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Rezensionen von csac:
Ein kleines Büchlein über einen ganz Großen… Bergsteigerliteratur vom Feinsten
Wozu ein Himmel sonst? von Norman G. Dyhrenfurth
„Wozu ein Himmel sonst?“ handelt von einem Bergsteiger, Expeditionsleiter, Kameramann und Regisseur, der Zeit seines Lebens eng mit dem Himmalaya verbunden war: Norman G Dyhrenfurth. Als Sohn des Expeditionsleiters Günther Oskar Dyhrenfurth und der Bergsteigerin Hettie Dyhrenfurth wurde ihm die Liebe zu den Bergen und dem Alpinismus sozusagen in die Wiege gelegt.
1952 wurde er schließlich als Kameramann für eine Schweizer Mount-Everest-Expedition engagiert – damit begann Normans tiefe Leidenschaft für Tibet, den Himalaya und das Reich der Chomolongma. Auch wenn diese erste Expedition nicht von Erfolg gekrönt war, bereitete sie doch den Weg für die Erstbesteigung des Everest ein Jahr später durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay.
Diese erste Reise hatte Norman tief geprägt, von nun an sollte ihn der Himalaya Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen. Nur drei Jahre später kehrte er abermals nach Tibet zurück, diesmal zum Lhotse. 1958 schließlich gehörte Dyhrenfurth einer Expeditionsgruppe zum Dhaulagiri an, dessen Besteigung auch gelang.
1963 kehrte er als Leiter und Organisator einer amerikanischen Expeditionsgruppe zum Everest zurück. Dabei gelingt James Whittaker als erstem Amerikaner die Besteigung des Everest. Mit Tom Hornbei und Willi Unsoeld kommt es Tage später zu der ersten Überschreitung eines Achttausenders überhaupt durch das so genannte „Hornbein-Couloir“. Für Norman G. Dyhrenfurth erfüllt sich mit dieser Reise ein Traum, der Erfolg der Expedition wird zu einem der Höhepunkte seines Lebens.
Dieses Büchlein versammelt die schönsten, bisher unveröffentlichten Texte zu all diesen Expeditionen und erzählt vom Überwinden des Khumbu-Eisfalls, ebenso wie von der Traverse des Everests oder dem Angriff auf den Lhotse. Allen Berichten ist eine wunderbar feinsinnige, leichte Sprache gemein, die von der tiefen Liebe des Autors zur Natur und zu den Bergen zeugt. Seine Leidenschaft ist auch zwischen den Zeilen spürbar, wirkt ansteckend und weckt Sehnsucht nach Reisen und Abenteuer.
Umrahmt werden diese Berichte von berührenden Fotos - etwa als dem Abt des Klosters Tengpoche, der über starke Zahnschmerzen klagte, mit einfachsten Mitteln ein Zahn gerissen wird. Bedenkt man den damaligen Stand der Technik, erscheint es mir als Leserin umso verblüffender, in welchem Maße die Bilder den Zauber und Charme des Himalaya einfangen und wiedergeben.
Fazit: Norman G. Dyhrenfurths Buch „Wozu ein Himmel sonst?“ stellt eine kleine Kostbarkeit dar, deren Text und Bilder in sich stimmig sind und noch lange in einem nachhallen. Nicht nur für Liebhaber der Bergsteiger-Literatur sondern auch für Menschen, die eine klare, poetische Sprache zu schätzen wissen.
Ein etwas durchwachsenes Willkommensbüchlein für Neugeborene
#Willkommen in dieser Welt von Norman G. Dyhrenfurth
Ich hätte diesem Büchlein sehr gerne eine andere Bewertung gegeben, schon alleine deswegen, weil mich der Anlass für das Entstehen des Büchleins so berührt hat:
In Wien kommt am 01.01.2018 ein Neujahrsbaby namens Asel auf die Welt und wie das so üblich ist, wird ein Foto der glücklichen Familie gemacht und veröffentlicht.
Auf diesem Foto trägt die stolze Mutter ein Kopftuch...
Dies löst innerhalb kürzester Zeit einen wahren Shitstorm aus, so dass eine Unzahl von Hasspostings auf das noch keinen Tag alten Baby und seine Familie nieder prallen.
Dem stellt Klaus Schwertner von der Caritas eine wunderschöne Aktion entgegen. Er wollte diese neue Dimension von Hass nicht einfach hinnehmen und schrieb in einem Posting: "Lasst einen #flowerrain auf Asel und ihre Eltern regnen! Ich sammle alle Glückwünsche, binde sie zu einem Buch und überreiche es den Eltern." So entstand innerhalb kürzester Zeit eine Gegenbewegung und in nur wenigen Tagen hatten die Willkommensgrüße die Hasspostings bei Weitem überholt. Asel und ihre Eltern erhielten eines der dicksten Bücher, das sie jemals gesehen hatten - eine weltweite Umarmung für Asel.
Dieser Hintergrund war der Anlass für das Verfassen dieses Büchleins sowie die Botschaft: "Jedes Kind hat einen solchen #flowerrain verdient - du ganz besonders".
Insofern stellt dieses Buch ein herzliches Willkommen für wirklich alle Neugeborenen dar. Aber, nun kommt leider mein Aber: Ich hätte mich sehr gefreut, viele dieser Willkommens-Postings in diesem Büchlein versammelt zu sehen, sozusagen als Inspiration und Stärkung des Glaubens darin: Liebe ist größer als Hass.
Ich fand in diesem Buch allerdings hauptsächlich sehr allgemein gehaltene und mich als Dreifachmutter seltsam unberührt lassende Sätze über eine ganze Doppelseite gehend, wie "Wunder geschehen" oder "Glaube-Hoffnung-Liebe". Leider werden dabei auch Zitate von bekannten Persönlichkeiten, wie etwa jenes von Astrid Lindgren, falsch wiedergegeben. Ein ebenfalls sehr bekannter Spruch zur Geburt von Khalil Gibran (Da werden Hände sein, die dich tragen und Arme, in denen du sicher bist und Menschen, die dir ohne Fragen zeigen, dass du willkommen bist), wurde von einer Posterin nur geringfügig abgeändert und nun unter deren Namen in veränderter Form ins Buch aufgenommen. Das kann man natürlich machen. Allerdings hinterlässt es bei mir als Leserin dann das dumpfe Gefühl, dass sich die Verfasser nicht wirklich mit diesen Botschaften und ihrer Herkunft auseinandergesetzt haben.
Neben den erwähnten Sprüchen und Zitaten findet man auch noch Platz für das erste Ultraschallbild, einen Fußabdruck oder eine #flowerrain-Message.
Untermalt wird der Text durch eine moderne Gestaltung mit Emojis und Icons, die mich leider überhaupt nicht angesprochen haben. 230-mal das gleiche Icon (Partytüte) auf einer Doppelseite zu sehen, gut darin versteckt ein Spruch, ist zumindest für meine Augen keine Wohltat ;-(
Fazit: Ein Büchlein, das mit seinen originellen Wünschen und Gedanken zur Geburt wirbt, tatsächlich aber eher platt und allgemein gehalten bei mir als Leserin ankommt. Dennoch vergebe ich drei Punkte für die schöne Idee dahinter sowie dafür, dass mit dem Erlös bedürftige Familien unterstützt werden. Zuguterletzt vor allem für den Spruch des Posters Axel Halbhuber, der als einziger für mich tatsächlich neu war, mich zum Schmunzeln brachte und von deren Sorte ich mir viel mehr Willkommensgrüße erwartet hätte.
Schau – ein Bilderbuch zum Staunen für alle Sinne
Schau! von Martina Fuchs
„Man sieht nur mit den Augen gut. Davon ist Herr Soundso überzeugt“. Dem widerspricht die blinde Nele: „ Man sieht auch mit den Ohren gut. Und mit der Nase. Und mit der Zunge. Und mit den Fingerspitzen. Und natürlich auch mit der Fantasie“.
So beginnt ein wunderschönes, berührendes Kinderbuch, das sich mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Wahrnehmung auseinandersetzt und den Leser mitnimmt auf eine Reise zu allen Sinnen.
Dabei steht Herr Soundso stellvertretend für die eher nüchtern-pragmatische Sichtweise der Dinge: „Der Schatten ist schwarz und kennt keine Sonne“. Nele hingegen erkennt im Schatten einen „geheimnisvollen Zauberer“, der mal hier und mal dort auftaucht und dich mit seinem kühlen Umhang umfängt. Sie nähert sich den Dingen auf völlig andere Weise an, über die Erfahrung des Fühlens, Riechens, Hörens, Schmeckens und Tastens. Auch sie „sieht“, wobei dieses Sehen mit allen Sinnen getragen wird von ihrer Fantasie und Kreativität.
Auch die grafische Umsetzung des Buches ist äußerst gelungen: Auf jeder Doppelseite zeigt sich zunächst die Sichtweise von Herrn Soundso in sehr klaren, scharf konturierten Bildern. Klappt man im Anschluss die Seite weiter auf, befindet man sich plötzlich in Neles Welt: So wird der streng aufgerichtete Baum plötzlich zum Kobold mit knorrigen Ästen, aus dem fallenden Regen, der laut Herrn Soundso aus unzähligen Wassertropfen besteht, wird ein lustiger Kerl, der die Blumen zum Duften bringt.
Insofern ist „Schau“ ein anregendes, inspirierendes Buch, das uns Leser animiert, offen zu bleiben oder zu werden, nicht immer auf unsere geläufigeren Wahrnehmungskanäle zurückzugreifen, sondern das eigene Spektrum ganz bewusst zu erweitern und die Sinne zu schärfen. Wieso nicht mal versuchen, Schnee zu riechen, die Nacht am Körper wie eine sanfte Umarmung zu erspüren oder aber ganz genau zuzuhören, was uns das Feuer zu sagen hat?
Dabei bietet das Buch sehr viele Impulse und Anregungen, um ins Gespräch zu kommen und sich mit Themen wie „unterschiedliche Wahrnehmung“ oder „Blindheit“ auseinanderzusetzen. Speziell für die Arbeit mit Kindern dürfte das Buch von großem Nutzen sein, hat es doch eine bestärkende Botschaft: Traue Deiner Wahrnehmung. Jeder Mensch sieht, fühlt, spürt, hört, riecht auf etwas andere Art und Weise und dennoch hat jede einzelne ihre Berechtigung.
Dieses Buch hat zurecht den Blderbuch-Nachwuchspreis LESEL gewonnen. Absolute Kaufempfehlung!
Wir sind da - Ein kleines Buch mit viel Inhalt
Wir von Wolfsgruber Linda
Linda Wolfsgruber zeichnet in diesem kleinen Büchlein unzählige Gesichter: Große, kleine, freundlich dreinblickende, wütend aussehende, runde, eckige, lachende, weinende, Gesichter aus aller Herren Länder und der unterschiedlichsten Ethnien.
Diesen Bildern hat sie scheinbar beliebige Adjektive wahllos beigefügt, die einem als Leser manchmal passend, manchmal jedoch auch komplett unpassend erscheinen.
Und schon gerät man darüber ins Nachdenken, warum einem ein Portrait "tierisch" oder "wild" erscheint, ein anderes "hübsch" oder "begabt".
Es wird offensichtlich, dass diese Bilder unser Auge nur über den Filter aller möglichen bis jetzt gemachten Erfahrungen, über geschichtliche, soziale und kulturelle Hintergründe etc. erreichen und unsere Bewertungen daher wenig über die Gesichter an und für sich, aber viel über uns selbst aussagen. Denn letztendlich treffen alle Adjektive auf alle Gesichter zu, jedes kann auf seine Art und Weise "schön", "klug", "zugeknöpft" oder "kurzsichtig" sein.
Insofern stellt dieses Büchlein nicht nur ein Plädoyer für Diversität dar, sondern bietet auch die Möglichkeit, eine kleine Reise zu sich selbst anzutreten im Sinne von: Wer und was bin ich...und wie viele?
Ein Buch, das gut im Klassenzimmer zu Themen wie Integration, Vielfalt oder Unterschiedlichkeit versus Gemeinsamkeiten verwendet werden kann. Es ist sicher auch gut in der therapeutischen Arbeit einsetzbar, etwa, um schon bekannte Eigenschaften an sich selbst wahrzunehmen sowie mit bisher ungelebten, „neuen“ Anteilen zu experimentieren.
Absolute Kaufempfehlung!
Wir wollen doch nur spielen - ein Bilderbuch nicht nur für Kleine, sondern auch für große Menschen
Wir wollen doch nur spielen von Berenike Oppermann
Was denken sich Kinder, wenn sie den Garten komplett unter Wasser setzen, obwohl sie doch bloß mithelfen sollten, die Kartoffeln zu gießen? Was ist los mit ihnen, wenn sie in der U-Bahn plötzlich ganz schnell im Kreis herum wirbeln und dabei laut loskreischen? Und warum machen Kinder manchmal für Erwachsene so unverständliche Sachen wie etwa, plötzlich mit einem großen Hüpfsprung auf die Straße zu springen?
Dieses Bilderbuch ist meines Erachtens nicht nur ein Buch für Kinder, sondern vor allem auch für Erwachsene zum besseren Verständnis ihrer und anderer Sprößlinge.
Es zeigt auf wunderbare Art und Weise auf, wie sich die Welt der Großen und Vernünftigen mit jener bunten, oft schrillen, manchmal auch ver-rückt anmutenden Welt der Kinder reibt, diese aber auch ergänzt und bereichert.
Vor allem aber zeigt es, wie Kinder ganz in ihrer Phantasiewelt im Hier und Jetzt aufgehen und dabei die Realität (Straßenverkehr, ein schlafender Opa, ein überflutetes Badezimmer) völlig ausblenden können. Für den Moment sind sie Zirkusartisten, Ritter, Sternfahrer und Kapitäne der sieben Meere, das geht nun mal nicht leise und vernünftig.
Und das ist nun mal auch nicht der Job unserer Kinder. Sie müssen "wild sein und die Welt entdecken". Wir "Großen haben sie schon entdeckt, als wir klein waren". Unser Job als "Große" ist es jetzt, mit unserer Weitsicht und Lebenserfahrung dafür Sorge zu tragen, dass sich unsere Kinder beim phantastischen Freigang nicht in reale Gefahr begeben. Und überall dort, wo möglich, die Spatzen pfeifen, die Löwen brüllen und die Kapitäne segeln zu lassen. Das ist die wunderbare Botschaft und Anregung dieses Buches.
Fazit: Ein Buch, das zum generellen Nachdenken darüber anregt, wie viel Freiraum und wie viele Grenzen Kinder in ihrer Entwicklung benötigen. Darüber, wie sehr die Bedürfnisse der Kleinen sich mit jenen der Großen stoßen, welche realen Beschränkungen es oft im Alltag mit Kindern gibt und wo Kompromisse und Freiräume möglich wären. Ein Buch, das auch gut zum Austausch mit Kindern über beiderseitige Wünsche und Bedürfnisse für ein friedliches Miteinander dienen kann.
Ein anrührendes Bilderbuch über die Kraft und Stärke der Liebe für Klein und Groß
Duhuu? Hast du mich lieb? von Gabi Kreslehner
Ich erhielt dieses Buch geschenkt und beim Lesen des Titels ertappte ich mich unweigerlich dabei zu denken: Nicht schon wieder ein Buch im Stile von "Weißt Du, wie lieb ich Dich habe". Wie angenehm war ich überrascht, als ich bemerkte, dass dieses Buch wesentlich tiefer geht und mich als erwachsene Leserin und Mutter mitnimmt auf eine Reise, die das ganze Elternsein umfasst:
"Duhuu? Hast du mich lieb", fragt das Kind und erhält darauf ein schlichtes, kräftiges und klares "Ja" als Antwort.
Doch was ist, wenn ich groß werde, "so groß, dass ich meine Zehen aus den Schuhen strecken muss, weil mich meine Schuhe zwicken? Und du mir neue Schuhe kaufen musst? [...] Weil alle Nähte ächzen und stöhnen und platzen und ich mich aus allem herauszwänge?", beharrt das Kind. Und abermals erhält es eine liebevolle, bedingungslose Antwort: "Ja". Das Kind setzt sein Gedankenexperiment fort und hinterfragt, ob diese Liebe tatsächlich an keinerlei Bedingungen und Erwartungen geknüpft ist. Ob es noch geliebt wird, wenn es zu suchen beginnt nach den Dingen, die seine Welt sein sollen. Ob es Geborgenheit erfährt, selbst wenn sein Herz sich aufmacht, weil es neugierig ist auf andere Welten. "Fängst du mich", selbst wenn ich am anderen Ende der Welt bin?, fragt es. Die Antwort bleibt stets die gleiche: "Ja" und "Ja" und "Ja".
In diesem Sinne stellt dieses Buch weit mehr als ein reines Bilderbuch dar. Auf berührende Art und Weise beschreibt es dieses zarte und doch so kräftige Band zwischen Eltern und Kind, an dem auch mal gezogen und gezerrt wird und das sich oftmals auch stark dehnen muss ("bis ans Ende der Welt") und das doch (im Idealfall) dennoch da ist, stark und fest und sicher.
Ein Buch, das Geborgenheit vermittelt, Sicherheit und Wärme und anrührt durch die einfache und klare Botschaft: Egal, was auch passiert, wohin du auch gehst und was dein Herz erweckt, es gibt eine Verbindung zwischen uns und diese bleibt bestehen, "immerimmer".
Verena Ballhaus untermauert mit kräftigen und klaren Bildern diese Aussage, lässt dabei aber auch viel Spielraum für Phantasie und weiterführende Gedankenreisen.
Dieses Buch wurde zu Recht mit dem Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2018 ausgezeichnet.
Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen in Volksschulen, ist aber sicher auch in der Arbeit mit Jugendlichen, die sich auf den Weg machen und langsam aus dem Familienverband lösen wollen, hilfreich. Denkbar erscheint mir auch ein Einsatz bei der Firmvorbereitung oder aber als Trost und Mutmacher für Eltern, deren Kinder sich allmählich von ihnen loseisen.
Absolute Kaufempfehlung!
Mit dir sind wir vier - ein Bilderbuch über die spannende Reise hin zu einem neuen Familienmitglied
Babybauch und Windelwunder von Sarah M. Orlovský; Birgit Antoni
Zum Inhalt:
"Ich" ist fast schon 90cm groß, hat viele Kuscheltiere, schaukelt gerne ganz hoch in die Luft, spielt mit Bauklötzen und... wird bald ein großes Geschwisterkind sein. Denn Mama und Papa bekommen ein Baby und die ganze - noch kleine - Familie fiebert mit in dieser aufregenden, wunderbaren und manchmal auch ein bisschen unheimlichen Zeit.
Erzählt aus der Perspektive von "Ich" sieht der Leser, wie der Bauch der Mutter langsam größer wird und das Baby darin allmählich Gestalt annimmt: "In Mamas Bauch schwimmt ein Baby. In meinem Bauch auch?", fragt sich Ich bei einer Ultraschalluntersuchung und hält prüfend die Hand auf seinen Bauch. Mamas Bauch wächst und wächst und Ich weiß genau: "Wenn es groß genug ist, kommt es raus". Noch werden die letzten Vorbereitungen getroffen, Windeln gekauft, Kleidung gestrickt und ein Bettchen aufgebaut - tatkräftig unterstützt vom kleinen "Ich", doch schließlich ist es soweit: Das Baby ist da und damit wird Ich zum "allerersten Besuch für das Baby. In seinem ganzen Leben". Noch ist das Geschwisterchen winzig klein, trinkt viel bei Mama, schläft oder macht in die Windel. Gott sei Dank ist Ich schon groß und kann überall mithelfen.
In sehr einfachen und klaren Sätzen beschreibt die Autorin Sarah Michaela Orlovsky die Schwangerschaft der Mutter, die Vorfreude der ganzen Familie bis hin zur Geburt des Geschwisterchens und die erste Zeit zu viert. Im Gegensatz zu anderen Büchern zu dieser Thematik beschränkt sich die Autorin dabei ganz bewusst auf das Offensichtliche: Den größer werdenden Bauch, die letzten Vorbereitungen, die Begrüßung des Winzlings und die erste Zeit mit dem neuen Familienzuwachs. Aspekte wie Angst, Eifersucht, Geschwisterrivalität oder die gelegentliche Überforderung der Eltern werden dabei ausgespart. Zuerst waren sie eine Familie zu dritt und kuschelten gerne auf der Couch, nun kuscheln sie zu viert: "Wir sind eine Familie". So einfach, unkompliziert und wunderbar kann das aus der Sichtweise eines Kleinkindes sein.
Untermalt wird dieses Büchlein durch anregende und farbenfrohe Bilder, die ansteckend wirken in ihrer Fröhlichkeit und eine gewisse Leichtigkeit sowie sehr viel Charme verströmen.
Fazit: Ein unterhaltsamer und anregender Lesestoff nicht nur für bald werdende Geschwisterkinder
Bildband mit anregenden Texten zum Brenner, einem Ort zwischen den Welten
Brenner.o von Othmar Kopp
Viele kennen den Brenner nur als Durchzugsort, als einen der bedeutendsten Routen des Alpentransits, als meist befahrensten Pass (den Straßenverkehr betreffend) der Alpen. Vielen ist auch seine Bedeutung als Tor zum Süden, als Verbindung zwischen Österreich und Italien, zwischen Nord- und Südtirol ein Begriff.
So mancher assoziiert mit dem Brenner auch lange LKW-Kolonnen, Staus an der Grenze, Zollbeamte, den Brennermarkt und - aktueller - einem steten Strom an Flüchtlingen, die versuchen, über den Brenner nach Deutschland und Österreich zu gelangen, sehr oft ohne Erfolg.
Alls dies und noch viel mehr ist der Brenner. Ein Ort "der Trennung und des Übergangs, des Wartens, der Hoffnung". Diesen politischen, historischen und emotionalen Ort hat der Innsbrucker Fotograf Othmar Kopp wirkungsvoll in Szene gesetzt. In anrührenden Bildern zeigt er alte und ganz neue Aspekte eines Ortes, der so gern recht grau daher kommt. Vieles erkennt der Leser dabei wieder, anderes lässt ihn den Brenner in völlig neuem Licht erscheinen. Es sind keine bunten, grellen Töne, die Othmar Kopp dabei zum Ausdruck bringt, sondern leise, nachdenkliche, nostalgische und wehmütige Betrachtungen.
Ergänzt wird diese "Grenzbetrachtung in Bildern" von ebenso nachdenklich stimmenden Texten. Dem Südtiroler Kurt Lanthaler ist es dabei gelungen, einen gar nicht grauen Essay über das "Wesen" des Brenners zu schreiben, der sich so gar nicht fassen lassen möchte. Bereichernd sind auch die 27 Geschichten von Menschen, die auf irgendeine Art und Weise mit dem Brenner verbunden sind: Zollbeamte, Reisende, Fernfahrer, Anwohner, Geschäftsleute, Demonstranten und mehr. Gemein ist ihnen alle die Erinnerung, die Zärtlichkeit und die Hoffnung in Bezug auf einen Ort, der viel mehr ist, als nur ein Punkt auf der Landkarte.
Ich kann dieses Buch all jenen empfehlen, die einen vermeintlich alt vertrauten Ort neu entdecken und erleben und die sich vielleicht bei einem nächsten "Grenzgang" die Zeit nehmen möchten, selbst auf Spurensuche zu gehen.
Absolute Kaufempfehlung!
102 jahresspezifische Wanderungen in Tirol
Das Tiroler Vier-Jahreszeiten-Wanderbuch. 102 Wandertipps für Frühling, Sommer, Herbst und Winter von Hubert Gogl
Wer sich wie wir gerne in der freien Natur bewegt und diese Aktivitäten nicht nur auf die wärmere Jahreszeit beschränken möchte, ist mit diesem Buch von Hubert Gogl gut beraten.
In 102 Wandertipps gibt er auf anregende und sehr detaillierte Art und Weise Auskunft zu unterschiedlichen Touren in ganz Tirol.
Dabei schätzen wir die sehr genauen Informationen, die eine Tourplanung erfordern, wie etwa Kartenausschnitte, Ausgangspunkt und Endpunkt der Wanderung, Angaben zu einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, exakte Beschreibungen des Wegverlaufs und generellen Charakters der Tour sowie zur Weglänge, zu Höhenmetern und Dauer. Auskünfte zu den Öffnungszeiten der Hütten fehlen in diesem Buch ebenso wenig wie Tipps zu aktuellen Sperren (etwa aufgrund von Felsstürzen) und alternativen Aufstiegsrouten. Darüber hinaus gibt es Touren für ambitionierte Wanderer, aber auch für Familien mit Kindern.
Was diesen Wanderführer auszeichnet, ist seine nach den Jahreszeiten ausgerichtete Tourenauswahl. Gegliedert in Frühling, Sommmer, Herbst und Winter, macht der Autor Vorschläge zu für die jeweilige Jahreszeit besonders günstige Touren.
Diese ermöglichen, Wanderungen ganz speziell auf die Tageslänge, die Kraft der Sonne, länger werdende Schatten oder herbstliche Nebelschwaden abzustimmen:
So ist es mithilfe dieses Buches möglich, Winterwanderungen zu unternehmen, ohne allzu schnell auf der Schattenseite zu landen, Angaben zu Wegen zu finden, die selbst in den kalten Monaten die Sonne noch einfangen bzw. zu Aussichtspunkten, die man auch an den kürzeren Tagen noch besteigen kann. Die Mitnahme von Schneeschuhen oder Rodel sind dabei kein Muss, oft aber eine Empfehlung.
Anregend gestalten sich auch die Tipps zu Frühlingstouren, bei welchen uns der Autor mitnimmt an Plätze, die den Zauber des Blühens besonders gut zur Geltung bringen. Im Sommer entführt er uns wiederum in die Höhen, speziell dorthin, wo der Wanderer Abkühlung erfährt oder Bergseen zum Erfrischen einladen.
Im Herbst lässt er uns die rauschende Farbenwelt der Natur erleben und empfiehlt uns Wanderungen an beschauliche und leiser werdende Orte, wie etwa den Möserer See, wobei die in diesem Abschnitt dargestellten Touren das kälter werdende Klima berücksichtigen.
Fazit: Ein Buch, das in jeden Rucksack passt und ideal erscheint, um das ganze Jahr hindurch Wandertouren im Raum Tirol zu planen.
Als Leser ist spürbar, dass der Autor seine Auswahl mit viel Überlegung und Erfahrung getroffen hat, seine Liebe zur Natur sowie zu seiner Heimat Tirol sind in jeder Beschreibung spürbar. Ein anregender und praktischer Wanderführer! Absolute Kaufempfehlung.
Ein rasanter Jugendroman über die Suche nach sich selbst
ich von Sarah Michaela Orlovský
Die 15-jährige Veronika (Nono) hat es nicht leicht: Ihr Vater ist Pilot und nur selten zuhause, ihre Mutter ist schwanger. Sie bekommt "ein Ersatzkind. Ein liebes, süßes, kleines Gugugaga-Baby. Und ich bin draußen".
Mit diesen Worten und dem daraufhin folgenden Gefühlschaos startet Nono in einen Sommer, der ihr eigentlich einen Urlaubstrip nach Norwegen bescheren sollte.
Aber dank des "Bauchzwerges" muss sie nun zuhause bleiben, während alle anderen weg sind. Somit hat Nono viel Zeit. Zeit, um sich Gedanken zu machen über sich, darüber, wer sie ist, über die Welt und über ihr Leben.
Sie experimentiert mit Kleidung, wechselt vom Skater- zum Gothiklook und weiter, um durch diese Experimente Rückschlüsse auf sich selbst ziehen zu könen. Untermauert wird diese Vorgangsweise durch pointierte Illustrationen, Collagen und Grafiken zum jeweiligen Outfit. Sie macht Bekanntschaften und verliert sie wieder. Findet neue Freunde und lernt letztendlich ihre kleine Schwester kennen.
Nonos Spurensuche wird in einer Art Notizbuch dokumentiert. Selbstzweifel, Weltzweifel und Orientierungslosigkeit paaren sich dabei mit Humor, Sarkasmus und "Weißnichtgenaumentalität" und werden in Form von tagebuchartigen Einträgen, Kurznotizen, Listen, Übersetzungen, Gedichten und Illustrationen verarbeitet. Dies ergibt einen rasanten Roman, der sehr kurzweilig und leicht zu lesen ist und der gut geeignet ist, um die vielen Fragmente eines Teenagerlebens widerzuspiegeln.
Fazit: Der Autorin Sarah Michaela Orlovsky ist es gelungen, das emotionale Auf und Ab von Jugendlichen sowie deren drängende Fragen an sich und das Leben ( Was werde ich einmal? Wer will ich sein? Bis wann muss ich das wissen?) anschaulich und glaubwürdig darzustellen. Gerade weil die Protagonistin nicht auf alle diese Fragen eine (einfache) Lösung findet, vieles auch offen bleiben muss, bietet dieses Buch auch Identifizierungsmöglichkeiten in dieser schwierigen Zeit des Heranwachsens. Es ist o.k., nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben und es ist in Ordnung, sich immer wieder neu zu erfinden, denn: Das alles bist Du und noch viel mehr, lautet die dem Buch zugrunde liegende tröstende Botschaft.
Ein Buch, das für alle Heranwachsenden gut geeignet ist und auch in der therapeutischen Arbeit mit Jugendlichen gut eingesetzt werden könnte.











