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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Janine2610:

Schreiben als Überlebensnotwendigkeit

Anne Frank Tagebuch von Anne Frank

Das Tagebuch der Anne Frank zählt zur Weltliteratur und wird als eines der eindringlichsten Dokumente über die Judenverfolgung während des 2. Weltkrieges beschrieben. Alleine durch diese Beschreibung wollte ich zu dem Buch greifen und mir selbst ein Bild von den Gedanken eines jungen jüdischen Mädchens über ihr Leben im Amsterdamer Hinterhaus-Versteck machen.

Gelesen habe ich das Buch schlussendlich mit zwei Bloggerinnen in einer gemeinsamen Leserunde, denn dass es zu der Thematik viel zu besprechen gibt, davon war auszugehen ...

~ Es ist für jemanden wie mich ein eigenartiges Gefühl, Tagebuch zu schreiben. Nicht nur, dass ich noch nie geschrieben habe, sondern ich denke auch, dass sich später keiner, weder ich noch ein anderer, für die Herzensergüsse eines dreizehnjährigen Schulmädchens interessieren wird. ~
(S. 18)

Als ich dieses Zitat gelesen habe, habe ich mir gedacht: Anne, wenn du damals nur gewusst hättest, dass dein Tagebuch eines Tages millionenfach verkauft und gelesen wird ...
Das Schicksal der Anne Frank dürfte vielen wahrscheinlich schon bekannt sein: Sie starb im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen, nachdem das Versteck, in dem sie und die anderen sieben Untergetauchten lebten, im Jahr davor von einem Lagerarbeiter an die Nazis verraten wurde. Diese Tatsache, die mir während dem Lesen natürlich ständig bewusst war, macht es schwer zu lesen, dass sich Anne Gedanken über die Zeit nach dem Krieg macht, Hoffnung hat und versucht, das beste aus der Situation im Hinterhaus zu machen. Wenn man weiß, dass sie nicht überleben wird, hinterlässt das einen trüben und traurigen Beigeschmack ...

~ Der Krieg stört sich nicht an unseren Streitereien, an unserer Sehnsucht nach Freiheit und Luft, und darum müssen wir versuchen, das Beste aus unserem Aufenthalt hier zu machen. ~
(S. 169)

Jedoch muss man sagen, dass derartige Gedanken nicht vorherrschend sind. Anne schreibt zwar hin und wieder in ihr Tagebuch, dass sie alle Angst haben und besorgt sind wegen dem, was draußen vor sich geht, aber die grundsätzlichen Themen sind eher die alltäglichen Probleme eines 13 bis 15-jährigen Mädchens mit ihrer Mutter, ihrer Schwester Margot oder den anderen im Hinterhaus lebenden Menschen. Anne verwendet auch viel Raum, um den ewig ähnlichen Tagesablauf zu beschreiben, über ihre Helfer zu sprechen, oder dass sie oft still sein mussten, wenig abwechslungsreiches Essen zur Verfügung hatten und dergleichen. Das habe ich so nicht ganz erwartet und fand ich manchmal etwas trocken zu lesen. Generell hätte es mich mehr interessiert, wenn Anne mehr über die derzeitige politische Lage, die derzeitige Kriegssituation bzw. das, was das in ihr ausgelöst hat, geschrieben hätte.

~ Aber das Lachen haben wir fast verlernt. Manchmal habe ich Angst, dass ich vor lauter Ernst ein starres Gesicht und Falten um den Mund bekommen werde. ~
(S. 137)

Anne ist ein charakterstarkes, lebensmutiges Mädchen mit ausgedehnter Energie. Sie kann ihren Willen durchsetzen und ist unbeeinflussbar, weswegen sie im Hinterhaus auch immer wieder angeeckt hat. Und da genau das das war, was sie am meisten beschäftigt hat, wurde es auch lang und breit thematisiert.
In meiner Taschenbuchausgabe kam durch die vielen Fotos, die immer wieder zwischendrin abgebildet waren, aber glücklicherweise etwas Abwechslung zustande. Und dann gab es von Zeit zu Zeit auch mal Situationen, in denen es für Anne und ihre Familie brenzlig wurde, weil sie beispielsweise unvorsichtig im Hinblick auf die Lautstärke waren - also, es war auch Spannung und Aufregung beim Lesen vorhanden, keine Frage!

~ Dieses Gerede höre ich den ganzen Tag. Invasion vorne, Invasion hinten. Dispute über Hungern, Sterben, Bomben, Feuerspritzen, Schlafsäcke, Judenausweise, Giftgase und so weiter. Alles nicht erheiternd. ~
(S. 179)

Es ist am Ende des Buches erschreckend, dass die Tagebucheinträge so plötzlich aufhören, ohne Vorwarnung. Man weiß zwar, dass die acht Hinterhäusler nun gefasst wurden, aber es lässt einen doch irgendwie fassungslos zurück, weil es von Anne ja nun keine Einträge mehr gibt und von ihr nicht mehr erfährt, wie es ihr weiterhin ergangen ist, was sie persönlich noch alles bis zu ihrem Tod durchstehen musste ... Ich war aber trotzdem sehr dankbar für das Nachwort in dieser Ausgabe, das zwei Seiten umfasst und die Schicksale von den acht Untergetauchten thematisiert - die wirklich alles andere als rosig sind! Besonders lesenswert empfand ich im Anschluss darauf dann noch Mirjam Presslers Text über Anne Franks Leben und die Geschichte der Familie von Anne Frank, der insgesamt etwa 24 Seiten lang war. Ein äußerst interessanter Abschluss, wie ich finde!

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Rezensionen von HEYN Leserunde, Manfred Kohl:

Mühsam

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Na ja, da ist schon Sprachwitz und literarische Gewandtheit drinnen, aber zu fesseln vermag dieser Roman nicht. Da überblättert man dann seitenweise und sucht nach Anhaltspunkten für Handlung und Tiefgang. Bremst man kurz und liest dann laut (vor), dann gewinnt der Autor durch seine fast manische Schreibweise.

Dennoch mühsam.

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Rezensionen von StefanieFreigericht:

?Nachts wirken alle Dinge schlimmer? ? spannend, aber bitte nicht den Klappentext lesen

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Jenny Milchmann hat mit ?Night Falls (Du kannst dich nicht verstecken) ? im US-amerikanischen Original ?As Night falls? ? einen Thriller abgeliefert, den ich immerhin so spannend fand, dass er für mich als Pageturner wirkte. Das liegt zum einen an dem über lange Strecken ab dem Beginn als ?Kammerspiel? angelegten Szenario, in dem der Roman bis auf die Rückblenden im einsam gelegenen Wohnhaus der Familie Tremont spielt, die aus den Eltern Sandy und Ben und der fünfzehnjährigen Teenager-Tochter Ivy besteht.

Zum anderen liegt die Wirkung an einem Motiv, das meiner Erfahrung nach besonders US-amerikanische Bücher und Filme gerne und häufig aufgreifen: es geht im Buch um die direkte Bedrohung einer Familie durch Verbrecher, in diesem Falle durch die beiden entflohenen Strafgefangenen Nick und Harlan.

Wenn ich hier von einem Motiv spreche, dann, weil es genretypisch bei entsprechenden Werken gerne fast jede Art von Gewalt für die Gegenwehr rechtfertigt bis hin zur Selbstjustiz ? und auch, wenn an dieser Stelle natürlich auch deutsches Recht die Option zu Notwehr gibt, selbst zur sogannten erweiterten (also um zum Beispiel Familienmitglieder zu schützen), wirken diese Darstellungen auf die meisten von uns im deutschsprachigen Raum doch gerne recht überzogen. Milchman spart hier nicht an Brutalität ? die Eindringlinge sind knallhart bestrebt, ihre Macht mit allen Mitteln durchzusetzen (Entwarnung: KEINE sexuellen Übergriffe) ? aber ihre Protagonisten sind für mich dadurch glaubwürdig, dass sie eben keine Selbstjustiz-Bestrebungen aufweisen, sondern schlicht ums nackte Überleben kämpfen und man ihre Abwägungen mitbekommt, welche ihrer Maßnahmen zu welchen Gegenmaßnahmen auf Seiten der Verbrecher führen könnten, so dass vieles nachvollziehbar verworfen wird, um zu keiner weiteren Gefährdung beizutragen.

Der Spannungsbogen wird durchgängig gehalten ab Beginn, da man bereits nach wenigen Seiten schon mitlesen kann, wie der Ausbruch aus dem Gefängnis vorbereitet und dann auch durchgeführt wird, als vier Gefangene zu einem Außen-Arbeitseinsatz gebracht werden. Darüber hinaus gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, zu einer Familie, bei der die Mutter einen, sagen wir sehr speziellen, Fokus auf den kleinen Sohn legt. Der Zusammenhang erschließt sich bald, aber die weiteren Hintergründe werden erst allmählich offenbar.

Was ich gut finde: Verbrecher Nick wird nicht als an sich gestörte Persönlichkeit dargestellt ? die Autorin beschreibt hingegen, inwieweit durch das Fehlen von gezogenen Grenzen in seiner Vergangenheit sein Charakter geformt wurde (keine Entschuldigung durch ?traurige Kindheit? oder ?Veranlagung?), das ist einmal etwas angenehm anderes.

Wermutstropfen
Das Buch hätte bei mir besser abschneiden können, wenn ich nicht einige Schwächen gesehen hätte.
Gerade zu Beginn verwendet die Autorin einige Bilder, die wohl sprachlich anspruchsvoller sein sollen, aber auf mich eher befremdlich wirken, z.B. ?Harlans Gesicht passte zum Rest seines Körpers. Seine Nase erinnerte an die eines Nagetiers, war grob geformt und einfach mitten in sein Gesicht gedrückt. Seine Augen waren ebenso wenig fein geschnitten, sondern rund wie Münzen und ziemlich ausdruckslos. Sein Mund erinnerte an die weit geschwungene Biegung eines Flusses.? Der Text wirkt gerade zu Beginn durch ähnliche Stellen auf mich etwas zu sperrig.

Achtung, Spoiler-Alarm: der Klappentext enthält den Hinweis, dass Sandy einen der Männer kenne ? so bitte nicht. Da das meist vom Verlag kommt, kann die Autorin natürlich nichts dafür, also habe ich mich bemüht, das nicht mit zu bewerten. Und: ich sehe nicht, wie etwas möglich gewesen sein soll zum Thema ?dritter Mann?.

Spannung von Beginn an und Kammerspiel-Szenario bei nachvollziehbaren Überlegungen der Familie führen damit bei mir zu 3,5 von 5 Punkten ? trotz der genannten Schwächen.

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Rezensionen von HEYN Leserunde Petra Gutsche:

Besser als jede Schlaftablette

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Wenn es die Möglichkeit gegeben hätte 0 Sterne für dieses Buch zu vergeben wäre ich wohl diejenige gewesen die diese 0 Sterne vergeben hätte. Unfassbar wie man pure Langeweile in 700 Seiten verpacken kann?
War der Beginn des Buches zumindest noch ein wenig unterhaltsam so wurde es ab Seite 100 von Seite zu Seite langweiliger.

Nachdem ich mehrmals beim Lesen tief und fest eingeschlafen war bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass das Buch wirklich nicht weiterempfohlen werden kann. Wer auch immer so etwas liest, ich zumindest gehöre nicht dazu.

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Rezensionen von manu63:

Ein orientalisches Märchen

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Im Reich der Verborgenen Die Auserwählte ist der Auftakt einer Reihe rund um Shahiqa, einer jungen Frau die sich in einer ihr unbekannten Welt wiederfindet, in der sie auf geheimnisvolle Wesen und Völker trifft. Auf ihrem Weg zurück in ihre eigene Welt und zu ihren verlorenen Erinnerungen erhält sie Hilfe von Shaheen und Mari die zur Ebene der Dschinn gehören und weiteren Protagonisten.

Immer wieder trifft Shahiqa auf Hindernisse, die sie mit viel Mut und Selbstüberwindung meistern muss.

Die Autorin Mehliqa Yigit erzählt Shahiqas Geschichte wie ein orientalisches Märchen in einer opulenten blumigen Erzählweise die mich an einen Märchenerzähler aus 1001 Nacht denken lässt. Wer hier eine schnelle und spannungsgeladene Geschichte mit schnellen Szenenwechsel erwartet den wir diesen Buch enttäuschen. Wer sich jedoch auf die Anfangs ruhige und später dann straffere Erzählweise einlässt, wird entführt in eine Märchenwelt rund um Dschinn und erlebt eine zauberhafte Geschichte von Mut und zu sich selber finden wollen. Was diese Geschichte noch von anderen Büchern unterscheidet, hier kommt die Autorin selber beim Schreiben ihrer Geschichte zu Wort und sie bekommt Hinweise wie sie Shahiqa als Person anlegen soll. Mal eine interessante Variante die sicherlich in den weiteren Bänden noch eine Rolle spielen könnte, da sie in Band 1 nur relativ kurz vorkommt.

Für mich auf jeden Fall lesenswert und ein eher etwas ruhiger angelegtes Buch das meine Erwartungen jedoch erfüllt und mich gut unterhalten hat.

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Rezensionen von Ela_Ela:

Wieder besser als der Bilderwächter :D

Der Libellenflüsterer von Monika Feth

Der siebte Band der SPIEGEL-Bestsellerserie Jettes Freundin Merle ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Als sie für einen Artikel zum Thema Tierquälerei recherchiert, wird sie mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise.

Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur?

In diesem Buch erkenne ich Monika Feth wieder. Ein megaspannender Jugendthriller.

Dieses Mal sind natürlich Merle und Jette wieder voll dabei nur das Merle eher die Hauptperson ist. Es wird wieder von mehreren Personen erzählt. Die Sichtweise der 5-jährigen Lo fand ich besonders entzückend. Die Autorin hat die kindliche Sicht verständlich den Leser nähergebracht. Vor Lo's Vater hätte ich auch Angst so wie er mit seiner Familie umgeht.

Ein sehr trauriges Thema das Monika Feth uns hier erzählt. Missbrauch in der Familie. Leider kommt dies heutzutage schon relativ oft vor. Aber für ein 5-jähriges Mädchen muss das doch sehr schlimm sein, wenn sie mit der täglichen Gewalt aufwächst. Mir taten Lo und Dinah immer total leid und ich wäre gerne in das Buch gesprungen und hätte Abel eine drübergezogen. Auch das sie Mutismus (psychogenes Schweigen) in diesem Buch behandelt finde ich echt toll und bewundernswert. Sie schafft es immer uns so etwas verständlich zu erzählen.

Was mich jedoch am meisten gestört hat waren die Fragen die am Ende offen geblieben sind. Finden die Kommissare Helges Leiche? Was ist mit Dinah passiert? Wird Lo wieder sprechen? Trägt Merle einen bleibenden Schaden zurück?
Ich hoffe es gibt noch einen weiteren Teil und dort werden meine Fragen beantwortet.

Fazit: Wieder ein megaspanndender Thriller von Monika Feth, der jedoch einige unbeantwortete Fragen zurücklässt. Würde mich über weitere Teile freuen. : D

Serie:
1. Der Erdbeerpflücker
2. Der Mädchenmaler
3. Der Scherbensammler
4. Der Schattengänger
5. Der Sommerfänger
6. Der Bilderwächter
7. Der Libellenflüsterer

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Rezensionen von rewa:

Humorvolle Alltagsgeschichten

Der Libellenflüsterer von Monika Feth

Zwischenmenschliches- drei heitere Kurzgeschichten von Britta Meyer als Booksnacks.
Den Leser erwarten drei humorvolle und nachdenkliche Geschichten. Mit einem Augenzwinkern betrachtet, kann man wirklich die eine oder andere Szene durchaus im eigenen Alltag wieder finden.
Pointenreich werden die Dialoge zwischen Mann und Frau erzählt und ein Schmunzeln kann dabei nicht ausbleiben.

In der Geschichte Romantik erleben wir eine Frau, die logischerweise eine andere Vorstellung davon hat als ihr DMDMAHL- die Erklärung der Buchstaben muss man schon selber lesen. Wobei hier eine Rose die gleiche Romantik versprüht wie eine Mettwurst .
Der Kaffee schmeckt nach Lamm, weil es nicht so leicht ist seiner kranken Freundin ein wohlschmeckendes Gericht selbst zu zubereiten.
Und in der Geschichte- Bin ich Apfelrotkohl?- hat der Mann das getan, was man besser nicht tun sollte. Nämlich, sich auf eine mehr oder weniger logischen Diskussion mit seiner Freundin einzulassen. Dass ,,Mann´´ dabei nur verlieren kann, ist doch selbstverständlich.
Zwischenmenschliche Alltagsgeschichten, wunderbar erzählt.

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Rezensionen von StefanieFreigericht:

Sinnlicher Genuss zwischen Pflicht und Liebe, der bewegt, statt einfache Lösungen aufzutischen

Die Eismacher von van der Kwast Ernest

?Wir wollen so viel an die nächste Generation weitergeben. Eis, Poesie, Werkzeug. Eine bestimmte Lebensweise. Nichts will man verloren gehen lassen, weil man sich sonst selbst infrage stellen müsste.? S. 349

Ernest van der Kwast schreibt vom Leben der Familie Talamini, aus dem Tal der Eismacher in der Region Venetien, Provinz Belluno, nord-westlich von Venedig.

Er erzählt aus der Sicht des Ich-Erzählers Guiseppe über die Gegenwart der Familie, mit Rückblicken auf die Familiengeschichte ab dem Urgroßvater des Ich-Erzählers, der ebenfalls Guiseppe hieß. Dieser war der erste Talamini, der Speiseeis hergestellt hat. Mühselig musste er die Maschine dafür mit der Hand drehen (?drehen, drehen, drehen? ist eines der oft wiederholten Motive); das Eis zum Herunterkühlen der Zutaten hatte er selbst aus den Bergen geholt. Er war zuerst als Maronibräter nach Wien gegangen, bevor er seiner Faszination für die Eisherstellung nachgeben konnte. Seine Nachkommen folgen der Familientradition: der Vater des Ich-Erzählers, Beppi (natürlich auch ein Guiseppe), sah mit seinen zwei Söhnen die Nachfolge als gesichert an. Als Kinder sind die Brüder noch unzertrennlich, selbst, als sie sich beide in Sophia verlieben: ?Luca und ich spielten beide eine absurde Variante des alten Ich-bin-nicht-verliebt-Spiels, und irgendwann konnte ein Dritter mit unserer Beute das Weite suchen. Doch dazu kam es nicht, es trat nie ein Dritter in Erscheinung.? S. 134

Stammhalter Guiseppe entscheidet sich gegen die Familientradition: er liebt die Poesie, studiert, arbeitet im Verlag, für eine Lyrikzeitung, für Lyrikfestivals. So übernimmt der jüngere Sohn Luca das Familiengeschäft. ?Er [der Bruder, Luca] arbeitete sechzehn Stunden am Tag, machte Eis, verkaufte Eis, reinigte die Maschinen und fiel am späten Abend wie ein Klotz ins Bett. Seine Welt war das Eiscafé, meine begann dort, wo die Terrasse aufhörte.? S. 180 Es ist hart, das Leben der Eismacher, mit langen Arbeitstagen in der Fremde, Wochen ohne Wochenende oder Freizeit, auch ohne die Kinder, die der Schule wegen in Italien bleiben, im Internat oder bei Verwandten. In den Sommerferien besuchen die Kinder ihre Eltern dort, wo die ihre Cafés betreiben, in Rotterdam, wie im Buch, oder in Deutschland, Österreich oder sonst in Europa.

Der Autor beschreibt viele Welten in seinem Buch: er berichtet von Lyrik-Liebhaber Guiseppe, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Hotels in der ganzen Welt kennt, aber sich sonst oft als Fremder fühlt, weil er soviel unterwegs ist; er erzählt die Geschichte der Eisherstellung, vom harten Leben in Norditalien gegen Ende des 18. Jahrhunderts; er redet vom Bruch in der Familie. Das Buch spricht von Liebe und Verzicht, vom Umsetzen von Träumen und von Pflicht, von Tradition und Moderne, von Hoffnungen und davon, dass nicht alles gut werden muss, wenn diese sich erfüllen. Es spricht aber auch viel davon, was ist, wenn Wünsche nicht erfüllt werden: ?Ich sah, weshalb mein Bruder aus Olivenöl Eis zu machen versuchte, warum er Melone mit Minze mischte, warum er bis tief in die Nacht über Rezepten brütete. Ich sah, warum Sophia manchmal bis halb elf im Bett blieb und den ganzen Tag auf die Pfützen starrte, in denen kleine Kinder mit ihren Stiefeln herumplantschten.? S. 220

Ich bin kein Poesie-Liebhaber (das Buch schreibt lange und viel über und von Poesie wie vom Eismachen), aber ich verstehe Faszination. Ich verstehe Genuss. Im Buch sagt der Vater über Sohn Luca: ?Sein Vanilleeis ist so fest und unwiderstehlich wie der Hintern von Sophia Loren.? Dazu antwortet sein Gast, jemand aus der Lyrik-Welt von Sohn Giovanni: ?Jetzt weiß ich, von wem ihr Sohn seine Liebe zur Poesie hat.? S. 190. Beides ist sinnlich, Kunst und Genuss ? allerdings sieht das speziell der Vater nicht, sieht es Bruder Luca nicht ? sieht es vielleicht nicht einmal Sohn Giovanni.

Während ich im ersten Teil des Buches nur vom Erzählstil gefangen war und davon, in mehrere mir fremde Welten völlig einzutauchen, ließ mich der zweite Teil vieles überdenken. Wenn ich für die Selbstverwirklichung bin, kann das auch das Ende von Traditionen bedeuten, den Verlust von Kulturgut: viele Handwerker finden heute keine Nachfolger mehr. Wenn ich mich der Pflicht verschreibe, bin ich hingegen vielleicht irgendwann verbittert und hasse die, die sich freier entschieden oder um derentwillen ich diese Pflicht auf mich nehme. ?Wir wollen so viel an die nächste Generation weitergeben. Eis, Poesie, Werkzeug. Eine bestimmte Lebensweise. Nichts will man verloren gehen lassen, weil man sich sonst selbst infrage stellen müsste.? S. 349 Ein starkes Buch, das sich einfachen Lösungen verwehrt und lange nachhallt.

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Rezensionen von rewa:

Das Leben und Sterben eines Häuptlings

Die Geschichte des Sitting Bull. von Erik Lorenz

Der Autor Erik Lorenz und die Illustratorin Claudia Lieb haben gemeinsam ein beindruckendes Werk über Tatanka Iyotake, besser bekannt als Sitting Bull, geschaffen.
Das Buch an sich ist schon von seiner hochwertigen Aufmachung her mit einem Schutzumschlag ein Eyecatcher. Die Illustrationen in zumeist braun, grün und rot Tönen gehalten zeigen oft mit wenigen Pinselstrichen beindruckende Szenen aus dem Leben der Indianer.

Manche Bilder sehen wie Figuren aus einem Schattentheater aus und erzeugen ein düsteres und eindringliches Gefühl beim Betrachten.
Erik Lorenz nimmt den Leser auf eine wunderschöne, fremde und erschütternde Reise mit, wo man das Leben und die Denkweise der Indianer von einer anderen Art kennen lernt. Die eher sachliche Erzählweise lässt den Leser ein wenig Abstand zu dem Geschehen halten, obwohl es oft traurige Ereignisse sind.
Interessant sind die sogenannten Kommentarkästchen, die man von der Schrift her etwas größer hätte gestalten können, da man hier interessante Informationen erhält wie z.B Mehrehe bei den Indianern, die Schrift der Indianer oder Bürgerkrieg. Detailgetreue Erklärungen wie man Leder herstellt oder was nach einer Büffeljagd aus dem Fell, den Sehnen oder Knochen hergestellt werden, werden immer wieder in die Geschichte mit eingewoben und ergeben ein umfangreiches Gesamtbild.
Die Welt der Lakota ist geprägt vom harten Kampf ums Überleben, aber auch von einem Mann, nämlich Tatanka Iyotake, der als weiser, klug handelnder Mann in die Geschichte eingegangen ist. Selbst als der Weisse Mann immer tiefer in die Welt der Indianer eindringt und der legendäre Vertrag von Fort Laramie unterschrieben wird, weiß Sitting Bull, dass sich das Leben der Indianer nicht zum Guten wenden wird. Hungersnot, Vertreibungen, Verräter und die Wild West Show mit Buffalo Bill, sind Begleiter von Tatanka Iyotake. Von Freunden geliebt und von Feinden gehasst. Eine Legende von der man heute noch spricht.

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Rezensionen von elafisch:

Wenn Erinnerungen die Hoffnung auf ein normales Leben sind

Dark Memories - Nichts ist je vergessen von Wendy Walker

Nichts ist je vergessen! Das ist die These von Alan, einem Psychotherapeuten, der versucht Jenny Kramer, die nach einer extrem brutalen Vergewaltigung, der Behandlung unterzogen wird, ihre Erinnerungen wieder zu geben. Die Behandlung, die durch Medikamente verhindert, dass sie sich an die Ereignisse dieser Nacht erinnern kann.

Doch die negativen Gefühle wüten in ihr und geben ihr keine Chance auf ein normales Leben. Alan versucht mit Jenny gemeinsam die Erninnerungen wieder zu finden.
Doch man erfährt auch viel aus dem Leben anderer Patienten und die Wirrungen zwischen ihnen sind komplexer als es zunächst den Anschein hat.

Das Buch ist aus Alans Sicht geschrieben, so dass man tiefe Einblicke in seine Arbeit und auch seine Gedanken hat.
Das Buch beginnt recht sachlich, erläutert zunächst ausführlich wie Erinnerungen funktionieren, wie man sie ?löschen? oder auch wieder ausgraben kann. Das mag manchem öde und langweilig vorkommen, mich hat das Thema fasziniert und gefesselt. Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Schreibstil noch sehr sachlich, was vielleicht ebenfalls nicht jedem gefällt für mich passte es allerdings sehr gut zur Geschichte, nur kam ich nicht ganz so schnell vorwärts beim Lesen. Später lässt die Theorie nach und damit einher geht auch ein Schreibstil der etwas lockerer wird und stärker von Gefühlen geprägt ist.
Im Mittelteil hatte das Buch für mich leider ein paar Längen, aber dann wurde die Atmonsphäre nach und nach immer bedrückender, irgendwann erschien jeder verdächtig und die Neugier auf den Täter wuchs immer weiter.

Alles in allem hat mich dieses Buch gut unterhalten und ich kann es jedem empfehlen, der sich auf diesen etwas anderen Psycho-Thriller einlassen möchte.
Für jeden der einen waschechten Thriller erwartet ist dieses Buch aber wohl das Falsche.

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