Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Söldner im Krieg
Essex Dogs von Dan Jones
Söldner im Krieg
Es ist während des 100-jährigen Krieges, 1346, an der Küste der Normandie gehen zehn englische Söldner an Land. Eine gemischte Truppe, sehr verschiedene Charaktere. Anführer Loveday und seine Mannen sichern die Flotte des englischen Königs.
Es folgen historische Fakten und blutige Metzeleien.
Einigen der „Essex Dogs“ merkt man die Freude am Töten, Abschlachten, Brandschatzen und Foltern deutlich an. Söldner gab es immer, wird es immer geben. Deren vielfach geschilderte, abgestumpfte Geisteshaltung, die hier sehr ausführlich beschrieben wird, brauche ich nicht. Ebenso wenig die späte Läuterung von Loveday. Meine Vorstellungen gingen in Richtung Historie und Zusammenhalt einer Kämpfergruppe. Gibt es hier auch, der Zusammenhalt ist trotz unterschiedlicher Meinungen gegeben, aber die gesamte Geschichte konnte mich nicht erreichen. Die Charaktere bleiben flach, die Historie wird zu Kapitelbeginn stets lehrbuchhaft und vorwegnehmend aufgezeigt und langweilig und abstoßend im Text der Erzählung ausgebaut.
Nicht wirklich meins.
Oscars Truhe
Der Wortschatz von Rebecca Gugger
Oscars Truhe
Was ist in der Truhe? Nur olle zerknüllte Worte, och!
Erst durch einen Zufall erfährt Oscar, dass er mit diesen Worten Dinge verändern kann. Ob der quietschbunte Igel erzürnt ist, der Baum mit lila Perücke schick aussieht, der Käfer plötzlich monströs geworden ist, der Bagger federleicht oder das Krokodil handzahm, Wörter sind wichtig.
Jetzt hat Oscar Spaß daran, mit Wörtern Dinge zu gestalten, sucht neue, bildet selber welche, z.B. pinkflossig, sauergurkig oder blubberweich. Das ganze Geschehen wird phantasievoll und witzig illustriert, tolle Zeichnungen bringen zum Staunen und gefallen gut. Das Buch macht Lust, selber Neues zu kreieren, Sprachspielereien zu veranstalten und überhaupt der Sprache mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Natürlich kann man so auch den Wortschatz erweitern, Wortarten üben, Synonyme finden, Gegenteilpaare bilden usw.
Schöne Idee!
KI kanns
Die Burg von Ursula Poznanski
Eine gut durchmischte Truppe wird eingeladen, eine neue Spieleherausforderung kennenzulernen. Alle sollen später darüber - natürlich positiv- berichten. Man hofft auf leicht verdientes Geld. KIs sind schließlich so programmiert, dass sie das Leben erleichtern oder bei Escape Games leichten Grusel und viel Unterhaltung generieren.
Genau das macht KIsmet in der aufwändig hergerichteten Burg. Nur: wer spielt hier mit wem?
Geschickt, dass zwischen der Escape- Truppe und den Burgmitarbeitern hin- und hergewechselt wird. Die anfangs aufgeschlossene Stimmung wandelt sich.
Ursula Poznanski beschreibt ausgesprochen kreativ und fantasievoll, was KI einst können könnte. Sehr abenteuerlich und spannend gestaltet, gespickt mit Horrorszenarien, liest sich dieser Thriller extrem schnell weg, packende Unterhaltung ist garantiert.
Ein Schelmenroman
Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge von Anja Tsokos; Michael Tsokos
Wer ist dieser Heinz? Seine Autoren äußern sich zunächst abschätzig über ihn und sein Leben. Grau, ohne Schulabschluss, weil förderungsunfähig, alt. Sie beschreiben seine Jugend und versuchen, die Sprache der späten Fünfziger und Sechziger zu treffen. Nun, es gelingt ihnen nicht wirklich. Gewollt ironisch, leider aber ziemlich verbittert, wird das Leben in „… einem Land, das es nicht mehr gibt…“ erklärt.
Und zwar zwei Kindern, einem 10- und einer 13-Jährigen. Nicht sehr plausibel, genau so wenig wie der Fakt, dass Labensky halber Analphabet ist, aber Akten voller komplizierter Begriffe lesen und verstehen kann.
Gelegentlich sind die Sprüche witzig, aber authentisch? Sehr zweifelhaft.
Aber: ein erster Eindruck täuscht.
Das Autorenpaar Tsokos und Tsokos begleitet Heinzi durch sein Leben, ähnlich wie Forrest Gump erlebt der Unglaubliches. Respekt, das alles in eine zusammenhängende Story einzubinden.
Viele historische Ereignisse sind also in diesen Busfahrt- Kontext eingebettet worden, Etliches an fleißiger Recherchearbeit steckt dahinter.
Nach Startschwierigkeiten kann man diesem Buch doch Vieles abgewinnen, eine recht spezielle, sehr originelle Geschichte ist entstanden.
Geschichte eines Mörders
Notizen zu einer Hinrichtung von Danya Kukafka
Ansel Packer wird heute hingerichtet. Ansel ist ein Mädchenmörder.
In Abschnitten wird sein Leben aufgezeigt. Seine Kindheit, sein Verhältnis zu anderen Menschen. Es kommen mehrere Mädchen oder Frauen zu Wort, streiflichtartig, alle von diesem toxischen Mann fasziniert. Was hatte er so Besonderes an sich? Seine sehr speziellen philosophischen Ideen vielleicht? Seine Gedanken 12 Stunden vor der geplanten Hinrichtung kann der Leser fast minutiös miterleben.
Nicht seine Opfer kommen zu Wort, sondern die, die sich durch seine Taten verändert oder etwas verloren haben. Die Mutter, die sich erst spät selbst gefunden hat. Auch ihre Gedanken werden dargelegt, verworren und unentschlossen geschildert. Captain Saffy, ehrgeizig, klug, aber auch von Gefühlen gebeutelt, von Schatten ungelebter Möglichkeiten verfolgt. Die den Verlust der Zwillingsschwester nur schwer ertragende Schwester. Was hätte nicht alles sein können, wenn …
Verstörend und beeindruckend beschreibt Danya Kukafka aus den Fugen geratene Leben.
Romantische Fantasy
Lodernde Flammen von Aimie May
Arianna, früh Waise geworden, lernt auf die harte Tour, sich durchzusetzen. Das hilft ihr sehr, als sie in einer geheimen Regierungseinrichtung landet. Was sie dort erfährt, ist einfach unglaublich. Wesen, die man eigentlich nur aus Märchen kennt, setzen Städte und Dörfer in Brand und wollen die Menschen vernichten.
Nach einem hatten Training wird sie gegen sie in den Kampf geschickt. Dabei erlebt sie einige Überraschungen.
Aimie May hat eine sehr phantasievolle und spannende Geschichte geschrieben. Ihre Heldin ist eine Frau, die langsam ihre wirkliche Bestimmung erkennt und zu eigener Stärke findet. Magie, Verrat, Freundschaft und Romantik spielen eine Rolle.
Manches aus Ariannas Vergangenheit bleibt im Dunklen, könnte unbedingt ausgebaut werden, vielleicht wird das in einer hoffentlich erscheinenden Fortsetzung geklärt.
Fazit: ein unterhaltsame und gelungenes Debüt!
Politische Komplikationen
Oxen. Pilgrim von Jens Henrik Jensen
Es sieht nach Finanzbetrug aus. Leichtes Spiel für Oxen, der traumatisiert nach schweren Kämpfen und Gefangenschaft Ruhe finden möchte?
Langweilig, aber notwendig ist der Exkurs zum Finanzgebaren. Abgründe tun sich auf.
Wieder hat Jens Henrik Jensen einen sich immer mehr steigernden und spannenden Thriller geschrieben, der sich (leider) an einigen wirklich stattgefunden habenden Ereignissen orientiert.
Oxen als Hauptfigur ist der clevere, unermüdliche und loyale Held, unterstützt von zwei vorstellbar toughen Frauen. Sie sind nicht nur engagiert und kämpferisch, sondern auch hartnäckig und clever.
Der ehemalige Geheimdienstchef Alex Mossmann aber spielt eine undurchsichtige Rolle.
Der mittlerweile sechste Fall für Oxen: packend, verwirrend, entmutigend und überraschend endender Thriller aus bewährter Feder.
Spannende Gartenwelt
Judiths kleine Farm von Judith Rakers
Eine gute Idee ist, dass man dieses Buch auch vorlesen lassen kann, eine schöne Einschlafgeschichte ist zu hören. Kosmos-App laden und loshören. Allerdings haben wir gelesen.
Also: Kater Jack sucht einen Freund. Ob es Hahn Pavarotti ( was für ein Name!) wird? Judith Rakers stellt in humorvoller Form das Leben auf einem Bauernhof vor.
Was für Tiere gibt es, was für Arbeiten sind zu erledigen, wie entsteht Nachwuchs?
Zur Geschichte: Jack sucht in seinem neuen Zuhause Jemanden, der ihm keine Bausteine auf den Kopf haut. Anfänglich gar nicht so leicht!
Auch über Gemüseanbau kann man etwas erfahren, eine Anleitung zu eigenen Aktivitäten ist zu finden. Dann wird es auch noch richtig spannend. Schnecken greifen an!
Ausgesprochen hübsche und witzige Illustrationen von Julia Weinmann begleiten den Leser durchs Buch. Sogar eine Wissenstestaufgabe findet sich.
Viel Wissenswertes wird kindgerecht und liebevoll beschrieben. Und die Tiere sind alle echt, das beweisen Fotos am Buchende.
Ein ganz, ganz tolles Buch für Kinder ab vier.
Generationen
Der Schacherzähler von Judith Pinnow
Ob der alte Mann, die alleinerziehende Barista oder der in der Schule als schwierig geltende Junge, sie alle finden einen anerkannten Platz in der wunderbaren Erzählung von Judith Pinnow. Gefühlvoll beschreibt sie deren verschiedenen Welten, Emotionen, Ansichten. Trotz einiger Eigenheiten hat sie Verständnis für die Sorgen ihrer Protagonisten, beobachtet genau und erzählt detailliert, wie ihre Figuren die Welt erleben.
Die Gedanken von Janne werden so geschildert, wie Kinder denken. Seine lebhafte Phantasie ist bewundernswert. Oldmanns Gedanken sind altersentsprechend ein wenig resigniert, kritisch aber wohlüberlegt und vorausschauend. Malu dagegen sorgt sich um ihren Sohn, scheut sich aber auch nicht vor der Konfrontation mit Ungerechtigkeiten und setzt sich für andere ein.
Entstanden ist eine gefühlvolle und berührende Geschichte, optimistisch und auf jeden Fall lesenswert.
Mord auf der Insel
Schneesturm von Tríona Walsh
Cara, Inselpolizistin auf Inishmore, möchte bei einer Gedenk- und Wiedersehensparty für ihren verunfallten Mann eine gute Zeit mit ihren langjährigen Freundenhaben. Es kommt schnell zu Unstimmigkeiten. Ein Mord wird gemeldet, die Stimmung schlägt um. Hilfe ist nicht zu erwarten, die Insel ist wegen eines Schneesturmes von der Außenwelt abgeschnitten.
Wer also hat die Tat begangen?
Triona Walsh beschreibt die aufwändige Spurensuche spannend. Der Leser tappt lange Zeit im Dunklen. Cara sammelt viele Puzzleteile, bekommt eine Ahnung. Aber ob die stimmt? Offenbar hat sie sich in vielen Personen getäuscht. Irgendwie hat jeder ein dunkles Geheimnis. Anscheinend sogar die Tote … .
Packender Thriller in unheimlicher Atmosphäre, mit überraschendem Ausgang, ausgesprochen gut zu lesen.
Herausgegeben vom S. Fischer Verlag.











