Kunden em pfehlungen
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Geistreiche Lektüre über erfolgreiches Lehren und Lernen
Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen von John Hattie
Aufbauend auf seine bahnbrechende Studie 'Visible Learning' wendet der Autor seine dort gewonnenen Erkenntnisse nun auf die konkrete Unterrichtssituation an. Das Buch unterscheidet sich insofern wohltuend von vielen bekannten pädagogischen Ratgebern als darin nicht versucht wird, eine bestimmte Methode, eine bestimmte Lernform oder auch diese oder jene Schulstruktur als den entscheidenden Faktor beim Lernerfolg der SchülerInnen zu bestimmen.
Denn einer der wichtigsten Faktoren für den Lernerfolg bestehe darin, dass sich Lehrpersonen regelmäßig darüber Gedanken machen sollten, welchen Einfluss ihre Lehrtätigkeit eigentlich auf die SchülerInnen hat. Die Bereitschaft, Schülerleistungen nicht nur als deren persönliche Leistungen, sondern auch als eine bestimmte Form des feedbacks für die Lehrperson anzusehen, stelle eine wesentliche Voraussetzung für die kritische Selbstevaluation des eigenen Unterrichtens dar.
Es wäre allerdings eine grobe Vereinfachung – um nicht zu sagen ein grobes Missverständnis –, nun zu glauben, es käme einfach nur auf die Lehrperson an. Dieses weit verbreitete Cliché wird durch die empirischen Daten nicht gestützt; vielmehr werde dadurch nur die Tatsache verdeckt, dass gerade Lehrpersonen sehr unterschiedlich sind und ihr Einfluss auf erfolgreiches Lernen die größte Varianz aufweise.
Der Autor vertritt vielmehr die These, dass es vor allem auf bestimmte Grundhaltungen im Lernprozess zwischen Lehrpersonen und SchülerInnen ankomme. Lehrpersonen sollten eine grundsätzliche Bereitschaft entwickeln, die Auswirkungen ihres Unterrichtens regelmäßig anhand von Schülerleistungen zu evaluieren. Letztlich gehe es beim Feedback der SchülerInnen für die Lehrperson nicht um diese oder jene Unterrichtsmethode bzw. -stil, sondern darum, dass die Lehrperson erkennt, wie erfolgreich die zu erreichenden Lernziele vermittelt wurden.
(Die Rezension bezieht sich übrigens auf die englischsprachige 1. Aufl. von 2012.)
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Inspirierend, aber teilweise auch weltfremd
Haben oder Sein von Erich Fromm
Die Relekture dieses Klassikers hat in mir viele Erinnerungen wachgerufen, vor allem das für das Jugendalter der 1970er Jahre typische schwärmerische und oft auch radikale Denken. "Haben oder Sein" stellt zwei Daseinsweisen einander gegenüber, die sich gegenseitig ausschließen. Die Realität ist jedoch viel komplexer, als dass sie in zwei Seinsweisen auseinanderfällt.
Es hätten vermutlich manche Missverständnisse vermieden werden können, wenn Erich Fromm diese Seinsweisen als Typologien dargestellt hätte und nicht als konkrete Verhaltensweisen. Denn es gibt ja in Wirklichkeit kaum Menschen, die als ausschließliche Vertreter der einen oder anderen Daseinsweise betrachtet werden können. In jedem von uns schlummern beide Neigungen in unterschiedlichen Ausprägungen, weshalb man sich eher darum bemühen sollte, im Leben insgesamt mehr zu "sein" als bloß im Modus des "Habens" gelebt zu haben.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Inspirierend, aber teilweise auch weltfremd
Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft von Erich Fromm
Die Relekture dieses Klassikers hat in mir viele Erinnerungen wachgerufen, vor allem das für das Jugendalter der 1970er Jahre typische schwärmerische und oft auch radikale Denken. "Haben oder Sein" stellt zwei Daseinsweisen einander gegenüber, die sich gegenseitig ausschließen. Die Realität ist jedoch viel komplexer, als dass sie in zwei Seinsweisen auseinanderfällt.
Es hätten vermutlich manche Missverständnisse vermieden werden können, wenn Erich Fromm diese Seinsweisen als Typologien dargestellt hätte und nicht als konkrete Verhaltensweisen. Denn es gibt ja in Wirklichkeit kaum Menschen, die als ausschließliche Vertreter der einen oder anderen Daseinsweise betrachtet werden können. In jedem von uns schlummern beide Neigungen in unterschiedlichen Ausprägungen, weshalb man sich eher darum bemühen sollte, im Leben insgesamt mehr zu "sein" als bloß im Modus des "Habens" gelebt zu haben.
Rezensionen von yellowdog:
Beklemmende Atmosphäre
NACHTWILD von Phillips Gin
Joan ist mit ihrem 4jährigen Sohn Lincoln im Zoo als plötzlich zwei junge Männer auftauchen, die bewaffnet sind und um sich schießen. Ein Amoklauf!
Joan reagiert sofort, flüchtet mit Lincoln in eine leeres Tiergehege um sich dort zu verstecken.
Der Roman ist nahezu in Echtzeit erzählt. Die Bedrohung, die Joan fürchtet, kann man beim Lesen mit Beklemmung mitempfinden.
Die amerikanische Autorin Gin Phillips schildert das Szenario in einem Zeitraum von nur ca. 3 Stunden. Die Zeiten werden kapitelweise angegeben, so dass man den Überblick behält, denn in diesen Stunden geht Joan viel durch den Kopf und schließlich müssen sie wieder flüchten vor den Männern, die vom Columbine-Massaker beeinflusst wurden und im großen Zoo jetzt die Menschen jagen, sie schießen sogar auf die Tiere, töten Affen und einen Elefanten. Von Polizei oder anderer Hilfe keine Spur!
Joan und Lincoln treffen weitere Menschen auf der flucht, die junge Kailynn und eine pensionierte Lehrerin.
Eine bemerkenswerte Szene gibt es als Lehrerin auf einen der Killer trifft, der sie als seine Lehrerin wiedererkennt und verschont.
Es dauert zwei Drittel des Romans bis es endlich zur offenen Konfrontation kommt, die man als Leser erwartet wie befürchtet hat. Die angekündigte Dramatik überwältigt! Das Buch ist eine Mischung aus Thriller und Drama und erinnert an Filme wie Panic Room oder Elephant.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Polemische Abrechnung mit dem Autofahren, die realistische „Anstöße zum Umdenken“ vermissen lässt
NACHTWILD von Phillips Gin
Auch wenn am Klappentext zu lesen ist, dass es sich bei diesem Buch um keine Streitschrift gegen das Auto handle, so ist es dies nach meiner Einschätzung sehr wohl. Bis zur Seite 102 wird der Leserschaft in einem überwiegend polemisch gehaltenen Stil erklärt, warum das Autofahren wie ein Virus wirke, der sich in den Köpfen der Menschen einniste, "geistige Mobilität" verhindere und für zahlreiche gesellschaftliche Übel verantwortlich sei.
Der Mensch verlerne durch das Auto seinen aufrechten Gang und sei durch die Evolution nicht auf dieses Fortbewegungsmittel vorbereitet, weil er die Folgen seines Handelns beim Autofahren nicht mehr verantworten könne ... Diesen "Gefahren" will der Autor durch Gegenmaßnahmen begegnen, die er auf den restlichen Seiten seines Buches (102-109) vorschlägt, darunter v.a. das Parken von Autos am Rande der Städte.
Positiv bleibt anzumerken, dass der Autor zahlreiche Probleme aufzeigt, die durch das Auto mitverursacht wurden bzw. erst entstanden sind, wie Zersiedelung (so sind z.B. viele Einkaufsmöglichkeiten von den Zentren an die Stadtränder verlagert worden bzw. dort neu hinzugekommen), Lärm, Luftverschmutzung und - was zu oft verdrängt wird - das Gefahrenpotential für das eigene Leben und das anderer VerkehrsteilnehmerInnen. Als Nichtautofahrer sehe ich viele im Buch aufgezeigten Probleme ähnlich. Insgesamt gewinnt man aber bei der Lektüre den Eindruck, der Autor idealisiere das vormoderne Zeitalter, in der es noch wenige technische Hilfsmittel gab und Kinder nicht in "bezahlte 'Ablagestellen', Kinderkrippen" (22) gegeben wurden ... Das Buch ist geprägt durch eine romantisierend anmutende Vorstellung, in der wieder das Handwerk im Dorf aufblüht und es keine großen Konzerne mehr gibt ...
So wichtig grundsätzlich der verstärkte Verzicht auf das Autofahren und die Suche nach Alternativen ist, so wenig hilfreich scheint mir die pauschalisierende Verunglimpfung von AutofahrerInnen als Menschen, die ihre "geistige Mobilität" verloren hätten, zu sein. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, hier schreibt sich jemand seinen ganzen Frust über das vergebliche Bemühen von der Seele, die Welt in eine autofreie Zone zu verwandeln.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Polemische Abrechnung mit dem Autofahren, die realistische „Anstöße zum Umdenken“ vermissen lässt
Zurück zur Mobilität! von Knoflacher Hermann
Auch wenn am Klappentext zu lesen ist, dass es sich bei diesem Buch um keine Streitschrift gegen das Auto handle, so ist es dies nach meiner Einschätzung sehr wohl. Bis zur Seite 102 wird der Leserschaft in einem überwiegend polemisch gehaltenen Stil erklärt, warum das Autofahren wie ein Virus wirke, der sich in den Köpfen der Menschen einniste, "geistige Mobilität" verhindere und für zahlreiche gesellschaftliche Übel verantwortlich sei.
Der Mensch verlerne durch das Auto seinen aufrechten Gang und sei durch die Evolution nicht auf dieses Fortbewegungsmittel vorbereitet, weil er die Folgen seines Handelns beim Autofahren nicht mehr verantworten könne ... Diesen "Gefahren" will der Autor durch Gegenmaßnahmen begegnen, die er auf den restlichen Seiten seines Buches (102-109) vorschlägt, darunter v.a. das Parken von Autos am Rande der Städte.
Positiv bleibt anzumerken, dass der Autor zahlreiche Probleme aufzeigt, die durch das Auto mitverursacht wurden bzw. erst entstanden sind, wie Zersiedelung (so sind z.B. viele Einkaufsmöglichkeiten von den Zentren an die Stadtränder verlagert worden bzw. dort neu hinzugekommen), Lärm, Luftverschmutzung und - was zu oft verdrängt wird - das Gefahrenpotential für das eigene Leben und das anderer VerkehrsteilnehmerInnen. Als Nichtautofahrer sehe ich viele im Buch aufgezeigten Probleme ähnlich. Insgesamt gewinnt man aber bei der Lektüre den Eindruck, der Autor idealisiere das vormoderne Zeitalter, in der es noch wenige technische Hilfsmittel gab und Kinder nicht in "bezahlte 'Ablagestellen', Kinderkrippen" (22) gegeben wurden ... Das Buch ist geprägt durch eine romantisierend anmutende Vorstellung, in der wieder das Handwerk im Dorf aufblüht und es keine großen Konzerne mehr gibt ...
So wichtig grundsätzlich der verstärkte Verzicht auf das Autofahren und die Suche nach Alternativen ist, so wenig hilfreich scheint mir die pauschalisierende Verunglimpfung von AutofahrerInnen als Menschen, die ihre "geistige Mobilität" verloren hätten, zu sein. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, hier schreibt sich jemand seinen ganzen Frust über das vergebliche Bemühen von der Seele, die Welt in eine autofreie Zone zu verwandeln.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Eine solide "Arbeit", aber wenig Neues
Arbeit von Joachim Bauer
Der Autor zeichnet in seinem Buch zahlreiche bereits bekannte Aspekte der Arbeit nach, die er z. T. aus neurobiologischer Sicht untermauert.
Wirklich Neuem begegnet man aber bei der Lektüre kaum. Bei manchen - v.a. den geschichtlich-philosophischen Abschnitten - über Arbeit wird man fast an den Duktus einer Seminararbeit erinnert.
Insgesamt eine gründliche "Arbeit", die zwar viel Bekanntes bringt, sie aber immerhin mit neurobiologischen Argumenten anreichert.
Rezensionen von manu63:
Öko-Thriller
Das Eis von Laline Paull
Das Eis ist ein Öko-Thriller der Autorin Laine Paul, sie nimmt sich darin des Themas an, wie die Arktis ausgebeutet wird und was die Folgen dafür sein können.
Drei Jahre nach seinem spurlosen Verschwinden taucht die Leiche des Ökoaktivisten Thomas Harding aus einem kalbenden Gletscher wieder auf.
Der letzte der Harding lebend sah war sein Freund und Geschäftspartner Sean Cawson. Im Laufe einer gerichtlichen Untersuchung gelangen Informationen ans Licht die das Leben aller Beteiligten nachhaltig ändern.
Das Buch selber ist spannend geschrieben und gibt gute Einblicke in das Seelenleben von Sean Cawson. In Rückblenden wird sein Lebensweg deutlich und was ihn mit Thomas Harding verband. Diese Rückblenden sind nicht immer eindeutig gekennzeichnet, so das mein Lesefluss hin und wieder stockte und ich überlegen musste wo und wann spielt die Geschichte gerade. Das hätte die Autorin besser lösen können. Den einzelnen Kapitel sind auch Auszüge aus Büchern zur Arktis vorangestellt, die ich oftmals nicht in Einklang bringen konnte mit dem nachfolgenden Kapiteln. Da konnte ich der Autorin leider nicht folgen.
Insgesamt hat mich der Aufbau der Geschichte trotz der vorher erwähnten Mängel in den Bann gezogen und ich wollte gerne wissen was nun tatsächlich passiert war und wie alles zusammenhing.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Anregende, aber auch schwierige Lektüre
Beschleunigung von Hartmut Rosa
Hartmut Rosa versucht in seiner Habilitationsschrift darzulegen, dass die oft zu beobachtende Beschleunigung in unterschiedlichsten Bereichen jener zentrale Faktor sei, der sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene viele Entwicklungen der (Spät-)Moderne am besten erklären könne.
So hinterlasse die rasante technologische Entwicklung einerseits deutliche Spuren in der Gesellschaft, indem sie den sozialen Wandel beschleunige; andererseits werde dadurch das individuelle Lebenstempo erhöht, was wiederum den Wunsch nach neuen Technologien zur Folge hat usw. Es entstehe dadurch ein Beschleunigungszirkel, der sich immer schneller drehe ... Befeuert werde dieser Zirkel durch unterschiedliche Triebkräfte: Die technische Beschleunigung durch den "ökonomischen Motor" (Zeit ist Geld), der soziale Wandel durch den "sozialstrukturellen Motor" (d.h. durch zunehmende funktionale Differenzierung) und das individuelle Lebenstempo durch den "kulturellen Motor". Letzteres deutet Rosa als "säkularisierten Ersatz" für religiöse Ewigkeitsverheißungen: Weil das diesseitige Leben als das einzige angesehen werde, versuche man, möglichst viele Optionen in immer kürzerer Zeit zu verwirklichen ...
Der Autor hat in seinem Werk eine wichtige Dimension in der Entwicklung moderner Gesellschaften ins Zentrum seiner Gesellschaftstheorie gerückt. Wie bei allen "Großtheorien" besteht m. E. allerdings die Gefahr, mit einem Faktor - hier: mit der Beschleunigung - zu viel erklären zu wollen. Eine weitere Frage, die sich hier anschließt, ist jene nach der behaupteten Gesetzmäßigkeit der Beschleunigung, die kaum ein Entrinnen - sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene - ermögliche.
Eine anregende Lektüre, die viele neue Einsichten bietet, aber sowohl inhaltlich als auch sprachlich nicht leicht zu lesen ist.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Anregende, aber auch schwierige Lektüre
Beschleunigung von Hartmut Rosa
Hartmut Rosa versucht in seiner Habilitationsschrift darzulegen, dass die oft zu beobachtende Beschleunigung in unterschiedlichsten Bereichen jener zentrale Faktor sei, der sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene viele Entwicklungen der (Spät-)Moderne am besten erklären könne.
So hinterlasse die rasante technologische Entwicklung einerseits deutliche Spuren in der Gesellschaft, indem sie den sozialen Wandel beschleunige; andererseits werde dadurch das individuelle Lebenstempo erhöht, was wiederum den Wunsch nach neuen Technologien zur Folge hat usw. Es entstehe dadurch ein Beschleunigungszirkel, der sich immer schneller drehe ... Befeuert werde dieser Zirkel durch unterschiedliche Triebkräfte: Die technische Beschleunigung durch den "ökonomischen Motor" (Zeit ist Geld), der soziale Wandel durch den "sozialstrukturellen Motor" (d.h. durch zunehmende funktionale Differenzierung) und das individuelle Lebenstempo durch den "kulturellen Motor". Letzteres deutet Rosa als "säkularisierten Ersatz" für religiöse Ewigkeitsverheißungen: Weil das diesseitige Leben als das einzige angesehen werde, versuche man, möglichst viele Optionen in immer kürzerer Zeit zu verwirklichen ...
Der Autor hat in seinem Werk eine wichtige Dimension in der Entwicklung moderner Gesellschaften ins Zentrum seiner Gesellschaftstheorie gerückt. Wie bei allen "Großtheorien" besteht m. E. allerdings die Gefahr, mit einem Faktor - hier: mit der Beschleunigung - zu viel erklären zu wollen. Eine weitere Frage, die sich hier anschließt, ist jene nach der behaupteten Gesetzmäßigkeit der Beschleunigung, die kaum ein Entrinnen - sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene - ermögliche.
Eine anregende Lektüre, die viele neue Einsichten bietet, aber sowohl inhaltlich als auch sprachlich nicht leicht zu lesen ist.










