Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Wahrheit oder nicht
Die Lügnerin von Friedemann Karig
Clara Konrad „liest“ Personen. Was sie ihnen erzählt, wird wahr. Ist sie Hellseherin, Wahrsagerin oder Prophetin? Drei Jahre lang hat man ihr immer geglaubt. Egal, was sie sagte. Aber: Wo ist sie jetzt? Was hat sie getan? Was tut sie hier?
Genau das erschließt sich nicht wirklich. In einer Privatklinik erzählt sie einer Therapeutin, was bisher geschah.
Das tut sie in wohlgesetzten Worten, hält die Spannung hoch. Ständig erwartet man irgendeinen Knüller. Kryptische Aussagen, Andeutungen und Menschengeschichten bestimmen den Gesprächsverlauf. Dazwischen oft Verschwommenes, Nebulöses, auch Poetisches, Ausschweifendes, das die beschriebenen Geschehnisse umhüllt. Über sich sagt sie: „Ich bestimme, was Sie denken, was Sie sehen, sogar was Sie fühlen.“ Ist das so? Die Frage bleibt: was ist Wahrheit, was ist Lüge?
Ein Buch von Friedemann Karig, auf das man sich einlassen muss. Diese Clara ist eine begabte Erzählerin. Wer mysteriöse Geschichten mag, dem wird dieses Buch gefallen.
Aufarbeitung
Die Butterbrotbriefe von Carsten Sebastian Henn
Der Titel ist originell, weckt Neugier. Warum Butterbrotpapier?
Die Widmung ist das Motto: „Für alle, die ihren eigenen Weg nicht finden durften.“
37 Briefe schreibt Kati. Mit jedem arbeitet sie eine Kränkung oder erlebte gute Tat für sich auf. Die Briefe ( getippte oder handgeschriebene, je nach Würfelorakel) zu schreiben, ist nicht so schwer.
Sie dem Adressaten persönlich vorzulesen, erfordert Mut. Die Reaktionen sind oft erstaunlich, auch unerwartet.
Jeden Sonnabend frisiert die gute Kati kostenlos Bedürftige auf dem Marktplatz. Sie trifft den herumziehenden Severin. Warum sucht er Kontakt zu ihr?
Viel Potenzial für einen kurzen Roman. Und doch hat mich die Handlung nicht gecatcht. Warum hat die Hauptfigur so wenig Verständnis für die Menschen, die sie vermeintlich verletzt haben? Warum begreift sie erst so spät, dass sie ihr eigenes Leben leben muss? Sie ist fast vierzig … . Auch das Vorlesen und danach wegrennen, statt nach Gründen zu fragen, zeugt von wenig Reife.
Die Briefschreibe-Idee hat mir gefallen, die Figur der Kati weniger. Einzig der etwas skurrile Martin war ein origineller Lichtblick.
Alma ermittelt wieder
Fräulein vom Amt – Spiel auf Leben und Tod von Charlotte Blum
Es ist die Zeit der Goldenen Zwanziger. Wäscherin Gertrude wurde in einer Wäschetrommel tot aufgefunden. Dass es Selbstmord war, glaubt Cousine Friederike niemals und heuert Alma, das Fräulein vom Amt, an. Sie soll wieder einmal die Wahrheit herausfinden.
Ihr Freund, Kriminalkommissar Ludwig Schiller, ist nicht nur deswegen, sondern auch auf Grund des aufkommenden Nationalsozialismusses beunruhigt.
Im Hintergrund des bedeutsamen Schachturniers in Baden-Baden laufen beider Ermittlungen. Natürlich neugierig beobachtet und unterstützt sowohl vom quirligen Fräulein Wolke als auch von Cousin Walter, einem charmanten angehenden Arzt.
Die Nachforschungen führen in verschiedene Richtungen, in dunkle Ecken, zwielichtige Gestalten tauchen auf. Eine Entführung gibt es auch!
Charlotte Blum haben einen durchaus spannenden Roman mit zeitgenössischen Fakten geschrieben. Mitunter ein wenig konstruiert wirkend, dennoch durch die sympathischen Personen interessant und unterhaltsam. Gut angelegt ist der Konflikt, dass Frauen mit der Heirat ihre Selbständigkeit aufgeben müssen.
Gelungene Fortsetzung der Geschichten um das Fräulein vom Amt.
Mutige Kinder
Das Buch der gestohlenen Träume (Das Buch der gestohlenen Träume 1) von David Farr
Ein freies, demokratisches Land wird von einem Diktator übernommen. Sein Ziel: über den Tod gebieten. Dazu braucht er ein ganz bestimmtes Buch. Um es vor ihm zu verbergen, sterben Freiheitskämpfer oder werden verhaftet. Zwei Kinder, Robert und Rachel, bleiben übrig und kämpfen um die Bewahrung dieses besonderen Buches und um Befreiung des Landes.
Man fühlt sich stark an dunkle Kapitel aus russischer, deutscher und anderer europäischer Geschichte erinnert. Ein brutales Regime bekämpft Kunst, Schönheit, Wissenschaft. Mutige Kinder bewältigen gefährliche Aufgaben. Phantastische Elemente werden eingewoben, märchenhaftes ist auch zu finden. Leider erst nach der Hälfte der Geschichte.
Der Schreibstil ist unentschlossen, vermischt Kinderbuch mit Zeitungssprache, liest sich mitunter hölzern. Die handelnden Figuren werden schwarz/weiß gezeichnet, Nuancen fehlen. Da helfen auch die „Träume“ am Kapitelende nicht.
Eine Familie in Deutschland
Das Licht zwischen den Schatten von Michaela Beck
Michaela Beck beschreibt eine Familiengeschichte mit nachvollziehbaren Erlebnissen. Sie wird anschaulich aufgezeigt, in gut lesbarem und flüssigen Erzählstil dargelegt.
Besonders in die Geschichte von André konnte ich mich schnell hineinfinden. Eigene Erinnerungen ploppten auf.
Egal, ob 1919, 1950 oder 1976, alle Personen der drei Generationen sind so lebendig dargestellt, so, als sähe man sie in einem Film.
Ihre Werdegänge sind interessant, historische Hintergründe werden einbezogen. Gelungen sind die Äußerungen zu politischen Gegebenheiten, die mitunter auch satirisch aufbereitet werden. Zwischen allen Personen gibt es Verflechtungen. Spannend, wie sie sich entwickeln, Standpunkte ändern, von sich überzeugt sind oder auch nicht. Konflikte, wie in vielen Familien zu finden waren und sind, brechen auf. Unglaubliche Verbindungen zwischen Personen werden hergestellt. Die ausführliche Darstellung verschiedener Lebensläufe während 80 Jahren deutscher Geschichte ist anschaulich dargestellt. Hätte, besonders in der zweiten Hälfte etwas gestrafft werden können, etwas weniger Dramatik wäre auch gut gewesen, liest sich aber dennoch mitnehmend und abwechslungsreich.
Nachts im Wald
Sternenschweif, Magische Gute-Nacht Geschichten von Linda Chapman
Dachs, Maus, Eichhörnchen, ein Rehkitz, sogar das Wildschwein und viele andere Tiere bekommen Besuch von Menschenmädchen Laura und ihrem Einhorn Sternenschweif.
Alle Waldbewohner, die ihnen begegnen, haben Probleme oder Wünsche. Nach besten Kräften helfen Lara und Sternenschweif, bemühen sogar Magie - Einhornkraft sozusagen.
Dass das Einhorn die Sprache aller Tiere versteht und auch spricht, ist sehr hilfreich.
Linda Chapman benennt Sorgen, die Kinder eben haben können, Angst im Dunkeln beispielsweise. Phantasievoll zeigt sie Lösungen auf, erklärt, hilft. Vielleicht hilft es auch im echten Leben. Enthalten sind 14 spannende Gute-Nacht Geschichten.
Wunderschöne farbige Zeichnungen von Anna-Lena Kühler illustrieren diesen Band der umfangreichen Sternenschweif-Reihe.
Empfohlen für Kinder von Vier bis Acht.
Cosy Crime mit Humor
Kommissar Jennerwein darf nicht sterben von Jörg Maurer
Auch ein Kommissar Hubertus Jennerwein braucht mal Urlaub. In einem Sporthotel (!) sollte das klappen … . Oder doch nicht? Ein von 12 Knastis angeheuerter Superkiller soll ihn für immer am Ermitteln hindern. Genau das möchte aber ein aufdringlicher Asiate nicht.
Wer die vorangegangenen 14 Jennerwein-Fälle verfolgt hat ( oder auch nur einige davon) kennt Jörg Maurers hintergründigen Humor ebenso wie seine eigenwilligen Wortschöpfungen.
Einen Ganoven in der Hotelküche stundenlang Zwiebeln schälen lassen, also bitte. Nicht das einzige unterhaltsame Missgeschick. Auch angedachte Team-Arbeit einer Buffetschmarotzerin mit dem Ermittler bietet Potenzial.
Nicht durchgängig spannend ( Technikkram und Künstliche Intelligenz nehmen zu breiten Raum ein), mit vielerlei Twists und satirischen Überspitzungen schreitet die Handlung voran. Zielstrebig agiert der clevere Kriminalhauptkommissar, Wellness und Kräuterspaziergänge weitgehend ignorierend. Aber ob er trotzdem Erfolgt hat?
Gut zu lesen, gute Unterhaltung.
Die Mona Lisa ist weg
Die Erfindung des Lächelns von Tom Hillenbrand
Der Louvre. Die Mona Lisa. Was geschieht, wenn dieses Gemälde gestohlen wird?
Paris wird zu einem Wespennest. Berühmtheiten dieser Zeit (1911)
Pablo Picasso, Isadora Duncan, Modigliani, Chagall, Singer kommen ins Bild.
Tom Hillenbrand zeichnet kein vorteilhaftes Bild von Paris. Die Stadt ist voller Möchtegerns, erfolgloser Künstler, Gauner, Egoisten und gieriger Menschen, Anarchisten, skrupelloser Revoluzzer, die doch bloß sich selbst bereichern.
Zeithistorie wird eingeflochten, ebenso Modeerscheinungen, wie Kartenlegerei mit Tarotkarten, neue Strömungen in Malerei und Tanz. Im Mittelpunkt jedoch steht die Suche nach dem Dieb der Mona Lisa. Akribisch und kleinteilig, ziemlich unspannend erzählt. Eine Reihe dummer Gedanken wird geschildert, die Joconde soll im revolutionären Kampf eingesetzt werden … Manches ist wohl wahr, manches nicht.
Nein, dieses Buch konnte mich so gar nicht mitnehmen. Meine Erwartungen nach der Ankündigung waren doch ganz anders.
Wahnsinnsspannend
Plötzlich wach! 1: Mit der Queen ne Kutsche kapern von Maja von Vogel
Ein interessanter Einband mit Guckloch weckt Neugier. Sie wird nicht enttäuscht, das Buch beginnt mit einem Knaller: die Queen büxt aus!
Zunächst bekommt Annemie das gar nicht mit. Nach einem Umzug muss sie sich in Omas Haus erst einleben und fürchtet sich vor gräßlicher Langeweile. Die berühmten Bewohner hören ihr immer zwar zu, antworten jedoch nie - es sind Wachsfiguren.
Aber: eine davon ist verschwunden!
Maja von Vogel hat ein wunderbar spannendes Buch mit vielen Abenteuern, Überraschungen und einem unglaublichen und nicht ungefährlichen Familiengeheimnis geschrieben. Anne-Kathrin Behl steuerte anschauliche und lustige, auf dem Umschlag farbige, sonst schwarz-grau-weiße gelungene Illustrationen bei. Nicht nur Kinder werden begeistert sein und wollen unbedingt wissen, ob auch andere Figuren auf Abenteuersuche gehen können. Gut, dass es schon ein Fortsetzungsbuch gibt.
Ursachenforschung
Bei euch ist es immer so unheimlich still von Alena Schröder
Das ist die Geschichte von Evelyn und Silvia Borowski.
Evelyn, junge Frau, Waise, wurzellos, findet Aufnahme in eine alteingesessene Familie in einem kleinen Örtchen. In den 50-er Jahren. Jeder kennt jeden, sie bleibt die Fremde. Auch als Ärztin im Krankenhaus. Töchterchen Silvia wächst in kalter Atmosphäre auf, kommt ins Internat, flüchtet kaum volljährig ins trubelige Berlin.
Und kehrt 1989 mit ihrer Tochter zurück.
Die Vergangenheit beider wird aufgeräufelt, Wünsche, Hoffnungen und gegenseitige Enttäuschungen werden beschrieben. Anschaulich und glaubhaft, mit viel Verständnis schildert die Autorin die Geschehnisse in Ildingen. Die miefige Atmosphäre weht den Leser an, Silvias Flucht ist verständlich. Einzig Tante Betti ist ein farbiger und wohltuender Kontrapunkt zu allen anderen. Was wird sich nach 18 Jahren dort verändert haben?
Alena Schröder beschreibt gekonnt die Atmosphäre beider Welten. Ihre Figuren könnten Menschen aus dem eigenen Bekanntenkreis sein, alles wirkt authentisch, auch ein wenig Zeitgeschichte kommt vor.
Gern von mir gelesen, gern von mir empfohlen.











