Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Ein Leben
Beifang von Martin Simons
Winfried Zimmermann war Hilfsarbeiter in einem Tagebau im Ruhrgebiet, zwölffacher Vater und lebte in bitterer Armut in einer Zechensiedlung, in einer 60 Quadratmeter kleinen Zechenhaushälfte samt Familie. Enkel Frank weiß wenig bis nichts über sein Leben und besucht Winfrieds Kinder, erhofft sich Auskunft.
Warum mag sein Vater, logischerweise Winfrieds Sohn, nie über seine Jugend sprechen? Dafür reist er in der Republik herum, trifft die anderen Söhne und Töchter, die alle eigene Ansichten und Erinnerungen kund tun. Unterschiedlichster Art. Er erfährt viel über seinen Großvater, nicht immer ist es erfreulich. Streng, verbittert und in großer Armut lebte Winfried ein hartes Leben. Seine Nachkommen berichten von ungeahnten Charakterzügen, von Unzulänglichkeiten, von Verzweiflung, von strenger, lieblos scheinender Erziehung, von Stolz und unglücklicher Ehe. Dabei offenbaren sie eine Menge über sich selbst.
Martin Simons hat eine interessante Spurensuche beschrieben, sein Ich-Erzähler hat verschiedene Blickwinkel eingefangen, die ein gut vorstellbares Bild seines Großvaters vermitteln. Tragische Geschichten und wenige Anekdoten runden einen Lebenslauf, der es wert ist, festgehalten zu werden, ab.
Erzählroman aus dem Aufbau-Verlag.
Gegensätze
Das Tor zur Welt: Träume von Miriam Georg
Ava lebt in ärmlichsten Verhältnissen, ist harte Arbeit gewöhnt. Ihre Eltern sind ausgewandert. Als ihre Pflegefamilie stirbt, schlägt sie sich durch, auch als Dienstmädchen und Fabrikarbeiterin und fasst schließlich den Entschluss, ebenfalls nach Amerika reisen.
Claire, in den Falschen verliebte reiche Hamburger Bürgerstochter, zweifelt an sich selbst.
Erwartete Duldsamkeit und Selbstaufgabe kann sie nicht bieten. Was tun?
Im Hamburg des Jahres 1911 treffen Welten aufeinander.
Auswanderwillige aus aller Welt leben in einem besonderen Stadtteil, um eventuelle Krankheiten von den Bewohnern fernzuhalten. Interessant, wie deren den Reedern gewinnbringende Überfahrt organisiert wurde.
Miriam Georg zeichnet ein schreckliches Bild zweier Frauenschicksale, egal ob bitterarm oder reich, Männer taten alles, sie klein zu halten. Sie selbst waren schrecklich egoistisch. Ob die Frauen ein selbstbestimmtes Leben erkämpfen können?
Eine abwechslungsreiche Geschichte, die von Liebe und Verrat erzählt, ein bisschen verworren ist, aber dennoch gut unterhält.
Herausgegeben vom Rowohlt Verlag.
Grandios
Die versteckte Apotheke von Sarah Penner
Wie kommt es, dass in London, im Jahr 1791, eine Apothekerin Frauen nicht nur bei körperlichen Problemen Medizin und Rat gibt, sondern auch Gift zur Beseitigung quälender Zeitgenossen herstellt?
Rund 200 Jahre später begibt sich Caroline auf die Suche nach der Geschichte hinter einer im Themseschlamm gefundenen Phiole.
Das lenkt vom Kummer über den treulosen Ehemann ab.
Hier wird die spannende und interessanteGeschichte einer Frau erzählt, die eigentlich eine Massenmörderin, aber auch eine selbsternannte Helferin gepeinigter Frauen war. Die ihre Kenntnisse verschiedener Kräuter und Tinkturen nutzte, um unterdrückte Geschlechtsgenossinnen aus unwürdigen Verhältnissen zu befreien.
Damit hilft sie auch unwissentlich und - völlig ohne Gift- Caroline, die erkennt, dass sie ihren eigenen Weg gehen muss.
Sarah Penner hat einen faszinierenden Roman über verschiedene Frauenschicksale verfasst, den ich unbedingt und uneingeschränkt empfehlen kann.
Verlegt von HarperCollins.
Faszinierend
Die Hafenärztin. Ein Leben für das Glück der Kinder von Henrike Engel
Hamburg, 1911. Anne Fitzpatrick kümmert sich als Ärztin um Auswandererfamilien, Helene Curtius unterrichtet deren Kinder. Beide engagieren sich außerdem für Frauen, die damals keinerlei Rechte besaßen und oft nicht nur benachteiligt, sondern auch mißhandelt wurden. In den Unterkünften kommt es zu mysteriösen Todesfällen.
Ob die Cholera wieder ausgebrochen ist? Anne will nachforschen, darf aber nicht.
Bei einem Ermordeten wird ein Giftkoffer gefunden. Das ruft den sympathischen Kommissar Rheydt auf den Plan.
Henrike Engel hat im zweiten Teil der Hafenärztin geschickt vor historischen Hintergrund über den Alltag zweier Frauen geschrieben, von Mord, Überfällen, Intrigen und Verrat berichtet, einen stimmigen Roman mit Hamburger Lokalkolorit verfasst.
Der Kampf der Frauen um Gleichberechtigung spielt eine große Rolle, das oft erbärmliche Schicksal der damaligen Frauen wird angeprangert.
Dramatisch, spannend und ein wenig romantisch geht es in diesem unterhaltsamen Roman, den ich sehr empfehlen kann, zu.
Dem dritten Teil, welcher im Herbst, ebenfalls bei Ullstein, erscheinen soll, sehe ich erwartungsvoll entgegen.
Abenteuerlich
PAW Patrol Erstlesebuch von
Die Helden der Paw Patrol sind unglaublich beliebt bei den Vier- oder Fünfjährigen. Für Skye schwärmen die Mädchen und zum Glück kommt sie auch in diesen Folgen neben Chase, Rocky, Marshall, Zuma und den anderen Fellfreunden vor.
Schön, dass alle Helden auf den ersten Buchseiten mit Bild vorgestellt werden, auch wie sie ausgesprochen werden wird erklärt.
In zwei niedlichen Geschichten geht es wieder spannend, aber nicht nervenzerfetzend zu. Bunte, übersichtliche Zeichnungen konzentrieren sich auf wenige Einzelheiten. Das können die Kids gut verstehen und prima nacherzählen!
Hilfsbereitschaft, Mut und Zusammenhalt spielen wie immer eine große Rolle, die aus dem Fernsehen oder der App bekannten Figuren verhalten sich vorbildlich. Ein kleines bisschen Schadenfreude zwecks Bürgermeister Besserwiss lockert sehr auf.
Zum Abschluss gibt es noch ein kleines Rätsel und alle Leser und Leserinnen können beruhigt zum Alltag übergehen. Ausschließlich für Fans toll!
Herausgegeben vom Carlsen Verlag, 64 Seiten, 8,99 €.
Spannend
Der Bewunderer: Thriller von Catherine Shepherd
Laura und Max, die Spezialermittler im Landeskriminalamt Berlin, werden in eine Industriehalle gerufen. Sie finden die Leiche einer jungen, sorgfältig zurechtgemachten jungen Frau, auf bemalter Leinwand drapiert. Engagiert gehen die Beamten daran, den Täter zu finden. Dann wird eine weitere Tote entdeckt.
Geheimnisvolle, verwirrende Fotos tauchen auf. Alle Spuren führen ins Künstlermilieu.
Wieder gelingt es Catherine Shepherd hervorragend, Verdächtige zu präsentieren, vielversprechende Indizien zu offenbaren, die Mördersuche spannend zu gestalten. Natürlich gelingt es ihr auch wieder, den Leser auf falsche Fährten zu locken.
Gewohnt packend, gewohnt gut geschrieben - ein weiterer unterhaltsamer Pageturner aus dem Kafel Verlag.
Unterhaltsames Wimmelbuch
99 Tomaten & eine Kartoffel von Delphine Chedru
Ein großes Wimmelbuch in ungewöhnlichem Hochformat mit einer Reihe an Beschäftigungsmöglichkeiten wird hier vom Insel Verlag vorgelegt. Nicht nur Kinder der empfohlenen Altersgruppe ab vier Jahren, sondern auch ältere, können eifrig suchen, wo sich die eine Kartoffel zwischen 99 Tomaten versteckt, auch einen Bus zwischen 99 Autos zu finden ist oder das Auto heraus suchen, in welchem ein Fahrer sitzt.
Oder wie viel Autos man von vorne sieht. Man kann auch selbst erweitern: wie viele Kabrios, wie viele sind rot, wie viele stehen Kopf … . Zahlreiche Sprachanlässe werden angeboten, z. B. Lieblingsblume benennen, was für ein Ort könnte das sein, welche Tiere tun was usw. Das Buch ist klar gegliedert: die linke Seite nennt das Thema, die rechte Seite beinhaltet die entsprechendenBilder.
Kräftige, bunte Farben, eindeutige Zeichnungen und nette Details sorgen für kurzfristige Beschäftigung, Lernerfolg und Unterhaltung. 18 Doppelseiten mit vielen Sachgebieten wie oben genannt oder Ostereiermuster, Werkzeuge, Verkehrsschilder und Kuchen wurden von Delphine Chedru liebevoll ausgesucht und in Szene gesetzt.
Kleines Defizit: die Seiten sind ziemlich dünn, für Kinderhände wäre stabiler besser. Ein Buch zum Weitergeben, denn clevere Kids merken sich schnell, wo die zu suchenden Dinge zu finden sind.
Abwechslungsreich
Wieso? Weshalb? Warum?: Mein Kalender 2023 von Kienle Dela
Die Autoren von Ravensburger haben einen umfangreichen Schatz zu Themen rund ums Jahr zusammengetragen. In die Bereiche Sachwissen, Länder der Welt und Natur aufgeteilt, ergänzen zusätzliche Wissensfakten die Informationen für Kids, aber auch für Eltern, Großeltern und andere Kinderbändiger. Es gibt viele tolle Anregungen zur Nachwuchsbespaßung und Unterhaltung, man kann ausmalen, Rätsel lösen, Wissen erweitern.
Es geht um Geschichtliches wie das Leben im alten Ägypten, um das richtige Verhalten im Straßenverkehr, um Baumbestimmung, Flugzeugtypen, Länderflaggen, Do-it-yourself-Tipps und viel mehr. Auf den Kalenderrückseiten finden sich manchmal die Auflösungen der gestellten Fragen, manchmal nützliche Tipps. Sehr anschaulich sind die eindeutig erkennbaren und schön gezeichneten farbigen Bilder. Spielideen und Spaßfragen sorgen dafür, dass Langeweile keine Chance hat.
Empfehlenswerter Kalender für einen besonderen Start in den Tag, allerdings ist die Altersangabe ab 4 häufig zu ambitioniert, es ist doch Einiges an Grundschulwissen vorausgesetzt.
Ein Waldspaziergang
Wieso? Weshalb? Warum? Stickerheft - Im Wald von
Ein niedliches Eichhörnchen ziert als Blickfang das Cover des DIN-A4 großen Stickerheftes aus der Reihe Wieso-Weshalb-Warum. Interessantes erfährt man: was kann man im Wald erleben, welche Tiere leben dort, was ist ein Tangwald ( wusste ich so auch nicht), wer lebt im Bergwald, welche Pflanzen und Tiere gibt es auf dem Waldboden, im Regenwald und vieles mehr.
Die Kinder können aktiv werden: 300 Sticker müssen eingeklebt werden. Gar nicht so einfach. Ein Symbol,kennzeichnet die Stickerseiten und hilf, die Heftseiten zuzuordnen. Sowohl Zeichnungen als auch Sticker sind gut dargestellt, leicht erkennbar und übersichtlich aufbereitet. Themenvielfalt, Sachwissen und sinnvolle Beschäftigung sind durch dieses Heft garantiert. Gedacht für 4-7-jährige.
Verlegt von Ravensburger, von Stefan Richter verfasst, für sehr angemessene 7.20 € zu kaufen.
Auf der Suche
Fischers Frau von Karin Kalisa
Mia, Kuratorin, analysiert und zerfasert einen einzigen Satz ins Unendliche. Ein Problem aus ihrer Vergangenheit und mit ihrem Vater läßt sie endlos grübeln. Diese ausufernden Andeutungen langweilen. Interessanter wird es bei der Geschichte des „einerseits hochprofessionellen und andererseits erschreckend unbedarften Pop-up-Fälscherkollektivs“, welches Japanische Keramikschalen nachmacht.
Aber am besten gefiel mir Mias Suche nach der Herstellerin eines speziellen Pommerschen Fischerteppichs. Echt oder Fälschung? Mit einer Botschaft? Interessant ist die Historie solcher Textilien. Als Zubrot während des Fangverbots 1928 knüpften Fischersfrauen die sogenannten „Perser von der Ostsee“.
Viele Hinweise führen Mia in ein fremdes Land, zu fremden, sehr hilfsbereiten Menschen. Und zu einem besonderen. Mia findet eine Geschichte hinter einer Geschichte. Schön, poetisch.
Karin Kalisa schreibt ausufernd, gefühlvoll. Einige Passagen sind stimmig, anschaulich, lebendig. Andere, langatmige, nicht.
„Fischers Frau“ - eine interessante, poetische und auch märchenhafte Erzählung.











