Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Harakiri:
Ein Wiedersehen mit Boisen und Nyborg
Nordlicht - Das fremde Gesicht von Anette Hinrichs
Ein Toter wird gefunden: mit Gaffertape erstickt, in seinem Mund ein Foto. Erst beim dritten Toten wittern sie Kommissare eine Spur, der sie nachgehen können.
Der Krimi entwickelt eine große Sogwirkung. Einmal begonnen, kann man das Buch kaum zur Seite legen. Die Autorin streut geschickt Hinweise in ihre Erzählung, die aber nur winzige Puzzleteile sind und erst am Ende ein komplettes Bild ergeben.
So ist man immer versucht, noch weiter zu lesen, damit man endlich den Mörder weiß. Kurze Einschübe aus der Vergangenheit machen die Erzählung noch lebendiger.
Die beiden Kommissare sind ein starkes Ermittlerteam, das viele Sympathien erregt. Rasmus ist weiterhin auf der Suche nach dem Dealer, der seinen Sohn Anton auf dem Gewissen hat und stellenweise etwas abgelenkt, was aber nur für zusätzliche Spannung sorgt.
Am Anfang war es etwas schwierig, weil viele neue Personen eingeführt wurden, die so gar nicht zusammenpassten. Aber nach und nach fanden die Stränge alle passend zueinander.
Ich verfolge die Reihe vom ersten Band an und wurde noch nie enttäuscht.
Fazit: eine klare und strukturiere Schreibweise, tolle Charaktere und eine geheimnisvolle Handlung zeichnen dieses Buch aus.
Rezensionen von Kwinsu:
Luft anhalten
Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien
Lale nimmt uns mit in ihre Kindheitsgeschichte, die sie auch im Erwachsenenalter noch quält. 1980er-Jahre, die Mutter heroinabhängig, der Vater ein Kleinganove, wächst sie bei einem Pflegevater und dessen Kumpanen in einer Anarcho-Kommunen-WG auf. Was ihr als Kind zugemutet wird, ist unerträglich.
Dass alle die Erlebnisse, das Hin- und Herschieben, die Unzuverlässigkeiten, die stets besoffenen und bekifften Männer, die früh beginnenden sexuellen Übergriffe nicht spurlos an ihr vorüber ziehen, verwundert wenig. Als junge Erwachsene versucht sie sich ihrer Haut zu entledigen.
Dieses Buch ist ehrlich gestanden schwer zu ertragen. Sprachlich ist es eindringlich, es gibt viele starke Stellen, die ins poetische reichen, besonders wenn es um den Missbrauch geht, arbeitet die Autorin mit Andeutungen, muss nicht auserzählen was geschieht - das finde ich hervorragend. Die Art der Verwahrlosung, aber vor allem was die Männer, die sich selbst zum linken Milieu zuordnen, dem kleinen Mädchen zumuten: das ständige besoffen-und-bekifft-Sein, das sich-selbst-überlassen-Sein, diese Wurschtigkeit gegenüber dem kleinen Kind und das Krasseste: die frühe Sexualisierung des kleinen Mädchens, da entsteht ein Kloss im Hals und im Bauch und man möchte diese ekelhaften Männer schütteln und sie am besten schnurstracks ins Gefängnis befördern.
Und wären Lale die Akutsituation erstaunlich tapfer übersteht, bricht erst, als sie sich von dieser Männer-WG lösen kann, das wahre Leid aus ihr heraus. Das Verhältnis zu ihrem eigenen Körper ist eigentlich nicht vorhanden und auch mit Beziehungen tut sie sich schwer, klammert sich an jede und jeden, der ihr Aufmerksamkeit schenkt und versucht, diese Personen zu kopieren oder sich an sie dauerhaft zu binden. Dass das nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand und so verschwindet Lale und ihr Körper immer mehr, bis es zum Zusammenbruch kommt.
Wie die Autorin in Interviews angibt, hat der Roman autofiktionale Momente - man möchte sich gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die so eine Tortur tatsächlich mitmachen mussten. Was Lale - und vermutlich auch die Autorin - rettet, ist das Schreiben, eine heilende Kraft, die uns dieses heftige, unverblümte und harte Buch beschert. Es ist eine Wucht, für die man viel Kraft braucht und des Öfteren das Kopfkino ausschalten sollte. Um einen positiven Aspekt hervorzuheben: die popkulturellen Bezüge - allen voran Musik, aber auch Filme, sind im Buch allgegenwärtig und sie helfen dem Mädchen - und auch den Lesenden - das ganze besser zu überstehen.
Bei der Sternebewertung bin ich mir unsicher: ich habe das Buch in einem Schwung gelesen, habe es - so absurd das bei dieser Thematik klingt - sehr gerne gelesen - und doch musste ich immer an "Siebenmeilenherzen" von Katharina Winkler denken, die den Missbrauch in kindlicher Märchenform erzählt, der Absturz als Erwachsene kommt mit der gleichen schwammigen, intensiven Realitätsverweigerung daher wie bei der Protagonistin Lale. Und doch: Winklers Buch hatte ich zuerst gelesen und das Leseerlebnis war noch einprägsamer. Nichtsdestotrotz ist "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ein beeindruckendes Buch mit einer Intensität und Grausamkeit menschlicher Abgründe, die einem beim Lesen stetig die Luft anhalten lässt. Absolute Leseempfehlung für alle, die ein so hartes Thema lesend schaffen.
Rezensionen von Bockonia:
Klischees können sehr unterhaltsam sein und humorig dazu
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Zwei Menschen treffen aufeinander und wollen Nutzen daraus ziehen. Da ist Marlene, eine Managerin mit Top-Qualitäten, wenn es um die fachlichen Belange geht. Ihr Chef hat sie als Nachfolgerin auserkoren. Als neue CEO würde sie die Firma weiter voran bringen, wäre da nicht ihr Problem mit der Mitarbeiterführung.
Leistung ist ja wohl selbstverständlich und all die kleinen menschlichen Befindlichkeiten, das ist nur nervig. Aber ohne Empathie kein Karriereolymp und so wird sie gezwungen, sich von einem bekannten Mental-Coach auf Anteilnahme und positive menschliche Vibrations trimmen zu lassen. Und dieser gefeierte Motivationsguru, das ist Alex, dessen Firma und auch er selbst allerdings nur noch vom äußeren Schein her zu den ganz Großen seiner Zunft gehören, denn die Finanzen bröckeln und tief in ihm drin bröckelt es auch. Aber Marlene kompartibel für ganz oben zu machen, dass würde ihm das Exklusiv-Coaching für die ganze Firma einbringen und einen ordentlichen Geldfluss dazu. Eine schräge Konstellation, zwei Typen, die sich von vornherein schon abgefrühstückt haben und dann, dann kommt alles doch ein bisschen anders.
Eine Geschichte, von der man richtig gute Unterhaltung erwarten würde und die bekommt man dann auch. Die Klischees, die einem dabei so vorschweben, sie werden voll bedient, aber auf so liebeswürdige humorvolle Art, dass es einfach Spaß macht, sich hineinzubegeben, in diesen anfänglichen Kampf der Gladiatoren, in dem Verbissenheit und total egal dann doch langsam der Bereitschaft weicht, zuzulassen, sich selbst in Frage zu stellen und 'Hilfe' von seinem Gegenüber anzunehmen, auf beiden Seiten. Zu tief geht die Läuterung dabei nicht, aber ein Vergnügen, hier als Leser dabei zu sein, ist es allemal und mit 'Nimms mit Humor' ist man dabei genau richtig.
Rezensionen von Kwinsu:
Kluges Verwirrspiel
Kalt wie die Luft von Orjan N. Karlsson
Als die 19-jährige Iselin nicht vom Joggen zurückkehrt, wird schlimmes befürchtet. Jakob und seine neue Kollegin Noora versuchen mit großem Eifer das Schicksal der jungen Frau aufzuklären, als plötzlich auf einer Inseln, nicht allzu weit vom Schauplatz Bodo entfernt, eine bekannte Influencerin auf ebenso mysteriöse Art und Weise wie Iselin verschwindet.
Die Lage ist unklar und es gibt zahlreiche Verdächtige - doch wer ist für das Verschwinden der beiden Frauen verantwortlich - und was hat ein alter Cold Case mit den Fällen zu tun?
"Kalt wie die Luft" ist ein souveräner, spannungsgeladener Krimi, der viele unerwartete Wendungen bringt. Die Anzahl der unterschiedlichen Personen, über die in den einzelnen, recht kurzen Kapitel erzählt wird, ist recht hoch, weshalb ich recht lange gebraucht habe, einen Überblick über alle Figuren zu gewinnen (was mir tatsächlich bis zum Schluss nicht zu hundert Prozent gelungen ist). Die beiden Ermittler*innen Jakob und Noora sind sympathisch und nahbar, beide tragen ihren eigenen, recht schweren Rucksack mit sich und besonders bei Nooras Geschichte, die eine toxische Beziehung durchleben musste, gerät man regelmäßig ins Gruseln, weil sie bis in ihre Gegenwart hineinreicht - es ist zu mutmaßen, dass diese in den folgenden Romanen noch eine Rolle spielen wird. Eine besonders gefinkelte Fährte wird gelegt, indem in immer wieder eingeschobenen Kapitel, die in Kursivschrift verfasst sind, ein Hinweis auf den bzw. die möglichen Täter gegeben wird und man sich absolut nicht sicher ist, in welcher Zeit diese Episoden spielen und ob sie mit den aktuellen Fällen oder mit dem Cold Case zu tun haben. Die Grausamkeit, die hier an den Tag gelegt wird, ist oft nur schwer zu ertragen und man fragt sich, wie krank ein Mensch bloß sein kann. Das war oft gar nicht leicht zu lesen, sodass ich immer wieder pausieren musste. Grundsätzlich gibt es mehrere Figuren, die sich wirklich abartig verhalten.
Die Fälle werden zum Schluss nicht ganz aufgelöst, aber es ist anzunehmen, dass da im Folgeband noch weitere Fakten zu Tage treten werden. Das ist einerseits als Cliffhanger spannend, andererseits hätte ich mir durchaus gewünscht, mehr Klarheit am Ende zu bekommen. Von den vielen eingeführten Figuren bleiben einige noch recht unbeleuchtet und durch etliche Andeutungen wäre es verwunderlich, wenn diese im nächsten Buch nicht noch einen großen Auftritt bekommen würden. Das bindet mich als Leserin an das Figurensetting, ich fühle mich aber durchaus etwas genötigt, hier unbedingt weiterlesen zu müssen. Es soll schlimmeres geben - ich freue mich bereits auf Band 2 von dem talentierten norwegischen Autor!
Rezensionen von Ele:
Aufbruch und Freiheit
Restsommer von Kea von Garnier
Restsommer, Coming of Age-Roman von Kea von Garnier, 400 Seiten, Blessing-Verlag
„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.
Dominik lebt im Zonenrandgebiet, wo sein Vater ein florierendes Beerdigungsinstitut betreibt, welches schon seit ein paar Generationen in Familienbesitz ist.
Eines Tages soll er das Institut übernehmen. Das erwartet sein Vater, doch je näher das Ende der Schulzeit rückt, desto mehr Zweifel kommen in ihm auf. Auch er hat Träume, von einem Leben, weitab von Toten und Beerdigungen. Doch kann er seinen Vater so sehr enttäuschen? Eines Tages verliebt er sich, doch diese Liebe verlangt Mut und Entscheidungen. Ein emotionaler Coming of Age Roman, der ans Herz geht.
Das Buch besteht aus 55 kurzen Kapiteln in idealer Leselänge, die mit Zahlen gekennzeichnet sind, Songtitel, anderssprachige Phrasen, Buchtitel und Eigennamen, sowie Chatverläufe sind kursiv hervorgehoben, somit deutlich dargestellt. Knackige Dialoge in Jugendsprache beleben den Roman.
Kea von Garnier schreibt fesselnd, flüssig einfühlsam und stimmungsvoll, ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Voller Atmosphäre, voller Gefühle und spannend. Ganz tief kann der Leser in das Innenleben des Protagonisten blicken. Der Roman ist im Ich-Stil aus der Sicht von Dominik geschrieben.
Die Figuren sind nachvollziehbar charakterisiert und authentisch, dazu passt die von der Autorin gewählte Jugendsprache die glaubhaft rüberkommt. Das Setting ist hervorragend beschrieben, selbst die Hitze die in diesem Sommer vorherrscht konnte man richtig spüren. Die Figuren sind so toll geschildert und beschrieben, ich hatte die Szenen immer deutlich vor Augen. Jede Figur konnte ich mir lebhaft vorstellen. Die Liebesszenen sind ästhetisch und überhaupt nicht peinlich ausgeführt. Auch der Umgang mit den Verstorbenen, die im Institut betreut werden, ist angenehm aufgefallen, da beweist von Garnier sehr viel Einfühlungsvermögen.
Ein weiterer Punkt der mir gefallen hat, war die Darstellung, der Vater/Sohn Beziehungen und der Familienverhältnisse, bei Biff und auch in der Familie von Dominik. Ich hatte ständig das Gefühl so könnte es sich tatsächlich abgespielt haben. Die schönen Szenen auf der Tagebauhalde oder auf dem Hochhausdach etc. habe ich genossen, weil sie so stimmungsvoll geschildert wurden.
Diesen gefühlvollen, genretypischen Coming of Age Roman habe ich sehr genossen, das Lesen hat mir richtig Freude gemacht, für alle die Erwachsen-werden Romane mögen, möchte ich Restsommer empfehlen. Ein tolles Buch welches 5 Sterne verdient.
Rezensionen von div:
faszinierendes Land
Südkorea von Christin Bohnke
faszinierendes Land
Das Buch "Südkorea" von Christin Bohnke gibt einen wunderbaren Einblick in ein faszinierendes Land.
Die liebevollen Illustrationen von Josephine Pauluth ergänzen den Text perfekt - und das beginnt bereits mit dem Cover - somit ist das Buch auch optisch sehr ansprechend gelungen.
Die Autorin schafft es, die Kultur, Geschichte und Besonderheiten Südkoreas auf eine sehr lebendige und leicht verständliche Weise zu vermitteln. Strukturiert ist das Buch in 40 Kapitel zu den verschiedenen Themen (welche sehr umfangreich ausgewählt sind), welche meistens eine Doppelseite umfassen.
Insgesamt ist dieses Buch eine großartige Mischung aus Wissen, Kreativität und Ästhetik. Es eignet sich hervorragend für Leserinnen und Leser, die mehr über Südkorea erfahren möchten, und macht große Lust darauf, dieses spannende Land selbst zu entdecken. Eine klare Empfehlung, und zwar nicht nur für die jüngeren Leser:innen, sondern auch Erwachsene kommen hier voll auf ihre Kosten.
Rezensionen von Ryria:
So geht Charakterentwicklung!
Prinzessin der tausend Diebe - Chosen von Thea Hong
Ohne große Umschweife knüpft das Buch an den ersten Band an und wirft uns in eine ziemlich düstere Situation:
Sora wurde getötet, unheimliche Monster überrennen die Städte, die Welt steht am Abgrund.
Jia wird zur Protagonistin der Geschichte und sieht nur noch eine Lösung: Eine Zeitreise in die Vergangenheit, um die Ursache der Monster zu finden und auszulöschen.
Doch wird sie ihren Plan dort auch umsetzen können?
Inhaltlich ist dies zwar eine Fortsetzung, jedoch könnte man es denk ich auch gut einzeln lesen, da diesmal ja Jia im Zentrum der Handlung steht. Für das volle Erlebnis empfehle ich aber trotzdem mit Band 1 zu beginnen, einfach um Jias Charakterentwicklung noch besser verfolgen zu können. Diese ist nämlich außerordentlich gut gelungen - von der ehemaligen Gegenspielerin wandelt sie sich zur Antiheldin und schließlich irgendwie sogar zu einer richtigen Heldin. Dies findet in einem angemessenen Tempo und schleichend statt, als Leser*in kann man wunderbar verfolgen, wie sich durch besondere Begegnungen und Erlebnisse ihre Ansichten und Denkweisen ändern, wie sie mehr Gefühle zulässt und langsam zu sich selbst findet.
Ihre Gefühlswelt konnte auch mich emotional echt packen, ich habe mitgefiebert und auch ein paar Tränchen vergossen.
Dazu ist sie auch einfach ein echt cooler Charakter, sie ist quasi der Inbegriff von "Badass" - was es umso schöner macht zu beobachten, wie ihr Herz erweicht wird.
Doch nicht nur Jia konnte mich als Charakter überzeugen, auch die Nebencharaktere und der Mann an ihrer Seite waren toll geschrieben und haben mein Herz erobert. Man hat hier immer wieder Found Family Vibes gespürt, sie alle hatten ihre Eigenarten, aber waren authentisch geschrieben und hatten einen wunderbaren Zusammenhalt.
Ich war richtig traurig, als die Geschichte vorbei war und hätte noch viele Kapitel mehr über diese Gruppe und die Liebesbeziehung lesen können.
Auch das Tempo war sehr angenehm, im ersten Band konnte ich manchmal nicht so gut folgen, das Problem hatte ich hier diesmal gar nicht - also falls euch Band 1 nicht so komplett zugesagt habt, gebt diesem Buch auf jeden Fall eine Chance!
Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf die Logik hinter der Zeitreise bzw. einige Fragen, die nicht so ganz beantwortet wurden.
Ich mag konkrete Antworten generell lieber als offene Fragen, daher fand ich es etwas schade, jedoch auch passend zum koreanischen Stil.
Aus emotionaler Sicht bin ich echt begeistert, daher kann ich es verschmerzen, jedoch könnte es etwas unbefriedigend sein, wenn man für alles logische Erklärungen möchte.
Insgesamt ein toller Abschluss der Dilogie, der mir sogar noch besser gefallen hat als der Vorgänger!
Rezensionen von csac:
Wo der Schleim zuhause ist…ein Sachbuch über Schnodder, Schlatz und Sabber
Ganz schön schleimig von Melanie Laibl
Was für ein witziges Buch! Ein Sachbuch über die ganze Welt des Glibbers, im Wasser, auf der Wiese, im Wald oder rund um und am Menschen. Auf insgesamt 47 informativen, prall gefüllten Seiten hat es die Autorin Melanie Laibl geschafft, ein Buch für große und kleine Leser zu schaffen, das vor „Wäh“ und „Igitt“ nur so trieft.
Damit ist der Spaß vorprogrammiert. Gleichzeitig erfährt man unglaublich viel Wissenswertes zum Thema Rotzen, Schniefen, Schlapperspuren und co. Neben der Vermittlung von grundlegendem Wissen (Was bezeichnet man überhaupt als Schleim, wie sieht er aus, welche Funktionen hat er und wie wirkt er?), gibt es ein spezielles Kapitel über einen Ort, an welchem der Schleim gang und gäbe ist: Das Wasser. Dabei geht die Autorin der Frage nach, wo und in welcher Form Schleim im feuchten Nass auftritt, welche Lebewesen ihn besonders dringend benötigen oder aber welcher bekannte Künstler eine Göttin dem Meeressch(leim)aum entsteigen lässt. Ähnlich bunt und vielfältig gestaltet sich der Abschnitt rund um das Thema „Schnodder auf der Wiese“. Vom Gatsch auf der Feuchtwiese bis hin zu den Schleimdrüsen der Schnecken erfährt man viel Wissenswertes mit Ekelgarantie. Besonders spannend fand mein Sohn auch den Bereich „Sabber in der Welt des Menschen“. Dass sich Schleim in Medikamenten oder in der Werkzeugkiste befindet, hatten wir bisher nicht bedacht. Schließlich kommen auch die zähen Körperflüssigkeiten der Menschen, namentlich Rotz oder Spucke, nicht zu kurz und sorgten für einige Lacher.
Abschließend sorgt auch das sehr kreative Kapitel „Weiterschleimen. Schleimspur in die Zukunft“ für Aha-Momente, etwa bei der möglichen Verwendung von Schleim beim Recycling von Kunststoffen. Ein „Glitschregister“ sorgt dafür, dass alles übersichtlich nachgeschlagen und schnell wieder gefunden werden kann.
Last but not least hat die Illustratorin Raffaela Schöbitz das dicht beschriebene Bilderbuch mit ihren ebenso detaillierten und lustigen Bildern aufgelockert.
Fazit: Ein wissenswertes Sachbuch zu einem bisher kaum beachteten Thema. Auch gut im Sachunterricht in der Grundschule verwendbar. Hat uns gut gefallen.
Rezensionen von Island :
Was uns verbindet
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel,2 Audio-CD, 2 MP3 von Alena Schröder
Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe um drei Generationen von Frauen. Die Titel und auch die Covergestaltung aller drei Teile ähneln sich und dienen so als verbindendes Element. Allerdings ist es nun schon wieder einige Zeit her, dass der zweite Teil erschienen ist, sodass ich mich nicht mehr besonders detailliert an die darin beschriebenen Geschehnisse erinnere.
Der letzte Teil spielt auf zwei Zeitebenen und an zwei Orten. In Güstrow ab Mai 1945 und in Berlin 2023. 1945 versteckt sich die damals 14-jährige Marlen vor den Russen in einer Kommodenschublade und findet dort ein Gemälde, das eine junge Frau zeigt. Marlen bleibt in Güstrow und wird von der Künstlerin Wilma nicht ganz uneigennützig unter ihre Fittiche genommen.
Im Jahr 2023 lebt die 34-jährige Hannah Borowski in Berlin und wird von ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin verlassen, da diese schwanger ist. Zugleich meldet sich plötzlich Hannahs Erzeuger bei ihr, der sich bisher nicht für sie interessiert hat. Sie versucht mehr darüber rauszufinden, was damals zwischen ihm und ihrer Mutter vorgefallen ist, was aber nicht so leicht ist, weil sowohl ihre Mutter als auch ihre Oma tot sind.
Ich empfand den Roman als gut lesbar und fesselnd. Hannah war mir auf jeden Fall sehr sympathisch und auch Marlens Geschichte, wie sie zu Beginn der DDR bei einer Künstlerin aufwuchs, war sehr interessant. Allerdings hatte ich erwartet, dass die beiden Handlungsstränge am Ende noch etwas mehr miteinander verwoben werden und, dass das titelgebende Bild noch einmal eine gewichtigere Rolle einnimmt. Der Schreibstil der Autorin war aber gewohnt gut lesbar und auch die Sprecherin des Hörbuchs war passend gewählt, ihre Stimme passte zur Atmosphäre des Romans und man konnte ihr gut folgen.
Rezensionen von Island :
Dreiecksfreundschaft
Spielverderberin von Marie Menke
Im Mittelpunkt von Marie Menkes Roman stehen drei junge Frauen. Sophie und Lotte sind in der gleichen Bauerschaft im fiktiven Süthland aufgewachsen, wo jeder jeden kennt. Romy kam erst in der Oberstufe zu ihnen, weil ihre Eltern aus München nach Süthland gezogen sind.
Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt.
Zunächst treffen sich die drei Protagonistinnen einige Jahre nach dem Abi an einem Weiher in ihrem Heimatort wieder. Dann gibt es Rückblicke in die Schulzeit, als sich durch Romys Zuzug einige Veränderungen ergeben haben. Während Lottes Leben noch während der Schulzeit anders als geplant verläuft, ziehen Sophie und Romy zum Studium nach Köln, wobei Sophie sich das ganz anders vorgestellt hat, als es am Ende abläuft. Zu Beginn des Studiums kommt es dann zu einem Ereignis, dass das Leben aller drei jungen Frauen verändert. Was genau passiert ist, wird aber lange nur angedeutet.
Mir hat gefallen, wie die Autorin den Kontrast zwischen Stadt- und Landleben eingefangen hat, man kann sich gut in Sophie hineinversetzen, wie es für sie ist, plötzlich in der Großstadt Köln zu leben, die lange so reizvoll erschien und doch irgendwie das Gefühl zu haben, nicht richtig in der Stadt heimisch zu werden. Lotte hätte für meinen Geschmack eine etwas größere Rolle im Roman einnehmen dürfen, wie es ihr mit all dem Erlebten geht, bleibt weitgehend offen. Etwas viel war für mich auch die Obsession, die Sophie bezüglich Romy entwickelt hat, für mich wäre das Identifikationspotenzial größer gewesen, wäre es um eine rein platonische Dreier-Freundschaft gegangen, bei der immer eine Person das Gefühl hat, außen vor zu sein.
Die Autorin schreibt aber gut nachvollziehbar und auch die Spannung, was nun genau vorgefallen ist, bleibt bis zum Schluss erhalten. Ich habe das Hörbuch zum Roman angehört und empfand auch dessen Sprecherin als passend gewählt, Stimme und Tonfall passen zur Atmosphäre des Buches.











