überdreht. Das gilt besonders für die erste, die ich aber doch am meisten mochte.
Die Titelgeschichte hat andere Qualitäten.

Sie ist ruhiger und handelt von trügerischen Erinnerungen.
Es hat Spaß gemacht, mal wieder Kurzgeschichten zu lesen.
Wer von Kristen Roupenians bekannter Geschichte Cat Person begeistert war, wird auch die Stories aus Milkwishes mögen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Briefwechsel mit Mücke

Meine lieben jungen Freunde von Hans Fallada

Der Schriftsteller Hans Fallada hat ein manchmal schwieriges Leben, wobei die Zeit in der er lebte mitprägend war. Auch sein Familienleben war oft nicht einfach, doch die Liebe zu seinen Kindern zeigen die hier abgedruckten Briefe.

Hans Fallada´s Briefe an seine 10jährige Tochter „Mücke“ sind ganz putzig, beim näheren Betrachten sogar etwas mehr, denn es war eine schlimme Zeit in den vierziger Jahren, in der auch mal ein Fliegeralarm vorkommt.

Die Briefe von und an Fallada zeigen deutlich die gegenseitige Zuneigung.

Wichtiges Kernstück des Buches ist dann ein Vortrag, dessen Titel auch den Titel dieses Buches gibt und in dem Hans Fallada von seinem Schriftstellerleben erzählt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Mehr als nur ein historischer Roman

Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von Lange

Das Sujet ist unerwartet von der ursprüngliche Pop-Literatur-Ikone Alexa Hennig von Lange. Sie geht ins frühe 16.Jahrhundert und erzählt einen Abschnitt aus dem Leben von Königin Johanna von Kastillien I.
Eine konplexe Geschichte, aber in erster Linie der vergebliche Kampf einer Frau um ihre Eigenständigkeit.

Johanna war die Tochter von Königin Isabella, die Christoph Kolumbus förderte und sie war verheiratet mit Philip dem Schönen.
Eine Leidenschaftliche, aber auch zerstörerische Beziehung.

Johannas Widerstand ist letztlich erfolglos, dennoch wichtig um ihre Identität zu behalten.

Typische Elemente der Prosa der Autorin sind auch hier erkennbar erhalten.
Die Lebhaftigkeit ihrer Figuren und die sprachliche Lebendigkeit.
Beides zusammen ergibt eine Mischung, die Alexa Hennig von Langes Stil ausmacht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Vor 30 Jahren

Wir sind ein Volk! - Oder? von Freya Klier

Freya Klier hat mit „Wir sind ein Volk! - oder?“ ein Buch herausgegeben, das einige Beiträge über den Mauerfall vor 30 Jahren versammelt.
Der Untertitel Die Deutschen und die deutsche Einheit ist treffend.
Die meisten Autoren sprechen über ihre Gefühlslage. Manche sind interessant, andere weniger.

Leider sind kaum literarische Beiträge darunter, wie ich eigentlich erwartet hatte, da z.B. der Dichter und Schriftsteller Reiner Kunze mit dabei ist. Seine 2 Gedichte und ein aktueller Beitrag sind dann für mich auch Höhepunkt des Buches.
Leider sind viele andere Beiträge mehr oder weniger trivial und bieten mir nichts neues. Der intelligente Schlußbeitrag von Norbert Lammert versöhnt dann am Ende aber immerhin ein wenig.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

provokant und überdreht

Omama von Lisa Eckhart

Die Kabarettistin Lisa Eckhart schreibt ihr Debütroman Omama auf ihre spezielle Art und Weise, nämlich provokant und überdreht, aber schon ziemlich durchkalkuliert.

Die Geschichte der Großmutter beginnt in einem Dorf in Österreich während des Krieges. Im Mittelpunkt die Schwestern Helga und Inge.

Und die Russen kommen! Diese Passagen sind ziemlich überdreht.
Später wird es etwas ruhiger. Inge ist dann in Wien, schreibt der Familie aber so einige Briefe.
Die Autorin lässt sich einiges einfallen, auch Wortspiele.
Nicht selten geht sehr derb zu. Dazu passt dann der häufig eingesetzte Slang gut.

Die Dorfgemeinschaft kommt nicht so gut weg, wobei eine gewisse Sympathie für die Figuren die Autorin doch zu hegen pflegt.
Das Dorf als Mikrokosmos funktioniert jedenfalls gut.

Als kleine Schwäche habe ich es empfunden, dass die Autorin mehrfach die Handlung vernachlässigt um gewisse Themen fast wie Essays abzuhandeln, z.B. über die Funktion des Dorfdepps, den des Dorfschönlings, der Dorfmatraze, Schiffahrt und Weltenbummler etc. Das hält den Handlungsablauf etwas auf und man hat den Eindruck, es geht nicht voran. Bis es dann in Teil 3 den Sprung ins Jahr 1989 gibt und in eine Schiffsreise mündet.

Diese Art von Humor muss man natürlich mögen, um den Text genießen zu können. Manchmal ist es etwas zu viel des guten!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog