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Rezensionen von csac:

Ein Sagenschatz aus der Steiermark

Sagen aus der Steiermark von Robert Preis

In seinem Buch "Sagen aus der Steiermark" sammelt Robert Preis in insgesamt 80 Sagen Erzählungen von Geistwesen, alptraumhaften Kreaturen, von Drachen, Helden und Liebenden aus der "grünen Mark". Die einzelnen Legenden werden kurz und anschaulich erzählt und sind damit auch zum Vorlesen bestens geeignet.

So etwa "In der Höll", eine Sage aus der Obersteiermark, in welcher Legende und Gegenwart auf spannende Art und Weise ineinander verschwimmen, so dass die Kinder beim Lesen den Atem anhielten.

Als eine Lieblingsgeschichte meiner Söhne entpuppte sich auch "Wegschoad-Sitzen", eine Erzählung aus der Koralmregion, in welcher dem Leser geraten wird, sich in der Christnacht auf eine bestimmte Stelle in einem Hohlweg zu setzen. Allerdings nur dann, wenn man ein Messer bei sich trägt, mit dem schon mindestens drei Menschen umgebracht worden sind. Einzig und allein mit einem solchen Messer sollte man einen Kreis um sich ziehen, und dann abwarten... Und dann in jedem Fall in diesem Kreis sitzen bleiben, auf keinen Fall aufspringen und davon laufen, selbst dann nicht, wenn ungeheuerliche Kreaturen oder der Teufel selbst versuchen, zu einem durchzugelangen.

Spannung, Spass und Unterhaltung sind bei diesen Erzählungen inkludiert. Sie eignen sich auch wunderbar zum Nacherzählen bei längeren Autofahrten, zum Ins-Bett-Bringen, am Lagerfeuer oder aber als Einstimmung für eine Steiermarkreise.

Untermalt werden die Sagen von Illustrationen Jakob Kirchmayrs, die mir persönlich zu düster und abstrakt schienen, meinen Kindern aber sehr gut gefallen haben.

Fazit: Ein wahrer Fundus an Legenden aus dem grünen Herz Österreichs, kurzweilig und spannend erzählt. Gute-Nacht-Geschichten für große und kleinere Leser, die es prickelnd und phantastisch mögen.

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Aufwühlende Biograffie über eine vergessene Heldin

Dianas Liste von Wilhelm Kuehs

Willhelm Kuehs verarbeitet in dieser aufwühlenden Biografie das Schicksal einer Frau, die verantwortlich für die Rettung und das Überleben tausender Kinder am Balkan während des Zweiten Weltkrieges ist:

Diana Obexer ist eine aus Innsbruck stammende Humanistin und Aktivistin. Nach ihrer Heirat mit einem aus Kroatien stammenden Serben, dem Chirurgen Julije Budisovljevic, zog das junge Paar nach Zagreb, wo es auch in den Kriegsjahren die furchtbaren Folgen des Ustascha-Regimes hautnah miterlebte.

V.a Serben, Juden und Roma wurden zum Opfer der ans NS-Regime angelehnten Ideologie, Kroatien "serbenfrei" zu machen. Tausende Menschen wurden zunächst in Kz´s verfrachtet, darunter auch unzählige Frauen und Kinder. Viele Menschen verstarben in den Konzentrationslagern unter grausamsten Bedingungen, wurden erschossen oder in Elendstransporten nach Deutschland weiter verschickt.

Als Diana von den Zuständen im KZ Loborgrad erfuhr, sammelte sie zunächst Hilfsgüter, die später auch noch an das KZ Gornja Rijeka weiter geleitet wurden. Ihrer Hartnäckigkeit, ihrem Mut und ihrer Unerschrockenheit ist es zu verdanken, dass Diana wenig später ihre Aktion ausweiten konnte und dazu überging, Kinder aus diesen Lagern zu retten. Dazu nützte sie ihre politischen Kontakte sowie die Unterstützung von unzähligen Einzelpersonen, etwa jene eines deutschen Generals.

Insgesamt rettete Diana in den Jahren 1941-1945 zwischen 12000 bis 15000 Kindern das Leben (die genaue Zahl ist nicht überliefert). Vor allem kranke und kleine Kinder konnte die Ustascha weder als serbische Geiseln missbrauchen, noch für ihre Milizen einsetzen - dies machte sich Diana von Nutzen. Die geretteten Kinder kamen in Heimen oder einer Taubstummenanstalt in Zagreb unter, wurden schließlich aber auch durch die Unterstützung der Caritas-Vermittlung in Bauernfamilien am Land untergebracht.

Über all diese Tätigkeiten hatte Diana eine genaue Kartei mit Namen und Fotografien der Kinder angelegt, um eine Zusammenführung der Eltern mit ihren Kindern nach Ende des Krieges zu erleichtern. Leider wurde diese Kartothek gegen Ende des Krieges von den Kommunisten konfisziert, was einen herben Rückschlag für die Organisation, insbesondere aber für Diana bedeutete.

1972 kehrte Diana in ihre Heimatstadt Innsbruck zurück und verstarb dort sechs Jahre später. Sie hat nie erfahren, wie viele Familien durch ihr Engagement schlussendlich zusammenfanden. Gewürdigt wurde der Einsatz dieser unerschrockenen Frau erst nach ihrem Tod von der serbisch-orthodoxen Kirche. In Österreich erinnert heute lediglich ein Innsbrucker Kindergarten an Dianas Mut.

Auch wenn ich mich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit der Thematik des Völkermordes während der NS-Zeit auseinander gesetzt habe, war mir die Geschichte des serbischen Volkes in Kroation zu dieser Zeit völlig neu. In diesem Sinne war es sehr aufschlussreich und interessant, über die Folgen des Zweiten Weltkrieges am Balkan zu lesen.

Gleichzeitig muss ich aber hinzufügen, dass dieses Buch mit seinen sehr aufwühlenden und schockierenden Darstellungen der Grausamkeiten in den Konzentrationslagern keinen leichten Tobak für mich darstellte. Insbesondere als Mutter war es für mich kaum aushaltbar, über das Leiden und die Gewalttaten gegenüber Kindern, selbst den Allerkleinsten, zu lesen. Dies führte dazu, dass ich manche Stellen überspringen musste und an manchen Passagen überhaupt den Impuls hatte, das Buch ganz zur Seite zu legen.
Was mich dann doch daran verharren ließ? Diana Obexer, diese inspirierende Frau, die offenbar nicht nur mutig, sondern auch tatkräftig war, durchsetzungsstark und pragmatisch, die nicht weglief, sondern beide Hände ausstreckte, um zu helfen.

Fazit: Ein wichtiges, informatives und gleichzeitig sehr berührendes Buch einer großen Heldin, der damit literarisch ein Denkmal gesetzt wird.

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Elf reizende weihnachtliche Geschichten, das Vorlesebuch einer großartigen Erzählerin

Der kleine Fuchs und das Christkind von Lene Mayer-Skumanz

In diesem Buch werden elf Geschichten rund um Weihnachten und die frohe Botschaft der Menschwerdung Gottes auf neue Art und Weise erzählt, denn: Ja, auch die Tiere feiern Weihnachten.
Da machen sich etwa eine Wüstenlerche, ein kleiner Fuchs, eine Eidechse, ein Flughühnchen, eine Grille und ein Wüstenluchs auf, um das Kind in der Krippe zu besuchen.

Erst später wird sich zeigen, wie wichtig die Anwesenheit des kleinen Wüstenfuchses für die Heilige Familie ist.
In einer anderen Erzählung verlässt ein furchtbar starker Pirat sein Schiff, um einem kleinen Engel seinen Herzenswunsch zu erfüllen, den kleinen Jesus, Retter der Welt, zu besuchen. Dabei verwendet der Pirat herrlich "unpassende" piratenstarke Redewendungen wie etwa "Sapperlotl-pfiatdigottl", was meinen Kindern viele herzhafte Lacher entlockte.
Im "Das Geschenk der Wilden Leute" wird von einer Bäuerin berichtet, die sich zu den Wilden Leuten aufmacht, die klein, dunkel und scheu und dort zuhause sind, wo Murmeltiere, Gämse und Steinböcke leben. Die Bäuerin soll bei der Geburt eines Kindes helfen und wird dafür reich belohnt werden.
Schließlich entdeckt der kleine Johannes in der berührenden Erzählung "Ein Platz für Willi" ein kleines, fast durchsichtiges Ding, halb so groß wie sein Daumen, das nur er zu sehen vermag. Er kümmert sich liebevoll um den kleinen "Willi", baut ihm ein Bett in einer Krippe und deckt ihn warm zu. Viele Wochen lang sorgt Johannes für das kleine Geschöpf, bis es sich letztendlich von ihm verabschiedet.

Diese und andere Erzählungen berühren das Herz, sind lustig und traurig, machen nachdenklich und regen an zu Gesprächen mit den kleinen Zuhörern. Untermalt werden die Geschichten von wunderschönen Illustrationen von Tina Nagel, die meine Kinder sehr lange und ausgiebig betrachtet haben.

Fazit: Eine herrliche Einstimmung auf die Weihnachtszeit, nicht nur für Kinder, sondern auch für die (erwachsenen) Vorleser. Eine großartige Erzählerin, eine wunderbare Illustratorin - entstanden ist dadurch ein wärmendes Familienbuch für die dunkelsten Tage des Jahres.

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Eine Schöpfungsgeschichte der anderen Art - für kleine und große Menschen, die das Träumen noch nicht verlernt haben

Sophia und das große Spiel von Gudrun Rathke

"Groß war die Leere. Blau war sie. Nur Gott saß auf seinem Thron. Zu seinen Füßen spielte Sophia". So beginnt das wunderschöne, nachdenklich stimmende Kinderbuch "Sophia und das große Spiel".
Zunächst gibt es nur diese Leere - und eine Springseil hüpfende Sophia. Gott lässt sich auf dieses Spiel ein, hüpft mit, bis beide nicht mehr können und völlig außer Atem sind.

Aus der entstehende Stille erwächst etwas Neues: "Gott nahm das Springseil und ließ es eine Schlange werden. Das ist gut! Sie wird Bewegung in die Welt bringen". Sophia setzt diese Idee fort und wünscht sich Mutter, Vater und eins, zwei, drei Kinder. Und so träumen und gestalten Gott und die kleine Sophia Bäume, Tiere, Blumen und glitzernde Seen. "Groß ist die Fülle und bunt ist sie", Gott setzt sich zufrieden auf seinen Thron zurück, um sich auszuruhen. Zu seinen Füßen spielt weiterhin glücklich und selbstversunken die kleine Sophia.

Dieses Buch berührt und verzaubert und erzählt, wie aus Leere und Nichtstun auf spielerische Art und Weise Leben und Schöpfung entsteht. Es beschreibt einen Gott, der die Menschen liebt und bereits in den Kleinsten die wunderbare Gabe erkennt, Großes schaffen zu wollen. Ein Gott, der sich auf die Ebene der Kleinen begibt, mit ihnen zusammen spielt, träumt und schafft, wohl wissend: Niemand ist zu klein, um etwas zu bewirken!

Begleitet wird dieses philosophische Büchlein von zauberhaften Illustrationen in zarten Farben, die zum Träumen und Verweilen einladen.

Ein Buch für Kinder ab circa fünf Jahren, zum Philosophieren über Gott und die Welt, über Ideen und deren Entstehung und darüber, wie wichtig manchmal die (innere) Leere sein kann.

Absolute Kaufempfehlung.

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Lehrreiches und einfühlsames Bilderbuch über das Leben und Werken des Heiligen Franz von Assisi

Franz von Assisi von Hubert Gaisbauer

"Er war einer, der wollte Ritter werden. Der träumte von einer glänzenden Rüstung, von einem edlen Pferd, von Ruhm und Ehre. Geworden ist aus ihm ein einfacher Mann, arm an Besitz, aber reich an Liebe".

Auf kindgerechte und doch sehr berührende Weise erzählt das Bilderbuch "Franz von Assisi" vom Leben dieses Heiligen: Als Sohn eines Tuchhändlers wuchs Giovanni Bernardone, wie Franz von Assisi ursprünglich hieß, in Reichtum und Sorglosigkeit auf und träumte vom ruhmreichen Leben in der Schlacht.

Diese brachte ihm aber weder Ruhm noch Ehre, sondern führte zu Gefangenschaft und Krankheit. Als ihn sein Vater knapp ein Jahr später wieder frei kaufte, hatte sich der Sohn verändert: "Franz wollte nun kein Ritter mehr werden". Bedrückt von den Erfahrungen des Krieges und betroffen von der Armut um ihn herum beschloß Franz, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben und von nun an den Aussätzigen und Ausgestoßenen zu helfen. Als die Stimme Jesu in einer verfallenen Kirche bei San Damiano zu ihm sprach, fühlte er sich bestärkt, seine Mission fortzusetzen und gleichzeitig das Evangelium von Jesus zu verkünden. Als Folge brach er mit seiner Familie und seinem früheren Wohlstand und führte von da an ein schlichtes und einfaches Leben.

Schon bald schlossen sich ihm Brüder und Schwestern an, wie etwa Klara von Assisi. Gegen Ende seines Lebens hin wurde Franz schwächer, "er bekam Wunden an den Händen, an den Füßen und in der Brust. Genau so wie Jesus am Kreuz". Im Alter von 44 Jahren starb Franz von Assisi und wurde bereits zwei Jahre später heilig gesprochen. Heute hat Papst Franziskus mit seiner Namenswahl ein deutliches Zeichen gesetzt und einen Menschen der Armut und des Friedens geehrt, der die Schöpfung liebte und bewahrte.

Brigitta Heiskel begleitet den Text mit einfühlsamen, klaren Illustrationen, die ansprechen, berühren und auch die erwachsenen Leser in ihren Bann ziehen.

Fazit: Das Buch ist sehr einfach und verständlich geschrieben und daher bereits im Kindergartenalter gut einsetzbar. Auch für den Religionsunterricht in der Volksschule ist das Büchlein gut anwendbar oder auch als Einstimmung auf den Advent.

Absolute Kaufempfehlung!

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Drei Könige - Eine kleine Parabel über die Freude des Schenkens

Drei Könige von Heinz Janisch

Das Bilderbuch "Drei Könige" erzählt von einem, der "vergessen hatte, wer er war". Und weil es in ihm so still geworden war, machte er sich auf die Suche nach etwas, ohne zu wissen, was es sein könnte. Doch mitten im großen, lauten Weihnachtswirbel findet er nichts, das sein Herz erwärmen könnte.

Erst als er auf zwei Bekannte trifft, ändert sich seine innere Haltung: Gemeinsam mit ihnen macht er sich auf zur Familie Nowak, um diese - verkleidet als Heilige Drei Könige - zu erfreuen und zu beschenken. Dabei bestehen ihre Geschenke aus kleinen Gaben, einem Apfel, einer Schneekugel und dem Kostbarsten: Zeit. "Heute waren wir Könige", sagt einer der Männer zum Abschied leise und als sie wieder hinaus treten auf die Straße, kommt ihnen vor, als hätte der Himmel noch nie heller gestrahlt.

Fazit: Ein nachdenklich machendes Büchlein für Groß und Klein in der nicht immer stillsten Zeit des Jahres. Abseits des hektischen Trubels läd es ein, innezuhalten und darüber nachzudenken, was das eigene Herz erfüllt.

Geeignet für Kinder ab dem Kindergartenalter, um sich auf den Advent und Weihnachten einzustimmen, den oft übertriebenen Konsum zu hinterfragen und wieder zurück zu führen zu den Wurzeln.

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Ratzfatz - Ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch zum Thema Hyperaktivität bei Kindern

Ratzfatz von Hageneder Maria

Ratzfatz ist ein flinkes Wiesel. Ein ganz besonders Flinkes. Er liebt es zu zappeln, zu wuseln, zu rasen und zu toben. Während seine Schwester lieber mit Mama und Papa kuschelt, flitzt er lieber noch schnell eine Runde um den Block, denkt sich etwas Spannendes aus oder erkundet die Gegend. Nur manchmal ist er dabei zu schnell für andere, zu laut, zu unruhig und die ärgern sich dann über ihn.

Und auch wenn er der schnellste "Aufgaben-Erlediger" weit und breit ist, geht dabei manchmal auch etwas schief. Etwa dann, wenn die Eier, die er für Mama besorgen soll, in der Hitze des Gefechts auf den Boden plumpsen.
Ratzfatz ist dort, wo es laut ist und bunt. Dort, wo er mit seinen Freunden spielen kann, die auch groß und klein, wuschelig und glatt, hibbelig und zappelig, träumerisch und nachdenklich, grimmig und lustig sind. Für sie alle ist Platz in ihrem kunterbunten Haufen. Und beim Verstecken spielen sind sie alle ein tolles Team und haben viel Spass. Nur manchmal ist es ganz schön schwierig für Ratzfatz, mucksmäuschenstill zu bleiben, bis er gefunden wird. Da geht er dann doch lieber mit Papa schwimmen oder zur Füchsin toben und klettern, um danach sein Herz ganz fest schlagen zu hören - im ganzen Körper. Und manchmal, ganz manchmal, freut sich Ratzfatz über Momente der Stille und Ruhe, um danach gestärkt zu neuen Ufern aufzubrechen.

Faszit: Ein liebevoll bebildertes Kinderbuch mit einem sehr einfühlsamen, nicht wertenden Text, mit dem sich nicht nur schnelle und besonders aktive kleine Leser und Leserinnen identifizieren können. Auf anschauliche Weise wird gezeigt, was es für kleine Menschen bedeutet, "wenn der Kopf schon in der Früh bummvoll mit neuen Ideen ist". Gleichzeitig werden im Buch sanft einzelne Lösungsansätze vorgestellt, wobei die tragende Botschaft stets lautet: "Du bist liebenswert und richtig, so wie Du bist".

Ein Buch, das neben privaten Haushalten sicher auch gut im therapeutischen Setting, in Kindergärten und (Vor-)Schulen eingesetzt werden kann.

Absolute Kaufempfehlung.

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Vertraute Fremde - Einsichten in die Lebenswelt muslimischer Frauen in Österreich und Deutschland

Mehr Kopf als Tuch von Leyla Derman; Kübra Gümüsay; Soufeina Hamed; Anja Hilscher; Dudu Kücükgöl; Haliemah Mocevic; Kevser Muratovic; Maisa Pargan; Nadia Shehadeh; Betül Ulusoy; Menerva Hammad; Munira Mohamud; Fatima Moumouni

Mehr Kopf als Tuch" ist ein Buch über starke, selbstbewusste, gebildete muslimische Frauen aus Österreich und Deutschland, die in insgesamt elf persönlichen Geschichten und gesellschaftskritischen Analysen Einblick in ihre Lebenswelten geben. Dabei fügen sich die einzelnen Erzählungen zu einem bunten Kaleidoskop an Bildern, Gefühlen, Erfahrungen und Erlebnisse dieser Frauen zusammen, die berühren, verwundern, irritieren, beschämen.

.. in jedem Fall aber bereichern und zum Nachdenken anregen.

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Bereits das Vorwort ließ mich schallend lachen: Eine Wienerin mit Kopftuch, genauer gesagt eine Kassierin, die den Kunden an der Kasse im breiten Wiener Dialekt fragt, ob er auch eine Tüte braucht: "A Sakkal ah"? Der Kunde blickt kurz verwirrt von seiner Geldtasche auf, lächelt dann und antwortet in einem leichten Sing-Sang, während er mit Kopf und Oberkörper vor und zurück wippt: "Asakkallah, Asakallah". Er verlässt den Laden in dem Glauben, sich weltoffen und kosmopolitisch präsentiert zu haben und lässt dabei eine völlig irritierte, Kopftuch tragende Wienerin zurück.
Solche und ähnliche Begebenheiten im Buch lassen den Leser Schmunzeln, sich stellenweise auch ärgern oder aber selbstkritisch fragen: Wie hätte ich in einer solchen Situation reagiert?

Es stimmt nachdenklich, wenn Kevser Muratovic in ihrer Abwandlung über den langen Weg der Integration feststellt: "Die Festschreibung auf ein einziges Identitätsmerkmal ist ein enges Korsett, dessen einschränkende Wirkung mal mehr, mal weniger stark empfunden wird", und sich infolge fragt: "Es war und ist mir schon immer ein großes Rätsel gewesen, warum Menschen mit Migrationshintergrund bestenfalls Spezialisten für Migrationsthemen sein konnten". Diese Reduzierung auf das, was anders ist bzw. als fremdartig wahrgenommen wird, verstellt den Blick auf die unzähligen anderen Identitätsanteile, die einen solchen Menschen noch ausmachen. Befreiung erfährt die Autorin laut eigenen Angaben erst in der Anonymität der Masse, in der sie eine unter vielen, gleich und doch einzigartig bleibt.

Amani Abuzahra betrachtet in ihrem Essay Europas Verhältnis zu Muslimen im historischen Kontext und streicht hervor, wie lange diese in unseren Breitengraden bereits beheimatet sind bzw. wie nahe und vertraut uns das vermeintlich Fremde als Teil unseres Kulturgutes tatsächlich ist.

Haliemah Mocevic zeigt auf, dass Schubladisierung und klischeehafte Denkmuster selbst vor dem universitären Bereich nicht Halt machen. So wird sie als ausgebildete Psychologin und Teil des Uni-Teams in ihrer Vorbereitung einer Veranstaltung von einer vor Ort anwesenden Lehrerin mit der Feststellung begrüßt, die Abendschule befinde sich in einem anderen Raum. Offenbar war dieser Frau das Klischeebild der bildungsfernen Muslimin wesentlich vertrauter, als der offensichtlichere Gedanke, die "Kopftuchträgerin" mit dem Projektmaterial in Händen könnte tatsächlich Teil des vorangekündigten Uni-Teams sein.

Lelya Derman wiederum beschreibt eine gar nicht so sonderbar anmutende Woche einer muslimischen Frau, Ehefrau und Mutter, die sich - mit Ausnahme des Kopftuches und des Rituals, abends noch Kaffee zu konsumieren - gar nicht sonderlich vom eigenen Leben zu unterscheiden scheint. Und nein, es kommen darin weder gewalttätige, böse Ehemänner, noch Schläge, Blutvergießen und Racheakte vor. Dafür aber wird von Rangeleien mit dem Partner berichtet, wer morgens mit den Kids aufsteht, das Abendessen zubereitet etc,... Selbst die geschilderten Ärgernisse mit ungeduldigen Mitmenschen, die sich an der Kasse frech an Müttern vorbei drängeln, die greinenden Kinder dabei wohlweislich ignorieren und auf empörte Aufschreie mit unflätigen Aussagen reagieren, erscheinen nicht völlig unbekannt und neu. Das scheinbar Fremde zeigt sich hier vertraulich nahe.

Faszit: Abseits von der Klischeefigur der muslimischen Frau, wie sie in vielen Medien und Teilen der Politik verkörpert wird, die unterdrückt und zwangsverheiratet, ungebildet und unmündig ein Schattendasein fristet, leben die vorgestellten muslimischen Frauen ein "ganz normales" Leben, haben Träume, Wünsche und Sehnsüchte und treten für diese ein. Sie sind Ärztinnen, Technikerinnen, Mütter, Geschäftsfrauen, Hausfrauen, Lehrerinnen, Anwältinnen, Akademikerinnen, Ehefrauen, Pädagoginnen, Nachbarinnen, Freunde und vieles mehr.
Das augenscheinlich Fremde dieser Frauen in Form eines Kopftuches kann dabei nicht mehr über das Vertraute, das Vereinende und Nähe-Stiftende hinwegtäuschen.

In diesem Sinne regt das Buch dazu an, "die Scheuklappen abzunehmen, den Kopf zu heben, sich umzuschauen und zu sehen", was nicht auf den ersten Blick sichtbar gemacht wird. Und es ermutigt, sich für ein solidarisches "Wir" einzusetzen, Frauen mit unterschiedlichen Selbstkonzepten in den unterschiedlichsten Lebenswelten als Bereicherung zu erleben und sich für diese Vielfalt und Einzigartigkeit stark zu machen – Ja zu sagen zu Menschen, mit oder ohne Kopftuch.

Absolute Kaufempfehlung.

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Ein kleines Büchlein der Weisheit und Lebensfreude - mit einigen "holprigen Stellen"

Achte auf die Lebensfreude von Brigitte Pregenzer

Dieses liebevoll illustrierte Büchlein ist ein Projekt von Mutter und Tochter. Die eine lieferte die Texte, die andere zarte und lebensfrohe Bilder. Entstanden ist dadurch ein Geschenkbuch, in dem die Freude an der gemeinsamen Arbeit ersichtlich wird und das dem Leser gerade auch aufgrund der Illustrationen immer wieder einmal ein Lächeln entlockt.

Leider muss ich aber auch hinzufügen: Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und freute mich auf Inspiration und Anregungen. Tatsächlich konnte ich aber weder mit den Zitaten von Hildegard von Bingen, noch mit den kurzen, dazu gehörenden Texten sonderlich viel anfangen. Die sich durchs Büchlein durchziehenden Aufforderungen, Verantwortung für gesunde Ernährung, Bewegung, geistige Entwicklung und seelisches Wachstum zu übernehmen und jeden Tag achtsam zu leben, sind nicht neu und mir stellenweise einfach auch schon zu abgedroschen und banal. Dort, wo der Text ins Spirituelle/Esoterische abgleitet und vom Dank für das nächste Leben, das mir geschenkt werden wird oder der Heilkraft der Edelsteine geschrieben wird, mochte ich als Leserin nicht mehr mitgehen.
Auch eine weitere Textstelle macht mir Kopfzerbrechen: In dieser wird den Lesern empfohlen, Entscheidungen gut zu prüfen und abzuwägen. Einmal getroffene Entscheidungen sollten dann aber auch nicht mehr in Frage gestellt werden, sondern man solle dabei bleiben und "voll Vertrauen" den eingeschlagenen Weg weitergehen. Dies impliziert, dass Wege, die im Er-Leben dann doch nicht mehr so reizvoll oder sogar mühsam erscheinen, wohl nicht sonderlich gut überlegt wurden bzw. derjenige, der aufgibt, wohl zu wenig Vertrauen in sich oder das Leben hat. Dem muss ich gegenüber stellen: Erkennt man nicht oft erst im Begehen eines Pfades, dass er wohl doch nicht ans gewünschte Ziel führen wird? Lernen und entwickeln wir Menschen uns nicht vor allem auch durch Versuch und Irrtum, durch das Ausprobieren von Neuem und der Wahrnehmung durch Erleben, was wohl tut und was doch eher nicht? Und kostet es oftmals nicht viel mehr Mut und Vertrauen, eingeschlagene Wege wieder zu verlassen?
In diesem Zusammenhang erschien mir das Büchlein sehr wertend und pauschalisierend.

Insgesamt kann ich das Buch von Brigitte Pregenzer nur bedingt empfehlen.

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"Wir schaffen das" - Schaffen wir das? Was wir für Flüchtlinge leisten können und wo wir versagt haben

Willkommen in Österreich von Maier Ferry; Ortner Julia

2015 bewegte sich - scheinbar überraschend - ein gewaltiger Flüchtlingsstrom auf unser Land in großer Geschwindigkeit zu und zwang die Bevölkerung, die Behörden und die Regierung zum Reagieren. Ob und wie diese Reaktionen aussahen, schildert Ferry Maier sehr eindrucksvoll in seinem Buch "Willkommen in Österreich".

Dabei berichtet der Autor, neben Christian Konrad Flüchtlingsbeauftragter der Bundesregierung sowie von 2015 bis 2016 Generalsekretär des Vereins "Österreich Hilfsbereit", zunächst von den Hintergründen und Erfahrungen jenes Jahres: Von berührenden und motivierenden Momenten, aber auch von Blockaden, die ihm und seinem Team insbesondere im Bereich der Verwaltung und der Politik bereitet wurden. So etwa ist es erschütternd zu lesen, welches "Unwohlsein" drei rasch organisierte und dringend benötigte Sanitärcontainer bei zuständigen Beamten auslösten.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, wenn er etwa berichtet, auf welche behördlichen und politischen Hindernisse sie bei der Quartierssuche gestoßen sind udn welche Ängste der Vorschlag, Kasernen zu nutzen, bei Regierungsmitgliedern auslöste.

"Wir fürchten, was wir nicht kennen und die Politik bedient leider Gottes diese Ängste", auch heute noch, ist eines der Resumees, die Ferry Maier zieht. Von solch einer populistischer Manier, nur die negativen Momente der Fluchtbewegung aufzuzeigen, setzt sich dieses Buch wohltuend ab. So finden hier Menschen Erwähnung, die sich 2015 engagiert, couragiert und erfolgreich für Flüchtlinge einsetzten, wie etwa der Bürgermeister von Neudörfl, Dieter Posch oder die Flüchtlingshelferin Doraja Eberle.

Schließlich kommen in diesem Buch auch Flüchtlinge selbst zu Wort, die darüber berichten, was es für sie bedeutet, fremd zu sein, von der alten Heimat schmerzhaft entfernt, in der neuen noch nicht angekommen zu sein. Es ist "die Geschichte einer Schwalbe, die nicht wandert, sondern zum Zug gezwungen wird", drückt es Mohammad Ibrahim Rahimi in seinem Gedicht "Unvaterland" aus.

Zuguterletzt kommen noch Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, sowie Entwicklungshilfe-Experte Kilian Kleinschmidt zu Wort, die eine Zwischenbilanz ziehen und aufzeigen, was unser Land aus dieser Fluchtbewegung 2015 gelernt hat, aber auch, wo wir versagt oder noch Nachholbedarf haben.

Insgesamt ein sehr sachlich gehaltenes, lehrreiches Buch über ein Jahr, das uns bewegte und dessen Folgen uns noch über viele Jahre hinweg beschäftigen werden. Um mit den Worten Kilian Kleinschmidts zu schließen: "Niemand kann behaupten, dass Integration einfach ist. [...] Wir schaffen das, weil wir müssen. Leute, es wird hart, aber sehen wir es auch als Chance für eine moderne, vernetzte Welt".

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