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Rezensionen von csac:

Ein zauberhaftes Bilderbuch und eine Ode an die Lust am Suchen und Finden von Büchern

Ich brauche ein Buch, denkt Rotto und macht sich auf die Socken von Renate Habinger

Zum Inhalt: Rotto ist besonders, denn er hat nur ein einziges Ohr. Manchmal schämt er sich ein kleines bisschen dafür, dass er anders ist als alle anderen. Besonders ist er auch in seiner liebsten Beschäftigung: Er strickt, am liebsten mit blauer Wolle. Alle Farben des Himmels und alle Farben des Meeres weist sie auf.

Ganz etwas Besonderes soll auch aus dieser Wolle entstehen, doch was?
Rotto beschließt, sich in der Baumbücherei von Unterdachsberg Anregungen zu holen. Um sich an diesem geheimnisvollen Ort nicht zu verlieren, bindet er seinen Wollfaden an der Garderobe fest. Und macht sich auf die Suche. Während er seine Reise durch eine kunterbunte und aufregende Lesewelt antritt, verwebt er seine Besucher mit seinem Faden, die Tiefseeforscher ebenso wie die Liebenden, die Reiselustigen und die Tierliebhaber.
Dabei trifft er auch auf alte Bekannte wie die Schildkröte Immerundewig, die Leiterin der Bücherei Eleonore Schnabel oder Aua, der in der Baumbücherei auf der Suche nach medizinischen Büchern gegen alle möglichen Wehwehchen ist.

Als Leser kommt man nicht umhin, Unterdachsberg und seine Bewohner zu lieben und sich zu wünschen, selbst eine Baumbücherei vor Ort zu haben. Was gebe es da nur alles zu entdecken? Und wie lebendig, wie spannend und unvorhersehbar würde sich solch ein Besuch gestalten? Wer würde nicht gerne Strickanleitungen mit so klingenden Namen wie „Die Farben der Träume stricken“ oder „Feine Fransen für fliegende Teppiche“ lesen wollen?

Untermalt wird der zauberhafte Text durch die bewährten Figuren, Kulissen und Innenräume, die Renate Habinger mit detailreichen und fantastischen Illustrationen kombiniert. Auf jeder Seite gibt es so viel zu entdecken, zu suchen und zu finden. Man möchte sich in diesen Bildern verlieren, ganz eintauchen in diese Welt von Unterdachsberg.

Fazit: Insbesondere in Zeiten des Büchereisterbens, ist dieses Buch eine Ode an das Lesen, an das Suchen und Finden von Büchern, an das Entdecken von fremden Welten. Eine Würdigung der Orte unserer Kindheit, wo es noch Ritter gab und Gespenster und finstere Drachen und in denen wir alles sein konnten, was wir wollten. Wo die Fantasie keine Grenzen kannte. Mit diesem Buch fühlt man sich als große Leserin in diese Zeiten zurückversetzt. Man möchte die kleinen Leser an der Hand nehmen, einen azurblauen Faden spannen und sich aufmachen, die Lesewelt zu entdecken – was gibt es Besseres?

Absolute Kaufempfehlung. Geeignet ab circa vier Jahren bis 99.

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Die drei Räuberinnen oder wie das Stiegenhaus zum Räuberwald wurde

Die 3 Räuberinnen von Verena Hochleitner

Zum Inhalt: Maja, Bruno und Kaspar sind Freunde und wie das Freunde nun mal so machen, denken sie sich immer wieder fantastische und aufregende Spiele aus. So wird das Stiegenhaus kurzerhand zur Räuberhöhle umbenannt und aus den drei Freunden wird die gefürchtetste Räuberbande der Welt. Ausgestattet mit neuen Namen, neuer Kleidung und dem obligatorischen Beutesack machen sich die drei auf, um ihre Nachbarn zu überfallen und ihren Sack zu füllen.

Dass das Räuberleben gar nicht so einfach ist, bemerken sie recht schnell: Soll man wirklich Nachbar Chipsbrösel an seinem Geburtstag seine Chipstüte klauen? Wie gelingt es, den zockenden Oskar von seiner Playstation wegzulocken und zum Mitspielen zu animieren? Und was sollen sie nur mit Zilly, Nachbarin Ediths Schildkröte, anstellen? Schildkrötensuppe?

Auch wenn die drei Räuber verwegen sind und ihnen bereits ein fürchterlich schlechter Ruf vorauseilen soll, haben sie ihr Herz doch am rechten Fleck. Sie verteilen Flyer für die Postbotin, versenden Glückwünsche und vergessen trotz ihres wilden Spieles nicht auf die wahren Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. So können sie sich am Ende des Tages satt und zufrieden in ihre Räuberhöhle zurückziehen und ihr hartes Räuberleben bei Popcorn ausklingen lassen.

Das Buch ist unterteilt in 13 Kapitel, die auf kurzweilige Art und Weise von den aufregenden Abenteuern der Dreierbande berichten. Im gesamten Text verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, so dass es den kleinen und großen Lesern leicht fällt, in die Geschichte einzutauchen, mitzuträumen und sich zu wünschen, mitspielen zu können, in diesem Räuberwald gleich um die Ecke.

Die Illustrationen sind bunt und farbenfroh und machen Lust auf mehr. Insbesondere die Gestaltung des Einbandes ist wunderbar gelungen und macht neugierig auf den Inhalt.
Die Altersangabe ab acht erscheint mir sehr passend.

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Sternenbote – eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art mit zauberhaften Bildern

Sternenbote von Reinhard Ehgartner

Was hat der Sternenhimmel mit der Weihnachtsgeschichte gemein? Wenig, scheint es auf den ersten Blick. Dennoch gelingt es dem Autor, Reinhard Ehgartner, immer wieder, diese beiden so unterschiedlichen Themenbereiche miteinander zu verbinden und daraus eine ganz eigene Geschichte zu weben.

Dabei erfährt der große und kleine Leser viel Wissenswertes, etwa, wie lange das Licht von der Sonne bis zur Erde benötigt, wie lange Jupiter braucht, um sich um die Sonne zu drehen oder wie das Sternenbild des Großen Bärens aussieht.

Aber er hört auch vieles von der Geschichte der Sterndeuter, die sich vor zweitausend Jahren aufmachten, einem Stern folgten und dabei ein Kind fanden. Denn: „Wenn einem ein Stern ganz besonders leuchtet, soll man ihm folgen“.

„Sternenbote“ ist ein Buch mit vielen Facetten, mit wunderbaren Sätzen, über die man noch lange grübeln kann und die man in sich nachhallen lassen möchte, mit philosophischen Gedankenexperimenten und magischen Momenten.
Die zauberhaften Illustrationen von Linda Wolfsgruber begleiten und verdichten diesen Text und machen ihn auch zu einem visuellen Genuss. Schon der Einband, aber auch einzelne Bilder wie jenes mit den drei Boten auf ihren Kamelen sprechen sehr an und bringen etwas zum Klingen.

In einem kritischen Punkt möchte ich mich dennoch meinen Vorrezensenten anschließen: Das Buch hat eine Altersangabe von fünf Jahren. Dies erscheint mir doch etwas zu früh. Unser fünfjähriger Sohn war mit dem Text vollkommen überfordert, er konnte auch die Gedankensprünge und Assoziationen meist nicht ganz nachvollziehen bzw. auch den Zusammenhang zwischen Sternenkunde und Weihnachtsgeschichte nicht ohne Hilfe herstellen. Schließlich beschränkten wir uns auf das Betrachten der Illustrationen und kamen darüber ins Gespräch.
Geeigneter erschiene mir eine Empfehlung für Kinder ab dem Volksschulalter.

Fazit: Ein berührendes Buch für schon etwas größere, kleine Leser.

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Ein Buch zum Philosophieren, Reden und Lachen, nicht nur für Kinder

Einmal wirst du... von Leonora Leitl

Das Buch "Einmal wirst du..." hat mich in seiner scheinbaren Einfachheit sehr überrascht hat: Ein einleitender Text, in dem von den sich anbahnenden Veränderungen bei Jugendlichen in Bezug auf Aussehen, Gefühlswelt, Lebenssituation, Berufswünsche etc. kurz und prägnant gesprochen wird.

Im Anschluss dann 30 Fragen, begleitet von Illustrationen, welche diese Fragen untermalen, ihnen manchmal auch konträr entgegen stehen oder sie wiederum auf visueller Ebene in Frage stellen.
Haben Eltern irgendwann einmal andere Eltern lieber? Ist es wichtig, gute Noten in der Schule zu haben? Wirst du einmal mutig sein?, sind nur manche der gestellten Fragen, die bereits die Vielschichtigkeit und Tiefe des Textes offenbaren.
Es sind Fragen, mit denen sich viele Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Entwicklung beschäftigen und die auch vor Erwachsenen nicht Halt machen. Die Antworten können dabei - je nach Entwicklungsstufe - jeweils andere sein und können somit im Laufe des Heranwachsens immer neu beantwortet werden. Insofern ist dieses Büchlein ein Begleiter für unterschiedliche Lebenslagen, eine Einladung zur Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Leben, mit Werten und Vorstellungen, Ideen und Träumen.

Fazit: Dieses Buch ist wunderbar geeignet, um mit Kindern über das Leben zu philosophieren, vielschichtige Antworten auf nicht immer eindeutig beantwortbare Fragen zu finden und sich auf die Suche zu machen, nach Lebensentwürfen, Plänen und Wünschen.

Die Altersempfehlung für dieses Buch lautet 6-12 Jahre, auch die Illustrationen dazu scheinen mir diesem Alter zu entsprechen.
Absolute Kaufempfehlung.

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Jugendbuch über die oft schwierige Suche nach der eigenen Identität

Spieglein, Spieglein von Corinna Antelmann

Entgegen anderweitigen Rezensionen empfinde ich dieses Buch als sehr cooles, den Nerv von Jugendlichen treffendes Buch:

In wenigen, sehr ausdrucksstarken Sätzen wird beschrieben, wie sich ein Mädchen mit ihrem Spiegelbild beschäftigt. Wie auch in der Realität ähnelt das insbesondere ab einer gewissen Altersgruppe ("Pubertiere") einer Art Hassliebe.

Da wird der sich im Spiegel zeigenden Person mit Wut entgegengebrüllt, sie solle sich endlich zeigen. Aber wehe, sie zeigt sich und tut doch, was sie möchte. Insbesondere, wenn die Protagonistin gerade nicht hinschaut. "Es ist nämlich ein ziemlich verlogenes Ding, dieses Spiegelbild".
Von einer solchen anfänglichen Ablehnung und Abwehr erzählt dieses Buch, bis schließlich die Neugier obsiegt und sich das Mädchen aufmacht, um diese Person im Spiegel näher kennen zu lernen. Es bedarf einiges an Mut, um durch den Spiegel zu schreiten, Nähe zum eigenen Spiegelbild zu wagen und festzustellen: Die Person im Spiegel hat vieles gemein mit ihr, fühlt sich warm an und lebendig, "sie fühlt sich an wie ich". Letztendlich gelingt die Annäherung, die Akzeptanz und Integration ungeliebter Anteile in dem Wissen: Das alles bin ich und es ist gut so.

Neben dem ausdrucksstarken, prägnanten Text haben es mir insbesondere die Illustrationen sehr angetan: Die matten, düsteren Farben spiegeln wunderbar diesen anfänglichen Widerstand der Protagonistin wider sowie den Weltschmerz und die Selbstzweifel heranwachsender junger Menschen. Gleichzeitig vermitteln sie Gefühle von Wut, Traurigkeit und Selbstunsicherheit; Emotionen, mit welchen sich viele Jugendliche auseinandersetzen müssen, die ihnen aber auch Angst machen und die sie womöglich auch abwehren. Insofern eignen sich auch die Illustrationen zur Identifikation, zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, mit Persönlichkeitsaspekten, die sich verändern, weiter entwickeln und anfangs völlig fremd erscheinen. Last but not least empfinde ich die Illustrationen auch in Kombination mit dem Titel als äußerst stimmig. "Spieglein, Spieglein", so der Titel, der auf die Frage der bösen Stiefmutter im Märchen Schneewittchen anspielt. Doch empfinden sich viele der Jugendliche eben nicht als strahlend und sonnig, als "Schönste im Lande", sondern sehen sich selbst in eher düsterem, matt glänzenden Licht. Doch auch hier wirkt die Botschaft des Buches: Du bist du und das ist gut so.

Ich kann dieses Buch empfehlen für alle Jugendlichen ab zehn Jahren, die auf der Suche sind, die sich mit Fragen nach ihrer eigenen Identität, mit geliebten und eher ungeliebten Anteilen ihrer Selbst beschäftigen und mit Hilfe des Buches spüren: Es geht vielen so wie mir, ich bin nicht alleine.

Das Buch erscheint mir gut geeignet für das Thema Identität im Rahmen von Ethik-, oder Religionsunterricht, aber auch für Firmstunden oder aber als anregende Lektüre für daheim.
Absolute Kaufempfehlung!

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Bilderbuch bereits für die Allerkleinsten zur Orientierung in Raum und Lage

Wo bin ich? von Heinz Janisch

"Wo bin ich", das Pappbilderbuch von Heinz Janisch und Isabel Pin begeistert durch einfach gestaltete Bilder und sehr klare, eindeutige Beschreibungen von Ortsangaben und Lagepositionen wie vorne, hinten, links, rechts, oben, unten. So gelingt es bereits den Allerkleinsten, ein Gefühl für Raum-Lage-Beziehungen zu bekommen und gleichzeitig den Wortschatz zu erweitern.

Selbst unser Vierjähriger fand noch Gefallen an diesem Buch und wollte es mehrmals ansehen.

Sehr gut geeignet für Kinderkrippe und KIndergarten oder aber gemütliche Lesezeit zuhause.

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Ein Ausflug auf die Alm - ein Kinderbuch für alle Sinne

Ein Ausflug auf die Alm von Hubert Flattinger

Zusammen mit seiner Mama besucht Lukas Tante Sarah auf der Alm. Von der Wanderung über duftende Wiesen, vorbei an grasenden Kühen, der Ankunft auf der Hütte bis hin zur herzhaften Jause, Lukas erlebt das Leben am Berg mit allen Sinnen. Viel Wissenswertes erfährt er dabei über das Leben der Tante hier auf der Alm.

So muss sie ihre Kühe täglich melken, um aus der Milch den würzigen Almkäse herzustellen, Kräuter für den Brotaufstrich sammeln, Zäune instand halten und Wandergruppen bewirten. Bis zum Almabtrieb im Herbst bleibt die Tante auf der Alm. Und auch wenn es manchmal einsam ist, kann sie sich doch "keinen schöneren Ort der Welt vorstellen".

Beim Lesen des Buches glaubt man als Leserin beinahe, das Läuten der Kuhglocken zu hören, die würzige Luft zu riechen und die endlosen Bergketten vor sich zu sehen. Gleichzeitig wird schon den Jüngsten bewusst, wie wichtig das frische Gras, Kräuter und großräumige Weideflächen für die Tiere und in weiterer Folge auch für die damit verbundenen Erzeugnisse sind.

Untermalt wird der informative und lehrreiche Text durch ansprechende und farbenfrohe Illustrationen von Sabine Penz.

Fazit: Wieder ein Buch der Marke „Qualität Tirol“, das Bewusstsein schaffen möchte für Themen wie Regionalität, Zurück zu den Ursprüngen und umweltbewusstes Handeln.
Das Bilderbuch ist gut für Kinder ab dem Kindergartenalter geeignet, bietet sich aber auch als Einstimmung auf eine Wanderung im Volksschulalter an.

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Susi Schimmel, ein Bilderbuch über oft recht unbeliebte und nicht gern gesehene Mitbewohner

Susi Schimmel von Leonora Leitl

Ich mag bereits die erste Seite des Buches: „Glaubt nicht, ich gieße Blumen. (Auch wenn ich durchaus in Blumentöpfen anzutreffen bin.) Ich habe eine Mission. Und ich bin nicht allein. Wir schlagen zu, wo immer wir können“.

Bereits nach diesen ersten Zeilen bekommt man auch als großer Leser Lust auf mehr.

Auf den nächsten Seiten erfahren wir auf informative und sehr humorvolle Weise mehr von Susi Schimmel und ihren Kumpanen: Wo sie sich gerne aufhalten, welche Arbeit sie erledigen, dass sie manchmal auch Sonderaufträge im Kühlschrank oder an warmen, feuchten Orten erledigen, wie sie aussehen, dass sie wunderbare Teamplayer sind und oft tausende Jahre ausharren können, etwa in alten Grabkammern. Sie helfen nicht nur beim Vergammeln und Verschimmeln, sie helfen in Medikamenten auch bei gefährlichen Krankheiten oder kitzeln Menschen in Form von Hautpilz auf der Haut.

Begleitet wird dieses Bilderbuch von anregenden Bildern, die zum Verweilen, zum Austausch und Fragestellen anregen. Die Illustrationen ergeben dabei zusammen mit dem Text ein sehr stimmiges, harmonisches Ensemble und wecken die Neugier.
Während der Haupttextblock jeder Seite gut bereits von Kindergartenkindern verstanden werden kann, bieten kleinere Infoblocks, die in die Illustrationen eingewoben wurden, zusätzliches detailliertes Wissen zum Themenbereich für Kinder, die „nicht genug bekommen können“ vom Verfaulen, Schimmeln und Vergammeln.

Fazit: Ein wunderbares Sachbilderbuch, über eine der ältesten Lebewesen der Welt. Absolut empfehlenswert und gut einsetzbar in Kindergärten und Volksschulen bzw. auch im Wartebereich von Arztpraxen.

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Mama und das schwarze Loch- Ein Buch zum Thema Burnout/Depression für etwas größere Kinder

Mama & das schwarze Loch von Leonora Leitl

Ich hatte mich sehr auf dieses Bilderbuch gefreut, insbesondere war ich gespannt darauf, wie mit dem Thema Depression kindgerecht umgegangen wird. Ob meine Erwartungen erfüllt wurden, möchte ich weiter unten klären.

Zum Inhalt: Es handelt von einer alleinerziehenden Mutter, die sehr viel arbeitet, Haus, Kind und Kegel versorgt und dabei kaum noch Zeit für eigene Bedürfnisse erübrigen kann.

Es kommt, wie es kommen muss: Während des Kochens beginnt sie eines Tages zu rauchen, bis sie schließlich „völlig abbrennt, wie ein Streichholz“ und in einem schwarzen Loch verschwindet. Sowohl Tochter als auch Oma versuchen, sie aus diesem zu retten, doch erst mit Hilfe des Feuerschluckers Fernando gelingt es ihnen, wieder ein Licht in Mutter Adele zu entzünden und sie allmählich wieder zurück ins Leben zu begleiten.

In „Mama und das schwarze Loch“ schwingen viele Themen mit, die für so manche LeserIn Realität sein dürften: Die Schwierigkeiten des/der AlleinerzieherIn, nämlich Müdigkeit, die Überforderung, die Existenzängste (weil ja der Vater „die ganze Kohle mitgenommen hat“), die Doppelt-, oder gar Dreifachbelastung bis hin zum langsamen Abgleiten in die Resignation und das Ausgebranntsein. Auch die Lösungsvorschläge spiegeln auf wunderbare Weise wider, dass es nicht so einfach ist, dieses Ausgebranntsein zu löschen bzw. die Mutter dazu zu bewegen, wieder aus dem Loch zu krabbeln. Erst nachdem Fernando zur Mutter ins Loch geklettert ist und ihr auf Augenhöhe begegnet, beginnt Lottis Mama wieder zu lächeln.
Die methaphernreiche Sprache bietet dabei unzählige Anknüpfungspunkte für ein Gespräch, für Informationen und Fragen zum Thema.

Gleichzeitig könnten sich aber auch Unsicherheiten bei der Lektüre ergeben, die von den Erwachsenen gut begleitet werden müssen: Hätte es etwas geändert, wenn die Mutter schneller gelöscht worden wäre? Wenn das Kind den Brand rechtzeitig bemerkt hätte? Wäre sie dann nicht ins Loch gefallen? Hier sehe ich auch die Gefahr, dass sich die Kinder zu sehr die Verantwortung für das Geschehen zuschreiben und mir geht dabei aus dem Text zu wenig deutlich hervor, dass eine Erschöpfungsdepression nur auf Erwachsenebene gelöst werden kann und Kinder nie und nimmer die Verantwortung an einer solchen Entwicklung tragen.

Das Buch wird für Kinder zwischen fünf und sechs Jahren empfohlen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Vorstellung einer „abbrennenden Mutter“ für viele jüngere Kinder eher angstauslösend sein dürfte. Auch die Lösungsvorschläge, die qualmende Mutter zu löschen bzw. „nochmals anzuzünden“, dürfte für Kindergartenkinder eher irritierend sein. Last but not least könnte sich so mancher junge Leser fragen: Und wenn ich keinen Feuerlöscher kennenlerne, der ihr hilft, bleibt Mama dann im Loch? Daher würde ich dieses Buch eher für größere Kinder ab dem Volksschulalter (8-10 Jahre) empfehlen, die schon besser in der Lage sind, das „dunkle Loch, in welches die Mutter fällt“, mit dem abstrakten Krankheitsbegriff der „Depression“ zu verknüpfen.

Fazit: Ein faszinierendes Buch, das allerdings nur mit Vorbehalt weiterempfohlen werden kann: Bei jüngeren Kindern ist es wichtig, sie gut zu begleiten, Ängste aufzufangen, Unsicherheiten zu beantworten und Verantwortungsfragen zu klären. In jedem Fall regt „Mama und das schwarze Loch“ aber zur Auseinandersetzung mit schwierigen Themen an, wie sie im Alltag leider sehr oft zu finden - und häufig tabuisiert - sind.

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Ein Zuhause auf dem Rücken – eine parabelhafte Erzählung über das Zuhause oder das Fehlen eines solchen

Ein Zuhause auf dem Rücken von Susannah Haas

Zum Inhalt:
Jani verliert sein altes Zuhause und zieht mit seiner Familie aus der Stadt auf das Land, genauer gesagt in das Haus seiner Oma. Diese ist beim Wandern verschollen. Dennoch steckt ihr Haus noch voller Erinnerungen an sie. Dort findet Jani auch einen Brief seiner Oma, an ihn adressiert und mit der Bitte, eine alte Sumpfschildkröte aus einem wahrscheinlich bald verbauten Weiher in ein Naturschutzgebiet hinter der Grenze zu übersiedeln.

Nach anfänglichem Zögern macht sich Janis auf den Weg und trifft am Weiher tatsächlich auf die Schildkröte mit dem kaputten Panzer. Auf wundersame Weise kann sich der Junge mit ihr unterhalten: Über sein neues Leben im Dorf, über seine Sehnsucht nach der alten Heimat und darüber, was ein Zuhause für ihn ausmacht.
Allmählich wird das ungleiche Paar zu engen Freunden, sie treffen sich täglich am Weiher und lernen dabei ihre geheimen Sehnsüchte und Wünsche kennen. Schließlich aber äußert Chelo den Wunsch, Jani möchte sie zurück in ihre alte Heimat bringen, zum Sumpf hinter der Grenze.
Für diese Mission findet er recht schnell eine Weggefährtin: Henriette, die so mutig und flink ist und mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Und die ihr Zuhause nicht als Zuhause empfindet, weil sich ihre Eltern dauernd streiten. An der Bushaltestelle trifft auch noch ein Obdachloser auf sie, der das Gebiet hinter der Grenze gut kennt und zu ihrem Reiseführer wird. Schließlich treffen sie im Bus noch auf Josefine, eine alte, verrückte Dame, die dem Altersheim entflohen ist und sich ihnen anschließt. Und so macht sich dieses unterschiedliche Quintett auf die Reise in die Heimat der Sumpfschildkröte und lernt dabei vieles über sich selbst, über das, was ein Zuhause vielleicht ausmacht, über Freundschaften und das Leben selbst.


Interessant: Das Buch entwickelte sich aus einem Theaterprojekt heraus, in welchem sich neun Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung mit dem Begriff der „Heimat“ auseinandersetzten. Aus den gewonnen Erkenntnissen aus Theater, Performance, Bild, Text, mündlicher Erzählung und Musik webte die pädagogische Leiterin Susannah Haas schließlich diesen parabelhaften Text. Für den Sommer 2019 ist darüber hinaus in Innsbruck eine weitere Performance des Vereines S.I.D.U.N.O zu diesem Thema geplant, die sich ebenfalls mit der Frage auseinandersetzt, was denn ein Zuhause ausmacht.

Fazit: Ein zauberhaft anmutendes Buch mit einer anregenden und philosophischen Botschaft: Alle brauchen wir ein Zuhause, auch wenn es uns manchmal zu eng wird, uns drückt und wir uns hinaus ins Abenteuer stürzen möchten. Für jeden von uns bedeutet Zuhause etwas anderes. Und manchmal ist auch das „Nachhausekommen das größte Abenteuer“.

Absolut empfehlenswert, sicherlich auch gut im Deutschunterricht ab zehn Jahren einsetzbar, um Jugendliche zu Fragen rund um ihre Identität, Zugehörigkeitsgefühl und äußere oder innere Heimat anzuregen.

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